Ausgabe 
27.11.1915
 
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und Nachbargebiete. Gießen und umgebung.

Hessen

N 2 N Nähe des Eutfernten. Noch fand mich wach das harte Lager, Lichtsehnsucht klopfte mir ans Blut, da trat er bleich zu mir und hager, mein Kamerade Lebensmut. Ich muß dich, sprach er.nun verlassen, es steht mir eine Reise vor, die führt mich aus den Menschengassen an ein geheimnisvolles Tor. Kannst du dich mir denn ganz entfernen? sprach ich.O nie und nimmermehr. Ein Aufblick zu den ewigen Sternen verbürgt mir deine Wiederkehr. Form Wirklichkeit aus diesem Worte, so bleib ich bei dir, bleibe da. Er sprach's. Er wandte sich zur Pforte, verschwand und blieb doch ewig nah. Josef Luitpold in der Wiener Arb.⸗Ztg.

Die erweiterte Familienunterstützung.

Kürzlich hatte auf Einladung des Staatssekretärs Dr. Delbrück zwischen den Vertretern der Reichsbehörden, der kinzelnen Bundesregierungen und Mitgliedern des Deutschen Städtetages, des Kriegsausschusses der deutschen Industrie, des Bundes der Landwirte und der Gewerkschaften aller Richtungen eine Besprechung stattgefunden, in deren Verlauf Ministerialdirektor Lewald die Mitteilung machte, es sei Aussicht genommen, unter Fortfall der bisherigen Be chränkungen die Familienunterstützungen in Zukunft auch den Angehörigen sämtlicher aktiven Mannschaften zu ge⸗ Fähren. Sobald dieses amtliche Versprechen in die Tat um⸗ gesetzt sein wird, wird eine erfreuliche Erweiterung, die von zielen Seiten schon seit langem gewünscht wird, bei dem Be⸗ uge der staotlichen Familienunterstützungen Platz greifen. 58 handelt sich bei der von Ministerialdirektor Dr. Lewald zugesagten Erweiterung um Angehörige der aktiven Mannschaften, das heißt um solche Kriegsteilnehmer, die bei Kriegsausbruch ihrer Dienstpflicht beim Militär genügten. Bisher hatten Angehörige dieser Kriegsteilnehmer überhaupt einen Anspruch auf eine Reichsunterstützung, da man der Ansicht ausging, daß die ihrer Dienstpflicht genügen⸗ den jungen Leute unverheiratet sind und mit der Kriegs- ahnung durchaus auskommen können. Schon im Laufe der ersten Kriegsmonate hat man jedoch erfahren müssen, daß es duch aktive Soldaten mit Frau und Kind gibt, und man hat Hfolgedessen in einer Ergänzung des Gesetzes betreffend die Unterstützung von Familien in den Kriegsdienst eingetretener Nannschaften bestimmt, daß Frauen aktiver Militärpersonen

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gleichfalls Anspruch auf die Kriegsunterstützung haben. Die etzige Erklärung des Ministerialdirektors Lewald dehnt nun unter Fortfall aller bisherigen Beschränkungen diese Er⸗ peiterung auf al le Angehörigen sämtlicher aktiven Mann⸗ schaften aus, das heißt es sollen nunmehr auch die Eltern, Großeltern, Geschwister und andere nächste Verwandte von lktiven Militärpersonen, die sich im Kriege befinden, im Be⸗ fürfnisfall Anspruch auf die Familienunterstützung haben, hit anderen Worten, es werden jetzt die aktiven Militär⸗ Eeronen beim Bezug von irgendwelchen Unterstützungen Den Ungehörigen der Reserve, der Landwehr und des Landsturms mi jeder Beziehung gleichgestellt. 0** 4 0 1 1 5 Christliche Gewerkvereine und landwirtschaftliche Organisationen. f 2 Far. yüft fi 50 kschaften befaßt sich in ö Das Zentralblatt der christlichen Gewerkschasten n iner Nummer 23 abermals mit der Wirksamkeit der e e lchen Organisationen bei der Lebensmittelvecseigt de ee krieges. Schon zu Anfang des Jahres, so 1 depireschaftlüchen 8 die Ueberzeugung ausgesprochen,daß die 908 Sande 5 Irganisationen diese Prüfung(Unterordnung 1285 125005 r 15 zus Allgemeininteresse) großenteils nicht bestanden haben. N heißt es weiter: 0Das Verhalten ihrer Mitglieder hat sie Fedde durchweg rücksichtslos ihr Interesse in den 1 19 55 1 gassen und es abgelehnt haben, das Allgemeininteresse⸗ vo 1115 8 Ag Und das zu einer Zeit, wo diese Rückschteagtert 1 5 meininteresse eine Lebensfrage für unser 19551 chastlichen. wissen, daß ein derartiger Vorwurf bie landr ru aneschlteß ich ganisationen nicht allgemein, auch nicht allein ee trifft; daß aber sie versagten, war von ate 11 weil auf die Landwirtschaft während ber The, n haben des Landes alles ankam. Gegen Anseve las dgeise Bie landwirtschaftliche Organe in entschiedenster Weise 8 a 1 8 0 Heute nun liegt die Sache so daß wohl bein 1 e die Parte der landwirtschaftlichen Orgauisagser nicht umsonst in beveit ist. Letztere haben sich denn d ee um sie zur letzter Stunde öffentlich an ihre Mitglieder, 15 Bain Bereitstellung von Kartoffeln zu eee hat und daß stärkste Beweis dafür, daß ihre Politik gewiß nicht aus bloßer wir von unsexer Charakterisierung, die w. diiczunehmen brauchen. Luft an der Kritik ausübten, kein Wort lich Organisationen in Uebrigens haben einzelne jandwir scp ihren Anschauungen unbewachten Augenblicken selbst sovie, bunsere Auffassung voll verlauten lassen, daß allein dadurch schon 1 der Mitglieder nicht bestätigt wurde, wenn selbst das, Verhalten 5 be den 5 Allgemeinheit eine erchege 0 abei habelein Stand von der kaaftliche; aber die Nutz⸗ Unterstlltzung gehabt wie der laudwirelchlinteressen Rüͤcksicht zu wendung, nunmehr auch auf die Allgegeft den eigenen Vorteil en und in einer so hochkritischen gefühl, für die Allgemein⸗

iczustellen, lehne man ab in dem. Hochgestan hätten die Gewerk⸗ it unentbehrlich zu sein. m Gegeusatz blick des Krieges an jede ten der deutschen Arbeitervom Augen osten der Allgemeinheit ene zu et 1 auezunneen e ter Gefährdung want uungnahme des gien e rüchgewiesen. Diese Stelluns kenswert, weil betauntlich N sehr lebhaft die Zoll⸗

5 or aans if sonders Zentralorgans ist ber Zollkarifdebatten

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uun dieser Seite während der la lr landwirtichaftliche

Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung

Gießen, Sams tag, den 27. November 1915.

der Annahme,die Landwirtschaft würde sich für diese Hilfe der Allgemeinheit gegenüber erkenntlich zeigen. Diese Annahme ist schwer getäuscht worden und nun wird man wohl hinsichtlich der Be⸗ urteilung der landwirtschaftlichen gemeinnützigen Leistungen erheblichumlernen miissen.

Landwirte, Kartoffeln heraus!

Unter diesem berechtigten Mahnruf schreibt die Darm⸗ städter Zeitung:Die Klagen über ungenügende Zufuhr von Kartoffeln mehren sich in letzter Zeit erheblich. Nicht nur in der Oeffentlichkeit, auch in den Verhandlungen im Beirat der Kartoffelstelle wurden Befürchtungen über den Stand der Kartoffelversorgung, sowie Klagen über das langsame Tempo der Anlieferung geäußert. Da aber ein großer Teil der Anforderungen bei der Reichskartoffelstelle erst in der letzten Woche eingegangen ist, so hat es den Anschein, als ob die Bedarfsverbände den Bedarf erheblich unterschätzt haben und nun auf schleunige und erhöhte Lieferungen drängen. Hierdurch werden aber die Arbeiten und die Uebersicht für die Reichskartoffelstelle sehr erschwert, da die Anweisung, der Erwerb, die Aussonderung und der Transport der Kartoffeln Wochen erfordern. Es ist daher notwendig, daß die Be darfsverbände ihren Bedarf, soweit er nicht anderweitig ge deckt wird, noch schleunigst zur Anmeldung bringen, damit die Reichskartoffelstelle alle Bedarfsmengen übersehen kann. Bei der Versorgung und Verteilung der Kartoffelmengen müssen aber ferner alle Sonderwünsche und Sonderinteressen fallen, da auf solche keine Rücksicht genommen werden kann. Wünschen, wie vorgetommen, nach bestimmten Sorten kann nicht stattgegeben werden, und häufig erfolgte Ablehnungen, nur weil bestimmte Sorten verlangt und nicht geliefert wur⸗ den, sind ganz unzweckmäßig und unstatthaft. Im Kriege wird sich die Bevölkerung daran gewöhnen, von den ge wohnten Sorten abzugehen. Daß nur solche Kartoffeln ge⸗ liefert werden dürfen, die zu Speisezwecken geeignet sind, ergibt sich aus der Bundesratsverordnung vom 9.¼28. Oktober dieses Jahres und den dazu ergangenen einschläglichen An⸗ ordnungen der Reichskartoffelstelle. Da auch der Kriegs minister militärische Hilfe bei der Durchführung der Kar toffelbersorgung zugesagt hat und auch der Eisenbahnminister die vorzugsweise Beförderung aller Kartoffelsendungen angeordnet hat, so sind alle Vorbedingungen für eine be schleunigte An- und Ablieferung gegeben. Es bleibt nun Sache der Kommunalverhände, sich dieser Hilfe mit der durch die vorgerückte Jahreszeit dringend gebotenen Eile zu be⸗ dienen. Unter rückhaltloser Unterstützung der Bedarfsver⸗ bände durch die Staats- und Kommunalverwaltungsbehörden wird es sicherlich gelingen, die Durchführung der Kartoffel- versorgung sicher zu stellen. Unbillige Anforderungen aber müssen zurückgestellt und unvermeidliche Verzögerungen mit Ruhe ertragen werden. Die Kartoffelversorgung wäre schon längst sichergestellt, wenn man mit den erforderlichen Maßnahmen nicht so lange gewartet hätte.

Teures Wasser.

Wasser tann der deutsche Konsumena noch billig beziehen wenn er es rein und klar aus der, Leitung nimmt. Es kann zunächst noch nicht zu Spekulationszwecken zurückge⸗ halten und braucht darum noch nicht beschlagnahmt und zu gesetzlichen Höchstpreisen verkauft zu werden. Der billige Wasserpreis wird in unserer Zeit gewiß von vielen Leuten als eine große Rückständigkeit empfunden, darum steigert man ihn, indem man das kühle Naß als Milch, Butter oder Wurst verkauft. Daß man auf dem Gebiet der Wasserum⸗ wandlung, die ihren Mann nähren soll, sehr betriebsam ist, das zeigen folgende Gerichtsurteile:

In Freiburg i. B. hat sich das Bezirksamt genötigt gesehen, für die Trockensubstanz der Wurst feste Grenzzahlen zu bestimmen. Manche Würste wiesen bei der amtlichen Kontrolle einen Wassergehalt von 81,2 Prozent auf, Der Butterhändler Peter Oginczus in Leipzig hat rus⸗ sische Butter verkauft, der er mit einer Maschine 16 Prozent Jasser zugesetzt hatte. Er hat bei diesem Geschäft mehrere tausend Mark Extragewinn gemacht. Das Landgericht in Leipzig verurteilte ihn zu 1 Monat Gefängnis und 1500 Mk. Geldstrafe. Der Buttergroßhändler Ernst Albrecht in Berlin versorgte die Kleinhändler mit Butter, die einen hohen Wassergehalt hatte. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 200 Mark Geldstrafe. Das Schöffengericht in Reck⸗ linghausen verurteilte die Frau des Landwirts Otte wegen Milchfälschung zu 2 Wochen Gefängnis und 400 Mk. Geldstrafe. Die von der Frau in den Handel gebrachte Milch hatte einen Wasserzusatz von 25 Prozent. Eine wegen Milchverfälschung bereits zweimal vorbestrafte Milchhänd⸗ lerin aus der Nähe von Aachen hat Milch als Vollmilch verkauft, die 18 Prozent Wasser enthielt. Sie wurde vom Schöffengericht zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Milchhändler Karl Langer aus Leisso hat seiner Milch schlechtes, verseuchtes Wasser zugesetzt und ist deshalb vom Schöffengericht zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Der Besitzer der Dampfmolkerei in Darmstadt, H. Wolff, hat seine Milch, die er an Lazarette und Kaffeehäuser lieferte, mit Wasser verdünnt. Er wurde zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. K

Milch in anderer Weise verdünnt hat in Dresden eine größere Anzahl Milchhändler und ⸗händlerinnen. Sie standen darum wegen Nahrungsmittelfälschung vor dem dor tigen Landgericht. Sie hatten die Milch abgerahmt und da⸗ durch einen täglichen Nebengewinn bis zu 12 Mark erzielt. Der Sachverständige erklärte, daß der Dresdener Bevölkerung durch die rechtswidrige Entrahmung der Vollmilch alljährlich 200000 Kilogramm Butterwert durch die Milchhändler ent⸗ zogen werde, der einen Geldwert von 1 Million Mark ent⸗

tet worden ist in!

spreche. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Geld-

bezw. Gefängnisstrafen, und zwar in Höhe von 100 Mark bis zu 1 Monat Gefängnis.

5 2 7 5 Woher nehmen wir die Fette?

Nichts ist dem Haushalt unentbehrlicher als Fett, dem Haus⸗ halt der Reichen wie dem der Armen, und diesem vor allem. Auch das einfachste Gericht kann ohne Fettzusatz nicht hergestellt werden. Darum trifft der Fettmangel uns so schwer. Er ist erst später fühlbar geworden und konnte erst wirksam werden durch die über⸗ lange Dauer des Krieges.

Die Bewohner der gemäßigten Zone sind an tierische Fette ge⸗ wöhnt, an Schmalz und Speck, und zwei Haustiere versorgen sie seit jeher mit diesem notwendigen Nährstoff und noch nötigeren Koch⸗ mittel, das Schwein und die Gans. Die Polarzonen sowie die tropische und die subtropischen Zonen sind an andere Lieseranten gewöhnt, die einen an den Tran der Walfische, die anderen an das Pflanzenöl. Der Oelbaum, das Symbol des Friedens, er⸗ spart den Besiedlern der warmen Erdstriche die Tötung von Haus⸗ tieren und die gefährliche Walfischjagd, er macht die Menschen friedfertig.

Lange Zeit schien es, als hätte die Natur, die uns wetterharten Nordländern den Oelbaum versagt hat, uns stiefmütterlich be⸗ handelt, indem sie ölführende Pflanzen bei uns nicht gedeihen ließ; lange Zeit schien uns der Anwohner der Eismeere bedauernswert und minder appetitlich als wir, da er mit Fischtran nicht nur die Schuhe, sondern auch den Schlund und Magen geschmeidig macht. Zwischen Oel und Schmalz und Tran lagen nicht nur Erdzonen, sondern auch Kulturklüfte: andere Magen andere Seelen!

Aber die Ueberbrückerin aller Ströme und Meere, die Ver⸗ söhnerin aller Kulturen, die Wissenschaft, hat auch hier die Unterschiede verwischt. Was scheint selbstverständlicher, als daß Schmalz Schmalz und Fischtran Fischtran ist und bleibt, so vor wie nach Jahrtausenden? Aber dem Forschergeist ist nichts selbstverständlich, nicht einmal das Schmalz im Topfe. Die Chemie analysiert und analysiert, scheidet das Zufällige vom Wesentlichen wie das Unangenehme vom Angenehmen und lehrt die Stoffe, die in blinder Mischung von der Natur geboten sind, rektifizieren und auch denaturieren; und am Ende stellt sich heraus, daß im Grunde unser ganz gemeiner Rettich dasselbe Oel enthält wie die Frucht des Oelbaumes, nur mit unliebsamen Bei⸗ mischungen, ja daß behütet den Gaumen! der elendig duftende Fischtran ein naher Verwandter des Gänseschmalzes ist. Badet und desinfiziert den Grönländer, kleidet ihn in weiße Wäsche und einen Salonanzug und ihr werdet bei seinem Anblick euch fragen: Wo hab ich denn nur schon einen solchen sonderbaren Menschen ge⸗ sehen? Heute geht es uns mit dem Tran nichts anders.

Der Deutsch⸗Französische Krieg gab den Anstoß zur Erfindung und fabrikmäßigen Herstellung von Kunstbutter und Kunstschmalz. Der Talg des Rindes, Unschlitt genannt, hat vordem bloß da⸗ zu gedient, stinkende Kerzen zu liefern. Ein neues Oel, dem Ge⸗ stein abgewonnen, das Erd- oder Mineralöl, zu deutschPetro⸗ leum, begann eben die Unschlittkerze aus dem Zimmer zu ver⸗ bannen, als dem Unschlitt ein Retter erstand in der Chemie, die es Ib genießbares Fett und geruchlos brennbares Stearin

hied. geruchlose Kerze und das Margarin.

Mit einemmal gewannen andere tierische Fette, das vielen widerliche Hammelfett und alle fettigen Abfälle, selbst das Spülwasser der Metzgereien und Selchexeien, Bedeutung. Diese

Fettstoffe wurden mit Fleiß gesammelt, sorgfältig gereinigt und zu Kunstschmalz verarbeitet. Zwar fragen soll man nicht, wes Ursprungs es ist, welch weiten dunklen Weg es durch allerlei Retorten genommen: aber am Ende seiner Laufbahn ist es rein, reiner selbst als das frische Schweineschmalz mancher Bauern⸗ frau, das aus rauzigem Kochkessel in den irdenen Topf kommt.

Seither haben Wissenschaft und Industrie den Pflanzen⸗ fetten eifrig nachgejagt und gefunden, daß es Dickhäuter auch unter den Pflanzen gibt, gefräßig faule Dinger, die in ihren Geweben Fett aufspeichern. Man hat entdeckt, daß die Mutter⸗ pflanze ihren Jungen, den Samen körnern eine ganze reiche Ausrüstung für die ersten Lebensmonde mitgibt, einen Vor⸗ rat an Stärkemehl, Zucker und auch Fett. Ungewiß ist ja die Zu⸗ kunft des Jungen, es irrt über Sand und Stein, von allen Winden getragen durch Wochen durch die Welt, muß die harten Winter⸗ monate durchhalten, bis es im Frühling irgendwo im Humus ein Bett und die hegende Sonnenwärme findet. Und dann erst muß es sich Saugwurzeln, Stengelchen und Blatt aus eignem Kapital auf⸗ bauen, damit es von der Umwelt lebe. Dieses eigene Kapital ist die mütterliche Mitgift an Stärke, Zucker und Fett.

Grausam ist der Mensch, er raubt diese Jungen, die Pflanzen⸗ samen, in Massen und holt sie ein für seine Küche so das Ge⸗ treidekorn, so die Olive; das eine muß ihm Stärkemehl, die andere den Fettstoff liefern und dank diesem grausamen Raub ersteht in der Pfanne der duftende Kuchen...

Was aber die Erzväter und ihre Dienerinnen nur instinktiv geübt haben an Früchten, die wegen ihres Oelgehalts auffallen, das betreibt nun schon länger, als die Allgemeinheit weiß, die Industrie wissenschaftlich im größten Maßstab. Wer weiß, wer denkt daran, daß wir Millionen Zentner solcher Samen jahraus, jahrein ein⸗ führen, um Fette und Oele für unseren Tisch zu gewinnen? Da find Mohnsamen, Leinsaat, Hanssaat, Baumwollsamen, Sesam⸗ samen, Palmkerne, Kopra, Oelsaaten aller Art, Senfsaat, Raps, Rübsaat, Hedderichsaat, Rettichsaat, Ackersenf usw. 5

Diese tausende Waggons Sämereien werden gepreßt und geben Oele wie die Olive, Oele, die gereinigt und bei uns wie in allen europäischen Ländern als Pflanzenfett genossen werden, ohne daß wir Europäer allerdings dadurch friedfertiger geworden wären!

Der Laie vermag nicht zu schätzen, wieviel Speisefette und Oele aus diesen Millionen Meterzentnern Sämereien gepreßt und aus den hunderttausenden Zentnern rohen Oels gereinigt werden. Aber das kann getrost gesagt werden: es ist eine unabsehbare Herde von vielen Hunderttausenden Schweinen, die da ersetzt werden, denen es erspart wird, so viel Sä⸗ mereien mit so viel schmatzendem Fleiß im Walde aufzulesen und unter ihrer Dickhaut zu rektifizieren zu Fett und Filz und Speck. Welch vereinfachender Ausweg, den Rohstoff statt durch den Sau- magen lieber durch die eiserne Presse zu leiten und da sage man noch, daß die Natur appetitlicher sei als die Wissenschaft!

Still hat sich das Pflanzenfett durchgesetzt und uns die Tropen dienstbar gemacht. Die Kokospalme ersetzt das nordische Schwein.

Der Krieg hat nun die Idee aufgedrängt, auch die Polarwelt un⸗ serem Magen näher zu bringen. Der Tran der Wale, dieser

massigen Seeungtüme, dieser Schweine der Meerflut was ist's mit ihm? Pfui! Dieser Gestank, dieser widrige Geschmack! Aber wissen wir nicht, daß ein Teil deses Tranes, der durch die Gewebe der Leber filtriert ist, der Lebertran, außerordentlich leicht verdaulich und sehr gesund ist? Her den Filter, her die Retorte! Und herausdestilliert den reinen, geschmackfreien Fettstoff! Man ist daran vielleicht gelingt auch das.

Allein, all diese fette Hoffnung der Zukunft ist ein Trost für den Augenblick. Die Tropen und die Pole sind uns eben gesperrt! Und die vielen hunderttausend Säue, die unsere Phan⸗ tasie erspart gesehen hat, sind nicht erreichbar, und die vielen

magerer

tausend Schweine der Meerflut auch nur zum geringen Teil. Das ist ein schwerer, sehr schwerer Ausfall! Wohl haben wir im Lande Bucheckern und Waldsämereien viel, auch Traubenkerne und

manche andere Oelträger, aber wir sind nicht eingerichtet darauf,

wer sammelt sie so rasch wie nötig? So haben wir zuweni und die Fleisch⸗ und Fettkarte haben wir auch noch nicht! a Sett,

Das waren zwei Fliegen auf einen Schlag, das gab die