Schweden und Rumänien.
T. U. Bukarest, 13. Dez. Die schwedische Regierung ver⸗ ständigte das rumänische Kabinett, daß alle für Rumänien bestimmten Waren nicht mehr über Schweden transportiert und eventuell zurückbehalten werden. Wie das halbamtliche Blatt Vittorul dazu meldet, ordnete der rumänische Finanz⸗ minister als Gegenmaßnahme an, daß alle für Schweden be⸗ stimmten Feigen⸗ und Tabaksendungen zurückbehalten wer⸗ den. Die rumänischen Staatsbahnen nehmen keine Trans⸗ porte nach Schweden mehr an.
Amerika.
New⸗Nork, 13. Dez. Ein Ausschuß des Senats befaßt sich zurzeit mit der Untersuchung dreier Fragen: Die erste betrifft die Frage, ob Großbritannien Baumwolle zur Baunware stempeln durfte. Die zweite betrifft den„Lusi⸗ tania“⸗Fall, die dritte die behaupteten illoyalen Handlungen naturalisierter Bürger.
Präsident Wilson wird möglicherweise die Abberufung
des österreichischen Geschäftstragers Zwiedineck ver⸗ langen, der auf Grund eines in den Blättern faksimiliert wiedergegebenen Briefes beschuldigt wird, die örtlichen Kon⸗ suln Oesterreichs aufgefordert zu haben, Pässe neutraler Länder zu beschaffen, um Reservisten heimzuschicken. Wil⸗ son versucht, die deutsche Regierung zu bewegen, in der „Lusitania“⸗Frage wenigstens insoweit nachzugeben, daß Debatten darüber im Kongreß vermieden werden können.
Es sind abermals deutsche Untertanen durch französische Kriegsschiffe von amerikanischen Dampfern hinweggeholt worden.
Die Antwort des Reich kanzlers.
Die Wiener Arbeiterzeitung, die sich wiederholt mit der Friedens⸗Interpellation im Reichstage beschäftigte, vermißt in der Rede des Reichskanzlers, wie auch viele deutsche Partei⸗ blätter, die bestimmte Auskunft über die Kriegsziele der dentschen Regierung, die in der sozialdemokratischen Inter⸗ pellation gefordert wurde. In einem Leitartikel„Hoffnung und Furcht“ sagt die Wiener Arbeiterzeitung:
„Immer wieder kommt die Betrachtung zu dem Punkte zurück: Wie ist es nur möglich, daß die Gegner die Kriegslage so gröblich dertennen können? Auch der Reichskanzler konnte daran nicht
lich sehr: die der Entente leben ünd weben im Lande Utopia: die
Deutschlands, das eben gestegt hat, stehen auf sestem Boden. Darum glauben wir, daß der Reichskanzler sagen müßte, was Deutschland will; und daß dieses klare und deutliche Wort dem Frieden nicht schaden, ihn vielmehr vorbereiten und nähern würde.“
Oesterreich⸗Ungarn.
Debatten statt, die nach mehr als einer Richtung hin unsere Beachtung verdienen. Einmal deswegen, weil auch dort von Rednern der Opposition die nationalistisch, nicht etwa sozialistisch ist— gefordert wird, daß Ungarn das Seine tue, um Europa den Frieden wiederzugeben, worauf der Ministerpräsident Graf Tisza schon einen Tag vor dem deutschen hskanzler fast genau so antwortete wie dieser. 70
Dann aber bewegen sich jene Debatten in dem Prunk⸗ palast an der Donau auch sehr stark auf dem Gebiete der inneren Politik. Es sind Anträge auf endliche Einführung des allgemeinen Wohlrechts gestellt, weitere auf Verleihung des Wahlrechts wenigstens an alle Kriegsteilnehmer und in den Reden der oppositionellen Grafen Karolyj, Andrassy und Appony kehrte die entschiedene Forderung nach dem Wahl⸗ recht für alle Ungarn stets nachdrücklich wieder. Tisza hatte allerdings darauf nur die Antwort, daß man in der jetzigen großen Zeit nicht die Lösung von Fragen übereilen solle, die für die ganze Zukunft Ungarns entscheidend wären. In der Tat handelt es sich hierbei um nichts weniger als um die Umwandlung des heutigen ungarischen Junkerstaats in einen demokratisch verwalteten Staat, in dem auch die nicht⸗ ungarischen Volksstämme zu ihrem Recht kämen.
Endlich zeigen die Debatten aber auch eine völlige Uebereinstimmung zwischen Tisza und der Opposition: auf dem Gebiet der Forderungen des ungarischen Staates. Unter ausdrücklicher Betonung, daß er es vermeide, in die Befug⸗ nisse des Armeeoberkommandos sich einzumischen, sprach Tisza doch über die den Armeeoberkommandos allein vorbe⸗ haltene Einrichtung der Verwaltung in den eroberten Ge⸗ bieten. Während er die Verwaltung Polens natürlich soweit es von den k. und k. Truppen besetzt ist, schon wegen der Sprachenfrage Oesterreich zuweist, fordert er die Berücksichti⸗ gung alter ungarischer Interessen in Serbien. Man könnte
dorbei. Herr v. Bethmann⸗Hollweg beharrt darauf, daß die
phantastischen Kriegsziele der Gegner noch nicht aufgegeben seien;
er liest ihre Reden und wagt nicht, ihnen„zu nahe zu treten“ und ihre Forderungen etwa als Bluff aufzufassen.
Kommt man der Wahrheit nicht näher, wenn man als Grund dieses unbegreiflichen Kriegswillens der Gegner nicht die Hoffnung
auf einen Sieg, vielmehr die Furcht vor den Beding⸗ ungen des Siegers erkennt? Hier kommt es nicht darauf an, was die Gegner reden; es versteht wohl jeder, daß
während eines Krieges die Menschen die Sprache nicht gebrauchen, um lautere Wahrheit zu verkünden. Es kommt darauf an, was aus den wirklichen Tatsachen gefolgert werden kann, ge⸗ folgert werden muß: benn daß die Staatsmänner der Eutente lauter Schurken und Trottel sind, die sich in den eigenen Sack hineinlügen und nur darauf aus sind, ihre Völker zu be⸗ trügen, wird sich nur der vormachen, der kein Bedürfnis hat, über die Dinge ins klare zu gelangen
Nun ist in der Rede des Reichskanzlers sicherlich nichts ent⸗ laften, was zu der Furcht vor ausschweifenden Eroberungsgelüsten Deutschlands irgendwie Veranlassung böte; und es kann sein, daß die Staatsmänner der Entente es sogar noch genaner wissen, Deutschland stry oe wirklich nur einen ehrenhaften Frieden an, der in sich die Bürgschaft seiner Tragfähigkeit hat. Aber da der Reichskanzler die Frage der Sozialdemokraten nicht beantwortet, die Bedingungen, unter denen er in Friedensverhandlungen ein⸗ (reten möchte, nicht dargelegt hat, ist es der Entente möglich, ihre Völker mit der Furcht vor Deutschlands Ansprüchen im Kriegs⸗ willen zu erhalten. Eine offene Darlegung dessen, was Deutschland vom Frieden und im Friedensvertrag will, würde nun dieses Spiel unmöglich machen. Danach sieht man, wie be⸗ vechtigt die sozialdemokratische Frage war und wie wenig er⸗ solgversprechend hier Geheimniskrämerei ist. Deutschland will nichts Unangemefssenes und kann darum sagen, was es will Sagt es aber, was es will, und sagt es, daß es die Geener nicht vergewaltigen, nicht demütigen, nicht zugrunde richten will, so werden die Kräfte, die in Frankreich und in England zum Frie- den drängen, gestärkt, so werden die verstockten Staatsmänner der Entente zum Einlenken und Verhandeln gezwungen. Deutschlands Kriegsziele und die Kriegsziele der Entente unterscheiden sich näm⸗
vielleicht fragen, ob dort die Sprachenfrage denn keine Rolle spiele und man denkt daran, daß in Ungarn bisher die ganze Verwaltung rein magyarisch war, auch in den ausschließlich von Nichtmagyaren bewohnten Gebieten.— Am Samstag entrüstete sich die Opposition in Zwischenrufen darüber, daß man am 2. Dezember, den Tag des Regierungsantritts Kaiser Franz Joseph vor nunmehr 67 Jahren, in Belgrad die ungarische Fahne herabgenommen habe. Nun ist der Krieg natürlich eine gemeinsame Angelegenheit Oesterreichs und Ungarns und es erscheint staatsrechtlich wohl richtig, daß nur die k. und k.⸗Flagge neben der deutschen und vielleicht der bulgarischen zu hissen war. Aber Graf Tisza antwortete wieder, daß die ungarischen Rechte respektiert werden müßten. Schließlich sagte er den kroatischen Abgeordneten zu, die von ihnen geforderte staatsrechtliche Aenderung des erst vor einigen Wochen vom Kaiser festgesetzten neuen Wappens von sich aus zu unterstützen.
Unter diesen Umständen gewinnt die Ernennung des Prinzen Konrad Hohenlohe zum österreichischen Minister des Innern stark an Interesse. Er hat nämlich 1906 die Minister⸗ präsidentschaft niedergelegt, weil den ungarischen Ansprüchen ohne Befragung der österreichischen Regierung stattgegeben worden war.
Während sich im ungarischen Reichstag all diese Vorgänge abspielen, während der deutsche Reichstag ver— sammelt ist, dauert die Schließung der österreichischen Volksvertretung samt allen Provinzlandtagen an.
Im ungarischen Abgeordnetenhause finden jetzt täglich
Die Steuerfrage in Mecklenburg. Beide Mecklenburg haben einen gemeinsamen Landtag.
Von diesem, der von Gutsbesitzern und von Magistratsherren;
5 1 gebildet wird, forderte nun die Strelitzer Bewilligung der dortigen Landessteuer in der Hö jahre, nämlich 100 Prozent. Der Strelitzer Teil tages lehnte jedoch diese Vorlage ab, nahm vielmeh Herabsetzung des Steuersatzes vor, indem er nur 80 P bewilligte.— So für Strelitz! Für Mecklenburg⸗Schwerin aber war es ganz a Die Schweriner Regierung forderte nicht nur den vorjä Steuersatz, sondern verlangte statt der 100 Prozent gleich l
Und hier strich nun der Schweriner Teil des Stände nicht, sondern bewilligte glatt die ansehnliche Hinauf schraubung des Steuersatzes. Ja, einige Leute des Stände tages wollten noch über das Verlangen der Schwerine Regierung hinausgehen und gar 150 Prozent bewilligen. f Also: In Mecklenburg⸗Strelitz Steuererm a ß i gung, in Mecklenburg-Schwerin aber Steuer erhöhung! 5 Die Sozialdemokraten und die neue Kreditvorla T. U. Berlin, 14. Dez. Der Vorwärts meldet: Die aan tion hat in ihrer gestrigen Sitzung mit 60 gegen 31 Stimmen beschlossen, bei der ersten Lesung der Kreditvorlage wie in den friiheren Fällen die Vorlage ohne Debatte an die Bud
kommission überweisen zu lassen. Zu der Kreditvorlage wird die Fraktion erst in einer späteren Sitzung Stell nehmen. 1 Schweden bedroht durch Rußland? Nya Daglight Allehanda und Aftenposten melden zuverlässiger Quelle, daß die Truppenkonzentrativnen in Finnland derart an Umfang angenommen hätten, daß sich jetzt infolgedessen die russische Heeresmacht dort verdopp 1 hätte; anstatt 80 000 Mann sind jetzt 160 000 Mann in Finn⸗
land konzentriert. Die russische Telegrammsperre, die schon 10 Tage dauert, soll auch Schweden gegenüber den 2 marsch verheimlichen. Aus demselben Grunde ist in Fin. land selbst der Telegramm⸗ und Telephonverkehr eingestel Da in Finnland keine Unruhen zu befürchten sind und zwa infolge der Waffenlosigkeit der finnländischen Bewohner, es nur zu begreifen, daß diese Truppenansammlungen gegen Schweden gerichtet sind, um dabei mit England zugleich a Schweden einen Druck auszuüben, der auch noch durch ein Flottendemonstrativn von Westen und Osten verstärkt wer soll. 5 Die Explosion von Havre.
Kopenhagen, 14. Dez. Die Explosionskatastrophe Munitionsfabriken von La Havre, bei welcher der größte Teil d Fabrikgebäude und die sämtlichen Munitionsvorräte verni wurden, ist nach dem Temps auf Brandstiftung zur
führen. Sozialdemokratischer Wahlerfolg.
T. U. Zürich, 14. Dez. Bei den vorgestrigen Wahlen zu Stadtverordnetenversammlung in Bern verloren die Freisinnig zwei Mandate an die Sozialisten und eins an die Konservati wodurch die sozialdemokratische Partei die stärkste des Rates wir Die Freisinnigen und Konservativen verfügen zusammen immerhi noch über eine kleine Mehrheit.
Kriegsnolisen.
Amtlich wird in Dresden bekanntgegeben, daß den zuständig Behörden das Recht erteilt worden ist, im Bedarfsfall die eignung der gesamten Kartoffelernte eines lieferungspflichtig, Kartoffelbesitzers zu verfügen mit der Maßgabe, daß ihm Vorrö für den eigenen Bedarf und zur Einhaltung bereits abgeschlossen Verträge belassen werden. 9
Das englische Pressebureau teilt mit, daß die Zensur des wärtigen Amts aufgehoben ist. Die Verantwortung für die öffentlichung von Nachrichten auf dem Gebiet der auswärtigen A gelegenheiten liegt zukünftig bei den Direktoren der Zeitungen un Nachrichtenagenturen.
0
des Mos
Durch eine Verordnung des Oberbefehlshabers kauer Kriegsbezirks sind eine gange Al
Tolstojaner dem Kriegsgericht wegen Herausgabe zu gegen den Krieg gerichteter Aufrufe übergeben worden. Unter diesen Angeklagten befindet sich der Arzt Duschan Makowitzky, der gewesene Sekretär Tolstois. Makowitzky ist ungarischer Staats- angehöriger. 9 4
Barfüßele. 25
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Dami wehrte sich dagegen und wiederum mit dem Vor⸗ halte, daß es ihm schon schwer genug sei, und daß er sich's nicht noch schwerer machen wolle. Barfüßele willfahrte auch hiesem. Er zog die Kleider des Vaters wieder aus, und Bar— füßele packte sie in den Sack, den sie einst beim Gänsehüten als Mantel getragen hatte und auf dem noch der Name des Vaters stand. Sie beschwor aber Dami, daß er ihr den Sack utit nächster Gelegenheit wieder zurückschicke.
Die Geschwister gingen miteinander fort. Ein Hirlinger Fuhrwerk fuhr durch das Dorf. Dami rief es an und packte schnell seine Habseligkeiten auf. Dann ging er Hand in Hand mit der Schwester das Dorf hinaus, und Barfüßele suchte ihn zu erheitern, indem sie sagte:
„Weißt du noch, was ich dir da beim Backofen Rätsel aufgegeben habe?“
„Nein!“
„Besinn' dich: was ist das Beste am Backofen? nicht mehr?“
„Nein!“
.„Das Beste am Backofen ist, daß er das Brot nicht selber frißt.“
„Ja, ja, du kannst lustig sein, du bleibst daheim.“
„Du hast's ja gewollt, und du kannst auch lustig sein: wolle du nur recht.“
Still geleitete sie ihren Bruder bis auf den Holderwasen, dort beim Holzbirnenbaum sagte sie:
„Hier wollen wir Abschied nehmen. und fürcht' dich vor keinem Teufel“
Sie schüttelten sich wacker die Hände, und Dami ging Hirlingen zu, Barfüßele nach dem Dorfe. Erst unten am Berge, wo Dami sie nicht mehr sehen konnte, wagte sie es. die Schürze aufzuheben und sich die Tränen abzutrocknen, die ihr die Wangen herabrollten, und laut vor sich hin sagte sie:
„Verzeib' mir's Gott. das ich das von dem allein auch
für ein
Weißt's
Behüt' dich Gott
gesagt hab'; ich danke dir, daß du mir einen Bruder gegeben hast. Laß mir ihn nur, so lang ich lebe.“
Sie kehrte ins Dorf zurück, es kam ihr leer vor, und in der Dämmerung, als sie die Kinder des Rodelbauern ein⸗ wiegte, konnte sie nicht ein einziges Lied über die Lippen bringen, während sie sonst immer sang wie eine Lerche. Sie mußte immer denken, wo jetzt ihr Bruder sei, was man mit ihm rede, wie man ihn empfange, und doch konnte sie sich das nicht vorstellen. Sie wäre gern hingeeilt und hätte gern allen Menschen gesagt, wie gut er sei, und daß sie auch gut gegen ihn sein mögen; aber sie tröstete sich wieder, daß nie⸗ mand ganz und überall für den anderen sorgen könne. Und sie hoffte, es würde ihm gut tun, daß er sich selber forthelfe.
Als es schon Nacht war, ging sie in ihre Kammer, wusch sich aufs neue, zöpfte sich frisch und kleidete sich nochmals an, als ob es Morgen wäre, und mit dieser seltsamen Verdoppe⸗ lung des neuen Tages begann ihr fast nochmals ein neues Erwachen.
Als alles schlief, ging sie noch einmal hinüber zur schwar⸗ zen Marann; und ohne Licht saß sie stundenlang bei ihr an dem Bette in der dunklen Stube; sie sprachen davon, wie das sei, wenn man einen Menschen draußen in der Welt habe, der doch ein Stück von einem sei, und erst als die Marann eingeschlafen war, schlich sich Barfußele davon. Sie nahm aber noch den Kübel und trug Wasser für die Marann und legte das Holz auf den Herd und so geschichtet, daß es am anderen Morgen nur angezündet zu werden brauchte. Dann erst ging sie nach Hause.
Was ist Wohltätigkeit, die in Geldspenden besteht? Eine in die Hand gelegte Kraft, die wiederum von ihr entäußert wird. Wie anders ist es, die eingeborene Kraft selbst ein⸗ zusetzen, ein Stück Leben hinzugegeben und noch dazu das einzige, das verblieben ist.
Die Stunden der Ruhe, die Sonntagsfreiheit, die Bar⸗ füßele gegeben war, opferte sie alle der schwarzen Marann und ließ sich dabei noch zanken und schelten, wenn sie etwas gegen die Gewohnheit der Eigenbrödlerin getan hatte; es fiel
Barfüßele im ganzen Dorfe dafür angesehen war, daß sie
ihr nicht ein dabei zu denken oder gar zu sagen: wie könnt
Ihr mich noch zanken und schelten über etwas, was ich uch schenke? Ja, sie wußte kaum mehr, daß sie dieses tat.
Nur wenn sie an Sonntagsabenden bei der Vereinsamten still vor dem Hause saß und zum tausendstenmal gehört hatte welch ein schmucker Bursch der Johannes am Sonntage gewesen sei, und wenn dann die jungen Burschen und Mädchen durch das Dorf zogen und allerlei Lieder sangen, da wurde sie etwas davon gewahr, daß sie hier saß und ihre Lustbarkeit opferte, und leise vor sich hin sang sie die Lieder mit, die von Wandelnden im Verein gesungen wurden; aber wenn sie die Marann ansah, hielt sie inne, und sie dachte darüber nach, wi es doch eigentlich gut wäre, daß der Dami nicht mehr im Dorfe sei. Er war nicht mehr die Zielscheibe allgemeiner Neckerei, und wenn er zurückkam, war er gewiß ein ft vor dem alle Respekt haben mußten..
An Winterabenden, wenn im Hause des Rodelb gesponnen und gesungen wurde, da allein durfte Bar mitsingen, und obgleich sie einen hellen lauten Ton hatte, sie sich dazu herbei, fast immer die zweite Stimme zu singen, Die Rosel, des Rodelbauern noch ledige Schwester, die ein Jahr älter als Barfüßele war, sang immer die Stimme, und es verstand sich von selbst, daß auch die Stin Barfüßeles ihr dienen mußte, wie denn überhaupt die eine stolze und schneidige Person, das Barfüßele durchaus als Lasttier im Hause betrachtete und behandelte; allerdings weniger vor den Leuten als im geheimen. Und eben 0
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Hauswesen des Rodelbauern wacker angriff und alles imstan
hielt, war es eine Hauptangelegenheit der Rosel, sich bei den Leuten zu berühmen, wie viel Geduld man mit dem Bar⸗ füßele haben müsse, wie ihm die Gänsehintin in allen Stücken nachginge, und wie sie es als ein Werk der Barmherzigkeit betrachte, das Barfüßele nicht so vor den Augen der 5 scheinen zu lassen, wie es eigentlich sei.
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(Fortsetzung folgt.)


