Ausgabe 
1.12.1915
 
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Hessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung Zum Nachdenken.

Ist dieser gewaltigste aller Kriege denn a Erlebnis der Meuschen? Bveunt es ihnen 57 ang ebe Stole, verfolgt es sie in wüten Träumen, daß sich d eee Stunde um Stunde Grausiges ereignet, daß täglich 2 a draußen gemäht werden, in tausendsacher Gestalt das Unglück 11 hin⸗ schrenets Rur Toren könnten das glauben. Es gibt 95 be und Menschen. Die einen freilich, die packt es, Die em finden die seclische Last des Krieges wie körperlichen Schmerz a 11 Monaten um Jahre. Sie fühlen sich mitverautwortlich für 125 8 samte Menschheit und machen auch nicht Halt vor 7 0 115 ll jenseits der Landesgrenzen. Die andern aber: was küm 155 di heute noch der Weltkrieg! DerScelenaufschwung? wenn id. Haupt jemals vorhanden gewesen, ist längst in nebelh 10 1 schon seit Monden gehen sie wieder den Trott des Phuiscers,

5 ie ihn 7 in M; 4 n ist ihnen bestenfalls nur noch ein Mittel zu besserer Ver⸗ Und es ist bitter, es sagen zu müssen, 0 lest Stumpfen und Gleichgültigen erschreckend groß 105 1 1 jüngst der Zufall in ein Possentheater. Ein kitschiges Stück wurde gegeben, zum vierzigsten, fünfzigsten, vielleicht zum sechzigsten Mal e aber jeder Platz im Zuschauerraum war besetzt, das Publikum in tollster Karnevalsstimmung. Vielleicht um dieselbe Stunde wur⸗ den draußen in mörderischem Ringen tausende Menschen vom Tode überschattet, röchelten Sterbende, stöhnten Verwundete Vielleicht um dieselbe Stunde krampften sich in bitterstem Schmerz die Herzen tausender Mütter, Gattinnen und Kinder, denen die Kunde vom Kriegertode des Liebsten ins Haus geflattert war. Dieses Publikum aber raste vor Vergnügen bei dem Genuß eines geschmacklosen und in der Ueberarbeitung noch unmäßig vergröberten Schwankes französischer Abstammung. Und so sitzen Abend für Abend Tausende und aber Tausende bei seichtesten Vergullgungen oder führen da und dort ihren Leichtsiun und ihre Gedankenlosigkeit spagieren.

Es gibt Leute, die bei derlei Diskussionen eine kluge Miene auf⸗ setzou und uns versichern, das sei ja gerade ein Beweis unserer Kraft, daß man hier im Lande vom Kriege so gar nichts merke. Wir danken ergebenst. Denn um unsere Kraft zu beweisen, dafür gibt es bestimmt hundert andere und viel würdigere Gelegenheiten. Auch wir wünschen nicht, daß alle Menschen nur noch mit Leichen⸗ biktermienen herumlaufen sollen; gesunde Lebensbejahung ist uns lieber als Weinerlichkeit, aber es ist ein weiter Weg von dem be⸗ rechtigten Drang zum Leben, den auch das grausame Ereignis dieses Krieges nicht in uns töten kann, bis zu dem frivolen Leichtsinn der Menge, die sich an Possen und anderen Nichtigkeiten ergötzt und sich jeder Spur menschlicher Würde begibt. Unsere Feldgrauen, die draußen dem Tode ins Auge geschaut und durchweg Furchtbares erlebt haben, müssen von soschen merkwürdigen Bekundungen uuferer Kraft empört sein.

Schließlich aber 1 dieser Leichtsinn noch nicht das Schlimmste, was wir in diesem Kriege an Bitterkeiten erleben müssen. Viel schlimmer noch sind die tausendfältigen Beweise erschreckender Selbst⸗ sucht, die schmutzige Bewucherung der Mitmenschen durch gewissen⸗ lose Geldverdiener. Für das Treiben dieser Banditen ist kein Wort zu scharf; kein Galgen wäre zu hoch für sie. Man hat ihnen Moral⸗ pauken gehalten, an ihr Gewissen und ihren Patriotismus appelliert natürlich vergebens. Diese Sorte hat einen Geldsack, wo andere Leute das Herz haben. Dann hat man zu allen möglichen anderen Maßnahmen gegriffen, tausend Verordnungen erlassen, Strafen festgesetzt, für krasse Fälle sogar den Verlust der bürgerlichen Ehren⸗ rechte angedroht. Hilft es etwas? Nicht das geringste! Diese schweren Jungens verstehen ihr Geschäft und wissen allen bureau⸗ kratischen Maßnahmen ein Schnippchen zu schlagen. Die Preise des Notwendigsten steigen, klettern bis zu fabelhafter Höhe hinauf, und das Volk hungert.

Das ist eime der Lehren dieses Krieges, daß die Menschen bei noch so gewaltigen Erschüttterungen doch durchweg die alten bleiben: weder wird ihr Seelenzustand stark beeinflußt, noch er⸗ lahmt in unserer kapitalistischen Welt der Drang nach dem Golde. Bei den Kämpfern draußen wird es ja vielfach anders sein, hier im Lande aber wird der Krieg nur wenigen zum wirklichen Erleb⸗ nis, die niederziehenden Eindrücke überwiegen die erhebenden, und da sich in der scharsen Beleuchtung des Krieges alle Dinge viel schürser ausprägen, sehen wir auch klarer die Fehler und Schwächen der Menschen, gewahren wir Schmutzigkeiten, die Frither dem Auge verborgen blieben. Diese Erfahrungen aber milssen in uns nach⸗ wirken. Sie werden unsere Arbeit nach dem Kriege beeinflussen. Lehren sie uns doch eindringlich, welche gewaltige Erziehungsarbeit noch an der Menschheit zu vollbringen ist, um ihr soziales Gefühl im weiteren Sinne auszubilden und jedem einzelnen das Bewußt⸗ sein seiner Mitverantwortlichkeit für die Gesamtheit einzuhämmern, und lehren sie uns die alles überragende Notwendigkeit, nun⸗ mehr demfreien Spiel der Kräfte endgültig den Garaus zu machen und in den Mittelpunkt der Welt nicht mehr den kapitalisti⸗ schen Profit, sondern den Menschen zu stellen. Zu den großen Lehren des Krieges gehört die Lehre von der Notwendigkeit des Sozialismus. Courier.

Wenn die Stadt selbst produziert.

Wir haben immer wieder auf die große Bedeutung hin⸗ gewiesen, die die Lebensmittelbersorgung durch die Stadt in sozialer Hinsicht hat, und sind wiederholt nicht nur für den städtischen Lebensmittel verkauf eingetreten, sondern auch für die städtische Eigenproduktion. Wäre man uns gefolgt, unsere Bevölkerung stände wahrhaftig besser da. Das zeigt uns die Stadt Ulm, die sich einer wahrhaft sozialen Gestal⸗ tung des Lebensmittelwesens zugewandt hat und jetzt über die besten Erfolge, gerade in der Kriegszeit, berichten kann.

Auf dem Gebiete der Schweinezucht ist die Stadt inso⸗ fern selbst produzierend tätig, als sie derGenossenschaft für rationelle Schweinezucht angehört, von der sie jährlich 2 bis 3000 Schweine bezieht. Auf diese Weise ist es der Stadt mög lich, das Schweinefleisch an Kriegerfamilien zu dem billigen Preise von 1 Mark das Pfund abzugeben. Ferner läßt die Stadt Rinder und Ochsen bester Rasse mästen. Sie zahlt da. für den Marktpreis der Gewichtsdifferenz zwischen 1 und Ablieferung und kann so das Fleisch zu 1,05 Mark das Pfund verkaufen. Auch der Kartoffelproduktion hat sich die 0 zugewandt. Der Ertrag dieser Kartoffelwirtschaft beträg rund 8000 Zentner, eine Summe, die es der Stadt zune ihren Kartoffelbedarf selbst zu decken. Dabei betrugen 1 ganzen Kosten 16000 Mark. Wenn die Stadt also den 185 ner mit 3 Mark verkaufen würde, was heute ja ein 7- nismäßig billiger Preis ist, 1 der Stadt noch ein Gewinn von fast 10000 Mark verbleiben. 5

Solche 1 reden Bände. Sie mahnen e zu einer kommunalen Wirtschaftsreform in 1 15 Geiste, aber es gehört Unternehmungslust un 1 11 Originalität dazu, diesen neuen Weg zu 5 eiten. 19 1 darum werden diese Zahlen in den leitenden 1 19 955 wieder verfliegen. Man findet sie interessant 1109 11 70 1 wenig über diesen Erfolg der An e e 1 0 195 1 5 man ruhig auf dem alten Gleise weiter. Der sost

schritt liegt allein beim Volke, das sich Männer von sozialem Fühlen und selbständigem Denken zu wählen hat.

Keine Erweiterung der militärischen Dienstpflicht! In den jüngsten Tagen war wieder das Gerücht verbreitet, daß die Heeresleitung beabsichtige, die militärische Dienstpflicht über die bisherige Altersgrenze von 45 Jahren hinaus zu erweitern. Es wurde mit Bestimmtheit behauptet, daß dem bis zum 30. November vertagten Reichstage eine Novelle zu⸗ gehen solle, in welcher die Dienstpflicht für Nichtgediente bis zum 49., für Gediente bis zum 52. Lebensjahre verlängert werde. Von unterrichteter militärischer Stelle in Berlin ist die Chemn. Allgem. Zeitung ermächtigt worden, festzustellen, daß die Einbringung einer solchen Vorlage nicht beab sichtigt ist. Der Heeresverwaltung steht noch eine so große Zahl der nach den jetzt geltenden gesetzlichen Bestim⸗ mungen Dienstpflichtigen, deren Einberufung noch nicht er⸗ folgt ist, zur Verfügung, daß zu einer Verlängerung der Dienstpflicht über das 45. Lebensjahr hinaus kein Grund vorliegt.

Für Zurückhaltung von Fett Gefängnis! In einer größeren Metzgerei in Leipzig verweigerte die Frau eines der Geschäftsteilhaber einer armen Frau die Abgabe von Fett, obgleich eine andere Frau, die auch Fleisch kaufte, Fett er⸗ hielt. Die arme Frau wollte abends Bratkartoffeln machen, mußte aber, weil sie kein Fett erhielt, die Kartoffeln trocken essen. Der Amtsanwalt beantragte 150 Mark Geldstrafe, in⸗ dem er betonte, das Gesetz wolle, daß die Bedarfsartikel an jedermann abgegeben würden; die meisten Leute seien nicht mehr in der Lage, Fleisch zu essen; die Lebensmittel seien aber nicht nur für die Reichen, sondern für alle da. Das Gericht erkannte auf die beantragte Strafe. Der Vorsitzende führte u. a. aus, die Absicht, einen übermäßigen Gewinn zu erzielen, sei darin zu erblicken, daß der Verkauf von Fett allein der Angeklagten nicht genügte, sie habe auch den Ge winn aus gleichzeitigem Fleischverkauf erzielen wollen. Solches antisoziale Verhalten, das sich besonders gegen arme Leute richte, würde künftighin mit Gefäng⸗ nisstrafe geahndet werden. Die Leute, die Fleisch kauften, seien des Fettes nicht so bedürftig, wie solche, die nur Fett kaufen könnten,

Teure Zündhölzer hohe Gewinne. Nach Kriegsaus⸗ bruch sind auch die Preise für Zündhölzer gestiegen, die schon vorher eine außerordentliche Höhe erreicht hatten. Die Preiserhöhungen wurden, wie das fast immer geschieht, mit einer Notlage der Zündwarenindustrie, mit geringerem Ab- satz, schwierigeren Produktionsverhältnissen usw. begründet. Jetzt beweist der Jahresabschluß einer großen Firma, Stahl & Nölke, Akt.⸗Ges. für Zündwarenindustrie in Kassel, das Gegenteil. Wie die Kolonialwarenzeitung mitteilt, schließt die Jahresbilanz bei einem Aktienkapital von einer Million Mark mit 388 220.38 Mark Reingewinn ab. Davon sind an Abschreibungen und Handlungsunkosten 229 504.93 Mark und zur Deckung eines angekauften Kontingents 250 000 Mk. abgerechnet. Von dem so berechneten Reingewinn sind nun 50 000 Mark dem Rücklagenfonds zugeführt, 73 666.95 Mark an Aufsichtsrat, Vorstand und Beamte vergütet und 3235 Mk. für Rückstellungen und Unterstützungen verwendet worden. 120 000 Mark, das sind 12 Prozent, werden als Dividende verteilt, während sich die Aktionäre im vorhergehenden Ge⸗ schäftsjahr mit 8 Prozent begnügen mußten. 147 319.43 Mk. werden auf die neue Rechnung vorgetragen. Die Gesellschaft hätte also trotz der ungeheuren Abschreibungen 24 Prozent Dividende gewähren können. Die breite Masse der Ver⸗ braucher aber muß die teuren Zündhölzer kaufen.

Wetterumschlag. Daß strenge Herren nicht lange re⸗ gieren, hat sich wieder einmal bei der so plötzlich eingetretenen Winterkälte erwiesen. Schon vorgestern Abend wurde es erheblich milder und gestern hatten wir gründliches Tau⸗ wetter. Das verwandelte den Schnee in den Straßen rasch in scheußlichen Matsch. Und da gegenwärtig das Tiefbauamt auch nicht Arbeitskräfte in Fülle besitzt, dauert es lange, bis die Straßen wieder in Ordnung und passierbar sind. Fuhr⸗ werke aller Art können unter solchen Umständen nur mit Mühe weiter gebracht werden. Es sollte deshalb für bald⸗ möglichste Säuberung der Straßen gesorgt werden.

Das Rodeln ist im Kreise Gießen auf den Kreis- straßen verboten, ebenso auf öffentlichen Straßen und Plätzen innerhalb der Stadt und den Ortschaften, besonders auf Fuß- steigen. Die Rodelschlitten dürfen nicht mehr als mit zwei Personen besetzt sein, es dürfen auch nicht mehrere Schlitten an einander gehängt werden. Sogenannte Bobfleighs dürfen nicht benutzt werden.

Lohnzulage in der Tabakindustrie. In Lorsch i. O. erhöhten die dortigen 12 Zigarrenfabriken auf eine Eingabe von der Gauleitung des Tabakarbeiterverbandes die Lohn zulage von 5 auf 10 Prozent mit Wirkung vom 1. November. Ebenfalls infolge einer durch die Gauleitung eingereichten Forderung erhöhte die Fabrik von J. Schürer in Karlstadt und Würzburg die gewährte Lohnzulage von 1.50 Mark auf 2 Mark die Woche.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ersatz⸗Reservist Wilhelm Rau, Lehrer aus Reiskirchen, Inf.⸗Reg. 138. Wehrmann Heinrich Bach aus Ulfa, Inf. Reg. 14. Grenadier Erich Gold schmidt aus Wetzlar, Grenadier-Regiment Nr. 1.

Konsumverein Gießen und Umgegend. An die Familien der eingezogenen Mitglieder verteilt der Verein nach Beschluß der Generalversammlung 500 Mark in Waren. Voraussetzung ist da⸗ bei, daß das Mitglied im letzten Jahre mindestens 15 Scheine ab⸗ geliefert hat, ebenso kommen nur solche Familien in Frage, die zwei und mehr schulpflichtige Kinder haben. Wer auf die Unter⸗

stützung reflektiert, soll sich unter Vorlage des Anteilscheins bis pätestens Montag, 6. Dezember, im Bureau, Schanzenstraße 16, melden.

Gießener Hausfrauenverein. Die nächste Mitgliederver⸗ sammlung wird Donnerstag. 9. Dezember, in der großen Aula der Universität abgehalten, worauf hiermit hingewiesen wird.

Stadttheater. In der nächsten Freitags⸗Abonnements⸗Vor⸗ stellung wird Otto Ludwigs bekanntes SchauspielDer Erb⸗ förster gegeben werden. Die Aufführung dürfte um so mehr interessieren, als das Werk im neuen Haus noch niemals gegeben

worden ist und der derzeitige. ee eine sehr gute Be⸗ setzung in den Hauptrollen ermöglicht.

Wieseck. Der Spar- und Vorschußverein Wieseck hält seine diesjährige Generalversammlung Donnerstag,

9. Dezember, abends Uhr, bei Wirt B. Wacker ab. Auf der Tagesordnung steht: Bericht über den Verbandstag, Wahl von

Vorstand und Aussichtsrat. Kreis Wehlar.

n. Christen und Heiden. Pfarrer Schroeder in Aßlar hielt klrz⸗ lich einen Vortrag über Weltkrieg und Misston. Dabei führte er u. q. aus: In Togo sagen die heidnischen Neger spottend zu den Missionaren:Wer Frieden predigt, soll auch Frieden hallen können. Hohn und Spott, Haß und Verachtung gegen die soge⸗ nanmten christlichen Nationen, ist eine bittere Frucht dieses Welt⸗ krieges.(Ja diese Wilden!)

Von Nah und Fern.

Drei Eisenbahner vom Zug getötet. Drei Menschenleben sind bei einem am Dienstag früh auf der Bahnstrecke zwischen Groß⸗ Gerau und Nauheim vorgekommenen Eisenbahnunglück zugrunde gegangen. Wir erfahren von maßgebender Stelle hierzu Folgendes: Die drei Streckenarbeiter Joh. G. Kreuzer, 29 Jahre alt, ver⸗ heiratet, aus Berkach, der 17 Jahre alte ledige Christoph Senß⸗ felder aus Büttelborn und der 28 Jahre alte verheiratete Peter Vatter aus Leeheim, gingen gemeinsam mit anderen aus der nicht weit von der Station Groß-Gerau gelegenen Arbeitsbude nach steben Uhr mit ihren Werkzeugen versehen nach ihrem Arbeitsplatz. Als sie den von Groß⸗Gerau herannahenden Personenzug beob⸗ achteten, begaben sie sich auf das in der Richtung nach Groß⸗Gerau gelegene südliche Gleis, beobachteten dabei nicht den aus der Richt⸗ ung von Mainz kommenden Eilgüterzug, wurden von diesem, dessen Führer sie zu spät sah, erfaßt und alle drei getötet. Man kann, soweit dies bisher festzustellen war, niemand eine Schuld bei⸗ messen, da die Verunglückten das von dem Eilgüterzug gegebene Signal überhört haben, während dessen Führer annehmen mußte, daß die Leute auf das Pfeifensignal hin, das Gleis verlassen. Die Unglücksstelle befindet sich nur 30 Meter von der Arbeitsbude. Das trübe Wetter hat jedenfalls auch zu dem Unglück beigetragen, auch sollen die Arbeiter noch nicht lange auf der Strecke tätig und mit den Verhältnissen nicht hinreichend bekannt gewesen sein.

Tödlicher Unfall in einer Druckerei. In Klein⸗Steinheim bei Offenbach war in der Druckerei von A. F. Herzing die 18jährige Arbeiterin Marie Bonifer aus Dietesheim mit dem Putzen einer Truckmaschine beschäftigt. Als die Maschine laufen gelassem wurde, was bekannt gemacht worden sein soll, machte sich anscheinend die Boniser noch an ihr zu schafsen, denn sie wurde zwischen zwei Walzen gepreßt, so daß der Tod durch Schädel⸗ und Wirbelbruch sofort eintrat.

Eine seine Dienstherrschaft. Das Hamburger Schöffengericht verurteilte die Witwe Marie Hesse zu drei Monaten Ge⸗ fängnis wegen Mißhandlung ihres 16jährigen Dienstmädchens. Das von auswärts zugezogene Mädchen wurde von der Angeklagten mit gemeinen Schimpfworten belegt und mit den Fäusten, mit einem dicken Strick und mit einem Hunderiemen geschlagen. Dann band die Angeklagte dem jungen Mädchen mit dem Hunderiemen die Hände zusammen und peitschte auf den entblößten Körper mit einer Hundepeitsche los. Auf das Wehegeschrei holten Haus⸗ bewohner die Polizei herbei. Die Mißhandelte war erst zwei Tage in der Stellung. Die Angeklagte hat in vier Jahren nahezu vier Dutzend Dienstmädchen gehabt. ö

Tagesbericht des Großen Halptgulttitt.

Im Westen immer noch Artilleriekämpfe.

In Serbien weitere 4000 Gefangene.

W. B. Großes Hauptquartier, 30. Nov., vorm.(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz

Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie-, Wurfminen⸗ und Minenkämpfe an verschiedenen Stellen der Front be⸗ schränkt. i

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert.

Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahnen nage

Ljachowitschi südöstlich von Konavicum an.

Balkan.

Bei Rudnik südwestlich von Mitrovica wurden feindliche Kräfte von Teilen der Armee des Generals von Koeveß zurückgeworfen, hier und westlich der Sitnica von Teilen der Armee des Generals von Gallwitz weitere tausend Gefangene gemacht. g

Bulgarische Kräfte haben am 28. November Prizren ge⸗ nommen. Sie brachten über dreitausend Gefangene und acht Geschütze ein. Oberste Heeresleitung.

2 Der österreichischuimgarische Tagesbericht Erfolglose Stürme der Italiener.

Wien, 30. Nov.(W. T. B.) Amtlich wird verlantbart: 30. November 1915.

Rufsischer Kriegsschauplatz.*

Nichts Neues. 5

JItalienischer Kriegsschauplatz.

Es zeigt sich immer mehr, daß die Italiener in diesen Tagen, koste es was es wolle, am Jsonzo wenn möglich bei Görg, einen Erfolg erzwingen wollen. Gestern waren ihre Angriffe gegen die ganze Front zwischen Tolmein und dem Meere, mit besonderer Heftigkeit aber gegen unsere beiden Brückenköpfe und den Nordteil der Hochfläche von Doberdo gerichtet. Vorstöße gegen unsere Bergstellungen nördlich von Tolmein brachen bald zusammen. Der Tolmeiner Brückenkopf stand nachmittags unter Trommelfeuer. Hierauf folgten drei starke Augriffe auf den nördlichen, mehrere schwächere auf den füdlichen Abschnitt; alle wurden unter größten Verlusten des Feindes abgeschlagen. Ebenso erfolglos waren mehrere Angriffsversuche auf Plava. Vor dem Görzer Brückenkopf sind sehr starke italienische Kräfte aller Fronten zusammengezogen. Zum Angriffe schritt der Feind gestern nur bei Oslivija. Er wurde zurückgeschlagen; nur ein schmales Frontstück wurde etwas zurückgenommen. Görz erhielt nachts wieder etwa hundert schwere Bomben in das Stadtinnere.

Im Abschnitt der Hochfläche von Dober do setzten nach vier⸗ stündiger Artillerievorbereitung Angriffe von besonderer Wucht und Zähigkeit gegen den Monte San Michele und den Raum von San Martino ein. Auf dem Monte San Michele schlug das Budapester Honved⸗Infanterie⸗Regiment Nr. 1 acht Massenstürme blutig ab. San Martino wurde dreimal in dichten Massen an⸗ gegriffen: hier behauptete das Nagyvarader Honved⸗In⸗ fanterie⸗Regiment Nr. 4 in erbittertem Handgemenge seine Stel⸗ lungen. Auch südwestlich des Ortes wurde ein feindlicher Angriff

abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich von Priboj warfen wir die Montenegriner gegen Plevlje zurück. An der montenegrinischen Grenze südwest⸗ lich von Mitrovica überfielen österreichisch⸗ungarische Truppen eine serbische Nachhut und nahmen ihr zweihundertundzehn Gefangene ab. Die Bulgaren nähern sich den Becken von Prizren. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.

von

von Höfer, Feldmarschallentnant.