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ftcue Tageszeitung. Samstag, den 21. Oktober 1811
v ber Städte beauftragt,, sofort Höchstpreise für Spersekar- tcffeln festzufetzen, die dem örtlichen Ernteertrag, den Verkehrs- und Absatzverhältnissen usw. anznpassen sind und einem bestimniten Betrag nicht übersteigen dürfen. Die Negierung ist nach dem Rcichsgesetz vom 4. August 1911 zu einem solchen Schritt berechtigt, wir möchten aber dringend vor übereilten Schritten warnen. Bisher hat die Festsetzung eines Kartoffclhölbstprciscs in einzelnen Städten gerade das Gegenteil von dem ergeben, was nian zu erzielen' hoffte. Wenn, wie es in Gießen und Tarmstadt geschehen ist, Höchstpreise für Kartoffeln festgesetzt werden, die der Marktlage nicht entsprechen, dann bleiben die Verkäufer einfach dem Markte fern. Solange Händler aus entfernteren Gegenden kommen und höhere Preise bieten, kann man es den Landwirten gewiß nicht verdenken, wenn sie ihre Ware dorthin losschlagen. Man kann sie doch nicht zwingen, daß sie gerade in die betressenden Städte verkaufen müssen. Vieijach tragen sa auch unsi'"rigr iNachrichtc» dazu bei, die Verwirrung zu erhöhe»: °o brachte der General-Anzeiger eine Notiz, daß es im Odenwald so viele Kartoffeln gäbe und daß 5.10 Mk. siir das Malter ein angemessener Preis in Frankfurt sei. Daß der Odenwald das Großstadt- und Industriegebiet von Frankfurt u. Umgebung mit Kartoffeln versorgen soll, darüber lachen J färntlidjc Kühe in den Ställen. In der Tat kommen Händler ans dem Odenwald in die Wetterau und bieten 7 Mark für das Malter bei Waggonladung. Wenn solche Preise geboten werden, dann hat eine Preisfestsetzung von 6 Mark in den Städten nur den Erfolg, daß diese Städte keine Zufuhr von Kartoffeln erhalten. Wenn was erreicht werden soll, dann müßte allgcnicin ein Höchstpreis festgesetzt werden. Das kann aber nicht einseitig vom grünen Tisch aus geschehen, da niüßten zuständige Stellen aus der Landwirtschaft und des Hondelsstandes zugczogcn werde».
• Fricdberg, 25. Okt. Die Mitglieder des Vereins ehemaliger llöer werden zu einer Besprechung auf heute Samstag, de» 24. d. M-, abends Uhr in das Dercinslokal (Ratskcl- ler) hiermit eingeladen.
* Fricdbrrg.Fi»,erblich, 24. Okt. Der Sergeant Hrch. Sänger, Sohch des Weichenstellers 1. Kl. Gg. Sänger, erhielt wegen Tapferkeit vor dem Feinde das Eiserne Kreu z.
■ Zentrale für Kriegssürsorge. Die Zentrale hat einen Arbeit-, nachewis für Angehörige von Kriegsteilnehmern eingerichtet. Es ergeht deshalb die herzliche Bitte, von diesem Nachweis möglichst Gebrauch zu machen, um dadurch, besonders den Frauen unserer Krieger, durch Zuwendung von Hausarbeit aller Art und Mvnatsstellen Arbeitsgelegenheit zu gewähren. Anmeldungen von Arbeitgebern worden iin Geschäftszimmer Rathaus Nr. 11, Montag und
Donnerstag, vormittags von 10 bis 12 Uhr. und Dienstag nachmittags von 4—6 nachmittags von 4—6 Uhr entgegen- genommen auch können diese schriftlich jederzeit cinzoreicht werden. Angebote zur Ucbernahme von Arbeiten durch Angehörige von Kriegsteilnehmern können in gleicher Weise erfolgen.
* Holzhavsen r>. d. H., 24. Okt. Zm „Franlsurter Ecncral- anzeigcr befindet sich unter den mit dem Eisernen Kreuz
Ausgezeichneten, Untcioffizicr Brauns des Res.-Ins.-Regts. Nr. 1 IG 5. Kompagnie. Wir haben allen Anlaß anzunehmen, daß cß sich um unseren hiesigen Lehrer Braun handelt, der Unteroffizier in der 5. Kompagnie des Inf.-Rcgts. Nr. llß ist.
* Reichelsheim t. s. W., 24. Okt. Der Aufruf zur Bildung einer Zugendwchr hat hier vollen Erfolg zu verzeichnen. Bereits haben sich 40 junge Leute zusammcngcfunden. An ihrem Eifer für diese vaterländische Lache kann man seine Helle Freude haben. An zwei Wochcnabcndcn wird fleißig geübt und geturnt, auch werden kurze Vorträge und Ansprachen gehalten. Der Sonntag nachmittag von 3 Uhr ab dient den llebungcn im Freien nach den vcm Kriegsininisterinm aufgestellten „Richtlinien", soweit dies für unsere Vcrhältnisic möglich ist. Das Kriegsspiel, Brückenschlägen über die Horloff, Winkcrdienst, Entfernungsschätzen usw. füllen solche Nachmittage aus, auch wurde bereits eine Nachtübung draußen abgchalten, wobei die Erstürmung der vom Feind geschlagenen Brücke die Hauptleist- ung darstclltc. Die Führerschaft haben Mitglieder unseres Turnvereins und andere Freunde Zungdcutschlands übernommen.
* 5. C. Butzbach, 22. Okt. Ein Veteran, der 1849 den Feldzug iit Baden mitgemacht, der Gefangencnanfseb.'r Tern, ist im 87. Lebensjahre hier verstorben. Der» war früher am Provinzialairesthaus in Gießen, sodann am Landcszuchtbans „Marienschloß" in Nockenberg tätig.
* Frankfurt o. 91., 23. Okt. In der Presse ist schon vor einiger Zeit auf die Wahrnehmung hingewicscn worden, daß ' ie Ordnung in den Zügen, namentlich in den D-Zügen, zu wünschen übrig lasse, weil seit Ausbruch des Krieges einzelne Reisende sich über die bahnpolizeilichc Vorschriften hinwegsetzcn zu können glaubten. Im Anschluß daran war die Erwartung ausgesprochen worden, daß das deutsche reisende Publikum bei der allmählig sich vollziehenden Rückkehr zu dem Friedensplan nunmehr auch die alte Ordnung hochzuhalten wissen werde. Nach den bisherigen Wahrnehniungen ist dies leider in befriedigendem Ilmfange noch nicht der Fall. Noch immer geben sich Reisende garnicht die Mühe, einen Platz in der ihrer Fahrkarte entsprechenden Klaste aufzusuchen, sondern setzen sich ohne weiteres in eine höhere Klasie. In Nichtraucherabteilen und in den Speisewagen wird geraucht, Frauenabteile werden von Männern besetzt. Unter einem derartigen Verhalten Einzelner niuß die Gesamtheit leiden. Das Stations- und Zugpersonal ist daher angewiesen worden, solchen Reisenden gegenüber mehr als bisher auf Ordnung zu halten. Bei der recht schwie
rigen Pflicht, die Ordnung am und im Zuge aufrecht zu erhalten, ist cs dringend erwünscht, daß den Anordnungen der Be- amtcn, die den außergewöhnlichen Verhältnissen soweit ec- gängig Rechnung zn tragen sich bemühen, von den Skeiscnldn» Verständnis entgegengebracht, und daß den Beamten ihre Tätigkeit nicht erschwert wird. Ein weit verbreiteter s scheint auch der zu sein, daß Unteroffiziere und Man - jetzt in jeder beliebigen Wagcnklaffe Platz nehmen d Demgegenüber muß daraus hingewiescn werden, daß die tärpersonen von den Eisenbahnen nicht frei befördert, sondern daß alle Leistungen der Eisenbahnen von dem Deutschen bezahlt werden. Zft es daher aus diesem Grunde schon i gleichgültig, welche Wagcnklasse von den Mili iirpi June» nutzt wird, so kommt hinzu, daß llnterossizierc und Mann ten auf Erund von Militärsahrtarten und Mliiiä-tabrsih , im allgemeinen nur die Berechtigung zur Benutzung der Ni Klasse haben. Nur wen» die absendende Mrliturbru ede 4'. ilebcrzcugung hat, daß au? irgend einem Grunde, t-'-y. weise in Rücksicht aus die Art der Verwundung oder de-i Zustand des Verwundeten, die Besördcrung aus Poisterützen notig macht, kann sie dies in den Militärsahrschei» eintragen, woraus dann der Verwundete in einer entsprechenden Klasse bv iördert wird. Die Staatsbahnverwoltung ha! in zahlreiche» Schnellzügen besondere Abteilwagen für einzeln reisende Verwundete eingestellt. Diese Wagen erleichtern die Unterbringung Verwundeter, die der Hilfe beim Ein- und Aussteigcn bedür seit, und erleichtern es ferner dem Roten Kreuz, aus Unter wrgsstationen Stärkungsmittel zu verabreichen. Es ist daher nicht zu billigen, wenn Reisende die Verwundete» veranlassen, in anderen Abteilen oder in Abteilen Platz zu nehmen, für die die Militärsahrscheine nicht gelten. Den Verwundeten, di häufig mehrere Tage nnlerwegs sind, wird damit keine Wohl, tat erwiesen, zumal wenn sie dann noch durch Fragen um die ihnen nötige Ruhe gebracht werden.
Aus Starkcnburg.
* Hctzbach i. C., 24. Okt. Hier zersprang am Donnerstag in der seither nicht benützten, aber seit Ausbruch des Kriege? durch crns Frankfurter Gesellschaft wieder in Betrieb gesetzten Pulversabrik, die anscheinend nicht mehr ganz betrieb-tz, u ge Pulvcrpreffe unter explosiven Wirkungen und wurden dabei 3 Arbeiter, darunter einer schwer verletzt. Gerichtliche Unter suchung Uber die Ursache des Unfalles ist im Gange,
Die „Illustrierte Kriegs-Cheonik" wird diesmal erst der Montags-Nnnnncr sicigelegt werden.
Franksurtcr Wetlcrbericht.
Voraussage: Wolkig, zeitweise leichte Riede,schlüge, Temperatur unverändert, südwestliche Winde.
Verantwortlich für den politischen und lokalen Teil: Otto Hirschel, Friedberg: für den Anzeigenteil: K. Schm i dr, Fricdberg. Druck und Verlag der „Neuen Tageszeitung" A. G,, Fricdberg i. H.
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