Ausgabe 
18.11.1915
 
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eutsprochen wird.

den, ehe ein zerstörtes Anwesen wieder

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i Eine Kriegslüge.

Der Pariser Temps veröffentlicht einen Artikel des Glos Polski, der an die Leichtgläubigkeit seiner Leser ganz besondere Zumutungen stellt. Nach ihm soll in Wilanow, dem berühmten Schloß des Königs Sobieski bei Warschau, ein ganzes bayerisches Armeekorps lagern. Um das Schloß zu verwalten, sei eine Kommission von Zivil- und Militärbeamten gebildet, an deren Spitze der Konservator der Ber⸗ liner Museen von Erdmann stehe. Dieser Herr habe sämtliche Sammlungen, Bilder und sonstige Kunstgegenstände in Kisten ver⸗ packen lassen und nach Berlin geschickt, angeblich, um sie genau zu untersuchen..

Diesen Lügen gegenüber wird amtlich festgestellt:

1. Der Besitzer von Wilanow, Graf Kaver Branicki, hat vor dem Einmarsch der deutschen Truppen die berühmten Sammlungen des Schlosses nach seinem Stadtpalais in Warschau(Neue Welt 18) schaffen lassen, um sie den Gefahren eines Gefechtes zu entziehen.

2. Niemals hat ein bayerisches Armeekorps in oder bei Wila⸗ now gelagert.

3. Das Schloß Wilanow und der Park sind ganz unversehrt, ebenso die nach Warschau übergeführten Kunstsammlungen.

4. Einen Konservator der Berliner Museen namens von Erd⸗ mann gibt es überhaupt nicht. Weder im Staatsdienst noch im städtischen, noch im Privatdienst oder auch nur in der deutschen kunst⸗ historischen Wissenschaft ist dieser Name vertreten.

Der mitteleuropäische Wirtschaftsblock, Eine Generalversammlung des Bundes österreichischer Industrieller nahm eine Entschließung an, in der es heißt.

Dringend geboten erscheint die sofortige Fühlungnahme mit dem Deutschen Reich über die Frage der künftigen Ge staltung der handelspolitischen Beziehungen der Monarchie zu Deutschland. Die österreichische Industrie steht hierbei auf dem Standpunkt, daß ein inniges Wirtschaftsbündnis zwischen den beiden verbündeten Reichen unter Bedachtnahme auf unsere besonderen volkswirtschaftlichen Interessen anzu⸗ streben wäre, durch das die Gemeinsamkeit der Handelspolitik vertragsmäßig festgelegt wird. Hierbei wäre wünschenswert, daß die Neuregelung unseres handelspolitischen Verhält⸗ nisses zum Deutschen Reiche derart erfolgt, daß eine An⸗ gliederung anderer Staaten an den zu schließenden Wirt⸗ schaftsbund der Zentralmächte vorgesehen und somit die Grundlage für den mitteleuropöischen Wirtschaftsblock fest⸗ gelegt wäre.

Die Kriegsgewinnstener.

Von verschiedenen Seiten ist bereits verlangt worden, die Re⸗ gierung möge den bereits sertiggestellten Entwurf einer Reichs⸗ sewinnsteuer den Reichstage sofort vorlegen. Wie die Tägl. Rund⸗ schau aber hört, soll keine Aussicht bestehen, daß diesem Verlangen Die Kriegsgewinnsteuer soll unmittelbar nach

eenbigung des Krieges den Reichstag beschäftigen, aber uscht früher! Bieses folge aus dem ganzen Ausbau der Vorlage. Sie wolle, genau genommen, nicht den Kriegsgewinn, sondern den während des Krieges eingetretenen Vermögenszuwachs treffen. Einer Besteuerung des Kriegsgewinns stehen angeblich die größten Schwierigkeiten entgegen. Den Kriegsgewinn schon während des b auch nur annähernd festzustellen, würde kaum möglich sein. n Kriegsgewinn bereits während des Krieges feftzustellen,

1 7 die Beratung des Gesetzes garnicht nötig. Jetzt hat der ichs tag eit, das Gesetz mit aller Sorgfalt durchzuberaten, nach dem Krießse wird aber eine solche Hochflut parlamentarischer Ar-

beiten über ihn ergehen, daß eine gründliche Beratung doch sehr in Frage steht. Disziplinarverfahren gegen Kriegsfreiwillige.

Nach Mitteilungen, die dem B. T. zugegangen sind, hat man sowohl in Sachsen wie in Preußen Beamten und Lehrern, die freiwillig unter die Fahnen geeilt oder zur Krankenpflege gegangen sind, einen Vorwurf daraus ge⸗ macht, daß sie nicht einen Urlaub dafür nachgesucht haben und sie wurden aufgefordert, das seither bezogene Gehalt n weitere Gehaltzahlung sollte nicht mehr statt inden.

Es gehört sich natürlich, daß Beamte ihrer vorgesetzten Behörde rechtzeitig von ihrem Abgang vom Amt Mitteilung machen, schon damit für Ersatz gesorgt werden kann. Aber die Familien durch Gehaltentziehung zu bestrafen, scheint doch sehr bedenklich, zumal wegen des schlechten Beispiels für Privatunternehmer.

Allzu bureankratisch.

findet selbst die Kreugzeitung den Wiederaufbau Ostpreußens organisiert. Eine Unzahl von Behörden muß dort erst gefragt wer⸗ aufgebaut werden kann. Und die eigentliche Entscheidung hat immer der Oberpräsident. Das konservative Blatte tritt dafür ein, ein eigenes Wiederaufbau⸗Amt zu errichten, das mit allen nötigen sachverständigen Beratern aus⸗ gestattet sein und endgiltig entscheiden soll. Uns könnte es recht ein, wenn mit dem Wiederaufbau Ostpreußens der Anfang zur

urchführung jener längst verheißenen, aber inErwägungen rr ere rr 0 8

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schwebenden Verwal ungs form gemacht würde, die mit dem Vureaukratismus abr, Es wird sich darum handeln, die Selbstverwaltung auszubauen und den Einfluß des mündigen Volkes auf seine Verwaltung zu sichern.

Zaänkende Ente teführer

T. U. Athen, 15. Nov. Der Korkespondent der Neon Asty in Saloniki telegraphiert seinem Blatte, daß die Spannung zwischen dem englischen und französischen Generalstab in Saloniki ständig zunimmt. Die Meinungsverschiedenheiten sind derart groß, daß nur eine Verständigung zwischen der englischen und der französi⸗ schen Regierung über die Verwendung der Landungs⸗ truppen ein weiteres Zusammenarbeiten er⸗ möglichen kann.

Absperrung Indiens.

Amsterdam, 17. Nov. Nach Berichten aus Batavia ist der Post⸗ und Telegraphenverkehr zwischen Niederländisch⸗ Indien und dem Königreich Indien auf Veranlassung der englisch-indischen Behörden eingestellt worden.

Euglandfeindliches aus Persien.

Rotterdam, 17. Nov. Das englische Ministerium des Aeußern behauptet, daß Angriffe auf englische Konsular⸗ beamte in Teheran stattgefunden haben. In Schiras sei auf zwei Sekretäre der Gesandtschaft geschossen worden; einer wurde getötet. Der englische Konsul und der Direktor der englischen Bank seien gefangen genommen worden.

Rußland und MNersien.

Stockholm, 17. Nov. Nach Petersburger Meldungen wird Ruß⸗ land von Persien die Aufhebung der Kapitulationen mit der aus⸗ ländischen Gendarmerie in Teheran fordern. Fast alle russischen Staatsangehörigen verlassen Persien.

muhe an den Dardanellen.

T. U. London, 17. Nov. Reuter meldet amtlich: Zwischen dem 1. und 15. November ist an den Dardanellen nichts wich⸗ liges vorgegangen. Beide Parteien verstärken ihre Vertei⸗ digungsstellung und legen Laufgräben an.

Die bo en U-Boote.

T. U. Paris, 1. Nov. Der Madrider Spezialberichterstatter des Temps berichtet, daß der Gouverneur von Gibraltar in Sevilla mit dem Generalkapitän Andalusiens eine längere Besprechung hatte, bie sich angeblich um die Gerüchte drehte, wonach der deutsche Konsul in Cadix mit der Verproviantierung der deutschen Unterseeboote be⸗ auftragt sei, die zwischen Kap Trafalgar und Kap Gata operieren.

Tie Einberufung der Duma verschoben.

T. U. Christiauia, 17. Nov. Tidenstegn berichtet aus Petersburg, die Einberufung der Duma, die im November stattfinden sollte, wurde vom Ministerrat wegen Verzögerung in der Fertigstellung der Budgets auf den 8. Dezember ver⸗ schoben. Die Tagung soll noch vor Weihnachten fertig sein.

Der verboteneWeibsteufel.

Wie der Direktor des Hamburger Deutschen Schauspielhauses telegraphiert, wurde die Aufführung von SchönherrsWeibsteufel, die Dienstag abend stattfinden sollte, mittags verboten. In Ham⸗ burg gibt es keine Zensur. Das Verbot ist demnach vom Ober⸗ kommando erlassen.

Kriegsnosizen.

Die Vorzensuür ist seit Montag, den 15. November wieder über unser Braunschweiger Parteiblatt, den Volksfreund, ver⸗ hängt worden. Einige Artikel, darunter die Wiedergabe eines Re⸗ ferats des Genossen Antrick über den Lebensmittelwucher, wodurch der innere Frieden in hohem Maße gestört und im feindlichen Aus⸗ lande unerwünschte Wirkungen hervorgerufen würden, wurde als Grund angegeben. ö

Bei den Stadtverordneten wahlen in Königs⸗ berg si. Pr., die im Zeichen des Bürgfriedens stattfanden, wurden sieben Sozialdemokraten und neun Bürgerliche in der dritten Abteilung gewählt. Die sozialdemokratische Fraktion besitzt wieder neunzehn Mandate.

Wie der Berl. Lok.⸗Anz. von zuständiger Stelle erfährt, sind di Zeitungsmeldungen von der teilweisen Zerstörung de Achileions auf Korfu erfunden.

Die Landwirtschaftskammer für Westfalen teilt mit, daß vo raussichtlich‚deutschrussische Kriegsgefangene dem⸗ nächst als Knechte, Viehwärter und Arbeiter für die Kriegsdauer gegen mäßige Entschädigung, einzeln ohne Bewachung unter persönlicher Verantwortung des Arbeitgebers zur Verfügung gestellt werden. In Betracht kämen Landwirte, in deren Be⸗

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die Familie des Arbeitgebers aufgenommen

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8 5 80 1 * 1 Denkt über die Arfachen nach!

Das Berliner Tageblatt veröffentlicht folgende Zuschrift von Ellen Paasche unter dem TitelDeutsche Frauen und der Friede:

Im Tag vom 16. Oktober schrieb Dr. Käte Schir⸗ macher einen kleinen Auffatz unter der Ueberschrift Geduld. Sie beschreibt darin die Vorteile, die der Krieg mit sich bringt. Ich gebe ihre Worte wieder:

Wir Deutschen hatten mit einer Anzahl übler Friedens⸗ gewohnheiten des Wohl⸗ und Genußlebens zu brechen; der lange Krieg besorgt das gründlicher als ein kurger. Wir hatten noch allerlei Gegensätze und Reibungen innerhalb des deut⸗ schen Stammesbewußtseins zu überwinden das geschieht wohl endgültig in der schon über ein Jahr währenden treuen und sieg⸗ reichen Wafsenbrüderschaft aller Deutschen an allen Grenzen un⸗ seres Landes und bei seinen Bundesgenossene Was früher geo⸗ graphischer Name war, wird jetzt Anschauung und Besitz. Daß Süd und West den Ost und Nord mit ihrem Blut verteidigen, ist dauernder Gewinn für unser Volkstum, seine Einigkeit. Auch daß die östlichen Probleme dem Süd⸗ und Westdeutschen so nahe gerückt 9 8 Diese Erziehung und Vertiefung gibt nur ein langer

rieg.

Bringt er uns eine Höherwertung des Ostens, so eine Minder⸗ wertung des We tens. Die Legende von Frankreichs überlegener Kultur und Zivi 119055 stirbt in den schmutzigen Quartieren, die unsere Truppen gleich anfangs auf frangösischem Boden beziehen mußten. Daß mit uns die Grundbegriffe von Ordnung, Rein⸗ lichkeit und Behagen in diese französischen Landstriche erst ein⸗ ziehen mußten, ist eine Lehre, die der lange Krieg dem Einfachsten unverlöschlich in die Seele brennt. Auch betreffs franzbösischen Geschmacks, geistigen und sittlichen Durchschnitts der Bevölkerung macht selbst der Ungelehrte in diesen Monaten gründliche Studien. Hergebrachte Urteile und Verblendungen zerrinnen.

Es ist mir fast unmöglich, die Gefühle zu schildern, die ich beim Lesen dieser Zeilen empfand. Dazu also die un

Am Samstag 5 1 1 in Irlaud 1 5 der 5 13 5 Anzahl von Schiffen wu an cha Stͤdte Du b 10 nn und Kingstown haben großen S litten.. 8 Die B. Z. a. M. meldet aus Amsterdam: Das Sturmwekter der vorigen Woche hat den Schiffen lichen Schaden zugefügt. Der französische DampferSain a schlug fünf Meilen nördlich Guernsey um. Die Basatzung pon? Mann versank. Weitere 2 1 5 chiffe sind an verschiedenen g der Frischen See zerschellt. 1 1 2 Jul eile don eln neuer Skandal wegen Mi lieferungen, in den der römische Zourhalist Bonaretti Advokat Timoneini verwickelt seien, bevorstehen. Neue erregende Verhaftungen werden erwartet. 7

Arbeiterbewegung. Tarifverhandlungen für die Militärschneider Die Verhandlungen über die Festsetzung von für die in der Kabinettsorder vom 21. September d gesehenen neuen Friedensuniformstücke, die in der vor Woche unter dem Vorsitz von Unparteiischen in N stattfanden, haben am Samstag nach viertägiger Dat Ende erreicht. Bezüglich des feldgrauen Waffenrocks zwischen den Parteien Uebereinstimmung darüber, gleich den alten bunten zu entlohnen ist; nur für de daß die Bekleidungsvorschriften dahin geändert werden, die Seitennaht heruntergeführt wird, soll nach dem spruch der Unparteiischen für Handnähen ein Zuschlag ii Höhe eines Stundenlohnes gewährt werden. Ein weiter Schiedsspruch besagt, daß die Einjährigen⸗ und Fi junkermäntel alter und neuer Art nach den jetzigen sätzen zu entlohnen sind und daß ein Abzug für den Wegfg von Seitenleiste und Spiegel nicht stattfinden darf. Für neuen Offiziersmantel sollen von den Tarifsätzen Stunden abgezogen werden. Mit Rücksicht darauf, daß Verschlechterung der bisherigen Lohnbedingungen unzu ist, ist insoweit durch Abrechnung der Lohn für den reihigen Mantel niedriger zu stehen käme als der bis Fahnenjunker⸗ bezw. Einjährigenmantel, auch für Offiziersmäntel der Lohn für letzteren zu bezahlen. Während über diese beiden Positionen sehr bald ein Einigung erzielt war, nahm die Festsetzung des Lohnes ih den kleinen Rock und die neue Bluse allein mehrere Tage i Anspruch. Es handelt sich hierbei um neue Stücke, N man einen Lohn unter Zugrundelegung der Lohnsätze fl bisher gefertigte andere Kleidungsstücke nicht gut festleg kann. Auch die Parteien selbst sind in der Schätzung des wandes von Arbeitszeit zu ganz ungewöhnlich weit von ander abweichenden Ergebnissen gekommen. Die parteiischen haben deshalb einen völlig neuen Weg ge sie haben den Lohn für die Bluse so festgesetzt, daß er erhel⸗ lich unter dem bisher für den Feldrock gezahlten Lohn stehl, und andererseits haben sie den Lohn für die Litewka e erhöht, um eine Annäherung zwischen Bluse und Lit herbeizuführen. Bei aller Anerkennung der Bemühung der Unparteiischen haben die Arbeiter diesen Einigung vorschlag dennoch abgelehnt, weil nach einer von ihnen gemachten Berechnung die prozentualen Abzüge von den Jeldrocklöhnen in gar keinem Verhältnis stehen zu den gering. fügigen. Erhöhungen der Löhne für die Litewka. Die Uh parteiischen berieten infolgedessen noch einmal unter sich, s modifizierten ihren Einigungsvorschlag etwas und u breiteten ihn den Parteien als Schiedsspruch. Ueber nahme oder Ablehnung des Schiedsspruchs haben nach den! bestehenden Vorschriften die örtlichen Organisationen dall letzte Wort zu reden. Von Interesse war es, im Laufe der Debatte von Ar, beiterseite zu erfahren, daß der Vorstand des Arheitgeber⸗ verbandes seine Ortsgruppen bereits angewiesen hatte, sich auf keinerlei örtliche Verhandlungen oder Sonderabmachum: gen einzulassen. Zwar bestritt der Vorstand des Arbeitgeber, verbandes, eine solche Anweisung erlassen zu haben, aber seint Behauptung wurde durch die Vorlegung eines Exempla des an die Ortsgruppen gesandten Zirkulars durch den Von treter des freien Verbandes schlagend widerlegt f

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zähligen Opfer, das Blut, der Jammer, die Tränen? Wie ist es möglich, daß eine Frau ihr Gemüt so verhärtet hat? Wie ist es möglich, daß eine Frau schreiben kann:wir waren so tief im Wohlleben drin, daß nur ein längerer Krieg uns davon befreien kann?

Es fehlte nur noch, daß Fräulein Schirmacher schrieb: Wie herrlich, daß so viele Deutsche jetzt endlich einmal an die frische Luft kommen!, oderdaß der Tangorummel auf⸗ gehört hat, oderdaß die Großstadtdamen, die sonst vor Langeweile zugrunde gehen, jetzt endlich, endlich etwas zu tun bekommen! Sie müssen Tees und Bazars zum Besten erblindeter Krieger abhalten, sie müssen Komitees bilden, um Lotterien für die Kinder gefallener Soldaten zu veran⸗ stalten welch herrliche Zeit, die unseren Damen diese Schaffensmöglichkeit gibt!...

Dr. Käte Schirmacher hat kein Wort für die Schrecken dieses Krieges. Ob sie in dem ganzen langen Kriegsjahr wohl um keinen Menschen gezittert hat? Und wenn sie in der beneidenswerten Lage ist, kein Familienmitglied verloren zu haben, denkt sie nicht an die unzähligen, weinenden Hinter⸗ bliebenen unserer und der feindlichen Gefallenen? Es ist ein schlimmer Augenblick, wenn die Nachricht kommt:Ihr Mann, Ihr Sohn ist in dem Gefecht... gefallen. Er⸗ schüttert steht man davor: Es ist unmöglich, es kann ja nicht sein! So frisch und fröhlich zog er aus, jetzt tot und irgend⸗ wo, in fremdem Land von einem Menschen, den ich nicht hassen kann, erschossen! Und niemand von uns dabei, der ihm noch einmal, zum letzten Male für alles dankt, was er uns in seinem Leben an Gutem und Schönem gab!

Es ist ein schlimmer Augenblick, Fräulein Schirmacher,

und danken Sie Gott, wenn Ihnen kein Lebenskamerad, kel lieber Bruder, kein treuer Freund fiel.

Es gibt Menschen, die diesen Krieg für durchaus no wendig hielten und halten. Aber hoffentlich denken auch al diese Menschen:Vie wieder, nie wieder auf Erden sobi Jammer und Tränen! Und darum meine ich, muß di Friedensbewegung in Deutschland nach dem Krleg ins Ungeheure wachsen. Und wer ist berufener, a diesem Werke mitzuarbeiten, als die Frauen?

Ihr Frauen, die ihr euer Liebstes hergabt, iht Mütter, die ihr euern einzigen Sohn, ihr Mlltter, die ihr alle Söhne gabt, ihr Schwestern, denen nie wieder ein kreuet Bruder zur Seite stehen wird, denkt an die Zukunft! Sollen wir jungen Frauen, die wir frische blühende Kinder um uns herum spielen haben, ste auch in zwanzig Jahren opfern! Es darf nicht sein! Wer mag da noch mit reiner 10 Kinder großziehen? Oder sollte es Frauen geben, die iht Kinder für den Krieg gebären? Es wird mir schwer, das anzunehmen. 3

Die deutschen Frauen milssen jetzt viele Kinder gebären um die Lücken wieder auszufüllen, aber nicht für einen Krieg sondern für einen ewigen segensvollen Frieden. 1

Drum sage ich: Weg mit aller Halbheit, denkt über die Ursachen nach und ihr alle, die ihr in ig Jahren etwas zu verlieren habt, lebt nicht in den Tag h sondern helft, an dem Friedensgedanken arbeiten,. Phantastegebilde ist, ebensowenig wie die Abstinenz d Bodenreform es ist! Und ihr, die ihr nichts mehr lieren habt, denen der Krieg alles nahm, ich bitte el an uns und helft uns Jüngeren, damit uns der Jam der Kummer später erspart bleibe! 1 705

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