pern von Minen zum Stillstand und zerstörte einige feindliche Bombenwerferstellungen. Am 10. Dezember Minenwerfen und Beschießung gegen alle unsere Stellungen. Wir er⸗ öffneten ein lebhaftes Gegenfeuer und brachten die feindlichen Batterien unserem linken Flügel gegenüber zum Schweigen.
Konstantinopel, 12. Dez.(W. T. B.) Bericht des Haupt- anartiers. An der Irakfront besetzten wir den Ort Cheikh Said, östlich Kut⸗el⸗Amara, an der feindlichen Mückzugsstraße. Unsere Artillerie brachte bei Kut⸗el⸗Amara einige feindliche Pontons und einen Kriegsmonitor zum Sinken.
An der Kaukasusfront nur Scharmützel zwischen Patrouillen und Vorposten. 5 An der Dardanellenfront beschossen ein Monitor und ein Torpedoboot nördlich Adjeliman und einige Panzer⸗ schiffe bei Kemikliliman, unterstützt durch Beobachtungen von Luftballons, unsere Stellungen und das Hospital von Torssunkpeij, wo durch das feindliche Feuer sieben Sol⸗ daten getötet und einer verwundet wurden. Bei Ari Burnu auf dem rechten Flügel fand in der Nacht vom 10. zum 11. Dezember ein Kampf mit Bomben statt. Unsere Artillerie zerstörte am 12. Dezember einen Teil der feindlichen Schützen⸗ gräben bei Kanlisirt. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr machte unsere Artillerie das feindliche Bombenwerfen wirkungslos, zer⸗ störte einen Teil der feindlichen Schützengräben und einige Bombenwerferstellungen. Zwei Kreuzer beschossen erfolglos Atschi Tepe und Umgegend.
ö Enolische Besorgnisse.
London, 12. Dez. Der Daily Telegraph schreibt:„Wir können unsere Besorgnis über den Zustand in der Levante nicht verhehlen. Wir sind keine Alarmisten, aber die dortige Lage ist voll Gefahr und in mancher Hinsicht ernst. Der stolze Ton des deutschen Reichskanzlers über die Erfolge der Zentralmächte ist nicht ohne Berechtigung. Wir wollen zugeben, wie unangenehm das ist. Denn nur so tun wir den ersten Schritt, um die Niederlage auszuwischen.“ Nach einer Uebersicht über die Lage fährt das Blatt fort:„Von neuem
(A hebt sich die Frage der Sicherheit Aegyptens. Obgleich der Suzekanal weit vom Tigris entfernt ist, so werden doch durch
den Rückzug des Generals Towushend und das Verschwinden der unglück 110 Tote, darunter 107 Belgier.
Bedrohung Bagdads starke türkische Truppenabteilungen frei, die anderweitig verwandt werden können. Nirgendwo ist unsere mili⸗ zärische Lage befriedigend. Die Balkanexpedition sollte aufgegeben oder mit einer bei weitem größeren Streit-
macht unternommen werden. Unsere Minister täuschen sich, wenn sie glauben, daß die Personen, die jetzt die Geschicke Griechen⸗ lands leiten, dem Vierverband anders als feindlich gegenüber⸗ stehen. Die Tatsachen reden eine überwältigende Sprache. Entweder der Vierverband oder die Zentralmächte werden Salonik halten. Wenn ersterer es tut, so wird Griechenland Salonik am Ende des Krieges zurückerhalten, wenn letztere Salonik bekommen, so ist es für immer verloren. Wie auch der Entschluß ausfalle, die Lage bleibt ernst. Aber alles ist besser als Wankel⸗ mut und Unentschlossenheit.“ In dem Artikel wird weiter ge⸗ sordert, die Blockade Deutschlands wirkungsvoller zu machen, als dies jetzt infolge der außergewöhnlichen Rücksichtnahme auf die Proteste der Neutralen geschehe. Man solle gerecht mit den Neu⸗ tralen sein, aber sich nicht um das fortdauernde Gezeter über ver⸗ letzte Ideale der Haager Konvention kümmern, die Deutschland zuerst verletzt habe.
Die Arbeiterbewegung in England.
London, 10. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Aus⸗ jührende Ausschuß des Bergarbeiterverbandes Großbritan⸗ niens gibt bekannt, daß er bei der Besprechung der Gewerk schaften, die vorige Woche in London stattfand, wo Asqu it h, Mr. Kenna und Runciman Ansprachen hielten, nicht vertreten war; der Ausschuß spricht sein Bedauern darüber aus, daß einige Zweigvereine des Verbandes vertreten wären und erklärt, daß er gegen jeden Vorschlag entschieden Ein— spruch erhebt, wonach die Arbeiter keine Lohnerhöhungen fordern sollten. Der Ausschuß billigte den Einspruch des Arbeiterführers Smith, den dieser in einer Besprechung im Schatzamte gegen den Vorschlag des Schatzkanzlers erhob, daß die Arbeitgeber die Einkommensteuer von den Wochenlöhnen der Arbeiter abziehen und der Regierung
üüberweisen sollten. 8
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Ein Viertel aller Einkommen.
London, 12. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der liberale Ab⸗ geordnete Perey Alden teilt im Daily Telegraph eine Unterredung mit Me Kenna mit, in welcher dieser sagte, es werde vielleicht not⸗ wendig werden, 25 Prozent aller Einkommen einzu⸗ ziehen, teils durch die Steuerbehörden, teils durch die
Arbeitgeber. E S* 0 Der Seekrieg. Die„Baralong“ Mordtat.
London, 11. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Presse⸗ bureau teilt mit, daß die Umstände, unter denen die Zer⸗ störung des deutschen Bootes und die Tötung der Besatzung durch den Dampfer„Baralong“ im August 1915 vor sich gin⸗ gen, den Gegenstand einer Korrespondenz zwischen England und den Vereinigten Staaten bilden. Die britische Regie⸗ rung werde deshalb gegenwärtig nichts veröffentlichen. außer daß sie die unbewiesene Beschuldigung des Reichs⸗ kanzlers zurückweise.
Erplosion iu einer bel ischen Munitionsfabrik
Le Havre, 11. Dez. Heute vormittag gegen 10 Uhr ereignete sich in den belgischen pyrotechnischen Anstalten, 3 Kilometer von der Stabt, in dem Gebiete der Gemeinbe Graville— St. Honoré, eine Explosion in der Niederlage der zur Ladung von Granaten be⸗ stimmten Pulversorten. Alle Arbeiter waren auf ihrem Posten. Die bereits gefüllten Geschosse explodierten ebenfalls mit solcher Heftigkeit, daß bie Türen und Fenster der benachbarten Häuser zer⸗ sprangen. Am Mittag war es noch vollkommen unmöglich, sich der Unfallstelle zu nühern. Der Materialschaden ist be⸗ deutend. Es ist zur Zeit noch unmöglich, die Zahl der Ver⸗ wundeten zu schätzen, sie soll hoch sein. Die meisten Ar⸗ beiter waren Belgier. 1
Le Havre, 11. Dez. Nach Blättermeldungen sind die 24 Zenti⸗
meter dicken Mauern der purotechnischen Werkstätten durch die Ge⸗ walt der Exvlosion in die Luft geflogen. Die Zahl der Ver⸗ wundeten wird auf etwa 1000 geschätzt. Die Zahl der Toten ist verhältnismäßig gering. Die benachbarten Wohn⸗ baracken der in den Werkstätten beschäftigten Arbeiter wurden zerstört. Die Truppen der hiesigen Garnison besorgen, soweit dies möglich ist, die Aufräumunasarbeiten. Le Havre, 12. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich) Meldung der Agence Hanas: Bis Mitternacht zählte man bei dem Explosions⸗ Die Zahl der Ver⸗ wundeten steht noch nicht fest.
Deutschland und Amerika.
Washington, 11. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff hat dem Staatssekretär Lansing mitgeteilt, daß der Marine⸗Attache Boy⸗Ed und der Militär-Attaché v. Papen abberufen werden. Gleichzeitig hat der Bot⸗ schafter um freies Geleit für beide ersucht.
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London, 11. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Washingtoner Korrespondent der Morning Post meldet: Staatssekretär Lansing teilte dem deutschen Botschafter Grafen Bernstorff mit, daß die Vereinigten Staaten nach dem internationalen Gebrauche nicht ver⸗ pflichtet seien, für Boy und Papen freies Geleit zu erwirken, sondern nur dazu, Maßregeln für ihren persönlichen Schutz zu er⸗ greifen, solange sie unter amerikanischer Gerichtsbarkeit, nämlich innerhalb der Zone der Territorialgewässer, sich befänden. Militär⸗ und Marineattachees seien keine Diplomaten und könnten nach An⸗ sicht von Kennern des Völkerrechts auf hoher See zu Kriegs⸗ gefangenen gemacht werden.
Washington, 11. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Das Staatsdepartement ersuchte den britischen und französischen Botschafter, Boy⸗Ed und von Papen freies Geleit zu gewöhren.
Kaiser Yüa schikai. 5 New⸗Nork, 11. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Asso⸗ ciated Preß wird aus Peking gemeldet, daß Müanschikai die Kaiserwürde angenommen hat.
Die Arbeiten des N ichsta es. Die Absicht, den ganzen Beratungsstoff noch vor Weih—
nachten erledigen zu können, ist endgültig fallen gelassen worden. Die Arbeiten der Haushaltungskommission haben
einen solchen Umfang angenommen, daß es sogar worden ist, ob dort alles noch vor Weihnachten erl den kann. So sind z. B. zu den Ernährungsfragen üb Anträge eingebracht worden. An die Beratung nährungsfragen schließt sich die Erörterung der Soz Auch hier liegen Anträge von weittragender Bedeutung es sei nur erinnert an die sozialdemokratischen Anträge
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Besserstellung der Kriegerfamilien. Dann folgt die ech ratung der Zensur, des Belagerungszustandes und ei Lal der militärischen Angelegenheiten. Hier dürfte vor al l Dingen die Beratung der zur Abänderung der Kriegsb f 0 dungsordnung gestellten Anträge geraume Zeit erfor dus Man nimmt deshalb an, daß der Reichstag nächsten Fre ban und Samstag noch je eine Plenarsitzung abhalten und f 11 dann bis nach Neujahr vertagen wird.— In der Plen ef sitzung vom nächsten Dienstag steht außer den Liebknechtsck kleinen Anfragen die Beratung der neuen Kriegskreditvorl Ein auf der Tagesordnung. 4 bez 1 5
Eine neue russisch⸗französische Offenive?
Stockholm, 12. Dez. Stockholms Tidningen erklärte 15 an hervorragender Stelle, sie glaube bestimmt zu wissen,! ein die nunmehr schon seit zehn Tagen anhaltende Sperre vo 1 Privatdepeschen nach und über Schweden auf bedeuten sich
russische Truppenverschiebungen zurückzuführen sei. Eine 9 l
Anzahl von Bahnlinien befördere nur Truppentransporte. das Auch die gegenwärtige Reise des Generals Pau nach ö Rußland stehe möglicherweise im Zusammenhang damit. 1 Die Alliierten bleiben in Saloniki. 1 Der Temps, das französische Regierungsorgan, teilt dea Die verbündeten Westmächte haben förmlich beschlossen, in Di Saloniki zu bleiben. Es werden ausreichende Streitkräfte 0 dorthin entsandt, um die Offensive wieder aufzunehmen. l Zur Friedensfrage. 1 fol T. U. Haag, 13. Dez. Havas meldet aus Paris: Auf die. Behauptung des Abgeordneten Scheidemann im deutse. Reichstag, daß die Franzosen Frieden wünschen, erklärt d 10 französische Presse ein stimmig, daß in Frankreich bis 1 keine Zusammenkünfte zugunsten des Fried abgehalten worden seien. Im übrigen würde die Bekannt 0 gabe der Rede des deutschen Reichskanzlers genügen, um 0 jede Friedensanwandlung zu unterdräcken 11 Bevorstehende Einberufung des Jahrgangs 191. 8 in Frankreich. J m T. U. Genf, 13. Dez. Die Agence Havas meldet: Die Kamm 10 hat durch Handaufheben die Einreihung des Jahrganges 1017 90 genommen. Wie das Bureau hinzufügt, sei dies kein Zeichen, es Frankreich an Mannschaften mangelt, denn der Jahrgang 1 0 befindet sich noch vollständig in den Depots. Der Jahrgang 1017 N wird erst am 15. Januar einberufen werden, damit die Leute d Weihnachts- und Neufahrsfeiertage im Kreise ihrer Angehörigen verbringen können. 1 ö Italienische Finanzsorgen. 0 Bern, 12. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus den Aus 3 zügen der italienischen Presse zu den Kammerverhandlungen 8 geht hervor, daß Finanzminister Carcano in seiner gestrigen 5 Rede auch die Abnahme der Einlagen in die Postsparkassen, die schlechten Finanzverhältnisse der Dorfgemeinden, sowie die Verluste bei den Einnahmen der Staatseisenbahnen b rührte. Diese seien auf den geringen Personenverkehr auf außergewöhnliche Kohlenpreise zurückzuführen. Regierung habe den Dorfgemeinden mehrere Millionen 5 liehen, könne aber gegenwärtig an keine Lösung dieser v N wickelten Frage denken.. Hriegsno'izen. 1 Die Post war am Freitag vom Oberkommando in den Ma 15 ö
verboten worden, weil sie die Kriegszielentschließung der fr. konservativen Partei trotz des Verbots der Kriegszielerörterung in der Presse abgedruckt hatte. Das Verbot ist schon i
wieder aufgehoben worden: es hat gerade einen Tag gedauert. Al
Samstag früh ist die Post wieder erschienen. 4 f
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Barfüßele.
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Jetzt aber hatte sich Dami plötzlich ganz frei gemacht, und eines schönen Sonntags zeigte er seiner Schwester die Drangabe, die er bekommen hatte, denn er hatte sich als Knecht zum Scheckennarren von Hirlingen verdungen.
„Hättest du mir das gesagt“, sagte Barfüßele,„ich hätte einen besseren Dienst für dich gewußt. Ich hätte dir einen Brief gegeben an die Landfriedbäuerin im Allgäu, und da hättest du's gehabt wie der Sohn vom Haus.“
„O, schweig nur von der“, sagte Dami hart,„die ist mir nun schon bald dreizehn Jahre ein paar lederne Hosen schul⸗ dig, die sie mir versprochen hat. Weißt du noch? Damals, wie wir klein gewesen sind und gemeint haben, wir könnten noch klopfen, daß Vater und Mutter aufmachen. Schweig' mir von der Landfriedböuerin. Wer weiß, ob die noch mit einem Wort an uns denkt, wer weiß, ob sie gar noch lebt.“
„Ja, sie lebt noch, sie ist ja eine Verwandte von meinem Haus, und es wird oft von ihr gesprochen, und sie hat alle ihre Kinder verheiratet bis auf einen einzigen Sohn, der den Hof kriegt.“ 5
„Jetzt willst du mir nur meinen neuen Dienst verleiden“ klagte Dami,„und sagst mir, ich hätte einen besseren kriegen können. Ist das recht?“ Seine Stimme zitterte.
„O, sei nicht immer so weichmütig“, sagte Barfüßele. „Schwätze ich dir denn was von deinem Glück herunter? Du tust immer gleich, als ob dich die Gänse beißen. Ich will dir nur noch sagen: jetzt bleib' einmal bei dem, was du hast, sei darauf bedacht, daß du auf deinem Platz bleibst. Das ift nichts, so wie ein Kuckuck jede Nacht auf einem anderen Baum schlafen. Ich könnte auch andere Plätze kriegen, aber ich will nicht, und ich hab's dahin gebracht, daß mir's hier gut geht. Schau', wer jede Minut' auf einen anderen Platz springt, den behandelt man auch wie einen Fremden; man weiß, daß er morgen nicht mehr zum Haus gehören kann, und da ist er schon heut nicht daheim drin.“
„Ich brauch' deine Predigt nicht“, sagte Dami und wollte zornig davongehen.„Gegen mich tust du immer kratzig, und gegen die ganze Welt bis du geschmeidig.“
„Weil du eben mein Bruder bist“, sagte Barfüßele lachend und streichelte den Unwilligen.
In der Tat hatte sich eine seltsame Verschiedenheit der Geschwister herausgebildet. Dami hatte etwas Bettelhaftes und dann wieder plötzlich Stolzes, während Barfüßele immer gefällig und fügsam, dabei doch von einem inneren Stolze ge⸗ tragen war, den sie bei aller Dienstfertigkeit nicht ablegte.
Es gelang ihr jetzt, den Bruder zu beschwichtigen, und sie sagte:„Schau', mir fällt was ein, aber du mußt vorher gut sein, denn auf einem bösen Herzen darf der Rock nicht liegen. Der Rodelbauer hat ja noch die Kleider von unserem Vater selig; du bist ja groß, die sind dir jetzt grad recht, und du gibst dir auch ein Ansehen, wenn du mit solchem rechtschaffenen Gewand auf den Hof kommst, da sehen deine Nebendiensten auch, wo du her bist und was du für ordentliche Eltern ge— habt hast.“
Das leuchtete Dami ein, und trotz vielem Widerspruch, denn er wollte die Kleider jetzt noch nicht hergeben, brachte Barfüßele den alten Rodelbauer dazu, daß er dieselben Dami einhändigte, und dann führte Barfüßele den Dami hinauf in ihre Kammer. und er mußte sogleich den Rock und die Weste des Vaters anziehen; er widerstrebte, aber was sie ein— mal wollte, das mußte doch geschehen. Nur den Hut ließ sich Dami nicht aufzwingen, und als er den Rock anhatte, legte sie die Hand auf die Schulter und sagte:
„So, jetzt bist du mein Bruder und mein Vater, und jetzt geht der Rock zum erstenmal wieder über Feld, und ist ein neuer Mensch drin. Schau', Dam, du hast das schönste Ehren⸗ kleid, was es geben kann auf der Welt; halt es in Ehren. sei drin so rechtschaffen, wie dein Vater selig gewesen ist.“
Sie konnte nicht weiter sprechen und legte ihr Haupt auf die Schulter des Bruders, und Tränen fielen auf das wieder ans Licht gezogene Kleid des Vaters.
„Du sagst, ich sei weichmütig“, tröstete sie Dami,„und
du bist es weit eher.“
In der Tat war Barfüßele von allem schnell tief griffen, aber sie war dabei auch stark und leichtlebig wie ei Kind; es war, wie damals die Marann bei ihrem ersten E schlafen bemerkt hatte, Wachen und Schlafen, Weinen und Lachen hart nebeneinander; sie ging in jedem Ereignis jeder Empfindung voll auf, kam aber auch rasch wieder darüb hinweg ins Gleichgewicht.
Sie weinte noch immer. f
„Du machst einem das Herz so schwer“, jammerte Dam „und es ist schon schwer genug, daß ich fort muß aus de Heimat unter fremde Menschen. Du hättest mich eher auf. heitern sollen, als jetzt so, so—“ 3
„Rechtschaffenes Denken ist die beste Aufheiterung“, sagte Barfüßele,„das macht gar nicht schwer. Aber du hast rech du hast geladen genug, und da kann ein einziges Pfund, das man daruf tut, einen niederreißen. Ich bin halt doch dumm Aber komm', ich will jetzt sehen, was die Sonne dazu sagt, wenn der Vater jetzt zum erstenmal wieder vor sie kommt. 1 Nein, das hab' ich ja nicht sagen wollen. Komm', jetzt wirst du schon wissen, wo wir hingehen wollen, wo du noch Abschie nehmen mußt; und wenn du nur eine Stunde weit fortge Abschied nehmen. Ist mir auch schwer genug, daß ich dich 1 bei mir haben soll, nein, ich meine, daß ich nicht me g sein soll; ich will dich nicht regieren, wie die Leute sagen. Jg ja, die alte Marann hat doch recht: allein, das ist ein große! 5 Wort, das lernt man nicht aus, was da drin steckt. So langs du noch da drüben über der Gasse gewesen bist, und wenn i) dich oft acht Tage nicht gesehen habe, was tut's: Ich kann dich jede Minute haben, das ist so gut, als wenn man bei⸗ einander ist; aber jetzt? Nun, es ist ja nicht aus der Welt. Aber ich bitt' dich, verhebe dich nicht, daß du keinen Sche den leidest, und wenn du was zerrissen hast, schick mir's nur; flick und strick dir noch, und jetzt komm', jetzt wollen wir o den Kirchhof.“ 9
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(Fortsetzung folgt.)


