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Havas.
Unterhandlungen über eine Zusatzklausel in den neuen Vertrag, nach der keine Macht eventuell Friedensbedingungen stellen kann ohne eine vorherige Einigung mit den Alliierten.
Russische Kriegsgewinnstener.
Wie dem Temps aus Petersburg gemeldet wird, hat der tussische Finanzminister einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, der die Unternehmen besteuert, die für die nationale Ver⸗ teidigung arbeiten, vor allem die Fabriken und Werkstätten, die infolge des Krieges einen besonderen Gewinn zu ver⸗ zeichnen haben.
Amerika wünscht die Abberufung der deut chen Militär⸗ und des Marineattachés.
Berlin, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Regierung der Vereinigten Staaten hat der deutschen Regierung den Wunsch ausgesprochen, die Militärattachés und den Marineattachs der deutschen Botschaft in Washington abzuberufen. Da Einzelheiten über die Gründe dieses Ersuchens der amerikanischen Regierung noch ausstehen, liegt die Möglichkeit noch nicht vor, nachzuprüfen, welche Gründe die amerikanische Regierung zu diesem Schritt bewogen haben.
Eine amerikanische Note an Oesterreich.
Paris, 9. Dez. Havas⸗Meldung aus Washington: Amtlich wird mitgeteilt, daß die Regierung der Vereinigten Staaten an Oesterreich eine peremptorische Note übermittelte, wegen der Versenkung des Dampfers „Ancona“. Die Vereinigten Staaten verlangen eine vollständige Mißbilligung dieses Aktes, die Be⸗ strafung des Kommandanten des Unterseebootes und onderer verantwortlicher Persönlichkeiten, eine Entschädi⸗ gung für die Familien der amerikanischen Opfer sowie die Zusicherung, daß sich ähnliche Akte nicht wieder- holen. 5
Eine Erklärung an den Vorwärts.
Der Vorwärts berichtet: Aus dem Reichstag geht uns liber die gestrige Sitzung eine Erklärung zu, deren Inhalt auf dem Boden der Ausführungen steht, die Genosse Haase im gestrigen Reichstag gemacht hat. Die Erklärung ist bis jetzt von 31 Abgeordneten unterschrieben.
Veröffentlichung serbischer Geheimakten.
T. U. Wien, 10. Dez. Nach einer Meldung aus Sofia beschloß die bulgarische Regierung die Veröffentlichung der von bulgari⸗ schen Beamten in Nisch vorgefundenen Schriftstücke aus dem serbi⸗ schen Statsarchiv über die Teilnahme der serbischen Regierung an dem Fürstenmord in Sarajewo.
Rückzug der Ententetruppen hinter die griechische 6 Grenze.
T. U. Budapest, 10. Dez. Die Bulgaren richten, wie aus Sofia gemeldet wird, einen allgemeinen Angriff gegen die ganze französische Front in Mazedonien. Damit beginnt ein neuer Abschnitt im Balkanfeldzug. Die Bulgaren haben den
Hauptstützpunkt der Alliierten, Demirkapu am Wardar, be⸗
reits besetzt und zugleich auch südlich von Walandowo die Offensive gegen die Engländer begonnen. Nach den letzten eingelaufenen Meldungen haben sich die Ententetruppen be⸗ reits hinter die griechische Grenze zurückgezogen.
i Der Generalissimus.
Paris 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bie Kammer beschloß nach Intervention Briands mit 443 gegen 98 Stimmen die Vertagung der Interpellation Constant
über die Erwägungen, die die Regierung dazu geführt haben, über
die Ernennung eines Generalissimus zu beschließen. Versenkung eines amerikanischen Dampfers. Washington, 9. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung
des Reuterschen Bureaus. Es wird bestätigt, daß ein großes
österreichisch-ungarisches Unterseeboot am Montag im östlichen Mittelmeer den amerikanischen Tankdampfer„Petroliow“ be⸗ schossen hat, ein Mann der Besatzung wurde leicht verletzt.
Nach einer weiteren Meldung ist der Dampfer entkommen.
Jedenfalls hat er auf den Anruf des U-Bootes nicht gehalten, sondern ist geflüchtet. Da es sich um einen Tankdampfer handelt, hatte das U-Boot ein äußerst lebhaftes Interesse daran, für wen und wohin die Ladung best! ut war. Ungetreue russische Eisenbahn beamte. Kopenhagen, 10. Dez. Der russische Eisenbahnminister ver⸗ fügte die gerichtliche Verfolgung einer Anzahl von Eisenbahn⸗ beamten, weil sie selbst von Flüchtlingen bis 100 Rubel für jeden Waggon Bestechung erpreßten, der den Flüchtlingen für die Be⸗ förderung ihrer Habe zur Verfügung gestellt werden sollte.
Dreifaches Todesurteil.
Königsberg i. Pr., 9. Dez. Die Besitzerfrau Henriette Hol⸗ stein aus Neu⸗Pustlauken(Kreis Labiau) ist wegen Mordes, be⸗ gangen durch Arsenikvergiftung an ihrem ersten Ehemann, ihrer elfjährigen Tochter aus erster Ehe und ihrem zehnjährigen Stief⸗ sohn, dreimal zum Tode verurteilt worden. Der Beweggrund zu der Tat war Habsucht.
Die Anträge der Sozialdemokratie im Reichshaushaltsausschuß.
Die sozialdemokratischen Mitglieder des Reichshaus⸗ haltsausschusses haben eine Reihe wichtiger sozial⸗ politischer Anträge gestellt, die wir nachstehend folgen
lassen:
Es wird gefordert eine Denkschrift, aus der ersichtlich ist: 2) welche Gemeinden und Lieferungsverbände den Familien der Kriegsteilnehmer einen regelmäßigen festen Zuschuß zu der Reichs⸗ unterstützung zahlen; b) die Höhe der Zuschüsse; e) die sonstigen Aufwendungen der Gemeinden und Lieferungsverbände für die Familien der Kriegsteilnehmer.
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Zur Unterstützung der notleidenden Tertilarbeter wird eine Abänderung der diese Angelegenheit regelnden Bundes⸗ ratsverordnung verlangt, dahingehend, daß a) der Anteil des Reiches an den Unterstützungen für die Textilarbeiter auf 75 Proz. festgesetzt wird.— Für Gemeinden, in denen die Textilindustrie das Hauptgewerbe bildet oder die überwiegend von Textilarbeitern bewohnt sind, ist der Anteil des Reiches auf 90 Prozent zu erhöhen. Beim Vorliegen eines besonderen Notstandes sind die gesamten Ausgaben für Unterstützung der Textilarbeiter aus der Reichs⸗ kosse zu ersetzen; b) die Hergabe von Reichsmitteln an die Be⸗ dingung geknüpft wird, daß zu dem Zwecke der Festlegung der Unterstützungsbedingungen und zur Durchführung der Unter⸗ stützungsaktion geschaffenen Orts⸗, Bezirks⸗ und Landesausschüssen auch Vertreter der gewerkschaftlichen Organi⸗ sationen der Tertilarbeiter in gleicher Zahl wie die Unternehmer hinzugezogen werden.
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Im Anschluß an den vorstehenden Antrag wird beantragt, durch eine Bundesratsverordnung zu bestimmen, daß a) Unterstützungen, die infolge von Arbeitslosigkeit bezogen wurden, nicht als Armen⸗ unterstützung gelten; b) die Unterstützungsempfänger nicht ver⸗ pflichtet sind, die erhaltenen Beträge später zurlickzuzahlen.
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Der Fürsorge für die Kriegsbeschädigten wird Ausdruck ge⸗ geben durch den Antrag, dem„Reichsausschuß für Kriegsbeschä⸗ digtenfürsorge“ ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, damit er die ihm gestellten Aufgaben erfüllen kann.
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Die verbündeten Regierungen werden ersucht, eine Novelle zum Mannschaftsversorgungsgesetz vorzulegen, durch welche diese Gesetze dahin geändert werden, daß für die infolge des Krieges zum Heere einberufenen Mannschaften und deren Hinter⸗ bliebenen die Versorgung auch dann gewährt wird, wenn das die Erwerbsfähigkeit beschränkende Ereignis oder der Tod während der Zugehörigkeit zum Heere eintritt, ohne daß eine Dienstbeschädi⸗ gung nachgewiesen werden kann. 5
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Eine Ausdehnung der Wochenhilfe bezweckt ein An⸗ trag, der verlangt: a) das Wochengeld ist statt seither für 8, ferner⸗ hin für 12 Wochen zu zahlen, von denen mindestens 6 Wochen in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen; b) das Wochengeld ist von 1 Mk. auf 1,50 Mk. täglich zu erhöhen: c) das Stillgeld ist von 0,50 Mk. auf 0,75 Mk. täglich zu erhöhen; d) der Kreis der zum Bezuge von Wochenhilfe Berechtigten ist auszudehnen auf alle minderbemittelten Schwangeren und Wöchnerinnen, auch wenn der Vater der Kinder nicht Kriegsteilnehmer ist. Der Begriff„minder⸗ bemittelt“ ist sinngemäß nach§ 2 der Bekanntmachung, betreffend Ausdehnung der Wochenhilfe vom 23. April 1915, zu regeln.
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aufzuheben.
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Der Schutz der Arberterinnen in der Schwerind reicht werden durch eine Bundes ratsverordnung, die. zeit für Arbeiterinnen in Betrieben der schweren Indus den Betrieben, die der Munitionserzeugung dienen, dahit daß diese nicht länger als acht Stunden per Schicht daue
Gleichzeitig wird gefordert, die Ausnahmen von der mung der Gewerbeordnung für Arbeiterinnen und
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In einem ferneren Antrag wird verlangt, dafür Sorge tragen, daß das Reichsamt des Innern auf Ersuchen die Ve lung zwischen Unternehmern und Arbeitern übernimmt, wenn Betrieben, die für den Heeresbedarf arbeiten, über die Lohn⸗ Arbeitsbedingungen Streit besteht. 5 5 5 N*
Die Fraktion besteht darauf, daß die Altersgrenze für die währung der Altersrente herabgesetzt wird. Sie hat daher di lage einer Novelle beantragt, durch welche a) die Altersgrenze au Erlangung der Altersgrenze auf das 65. Lebensjahr herabgeset wird; b) für die Waifenrente der Reichszuschuß auf 50 Mk. Leistungen der Versicherungsträger auf die Höhe des Grundbetr der Invalidenrente, durchschnittlich 80 Mk. pro r fest wird: e) der auf die Dauer militärischer Dienstleistungen fallende Anteil der Reuten vom Reiche übernommen wird.
Außer diesen Anträgen wurden drei Gesetzent wi eingebracht, deren erster die Erleichterung der Schul en. tilgung der Kriegsteilnehmer zum Gegenstand ha Er lautet: N 8 f 0
Artikel I. Während der Dauer des Krieges für Kri nehmer, deren Familien, Witwen und Waisen entstehende& aus Mietsverträgen und Abzahlungsverträgen werden auf Jahre gestundet, sofern das Jahreseinkommen der bezeicht Personen während des Krieges 2500 Mark nicht übersteigt.
Artikel II. Unpfändbar und dem Zurückbehaltungsrecht de Vermieters und Verpächters nicht unterliegend sind die nach bisherigen Gesetzgebung der Pfändung unterliegenden 8 haltungsgegenstände und Möbel im Werte bis 2000 Mark.
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Die Dienstverhältnisse der Landarbeiter sollen in einem Gesetz verbessert werden, dessen einziger Par besagt: Landarbeiter und Gesinde haben das Recht, ihren A wichtiger Grund vorlegt. Das ist stets der Fall, wenn einer wichtiger Grund vorliegt. Das ist stets der Fall, wenn eiiner de Gründe vorliegt, die nach der Gewerbeordnung einen Gewerbs gehilfen zur Aufhebung des Vertrages berechtigen.
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Zum Zwecke einer besseren Unterstützung der 53 milien der zum Militärdienst eingezogene Mannschaften wird zunächst gefordert, die Voraussetzung der Bedürftigkeit zu streichen. Ferner soll dem bestehenden Gesetz ein: gefügt werden: 5 1 8
„Als anspruchsberechtigt sind jene Angehörigen anzusehe deren Unterhalt bisher im wesentlichen von dem Einkommen der Arbeit des zur aktiven Dienstleistung Herangezogenen no weisbar abhängig war, ferner die Angehörigen der selbständ Gewerbetreibenden und Landwirte, die regelmäßig nicht mehr zwei Lohnarbeiter beschäftigen. 5
Ein Anspruch besteht nicht, wenn dex zur aktiven Dienstlei Herangezogene sein volles Gehalt oder seinen früheren Lohn jort bezahlt erhält oder aus einem anderen Grunde an seinem E kommen keinen Ausfall erleidet, oder wenn nach seiner Leh stellung, seinen Vermögens⸗ Erwerbs⸗ und Einkommensver 8 nissen auf Grund durchgeführter Erkundigungen anzunehmen daß durch seine Heranziehung zur aktiven Dienstleistung dei Unterhalt der in Betracht kommenden Angehörigen nicht ge⸗
8 1 Der größere Schutz für Kriegsteilnehmer in bür gerlichen Streitigkeiten soll erreicht werden durch en neue Verordnung, die bestimmt, daß die Bestellung eines Ver treters und die Fortsetzung eines Verfahrens nur zulässig ist, we es sich um Kriegsteilnehmer handelt, die„ungeachtet günstiger wirt⸗ schaftlicher Lage“ böswillig die Zahlung von Verbindlichkeiten ver weigern. Diese Bestimmung soll für alle zum Kriegsdienst E zogenen gelten.
Barfüß ele.
Fine Schwarzfbälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Auf dem Vorplatze des großen Tanzbodens waren die Kinder versammelt, und während die Erwachsenen darinnen tanzten und jauchzten, ahmten die Kinder hier das gleiche nach. Aber seltsam! mit Amrei wollte kein Knabe und kein Mädchen tanzen, und man wußte nicht, wer es zuerst gesagt, aber man hatte gehört, daß eine Stimme rief:„Mit dir tanzt keiner, du bist ja das Barfüßele“, und„Barfüßele! Barfüßele!
Barfüßele!“ schrie es nun von allen Seiten.
Amrei stand das Weinen in den Augen, aber hier übte sie schnell wieder jene Kraft, mit der sie Spott und Kränkung bezwang; sie drückte die Tränen hinab, faßte hüben und drü⸗ ben ihre Schürze, tanzte mit sich allein herum und so zierlich, so biegsam, daß alle Kinder innehielten. Und bald nickten die Erwachsenen unter der Tür einander zu, und ein Kreis von Männern und Frauen bildete sich um Amrei, und beson⸗ ders der Rodelbauer, der sich an diesem Tage doppelt gütlich getan hatte, schnalzte mit den Händen und pfiff lustig den Walzer, den die Musik drinnen aufspielte, und Amrei tanzte unaufhörlich fort und schien gar keine Müdigkeit zu kennen.
Als endlich die Musik verstummte, faßte der Rodelbauer Amtrei an der Hand und fragte:„Du Blitzmädle, wer hat dir denn das so schön gelehrt?“
„Niemand.“
„Warum tanzest du denn mit niemand?“
»Es ist besser, man tut's allein, da braucht man auf nie⸗ mand zu warten und hat seinen Tänzer immer bei sich.“
„Hast schon was von der Hochzeit bekommen?“ fragte der Rodelbauer wohlgefällig schmunzelnd.
„Nein.“
„Komm' herein und iß,“ sagte der stolze Bauer und führte das arme Kind hinein und setzte es an den Hochzeits- tisch, auf dem immerfort den ganzen Tag aufgetragen wurde. Amrei aß nicht viel, und der Rodelbauer wollte sich den Spaß bereiten, das Kind trunken zu machen, es erwiderte aber keck:
„Wenn ich noch mehr trinke, muß man mich führen, und da kann ich nicht mehr allein gehen. und die Marann sagt: allein ist das beste Fuhrwerk, da ist immer eingespannt.“
Alles staunte über die Weisheit des Kindes.
Der junge Rodelbauer kam mit seiner Frau und fragte das Kind neckisch:„Hast du uns auch ein Hochzeitsgeschenk gebracht? Wenn man so ißt, muß man auch ein Hochzeits⸗ geschenk bringen.“
Der Hochzeitsvater steckte in unbegreiflicher Großmut dem Kinde bei dieser Frage heimlich einen Sechsbätzner zu. Amrei aber behielt den Sechsbätzner fest in der Hand, nickte gegen den Alten und sagte dann dem jungen Paare:„Ich hab' das Wort und ein Drangeld. Eure Mutter selig hat mir im⸗ mer versprochen, daß ich bei ihr dienen und niemand anders als ich Kindsmagd bei ihrem ersten Enkelchen sein soll.“
„Ja, das hat die Bäuerin selig immer gewollt,“ sagte der Alte und redete zu. Was er aus Furcht, daß er die Waise dann versorgen müßte, seiner Frau ihr Leben lang versagt hatte, das tat er jetzt, wo er ihr keine Freude mehr damit machen konnte, und gab sich vor den Leuten den Anschein, als ob er's zu ihrem Gedenken tue Aber er tat's auch jetzt noch nicht aus Güte, sondern in der richtigen Berechnung, daß die Waise ihm, dem entthronten Bauer, der ihr Pfleger war, dienstgefällig sein werde, und die Last ihrer Versorgung, die 00 bloße Versorgung überstieg, fiel anderen zu, nicht ihm elber.
Die jungen Brautleute sahen einander an, und der junge Rodelbauer sagte:„Being' morgen dein Bündel in unser Haus. Du kannst bei uns einstehen.“
„Gut,“ sagte Amrei„morgen bring' ich mein Bündel; aber jetzt möch't ich mein Bündel mitnehmen. Gebet mir da ein Fläschchen Wein, und das Fleisch will ich einwickeln und es der Marann und meinem Dami bringen.“
Man willfahrte Amrei, aber der alte Rodelbauer sagte ihr jetzt leise:„Gib mir meinen Sechsbätzner wieder. Ich hab' gemeint, du willst ihn schenken.“
„Ich will ihn als Drangeld von Euch behalten,“ erwiderte Amrei schlau,„und Ihr werdet sehen, ich will ihn Euch schon wettmachen.“
Der Rodelbauer lachte halb ärgerlich in sich hinein, und Amrei ging mit Geld, Wein und Fleisch davon zu der schwar⸗ zen Marann.
Das Haus war verschlossen. und es war ein aroßer Ab⸗
stand zwischen dem lauten, musikschallenden Lärmen und Schmausen in dem Hochzeitshause und der stillen Oede hier.
Amreti wußte, wo sie die Marann erwarten konnte a ihrem Heimwege; sie ging fast immer nach dem Steinbru und saß dort eine Zeitlang hinter der Hecke und hörte zu, wi Spitzhammer und Meißel arbeitete. Das war ihr wie eine Melodie, die aus den Zeiten klang, wo Johannes einst auh hier gearbeitet hatte, und da saß sie oft lange und hörte es picken.
Amrei traf hier richtig die Marann, und noch eine Stunde vor Feierabend rief sie auch den Dami aus de Steinbruche, und hier draußen bei den Felsen e a Hochzeitsmahl gehalten, fröhlicher als drinnen bei d rauschenden Musik. Besonders Dami jauchzte laut, und d Marann tat auch heiter, nur trank sie keinen Tropfen Wei sie wollte nicht eher einen Tropfen Wein über die Lipp bringen, als bis zur Hochzeit des Johannes.
Als Amrei nun unter Heiterkeit erzählte, daß sie einen Dienst bei dem jungen Rodelbauer bekommen habe und morgen antrete, da erhob sich die schwarze Marann in 1 5 Zorn, und einen Stein aufhebend und an die Brust dri d sagte sie:„Es wäre tausendmal besser, ich hätte dich da drin nen, so einen Stein, als ein lebendig Herz. Warum kann ich nicht allein sein? Warum habe ich mich wieder verführen lassen, jemand gern zu haben? Aber jetzt ist's vorbei, auf a ewig! Wie ich den Stein da hinunterschleudere, so schleudere ich fort alle Anhänglichkeit an irgend einen Menschen. Du
falsches, treuloses Kind! Kaum kannst du die Flügel heben, I fort fliegt's. Aber es ist gut so, ich bin allein, und mein Jo; l hannes soll auch allein bleiben, wenn er kommt, und es ist 5 nichts, was ich gewollt hab'.“ f„ e Und fort rannte sie dem Dorfe zu. 10
e
„Es ist doch eine Hexe,“ sagte Dami hinter ihr drein, „ich will den Wein nicht mehr trinken, wer weiß, ob sie ihn nicht verhert hat.“ 2
„Trint' du ihn nur, sie ist eine strenge Eigenbrödlerin und hat ein schweres Kreuz auf sich; ich win ie schon wieder 0 gutmachen.“ b 33
So tröstete Amrei. 5
(Fortsetzung folgt.)


