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5 wurf nicht enthielt,
handlung fast unmöglich machen.
des italienischen Generalstabs, General Stefanowitsch als Vertreter Serbiens. Ein englisches Truppentrans portschiff ver enkt
Amsterdam, 7. Dez. Reuter meldet aus London: Der Daily Telegraph teilt mit, daß das britisch⸗indische Dampfschiff
Porro und Oberst
„Limeta“ durch den Feind in den Grund gebohrt worden ist. 48 Ge⸗
rettete wurden an Land gebracht; fünf Offiziere und 47 Askaris werden vermißt. Es scheint sich hier um ein Truppentransport⸗ schiff gehandelt zu haben.
Ein siegreicher Angriff persischer Miliz
gegen die Russen.
Konstantinopel, 7. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Vertreter der Agentur Milli in Bagdad meldet, daß die durch den persischen Nationalausschuß aufgestellte Miliz zwischen Hamadan und Kaswin russische Streikräfte, welche auf 5000 Mann geschätzt werden, angegriffen, tausend Mann tet und die übrigen in die Flucht geschlagen hat.
Bryans Friedenspropaganda.
Amsterdam, 7. Dez. Reuter meldet aus London: Die Times berichtet aus Washington: Bryan erließ ein Manisest, in dem er Wilson ersucht, den kriegführenden Mächten sofort seine Vermitt- ung anzubieten.
Zur Frage des Friedens. Der Papst und der Frieden.
Zu der neuen Ansprache des Papstes über Friedensver— mittlung hebt die Germania hervor, daß bis heute alle Be— mühungen, die sich das Haupt der katholischen Christenheit gebe, einen Gedankenaustausch zwischen den Kriegführenden über eine Friedensanbahnung herbeizuführen, an dem guten Willen bei unseren Feinden scheiterten. Von den Staatsmännern in den uns bekämpfenden Ländern sei immer und immer wieder bis zu dieser Stunde betont worden, daß sie gar nicht daran denken wollen, mit uns Frieden zu machen solange sie uns nicht niedergerungen haben.
Die Friedensfrage im ungarischen Parlament.
Im Abgeordnetenhause erörterte gestern Graf Andrassy (opposttionell) die Möglichkeit des Friedensschlusses. Er sagte: Es ist menschliche Pflicht, den Frieden in jenem Augenblick zu schließen, in welchem dies möglich ist. Ich bin vollkommen überzeugt, daß wir imstande sind, den äußersten Wider⸗ tand unserer Feinde niederzuringen und den Krieg fortzusetzen, bis die Gegner gezwungen sind, um Frieden zu bitten. ein Glück, wenn es gelingen würde, noch bevor dieser letzte Zeit punkt eintritt, Frieden zu schließen. Wenn ich trotzdem micht für eine Friedensaktion eintrete, so liegt die Ur⸗ sache darin, daß ich nicht überzeugt bin, daß diejenigen Faktoren, von denen Krieg und Frieden abhängt, es als einen glücklichen Augenblick bezeichnen würden, wenn sie das Schwert wieder in die Scheide stecken könnten. Alle Zeichen weisen darauf hin, daß unsere Gegner sich mit dem gegenwärtigen Ergebnis des Krieges nicht zufrieden geben werden und daher alles aufbieten, um viel⸗ leicht doch das Kriegsglück noch zu wenden und daß die Erklär⸗ ungen des franzöfischen Ministerpräsidenten und die Erörterungen um englischen Unterhaus für den Friedensschluß unter den ge— gebenen Verhältnissen wenig Wahrscheinlichkeit haben.
Italien, ein Friedenshindernis.
Lugano, 8. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der dem Londoner Vertrag hinzugefügte Abschnitt, den der erste Ent⸗ in dem die Unterzeichneten sich ver— pflichten, sich vorher über jede von ihnen zu stellende Friedens— bedingung untereinander zu einigen, wird bei der Meinungsverschiedenheit der Vertragsschließenden über die Kriegsziele, wenn er befolgt wird, jed e Friedens- Er ist wahr⸗ scheinlich auf das Mißtrauen Italiens zurückzu⸗ führen, das fürchtet, seine speziellen Wünsche auf dem Balkan würden von den Bundesgenossen nicht berücksichtigt werden.
Der neue Zehnmilliarden⸗Rredit.
Dem Berliner Lokalanzeiger zufolge verlautet, daß dem
ae, Bedenke i gemeinnützi Stiftungen.— Abg. Es wäre jedoch Bedenken bestehen bei gemeinnützigen Stiftungen Abg
Reichstage am Donnerstag auch eine neue Kreditvorlage in Höhe pon 10 Milliarden Mark zugehen soll, die alsbald dem Hauptausschuß überwiesen werden dürfte. 1112.—
Zur Ermordung einer deutschen U-Bootmannschaft durch die Engländer.
Die Nordd. Allg. Ztg. teilt mit: In der bekannten„Baralong“⸗ Sache sind vor kurzem die in Amerika aufgenommenen Verhand⸗ lungen eingetroffen: darin ist eine Denkschrift über diesen Vor⸗ gang nebst zugehörigen Verhandlungen der hiesigen amerikanischen Botschaft zur Uebermittlung an die britische Regierung übersandt worden.
Die deutsche Regierung teilt diese furchtbare Tat der britischen Regierung mit und nimmt bestimmt an, daß diese, nachdem sie von dem Sachverhalt und den Verhandlungen Kenntnis genommen hat, unverzüglich den Kommandant und die beteiligte Mannschaft des Hilfskreuzers„Baralong“ wegen Mordes zur Verantwortung ziehen und nach dem Kriegsgesetz bestrafen wird. Sollte sie sich in ihrer Erwartung täuschen, so würde sie sich zu schwerwiegen⸗ den Entschließungen wegen Vergeltung des un⸗ geheuren Verbrechens genötigt sehen.
5 3 15 Ein italienischer Kreuzer ver enkt. Wien, 8. Dez. Amtlich wird verlautbart: Eines unserer
Unterseeboote hat am 5. d. M. um 10 Uhr vormittags vor
Valona einen italienischen kleinen Kreuzer mit zwei Schloten
versenkt. Flottenkommando.
Die Kriegsgewinnsteuer im Haushalts⸗
Ausschuß des Reichstags. (Sitzung vom 7. Dezember.)
Der Haushaltsausschuß erledigte heute die zweite Lesung der Kriegsgewinnsteuer. Abg. Schiffer stellt fest, daß das künftige Gesetz über die Kriegsgewinnsteuer durch das vorliegende Gesetz in keiner Weise präjudiziert wird. Gegenwärtig handelt es sich mur um ein Sperrgesetz, um zu verhüten, daß die Kriegsgewinne der Gesellschaften verschwinden.— Staatssekretär Helfferich bestätigt diese Auffassung.— Abg. Mumm teilt mit, daß sofort nach Bekanntwerden des Gesetzes eine Reihe Gesellschaften ihre Auflösung beschlossen haben.— Abg. Dr. Südekum: Der Sinn des Gesetzes ist der, eine Sicherung zu schaffen für eine künftige Doppelbesteuerung. Die Syndikate, z. B. das Kohlensyndikat, Spiritussyndikat usw., werden durch das Gesetz nicht getroffen. Diese Organisationen sind an sich keine Erwerbsgesellschaften, aber durch ihre Tätigkeit werden Mehrgewinne erzielt.— Staatssekretär Helfferich erklärt, daß diese Gewinne beim einzelnen Kapi⸗ talisten steuerlich erfaßt werden.— Abg. Dr. Stresemann empfiehlt scharfe Heranziehung der Versicherungsgesellschaften.— Staatssekretär Helfferich meint, der Krieg habe für Gesell⸗ schaften dieser Art kaum Kriegsgewinne geschaffen. Die Heram⸗ ziehung der Gesellschaften auf Gegenseitigkeit werde zu 8 sein.
u rm bemerkt, daß die sogenannten„stillen Gesellschaften“ durch dieses
Gesetz nicht erfaßt werden. In dem Gesetz muß aber auch ausdrück⸗
lich festgelegt werden, daß Konsum vereine ausscheiden,
weil sie keine Tätigkeit entfalten, die auf die Erzielung von Ge⸗ winnen gerichtet ist. Redner stellt einen entsprechenden Antrag.
Wenn einzelne Konsumvereine in den letzten Jahren hohe Rück⸗
vergiftungen gewährt haben, so ist das nur auf den Zusammen⸗
schluß dieser Vereine zurückzuführen.— Staatssekretär Helffe⸗ rich erklärt, die sogenannten„stillen Gesellschaften“ in diesem Ge⸗ setze zu fassen, ist nicht möglich, denn sie stellen keine juristische
Person dar. Die Konsumgenossenschaften, soweit sie als G. m. b.
bestehen und keine Kapital⸗Dividende zahlen, fallen nicht unter das
Gesetz.— Abg. Waldstein hält die Heranziehung der Syndikate
auch nicht für möglich, wiewohl das Gesetz auf dem Prinzip beruht,
den Gewinn in der ersten Hand zu fassen.— Abg. Dorn äußert
Bedenken, immer neue Gesellschaftsgebilde in das Gesetz einbeziehen
zu wollen. Die Industrieritter, die sich zu„stillen Gesellschaften“
zusammengetan haben, müssen als Personen erfaßt werden.— Abg.
Wurm: Die Freistellung der Konsumvereine muß im Gesetz zum
Ausdruck kommen. Die Zusage des Staatssekretärs allein bietet
keine genügende Sicherheit.— Der Absatz 2 im§ 1, der die Sonder⸗
rücklagen der sogenannten„Schachtel-Gesellschaften“ zu regeln ver⸗ suchte, wurde gestrichen.
Der Rest des§ 1 wird schließlich in der Hauptsache in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.
In der ersten Lesung wurde bei§ 2 beschlossen, als Beginn des ersten Kriegsgeschäftsjahres den Monat Oktober 1914 anzunehmen. Das Zentrum beantragt, zu setzen„August 1914“. Mit dieser Aenderung wurde der§ 2 angenommen. Ebenso§ 3. Zu§ 4 be⸗ antragten die Sozialdemokraten folgenden Zusatz:
„Eine nach dem Umsatz satzungsgemäß zur Verteilung kom⸗ . Rückvergütung ist kein Geschäftsgewinn im Sinne dieses
esetzes.“.
Der Antrag wurde vom Abg. Wurm begründet.— Staats⸗ sekretär Helfferich hält diesen Zusatz nicht für nötig; in den Ausführungsbestimmungen werde das zum Ausdruck gebracht.— Abg. Dr. Blunck(Fortschr.) betont sein Einverständnis mit der
Barfüßele. 8
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Die schwarze Marann konnte das Kuckuckrufen nicht lei⸗ den und hing das Schlaggewicht an der Uhr ganz aus, so daß die Uhr nur noch mit dem Pendelschlag hin und her pickte, aber keine Stunde mehr laut angab. Der schwarzen Marann war das Sprechen der Uhr zuwider, ja sogar das Ticken störte sie, und die Uhr blieb endlich ganz unaufgezogen, denn die Marann sagte, sie habe allezeit die Uhr im Kopfe, und es war in der Tat wunderbar, wie das eintraf. Sie wußte zu jeder Minute anzugeben, wieviel es an der Zeit sei, obgleich ihr das sehr gleichgültig sein konnte; aber es lag eine besondere Ge— wecktheit in der Harrenden, und wie sie immer hinaushorchte, um ihren Sohn kommen zu hören, so war sie eigentümlich wach, und obgleich sie niemand im Dorf besuchte und mit niemand sprach, wußte sie doch alles, selbst das Geheimste, was im Dorfe vorging. Sie erriet es aus der Art, wie sich die Menschen begegneten, aus abgerissenen Worten.
Und weil dies wunderbar erschien, war sie gefürchtet und gemieden. Sie bezeichnete sich selbst gern nach einem land— läufigen Ausdruck als eine„alterlebte Frau“, und doch war sie äußerst behend. Jahraus, jahrein aß sie täglich einige Wacholderbeeren, und man sagte: davon sei sie so munter und man sehe ihr ihre 66 Jahre nicht an. Eben daß jetzt die beiden Sechse bei ihr beieinander standen, ließ sie auch nach einem alten Wortspiele, obgleich man nicht recht daran glau⸗ ben wollte, als Hexe betrachtet werden.
Man sagte: sie melke ihre schwarze Ziege oft stundenlang, und diese gebe immer gar viel Milch, aber die schwarze Marann ziehe, während sie melke, nur immer den Kühen dessen, den sie hasse, die Milch aus dem Euter, besonders auf des Rodelbauern Vieh habe sie es abgesehen; und die große Hühnerzucht, die die schwarze Marann trieb, galt auch für Hexerei; denn woher nahm sie das Futter für sie, und woher lonnte sie immer Eier und Hühner verkaufen?
Freilich sah man sie oft im Sommer Maikäfer, Heu⸗
H. eines Wehrbeitrages möge man abwarten, bis das Steuerprogramm
4 1* 5 kretärs.— Der gleichen Ansicht diesen Erklärungen zieht Abg.
Erklärung des Staatss Erzberger.— N k den sozialdemokratischen Antrag zurück. 2 Die Kommission war einig darin, daß Gesellschaften, Warenerzeugung oder Warenverteilung für den Kreis ihrer Mitglieder dienen, mit den Beträgen, die als Nabatt usw. teilung gelangen, dem Sperrgesetz nicht unterliegen, da sole teilungen nicht als Geschäftsgewinne im Sinne der Vorlage tönnen. a Die Konservativen beantragen zu§ 5, daß nicht das Er der letzten drei, sondern der letzten fünf Jahre vor dem K der Gewinnberechnung zugrunde gelegt werden soll. Bei den Jahren soll dann das beste und das ungünstigste Jahr nicht mit Berechnung kommen.— Dem Staatssekretär war diese Lösung sympathisch, aus der Kommission heraus wurde sie als bedenklich bezeichnet.— Der Antrag wurde angenommen und damit der ganze§ 5.. 9 Von nationalliberaler 1 wird 8 1 1 95 einen Härteparagraphen aufzunehmen, um die Möglichkeit zu bieten, nicht beabsichtigte Härten auszugleichen.— Der Rest des Ge wurde ohne wesentliche Debatte erledigt. Eine Resolution der Sozialdemokraten fo 1. eine Feststellung des Vermögensstandes nach Maßgabe des Wedr⸗ beitragsgesetzes von 1913 mit dem Stichtag des 31. Dezember 1515 schleunigst in die Wege zu leiten, 2. alsbald einen Gesetzentwurf vor⸗ zulegen, der die Erhebung eines erneuten Wehrden trages im Laufe des Steuerjahres 1916/17 vorsieht. Diese lution wurde vom Abg. Dr. David begründet. Daß man währen des Krieges direkte Steuern erheben kann, das hat England gezeigt. Wir müssen den gleichen Weg gehen; deshalb unsere Resol Man soll sich nicht hinter den Personalmangel verstecken, der sehr wohl beseitigt werden kann. Wenn Eingezogene zu diesem In beurlaubt werden, dann leisten sie auch mit dieser Arbeit K dienst. Auch der Kurs der Staatspapiere kann kein Hinde bilden, denn die Zinseneinnahme hat sich nicht vermindert. Einen neuen Wehrbeitrag halten wir für unbedingt erforderlich. Würde man statt dessen indirekte Steuern vorlegen, so müßte da einen Sturm der Entrüstung auslösen. In einer Zeit der Millionen ihr Leben einsetzen müssen, darf vor den der Reichen nicht Halt gemacht werden. Es gibt aber noch e anderen Weg: das Reich kann einen Zuschlag zu den bundesstag lichen Vermögenssteuern erheben. f Abg. Mertin(freikons.) begründet dann eine Resolutio in der die verbündeten Regierungen ersucht werden, unverzügli geeignete Maßnahmen zu treffen, durch welche die Veranlagn und Erhebung einer künftigen Kriegsgewinnsteuer auch bei Einzel personen sichergestellt wird. Weiter bemerkt er, die Resolution d Sozialdemokraten sei praktisch absolut undurchführbar. Mit seim Resolution sollen vor allem die Armeelieferanten gefaßt werd n Staatssekretär Helfferich bezeichnet die Resolution Sozialdemokraten als un annehmbar. Er verwahrt sich die von Dr. David aufgestellte Behauptung, daß das vorlie⸗ Gesetz nur ein Blendwerk sei. In Wirklichkeit sichere das einen ganz erheblichen Teil der Kriegsgewinne. Auf Privat⸗ personen könnte das Gesetz nicht ausgedehnt werden, und aut die Kommission habe keinen Weg gezeigt, der dazu führen k Die von den Sozialdemokraten geforderte Veranlagung der mögen sei gegenwärtig vollkommen unmöglich. Er könne aber sichern, daß alles geschehe, um die Kriegsgewinne ms lichst vollständig zu erfassen. Der Resolution Merk könne die Regierung zustimmen. Mit der beantragten Erhebung
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der Regierung vorliege. Auch der Vergleich mit England sei ni zutreffend, denn die dort vorgelegten Gesetze seien noch nicht fert Das englische Volk habe enorme indirekte Lasten zu tragen, z. 8 seien Tabak, Tee und Zucker weit höher belastet als bei uns. An England könne seine Kriegskosten nicht einmal zum kleinsten durch direkte Steuern decken.— Abg. Dr. David: England kämp für das Gleichgewicht seines Budgets und das müßten wir ebenfa tun. Wir brauchen ganz enorme neue Einnahme Unsere Aufgabe ist es, davor zu warnen, etwa den überwiegend Teil dieser neuen Einnahmen aus indirekten Steuern ziehen wollen. In England liege das Schwergewicht auf der Erhöh der direkten Steuern. Die Massennahrungsmittel des Volkes z. B. das Brot, seien in England überhaupt nicht belastet; kommen bis 2600 Mark bleiben von direkten Steuern frei, aß 11 Prozent der englischen Bevölkerung diese kolossalen Lasten dire zu tragen haben. Wenn der Staatssekretär angedeutet habe, da 8 uns nur darum zu tun sei, ein Agitationsmittel zu g winnen, so sei demgegenüber zu bemerken, die Tatsachen wer den verhängnisvoll werden, wenn der Besitz gescho und die Massen belastet werden sollen.
Bei der Abstimmung wurde die Resolution Mertin ange men, die sozialdemokratische Resolution dagegen abgelehnt. Der Ausschuß wird am Donnerstag seine Beratungen fortsetzen 15 zwar werden die Lebensmittelfragen auf der Tagesordmm stehen.
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schrecken und allerlei Würmer sammeln, und in mondlosen Nächten sah man sie wie ein Irrlicht durch die Gräben, schleichen; sie trug einen brennenden Span und sammelte die Regenwürmer, die da herausschlichen, und murmelte allerlei dabei. Ja, man sagte, daß sie in stillen Winter⸗ nächten mit ihrer Ziege und ihren Hühnern, die sie bei sich in der Stube überwinterte, allerlei wunderliche Gespräche hielte. Das ganze von der Schulbildung verscheuchte wilde Heer der Hexen- und Zaubergeschichten wachte wieder auf und wurd. an die schwarze Marann geheftet.
Amrei fürchtete sich auch manchmal in langen stillen Winternächten, wenn sie spinnend bei der Marann saß und man nichts hörte, als manchmal das verschlafene Glucksen der Hühner und ein traumhaftes Meckern der Ziege, und es er— schien in der Tat zauberisch, wie schnell die Marann immer spann. Ja, sie sagte einmal:„Ich meine, mein Johannes hilft mir spinnen,“ und doch klagte sie wieder, daß sie in die— sem Winter zum erstenmal nicht mehr so ganz und immer an ihren Johannes denke. Sie machte sich Vorwürfe darüber und sagte: sie sei eine schlechte Mutter, und klagte, es sei ihr immer, als wenn ihr die Züge ihres Johannes nach und nach verschwinden, als ob sie vergesse, was er da und da getan habe, wie er gelacht, gesungen und geweint und wie er auf den Baum geklettert und in den Graben gesprungen sei.
„Es wäre doch schrecklich,“ sagte sie,„wenn einem das nach und nach so verschwinden könnte, daß man nichts Rechtes mehr davon weiß,“ und sie erzählte dann Amrei mit sicht⸗ lichem Zwange alles bis aufs kleinste, und Amrei war es tief unheimlich, so immer und immer wieder von einem Toten hören zu müssen, als ob er noch lebte.
Und wieder klagte die Marann:„Es ist doch sündlich, daß ich gar nicht mehr weinen kann um meinen Johannes. Ich habe einmal gehört, daß man um einen Verlorenen weinen kann, so lang er lebt und bis er verfault ist. Ist er wieder zur Erde geworden, so hört auch das Weinen auf. Nein, das kann nicht sein, das darf nicht sein, mein Johannes kann nicht tot sein; das darfst du mir nicht antun, du dort
meiner Tür, da sitzt der Tod, da ist der Weiher und da kann ich mich ersäufen wie einen blinden Hund, und das geschieht, wenn du mir das antust: aber nein, verzeih' mir's, g Gott, daß ich so wieder die Wand renne, aber mach' da mal eine Tür auf, mach' auf und laß meinen Johannes h einkommen. O die Freud'! Komm', da setz' dich her, hannes. Erzähl' mir gar nichts, ich will gar nichts wi du bist da; und jetzt ist's gut. Die langen, langen Jal sind nur eine Minute gewesen. Was geht's mich an, wo gewandert bist? Wo du gewesen bist, da bin ich nicht gewese und jetzt bist du da. Und ich lasse dich nicht mehr von der Hand, bis sie kalt ist. O Amrei, und mein Johannes muß warten, bis du groß bist, ich sag' weiter nichts. Warum redst du nichts?“ 9 Amrei war die Kehle wie zugeschnürt. Es war ihr immer, als ob der Tote dastünde, gespensterhaft; auf ihren Lippen ruhte das Geheimnis, und sie konnte es anrufen, und Decke fiel ein, und alles war begraben.. 1 Manchmal aber war die Marann auch gesprächsam„ anderer Weise, obgleich alles auf dem einen Grunde ruhte, auf dem Andenken an ihren Sohn. Und schwer stellte sich ö hier die Frage der Weltordnung heraus:„Warum hier ein Kind tot, auf das die Mutter wartet, so zitternd, mit ganzer 0 Seele wartet, und ich und mein Dami wir sind verlorene Kinder, möchten so gern die Hand der Mutter fassen, und diese Hand ist Staub geworden?....“ 5 Das war ein dumpfes nächtiges Gebiet, wohin das Denken des armen Kindes getrieben wurde, und es 3
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sich nicht anders aus dem Wirrsal zu helfen, als indem leise das Einmaleins vor sich hin sagte. 22
Besonders an Samstagabenden erzählte die schwarze Marann gern. Nach altem Aberglauben spann sie am Sams-
schichte zu erzählen hatte, wickelte sie zuerst ein gut Teil ven ihrem Garnknäuel ab, um nicht aufgehalten zu sein, g
dann erste sie am Faden fort ohne Unterbr beung.
oben, oder ich werf' dir den Bettel vor die Tür. Da. vor
(Sortsetzung folgt.)
tagabend nie, da strickte sie immer, und wenn sie eine Ge⸗ 0


