Ausgabe 
27.11.1915
 
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Vaters Bruder.

Friedens, insbesondere eine Beratung der neutralen Staaten verlangen. 0 4

Kein Verkauf deutscher Dampfer an Japan.

T. U. Paris, 25. Nov. Die hier eingetroffene Japan Times vom 21. September berichtet, einschließlich der 18 deutschen und österreichisch⸗ungarischen Dampfer, die nach Ausbruch des Krieges von Japan nach Manfla entkommen sind, liegen im ganzen 60 deutsche und österreichische Dampfer in neutralen Häfen Ostasiens. Bereits seit einiger Zeit find Unterhandlungen zwischen den Osakaer⸗Gesellschaften mit deutschen Reedereien wegen Ankaufs einiger dieser Dampfer im Gange. Die Bemühungen Japans sind jedoch vergeblich, denn es ist bekanntlich verboten, die Schisfe an Nichtreichsangehörige zu verkaufen.

KMonzertfaal und Schützengraben.

Wir lesen in der Berliner Welt am Montag:

Die Feldpost brachte uns die Zuschrift eines Kämpfers im Westen; sie unterbreitet uns zwei Zeitungsausschnitte, nicht ohne bitteren Kommentar. Der eine enthält, was in einem Berliner Blatte zu lesen stand über einen Vortragsabend Marcell Salzers im Beethoven⸗Saal:

.. Auf dem Podium der kleine Herzog aller Imitatoren, Stimmporträtisten, Kopisten und Vereinshumoristen mit seinen zappligen Beinchen, den niemals ruhenden setten Händchen, den gezausten, gekratzten Haarsträhnen, den blitzenden Aeuglai Wänglein und Ordensternchen, mit der unerschöpflichen Liebens würdigkeit eines auf seine Kundschaft wohl cingestimmten Laden⸗ herrn, mit seinerurweanerischen Gemütlichkeit und nücht zu vergessen seiner ungeschwächten Suggestivkraft; und ihm gegen⸗ über die kompakte Masse vergnügter, bis zu Tränen lachender Menschen. Salzer hatte nicht verab⸗ säumt, seine Vortragfolge kräftig feldgrau zu tünchen. .. Neben allerhand erheiternden Vorkommnissen aus seind⸗ licher Zeit, die Ludwig Thoma u. a. aufgezeichnet hatte, gab es alles, was der Augenblick erheischte: Spottverse auf unsre Feinde in Englisch⸗Deutsch und Katzelmacherisch(von Ettlinger), und auf unfre lieben Miesmacher, Erinnerungen an das tum dreses Jahres, in denen die lachende Träue etwa zitterte(von Fritz Müller und Wilh. Arminius) Anckdoter von der Isonzofront im Stile Roda Nos Der andre Zeitungsausschnitt ist einer wahrhe

Kriegsschilderung entnommen:

. Zmischen den Schützengräben ist die Zone des Grauens. Dort verwesen die Leichen, die der Angreifer auf dem Felde ließ. Scharen von Ratten mästen sich daran, werden fett und groß, sast wie widerliche kleine Hunde, ekelhaft anzusehen, wenn sie sich dann in die Gräben ver⸗ irren, wo die Leute sie voll Abscheu erschlagen.... 0

Den Abdruck des bittern Kommentars eines wirklich Jeld⸗ grauen, nicht nurfeldgrau getünchten, können wir uns danach wohl ersparen.

Verschärsung des Belagerungszustandes in

Ostpreußen.

Der kommandierende General des 20. Armeekorps in Allenstein hat solgends verfügt:

Oeffentliche Versammlungen in geschlossenen Räumen zu anderen als rein geselligen oder kirchlichen Zwecken bedürfen der Genehmigung des stellvertretenden Generalkommandos. Jede Teilnahme an einer solchen Versammlung ist verboten, wenn sich der Vexsammlungsleiter nicht im Besitze einer schriftlichen Erlaubnis des stellvertretenden Generalkommandos befindet.

Die Genehmigung ist von dem Veranstalter mindestens 48 Stunden vor dem Beginne der Versammlung unter Angabe des

rtes, der Zeit und des Gegenstandes der Versammlung nachzu⸗ suchen. Sie wird schriftlich erteilt; im Falle der Verweigerung ergeht an den Veranstalter alsbald ein kostenfreier Bescheid.

Den Ortspolizeibehörden, die vom stellv. Generalkommando iiber die erteilte Genehmigung sosort in Kenntnis gesetzt werden, steht die Ueberwachungs- und Auflösungs-Befugnis bezw. Pflicht zu. Die Auflösung hat insbesondere zu erfolgen, wenn Aus⸗ führungen gemacht werden, durch die die Einigkeit des deutschen Voltes gestört wird oder die eine Aufreizung der einzelnen Be⸗

gepfefferte . usw. emäßen

völkerungsklassen gegen einander oder gegen die Staats- oder Kommunalverwaltung enthalten. 1 Auf Straßen, öffentlichen Plätzen oder sonst unter freiem

Himmel darf bei Tage keine Versammlung von mehr als 10 Personen stattfinden; bei Nacht von abends 8 Uhr bis morgens 8 Uhr sind Versammlungen unter freiem Himmel gänzlich verboten.

Vereine jeder Art zu politischen Zwecken oder sprechung politischer Angelegenheiten sind geschlossen.

Der Druck von Anschlagszetteln und Flugblättern, insbe⸗ sondere von Bekanntmachungen und Aufrufen politischen In⸗ halts, ihre Verbreitung und Verteilung jeder Art an öffentlichen Orten wie in geschlossenen Räumen darf nur mit schrift⸗ licher Genehmigung der Ortspolizeibehörde erfolgen. Ausgenommen sind amtliche Bekanntmachungen öffentlicher Be⸗

zur Be⸗ 8 witza und Ueberschreiten des Flusses Sitnica durch die Bulgaren

hörden, ferner Veröffentlichungen, die amtlich bestätigte oder durch W. T. B. mitgeteilten Nachrichten enthalten, sowie die Sonderausgaben nicht verbotener Zeitungen. 4 Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis Jahre bestraft.. 5 Der Belagerungszustand im fächsischen Landtage. In der Zweiten Kammer wurde am Donnerstag der sozialdemokratische Antrag auf Beseitigung des Belagerungs⸗ zustandes verhandelt. Der Kriegsminister gab zu Beginn der Verhandlungen die Erklärung ab, daß sich die Regierung zu dem Antrage nicht äußern werde, da für den Belagerungs⸗ zustand die Militärbehörden, letzten Endes der Kaiser die Verantwortung tragen. Begründet wurde der Antrag vom Abg. Gen. Fleißner, der zunächst auf den sonderbaren Zustand hinwies, daß hinsichtlich des Belagerungszustandes zurzeit das 1870 gegründete Deutsche Reich mit einem preu- zischen Gesetze aus dem Jahre 1851 regiert werde. Er er⸗ örterte dann ausführlich die Handhabung der Pressezensur, die Rechtsprechung und die Verhältnisse auf dem Gebiete des Vereins- und Versammlungswesens an der Hand besonders markanter Einzelfälle; er wurde vom Präsidenten zur Mäßi⸗ gung ermahnt. Nach ihm sprach der nationalliberale Abg., frühere Reichstagsabg. Dr. Heinze. Er entrüstete sich ein⸗ gangs seiner Rede über die Art, wie der Antrag begründet den sei. In formeller Hinsicht sei der verschärfte Bela⸗ gerungszustand völlig einwandfrei. Wir hätten uns damit abzufinden und dürften Mißgriffe nicht verallgemeinern Versammlungen, die den Interessen des Reiches wider⸗ sprächen, müßten verboten werden. In Rücksicht auf das Ausland müßte auch jede Mißstimmung im Volke unterdrückt

zu einem

werden. Der fortschrittliche Abg. Brotauf erklärte, daß seiner Fraktion der Antrag zwar zu weit gehe,

daß aber zweifellos berechtigter Grund zu Klagen vorläge. Zur Einführung des Belagerungszustandes habe bei der Hal⸗ tung der Bevölkerung nicht der geringste Anlaß vorgelegen. Auch der Ton, in dem die Behörde mit der Presse verkehre, sei vielfach zurückzuweisen. Dann kam Gen. Seeger⸗

See

Leipzig zum Wort, der auf die Einwände der Bürgerlichen eingehend antwortete und weiteres, wichtiges Material, be⸗ sonders auf die Handhabung der Pressezensur vorbrachte. Während der Verhandlungen wurden von den Regierungs⸗ vertretern verschiedentlich Zettel an die Pressevertreter ge⸗ geben, offensichtlich in der Absicht, sie in ihrer erichterstat⸗ tung über diese Verhandlungen zu beeinflussen.

Das gefügige Griechenland.

Genf, Nov. Die Drahtberichte der französischen Presse zur griechischen Frage lauten heute wesentlich zuver⸗ sichtlicher. Die Athener Vertreter der Vierverbandsmächkte erklären, das Kabinett Skuludis habe alle wünschenswerte Bürgschaften für die Sicherheit der Landungstruppen zuge- sagt und sich bereit erklärt, das in und bei Saloniki stehende griechische Heer an die Nordgrenze Griechisch-Mazedoniens und nach Epirus zu verlegen. Mit Befriedigung wird die Meldung aufgenommen, daß Denys Cochin Gegenstand be⸗ sonderer Aufmerksautkeit war. Er reist Ende der Woche auf dem von Skuludis ihm zur Verfügung gestellten griechischen KreuzerHello von Saloniki über Messina nach Frankreich zurück.

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20.

Die Stellung Skuludis erschüttert. Kopenhagen, 26. Nov. Nach einer Londoner Meldung aus Athen soll die Stellung des Ministers Skuludis stark erschüttert sein. Es wird angenommen, daß Rhallis eine neue Regierung bilden wird.

Vom erbischen Kricgsschauplatz.

Die Serben sind nach der Eroberung von Pristina und Mitro⸗

nicht mehr Herren des Amselfeldes. Der Schlachtplatz, den die Entente als letzte große Position des serbischen W erstandes be⸗ zeichnete, befindet sich nunmehr im Besitz der Zentralmächtetruppen. In Neuserbien haben die Serben außer dem vollkommen zernier⸗ ten Monastir drei kleine Städte, nämlich Prizrend, Dibra und Ochrida in ihrer Hand. Durch die Eroberung von Pristina und

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Uesküb.Mitrowetze

Monastir kam die Eisenbahnlinie b 8 istir kam die Ei für bie Hachschube

in Besitz der Zentralmächte, was Wichtigkeit ist., Die Vereinigung der albauischen Tr T. U. Bubapest, 26. Nov. A Vilag meldet, in Süt vereinigten sich die bisher einzeln kämpfenden albanisch pen Dschaffer Effendis, Jaser Beis und Loka Effendis. bei Dibra, Ochrida und dem Katschanikpaß Verbindung bulgarischen Truppen. Aus Athen wird gemeldet, in Valong kündeten die Italiener das Standrecht. 8 99 deitezener auf dem Wege nach Aegyp Aus Athen wird gemeldet: Kitchener ist nach Egyp weitergereist, um die Verteidigung des Landes neu organisieren. Er ist der Ansicht, daß Egypten der Sche platz der nächsten großen Ereiguisse sein Man habe den Eindruck, daß ein großer Angriff Türken in Egypten bevorstehe. Veschießung von Görz. Osenpest, 26. Nov. Die Italiener beschießen Görz u brochen. Vorgestern gingen zahlreiche Gebäude in Flammen Die Wachsfabrik, das Priesterseminar, das bischöfliche Pala der Dom sind abgebrannt. Die deutsche Kartoffelversorgung. Ueber die Kartoffelzufuhr aus dem Osten nach d Westen meldet die Kölnische Zeitung, daß am 28. No allein für Köln aus dem Osten 7800 Zentner verladen, den sind. Aus den sechs östlichen Eisenbahndirektionsbez erfolgt jetzt täglich eine Verladung nach dem Westen vo Millionen Zentnern Kartoffeln. Aus den anderen Eise direktionsbezirken sind vom 28. Oktober bis 7. Nov m über 10 Millionen Zentner angefahren worden. 5

die!

Sriegsus izen. 1 Kür

Die braunschweigische Kreisdirektion von Gander sh. Delb gibt folgendes össentlich bekannt:Die Mühlenbetriebe von Dr agelnen und Sandvoß in Seesen werden geschlossen, weil ödteta Inhaber sich als unzuverlässig im Sinne des Gesetzes iiber 5 5 11

Verkehr mit Brotgetreide und Mehl gezeigt haben. Sie habe gar nicht zu rechtsertigender Weise lediglich aus Gewinns das von ihnen zu liefernde Weizenschrot mit Gips und 8 mehl verfälscht. Ihr unwürdiges Verhalten wird hi zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Hoffentlich begnügt sich nicht damit, diese schlimmen Nahrungsmittelsälsch

5 7 705 gestellt zu haben. Solche Leute sind reif fürs haus. Auf Beschluß des

9 mistert 1 Aussi shränkun een Ange führen.

Stadtmagistrats Nürnberg wu d get se

Mai 1914 ein lediger Drechsler als gemeingefähf f geisteskrank in die Irvenanstalt Exlangen gebracht. en 8 August desselben Jahres ent wich er aus der Anstalt und ige der sich freiwillig beim Militär. Im Trubel der 5 hand machung machten die Militärstellen wenig Federlesens und 13 0 den Mann ein, der später ins Feld abrückte und sich dort wied 10 sagte so hervorragend betätigte, daß er mit dem Eisernen K hannsche und mit der bayerischen silbernen Verdienstmadg iegsau belohnt wurde. Nun sah sich der Stadtmagistrat vor die F cher h stellt, was in der Sache weiter geschehen soll. Der Einschaff beschluß besteht noch, aber niemand, der mit dem Mann seit enen Flucht aus der Irrenanstalt zu tun hatte, hat jemals Anzeichen im der! Verrücktheit an ihm bemerkt; auch seine Vorgesetzten stellten qe jung das beste Zeugnis aus. Man hielt es daher füs geraten, de hung schluß wieder aufzuheben. 0 Wie die Neue Zürcher Zeitung über Genf meldet, ma fen gr gegenwärtig in Frankreich ein Mangel an Bronz uch aki. fühlbar. Die Behörden von Grenoble beschlossen, die alt kolgede Sladt gehörenden Bronzekanonen der Pariser Münzstätte z erstit fügung zu stellen. 0 Das große Petersburger reaktionäre Blatt 10 Wremja gibt ein Abendblatt Wetscherneje Wremja heraus, leichfall die Infamie des Mutterunternehmens noch um das vielfg ge E. trifft. Seit Kriegsanbeginn macht das Blatt vornehmlich mer cz Hetze gegen die Deutschen und alles Deutsche. 6 anderem wurden die deutschen Kolonisten der in der Nähe daterun burgs gelegenen Neu⸗Saratower⸗Kolonie beschuldigt haften Freude über das Herannahen deut Truppen Ausd Roßelte geben zu haben. Ferner sollen sie die russischen Arbeiter s sliben! der Mobilisation der Industrie für Kriegszwecke Widerstan 988 leistet haben usw. In der Gerichtsverhandlung, die wegen inis, Beschuldigung am 13. November in Petersburg stattfand, it and. drei Zeugen, darunter ein Polizeioffizier, vernommen, we fernen Grundlosigkeit der Beschuldigungen darlegten. Das gehör verurteilte den Redakteur des Wetschernese Wremja zu 0 ies

Monaten Gefängnis und verpflichtete ihn, das Urte seiner Zeitung zu veröffentlichen. e

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Barfüßele. 5

Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.

Noch bevor Amrei aus der Schule entlassen wurde, gab ihr das Schicksal ein Rätsel auf, das schwer zu lösen war.

Die Kinder hatten einen Ohm, der sieben Stunden von Haldenbrunn, in Fluorn, Holzhauer war; sie hatten ihn nur einmal gese en bei dem Begräbnisse des Vaters, er ging

hinter dem Schultheiß, der die Kinder an der Hand führte.

Seitdem träumten die Kinder viel von dem Ohm in Fluorn. Man sagte ihnen oft, der Ohm sähe dem Vater ähnlich, und

nun waren sie noch mehr begierig, ihn zu sehen, denn wenn

N

sie auch noch manchmal glaubten, Vater und Mutter müßten plötzlich kommen... es könnte ja gar nicht sein, daß sie nicht mehr da wären... so gewöhnten sie sich doch nach und nach daran, die Hoffnung aufzugeben, und um so mehr, je mehr Jahre vergingen, in denen sie das Grab der Eltern mit Vogelbeeren besteckten, und nachdem sie schon lange den Namen der Eltern auf ein und demselben schwarzen Kreuze lesen konnten. Auch den Ohm in Fluorn vergaßen sie fast ganz, denn sie hörten viele Jahre nichts von ihm.

Da wurden eines Tages die beiden Kinder in das Haus ihres Pflegers gerufen. Dort saß ein Mann, groß und lang und mit braunem Gesicht.

Kommet her, Kinder, rief der Mann den Eintretenden zu. Er hatte eine rauhe, trockene Stimme.Kennet ihr mich nicht mehr?

Die Kinder sahen ihn mit aufgerissenen Augen an. Er wachte in ihnen eine Erinnerung an den Klang der väter lichen Stimme? Der Mann fuhr fort:Ich bin ja eures Komm' her, Lisbeth! Und auch du, Dami!

Ich heiße nicht Lisbeth! Ich heiße Amrei! sagte das Mädchen und weinte. Es gab dem Ohm keine Hand. Ein Gefühl der Verfremdung machte es zittern, weil der Ohm es bei falschem Namen genannt. Es mochte fühlen, daß da nicht die rechte Anhänglichkeit war, wo man seinen Namen nicht mebr wußte.

Wenn Ihr mein Ohm seid, warum wisset Ihr denn nicht mehr, wie ich heiße? fragte Amrei.

Du bist ein dummes Kind, gleich gehst du hin und gibst ihm die Hand, herrschte der Rodelbauer und setzte dann zu dem Fremden halblaut hinzu:Es ist ein unebenes Kind. Die schwarze Marann hat ihm allerlei Wunderliches in den Kopf gesetzt, und du weißt ja, es ist nicht geheuer bei ihr.

Amrei schaute sich verwundert um und gab dem Ohm zitternd die Hand. Dami hatte das schon früher getan und fragte jetzt:Ohm, hast du uns auch was mitgebracht?

Hab' nicht viel zum Mitbringen; ich bring' euch selber mit, ihr geht mit mir. Weißt du, Amrei, daß das gar nicht brav ist, daß du deinen Oheim nicht gern hast? Du hast ja sonst niemand auf der Welt. Wen hast du denn sonst noch? Komm' besser her, da setz' dich neben mich noch näher. Siehst du? Dein Dami, der ist viel gescheiter. Er sieht auch mehr in unsere Familie, aber du gehörst doch auch zu uns.

Eine Magd kam und brachte viele Mannskleider und legte sie auf den Tisch.

Das sind deines Bruders Kleider, sagte der Rodel bauer zu dem Fremden, und dieser fuhr zu Amrei fort: Siehst du? das sind deines Vaters Kleider, die nehmen wir jetzt mit, und ihr geht auch mit, zuerst nach Fluorn und dann über den Bach.

Amrei berührte zitternd den Rock des Vaters und seine blaugestreifte Weste. Der Ohm aber hob die Kleider auf, wies auf die zertragenen Ellbogen hin und sagte zum Rodel bauer:Die sind nicht viel wert, die lasse ich mir nicht hoch anschlagen, und ich weiß nicht einmal, ob ich die drüben in Amerika tragen kann, oyne ausgespottet zu werden.

Amrei faßte krampfhaft einen Rockzipfel. Daß man die Kleider ihres Vaters wenig wert nannte, an die sie wie an ein kostbares und unbezahlbares Kleinod gedacht hatte, das schien sie zu kränken, und daß diese Kleider in Amerika ge tragen und dort ausgespottet werden sollten, das alles ver⸗ wirrte sie fast, und überhaupt, was sollte denn das mit Amerika?

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Sie wurde darüber bald aufgeklärt. denn die Rodel⸗

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bäuerin sagte:Hör' einmal, Mann, ich meine, das geht so schnell, daß man die Kinder da mit dem Mann m Amerika schickt. 5 Es ist ja ihr einziger leiblicher Verwandter, der B des Josenhans. Ja freilich, aber er hat bis jetzt nicht viel davon gez daß er ein Verwandter, und ich meine, man kann das ohne den Gemeinderat, und der kann's nicht einmal 9 Die Kinder haben hier ein Heimatsrecht, und das ka ihnen nicht im Schlafe nehmen, denn die Kinder k noch nicht selber sagen, was sie wollen. Das heißt Schlaf forttragen. 92 Meine Amrei ist aufgeweckt genug, die ist jetzt drei aber gescheiter als eine andere von dreißig Jahren, di was sie will, sagte die schwarze Marann. g Ihr beide hättet sollen Gemeinderat werden, sagte Rodelbauer;aber ich bin der Meinung, daß man die Kin nicht wie Kälber am Strick nimmt und fortzieht. Gut, la den Mann selber mit ihnen reden, nachher läßt sich sch weiter sehen, was zu machen ist; er ist einmal ihr natürli⸗ 85 Annehmer und hat das Recht, Vaterstelle an ihnen zu treten, wenn er will. Hör' einmal, geh' du jetzt mit de Bruderskindern ein wenig vors Dorf hinaus, und i bleibet da, es redet ihnen keines zu und keines ab. Der Holzhauer nahm die beiden Kinder an der Hand 1 i verließ mit ihnen Stube und Haus. 1 Wohin wollen wir gehen? fragte er die Kinder auf Straße. 9 Wenn du unser Vater sein willst, geh' mit uns da drunten ist unser Haus, sagte Dami. Ist es denn offen? fragte der Ohm. 1 Nein, aber der Kohlenmathes hat den Schlüss uns aber noch nie hineingelassen. Ich springe vo hole den Schlüssel. Und behend machte sich Dam sprang davon. 5

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(Fortsetzung folgt.)