0 1
Hessen
15 Gießen und umgebung.
—
1
Die Erhöhung der Fauilienunterstüzung.
2
N N Wir berichteten schon, daß die vom Reich gewährte Unter— 0 stützung der Angehörigen der Kämpfer erhöht worden ist l. und zwar für Ehefrauen auf 15 Mk., für Kinder und sonsti e N Berechtigte auf 7,50 Mark. Wie bekannt, zahlt das Reich diese 0 Unterstützungen seinerseits vorläufig nicht aus, sondern 115 8 Städte und Gemeinden, die sogen.„Lieferungsverbände“ 0 müssen die Summen nun schon während der ganzen Kriegs⸗ N zeit vorschußweise auslegen, was manchen recht schwer fällt 0 der preußische Minister des Innern hat seiner Verfügung „ aausführlich die Anweisungen beigegeben, nach denen gegen l die Kriegerfamilien mit möglichstem Wohlwollen zu ver⸗ 4 fahren ist, und denen wir folgende Sätze entnehmen:
*„Die Erhöhung der Mindestsätze darf von den Liefe⸗ n rungsverbänden nicht etwa als Anlaß angesehen werden, ein nunmehr die von ihnen bisher gewährten Zuschüsse ent⸗
sprechend herabzusetzen. Die Maßnahme bezweckt keineswegs eine Entlastung der Lieferungsverbände, sie soll vielmehr den Familien von Kriegsteilnehmern in vollem Umfange zugute kommen. Die Lieferungsverbände müssen daher die ihnen hierdurch erwachsenden Mehrausgaben bis zur Er⸗ stattung durch das Reich ganz auf sich nehmen. Im übrigen gibt mir die Tatsache, daß bei den Zentralinstanzen täglich zahlreiche Beschwerden von unterstützungsberechtigten Ehe⸗ frauen und anderen Angehörigen von Kriegsteilnehmern einlaufen, die nicht immer für unbegründet erachtet werden können, Veranlassung, erneut darauf hinweisen, daß eine von jeder Engherzigkeit freie Prüfung der Bedürftigkeitsfrage ein dringendes Erfordernis ist. Nur bei wohlwollender Prüfung der gestellten Unterstützungsanträge wird erreicht werden, daß von dem vor dem Feinde stehenden Ernährer der Familie das seine Nervenkraft beeinträchtigende Gefühl ferngehalten wird, für seine Angehörigen werde nicht ge⸗ nügend gesorgt. Die Lieferungsverbände genügen ihren Verpflichtungen nicht schon, wenn sie von den Familien der Krieger die unmittelbare Not fernhalten, sondern sie sind darüber hinaus verbunden, ihnen— wenn auch naturgemäß in bescheidenen Grenzen— ein Leben zu gewährleisten, das neben der Existenz der Familie auch die Möglichkeit der Er⸗ ziehung der Kinder durch die Mutter bei Abwesenheit des Vaters gestattet. Daß hierzu, wenn nicht andere Einnahme⸗ quellen hinzutreten, die Mindestsätze trotz der Erhöhung bei den gegenwärtigen Teuerungsverhältnissen häufig nicht hin⸗ n N reichen werden, liegt auf der Hand... Ich ersuche die Liefe⸗ man rungsverbände, gefälligst erneut auf vorstehende Gesichts⸗ ö punkte hinzuweisen und erwarte, daß sie sich eine sorgfältige und wohlwollende Prüfung der Gesuche um Familienunter⸗ stützung angelegen sein lassen, damit die Kampfesfreudigkeit unserer Soldaten unter allen Umständen erhalten bleibt.“
— Nach den Friedhöfen bewegte sich am gestrigen Toten⸗ sonntage eine wahre Völkerwanderung. Tausende besuchten die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen, um- Kränze niederzulegen oder sonstigen Schmuck anzubringen. Der Be⸗ such des neuen Friedhofs war so stark, daß die Straßenbahn verstärkten Betrieb eingerichtet hatte. Begünstigt wurde der Massenbesuch durch das für diese Jahreszeit ausnahmsweise schöne, trockene Wetter, das jedenfalls viele hinauslockte, die sonst zu Hause geblieben wären. Auch viele der Krieger⸗ gräber waren geschmückt, die deutschen sämtlich, auch einige der ausländischen. Es liegen bis jetzt etwa 200 ausländische und deutsche Kriegsteilnehmer hier begraben.
— Kreiswahlverein Gießen. Für Sonntag, 5. Dezember, nachmittags, ist eine Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshause in Gießen geplant, in welcher über den jetzigen Stand der Parteiorganisation berichtet und daß sonstige Parteiangelegenheiten besprochen werden. Es wird jetzt schon auf diese Versammlung hingewiesen und er⸗ wartet, daß sich die noch anwesenden Genossen dazu einfinden.
— Gefallene aus Oberhessen und* Wehrmann Karl Strauch aus Gießen, Inf Reg. 1 115 Landstürmer Karl Scheld aus Gießen, W 1 — Musketier Karl Burk aus Hausen, Inf.⸗Reg. 253. 5 Landstürmer Joh. Friedr. Schmidt, e 13 Lich, Res.⸗Inf.⸗Reg. 221.— Füsilier Heinrich§. 17255 n aus Alsfeld, Füs.⸗Reg. 35.— Landstürmer Isidor 25 5 aus Wetzlar, Inf.⸗Reg. 221.— Wehrmann Andreas 9 1 mehl aus Lauterbach.— Musketier Joh. Gg. Seibert aus Lauterbach, Inf-⸗Reg. 168.— Enten ee e Müller aus Schlitz, Inf.⸗Reg. 116.— Reservist d Pflanz aus Queck, Inf.⸗Reg. 165.
— Schwindel mit Seife. fen bandes der Seifenfabrikanten, Der Seifense a 5 Beitrag: en 200 immer wieder 10 b L eine gefüllte Seise(das heißt solche, aun wie eine reelle Seife, zugesetzt sind Red.) nicht dasselbe leisten i bn der eiten so kann doch nicht bezweifelt werden, daß die 8 ian degehelte steht. nicht ganz im Brhältnis zur Abnahme des 11 9 Waschwirkung⸗ Zunächst besitzen die meisten Füllstoffe eine 1 15 neuipdle Seisen wenn sie auch die Wäsche stärker angreifen 0 bie Faptikation Es läßt sich also gar nicht bestreiten, daß 1 ore möglich ist füllter Seifen eine gewisse Streckung eli 9 aber in en und auch durchgeführt werden muß. e erhoben werden, lichen Interesse endlich die energische For daß die Streckung nicht daß der Staat die Verbraucher schützt, 1 und gin e lediglich zum Vorteil gewissenloser Schwir letzter Zeit bekannt ge⸗ der Allgemeinheit ausgenutzt wird. e scheinbar billig, in wordenen Fälle, in denen hochgefüllte Feichrehrfachen ihres Wirklichkeit aber zum Doppelten oder ren zu der Forderung, wahren Wertes verkauft wurden, 0 Fettsäuregehalt 991 Haß unbedingt ein Deklarationszwang sur führt wird. In Frie⸗ Waschmitteln von behördlicher Seite eigeschführbar erklart, 8 Henszelten hat man das vielfach für undur für Seifenpulver ist die Festsetzung einer Begriffebestmm zn 195 jezigen Zei, in einerzeit an bieser Klippe gescheitert, deren Fragen an das Ein⸗ belcher wir uns in noch piel einschneidenden die bisher geltend ge⸗ greifen des Staates gewöhnt haben, mühe gesamte anständige zachten Gegenstände verstummen. 4 mit allem Nachdruck Zelsenindustrie und ihre Vertretungen do für einen garantierten
r eintreten, daß der Deklaratlonszwang, damit nicht zum een barcher aeellen Fabrikanten eine Anzahl aden des Publikums un
„
rt das Organ des Ver⸗ fabrikant, einen neuen
und Nachbargebiete.
von Gaunern und Wucherern das Geschäft an sich reißt.— Dieser Forderung kann man nur zustimmen.
„— Eine Enttäuschung. Kürzlich hieß es, die Regierung beab⸗ sichtige dem Reichstage eine Vorlage zu unterbreiten, die bei der Altersversicherung die Herabsetzung der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre bezwecke. Nach einer neuen Meldung hat aber der Bun- desrat seine Genehmigung zu der Einbringung der Vorlage ver⸗ weigert, das heißt, er ist gegen die Herabsetzung. Das ist natürlich eine bittere Enttäuschung, und in der Arbeiterpresse hat es an scharfer Kritik denn auch nicht gefehlt. In seiner Nr. 47 kommt auch Der Tabak⸗Arbeiter auf diese Angelegenheit zu sprechen. Unter anderem schreibt das Blatt:„Der Reichstag wird die Ange⸗ legenheit gründlich prüfen müssen. Freilich kommt er zu dem Be⸗ schluß, die Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabzusetzen, dann bleibt noch die Zustimmung des Bundesrats übrig. Nachdem der letztere jetzt einen ablehnenden Beschluß gefaßt hat, ist es zweifel⸗ los, ob er dann einem derartigen Beschluß des Reichstages zu⸗ stimmen würde, der das Gegenteil will, was der Bundesrat be⸗ schloß. Allein, das darf den Reichstag nicht abhalten, die not⸗ wendige Verbesserung des Gesetzes zu beschließen. Die Verant⸗ wortung für die Unterlaffung hätte dann nur die Regierung. Nach⸗ dem der Bundesrat bis jetzt auch nicht der in der letzten Tagung des Reichstages beschlossenen Verbesserung des Reichsvereins⸗ gesetzes zugestimmt hat, würde die Ablehnung der sozialreformeri⸗ schen Aenderung des Altersrentengesetzes nur ein neuer Beweis sein, daß man von der angekündigten„Neuorientierung der inneren Politik“ nichts besonderes zu erhoffen hat. Denn wenn das am grünen Holze der vielgerühmten Sozialreform geschähe, was soll da aus dem dürren Holze der inneren Politik werden!“
— Verteuerung der Schulbücher. Die Hauptversammlung des Deutschen Verlegervereins hatte beschlossen, eine Erhöhung der Schulbücherpreise durchzuführen. Die Schulbuchverleger haben deshalb an die Regierungen der Bundesstaaten Eingaben gerichtet, die fast ausnahmslos abschlägig beschieden wurden. Die Regier⸗ ungen haben vielmehr die Schulbehörden angehalten, mit Rücksicht auf die allgemeine wirtschaftliche Lage von der Einführung neuer Schulbücher abzusehen. Jetzt fordert die Vereinigung der Schul⸗ buchverleger ihre Mitglieder durch Rundschreiben auf, an die zu⸗ ständigen Behörden nochmals heran utreten, um eine zehn⸗ prozentige Erhöhung der Preise durchzusetzen. Aus den bisher eingegangenen Antworten ist zu entnehmen, daß die maßgebenden Stellen sich, wenn auch nicht ohne Vorbehalt, doch meist in zustimmendem Sinne äußerten. Zu den teuern Nahr⸗ ungsmitteln und Kleidungsstücken kommen nun auch noch ver⸗ teuerte Schulbücher. Wenn die Behörden mit der Preiserhöhung einverstanden sind, dann müßten sie mindestens dafür sorgen, daß ein vielbeklagter Uebelstand, die oft zu rasche Aufeinanderfolge neuer Auflagen, die damit verbundenen fortwährenden Aender⸗ ungen im Texte, der häufige Wechsel der Lehrbücher und die da⸗ durch bedingte Unmöglichkeit, die Schulbücher der älteren Kinder für die füngeren zu verwerten, beseitigt oder doch eingeschränkt wird. Die für den Ausbau der Schule ungemein wichtige Lern⸗ mittelfrage wird erst dann als gelöst betrachtet werden können, wenn die Bücher und sonstigen Ütensilien aus öffentlichen Mitteln den Kindern gegeben werden.
— Diebstähle. Vor einigen Tagen wurde an dieser Stelle über einen Dieb berichtet, der die Hausfluren und Wirtschaften heimsuchte. Am Freitag abend hat sich derselbe wieder in gleicher Weise bemerkbar gemacht: es fiel ihm dabei ein Marengo- Ueber⸗ zieher mit seidenen Spiegeln und schwarzseidenem Futter im Werte von 85 Mk. in die Hände. Sachdienliche Mitteilungen er⸗ bittet die Kriminalpolizei Gießen. ö
— Strafkammer Gießen. In der Sitzung am Freitag wurde der in den zwanziger Jahren stehende Eisenbahnbeamte B. aus Lauterbach wegen Verbrechen im Sinne des§ 1761 zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.
d. Alsfeld. Die Kartoffelhöchstpreise sind für den Kreis Alsfeld festgesetzt wie folgt: Beim Verkauf durch den Erzeu⸗ ger 6,10 Mk. für den Doppelzentner frei nächster Bahnstation; im Kleinhandel bei Abgabe in Mengen von einem Zentner bis zehn Zentner 3,50 Mk. für den Zentner, bei Mengen unter einen Zentner 4 Pfennige für das Pfund.
— Kontrollversammlungen in Alsfeld finden kommenden Dienstag und Mittwoch, 23. und 24. November auf dem Lindenplatze statt. Am Dienstag vormittag 9 Uhr erscheinen die Mannschaften der Reserve, Land⸗ und Seewehr I und II, sowie des ausgebildeten Landsturms aller Waffen, und sämtliche Ersatz⸗ rekruten. Militärpflichtige, welche die Entscheidung:„zuxück bis zur nächsten Musterung“ erhalten haben, brauchen nicht zu erscheimen. Ferner haben sämtliche Ersatzreservisten, die zur Verfügung der Ersatz⸗ behörden entlassenen Mannschaften, sowie alle dem Heere und der Marine angehörenden Personen, die sich zur Erholung, wegen Krank⸗ heit oder auf Grund häuslicher Verhältnisse usw. auf Urlaub be⸗ finden, zu erscheinen. Dienstag, nachmittags 2 Uhr alle unausgebil⸗ deten Landsturmpflichtigen— ausschließlich derjenigen, die an der D. U⸗Muste rung teilgenommen haben— einerlei, welche Entschei⸗ dung sie erhalten haben, die in den Jahren 1896 und 1894 bis 1876 einschließlich geboren sind. Mittwoch, vormittags 9 Uhr alle un⸗ ausgebildeten Landsturmpflichtigen, die in den Jahren 1875—71 ge⸗ boren sind; Mittwoch, nachmittags 2 Uhr alle unausgebildeten Land⸗ sturmpflichtigen, die in den Jahren 1870 und 1869 geboren sind. Ausgenommen bleiben jedesmal diejenigen, welche die Entscheidung: „dauernd weder seld⸗ noch garnisondienstfähig, zeitig untauglich und dauernd untauglich“ erhalten haben.
Kreis Wetzlar.
— Kontrollversammlungen für den Kreis Wetzlar finden statt: Dienstag, 23. November, vormittags 8½ Uhr auf dem Platze des Turnvereins am Goldfischteich: 1. sämtliche nicht eingestellten Unter⸗ offiziere und Mannschaften des gedienten Landsturms 2. Aufgebots; 2. die ehemaligen gedienten„Dauernd Untauglichen“, die bei der D. U⸗Musterung als kriegs⸗ garnison⸗ und arbeitsverwendungs⸗ fähig oder zeitig kriegsunbrauchbar befunden worden sind.— Die nicht eingestellten Mannschaften des ungedienten Landsturms 1.(ein⸗ schließlich die ehemaligen dauernd Untauglichen) und 2. Aufgebots, welche bei den Musterungen für kriegs⸗, garnison- und arbeitswer⸗ wendungsfähig befunden worden sind, haben in Wetzlar auf dem Platz des Turnvereins(Goldfischteich) wie folgt zu erscheinen: am 24, November 1915, vormittags 8,30 Uhr; die in den Jahren 1888 1896 geboren sind; am 24. November 1915, nachmittags 3 Uhr die in den Jahren 1882 bis 1887 geboren sind; am 25. November 1915, vormittags 8,30 Uhr die in den Jahren 1878—1881 geboren sind; am 25. November 1915, nachmittags 3 Uhr die in den Jahren 1875 bis 1877 geboren sind; am 26. November 1915, vormittags 8,30 Uhr die in den Jahren 1872—1874 geboren sind, am 26. November 1915, nachmittags 3 Uhr die in den Jahren 1869 bis 1871 geboren sind.
— Schlimme Folge eines Streites. Vor einigen Wochen kam der 16jährige August Becker in Niedergirmes mit Kamneraden in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Dabei erhielt B. eine Ver⸗ letzung am Kopfe, an der er nun in der Gießener Klinik ge⸗ storbenm ist.
Von Nah und Fern.
Bestrafte Milchpantscher. Das Landgericht Dresden verur⸗ teilte 11 Milchhändler wegen sortgesetzter Verfälschung der Milch zu Geld- und Gefängnisstrafen von einer Woche und 50 Mark bis zu einem Monat und 500 Mark. In allen Fällen wurde neben der Geldstrafe auf Gefängnis erkannt. Die Milchfälscher hatten schon auf den Bahnhöfen bei Empfangnahme der Milch diese abgerahmt und zwar in solchem Umfange, daß einzelne Händler da⸗ durch einen täglichen Gewinn von 12 Mark erzielten. Die ver⸗ schlechterte Milch wurde als„beste“ Sorte verkauft.— In Graz (Desterreich) wurde der Milchgroßhändler Heinrich Neddel⸗
meyer wegen Milchfälschungen zu sechs Jahren schweren Kerkers verurteilt.— Er hatte gewässerte Milch an Militär⸗
hospitäler gellesert.
Tagesbericht des Großen Hauptauartiers.
Abgeschlagener Seeangriff in Westende. Weitere 2800 Serben gefangen. W. B. Großes Hauptquartier, 20. Nov., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, Feindliche Monitore, die Westende beschossen, zogen sich vor dem Feuer unserer Küstenbatterien wieder zurück. An der Front stellenweise lebhafte Artillerie-, Minen⸗ und Handgranatenkämpfe. Oestlicher Kriegsschauplatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Balkan. i Novavarow, Sjenica und Raska sind besetzt. Im Ibar⸗ tale ist Dren östlich des Kopaonik und Prepolac erreicht. Zweitausendachthundert Serben wurden gefangen genommen, vier Geschütze wurden erbeutet. Oberste Heeresleitung.
8 Novipazar besetzt. W. B. Großes Hauptquartier, 21. Nov., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz, An der Bahn Ypern—Zonnebeke gelang eine größere Sprengung unserer Truppen in der feindlichen Stellung. Französische Sprengungen südöstlich von Souchez
und bei Combres hatten keinen Erfolg. Bei Souchez
kamen wir den Franzosen in der Besetzung des Spreng⸗ trichters zuvor und behaupteten ihn gegen einen Angriffs. versuch.
Auf der übrigen Front au verschiedenen Stellen lebhafte Feuerkämpfe.
Unsere Flugzeuge warfen auf die Bahnanlagen von Poperinghe und Furnes eine größere Zahl Bomben ab; es wurden Treffer beobachtet.
*
Der engli sche Oberbefehlshaber sagt in seinem Bericht vom 15. Oktober über unseren Angriff süd⸗ westlich von Loos am 8. Oktober, daß nach zuverlässigen Schätzungen 8000 bis 9000 gefallene Deutsche vor der eng⸗
lisch französischen Stellung gelegen hätten. Diese Behauptung
ist freie Erfindung. Unser Gesamtverlust an
Gefallenen, Vermißten und an ihrer Verwundung Erlegenen
betrug 763 Mann.„
8 Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Balkankriegsschauplatz.
Deutsche Truppen der Armee des Generals von
Koeveß haben Novipazar besetzt. Die Armee des Generals von Gallwitz und der rechte Flügel der Armee des Generals Bojadjieff kämpfen um den Austritt in das Lab⸗ Tal nördlich von Pristina.
Die Zahl der am 19. November gefangen genommenen Serben erhöht sich auf dreitausendachthundert, gestern wurden über viertausendvier hundert Mann gefangen genommen. Oberste Heeresleitung.
* Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Der Kampf um's Amselfeld. Wien, 21. Nov.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbartz 21. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz.
Im Wolhynischen und am Styr stellenweise Geschützfeuer, wo⸗ bei die Russen Gasbomben verwenden. Sonst keine besonderen
Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Italiener haben neuerdings Streitkräfte von der Tiroler Front ins Görzische gebracht. Unter Einsatz solcher Verstärkungen greift der Feind den ganzen Görzer Brückenkopf neuerlich au. Vor dem Monte Sabotino brachen mehrere Vor⸗ stöße in unserem Feuer zusammen. Im Abschnitte von Osla⸗ vija gelaug es dem Gegner, in unsere Vertieidigungslinie einzudringen. Ein Gegenangriff brachte jedoch diese Stel⸗ lung mit Ausnahme einer Kuppe nordöstlich des Ortes, um die noch gekämpft wird, wieder in unseren Besitz. Drei feindliche Vorstöße gegen Peuyma miß langen unter schweren Verlusten. Besonders heftige Angriffe waren auch diesmal gegen die Pod⸗ gora gerichtet. Auch hier wurden die Italiener blutig abge⸗ wiesen. Der Raum beiderseits des Monte San Michele stand unter starkem Artilleriefener. Nachmittags gingen am Nordhange des Berges bedeutende feindliche Kräfte vor. Ihr Angriff scheiterte in unserem Kreuzfeuer. Das gleiche Schicksal hatten mehrere Vorstöße gegen den Abschnitt von San Martino und nördlich des Görzer Brückenkopfes— gegen die Straßensperre bei Zagorg. In Tirol schlugen die Verteidiger des Col di Lang zwei italienische Angriffe auf die Spitze dieses Berges ab.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Eine österreichisch⸗ungarische Kraftgeuppe erzwang sich gegen⸗ über den nördlich von Cajnica eingenisteten Montenegrinern den Uebergang über die obere Drina. Novipazar wurde von deutschen Truppen besetzt. Oestlich davon warf im Ibar⸗Tal eine österreichisch⸗ungarische Kolonne den Feind zurück. Die Zahl der in diesem Raum gestern eingebrachten Gefangenen über⸗ steigt 2000. An den Eingängen des Amselfeldes wird heftig ge⸗
kämpft. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. *
Zur Lage in Serbien.
Der Berl. Morgenp. wird aus dem K. und gd. Kriegs pressequartier unterm 20. d. M. gemeldet: Scharen von Ueber— läufern, die sich vom Groß der übergetretenen Truppen ab— lösten, wie sie erklärten, um nicht auf fremdem Boden kämpfen zu müssen, berichteten, daß der Rückzug nach Montenegro ein trauriges Bild biete. Mühsam nur geht es in den un⸗ wirtlichen Bergen vorwärts und mit der Verpflegung steht es außerordentlich schlecht. Das gesamte alte Königreich Serbien ist in der Hand der Verbündeten. Nachdem bereits die Bulgaren den Gegner aus dem ganzen Südosten ver trieben haben, ist nun auch das gesamte Grenzgebiet bis in den Raum östlich des Metalka-Sattels im bosnisch-montene⸗ grinisch⸗serbischen Winkel vollständig von den Serben ge⸗
säubert. Der Abstieg von den Gipfeln aus der Sandschak⸗


