Hessen und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
Das teure Schuhzeug.
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Wir berichteten kürzlich unter dieser Uebe schrift u N eine Eingabe des Kriegsausschusses für e 15 interessen. Er erstrebte darin im Interesse der minder N bemittelten Bevölkerung eine kräftige Herabsetzung der hohen 0 Lederrichtpreise und die Aufhebung der Wohlfahrtsabgabe
der Lederfabrikanten an die Reichsmilitärkasse. 6 ö ist ihm vom Reichsamt des Innern der Besch e daß die dazu notwendigen Schritte bereits eingeleitet sind und in der Richtung der in dem Schreiben vorgebrachten Wünsche verfolgt werden. 5 8 Danach darf man wohl erwarten, daß die Preise für Leder in absehbarer Zeit so gestellt werden, e 15 Versorgung mit Schuhzeug und seiner Instandholtung zu erschwinglichen Preisen möglich sein wird. 19 5
Die Sicherung der Hinterbliebene üge.
Nach§ 1258 der Reichsversicherungsordnung erhält die invali gewordene Witwe eines verstorbenen re Me ebenso die ehelichen Kinder des Verstorbenen. Diese Bestimmung erhält infolge des Krieges erhöhte Bedeutung. Nun kann aber im Kriege der Tod eines Versicherten oft nicht festgestellt werden. Nach § 1265 der R. V. O. gilt auch ein Versicherter erst dann als ver⸗ schollen, wenn während eines Jahves keine glaubhaften Nachrichten von ihm eingegangen sind und die Umstände seinen Tod wahrschein⸗ lich machen. Nach§ 1300 verfällt aber der Anspruch auf Hinter⸗ bliebenen rente, wenn er nicht innerhalb eines Jahres nach dem Tode des Versicherten geltend gemacht worden ist. Hier klafft ein Wider⸗ spruch, den nach einer Mitteilung der Neuen Pol. Korr. einzelne Landesvexsicherungsanstalten bereits dadurch zu überbrücken suchen, daß sie Anträge auf Hinterbliebenenbezüge auch in den Fällen, in denen der Tod des Versicherten noch nicht glaubhaft nachgewiesen werden kann, sondern lediglich mit gewisser Berechtigung vermutet wird, annehmen. Den Hinterbliebenen wird in solchen Fällen ein vorläufiger, nicht berufungsfähiger Bescheid erteilt. Nach Ablauf eines Jahres wird dann der Antrag von amtswegen erneut geprüft.
Hilfe ür deutsche Gefangene in Rußland. Der Hess. Landesverein vom Roten Kreuz schreibt uns: Die kürzlich auf Veranlassung des Hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz im ganzen Hessenlande veranstaltete Sammlung zugunsten der notleidenden gefangenen Deutschen in Rußland hat ein recht 1 erfreuliches Ergebnis gehabt. Vorerst sei nur mitgeteilt, daß ein ella erheblicher Teil der Gelder dazu verwendet worden ist, 1650 in⸗ noa zwischen auch bereits nach Rußland abgegangene Liebespakete für
N deutsche Gefangene in Rußland anzuschaffen, von denen jedes einzelne Paket einen Wert von etwa 35 Mark hatte. Es wird in der Oeffentlichkeit, wie wir hoffen, allgemeine Zustimmung finden, daß wir dem Bulgarischen Roten Kreuz 2000 Mark und dem Türki⸗ schen Roten Halbmond 3000 Mark gestiftet haben. Wir berichteten kürzlich, in welcher Weise dafür gesorgt werden wird, daß alle unsere hessischen Truppen zum Weihnachtsfest rechtzeitig Liebesgaben erhalten. Es geschieht dies bekanntlich mittelst soge⸗ nannter Einheitskisten für je 100 Mann. Heute können wir weiter- hin mitteilen, daß der Landesverein— ohne dieserhalb die Zweig⸗ vereine nochmals in Anspruch zu nehmen— der Verwundeten und Kranken im Feindesland noch besonders gedenken wird durch Ab⸗ sendung von etwa 12 500 Einzelpaketchen. Jeder Kranke und Verwundete soll erhalten eine Dose Konserven(Wurst, Fleis usw.), ferner Weihnachtsgebäck oder Schokolade, Nüsse usw. un endlich einen Gegenstand, z. B. Messer, Pfeife, ein Unterhaltungs⸗ spiel, eine Mundharmonika oder Aehnliches. Die großen Geld⸗
1 summen, welche für diesen Zweck und für die zahlreichen anderen bei! Leistungen des Landesvereins vom Roten Kreuz nötig sind, ver⸗ „, danken wir der Opferfreudigkeit unseres Hessenvolkes.
Woher der Eiermangel kommt. Wie erst jetzt bekannt wird, haben die Landwirte zum Teil schon im Sommer den jüngsten Eiermangel vorbereitet. Das geschah durch den größeren Ankauf von sogenanntem Wasserglas, in das die Eier gelegt werden, um sie länger dauerhaft zu halten. In einem badischen Städtchen von 2000 Einwohnern hat ein Kaufmann in diesem Sommer das Dreifache des früheren Bedarfs umgesetzt. Im bevorstehenden Winter werden dann diese in Wasserglas gelegten Eier als frische Landeier auf den Markt gebracht und teuer verkauft. Das Geschäft über alles. i Die Verteuerung der Seife. Die Vereinigung der Seifen ⸗ sabrikanten Groß⸗Berlins gibt über die Geschäftslage folgende Auskunft:„In der Zeit von Anfang August 1914 bis No. vember 1915 stiegen die Preise der zur Hausseifenfabrikation erforderlichen Rohstoffe: technisches Fett von 50 Mark auf 300 Mark für 100 Kilogramm, technisches Oel von 52 auf 320 Mark für 100 Kilogramm. In derselben Zeit erhöhten sich die entsprechenden Fabrikpreise für frische Oberschalseife von 60 auf 220 Mark für 100 Kilogramm, grüne Faßseife von 44 auf 150 Mark für 100 Kilogramm. Demnach kosten die Rohstoffe jetzt sechsmal so viel wie zu Beginn des Krieges während die Seifenpreise in derselben Zeit noch nicht den vierfachen Betrag des früheren erreicht haben. Es wäre zu wünschen, daß behördliche Maßnahmen die eee mit billigen Rohstoffen versorgen möchten, damit die Se fen⸗ preise im Kleinhandel herabgesetzt werden ee 5 Das Recht der tot erklärten Person. Es sind schen
mehrere Fälle zu verzeichnen, in dene rice 1 05 bot erklärt worden sind und deren Witwen ins 0 0 andere Ehe abgeschlossen haben. Wie steht es 1 0 1
Ehe, kann sie angefochten werden? Die Antwort lautet: Ja:
angefochten werden inner⸗ halb einer Frist von 6 Monaten und zwak, 15 5 5 120 Ehegatten, die diese neue Ehe eingegangen en 1 5 155 erklärte, aber wieder zurückgekehrte Ehegatte das Recht 1 diese Ehe nücht anfechten. Es steht ihm nur das 5 sein Eigentum zurückzuverlangen.„ 4 5 ö Erweiterung der Fanilienunterstäcung galtaktuder die schaften und Soldaten⸗Geschwister. aft Gere Familienunterstützung der in den Diens 4115 die erer weitert worden. Zu unterstützen sind 0 b e
unfähigen Eltern und Großeltern solcher gnährer nach g 85
schaften, die im Frieden als deren 1 rhältnisse aus 105 der Wehrordnung infolge bürgerlicher 0 1 aktiven Dienst hätten entlassen gescwiter der Kriegsteil⸗ die noch nicht erwerbsfähigen Gese erwerbsunfähigen Ge⸗ ehmer unter 15 Jahren und die
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schwister über 15 Jahre, sofern die Kriegsteilnehmer zur Zeit ihres Eintritts ins Heer ihre einzigen Ernährer gewesen sind. Diese Bestimmung hat rückwirkende Kraft bis zum 1. September 1915.
Zur Beachtung! Nach sachverständigen Gutachten sind Stahlblechkessel, die innen verzinkt sind, nur zum Kochen der Wäsche, nicht aber zum Muskochen oder zum Benutzen beim Schlachten usw. geeignet, da der Zinküberguß beim Kochen von Nahrungsmitteln der Gesundheit schädliche Teile absondert. Es ist also gefährlich, solche Kessel zu derartigen Zwecken zu verwenden.
Die blamierten Friedenspropheten. Es gab mit Seher⸗ gaben ausgerüstete Weissager, die den Frieden auf den Tag vorher zu bestimmen wußten. So war der 11. November, um mit dem seligen Falb zu reden, ein kritischer Tag aller— erster Ordnung. Denn an ihm sollte, wenn auf gewisse zahlenmäßige Vorzeichen überhaupt etwas zu geben ist, von rechts wegen der Frieden abgeschlossen werden. Bereits im April dieses Jahres hatte ein mystischer Rechenkünstler folgen des ausgekünstelt: Der Friedensschluß erfolgt am 11. No⸗ vember 1915. Denn: werden die beiden Jahreszahlen 1870 und 1871 zusammengerechnet, so erhält man 3741. Die Quer⸗ summe der beiden ersten Stellen(3 7) ergibt 10, die der beiden letzten(4 7 1) 5. Der 10. im 8. ist aber das Datum des Frankfurter Friedens, der den Krieg von 1870—71 ab⸗ schloß. Das gleiche Rechenexempel für die Zahlen 1914 und 1915 ergibt den 11. im 11.(191419153829; 3.8211, 2.911). Also hätte nach ewigen Naturgesetzen am 11. 11. Frieden sein müssen. Leider richtet sich der Gang der Welt⸗ geschichte nicht nach solchen Tüfteleien. Wir wollen also lieber mit Kundgebungen und Hoffnungen warten, bis wir uns dabei auf die Kundgebungen der Obersten Heeresleitung be⸗ rufen können. Das ist das einzig Verläßliche.
— Kartoffelmehl in der Wurst. In Frankfurt hatte sich der Metzger Simon Kassel wegen Nahrungsmittelfälschung vor dem Schöffengericht zu verantworten, das ihn zu 150 Mk. Geldstrafe verurteilte. Der Metzger hatte der Rindswurst 4 Prozent Kartoffelmehl zugesetzt und versuchte dies damit zu entschuldigen, daß er behauptete, die Bei⸗ mischung von Kartoffelmehl sei bei rituell hergestellter Wurst unbedingt zum Binden erforderlich. Der Sachverständige Dr. Willecke hingegen war der Meinung, das Mehl werde zugesetzt, weil es die Wurst befähigt, größere Mengen Wasser aufzunehmen. Auf jeden Fall darf es nicht in solchem Maß⸗ stabe verwendet werden und dann muß die Verwendung den Käufern durch Plakat mitgeteilt werden.— Bei dieser furcht⸗ baren Teuerung auch noch Verfälschung der Lebensmittel! Solche gemeine Betrügereien sollten ganz empfindlich bestraft und die Uebeltäter regelmäßig öffentlich bekannt gegeben werden. Das Publikum sollte aber alle derartigen Fälle un⸗ bedingt zur Anzeige bringen.
— Traurige Folgen niedriger Verdächtigung. Der Vor⸗ wärts vom Samstag berichtet: Durch ein anonymes Schreiben ist wieder einmal eine bisher harmonisch verlaufene Ehe zerstört worden.„Gefällige Nachbarn“ hatten dem im Felde stehenden Musketier Schlewinski berichtet, daß seine Frau, die ein Plättgeschäft betreibt, es mit der ehelichen Treue nicht genau nehme. Schlewinski benutzte einen ihm erteilten Ur⸗ laub, um am Freitag vormittag seine Frau durch zwei Schüsse in die Schläfe zu töten. Dann entleibte er sich selbst durch einen Brustschuß. Das Ehepaar hinterläßt einen 1½ jährigen Sohn, der durch eine schofle Handlung eines Unbekannten seiner Eltern beraubt wurde.
— Auszahlung von Quartiergeld. Die Vergütungen für die im Monat Oktober in Bürgerquartieren unterge⸗ brachten Mannschaften des Landsturm⸗Infanterie⸗Ersatz⸗ Bataillons J Gießen(1.—4. Kompagnie) werden bezahlt: an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit AK Donnerstag, den 25. November 1915, IL-2 Freitag, den 26. November 1915, jedesmal von 8—12 Uhr vormittags und 2—5 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Es wird dringend ersucht, die Beträge an genannten Tagen abzuholen.
— Feiertag. Wie vom Hauptsteueramt mitgeteilt wird, sind dessen Geschäftsräume am kommenden Donnerstag wegen Geburtstag des Großherzogs geschlossen.— Auch die Post hat an diesem Tage Dienst wie an Sonntagen.
— Siegestrophäen. Im Hofe der alten Klinik sind gestern vormittag zwei erbeutete Geschütze zur Aufstellung gelangt.
— Neue Bücher.„Herzen im Kriege“. Unter diesem Titel ist als Einmarkband der Vorwärts⸗Bibliothek eine Sammlung guter Schilderungen und Geschichten vom Kriege erschienen. Wir brauchen dringend Bücher mit denen sich dem andrängenden Schwall einer Kriegsschundliteratur entgegenwirken läßt. Hier ist nun ein solches Buch zur Abwehr. Hervorragende Autoren vereint es: Von Deutschen Lilieneron, Fontane, Schönaich-Carolath, E. v. Bergmann, Ratzel; von Franzosen und Belgiern Zola, Maupassant, Lemonnier; von Russen Tolstoi, Garschin, Turgenjew; endlich den Amerikaner Walt Whitmann. Das Buch geht darauf aus, den Menschen zu zeigen, der das schwere Schicksal Krieg zu bestehen hat. Ausgewählt und zusammengestellt hat den Inhalt Genosse Franz Diederich. Ein zweiter Band wird diesem ersten schnell folgen. Die gut Ausstattung und die Wohlfeilheit der Vorwärts⸗Bibliothek(ge⸗ bunden 1 Mark) ist bekannt. Auch dieser neue Band eignet sich gut zu Geschenkzwecken.
Ersatz für reklamierte Arbeiter und Angestellte. Das stellver⸗ tretende Generalkommando des 18. Armeekorps hat folgendes Rundschreiben erlassen: Nach einer Mitteilung des Mitteldeutschen Arbeitsnachweisverbandes Frankfurt a. M. sind diesem gemäß Verfügung des Kriegsministeriums vom 21. 9. 15 Nr. 77/915 A. Z. (S.) aus dem Bereiche des 18. A.⸗K. in der Zeit vom 8.—22. Okto⸗ ber d. J. 116 Neklamationsgesuche überwiesen worden, die im ganzen 333 Angestellte und Arbeiter betrafen. Infolge des außerordentlichen Mangels an Facharbeitern ist es dem Arbeits⸗ nachweisverband in den meisten Fällen nicht gelungen, Ersatz zu beschaffen, jedoch wäre es wohl möglich eus en einen Teil der Leute zu vermitteln, wenn sich die betreffenden Firmen recht⸗ zeitig an den Arbeitsnachweisverband gewandt hätten und wenn diesem die Fälle bekannt gewesen wären, in denen es sich um Er⸗ satzbeschaffung für reklamierte Leute, also um eine eme Berücksichtigung, handelte. Es wird daher gebeten, die Firmen zu veranlassen, sich wegen Ersfatzbeschaffung für kriegsverwendungs⸗ fähige Leute rechtzeitig an den zuständigen Arbeitsnachweis⸗ verband zu wenden, da bei der großen Schwierigkeit der Ersatzbe⸗ schaffung und der Notwendigkeit vieler schrlftlicher und tele⸗ phonischer Rückfragen eine längere Zeit, mindestens 8—14 Tage zur Verfügung stehen muß. Nür in diesem Falle können die Möa⸗
Uichketten der Ersatzbeschafsung einsgermaßen erschopft werden, Ferner sind die Firmen zu veranlassen, sich jeweils an die zu⸗ ständigen mit der oben genannten Verfügung mitgeteilten Ar⸗ beitsnachweisverbände zu wenden. 5
Russische Silberrubel als Drei⸗Markstücke befinden sich, wie dem Darmst. Tagbl. geschrieben wird, jetzt sehr zahlreich im Ver⸗ kehr. Durch die russischen Kriegsgefangenen ist diese Münzsorte in vermehrtem Maße nach Deutschland gekommen, auch die Be⸗ satzung von Polen nimmt sie ahnungslos als Drei⸗Markstück an und gibt sie in der Meinung weiter, daß es deutsche„Taler“ seien. So gelangten sie bis in die Provinzen, und die Reichspost, die Banken und andere Verkehrsinstitute haben große Mühe, sie bei den Einzahlungen herauszufinden und zurückzuweisen. Da der russische Rubel nur einen Kurswert von etwa 1,50 Mark hat, so sei man, will man sich vor Verlust schlitzen, bei der Annahme von Drei⸗ Markstücken sehr vorsichtig. Erwähnt sei hierbei, daß sich jeder, der wissentlich einen rufsischen Silbexrubel als Drei⸗Markstück in Ver⸗ kehr bringt, strafbar macht, da dies offensichtlicher Betrug ist.
Kein Bieraufschlag. In der Versammlung Frankfurter Gast⸗ wirte(freie Innung) berichtete der Bierausschuß über seine Tätig⸗ keit. Vorerst ist für Frankfurter Bier noch kein Aufschlag in Aussicht, da die Frankfurter Brauereien noch keine dahingehenden Beschlüsse gefaßt haben. Scharf wurde das Vorgehen der Mün⸗ chener Brauereien getadelt, die ohne vorherige Anzeige den Bier⸗ preisaufschlag eintreten ließen.
Postverkehr mit der Türkei. Der Postanweisungs⸗ und Nach⸗ nahmedienst mit der Türkei wird wieder aufgenommen. Der Meist⸗ betrag einer Postanweisung ist von 500 Fr. auf 1000 Fr. erhöht worden. Der Meistbetrag der Nachnahmen(500 Fr. bezw. 400 Mk.)
bleibt unverändert.
— Stadttheater. Nochmals sei auf die Festvorstellung zu Großherzogs Geburtstag hingewiesen, die eine wohlvorbereitete Aufführung des Laube'schen Schauspiels„Die Karlsschüler“ bringen wird. Unter der Spielleitung von Direktor Steingoetter sind in Hauptrollen beschäftigt die Herren Hellmuth, Steinhöfer, Goll, Theiling, Dworkowski und Eugens, sowie die Damen Rubens, Frenzel, Schild und Petri.
Areis Wetzlar.
Butter⸗Höchstpreise im Kreise Wetzlar. Für den Kreis und die
Stadt Wetzlar sind vom Landrat folgende Höchstpreise für Butter festgesetzt: 1. für Land butter: Verkaufspreis für den Hersteller bet Abgabe an den Verbraucher 1,80 Mk. für das Pfund, Verkaufs⸗ preis flir Händler bei Abgabe am den Verbraucher 1,90 Mk. für das Pfund. 2. Molkereibutter: Verkaufspreis für Hersteller bei Abgabe an den Verbraucher 2,20 Mk. für das Pfund, Verkaufspreis flir den Händler bei Abgabe an den Verbraucher 2,40 Mk. für das 9105 3. Auslands butter: für das Pfund 2,55 Mk. Nach
10 der Bekanntmachung vom 22. Oktober 1915 gilt als Kleinhandel er Verkauf an den Verbraucher, soweit er nicht eine Menge von mehr als 10 Pfund zum Gegenstand hat. Unter Molkeresbut⸗ ter wird die in Meiereien, im Süßrahmverfahren gewonnene Butter verstanden. Alle übrige Butter, auch wenm sie 5 den Walterschen Kühl⸗ und Aufrahm⸗Apparat oder im Zentrifugal⸗Ver⸗ fahren gewonnen ist, gilt als Landbutter. In dem Höchstpreise einbegriffen ist die Verbringung der Butter nach dem Haufe des Verbrauchers oder Händlers.
Diese Höchstpreise treten sofort in Kraft. Ueberschreitungen des festgesetzten Höchstpreises werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre oder mit Geldͤstrase bis zu 10 000 Mark bestraft. Außerdem werden Butter⸗Erzeuger oder Händler, welche die von ihnen zur Veräußerung hergestellte oder erworbene Butter zurückhalten, um durch ihre Veräußerung einen übermäßigen Gewinn zu erzielen mit der gleichen Strafe bedroht.
Von Nah und Fern.
Unfälle. Am Freitag abend wurde zwischen Cronberg i. T. und Oberhöchstadt eine Frau vom Zuge überfahren und ein Arm vom Rumpfe getrennt. Die Verunglückte, die Frau des Justizrats Handschuh aus Königstein, wurde in das Höchster Krankenhaus ge⸗ bracht.— Im Kupferwerk in Heddernheim geriet am Samstag der neunzehnjährige Arbeiter Karl Hoßmann aus Bad Homburg in das Getriebe einer Drahtmaschine, wobei ihm ein Bein abgequetscht wurde. Außerdem erlitt er so schwere innere Verletzungen, daß 1 0 nach wenigen Augenblicken der Tod an der Unfallstelle ein⸗ vat.
S Darmstadt, 20. Nov. Weibliche Briefträgerinnen ind seit kurzem bei der Reichspost eingestellt und haben nach ihrer
usbildung in einzelnen Stadtteilen den Briefbestelldienst ausge⸗ führt. Sie tragen Postmütze und Postbinde um den linken Arm.
Babenhausen, 22. Nov. Ein durch Brandstiftung angelegtes Großfeuer zerstörte das gesamte Anwesen der Wirtschaft zum„Un⸗ teren Stadel“. Als mutmaßlicher Brandͤstifter wurde ber Tage⸗ löhner Schedel verhaftet.
Dieburg, 22. Nov. Die vor einigen Tagen auf dem Bahngleis zwischen hier und Altheim aufgefundene Leiche wurde als die Frau 91 zur Zeit im Felde stehenden Landwirtes aus Dieburg er⸗ mittelt. a
Gabsheim, 22. Nov. In glücklicher Lage ist die hiesige Gemeinde. Trotz des Krieges, der an alle Kommunen besonders hohe Anfor⸗ derungen in finanzieller Hinsicht stellt, ist man hier in der beneidens⸗ werten Lage, für das laufende Rechnungsjahr 1915 die Gemeinde⸗ steuern um volle 52 Prozent herabzusetzen. Während im Jahre 1914 noch 145 Prozent der Staatssteuer als Gemeindeumlagen erhoben
wurden, die letzteren also die direkten Staatssteuern um 45 Prozent
übertrafen, kommen in diesem Jahre nur 93 Prozent zur Erhebung.
Worms, 22. Nov. Der 38 Jahre alte Hilfsschaffner Georg Weber von Frettenheim ist in Pfeddersheim beim Rangieren über⸗ fahren und getötet worden.— Er hinterläßt eine Frau mit drez kleinen Kindern.
Tigesherigleder Grosen gaupthuurtien.
In der Champagnelebhafte Artillerietätigkeit Die serbischen Nachhuten geworfen; über 2600 Gefangene.
W. B. Großes Hauptquartier, 22. Nov., vorm.(Ans lich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Keine wesentlichen Ereignisse. Die feindliche Artillerie zeigte lebhafte Tätigkeit in der Champagne zwischen Maas und Mosel und ösltlich von Luneville.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein schwacher russischer Vorstoß gegen den Kirchhof von Illuxt(nordwestlich von Dünaburg) wurde abgewiesen. Balkan. Bei Sacanica(im Ibartal) wurden sämtliche Nachhuten zurückgeworfen.
Der Austritt in das Labtal ist beiderseits von Podulevg
erzwungen.
Gestern wurden über zweitausendsechshundert Gefangene gemacht, sechs Geschütze, vier Maschinengewehre und zahl⸗ reiches Kriegsgerät erbeutet. Im Arsenal von Novpipazav fielen fünfzig große Mörser und acht Geschütze älteren Fertigung in unsere Hand. Oberste Hreresleitung.


