Ausgabe 
25.11.1915
 
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Stiftungen an

Hessen and Nach bargebiete. Gießen und Umgebung.

Der schwarze Diamant.

Nachdem durch einen plötzlichen Umschwu i Witterungsverhältnissen die linde wee A strengeren Regiment weichen mußte, ist für die Familien eine Frage so brennend geworden, wie die des täglichen Brotes: es ist der Bedarf an Kohlen. Wegen ihres großen Heiz. wertes(sie erzeugt dreimal mehr Wärme als das beste Buchenholz) und ihrer Billigkeit im Vergleich zu anderen Brennmaterialien kommt sie fast als alleiniges Heizmittel für die Wohnungen in Betracht. Jene aus versunkenen Wäldern und einer vorzeitigen Pflanzenwelt herausgebildeten schwarzen Diamanten, die noch in ungeheuren Flözen in der Erde ruhen, haben eine Entwicklung in der Weltwirtschaft hinter sich, wie sie ihresgleichen ein anderes Produkte kaum aufzuweisen vermag.

Im Mittelalter eine mehr als bescheidene Rolle spielend ist die Kohle durch den Rückgang des Waldreichtums und vor allem durch den blühenden Aufschwung der Industrie im 19. und 20. Jahrhundert der wertvollste Artikel auf dem Welt⸗ markte geworden. So soll die Weltförderung an Stein- und Braunkohlen im Jahre 1860 erst 136 Millionen Tonnen (A 20 Zentner) betragen haben und stieg dann bis 1870 auf jährlich 250 Millionen Tonnen. Von da ab ging die Jahres- förderung in einem riesigen Tempo in die Höhe, sie wurde bis kurz vor dem Kriege mit 141500 Millionen Tonnen be rechnet. Die Industrie fordert natürlich zu ihrer Speisung den Löwenanteil der zutage geförderten Kohlenmengen und hier wieder in erster Linie die Schwereisenindustrie und Maschinenindustrie mit rund 45 Prozent, während alle übrigen Industrien mit ihrem Bedarf hinter dem Hausver⸗ brauch, der 1213 Prozent beträgt, zurückbleiben. Brauereien, Glas- und Spiegelfabriken sollen nur mit 1 Prozent Ver brauch an der Förderung beteiligt sein.

Als bedenklicher Konkurrent auf dem Weltmarkt hat sich gerade Deutschland in den letzten Jahrzehnten mit seiner Kohlenförderung in den Vordergrund gedrängt. Uebertroffen wurde es darin nur noch von den Vereinigten Staaten, während es mit England, der nächstfolgenden Konkurrenz, um die gleiche Höhe rang. Als hauptsächlichste Kohlengebiete kommen bekanntlich in Deutschland in Betracht die Rhein⸗ provinz, Westfalen und Schlesien. Bayern kommt in dieser Beziehung fast gar nicht in Frage, es produziert nur ganz geringe Mengen in Oberbayern, während ein anderer Ver such in Oberfranken zum Schaden der Steuerzahler elendig Schiffbruch gelitten hat. Leider hat es die bis zum Jahre 1907 in Preußen bestehende Bergbaufreiheit den Privat⸗ kapitalisten ermöglicht, sich fast die ganzen Kohlengebiete zu sichern, was die Konsumenten mit ihrem Geldbeutel schon sehr schwer büßen mußten.

Sicher dachte der Entdecker der Kohle nicht daran, daß er mit diesem schwarzen und braunen Gestein einer kleinen Minderheit von Bergwerksbesitzern den Weg zu ungeheuren Peichtümern gezeigt hat. Mußte doch kürzlich selbst ein bürgerliches Blatt die industrielle Situation der Kohlen⸗ industrie wie folgt charakterisieren:Die Kohlenindustrie hat in der Kriegszeit nur zwei Schmerzen, sie möchte mehr fördern und eine allgemein ausreichende Wagenstellung haben. Sonst geht es in Steinkohlen glänzend, die Rohüber⸗ schüsse steigen. Auch die Braunkohlenindustrie arbeitet mit erhöhten Betriebsgewinnen; die Selbstkosten sind zwar höher als in gewöhnlichen Zeiten, aber man hält sich an erhöhten Verkaufspreisen reichlich schadlos. Im übrigen fließen Jahresberichte und Abschlüsse andauernd im breiten Strom dahin. Obwohl sich Reich und Gemeinden um die Ver⸗ sorgung mit Kohlen für die bedürftigsten Familien für den bevorstehenden Winter angenommen haben, gibt es in Deutschland nicht wenige Leute, die den allmählich anwachsen⸗ den Mehrverbrauch von schwarzen, Diamanten b nicht so glänzend empfinden wie die allmächtigen Zechenbesitzer.

Die Geheimm'sse der Feldposttuben.

2. 50 mittel⸗Untersuchungs⸗ Das BochumerStädtische NahrungsmittelsUntersu 5 Amt wendet sich gegen dle unerhörte ne 155 1 kums beim Einkauf von Tuben, die für Feldpof 1 5 5 1 bestimmt sind. Der Leiter des Amtes weist darauf hin, daß in letzt!

8 2 e 5 a Smikte kme uffallend viele Neuheiten auf⸗ Zeit guf dem Nahrungsmittelmarkte auff en, Düten, Tuben und

tauchten, Nahrungs⸗ und Genußmittel in Dost itene Tut 10 7 Veuteln. Das gabe den großen Nachteil, daß dem 1 die 1 5 lichkeit fehle, die Güte und Menge des Inhalts du 5 15 1 5 Untersuchungsamt hat festgestellt, daß in den Wend 10 Prei 8 Zuhalt der Packungen der Menge nach nicht de 1 5 e Ai zutspricht. So enthielt z. B. eine Tose bürger 71 sselbrel mit Pfefferpothaft, die 1,35 Mk. kostet, 355 3 Kar 1 1 Zaha zwei Fleischstückchen zu 27 1 1588 0 9115 5 N beträgt etwa 15 Pfg. FürNaturbutter i&i 5 1 1 Pfund gezahlt. Eine Dofe Fleischwurst mit 1 907 30 einem Einkaufspreis von 1,15 Mk. einen 1 1 1 Pfennigen.Kartoffelmehl läßt sich die neue i 5 1 1 Cendeng einem geringen Zusatz von Kochsalz alsButtersere be 5500 88 mit 4 Mk. das Pfund bezahlen. Sogenanntefein. 9 5 Himbeer⸗ melade, in Wirklichkeit eine Mischung von aue h raefärot und mit kernen, ausgelaugtem Apfolmark und 0 Mk das Pfund künstlichemHimbeeräther parfümiert, 1 1 zu fenden ih die Sardellenbütter, in der von Butter deine ird e ee Iber zu einem Drittel aus Heringen besteht, 32 Unterfuczungsamt nis des Tubenpreises mit 5 Mk. bezahlt. Gesebes eh eiten hebt hervor, daß mit dem Paragraphen 58% kann also nur eine Fällen nicht eingeschritten werden bauglium vor solchen unerhör⸗ öffentliche Warnung helfen, um das Publi 0 ten Uebervorteilungen zu schlltzen.

1 1 der Staat muß G ld genug daft Habe. Die Sorge für die Hinterbliebenen 1 sallenen und für die Kriegsverletzten. die Auffassung eine Ehrenpflicht für das Reich sein. en zutage tritt, daß das Reich 1 050 imstande sei, muß sorgung diefer Kriegsopfer nicht 1 1 sich irgendwelche ihr entgegengetreten werden. Wen die öffentliche Mittel für die spätere Versorgung

Zohltätigkeit wenden, um die 1755 von Kriegsinvaliden zu

bekommen, so braucht man sich nicht gegen eine solche Täligkest an sich zu wenden. Man muß es aber zurückweisen, wenn dies Beginnen begründet wird z. B. mit den Worten:

Der Staat wird für die Hinterbliebenen und Invaliden unseres Erachtens nicht die wünschenswerten Mittel zur Verfügung haben.

So sagt das Komitee für denSchmied von Essen in einem Anschreiben, in dem es um Stiftungen für den eisernen Mann ersucht. Ganz im Gegenteil zu dieser eigenartigen Begründung sind wir der Ansicht, daß der Staat dafür erforderliche Mittel in weitestem Umfang zur Verfügung stellen muß. Er kann es auch, wenn er an der richtigen Stelle zugreift. Er kann es un so besser, je opferwilliger dann die Besitzenden sein werden. Leider besteht die Be fürchtung, daß sich dann gewisse Kreise vor solchen Opfern zu drücken versuchen, die heute für ein paar hundert oder tausend Mark eine Plakette für irgend einen eisernen Mann stiften und dafür imgoldenen Buch verewigt werden.

Sy ist's recht! Einem Händler in Frankfurt a. M., der verdorbene Kartoffeln den Zentner zu 3,90 Mk. verkauft hatte, hat die dortige Polizei sein Kartoffellager geschlossen und die Verwendung der verdorbenen Ware als Viehfutter in die Wege geleitet. Wie wir Frankfurter Blättern entnehmen, wurde in Frankfurt am 16. und 18. November durch die Be⸗ amten der Schutzmannschaft eine umfangreiche Erhebung in sämtlichen Nahrungsmittelgeschäften, die Kleinhandel be⸗ treiben, veranstaltet. Die Einkaufs- und Verkaufspreise wur⸗ den festgesetzt. Das Material wird weiter bearbeitet, und gegen die Händler, die einen unverhältnismäßig hohen Ge⸗ winn an ihren Waren nehmen, wird unnachsichtlich mit den strengsten Mitteln vorgegangen werden.

S Bestrafter Denunziant. In kaum glaublicher ge⸗ hässiger Weise hat der Landwirt J. W. Kühnle aus Hergershausen gehandelt, der auch Gemeinderats⸗ mitglied ist, indem er unter einem falschen Namen einen Brief an die Militärbehörde richtete, in welchem er einen Reservisten, von dem er annahm, daß er nicht gut gegen ihm gesinnt sei, in gröblicher Weise beleidigte. Der Brief enthielt den Vorwurf, der Reservist urteile sehr abfällig über seine Vorgesetzten usw. Man solle ihn doch wieder in den Schützen⸗ graben stecken. K. erhält von der Darmstädter Strafkammer die strenge, aber gerechte Strafe von 6 Monaten Gefängnis wegen Urkundenfälschung, Verleumdung usw.

Kommunale Kriegsgewinnsteuer. Der größte Teil unseres Volkes ist durch den Krieg in schwere materielle Not geraten, und wenn der Krieg wirklich eine Gemeinschafts⸗ sache sein soll, so ist es nur zu natürlich, daß diejenigen, die aus dem Kriege ihren Nutzen ziehen, in ganz erheblichem Maße dazu herangezogen werden müssen, dem notleidenden Volke das Los zu erleichtern. Darum ist die reichsgesetzliche Besteuerung der Kriegsgewinne nichts als eine Selbstver⸗ ständlichkeit. Solch eine reichsgesetzliche Besteuerung allein genügt aber nicht. Unser heutiges Volksleben hat eine doppelte Struktur. Es wurzelt einmal im Staatsleben, dann aber auch zu einem nicht unbedeutenden Teile im kom⸗ munalen Leben. Gerade die kommunalen Kriegshilfsmaß⸗ nahmen haben in ganz hervorragendem Maße gezeigt, welche Rolle die Kommune im sozialen Leben zu spielen berufen ist. Eine unverständliche Einseitigkeit würde es also be⸗ deuten, wenn man Staat und Reich bei den Kriegsgewinnen berücksichtigte, die Kommune aber leer ausgehen ließe. Die Kommune vermag in sozialer Hinsicht oft mehr zu bieten als der Staat, und da ist es nichts als eine Pflicht der Gerechtig⸗ keit, den Gemeinden die Erhebung eines Gemeindezuschlags zur reichsgesetzlichen Besteuerung der Kriegsgewinne zuzu⸗ billigen. Gerade nach dem Kriege harren in den Kommunen große soziale Aufgaben ihrer Lösung, und dazu gehört Geld, viel Geld, und jede Quelle, die die Gerechtigkeit zu erschließen verlangt, muß da geben, was sie geben kann. Und da darf die kommunale Besteuerung der Kriegsgewinne nicht fehlen.

Von derOpferwilligkeit der Landwirtschaft haben agrarische Blätter in letzter Zeit geredet. Wenn die Redak⸗ teure dieser Blätter derartiges niederschrieben, haben sie sicher laut lachen müssen, denn stärkere Unverfrorenheit ist nicht mehr möglich. Vor Opfern wissen sich die landwirtschaft⸗ lichen Kreise schon in gewöhnlichen Zeiten recht gut zu hüten von rühmlichen Ausnahmen abgesehen wer aber jetzt glaubt, daß die LandwirtschaftOpfer bringt, dem ist wirk⸗ lich nicht zu helfen. In Wirklichkeit schwimmt die Landwirt⸗ schaft im Gelde, alle Produkte verzeichnen unglaublich hohe Preise, an die früher kein Bauer im Traume zu denken ge⸗ wagt hätte. Trotz des riesigen Kartoffelsegens, werden ein⸗ fach keine Kartoffeln herausgegeben, man lacht über die Höchstpreise und Beschlagnahme⸗Verordnungen Da nützt kein Bitten und kein Drohen, hilft kein Zureden, kein Appell an den Patriotismus! Die Preisberichtsstelle des Deutsch. Landwirtschaftsrates schrieb in ihrem Wochenbericht: Der Bundesrat will mit keiner Verordnung die landwirt⸗ schaftliche Produktion unterbinden, denn dies würde für Deutschland Selbstmord bedeuten. Die Stunde in dem ge⸗ waltigen Ringen Deutschlands erheischt aber von der ge⸗ samten deutschen Landwirtschaft, daß sie mit der größten Opferwilligkeit die von ihr erzeugten Lebensmittel der Bevölkerung zur Verfügung stellt. Es kann sich jetzt nicht mehr darum handeln, ob diese oder jene Maßnahme des Bundesrats im Interesse der landwirtschaftlichen Produktion etwas anders hätte getroffen werden müssen. Wie draußen im Felde jeder Soldat willig gehorcht und dadurch den Sieg über alle Feinde erringt, so muß auch jeder Landwirt hier im Innern ohne Zögern die Lebensmittel zur Verfügung stellen, damit der Aushungerungsplan unserer Feinde zu schanden wird. Dies gilt augenblicklich vor allem für die Kartoffelversorgung. Werden sich die Agrarier diese Mahnung zu Herzen nehmen? Wer's glaubt, bekommt nen Taler!

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Philipp Müller aus Gießen, Inf. Reg. 14. Res. Joh. Georg Weißenstein aus Gießen, Inf.-⸗Reg.116. Musketier Karl Arnold aus Steinbach bei Gießen, Inf.

Neg. 49. Musketier Wilhelm Haustern aus Kirtorf bei Alsfeld, Inf.⸗Reg. 221. Landstürmer Joh. Hahn aus Bieber bei Alsfeld, Res.⸗Inf.⸗Reg. 118.

Weihnachtspaketverkehr. Es wird darauf aufmerksaut gemacht, daß in diesem Jahre keine bestimmte Woche für die Annahme von Weihnachtspaketen mit genauer Adresse des Empfängers im Felde festgesetzt wird. Die Pakete nach dem Osten können bereits jetzt beim zuständigen Militärpaket⸗ depot abgegeben werden; die Pakete für den Westen sollten ebenfalls möglichst vor dem 1. Dezember zur Auflieferung gelangen, damit eine rechtzeitige Absendung ins Feld gewähr⸗ leistet ist. Eine besondere Kenntlichmachung der Pakete als Weihnachtspakete ist nicht erforderlich.

Kartoffelversorgung mit Hindernissen. Aus Marburg wird uns geschrieben: Trotz der viel zu hohen Höchstpreise ffür Kartoffeln von 3,50 Mk. der Zentner, ist es den Landwirten nicht eingefallen, freiwillig ihre Kartoffeln zu Markte zu bringen. Un die Marburger Bevölkerung mit Kartoffeln zu versorgen, werden die Landwirte jetzt durch die Bürgermeisterei gezwungen, die von der Stadtverwaltung bestellten Kartoffeln zu liefern. Ueber diese SorteVaterlandsliebe wird hoffentlich nach dem Kriege noch ein deutliches Wort gesprochen werden. Die Stadt Marburg hat ferner 65 Tonnen Vollheringe, sowie eine erhebliche Menge Zwiebeln angeschafft, welche an die Bevölkerung in kleinen Mengen abgegeben werden. Zwiebeln kosten das Pfund 18 Pfg.; Heringe das Stück 16 Pfg., sind also nicht billig.

Kriegsunterstützung ist keine Armenunterstützung. Dis Bundesamt hatte in einem Rechtsstreit zwischen zwei Gemeinden darüber zu entscheiden, ob und wann Unterstützungen von Familien der Kriegsteilnehmer als Armenunterstütz⸗ ungen anzusehen sind. Es vertrat den Standpunkt, Unterstütz⸗ ungen, die auf Grund des Gesetzes vom 28. Februar 1888 und 4. August 1914 zu gewähren sind, dürfen auch dann nicht als Armenunterstützung erachtet werden, wenn der Lieferungsverband seine Pflicht nicht erfüllt hat, so daß der Armenverband eintreten mußte. Von diesem Standpunkt sei selbst dann nicht abzuweichen, wenn ein außergewöhnlicher Notstand vorlag, der nicht durch die Kriegsbeteiligung des Familienhauptes allein hervorgerufen wor⸗ den sei, und der auch ohne die Kriegsbeteiligung das Eingreifen der Armenpflege für die Familie nötig gemacht hätte. Es komme nicht darauf an, ob die Einberufung des unterhaltungspflichtigen Fa⸗ milienhauptes die alleinige Ursache der Unterstützungsbedürftigkeit der Familie des Kriegsteilnehmers war.

Spenden der Gießener Freilichtbühne für dievergessenen Krieger. Wie erinnerlich, war der Ueberschuß des in der Aula vor einigen Wochen veranstalteten Konzertabends der Freilichtbühne flir diejenigen Kriegsteilnehmer des Gießener Regiments bestimant, welche keine Angehörigen haben, die also von keiner Seite eine Gabe ins Feld geschickt erhalten. Erfreulicherweise war das pekuniäre Ergebnis des Konzerts derart günstig, daß die Weih⸗ nachtsgeschenke für die erwähnten Krieger recht ansehnlich ausfallen konnten. Wie uns mitgeteilt wird, werden 40 Pakete im Werte von durchschnättlich je 5 Mark abgeschickt. Lebkuchen, Seife, Taschen⸗ tiicher, Schreibpapier, Kognak usw. bildeten den Inhalt jedes Pakets und man kann nur wünschen, daß jedes seinen Adressaten glücklich erreicht und dieser es bei guter Gesundheit empfängt. Damit hat die Gießener Freilichtbühne, welche ihre Betätigung auf künst⸗ lerischem Gebiet sucht und unter der rührigen Leitung von Prof. Bernbeck gewiß schon recht Gutes geleistet hat, sich auch nebenbei in den Dienst der Wohltätigkeit gestellt, was dankbar begrüßt zu werden verdient. 5

Gegen den Wahrsageschwindel. Eine sehr i Warnung erläßt das Polizeiamt Leipzig. Es heißt darin: F Grund des vom Polizeiamt erlassenen Wahrsageverbots sind aus dem Publikum zahlreiche Anzeigen eingegangen. Das Polizeiamt ist gegen die Wahrsagerinnen straftrechtlich streng eingeschritten, zumal da in jener Bekanntmachung Geldstrafe bis zu 150 Mark und Haftstrafe bis zu sechs Wochen angedroht waren. Bei den Er⸗

örterungen ist einerseits die große Gewissenlosigkeit mancher Wahr⸗

sagerinnen, besonders Kriegerfrauen gegenüber, anderseits aber auch die Leichtgläubigkeit vieler Leute zutage getreten. Es seien daher abergläubische Personen noch einmal dringend davor gewarnt, zu den Wahrsagerinnen, die schon so viel Unheil angerichtet haben, zu gehen und ihr Geld für den Wahrsageschwindel auszugeben. Das Polizeiamt wird auch in Zukunft gegen den Wahrsageunfug streng einschreiten..

Leichter Nebenverdienst. Stickereigeschäfte unter den ver⸗ schiedensten Namen bieten gegenwärtig Nebenverdienst durch leichte Handarbeiten an. Alle derartigen Inserate sind mit Vorsicht auf⸗ zunehmen, besonders wenn sie Firmen im Allgäu und in Bayern betreffen, lasse man sie unbeachtet. Die Firmen existieren in Wirk⸗ lichkeit nicht, es sind nur Personen, die eine ganz wertlose Stickmaschine verkaufen wollen. Arbeit besorgen, wie sie versprechen, können und wollen sie gar nicht. In Bayern hat sich das Generalkomando genötigt gesehen, den Zeitungen die Aufnahme solcher Inserate zu verbieten. Doch scheinen die Schwindler jetzt unter anderm Namen aufzutreten. Gerade jetzt ist die Gefahr vor⸗ handen, daß Arbeitslose, auch Kriegerfrauen, ihre letzten paar Mark zur Erreichung eines Nebenverdienstes hergeben; sie erwer⸗ ben dann eine solche Maschine, die für sie völlig wertlos ist.

Reiskirchen. Goldene Hochzeit begeht heute der Direktor der hiesigen Spar⸗ und Darlehnskasse, Heinrich Schomber und seine Frau, Marie geb. Peter. Schemer ver⸗ waltet die genannte Kasse seit dem Jahre 1891.

Kreis Marburg⸗Kirchhain.

Schwurgericht in Marburg. Am Montag verurteilte das Marburger Schwurgericht den Wjährigen Tagelöhner Daniel

Keßler, gebürtig aus Gießen, wegen drei in der Gegend von Bellnhausen, Kr. Marburg, verübten Sittlichkeitsvergehen zu zwei Jahren Zuchthaus.

Von Nah und fern.

Mainz, 22. Nov. Zwei traurige Fälle. In der Zang⸗ gasse 20 im Hinterhaus müssen die Kinder des Taglöhners Karl Claude, der im Felde steht, während die Mutter einer Beschäftigung nachgeht, allein zu Hause bleiben. Am Samstag fielen Kohlen aus dem Ofen und setzten die Kleider des jüngsten Kindes, eines zwölf⸗ jährigen Knaben in Brand. An den Verletzungen ist das Kind ge⸗ storben. Tot aufgefunden wurde am Samstag eine hiesige Frau, deren Mann im Felde steht. Die Frau, welche drei kleine Kinder hat, litt an Trunksucht. In betrunkenem Zustande wurde sie vom Tode ereilt. Ein schweres Geschick hat die Familie! des Kriminalschutzmannes Kuhn betroffen. Die Kinder liegen aum einer Jufektionskrankheit darnieder, dabei wurde Kuhn, ein sehr beliebter Beamter, angesteckt und in ganz kurzer Zeit dahingerafft, während die Kleinen sich auf dem Wege der Besserung befinden.

Kriegstragödien. Eine furchtbare Familien⸗ tragödie hat sich am Sonntag in Mittweida in Sachsen ab⸗ gespielt. Dem Gasanstaltsarbeiter Köhler war die Frau ge storben und am Samstag beerdigt worden. Köhler, der zum Heeresdtenst eingezogen ist, hatte zum Begräbnis seiner Frau Urlaub erhalten. Sonntag früh wurde er mit seinen im Alter von 2 bis 10 Jahren stehenden Kindern erschossen aufgefunden. Köhler und vier seiner Kinder waren tot. Das fünfte Kind, der jüngste Sohn, lebte noch. Gram über den Tod seiner Frau scheint Köhler zu der schrecklichen Tat veranlaßt zu haben. Ein ähnlicher Fall wird aus Lichtenberg bei Berlin berichtet. Dort hat die 21 Jahre alte Frau Minna Skora ihrem Jährigen Söhnchen die Kehle durchschnitten und sich dann aus ihrer im dritten Stockwerk gelegenen Wohnung gestürgt. Das Kind ist tot, die Mutter liegt hoffnungslos in der Charits da⸗ nieder. Vor einigen Tagen war die Nachricht vom Tode ihres Mannes bei der Frau eingetroffen. 5