Deutsche Reich erfolgte vor vierundvierzig Jahren. sich deutsche Sozialdemokraten gewendet, teils aus grundsätzlichen.
Werden konne, ist den französischen Polftikern auf die Nerven ge⸗ allen. Hierbei muß man sich wirklich fragen, ob es sich nicht um ein abgekartetes Spiel handle.
Die Angliederung von Elsaß⸗Lothringen an das Dagegen hatten
teils aus politischen Erwägungen. Aber ein anderes ist es, der, Annexion zu widersprechen, und wieder ein anderes, nach fast einem halben Jahrhundert der Zusammengehörigkeit ein Land preiszu⸗ geben, dessen Bevölkerung nicht nur zum großen Teil durch ihre Stammesart, sondern insgesamt durch die wirtschaftliche Eutwicklung in das Gefüge des Reichs tatsächlich ausgenommen! worden ist. Kein deutscher Sozlaldemokrat hat je einen Zweifel darüber gelassen, daß die Zugehörigkeit von Elsaß⸗Lothringen zu Mehr aber: vor Aus⸗
könnte, stand ganz außerhalb jeder Erörterung.
Nun, nachdem der Weltkrieg entfesselt worden, ist es französi- sches Kriegsziel, mindestens Elsaß⸗Lothringen zu erlangen, und dem stimmen auch die französischen Sozialisten ber. Vor wenigen Tagen noch hat das der sozialistische Munitionsmimnister Albert Thomas erklärt.
Danach ist es verständlich, wenn die gesamten französischen Preßstimmen, soweit sie bisher bekannt geworden sind, aus den Reichstagsverhandlungen den Anlaß nehmen, zur unentwegten Fortsetzung des Krieges aufzufordern und alle Ge⸗ danken an Frieden zurückzuweisen. Da nicht wohl aus der militärischen Lage Gründe geholt werden können, um einen flir die Koalition siegreichen Abschluß des Krieges prophezeien zu, können, wird auf die Erschöpfung Deutschlands hinge⸗ wiesen. Da auch diese nicht durch Tatsachen zu belegen ist, word
der Beweis negativ erbracht, insofern nämlich, daß gesagt wird,
alles in Deutschland habe sich geeinigt, kein Zeichen der Schwiiche zu geben: aber gerade diese Einigkeit beweise die Schwäche. Gustave Hervé gar, der nie um einen originellen Gedanken ver⸗ legen ist, meint, daß die Deutschen in ihrer Einfalt glaubten, Sieger zu sein und zu bleiben, weil sie bisher den Erfolg für sich
hatten.
kraten völlig klar: sie sind aber der Auffassung, daß nicht etwa bei den Soldaten gespart werden darf. Zu einem erheblichen Teil lönnen diese Mittel gewonnen werden durch eine gründlich Reform
r Kriegs l Der Antrag sei nicht gestellt, wie
der Sch r vermutet, damit die Soldaten ihren Ange⸗ hörigen 6 icken können, der Antrag hat seine Ursache viel⸗ e Soldaten nicht mehr in der Lage sind, mit e Vedürfnisse bestreiten zu können. Vielfach
die nötig n können. um 100
zuzukaufen. Das allein rechtfertigt die Erhöhung der Löhnung. Oftmals werden die Soldaten auch dadurch geschädigt, daß die Kantinen an Unternehmer verpachtet sind. So hat z. B. der
Pächter der Kantine beim Kriegsbekleidungsamt in Cassel es fertig gebracht, die Butter-Höchstpreise zu überschreiten. Die Reform der Kriegsbesoldungsorönung ist nur eine halbe Maßregel. Redner kündigt an, daß seine Partei einen umfassenden Antrag nach der Richtung hin stellen wird. Die deutschen Soldaten sind nicht im Feld, um Geld zu verdienen; man wird das auch den Offizieren ncht unterstellen dürfen und deshalb ist es notwendig, daß die Ge⸗ hälter der Offiziere eine gründliche Reorganisation erfahren. Die Regierung hat dem Beschluß des Reichstags, das Beköstigungsgeld der Mannschaft auf 1,20 Mk. pro Tag zu erhöhen, keine Folge ge— leistet, und gerade darin liegt die Ursache, daß Jetzt Klagen in großer Meuge kommen. Durch Annahme der sozialdenskratischen Anträge e diekem Uebelstand gesteuert werden.
Abg. Gröber(Ztr.) bespricht zunächst die Frage der Familienunterstützung. Das Zentrum wollte die Er⸗ höhung der Unterstützung an eine Einkommensgrenze von 2000 Mk., die der Mann im Frieden hatte, binden. Auch dieser Redner wies darauf hin, daß die Aufbesserung der Soldatenlöhnung eine dringende Notwendigkeit ist. Die Zivilbeamten, die als Militär⸗ beamte tätig sind, führen bei hohem Einkommen ein sehr angenehmes Leben. Das mülssse verbitternd wirken.
Staatssekretär Helfferich erklärt, daß er bei Annahme dieser Anträge die Verantwortung nicht übern eh men könne. Für eine Verbesserung in der Mannschaftsverpflegung sei hinlänglich gesorgt. Man habe die Absicht, einen neuen Fonds zur
Aber„erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“, folgert Verfügung zu stellen, aus dem Härten ausgeglichen werden können.
Herve ganz nach Wilhelm Busch, den er offenbar studiert hat, und beweist an geschichtlichen Beispielen, daß Sieger zuletzt auch ein anderer werden könne, als man erwartete.
Trotz allen Aufgebots an tönenden, kräftigen Worten, trotz aller Verweisung auf Zukunftssiege und auf den sicheren Erfolg, womit die französische Presse so freigebig ist, will uns doch scheinen, als ob sich die berufsmäßigen Macher der öffentlichen Meinung nicht mehr ganz sicher fühlten. Zu aufgeregt, zu künstlich sind ihre Er⸗ klärungen für die Siegeszuversicht des französischen Volkes, als daß
man den Eindruck der Wahrhaftigkeit gewinnen könnte. 5 8**
Zwei englische Kreuzer gesunken. . Die Vossische Zeitung meldet aus Athen unterm 13. Dez.: Aus Mithylene wird gemeldet: Einige Seemeilen von der Insel entfernt liefen zwei englische Hilfskreuzer, die Pa— trouillendienst versahen, auf eine Mine auf und sind mit
ihren Besatzungen versunken. 5**
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Sozialpolitik und Heeresfragen. Aus der Haushaltungskommision des Reichstags.
(Sitzung vom 14. Dezember.) Die Kommission hatte beschlossen, alle Anträge, die auf eine Steigerung der Ausgaben hinauslaufen, zusammen zu beraten. Deshalb wurden mit den sozialpolitischen Anträgen auch jene An— trüge beraten, die auf eine bessere Bezahlung der Sol- daten hinauslaufen.
Abg. Stücklen(Soz.) weist darauf hin, daß sich der sozial⸗ Soldaten in
demokratische Antrag, der 80 Pfg. Löhnung für Feindesland und 50 Pfg. Löhnung für Soldaten im Deutschlands verlangt, ziffernnäßig von dem Antrag des Zen⸗ trums nicht unterscheidek, dagogen die Forderung mit aller Be⸗ stimmtheit aufstellt, während der Zentrumsantrag der Regierung
Innern
immer die Möglichkeit läßt, einer Entscheidung aus dem Wege zu eben die Schablone. Redner verlangt, daß an die beurlaubten gehen. Ueber die Kosten des Antrags sind sich die Sozialdemo- Soldaten für die Dauer des Urlaubs Verpflegungsgelder gezahlt n————.— ee
Barfüßele. 0
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach,
Ein besonderer Gegenstand des Aufziehens und des nich: immer wähligen Spottes waren die Schuhe des Barfüßele. Es ging fast immer barfuß und höchstens im Winter in ab geschnittenen Stiefeln des Bauern, und dennoch ließ sie sich bei jedem halbjährigen Lohne die bräuchlichen Rahmenschuhs geben; sie standen aber oben in der Kammer unberührt, und Barfüßele ging doch so stolz, als hätte es alle die Schuhe auf einmal an; sie trug sie im Bewußtsein.
Sechs Paar Schuhe standen nebeneinander, seitdem Dami beim Scheckennarren diente. Die Schuhe waren mi Heu ausgestopft, und von Zeit zu Zeit tränkte sie Barfüßel— mit Fett, damit sie geschmeidig blieben. Barfüßele war voll guf herangewachsen, nicht sehr hoch, aber stämmig untersetzt.
Sie kleidete sich immer ärmlich, aber sauber und anmutig, und Anmut ist die Pracht der Armut, die nichts kostet und Baum,
nicht zu kaufen ist.
Nur weil es der Rodelbauer der Ehre des Hauses an gemessen hielt, zog Barfüßele des Sonntags ein besseres Kleid an, um sich vor den Leuten zu zeigen; dann aber kleidete sie sich rasch wieder um und saß bei der schwarzen Marann
jn ihrem Werktagskleide, oder sie stand auch bei ihren Blumen, 0
die sie vor ihrem Dachfenster in alten Töpfen pflegte. Nelken, Gelbveigelein und Rosmarin gediehen hier vortrefflich, und wenn sie auch manchen Ableger davon auf das Grab der Eltern gepflanzt hatte es wucherte alles doppelt nach, und die Nelken hingen in windenartigen Büscheln fast hinab bis auf den Laubengang, der sich um das ganze Haus zog.
Das weit vorgeneigte Strohdach des Hauses bildete aber auch einen vortrefflichen Schutz für die Blumen, und wenn Barfüßele daheim war, fiel im Sommer kein warmer Regen, bei dem sie nicht die Blumenscherben in den Garten trug, um sie dort ganz nahe dem mütterlichen Boden vollregnen zu lassen.
Besonders ein kleiner Rosmarinstock, der in dem Topfe war, den einst Barfüßele auf dem Holderwasen zum allge— meinen Gebrauch bei sich gehabt hatte, besonders dieser Rosmarinstock war zierlich gebaut wie ein kleiner Baum, und Barfüßele ballte oft die rechte Faust und schlug die andere
Auch die Anträge zur Familienversorgung seien von so großer finanzieller Bedeutung, daß er sich darauf nicht einlassen könne. Er bittet, keine bindenden Verpflichtungen zu beschließen.
Abg. Bauer(Soz.) bekämpft die vom Zentrum beantragte Einkommensgrenge von 2000 Mark. Auch die Voraussetzung der Bedürftigkeit darf nicht festgehalten werden. Die Unter⸗ stützung soll nicht den Charakter der Armenunterstützung tragen. Die Beschlüsse einer Bürgermeister⸗Konferenz, die jüngst in Berlin tagte, könne nicht maßgebend sein. Diese Konferenz habe überdies nur die Lieferung von Kohlen und Kartoffeln abgelehnt. Die Gemeinden müßten gezwungen werden, zur Staatsunterstützung einen Beitrag von mindestens 50 Prozent zu leisten. Es sei nicht zu verstehen, weshalb sich die Regierung gegen die Einrichtung i Beschwerdeinstanz wende. Zu den Verwaltungsbehörden als organe habe die Masse des Volkes nur wenig Vertrauen.
Abg. Werner(Antisenlt) tritt für eine Erhöhung der Unter⸗ stützung ein und betont, daß die Kreisbehörden in Hessen die Unter⸗ stützung vielfach aus den nichtigsten Gründen ablehnen.
Abg. Liesching Gortschr. Vpt.): Die Heeresverwaltung habe die Aufgabe, Sparsamkeit zu üben. Diese Sparsamkeit müsse auch auf die Kriegsbesoldungsordnung ausgedehnt werden. Bei der Familienunterstützung muß das Beschwerderecht an eine besondere Instanz zugestanden werden. In Oesterreich sei die Unterstützung weit besser geregekt; dort zahle alles der Staat. Die vom Zentrum verlangte 2000 Mark-Grenze sei ungerecht und deshalb unan⸗ nehmbar.
Staatssekretär Helfferich erklärt, daß man die österreichi⸗ schen Verhältnisse nicht einfach auf Deutschland übertragen könne. Man wolle dem Reich eine neue Last von 50 Millionen Mark auf⸗ bürden, die nicht getragen werden könne.
Abg. Hoch(Soz.) erkennt an, daß die erlassenen Verfügungen sehr wohlwollend ge
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Gerade aus kleinbäuerlichen und kleinbürgerlichen Kreisen kommen die meisten Kle Gehalt und
handele es sich oft um reiche Leute.
Unterstützung zu leisten.
erden sollen. Die Verpflegung im Felde sei in sehr nicht genügend. 175 5 5 5 Abg. Stücklen(Soz.) weist darauf hin, daß in den aus dem Felde und aus der Heimat von den Soldaten viel Verpflegung geklagt wird. Kein Mensch verlange, daß, wenn die Armee, wie in Serbien, im Vormarsch begriffen ist, den So Sie Nahrung auf die Stunde vorgesetzt werden müsse. Wo die lichkeit dazu nicht besteht, wird es natürlich auch nicht ver Man darf aber nicht vergessen, daß mitunter bei der Vert der Fleischvorräte nicht gerade einwandfrei verfahren wird. Klagen, die aus der Heimat kommen, sind zu verstehen. Man! aber nicht übersehen, daß Leute, die 1214 Stunden Dienst mlisseu, eine bessere Verpflegung brauchen, als sie vielleich Zivilleben vorhanden war. Vielleicht wäre es angebracht,„ Mannschaften eine größere Brotration zu geben. Redner noch einmal die Festsetzung des Beköstigungsgeldes auf 1,20 N pro Tag und schließt sich der Forderung an, den Urlaubern pflegungsgeld zu bezahlen. Man solle über die Stimmung Mannschaften sich keiner Täuschung hingeben und alles tun, Beschwerden abzustellen.. Kriegsminister v. Wandel erklärt die Stimmung Truppen als ausgezeichnet. Die Verpflegung völlig ausreichend. Eine Erhöhung der Löhnung wä absolut unnötig, die Kriegslöhnung reiche vielmel vollständig aus. Ungufriedene gebe es eben überall, also a in der Kaserne. Es sei vielleicht besser, wenn man die Fam höher unterstütze. Das Kriegsministerium habe bereits eine ordnung fertiggestellt, durch welche den Urlaubern das Beköstigung geld für die Zeit ihres Urlaubs bereits beim Antritt der Urlaub reise bezahlt wird. Die Erhöhung des Verpflegungssatzes auf 1, Mark pro Tag wäre zum Teil hinausgeworfenes Geld. 1 General v. Owen erklärt, daß zu dem Verpflegungssatz 60 Pfg. Zuschüsse gegeben werden. Wo die Verpflegung der schaft in eigener Regie erfolgt, sind sogar Ueberschüsse erzielt w den. Die Brotration reiche vollständig aus. Den Vorkommniff in Kaffel soll nachgegangen werden. Die gemeinsame Verpflegung durch den Truppenteil selbst sei nicht überall durchzuführen. Abg. Stadthagen(Soz.) bespricht die Famillenversorg Das Gesetz gebe jetzt keine Handhabe, die Gemeinden zu zwi Der Begriff der Bedürftig müsse aus dem Gesetz heraus. Die Summen, die für eine besserung erforderlich sind, dürsen nicht schrecken. Je älter die gezogenen sind, um so höher wird die Zahl derer, die auf 1 stützung Auspruch erheben können. Redner schildert, daß man ein Kleinbesitzersfrau, die Unterstützung forderte, den Rat gege habe, ihre beiden Kühe zu schlachten; als bedürstig im Sinne Gesetzes wollte man sie nicht ansehen. Eine Beschwerdeinsta t nötig, denn nur dann, wenn diese Instanz entschieden hat, ist auch eine Zwangsetatsführung bei der Gemeinde möglich. 1 Abg. Graf Westarp(kons.) macht den Vorschlag, alle träge als Material zu überweisen. 5 Abg. Kreth(konf.): Die Verpflegung im Felde ist ausge⸗ zeichnet. Ihm habe ein Landwehrmann versichert, daß es ihm ganzen Leben noch nie so gut gegangen sei. Daß die Offiziere bezahlt werden, ist deshalb berechtigt, weil sie einen doppelten Haushalt führen müssen. Die Erhöhung der Mannschaftslöhnung könne man nicht durch Ersparnis decken. Abg. Erzberger stellt fest, daß die Mehrausgaben für die beantragte Erhöhung der Mannschaftslöhnung pro Monat 45 Mil⸗ lionen Mark in Anspruch nehmen würde. Die Anträge der Kon servativen auf Zuschüsse zur Beschaffung billiger Lebensm würden dagegen einige Hundert Millionen Mark erfordern, halb sind die Einwände, die gegen die Erhöhung der Mannscha löhnung gemacht werden, durchaus nicht stichhaltig. Die Diskussion wendet sich dann wieder den sozialpolitis von den Sogzialdem
Anträgen zu.
Abg. Bauer(Soz.) begründet die kraten beantragte Erhöhung der Wochenhilfe und die Ausdehmm des Kreises der Berechtigten. Redner zeigt, welche Schwierigkeiten sich gerade auf diesem Gebiet ergeben haben. In Zweifelsfä verweist man die Interessenten immer an die Krankenkassen, aber nur dann eine Bezahlung leisten können, wenn sie die währ für den Ersatz haben. ö Schließlich wurden alle Anträge, die zur Familienunterstü ung gestellt sind, einer Unterkommission von sieben Mitglied überwiesen.— Es wurde dann ein von allen Parteien gestellte Antrag auf Herabsetzung der Altersgrenze für den Bezug de Altersrente beraten. Ministerialdirektor Caspar stützt sich auf die in der Denkschrift angegebenen ablehnenden Griinde und klärt, der Bundesrat dürfte einer solchen Aenderung des Gese kaum zustimmen.— Dieser Ansicht schloß sich auch Staatssekre Helfferich an.
Die Annahme des Antrags in der Kommission ist gesicher
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„Wenn's eine Hochzeit gibt von meinen Nächsten, ja vos meinem Dami, dann steck' ich den an.“ Ein anderer Ge— danke stieg in ihr auf, vor dem sie errötete bis in die Schläfe hinein, und sie beugte sich und roch an dem Rosmarin: wie einen Duft aus der Zukunft sog sie etwas aus ihm ein, sie wollte es nicht dulden, und mit wilder Hast versteckte sie das losmarinstämmchen zwischen die anderen großen Pflanzen, daß sie es nicht mehr sah, und eben schloß sie das Fenster, da läutete es Sturm.
„Es brennt beim Scheckennarren in Hirlingen!“ hieß es bald. Die Spritze wurde herausgetan, und Barfüßele fuhr Zuf derselben mit der Löschmannschaft davon.
„Mein Dami! mein Damit!“ jammerte sie immer in sich hinein, aber es war ja Tag, und bei Tag konnten Menschen nicht in einem Brande verunglücken. Und richtig! Als man bei Hirlingen ankam, war das Haus schon niedergebrannt, aber am Wege in einem Baumgarten stand Dami und band eben die beiden Scheck 0
ken, schöne, stattliche Pferde, an einen und ringsherum lief alles scheckig, Ochsen, Kühe und Rinder.
Man hie
8 tan, Barfüßele durfte absteigen, und mit einem: „Gottlob, daß dir nichts geschehen ist“, eilte sie auf den
Bruder zu. Dieser aber antwortete ihr nicht und hielt beide Hände auf den ls des einen Gaules gelegt. „Was ist? Warum redest du nicht? hast du dir Schaden getan?“ Ich nicht, aber! „Was ist denn?“ „All mein Sach' ist verbrannt, meine Kleider und mein bißchen Geld. Ich habe nichts, als was ich auf dem Leib'
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8 Feuer.“
„
trage.
„Und des Vaters Kleider sind auch verbrannt?“ „Sind sie denn feuerfest?“ sagte Dami zornig. nicht so dumm.“ füf wollte weinen über dieses harte Anlassen des sie fühlte rasch, wie durch einen Naturtrieb. sehr oft im ersten Anprall unwirsch, hart und sacht; sie sagte daher nur: aß du dein Leben noch hast; des Vaters Kleide gas mit verbrannt, was man sich nicht mehr erwerben kann, aber sie wären doch auch einmal zu— grunde gegangen, so oder so.“
„Frag'
streichelte immer das Pferd.„Da steh' ich nun, wie der Gott verlaß mich nicht. Da, wenn die Gäule reden könnten, die würden anders reden, aber ich bin eben zum Unglück geboren. Was ich gut tue, ist nichts, und doch“— 1 Er konnte nicht mehr reden, es erstickte ihm die Stimme, „Was ist denn geschehen?“ „Da die Gäule und dieKkühe nud Ochsen, ja, es ist un kein Stückle Vieh verbrannt, außer den Schweinen, die h wir nicht retten können. Schau', der Gaul da drüben, der hat mir da mein Hemd aufgerissen, wie ich ihn aus dem Stalle ziehe; mein zuderhändiger Gaul, der hat mir nicht getan, d kennt mich. Gelt, du kennst mich, Humpele? Gelt, wi kennen einander?“ Der Gaul legte seinen Kopf über den Hals des andere und schaute Dami groß an, der jetzt sortfuhr: 5 „Und wie ich dem Bauer mit Freude berichte, daß ic das Vieh alles gerettet habe, da sagte er: Das war nie nötig, ist alles versichert und gut, hätt' mir besser bezahlt werden müssen! Ja, denk' ich bei mir, aber daß das un schuldige Vieh sterben soll, ist denn das nichts?“ Der Bauer muß mir was angesehen haben von dem, was ich denk' und da fragt er mich: Du hat doch dein Gewand und dein S 0 gerettet? und da sag' ich: Nein, nein, kein Fädele, ich 0 f
gleich in den Stall gesprungen, und da sagt er: Du bist ein Tralle! Wie? sag' ich, Ihr seid ja versichert. Wenn das Viel bezahlt worden wäre, da werden doch auch meine Kleider be⸗ zahlt, und es sind auch noch Kleider von meinem Vater sel dabei und 14 Gulden, meine Taschenuhr und meine Pfei Und da sagt er: Rauch' draus! Mein Sach' ist versichert un nicht da von den Dienstbolen! Ich sag': Das wird sich zeige und ich lass' es auf einen Prozeß ankommen, und da sagt er So? Jetzt kannst du gleich gehen. Wer einen Prozeß a fangen will, hat aufgekündigt. Ich hätte dir ein paar geschenkt, aber so kriegst du keinen Heller. Jetzt mach, daß du fortkommst!... Da bin ich nun, und ich mein', i soll meinen zuderhändigen Gaul mitnehmen, ich hab' ihm, Leben gerettet, und er ging' gern mit mir. Gelt du? ich habe das Stehlen nicht gelernt, und ich wüßt' m nicht zu helfen, und es wäre am besten, ich spränge Jasser. Ich komme mein Lebtag zu nichts, und nichts.“ „Aber ich hab' noch und will dir helfen.“
Hand darüber, indem sie vor sich hin sagte:
„All dein Geschwätz ist für die Katz“, sagte Dami und
(Fortsetzung folgt.)


