Das feine Geschäft.
5 Ein förmlicher Strom von Munition und Kriegsmaterial ergießt sich aus vielen Städten nach Newyort, um von hier aus nach England, Frankreich und Italien verschickt zu wer⸗ den. Das Mordwerkzeug kommt in solchen Massen, daß die Bahnen nicht genug Waggons und Leichter haben, um es befördern zu können und die Folge ist eine Ueberfüllung der Bahnhöfe und Remisen. Die Jersey Central Bahn nimmt zwar noch solche Frachten, bringt sie aber nicht auf ihre Leichterchiffe. Von Jersey City bis Easton, Pa., sind alle Seitengeleise der Jersey Central mit beladenen Waggons überfüllt, und dieselbe Situation herrschte auf den Geleisen der Philadelphia& Beading und Baltimore& Ohio. Internationale Konferenz des Roten reuzes.
In Stockholm traten am Montag die Abgesandten des Roten Kreuzes von Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn und Rußland zusam⸗ men. Der Voss. Ztg. wird hierüber berichtet:
Ueber den Verlauf und die etwaigen Beschlüsse der Konferenz, die ausschließlich die gegenseitige Behandlung von Kriegsgefangenen zum Gegenstande hat, soll vorerst aus naheliegenden Gründen nichts in der Oeffentlichkeit verlauten. Die beiden russischen Delegierten, Senator Arbusow und Herr Markosow, haben vom russischen Roten Kreuz Anweisungen mitgebracht, die in neun Einzelfragen zerfallen und sich auf Beköstigung, Bekleidung, ärztliche Behandlung der Kriegsgefangenen beziehen, serner die Zustellung von Briefen und Postpaketen an Kriegsgefangene sowie die Versorgung derselben mit Büchern und Zeitungen, freiere Spaziergänge für gefangene Offi⸗ ziere, die Festlegung einer unmittelbaren Verbindung zwischen dem russischen zentralen Registrierungsburcau und den betreffenden deut⸗ schen Behörden zwecks genauerer Registrierung und schließlich die Errichtung eines Hilfsvereins für russische Gefangene im Berliner Zentralkomitee des Roten Kreuges erörtern sollen. i
Die russischen Abgesandten besitzen keinerlei Vollmachten für den Abschluß irgendwelcher bindender Vereinbarungen. Wie es in ihrer Anweisung heißt, sollen die Besprechungen mit deutschen und öster⸗ reichisch⸗ungarischen Abgesandten lediglich Material sammeln, das dann den ausschlaggebenden russischen Instanzen behufs etwaiger Beschlußfassung unterbreitet werden soll.
Eine Umfrage über eine sozialistische Friedensaktion. f
Im Einverständnis mit dem schweizerischen Parteivor⸗ stand hat Avvenire del Lavoratore, das Organ der italieni⸗ schen Sozialisten der Schweiz, im Oktober an„die be⸗ kanntesten Sozialisten der Welt, ohne Ansehen der Richtung und des Landes“, eine Umfrage gerichtet, in der eine Meinungsäußerung erbeten war über die Notwendigkeit und Möglichkeit einer gemeinsamen Friedensaktion. Der Erfolg soll nach Avvenire und Avanti ein sehr bedeutender sein, trotz⸗ dem die Blätter zugeben, daß die höchst wertvolle Doku⸗ mentensammlung sehr verschiedenartigen Standpunkten ent⸗ stamme. Veröffentlicht wurde davon bisher nur als wichtigster Beitrag eine Zuschrift eines sozialistischen französischen. Kammermitgliedes, Raffin⸗Dugens, Deputierter des Isdre⸗ Departements. Er hält eine derartige Konferenz nicht nur für möglich, sondern notwendig. Sie dürfe allerdings nur von den Neutralen ausgehen, und wenn die verschiedenen Parteien ihre Haltung erklärt hätten, müßten Vorwürfe von seiten der französischen Partei einerseits, wie der deutschen Partei andererseits in sich zusammenfallen. Im übrigen enthält das Programm der Friedensbedingungen und Friedenssicherungen, das aufgestellt wird, keine neuen Ge⸗ sichtspunkte.
Die Reichsunterstützung der Textilarbeiter.
Den Berliner Neuesten Nachrichten wird geschrieben: Ent⸗ sprechend den im Reichstage gemachten Zusagen, hat der Bundesrat in seiner Sitzung am Donnerstag eine Verordnung erlassen, durch die besondere Mittel zur Unterstützung von Gemeinden oder Ge⸗ meindeverbänden auf dem Gebiete der Fürsorge für solche Ange⸗ stellte und Arbeiter, die in Betrieben der Textilindustrie infolge von eingetretenen Arbeitsbeschränkungen erwerbslos geworden find, bereitgestellt werden. Auch über die Verwendung der Mittel sind Bestimmungen erlassen.... Mit Rücksicht darauf, daß die Ar⸗ beitseinschränkungen im Textilgewerbe mit Maßnahmen der Heeresverwaltung zusammenhängen, geht die Beteiligung des Reichs über das bei der allgemeinen Kriegswohlfahrtspflege als regelmäßige Höchstgrenze für die Beihilfe des Reichs festgesetzte
zelne Bezirke oder Gemeinden, Hauptgewerbe bildet, kann durch 2 zwei Dritteln, ausnahmsweise beim B. 5 dert Notstandes bis zu drei Vierteln des Gesamtaufwandes bewilligt werden. Für Teile des Reichs, die im Kriegsoperationsgebtet liegen, darf auch diese Grenze nicht überschritten werden.
Als Zeitpunkt für den Beginn der Fürsorge ist der 1. Oktober 1915 festgesetzt. Die Ausgabe wird sich nach dem auftretenden Be⸗ dürfnis richten müssen. l f
Um die Entlassung von Arbeitern nach Möglichkeit zu ver⸗ meiden, oder sie tunlichst zu verlangsamen, ist für Spinnereien, Webereien, Wirkereien usw. eine Einschränkung der Arbeitszeit auf höchstens fünf Tage der Woche mit je zehn Stunden verordnet, durch Verwaltungsmaßnahmen ist ferner die Vermeidung von Uleberarbeit vorgesehen, der Zuzug ausländischer Textilarbeiter verhindert und die Unterbringung arbeitsloser Textilarbeiter in anderen Berufen nach Möglichkeit gefördert.“ 8
Im weiteren muß selbst das weit rechtsstehende alldeutsche Blatt zugestehen, daß die Neichsunterstlitzung noch nicht genügend geregelt ist, da zu erwarten ist, daß„die Arbeitslosigkeit der Textil⸗ arbeiter demnächst zunehmen wird und dadurch in einzelnen Ge⸗ meinden Notstände hervortreten können“.
Tie kommende Krlegsgewinnstener.
Nach einer Mitteilung der Sozialen Praxis wird der demnächst wieder zusammentretende Reichstag sich mit der Vorlage einer Kriegsgewinnsteuer noch nicht zu beschäftigen haben, wohl aber wird die Regierung, um die spätere Durch⸗ führung der Steuer zu sichern, dem Reichstage eine Vorlage zugehen lassen, die die Aktiengesellschaften und ähnliche Unternehmungen verpflichtet, aus dem während der Dauer des Krieges erzielten außerordentlichen Geschäftsgewinnen entsprechende Rückstellungen vorzunehmen und verfügbar zu halten. Es würde, so wird dazu ausgeführt, dadurch ver— hindert werden, daß, da die Kriegsgewinnsteuer erst nach Abschluß des Krieges zur Erhebung gelangt, die in der Zwischenzeit erzielten Geschäftsgewinne von den Gesellschaften ausgeschüttet und in Gestalt von hohen Dividenden an die Gesellschafter zur Verteilung gebracht oder sonst in der Ab⸗ sicht, diese Gewinne der Besteuerung zu entziehen, aufge⸗ braucht werden. Da alle Parteien in der Augusttagung für eine Besteuerung der Kriegsgewinne eingetreten sind, und mit der von der Reichsfinanzverwaltung vertretenen Auf⸗ fassung, daß, da eine einwandfreie Feststellung des Gewinnes durch den Krieg eine steuertechnische Unmöglichkeit ist, jeder während des Krieges erzielte erheblichere Vermögenszuwachs der geplanten Sondersteuer unterliegen soll, sich einverstanden erklärt haben, ist es nunmehr die Aufgabe der Reichsfinanz⸗ verwaltung, auf dieser Grundlage beabsichtigte gesetzgeberische Maßnahmen vorzubereiten.
Der Rückzug des serbischen Heeres.
Der Pester Lloyd meldet aus Sofia: Das serbische Heer macht verzweifelte Anstrengungen, wenigstens noch einen Teil der Armee, des Trains und der Munitionskolonnen auf der Straße Pristina⸗Istip zu retten. Bei dem Versuch der Serben, ihre Truppen nach Monastir abzuschieben, wurden sie durch bulgarische Kavallerie überfallen und teils gefangen genommen, teils vernichtet. Im Gebiete von Pristina sind die sich nähernden Streitkräfte Herren der strategischen Situation. Die bulgarische Offensive auf dem südmazedoni⸗ schen⸗Kriegsschauplatze wird stetig günstiger. Die Bulgaren entrissen dort den Franzosen mehrere wichtige Stützpunkte.
Die ganze Marseiller Handelsflotte für den
Balkaufeldzug.
Genf, 24. Nov. Eine Abordnung der parlamentarischen Marinekommission ist in Marseille angekommen. Es wurde unter Hinzuziehung der Marseiller Reeder eine Konferenz abgehalten, an der auch der Admiral Bienaims teilnahm— Diese beschäftigte sich mit der Frage der Requirierung sämt⸗ licher Schiffe der Marseiller Handelsflotte für die Bedürfnisse der Balkanexpedition.
Einstellung des Dampferverkehrs zwischen Italien und Amerika.
T. U Paris, 24. Nov. Man meldet dem Temps aus Newyork, daß die Bureaus der italienischen Dampferlinjen die Unterbrechung
Beschluß des Bundesrats bis zu Vorliegen eines besonderen
Drittel hinaus bis zur Hälfte des Gesamtaufwandes. Für ein⸗ .. ⁵ĩ˙. N
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in benen die Textilindustrie das der Schiffahrt zwischen Italt „Caserta“. Die Agenten der Compagnien geben kei
en und Amerika bestätige die diefen Dienst versahen, waren„Europa“,„Dan
diese Anordnung an, doch glaubt man, daß diese infolge senkung der„Ancona“ durch ein österreichisches Untersee Ichaffen wurde. 8 Torpedierung eines italienischen Dampfe T. U. Genf, 24. Nov. Das Petit Journal melde italienische Dampfer„Dormida“ ist im Mittelmeer du ein feindliches Unterseeboot torpediert worden. Alle Passat wurden gerettet. Ein japanischer Dampfer versenkt. T. U. Wien, 24. Nov. Aus Saloniki wird gemeldet Der japanische Dampfer„Ziasforu Maru“, welcher ar Liverpool Bahnbaugeräte und andere zu militäri Zwecken nötige Maschinenteile brachte, wurde von Unterseeboot torpediert und versenkt. Die Budgetfrage in Rußland. T. U. Stockholm, 24. Nov. Die Arbeitergruppe Reichsduma beschloß, das Budget zu verweigern, we Regierung, wie sie beabsichtigt, die Budgetberatungen in nigter Weise durchführen sollte. Die indischen Meuterer. Konstantinopel, 24. Nov. Es wurde authentisch bestätl daß indische Regimenter, die den gegen Bagdad vorrücke englischen Streitkräften angehörten, sich weigerten, gege Türken zu kämpfen. Als dann der Befehl gegeben w jeden zehnten Mann von ihnen zu erschießen, ging ihr pa Widerstand in offene Meuterei über. Die Meuterei gab d Anlaß, daß die englischen Befehlshaber ihre gegen Bagd anrückenden Streitkräfte mangels Verstärkungen w zurücknehmen mußten. f.
Zur bevorstehenden Reichstagstagung.
T. U. Köln, 24. Nov. Von parlamentarischer Seite der Köln. Ztg. geschrieben: Am Donnerstag und Freitag finden im Reichsamt des Innern Vorbesprechungen mit den Fraktionsvorständen über die bevorstehende Tagung 8 Reichstages statt. Diesen wird sich am Montag die übli Besprechung der Parteien beim Reichskanzler auschliest Dem Reichstag wird bei seinem Zusammentritt die an kündigte Vorlage des Reichsschatzamtes über die Vorberatung des Kriegsgewinnsteuergesetzes zugehen. Nach ihr werden Handelsgesellschaften verpflichtet, 50 Prozent ihrer Kri gewinne in Reserve zu stellen.
Höchstpreise für Wild. a
Berlin, 23. Nov.(W. T. B. Amtlich.) Naihdem f Verhandlungen mit den Sachverständigen abgeschlossen sin hat der Reichskanzler Hüchstpreise für Wild festgesetzt. Die betragen für den Verkauf vom Jäger an den Händler mz Decke, Balg oder Federn für das Pfund bei Rot⸗ und Damn wild 0,60 Mark, Rehwild 0,70 Mark, Wildschweinen 0,55 Mk für das Stück bei Hasen 3,75 Mark, Kaninchen 1,00 M Fasanenhähnen 2,50 Mark, Fasanenhennen 1/75 Mark. Kleinhandelspreise sind danach von den Gemeinden festz setzen. Ihre oberen Grenzen hat der Reichskanzler folgend maßen bestimmt: Für das Pfund bei Rot⸗ und Dammwi 1,40 Mark, Rehwild 1,80 Mark, Wildschweinen 1/10 Mar für das Stück bei Hasen mit Fell 5,00 Mark, ohne Fell 4 Mark, Kaninchen mit Fell 1660 Mark, ohne Fell 1,30 M Fasanenhähnen 3,50 Mark, Fasanenhennen 2,50 Mark.
Hriegsus lien. Schönherrs„Weibsteufel“ darf auf Verfügung Generalkommandos auch im ganzen 9. Armeekorpsbezirk(Ha, burg⸗Altona⸗Lübeck⸗ Bremen) nicht aufgefü werden, da das den„Burgfrieden“ zu stören geeignet sei. 8 Bremen kommt das Verbot zu spät, das Bremer Schauspielho hat das Stück in dieser Spielzeit schon oft und mit großem Erfolg aufgeführt. Die Konsumgenossenschaften der Schweiz sind in ihrer Gesamtheit als Syndikat dem Einfuhrtrust beigetreten, um die Spesen für Lieferung der Nahrungsmittel zu vermindern und um nicht mit den wirtschaftlichen Gegnern zusammen eine Einkaufsorganisation bilden zu müssen.
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Barfüßele.
Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach.
Denn von der Zeit Brosis her, und namentlich seitdem dessen Sohn Severin sich mit dem Steinhammer zu so hohen Ehrenstellen hinaufgearbeitet, hatte sich ein großer Teil des Nachwuchses im Dorfe dem Maurerhandwerk gewidmet. Unter den Kindern war allezeit von Severin die Rede, wie von dem Prinzen im Märchen. So war auch das einzige Kind der schwarzen Marann trotz ihrer Widerrede Maurer geworden und jetzt auf der Wanderschaft, und sie, die ihr Leben lang nicht aus dem Dorfe gekommen war und auch kein Verlangen hatte, hinauszukommen, sagte manchmal, sie komme sich vor wie eine Henne, die eine Ente ausgebrütet; aber sie gluckste fast immer in sich hinein.
Man sollte es kaum glauben, daß die schwarze Marann eine der heitersten Personen im Dorfe war; man sah sie nie traurig, sie gönnte es den Menschen nicht, daß sie Mitleid mit ihr haben sollten. Und darum war sie ihnen unheimlich. Sie war im Winter die fleißigste Spinnerin im Dorfe und im Sommer die emsigste Holzsammlerin, so daß sie noch einen guten Teil davon verkaufen konnte, und„mein Johannes“, — so hieß ihr noch lebender Sohn—„mein Johannes“, hörte man in jeder ihrer Reden. Die kleine Amrei hatte sie, wie sie sagte, nicht aus Gutmütigkeit zu sich genommen, sondern nur weil sie ein lebendiges Wesen um sich haben wollte. Sie tat gern recht rauh vor den Leuten und genoß dabei um so mehr den Stolz eines heimlichen Rechtes.
Der gerade Gegensatz zu ihr war der Krappenzacher, bei dem Dami ein Unterkommen gefunden hatte; der stellte sich draußen vor der Welt gern als der gutmütigste Allesver⸗ schenker, im geheimen aber knuffte und mißhandelte er seine Angehörigen und besonders den Dami, für den er nur ge— ringes Kostgeld erhielt.
Er hieß eigentlich Zacharias und hatte seinen Spitz— namen davon, weil er einst seiner Frau ein Paar fein herge— richtete Tauben als Braten heimgebracht hatte; es waren dies aber ein Paar gerupfte Raben, hierzulande Krappen genannt.
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seine meiste Zeit damit, daß er wollene Strümpfe und Jacken strickte, und so saß er mit seinem Strickzeuge überall im Dorfe herum, wo es was zu plaudern gab, und dieses Ge— plauder, wobei er allerlei hörte, diente ihm zu sehr einträg⸗ lichen Nebengeschäften. Er war der sogenannte Heirats⸗ macher in der Gegend, denn namentlich da, wo sich noch die großen geschlossenen Güter finden, geschehen die Heiraten in der Regel durch Vermittler, die die entsprechenden Ver— mögensverhältnisse genau auszukundschaften und alles vorher bestimmen. Wenn dann eine solche Heirat zustande gebracht war, spielte der Krappenzacher noch bei der Hochzeit die Geige auf, den darin war er ein landeskundiger Meister. Er ver— stand aber auch die Klarinette und das Horn zu blasen, wenn ihm die Hände vom Geigen müde waren. Er war eben ein Allerweltsmensch.
Das weinerliche und empfindliche Wesen Damis war dem Krappenzacher höchst zuwider, und er wollte es ihm da⸗ mit austreiben, daß er ihn recht viel weinen machte und ihn neckte, wo er nur konnte.
So waren die beiden Stämmchen, aus demselben Boden erwachsen, in verschiedenes Erdreich verpflanzt. Standort und Bodensaft und die eigene Natur, die sie in sich trugen, ließen o d nartig gedeihen.
Tu' dich auf.
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Aut Lellerseelentag, er war trübe und neblig, waren die Kinder mitten unter den Versammelten auf dem Kirchhofe. Der Krappenzacher hatte Dami an der Hand dahingeführt. Amrei aber war allein gekommen ohne die schwarze Marann, und viele schimpften über die hartherzige Frau, und einige trafen einen Teil der Wahrheit, indem sie sagten: die Marann wolle nichts von dem Besuchen der Gräber, weil sie nicht wisse, wo das Grab ihres Mannes sei. f
Amrei war still und vergoß keine Träne, während Dami bei den mitleidigen Reden der Menschen jämmerlich weinte, freilich auch, weil ihn der Krappenzacher mehrmals heimlich geknufft und gezwicks hatte. Amrei starrte eine Zeit lang
träumerisch vergessen hinein in die Lichter zu Häupten der Gräber und sah staunend, wie die Flamme das Wachs auf— frißt, der Docht immer mehr verkohlt, bis endlich das Licht ganz herabgebrannt ist. a Unter den Versammelten bewegte sich auch ein Mann in vornehmer städtischer Kleidung, mit einem Band im Knopf loch; es war der Oberbaurat Severin, der, auf einer In. spektionsreise begriffen, hier das Grab seiner Eltern, Brost und Moni, besuchte. Seine Geschwister und deren Ange hörige umgaben ihn stets mit einer gewissen Ehrerbietung und die Andacht war fast ganz abgelenkt und alle Aufmerk, samkeit auf diesen Vornehmen gerichtet. ö Auch Amrei betrachtete ihn und fragte den Krappen⸗ zacher:„Ist das ein Hochzeiter?“ „Warum?“ „Weil er ein Bändel im Knopfloch hat.“ Statt aller Antwort hatte der Krappenzacher nichts Eiligeres zu tun, als auf eine Gruppe loszugehen und 3 sagen, welch eine dumme Rede da das Kind getan habe. Und mitten unter den Gräbern erschallte lautes Gelächter üb solche Albernheit. Nur die Rodelbäuerin sagte:„Ich finde das gar nicht so hirnlos. Wenn's auch ein Ehrenzeichen ist, was der Severin hat, es bleibt doch wunderlich, da auf den Kirchhof mit einer Auszeichnung herumzulaufen; da, wo lie zeigt, was aus uns allen wird, habe man im Leben Kleide von Seide oder von Zwillich angehabt. Es hat mich sche verdrossen, daß er damit in der Kirche war; so etwas man abtun, ehe man in die Kirche geht, um wie viel meht auf dem Kirchhof.“„ Die Kunde von der Frage der kleinen Amrei mußte doch auch bis zu Severin gedrungen sein, denn man sah ihn hastig seinen Oberrock zuknöpfen, und dabei nickte er nach dem Kinde hin. Jetzt hörte man ihn fragen, wer das sei, und kaum halte er die Antwort vernommen, als er auf die beiden Kinder a den frischen Gräbern zueilte und zu Amrei sagte:„Kon her, Kind, mach' deine Hand auf, hier schenke ich dir Dukaten: davon schaffe dir an, was du brauchst.“
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(Jortsetzung folgt.) 1
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