sprechen.(Sehr aße! bei den Sozialdemokraten.) Jeder, Ar⸗
beiter, Gewerbelteibende, Geschäftsleute, kleine Bauern wünschen
den Frieden. Die Mütter, die Frauen und Kinder, auch der feind⸗
lichen Soldaten, ersehnen das Ende des Wütens ebenss heiß her⸗ Gu
bei, wie es bei uns der Fall ist. Könnte die Presse frei über die Kriegsziele und den Friedenswillen schreiben, mit elementarer Ge⸗ walt käme der Friedenswille in allen Ländern zum Durchbruch. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im Auftrag unserer deutsch⸗östexreichischen Bruderpartei habe ich zu erkläxen, daß auch sie sich mit uns einig weiß in der Pflicht zur Landes⸗ verteidigung wie in dem Willen zum Frieden.
Je höher ein Volk in der Kultur fleht, um so größer ist seine Sehnsucht, seine ganze Kraft friedlicher Kulturarbeit widmen zu können. Bis zum Tage vor dem Ausbruch des Krieges haben wir mit allen Kräften gegen ihn gewirkt. ir und unsere Partei⸗ genossen in den anderen Ländern waren zu schwach, ihn zu ver⸗ hindern. Als dann der Krieg hexeinbrach, hatten wir selbstver⸗ ständlich unser Land, seine Unabhängigkeit 2 seine Kultur zu schützen. r unmittelbare Gefahren drohen uns jetzt nicht mehr. Und deshalb müssen wir den Reichskanzler fragen, ob er nicht Aus⸗ kunft geben kann über die Bedingungen, unter denen er in Friedensverhandlungen einzutreten bereit ist. Für 1 Land und seine Unabhängigkeit setzt unser Volk alles ein, zur Erreichung kapitalistischer Sonderinteressen will das Volk nicht das Leben auch nur eines einzigen unserer Soldaten aufs Spiel gesetzt wissen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.)
„Uns treibt nicht Groberungslust, uns beseelt der unbeugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns gestellt hat, für uns und alle kommenden Geschlechter.“ Diese Worte aus der Thron⸗ rede vom 4. August 1914 sollten vor allem da nicht vergessen wer⸗ den, wo die Verantwortung am schwersten lastet. Millionen eilten zu den Fahnen, nicht um die Welt dem deutschen Willen zu unter⸗ werfen, sondern um zu verhindern, daß der Wille, die Einheit, die staatliche Stellung des eigenen Volkes gebrochen und zertrümmert werde. Wir wollen den Frieden, aber wir sind auch stark genug und entschlossen, Heimat und Herd zu schützen, wenn die Gegner den 1 5 8 5 nicht wollen. Die ganze Welt erwartet die Antwort des Reichskanzlers mit atemloser Spannung. Möge er das er⸗ lösende Wort finden und seine Bereitschaft zu Friedensverhand⸗ lungen aussprechen. Alle Welt wird sich auf die Seite dessen stellen, der die Hand zum Frieden bietet.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wer sie zurückweist, dessen Name wird fluch⸗ beladen in der Geschichte fortleben. Der unendliche Ruhm, den ersten entscheidenden Schritt zur Beendigung des furchtbaren Krieges getan zu haben, soll unserem Lande gesichert bleiben.(Leb⸗ hafter stürmischer Beifall.) 1 81
Reichskanzler v. Bethmann Hollweg: Im N Aus⸗ lande will man in der Frage nach den deutschen Friedensbedingungen ein Zeichen des Nachlassens deutscher Kraft und den beginnenden Zerfall der Einmütigkeit unseres Volkes erblicken. Die eben gehörte Begründung der Interpellation wird wohl die Erwartungen unserer Feinde nicht ermuntern, sondern enttäuschen.(Sehr richtig!) Wenn der Vorredner der Besorgnis zu sein scheint, wir könnten vernünftige Friedensangebote ablehnen, weil wir alle eroberten Länder behalten oder noch neue dazu erobern wollten, so muß ich anerkennen, daß unsere ungeheuren Erfolge zu der Anregung ganz natürlich hin⸗ leiten, den Krieg bald zu beenden und öffentlich zu sagen, wie sich die deutsche Regierung den Frieden denkt.(Hört! hört! links.) Wir haben unseren Feinden eine Hoffnung nach der anderen genommen. Nach der Herstellung der Waffengemeinschaft mit Bulgarien, nach den großen Siegen in Serbien, nach der Oeffnung des Weges nach der Türkei und der damit verbundenen Bedrohung der empfindlichen Stellen des englischen Weltreiches(Hört! hört!), muß da nicht bei unseren Feinden die Erkenntnis sich festsetzen, daß das Spiel für sie verloren ist, und muß da nicht manchem unter uns der Gedanke auf⸗ steigen, warum noch weitere Opfer?
Keiner unserer Feinde hat uns Friedensangebote gemacht. Sie baben uns vielmehr fälschlich Friedensangebote angedichtet, aus einer Selbsttäuschung, die wir durch Friedensangebote nur verschlimmern
würden. Bei Kriegsbeginn haben unsere Feinde in der Hoffnung
Blutvergießen bald ein Ende gemacht werde.
auf einen leichten Sieg die Zertrümmerung Deutschlands prokla⸗ miert. Inzwischen ist man ja besorgt geworden, aber das Endziel ist dasselbe geblieben. Sogar ein sehr gemäßigtes englisches Blatt hat außer der Zurückgabe Elsaß⸗Lothringens an Frankreich die Vernich⸗ tung des sogenannten preußischen Militarismus— die Vertreibung der Türken aus Europa und die Herstellung eines Großserbiens im Often als Friedensbedingung aufgestellt; von anderer Seite ist die 1 der ganzen linken Rheinseite und des ganzen deutschen Kolonialbesitzes gefordert worden. Also„Deutschland muß vernichtet werden“, so klingt es auch aus der französischen Presse heraus. Hanotaux hat noch kürzlich im„Figaro“ das offene Bekenntnis ab⸗ gelegt, Frankreich habe den Krieg gemacht, um Elsaß⸗Lothringen zu erobern. ört! hört!) Es mag sein, daß bei den Feinden einzelne nachden Männer, die sich von der militärischen Lage Rechenschaft ablegen, im Grunde ihres Herzens wünschen, daß dem entsetzlichen Ich sehe nicht, daß diese Männer auch durchdringen. Vielleicht gehört ihnen einmal die Zukunft, die Gegenwart gehört ihnen noch nicht.(Lebhafte Zustim⸗ mung.) Die Oberhausreden haben in der englischen Presse sehr wenig Widerhall gefunden. Aber sie haben die wilden Kriegsziele heraus⸗ gefordert, von denen ich sprach. Entscheidend sind für mich die Reden der Minister. Asquith hat wieder verkündet, sein Kriegsziel sei noch immer die Befreiung der kleinen Völker von der Gefahr, vom preußi⸗ schen Militarismus vernichtet zu werden. Nach den Vorkommnissen in Griechenland sind ja vielleicht auch die kleinen Völker selbst von dem Glauben an solche Versicherungen kuriert.(Lebhafte Zustim⸗ mung.) Wir haben vom ersten Tage an gewußt, daß hinter diesem Schutz der kleinen Völker sich die Sucht verbarg, den großen Staat, dessen Aufwachsen man so lange mit Neid und Mißgunst verfolgt hat, ein für allemal abzutun.(Sehr richtig!) Die Parole der„Ver⸗ nichtung des preußischen Militarismus“ ist von allen Alliierten über⸗ nommen worden. Daneben hat jeder Alliierte seine besonderen For⸗ derungen. Der englische Kolonialminister will das Nationalitäts⸗ prinzip durchführen und aus diesem Grunde Elsaß⸗Lothringen an
Frankreich und Polen ag Rußland zurückgeben. Weiß der englische
Kolonialminister, daß in den Reichslanden über 87 Proz. der Ein⸗ wohner deutschen und noch nicht 11 Prog, französischen Ursprungs sind.(Hört! hört!). Und daß nach dem Nationalitätsprinzip Polen zu Rußland gehört, ist doch mindestens zweifelhaft. Es wäre inter⸗ essant von England zu hören. was nach dem Nationalitätsprinziy aus Indien und Aegypten werden soll.(Große Heiterkeit und leb⸗ hafte Zustimmung.) Der tatsächlichen militärischen Sachlage ent⸗ sprechen all diese Kriegsziele der feindlichen Regierungen sehr wenig. Es hieße aber die Situation verkennen, wenn ich ihre Aeußerungen nur als Bluff ansehen und nicht ernst nehmen würde„Die Lage ist doch so: Die Völker unserer Feinde sind von Anfang an durch die fabrikmäßige Verbreitung von Lügennachrichten aller Art über die Wirklichkeit getäuscht und mit einem unauslöschlichen 5 gegen uns erfüllt worden.(Sehr wahr!) Nun sieht man, daß sich mit all dem keine Siege erfechten lassen, ja man hat reichlich militärische und diplomatische Niederlagen erlitten. Hekatomben sind geopfert wor⸗ den. Man kann es den Völkern nicht mehr verbergen, daß wir weit in Feindesland stehen, daß wir den Weg nach Südosten ge⸗ öffnet haben, und daß wir sehr wertvolle Faustpfände in der Hand
haben. Aber man han sich auf das ceterum censeo, daß Deutschland
vernichtet werden soll, so fest verbissen, daß man davon nicht mehr los kommt.(Sehr wahr!) Und deshalb müssen weitere Hundert⸗ lausende auf die Schlachtbank geführt werden. Als neuestes Reiz⸗ mittel zur Aufstachelung blinder Kriegswut gilt die Hoffnung auf den Erschöpfungskrieg. Daß unsere Lebensmittel reichen, daß es nur darauf ankommt, sie richtig zu verteilen, darüber sind wir auch mit der Partei des Vorredners einig. Ein Gebiet von Arras bis Mesopotamien kann wirtschaftlich nicht erdrückt werden. hafte Zustimmung.) Auch mit Rohstoffen sind wir auf eine lange Kriegsdauer versehen. Zur Herstellung einer Reihe von Roh⸗ stoffen, die wir vor dem Kriege nur aus dem Auslande bezogen, sind die erforderlichen Fabriken jetzt im eigenen Lande in Betrieb. Bravol) Auch mit Kupfer reichen wir. viele Jahre Wolle
(Leb⸗
hafte Zustimmung.) In der englischen Presse findet man noch manches Zeugnis für das Vorhandensein eines ähnlichen Geistes. (Hört! hört!) Ich erinnere an die Berichte aus dem englischen Hauptqugrtier, in denen die Lust der englischen Soldaten an der Hinschlachtung der Deutschen in so scheußlicher Weise verherrlicht worden ist, daß ich mich ir solche Worte auch nur in den Mund zu nehmen.(Lebhaftes Hört! hört!) Wir verschmähen eine solch mes Gesinnung, unsere Truppen tun ihre Pflicht als Träger menschlicher Kultur und sind darum gerade brabe Soldaten und gute Deutsche.(Lebhafte Zustimmung. Der Reichskanzler spricht die folgenden Sätze in großer Erregung.) Wenn einmal die Ge⸗ schichte über die Schuld an diesem ungeheuerlichsten aller Kriege und seiner Dauer geschrieben wird, dann wird sie das entsetzliche Unheil aufdecken, das Haß, Verstellung und Unkenntnis angerichtet haben.(Sehr wahr!) Solange diese Verstrickung von Schuld und Unkenntnis bei den feindlichen Machthabern besteht, und diese Geistesverfassung die feindlichen Völker beherrscht, wäre ein Friedensangebot von unserer Seite eine Torheit, die den Krieg nur verlängern würde.(Lebhafte Zustimmung bei den bürger⸗ lichen Parteien.) Mit Friedensäußerungen von unserer Seite kommen wir nicht vorwärts, Friedensangebote unserer Feinde, die der Würde und Sicherheit des Deutschen Reiches entsprechen, sind wir, ich wiederhole es immer wieder, allezeit bereit, zu diskutie⸗ ren. In dem vollen Bewußtsein unserer unbestreitbaren und un⸗ erschütterlichen glänzenden militärischen Erfolge lehnen wir jede Verantwortung für die Fortsetzung des Unheils ab.(Leb⸗ hafte Zustimmung.) Es soll nicht heißen, daß wir den Krieg auch nur um einen Tag verlängert haben, weil wir noch dieses oder jenes Faustpfand dazu erobern wollten. Unsere allge⸗ meinen Kriegsziele habe ich bereits früher auseinandergesetzt. Ich kann auch heute nicht auf Einzelheiten eingehen. Ich kann nicht sagn, welche Garantien die kaiserliche Regierung zum Bei⸗ spiel in der belgischen Frage fordern wird, welche Machtgrund⸗ lagen sie für diese Garantien für notwendig erachtet. Das eine sollten sich unsere Feinde selbst sagen. Je länger und verbitterter sie diesen Krieg gegen uns führen, um so mehr wachsen die Garantien, die wir fordern müssen.(Stürmische Zustimmung im Hause und Händeklatschen auf den Tribünen.) Wenn unsere Feinde für alle Zukunft eine Kluft zwischen Deutschland und der übrigen Welt aufrichten wollen, dann sollen sie sich nicht wundern, daß auch wir unsere Zukunft danach einrichten.(Erneute stür⸗ mische Zustimmug im ganzen Hause.) Weder im Osten noch im Westen dürfen unsere Feinde über Einfallstore verfügen, durch die sie uns erneut und schärfer als bisher bedrohen können.(Wie⸗ derholter lebhafter Beifall.) Ich glaube, es gibt im deutschen Vaterlande niemanden, der nicht diesem Ziele zustrebt. Welche Mittel zu diesem Zweck nötig sind, darüber müssen wir uns die Entscheidung vorbehalten. Für die deutsche Regierung ist und bleibt dieser Krieg ein Verteidigungskrieg des deutschen Volkes. Er darf nur mit einem Frieden beendet werden, der nach mensch⸗ lichem Ermessen uns die Sicherheit gegen seine Wiederkehr bietet. Darin sind wir alle einig, das ist unsere Stärke und dabei soll es bleiben.(Stürmischer, langanhaltender Beifall und Händeklat⸗ schen im Hause und auf den Tribünen.)
Auf Antrag des Abg. Haase(Soz.) wird einstimmig die Be⸗ sprechung der Interpellation beschlossen.
Abg. Dr. Spahn(3.) erklärt im Namen aller Mitgliederver⸗ einigungen des Hauses, mit Ausnahme der Interpellanten: Die Beendigung dieses uns aufgedrungenen Krieges wünschen auch wir. Wir blicken dabei voll Bewunderung und Dankbarkeit auf den ununterbrochenen Siegeszug unserer Truppen, wir vertrauen auf die unbeugsame, allen Angriffen unserer Feinde überlegene Stellung unserer Heere in Ost und West. Wir blicken auf die nicht zu erschütternde wirtschaftliche und finanzielle Kraft unseres Lan⸗ des, die uns Ernährung und Rüstung ausreichend sichert. Mögen unsere Feinde sich erneut zum Ausharren im Kriege verschwören, wir warten in voller Einigteit, mit ruhiger Entschlossenheit und im Gottvertrauen die Stunde ab, die Friedensverhandlungen er⸗ möglicht, bei denen für die Dauer die militärischen, wirtschaft⸗ lichen, finanziellen und politischen Interessen Deutschlands im ganzen Umfange und mit allen Mitteln einschließlich der dazu er⸗ forderlichen Gebietserwerbungen gewahrt werden müssen.(Leb⸗ hafter wiederholter Beifall und Händeklatschen bei den bürgerlichen Parteien.)
Präsident Dr. Kaempf teilt mit, daß ein von den Führern sämtlicher bürgerlichen Parteien unterzeichneter Schlußantrag ein— gelaufen ist.
Der Antrag wird von sämtlichen bürgerlichen Mitgliedern des Hauses unterstützt. Als der Präsident über den Antrag abstimmen lassen will, meldet sich Abg. Haase(Soz.) zur Geschäftsordnung. Der Präsident erklärt, daß er ihm in diesem Augenblick das Wort nicht geben könne.(Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Fortgesetzte Rufe: Zur Geschäftsordnung!— Mehrere Minuten lang herrschte im Hause starker Lärm.) Es scheint, als ob der Präsident den Antrag zur Abstimmung stellt und ihn für an⸗ genommen erklärt, zu verstehen ist aber nichts.
5 Präsident Dr. Kaempf: Nachdem der Antrag angenommen ist, können Sie das Wort zur Geschäftsordnung erhalten.(Zurufe bei den Sozialdemokraten: Vergewaltigung!)
Abg. Haase(Soz.): Ich stelle fest, daß der Antrag, auß Schluß der Debatte nicht angenommen ist.(Sehr richtig!) Der Antrag war nach dem Geiste unserer Geschäftsordnung und nach der Praxis des Hauses geschäftsordnungswidrig. Der Präsident als der Hüter der Geschäftsordnung, als de; Schützer einer Minorität, die hier vergewaltigt werden sollte, hätte sofort erklären müssen, daß er die Abstimmung nicht zuläßt.(Sehr richtig! bei den Sogialdemokraten.) Der Zweck einer Interpellation ist doch gerade der, daß die Inter⸗ pellanten die Möglichkeit haben müssen, in einem Schlußwort das Ergebnis der Debatte zusammenzufassen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemotraten.) Haben denn die Herren gar nicht überlegt, was für einen Eindruck es auf das Volk und auf die ganze Welt machen wird, wenn man uns in diesem Augenblick, wo wir der liefsten Sehnsucht unseres Voltes und der gesamten Welt nach Frieden Ausdruck geben wollen, unmöglich macht, unsere Meinung zu sagen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Gerade nach den unbestimmten, allgemeinen, vieldeutigen Aeußerungen des Reichskanzlers und auch nach den letzten Worten des Abg. Spahn ist es notwendig, daß das Volk und die Welt erfahre, daß nicht etwa der gesamte Reichstag mit diesen Ausführungen einverstanden ist. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ich für meine Person muß die Gemeinschaft mit der Anschauung, die hier zum Ausdruck gekommen ist, mit aller Entschiedenheit ablehnen.(Händetlatschen bei dem einen Teil der Sozialdemokraten.) Wollen Sie denn wirk⸗ lich, daß aus diesem Gemetzel als Ergebnis herauskomme ein
Europa, das in einem Trümmerhaufen verwandelt worden ist? Wir
blehnend gegeftüber allen bei den Sozialdemokraten.) begreife 75 10 1 a äre zutreffe enn i wäre z f 5285 1
erklären uns entschieden a plänen.(Lebhafter Beifall 9 12 5 7 18 25 Abg. Haase ausgeführ.
stand, den er nicht berücksichtigt hat, sehr s 5 fiele. Es ist denen, die den Schlußantrag unterzeichnet haben. 0 eingefallen, den Interpellanten das Wort abzuschneiden.(Widet spruch bei den Sozialdemotraten.) Hätte Herr en do Wort ergriffen, so wäre das niemandem lieber gewesen als u
Bedanken Sie sich bei denen, die diese lebhafte Szene herbeigeführt b haben. Wenn es Ihnen in erster Linie darum zu tun gewesen een wäre, auf die Ausführungen des Reichskanzlers zu antwort 115 dann hätte es dazu unserer Erklärung nicht bedurft. Wir hatt ba Herrn Landsberg anheimgestellt, sofort nach dem deinen 55 reden, das hat er nge nt.(Zuruf bei den Sozialdemokraten: den Das ist eben die Vergewaltigung!) Sie haben das Recht zu spr 5 den (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Wenn Sie es wollen!). Das verkürzen wir Ihnen nicht. Und wir haben das Recht zu f. 55 0 wenn wir es im Interesse des Vaterlandes für besser halten. gef durch Ihren Eigensinn ist es dahin gekommen.(Beifall bei 15 bürgerlichen Parteien, Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) 115 Abg. Ledebour(Soz.): Ich begreife nicht, daß ein liberaler Ah. 800 geordneter, der Präsident eines Parlaments ist, nicht versteht, daß 15 wir hier das Recht des Parlaments überhaupt vertreten haben 2 (Sehr richtig! b. d. Soz.), ganz abgesehen von den weitergehenden wichtigeren politischen Fragen, die dabei in Frage stehen. Herr 0 Paher hat gegen meinen Freund Landsberg den Vorwurf erhoben. mei daß er nicht das Wort habe ergreifen wollen zu einer Zeit, wo die Eine Mehrheitsparteien es ihm geben wollten, nämlich vor dem Redner tw der Mehrheitsparteien, der eine Vertrauenskundgebung für die fun Reichsregierung verlesen hat. Diese Umstellung der Rednerliste, die ag die Herren von den Mehrheitsparteien vornehmen wollten, ist es 5 ja gerade, welche meinen Parteigenossen Landsberg veranlaßt hat, lber es abzulehnen, in der von Ihnen gewünschten Reihenfolge zu habe sprechen, denn das widerspricht jedem parlamentarischen Brauch und Wor jedem Sinn einer Interpellation.(Sehr richtig! b. d. Sog.) Nach Hure allem parlamentarischen Brauch begründen eine Interpellation d sind Parteien, die sie eingebracht haben. Nachher haben alle Parteien dies das Recht, zu antworten auf die Antwort des Regierungsvertretecs, Gre und zwar war die Praxis bisher die, daß erst sämtliche anderen Trab Parteien sprachen und daß dann zum Schluß die Partei des Inter⸗ den pellanten zu Wort kommt, ganz abgesehen davon, daß eventuell noch ein! eine zweite Serie von Rednern aller Parteien das Wort erhält. wolle Weil Sie es aber verhindern wollen, daß überhaupt unser Redner la das Fazit aus der Debatte ziehen konnte, deshalb haben Sie diese darü Umstellung vornehmen wollen. Und als das nicht gelungen ist, da berst haben Sie dem Redner unserer Partei, der den Anspruch auf das 6 von Ihnen allen anerkannte Recht ausüben wollte, nunmehr das vied Wort entzogen und einen schnöden Rechtsbruch begangen.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.— Große Unruhe bei den pir anderen Parteien. Präsident Dr. Kaempf ruft den dner zur denk Ordnung.) Nach diesem eben vom Herrn Präsidenten unter⸗ aller strichenen Vorgang hat er selber einer Partei aus dem Hause das wied Wort zur Geschäftsordnung abgeschnitten und sich dadurch zum über Mitschuldigen der Mehrheit gemacht.(Lebhafte Zustimmung bei den die Sozialdemokraten.) Und das geschieht in dieser Zeit, wo Sie alle und damit renommiert haben, daß das deutsche Volk einmütig sei. In gun, dieser Zeit treten Sie das Recht mit Füßen.(Große Unruhe.) an Sie haben uns, die größte Partei, vergewaltigt, die Partei, die in richt diesem Augenblick nicht nur ihre 4 Millionen Wähler hinter sich mal hat, sondern aller Wahrschenlichkeit nach die große Mehrheit des be Volkes.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 0 eu Abg. Landsberg(Soz.): Es ist richtig, daß in der eröffneten wuf Debatte zunächst mir das Wort erteilt werden sollte, und daß dann wir Herr Abg. Spahn eine Erklärung für alle bürgerlichen Parteien so!
abgeben wollte. Ich habe darin eine Verletzung der Geschäftsord⸗ nung erblicken müssen. Wenn einmal die Besprechung einer Inter⸗ pellation beschlossen worden ist, so versteht es sich von selbst, daß sie den Bestimmungen der Geschäftsordnung unterliegt. Und danach war, nachdem ein Redner meiner Parlei die Interpellation be⸗ gründet hatte, zunächst ein Redner der übrigen Parteien an der Reihe das Wort zu nehmen. Aber auch aus sachlichen Gründen mußte jch über den Beschluß der Mehrheitspaxteien erstaunt sein. Wir sind doch nicht hierhergekommen, um Monologe zu halten,
meine Freunde und ich, wir haben gemeinsame Sorgen, es liegt ll uns doch die Zukunft unseres Vaterlandes am Herzen. Sollten le wir dieser gemeinsamen Sorge nicht in einer geordneten sachlichen ö Aussprache Ausdruck geben?(Sehr richtig! bei den Sozialdemo⸗ an kraten.) Aus diesen Gründen habe ich mich an die Herren gewandt,
ich habe ihnen Vorstellungen gemacht und sie gebeten, sie möchten E es bei der eee lassen.(Hört! hört! bei den Sozial- 2 demokraten. Um mein Ziel zu erreichen, habe ich mich— darauf fi habe ich ein Anrecht— zunächst aus der Rednerliste streichen lassen.
(Hört! hört!) Herr Abg. Spahn nahm dann Rücksprache mit den sche Führern der übrigen Parteien und teilte mir als Ergebnis mit,
daß es bei dem Beschlusse bleibe.(Hört! hört! bei den Sozial⸗ lun demokraten.) Darauf bin ich, da mir nichts anderes übrig blieb, ore sofort auf die Tribüne gegangen und habe mich wieder zum Wort ät gemeldet. Herr Payer sagt, niemand bedauere mehr als er, daß ich
nicht zu Wort gekommen sei. Ja, weshalb haben Sie denn den Schlußantrag angenommen.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) 1 Dieses Bedauern kann ich wirklich nicht sehr hoch bewerten. Es ist 8 hier offensichtlich ein Versehen im Bureau vorgekommen, und dieses 0 Versehen haben Sie ausgenutzt. Was ist die Folge? Meine n Freunde und ich haben einem ehrenvollen Frieden dienen wollen, 6
wir haben die Einigkeit des deutschen Volkes unterstreichen und be⸗ kräftigen wollen, und Sie haben da einen Riß hineingebracht.(Sehr gut! und lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) 4
Abg. Scheidemann(Soz.): Verstöße gegen die Geschäftsord⸗
nung des Hauses sind öfter vorgekommen. Darin sehe ich nicht das hi Schlimmste. Das Schlimmste ist überhaupt das ganze Verfahren t der Mehrheit.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) 9 1 finde es— nehmen Sie es mir nicht übel— geradezu unerhört, l daß das Verhalten der Herren, die so verfahren sind, ein so kurz⸗ bir sichtiges gewesen ist.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Das U können Sie gar nicht verantworten.(Erneute Zustimmung bei 0 den Sozialdemokraten.) Ich darf daran erinnern, daß es früher al vorgekommen ist, daß die Partei, die interpelliert hatte, zum e Schluß nicht mehr zu Wort kam. Das wurde im ganzen 1 ti als ein großer Mißstand empfunden, wir haben uns deshalb vor ti
vielen Jahren einmütig dahin verständigt, daß unter allen Um⸗ ständen, selbst auf die Gefahr hin, daß eine kleinere Partei mal ausgeschaltet würde in der Debatte, daß jedenfalls die Partei, die die Interpellation begründet hat, zum Schluß das Wort erhält. 9
(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Das war bisher 9010 1 0 selbstverständlich. Ich traue Ihnen so viel Einsicht zu, daß Sie 5 jetzt wenigstens einsehen, was Sie angerichtet haben, aber das klann mir und meinen Freunden jetzt nichts mehr 5 5 Ich erhebe e jedenfalls den schärfsten Protest gegen das hier angewandte Ver- 0 fahren.(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) 1 10
Abg. Bassermaun(natl.): Von einer Absicht, dem Abg. Lands„ berg das Wort nicht zu geben, war bei den bürgerlichen Parteien 0 0 absolut nicht die Rede.(Lachen bei den Sozialdemokraten.] Es e hat sich lediglich um die Reihenfolge gehandelt. Das Mißverständ: k¹ 6 nis bedauere ich lebhaft, und ich glaube, auch die Herren von den ö 1 anderen Parteien bedauern es, aber wir haben es nicht ver- schuldet. Von einem schnöden Bruch der Geschäftsordnung 15 0 gar keine Rede sein. Ein Schlußwort ist verstattet bei Initjativau⸗ 9 trägen, bei Interpellationen kennt unsere Geschäftsordnung ein
Schlußwort nicht. Wiederholt sind in der Debatte erst die Ve. N treter der größten Fraktion zu Wort gekommen, und die S 1
demokratie ist die größte Fraktion des Hauses. 8 Abg. Schulz(Rp.): Uns trifft auch nicht ein Funken von N 9 Schuld.(Gelächter bei den Sozialdemokraten.) Daß die Herr— hat, ist durch Uebung des Reichstags festgestellt, 1 0. uns nur an diese Uebung gehalten. Sie sind schuld, u f 5 von dieser Uebuno abweichen wollen. Nachd- nun 1 9 ö
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Sozialdemokraten als stärkste Partei den ersten Redner


