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Hessen
Gießen und Umgebung. . Krieg und Schuljugend.
Wie vorsichtig man in der Beurteilun 8 E des Krieges auf die verschiedensten Gebiete 1 055 9 1 0 Schlußfolgerungen hüten mu
1— wie der Vorwärts schreibt— ein Vor K i stisch, der sich in Charlottenburg abgespielt 5 N darüber hinaus für ganz Deutschland Interesse haben dürfte Uebereinstimmend hatten die Stadtärzte in ihren 5 Be. richten hervorgehoben, daß auch während des Krieges die hygienischen Lebensbedingungen und die gesundheitlichen Zustände günstige gewesen seien, und auch die Verwaltun hatte daraus den Schluß gezogen, daß trotz der geb f Umwälzungen, die der Krieg in der Lebensweise des einzelnen 14 wie der Gesamtbevölkerung mit sich gebracht habe die Ge⸗ sundheitsverhältnisse nicht ungünstig beeinflußt worden seien N Nunmehr veröffentlicht ein Charlottenburger Schularzt Dr. 11 Kettner, in der Deutschen Medtzinischen Wochenschrift 0 0 einen lesenswerten Artikel über das erste Kriegsjahr
und die großstädtischen Volksschulkinder worin er zu wesentlich anderen Ergebnissen kommt. Herr Dr. Kettner gibt offen zu, daß die Annahme, daß eine sichtbare
0 1
influsses wie sehr 58, dafür
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Beeinflussung der Volksschüler durch den Krie nicht z. *. achten gewesen sei, nicht zutrifft. Soweit 10 sich e 11 wachsene Personen handle, habe sich schon um die Mitte des 1. f ersten Kriegsjahres nachweisen lassen können, daß die körper⸗ u lich schwer arbeitenden Bevölkerungsschichten nicht ge⸗ 1. nügend ernährt werden— ein Umstand, der bekannt— 6 lich den Anlaß zur Ausgabe von Zusatzkarten für Brot und
Mehl ergeben hat. Ebenso wichtig, bisher aber nicht genügend beachtet, ist die Frage, ob nicht etwa auch die Kinder von der durch den Krieg unzweifelhaft hervorgerufenen ungünstigen Lage beeinflußt werden. Diese Frage ist nach Dr. Kettner um so wichtiger, als es sich bei unserer heranwachsenden Jugend im Gegensatz zu den Erwachsenen, von denen nur ein, wenn auch nicht unbeträchtlicher Teil betroffen wird, um ganz andere Zahlenmassen handelt, denn sie alle brauchen 1 1 und verbrauchen zum Aufbau und zur Entwickelung ihres
J 5 Körpers weit größerer Energiemengen, als sie der körperlich schwer arbeitende Erwachsene zur Erhaltung seines Körper⸗ bestandes benötigt. Naturgemäß werden, wie bei den Er⸗ wachsenen, so auch unter den Kindern diejenigen am ehesten
er 5 schädigenden Einflüssen zugänglich sein, die unseren arbeiten—
6. a den Bevölkerungsschichten angehören, da deren Entwicklung
2 durch Verschlechterung der sozialen Lage ihrer Eltern doppelt
. gefährdet erscheint.
. 5 Dr. Kettner, dessen Aufsicht ein Bezirk mit etwa 5000 5 Kindern vom zartesten Säuglingsalter bis zum vollendeten
r 14. Lebensjahre unterstellt ist und der an einer Stelle wirkt, m 0 wo Großstadt und Industrie sich die Hand reichen, und wo u. die verschiedenen Zweige der Jugendfürsorge zusammenge⸗ faßt sind, stellt nun auf Grund seiner Beobachtungen folgen⸗ 5 des über die Einwirkung des ersten Kriegsjahres auf die n. großstädtischen Arbeiterkinder fest: il Die in der Fürsorgestelle vorgestellten Säuglinge zu tuüund Klein blinder im sogenannten Spielalter haben m. 1 unter der Ungunst der Verhältnisse bedeutend weniger ge— en litten, als zu Beginn des Krieges befürchtet wurde. In ver⸗ ur⸗ mehrter Anzahl sind eigentlich nur zwei Krankheitsbilder 15 beobachtet worden, die in unmittelbarem Zusammenhang mit 1 dem Krieg zu bringen sind, einmal die sogenannte englische Krankheit, die er als eine Folge der verschlechterten häus⸗ 15 lichen Verhältisse ansieht, und zweitens Krämpfe, worin er ine den Ausdruck der nervösen Beeinflussung der jungen Mütter 1 während der Schwangerschaft erblickt, soweit diese nach Aus⸗ 1 bruch des Krieges eintrat. Dagegen hat er trotz des wechseln— 1 den und teilweise recht heißen Wetters Erkrankungen an or 0 Magenkartarrhen nur selten, Todesfälle daran überhaupt 1 nicht beobachtet. Für die Säuglinge erklärt er sich dies 3 günstige Ergebnis aus den bundesrätlichen Bestimmungen , über die Wochenhilfe, indirekt auch aus dem Geburtenrück⸗ 2 gang und daraus, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der 0 Kriegerfrauen mit ihren Kindern aufs Land zog, für die f Kleinkinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahre aus
der gerade in Arbeiterkreisen zutage tretenden, oft rührenden 1 0 Uneigennützigkeit der Eltern, die lieber selbst oft bittere Not
ch leiden, als daß sie ihren Kindern auch nur die geringsten Ent⸗
6 behrungen materieller Natur zumuten würden.
a Ein wesentlich anderes Bild zeigt sich im Schulalter, wo die Kinder während eines großen Teils des Tages der elterlichen Gewalt entzogen sind. Auf die körperliche Ent⸗
* wicklung der Schulkinder hat schon das erste Kriegsjahr einen
bl deutlichen Einfluß ausgeübt, und zwar ist sowohl die Ge⸗ wichtszunahme als auch das Längenwachstum bei Knaben
sh und Mädchen im Kriegsjahr 1915 hinter den voraufge⸗
0 gangenen Friedensjahren zurückgeblieben. Zunächst
8 allerdings verneint Dr. Kettner die Frage, ob die Schulkinder
1 bereits direkt geschädigt sind; ob aber dieser noch nicht un.
10 günstig zu nennende Zustand bei längerer Dauer 1
1 anhalten wird, erscheint ihm zweifelhaft. Jedenfalls 1
1 der Umstand, daß von 33 Schülerinnen einer Klasse im Alter
en ö von zehn Jahren innerhalb eines Zeitraums von 10
e, Monaten 2 Gewichtsstillstand, 26 Abnahme bis zu 4 R
4 gramm und nur 5 eine Gewichtszunahme N 1
l N auch bedeutend hinter den Mittelwerten e 1 9 5
zurückblieben, zu ernsten Befürchtungen An 1 e
2 N die schleunige Inangriffnahme vorbeugender 1 185
1 erforderlich machen. Will man eine schwere 1
13 unserer heranwachsenden Schuljugend zumo un 9 0 3
5 0 als Trägerin kommender Generationen 1 193
1 sorge man dafür, daß sie ausreichend ernährt werde.
b Es wäre wünschenswert, wenn überall r
0(ach der gleichen Richtung angestellt e 771 115 allein darf es nicht bleiben. ene eee 11
gierungen müssen auch die entsprechenden Sch ußfolg 9
darous ziehen. —
und Nachbargebiete.
— Die Kuchenbackerei für die Feiertage begegnet dies⸗
mal allerlei Hindernissen. Niemand weiß recht, was erlaubt und was verboten ist und das ist bei den zahlreichen Veror— nungen, die erschienen und öfters wieder abgeändert worden sind, auch ganz begreiflich. Bisher galt die Bestimmung, daß am Freitag für jüdische und am Samstag für christliche Haushalte das Kuchenbacken freigegeben war. Da nun aber der erste Feiertag und der Neujahrstag auf Samstag fallen, ist das Kuchenbacken für den Freitag vor den beiden Feier⸗ tagen allgemein gestattet, aber unter der Beschränkung, welche die Verordnung vom 16. Dezember setzt. Diese gilt aber nur für gewerbliche Betriebe, für welche vor⸗ geschrieben wird, daß keine Eier zu Kuchen verwendet wer⸗ den dürfen und nur ein gewisser Prozentsatz Fett und Zucker. Also liegt die Sache so: im Privathaushalt kann ge⸗ backen werden, was man will und was man hat; in Bäckereien kann am Freitag gebacken werden, doch muß die Zusam⸗ mensetzung des Kuchenteigs den Bestimmungen der Verord⸗ nung vom 16. Dezember entsprechen.
Pferdefleisch in der Zervelatwurst. Eine empfindliche aber durchaus gerechte Strafe erhielt ein Metzger in Alzey wegen grober Nahrungsmittelfälschung. Er hatte„Prima Zervelatwurst“ zu höchstem vollen Tagespreis herge⸗ stellt und verkauft. Die Wurst kam auch zum Versand in die Schützengräben, von wo ein Feldgrauer schrieb, er wolle von dieser Wurst keine mehr, weil sie Pferdefleisch enthalte. Auf erfolgte Anzeige wurden Proben chemisch untersucht, wobei einwandfrei festgestellt wurde, daß tatsächlich Pferde⸗ fleisch verwendet worden war. Der Wetzger, der sich seine
minderwerte Ware in umsern teuren Zeiten zu vollem Tages⸗
preis bezahlen ließ, erhielt 14 Tage Gefängnis. Ernäheungsweise im Arbeiter⸗Haushalt. Der Sozial⸗ demokratische Verein und das Gewerkschaftskartell Bremen haben Ende November in der ganzen Stadt eine beschränkte Umfrage veranstaltet, um festzustellen, ob die minberbemittelte Be⸗ völkerung bei den gegenwärtigen Lebensmittelpreisen in der Lage ist, sich gegenügend mit Fleisch, Fett, Kartoffeln und Feuerung zu versorgen.
Von 787 befragten Haushaltungen konnten sich 68 mit einer Kopfzahl von 300 Personen überhaupt kein Fleisch kaufen, von den übrigen ergibt die Statistik, daß sie für Fleisch eine Mark auf den Kopf und pro Woche ausgeben. Für Fette— Butter, Margarine usw.— kommen auf den Kopf der Familie und pro Woche 80 ½ Pfennige. Von den 787 Haushaltungen ver⸗ brauchten 45 keine Milch, bei den übrigen— 742— Familien kamen auf Milch pro Woche und pro Kopf 28 Pfennige. Weiter wurde festgestellt, daß auf den Kopf ein Kartoffelkonsum von fünf Pfund pro Tag entfällt. Ein Drittel der befragten Familien hatten ein Einkommen von weniger als 25 Mk. pro Woche; die Familie zu vier Köpfen gerechnet. Davon; ab für Miete durchschnittlich 5 Mark pro Woche. Bei den 238 Haushaltungen, die unter 25 Mk. wöchentliches Einkommen haben, blieben nach Abzug der Ausgaben flir Miete, Helzmaterial usw. noch durchschnittlich 12,50 Mk. für Nahrung und Kleidung. Diese Statistik hat traurige soziale Bilder entrollt, denn 81 Haushaltungen hatten ein Einkommen von bloß 15—20 Mk. und 52 Haushaltungen gar nur von 5—15 Mark wöchentlich.
Wichtig für unsere Soldaten im Felde. Schon oft sind Be⸗ schwerden gekommen, daß Soldaten, die schon seit langem einbe⸗ rufen sind, noch keinen Urlaub erhalten haben, während jüngere Mannschaften solchen erhielten, weil eine Befürwortung durch die
Heimatsbehörde vorlag. Dagegen ließ sich nun freilich nichts machen, so unangenehm es auch war, die Freude manches„alten
Mannes“ zerstört zu sehen. Damit scheint jetzt endͤgiltig ge⸗ brochen zu werden. In der Reichshaushaltskommission am Freitag legte nämlich ein Vertreter des Kriegsministeriums einen Erlaß vor, der bestimmt, daß Mannschaften, die längere Zeit im Felde waren, auch dann Urlaub bekommen sollen, wenn keine Befür⸗ wortung durch die Heimatsbehörde vorliegt. Dieser Erlaß dürfte bei unseren Soldaten im Felde mit großer Befriedigung aufge⸗ nommen werden, denn er eröffnet auch den Soldaten Aussicht auf Urlaub die bisher noch nicht das Glück hatten, ihre Lieben in der Heimat besuchen zu können.
— Das Jahr 1916 ist ein Schaltjahr, zählt also 366 Tage. Ostern fällt sehr spät, auf den 23. und 24. April. Der Himmel⸗ fahrtstag fällt auf den 1. Juni, Pfingsten auf den 11. und 12. Juni. Im Mai find also gar keine Feiertage, was sehr selten vorkommt.
— Ein Butter⸗Wucherer als Mitglied der Höchstpreis⸗Kom⸗ mission! In Wiesbaden verkaufte in den Tagen der großen Butterknappheit die Firma Johann Rathgeber holländi⸗ sche Butter zu 3,75 Mark per Pfund entgegen den Höchst⸗ preisen von 2,58 Mark. Das kam zur Anzeige und das Schöffen⸗ gericht beschäftigte sich mit dem Fall. Ausweislich der Frachtbriefe hatte die Firma 26 Zentner aus Holland bezogen zun Preis von 2,45 Mark. Der tägliche Umsatz belief sich auf 6 Zentner. Bei einer Fracht von 10,45 Mar? würde sich der legale Gewinn auf 39 Mark den Tag belaufen haben, durch Ueberschreitung der Butter⸗ höchstpreise betrug er tatsächlich 114,55 Mark. Die 26 Zentner hatten also 595 Mark Profit gebracht. Diese unpatriotische Hand⸗ lungsweise trug dem Inhaber eine Geldstrafe von 500 Mark ein, weil er hochbetagt und bisher unbescholten ist, sah man von Ge⸗ fängnis ab. Rathgeber gehörte— und das ist das be⸗ sonders verwerfliche an seiner Handlungsweise— der Kom⸗ mission zur Festsetzung der Höchstpreise an.
— Unterstützung in Sterbefällen. Uns wird geschrieben: Der Verein für Sterbeunterstützung, der in diesen Tagen seinen 400. Sterbefall zahlte, ist noch in weiten Kreisen unserer Mitbürger trotz seines gemeinnützigen Bestrebens, unbe⸗ kannt, obwohl er zurzeit zirka 1600 Mitglieder zählt. Der Verein wurde im Jahre 1889 von einer Reihe von Männern gegründet zu
dem Zwecke, den Hinterbliebenen eines verstorbenen Mitgliedes die Kosten der Beerdigung zu erleichtern. Als sogenanntes
Sterbegeld wurden 70 Mark festgesetzt, welche dadurch aufgebracht wurden, daß bei jedem Sterbefalle von jedem Mitgliede ein Bei⸗ trag von 25 Pfg. erhoben wurde. Obwohl nun der Beitragssatz bis heute noch derselbe geblieben ist, war der Verein in der Lage, im Laufe der Jahre das Sterbegeld zu erhöhen, sodaß jetzt bei einem Sterbefälle den Hinterbliebenen der Betrag von 270 Mk.
ausgezahlt wird. Trotz dieser enormen Erhöhungen der Leist⸗ ungen war der Verein auch noch in der Lage, seine Leistungs⸗
fähigkeit für die Zukunft sicher zu stellen, indem er ein Vermögen von über 17000 Mk. ansammelte. Trotz alledem muß die Leitung
des Vereins von Zeit zu Zeit unberechtigten Klagen, als ob ein Mitglied mehr zahlen müsse, als es bekäme, entgegentreten, wes⸗
halb es angebracht ist, gerade anläßlich des 400. Sterbefalles, den der Verein vor einigen Tagen vergütet hat, nachzuweisen, daß dieses nicht der Fall ist. Angenommen, das Mitglied, das durch seinen Tod den 400. Sterbefall herbeigeführt hat, set bei der Gründung des Vereins beigetreten. Es hatte sonach 400 mal 25Pfg. gleich 100 Mk. Beitrag im ganzen gezahlt und dafür haben die Hinterbliebenen 270 Mk. Sterbegeld erhalten. Nun sterben eine große Anzahl von Mitglieder, die eine viel kürzere Zeit als 26 Jahre dem Verein angehhrt haben. Hier ist also die Differenz wischen Beitrag und Leistung des Vereins noch viel günstiger für das Mitglied.— Aus allen diesem kann man ermessen, welche Vor⸗ teile diese Sterbekasse seinen Mitgliedern bietet. Das Beitritts⸗ alter ist von 17 bis 45 Jahre festgesetzt.— Anmeldungen sowie ede diesbezügliche Auskunft wird von dem 1. Vorsitzenden des
reins, Herrn Schuhmachermeister Seidewand, Bleich⸗
straße 15, sowie von dem Schriftführer Fourier(Ortskraulen⸗ kasse) bereitwilligst erteilt. Der Beitritt zu diesem gemeiunützigen Unternehmen kann jedermann nur empfohlen werden.
— Es wär' ganz schön gewesen... Im vorgestrigen Blatte wurde mitgeteilt, daß ein hiesiger Bürger dem Oberbürgermeister eine Stiftung von 150 000 Mark überwiesen hätte. Diese freudige Botschaft trifft leider nicht zu, sie beruht auf einem Mißverständ⸗ nis. Hoffentlich finden sich aber noch vermögende Leute, die zur Linderung der Not etwas tiefer in ihren Geldschrank greifen.
— Stadttheater Gießen. Viele Abwechslung bringt der Spiel⸗ plan der Feiertage. Am 1. Feiertag gelangt als Gesamtgastspiel der Darmstädter Hofoper und Hofmusik die Mozartsche Oper„Die Gärtnerin aus Liebe“ zur Aufführung. Diese Vorstellung beginnt um 5% Uhr. Der zweite Feiertag bringt für den Nach⸗ mittag eine Wlederholung des beliebten Schwankes„Herrschaft⸗ licher Diener gesucht“, holung der so außerordentlich erfolgreichen Gesangsposse„Der Juxbaron“ mit Musik von Walter Kollo(Komponist von„We einst im Mai“). Am 27. Dezember wird nachmittags das Kinde r⸗ märchen„Hänsel und Grete!“ gegeben. Am 27. Dezember abends findet eine Wiederholung des neuen liebenswürdigen Lust⸗ spiels von Presber und Stein„Die selige Exzellenz“ statt, das jüngst bei der Erstaufführung hier so vorzüglich ange⸗
sprochen hat. Von Nah und Fern.
Revolverschießerei im Schulzimmer. In der Schule eines bei Friedland in Mecklenburg⸗Strelitz gelegenen Gutes kam es zwischen dem Lehrer und der Mutter eines Schulknaben zu einem blutigen Auftritt. Der Junge widersetzte sich während des Unterrichts einer ihm zugedachten Züchtigung, als unerwartet die Mutter ein⸗ trat und auf den Lehrer und auf dessen hinzukommende Ehefrau einschlug. Es war nicht möglich, die rasende Frau zu beruhigen oder aus dem Zimmer zu hringen, insolgedessen der Lehrer schnell einen Revolver aus dem Nebenzimmer holte und auf die Frau einen Schuß abgab. Sie trug eine Verwundung in der Lenden⸗ gegend davon. Der Vorfall beschäftigt bereits die vorgesetzte Schulbehörde.. 5 1
Tagebbericht des Großen Hauptguartiers. Kampfe im Elsa ß An der übrigen Front nichts Neues! W. B. Großes Hauptquartier, 22. Dez., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Die Franzosen griffen am Nachmittag unsere Stellungen
am Hartmannsweilerkopf und am Hirzstein(nördlich von Wattweiler) unter Einsatz erheblicher Kräfte an. Es gelang
für den Abend die erste Wieder⸗
ihnen, die Kuppe des Hartmannsweilerkopfes, die nach den
offiziellen französischen Berichten allerdings schon seit Ende April im französischen Besitz gewesen sein soll, und ein kleines Grabenstück am Hilsenfirst zu nehmen. Ein Teil der verlorenen Stellungen am Hartmannsweilerkopf ist heute vormittag bereits zurückerobert.
Ein Angriff bei Metzeral brach vor unserer Stellung zu⸗ sammen.
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Auf der übrigen Front bei unsichtigem Wetter und
Schneetreiben nur geringe Gefechtstütigkeit. Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse! 40 Oberste Heeresleitung.
* Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht 69 Geschütze bei Ipek erbeutet.
Wien, 22. Dez.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart: 22. Dezember 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Stellenweise Artilleriekämpfe und Geplänkel.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Tätigkeit der italienischen Artillerie gegen die Tiroler Südfrount hält an. Auch an den übrigen Fronten stellenweise vereinzelte Geschützkämpfe. Der Angriff einer feindlichen Kom⸗ pagnie bei Dolje am Tolmeiner Brückenkopf brach in unserem Feuer zusammen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Bei Ipek wurden neuerlich 69 von den Serben vergrabene
Geschütze erbeutet. Diese Zahl dürfte sich noch erheblich
steigern. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs⸗ v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 2
Eine italienisch⸗englische Aktion?
Die Basler Nachrichten berichten aus Rom: Zahlreiche englische Offiziere treffen mit den letzten Schnell⸗ zügen aus Turin und Frankreich ein; sie fallen bereits sehr auf. Da ihr Aufenthalt sich verlängert, wird auf eine ge⸗ meinsameitalienisch⸗englische Aktion geschlossen.
Die Neue Zürcher Zeitung erfährt aus Genf, daß ein großer Teil des italienischen Genjekorps, sowie Telo⸗ graphisten, Telephonisten und Sappeure von der öster⸗ reichischen Front abberufen worden seien, mu nach Albanien zu gehen.
Die russische Aktion vor Warna.
Sofia, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Bul⸗ garischen Telegraphenagentur. Wie die Blätter melden, näherten sich gestern vier russische Torpedobootszerstörer, die die rumänischen Häfen überwachen, dem bulgarischen Torpedo⸗ boot, das vor dem Kloster des heiligen Konstantin bei Warna den Wachtdienst versieht. Die russischen Einheiten feuerten auf das bulgarische Torpedoboot, das das Feuex erwiderte; auch die, Küstenbatterien beteiligten sich am Kampfe. Kurz darauf dampften die Torpedobootszerstörer davon. Das bulgarische Torpedoboot ist unversehrt geblieben.
Der türkische Tagesbericht. Wachsende Beute.
Konstantinopel, 22. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier tqült mit: An der Irakfront, bei Kut⸗el⸗Amarg, versenkte unsere Artillerie zwei feindliche Monitore und ver⸗ ursachte durch einen Volltreffer eine Explosion bei eimem an ⸗ dern Monitor. Unsere Truppen näherten sich auf der Nord⸗ front dem Stacheldrahtverhau der befestigten feindlichen Stellungen.
An der Kamkasusfront kosteten die feindlichen Angrüffe in der Gegend von Id am 20. Dezember dem Feinde einen Verlust von 8 Offigieren und 300 Mamn, während uunsere Lerluse uns chi eikg beser galt base
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