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unb Militär. Unwillkürlich lam einem bie Strophen nnferes alten Liebes auf bic Lippen: „Lieb Vaterland magst ruhig
fein, fest steht unb treu bie Wacht am Rhein", besonders wenn man all bie vielen Befestigungen sah, bie seit ber Mobilmachung weit um Mainz herum ausgeworfen worden waren. Gott sei Dan! haben wir ste bis jetzt nicht gebraucht, aber verlorene Liebesmühe war es nicht, haben wir doch auch hieraus gesehen, wie aus so vielen Sachen in der letzten Zeit, wie unsere Heeresverwaltung auf dein Damme ist und wir uns in jeder Hinsicht auf sie verlassen können.
Wir fuhren iiber Ingelheim, Gaualgesheim, Kreuznach nach Kirn. Hier wurde um 10 Uhr der erste Halt gemacht und in einer Weinwirtschast aus dem Marktplatz ein kräftiger Jm- bitz eingenommen, der allen nach der Fahrt durch den taufrischen Morgen gut mundete. Von hier ging es neu gestärkt bei herrlichem Sonnenschein, der uns auf der ganzen Fahrt treu blieb, das herrliche Nahetal hinauf über Ob-rstein, Idar, Her- mcrskeil nach Trier. Ueberall wurden wir mit Jubel und Tü- chcrschwenken von der freundlichen Bevölkerung begrubt. Was diese Fahrt durch den Hunsrück für unsere Wagen bedeutete, weist jeder, der diese Gegend einmal gesehen hat, ging cs doch auf der ganzen Strecke Berg auf und Berg ab, und was für Berge, mussten wir doch eine Höhe von 1500 Meter überschreiten. Erostartig war die Talfahrt zur Mosel. Immer an den Berghängen her in steilem Gesälle und neben der gut gepflegten Etraste steile Abhänge von 200—300 Meter Tiefe. In Trier wurde um 1 Uhr im Hotel Port- Nigra Halt gemacht und bei einer guten Tasse Kaffee und deutschem Zwetschenkuchen die etwas mitgenommenen Nerven wieder aufgesrischt.
Nach kurzer Rast ging cs weiter über die Moselbrücke, Igel, Grevenmack nach Luxemburg, durch schönes waldreiches Gelände. Die Einfahrt in dieses auf zwei Talfeiten gelegenen Luxemburg ist, was Natur anbelangt, grostartig und wird dieser Anblick noch durch alte Beseftrgungswcrkc und Brücken, die die beiden Talseiten verbinden, erhöht. Um i> Uhr kamen wir an dem Hauptbahnhos in Luxemburg an. Hier wurden unsere Autos unter militärische Bedeckung genommen. Unsere Herren nahmen im Hotel de commerce Wohnung, die Friedberger nahmen als gute Vorbedeutung „Belfort" ein, in dem sie alle freie Zimmer in diesem Hotel belegten. Hier trafen wir Bekannte aus Hanau, die feit der Besetzung Luxemburgs dort waren und uns sehr interessant darüber berichteten. Sie erzählten uns darüber salzendes: „Gegen Abend an diesem denkwürdige» Tage erschienen ein Bataillon Infanterie und eine Kompagnie Eisenbahner in Trier, besetzten den Bahnhos nach grobem Wortkamps und machten Vorbereitungen für das Ausladen der Truppen, das am anderen Morgen, als die Luxemburger aurgeschlafen hatten, zu deren grasten Erstaunen schon prompt erfolgte. Luxemburg selbst liegt eben voll von deutschem Militär, und die Eisenbahn usw. wird von deutschen Beamten und Personal geleitet. Zur Zeit war das Graste Hauptquartier dort, wir haben aber leider Seine Majestät nicht zu sehen bekommen. Die Stimmung in Luxemburg ist nicht so deutschfreundlich, wie man immer hört, dies geht auch aus folgendem hervor. In den ersten Tagen der Besetzung Luxemburgs kam ein Munitionszug nach dorten, der am Nachmittag entladen wurde. Des Nachts erschien über dem Bahnhof das franzöfifche Luftschiff und warf 3 Bomben, eine direkt neben den leeren Munitionszug, eine in das Bahnhofsgelände und eine in das Hintergebäude unseres Hotels. Jedoch keine zündete und mussten si^ von deutschem Militär entfernt werden. Wie sich am anderen Tage herausstellte, stand ein Apotheker aus dem nächsten Ort nach Deutschland zu, mittefft Funkenspruch direkt mit Paris in Verbindung und hatte die Ankunft des Munitionszuges für unsere schwere Artillerie nach dorten gemeldet. Na, zu spät kamen die Franzosen doch, und den Verräter hat seine Strafe getrofsen, er wurde am anderen Tage verhaftet. Den Abend verbrachten wir im Hotel de commerce in Gesellschaft des Etappenkomma,idanten Oberstleutnant Fürst zu Schaum- durg Lippe und etlichen Offizieren in fröhlichem Beisammensein bis zur vorgerückten Stunde. Am nächsten Morgen ergänzten wir durch Vermittlung des Etappenkommandanten unsere Benzinnorräte und weiter ging es unserem Ziele entgegen. Kurz hinter Luxemburg sahen wir die ersten Barrikaden, Schützengräben und vorgelagerte Drahtverhaue, aus beiden Seiten der Landstraste, die zur Sicherung der Stadt von unseren Soldaten angelegt worden waren. Tatsächlich find sie auch in der zweiten Nacht der Besetzung von sranzösischer Kavallerie angegrissen worden, jedoch wenige unserer Reiter haben genügt, sie zu verjagen.
Kurz vor der belgischen Grenze versagte unser Wagen, denn das Gemisch aus Benzol und Spiritus schien unserem Benzol- »crgaser, der am Tage vorher reines Benzol erhalten hatte, nicht zu bekommen, wir mutzten also halten und den Vergaser umbauen. Unsere lieben Kameraden fuhren an uns vorbei und liesten uns sitzen. Schnell machten wir uns an die Arbeit und fuhren alsdann allein mit etwas schwerem Herzen und ae- lockertcm, schussbereitem Revolver über die Grenze ins Feindesland. Hier und da wurden wir noch etwas ausgeschreckt durch verbissene, feindlich aussehende Gesichter. Aber bald war unsere Ruhe wieder hergestelil, bemerkten wir doch, wie die Landstraste von unseren Landsturmleuten zu Fust und zu Rad ab- patrouilltert wurde. Zu unserer grossen Freude bemerkten wir auch^ noch ein anderes Jrredberger Auto, das gleich uns liegen geblieben war und jetzt mit verschärftem Tempo, den Ausent- halt wieder cinzuholcn suchte. ,
In Arlon «rasen wir unsere Kolonne wieder und machten rtwas Rast, um Karten zu schreiben und uns etwas aufzufri- Ichcn. Tic Bevölkerung machte einen wenig sympathischen Eindruck, man sah meistens verbissene Gesichter und bekam kaum Antwort. Hinter Arlon änderte sich die Gegend, man sah, dass n.an ins Kricgsgebiet kam, die Telegraphenleitungen waren zerstört und die ersten verbrannten Häuser waren zu sehen. Es fiel einem direkt auf, dast in manchen Orten nur etliche Häuser verbrannt waren, in anderen gar keine, anderswo ganze Stra- henzllge und ein Ort, Turtigny, war abgebrannt bis auf die Kirche, cs bot einen schaurig schönen Anblick dar. Diese Zustände sind nur auf das Franktireurwcscn zurückzusührcn. Wir fuhren über Fttnka. Sainte Ma-ie Tomojann bnc, norbin er-
'Jltue Tageszeitung. Samstag, den 3. Oktober 1911,
wähnte Turtigny nach Flore,iville. Hier wurde angehaiten und unsere tapferen Landstarmleute und Offiziere baten um Zeitungen, denn diese Acrmstcn können ja garnicht erfahren, was in der Welt vorgeht. Wir werden schon ungeduldig, wenn wir nicht alle Tage etwas Neues erfahren, und diese unsere Vaterlandsvcrtcidigcr, die ihr Gut und Blut cinsetzen für unser liebes deutsches Vaterland, erfahren fast garnichts und je weite: man nach der Front kommt, desto schlechter steht es damit, deswegen kann man nicht genug bitten, sendet bei den Liebesgaben Zeitungen mit hinaus, unsere Soldaten sind dankbar für jede Zeitung, selbst wenn sie etwas alt ist, denn durch sie erfahren sie erst, was in der Welt vorgeht und dann ist es doch auch für viele ein Stück Heimat.
Nach kurzer Rast ging es weiter durch Spalier bildende Zeitung lesende Landsturmmänner. In dieser Gegend sahen wir auch die ersten Schützengräben, in denen gckämpst worden war, was wir an den schlichten, und doch fo eine ernste Sprache redenden Gräbern merkten. Einfache Erdhügel, mit einem aus Baumästen zusammengcbundcncm Kreuz, aus dessen entrindeter Ouerstange die Anzahl der Gefallenen, das Regiment und die Kompagnie steht. Meistens sind diese Gräber und Kreuze noch geschmückt mit den Helmen der Gefallenen. Ein Gefühl der Schwermut beschlich einem, wenn man diese Stätten deutschen Ruhmes zerstreut im Gelände liegen sah, und an all das blühende Leben dachte, das hier vernichtet wurde und all den Kummer, der in der Heimat zurückblieb. Jedoch die Zähne zusammengebissen und dem Schlachtenlenker gedankt, dast diese Verheerungen nicht in unserem schönen Vaterlande geschehen sind, denn Jahrzehnte werden wieder aufzubauen und zu heilen haben, was hier in Tagen zerstört worden ist.
Wir setzten unseren Weg fort und kamen in die Nähe der französischen Grenze. Kurz davor gesellten sich unserer Kolon,ie 3 -bgemagerte Pferde zu, die von den Feldern kamen und etliche Kilometer ganz ruhig zwischen den Autos mitliefen. Direkt an der Grenze überschritten wir eine Eisenbahn, die von Eisenbahnern besetzt war. Unsere drei Begleiter liesten sich hier ganz ruhig durch die Soldaten einsangen und wcgsühren. Wir hätten die drei Pferdchen ja gar zu gerne mitgenommen, am Ende hätten sic uns bei einer Panne noch Vorspanndienste leisten können, wahrscheinlich aber hätten ihre schwachen Kräfte bei unserem weiten Wege sie im Stich gelassen.
Auf französischem Boden änderte sich das Bild bald. Die Dörfer waren in besserem Zustande, wir sahen kaum verbrannte Häuser, nahmen jedoch »lehr Spuren vom Kamps« wahr. Die Gebäude und Bäume waren mehr zerschossen und die Erde mehr von Kranatseuer ausgewühlt. Längs der Strasse an den einzelnen Gehöften usw. standen überall aus- gestopfte französische Uniformen in den mannigfaltigste» Stellungen, ein Zeichen von dem Humor unserer Krieger trotz der ernsten und schweren Zeit. So kamen wir über Bazaille an dem denkwürdigen Hause der dernierc cartouche von 1870 vorbei nach Sedan. Hier fuhren wir nach dem Etappcnkommando und wurden aus dem place de Turenne vor dem Standbild des alten Herrn Turenne begrüstt, der hoch in seiner Hand die schwarz-weist-rote Fahne schwang. Diese hohe Ehre wird dem bekannten französischen Feldherr» doch noch' nicht widerfahren sein.
Hier schieden wir von unserer militärischen Bedeckung, die uns von Luxemburg aus begleitet hatte. Alsdann fuhren wir in das Lazarettdepot, wo wir einen grasten Teil unserer Verbandsstoffe usw. abluden. Darauf besuchten wir das Kriegslazarett I und der erste, den wir sahen, war ein Friedberger, nämlich Herr Geometer Staubach. Die beiderseitige Freude war natürlich grotz. Es gereichte uns zu besonderer Freude, dast es uns erlaubt wurde, unseren Friedberger Bürger mit in die Heimat nehmen zu dürfen, wo er auch wohlbehalten nngc- langt ist.
Nachdem wir unsere Wagen aus dem place de Turenne unter militärischem Schutze gestellt hatten, holten wir auf der
Kommandantur unsere Quartierbillets, denn wir wurden einquartiert wie jeder Soldat, da in den Hotels kein Platz war und die Stadt Sedan doch alles bezahlen darf. Ich hatte mit einem anderen Herrn ein Quartier zusammen. Ein biederer Unteroffizier, der schon längere Zeit in Sedan war, zeigte uns den Weg und brachte uns zu unserem Quartier. Eine ältere Frau öffnete uns und führte uns in ein Zimmer. Die Sache war sehr interessant, denn natürlich sprach unsere Wirtin kein Deutsch und unser geringes, lange nicht mehr gebrauchtes Französisch war auch nicht weit her. Na, mit etwas gutem Willen ging alles und so war es auch hier. Wir sähen uns i» dem Zimmer um, bemerkten jedoch weder Bett noch Waschgelegen- hcit. Als wir danach fragten, klopfte unsere Wirtin an die Wand, die sehr hohl klang, öffnete eine Tapctcn-Tür, hinter der sich ein grosses Bett verbarg. Nachdem wir uns in der , Küche etwas ersrischt hatten, bemerkten wir, dast unsere Wirts- j leute selbst keinen Waschtisch hatten, sondern ihre Toileitenbc dürsnisse immer in der Küche neben all den Schüsseln und Est waren verrichteten. Wir gingen dann in die Stadt, um uns etwas umzufchen, nachdem unsere liebenswürdige Wirtin uns zum Abendessen eingcladen hatte, obgleich unser Quartier ohne Verpflegung war. Bei unserer Zeitbestimmung sind wir einmal hereingefallen. Don meinen srühcren Reisen in Frank reich wutzte ich, dast die Uhren verschieden gehen, nahm aber an, öder Unterschied sei 23 Minuten, wogegen derselbe 55 Minuten beträgt. Die ganzen öffentlichen Uhren in Sedan sind aus deutsche Zeit , umgestellt, also mutzten wir die Zeit umrechnen, kamen also eine halbe Stunde zu frühe. In der Zwischenzeit war auch unser Hauswirt angekommcn und bcgrüstte uns, hierbei erfuhren wir, dast wir bei einem Rentier und Stadtrat einqugrtiert waren. Bis zum Nachtessen unterhielten wir uns ratcbrechend mit unserem Wirt, der uns mitteilte, die Deut scheu wären schuld an dem Kriege, sie hätte» an sämtliche Län der den Krieg erklärt, selbst an England. Als wir ihn da. rüber ausklärcn wollten, war er nicht zu überzeugen und meinte, das wäre unmöglich, den ■ Deutschen wären früher vor Sedan gewesen, als die fco ' en Soldaten mobil ge macht hätten. Hierbei bedenke ', dast die Kämpfe um Se dan am 20., 27., 28. August w -. — In der Zwischenzeit war das Ellen iertiq. po-- un- out mundete und nur von
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einem jpnsiigen Zwischen,all unterbrochen wurde. Unsere Wirtsleute asten mit uns und nach brr Suppe reichten sie mir
die andere» Schüsseln. Als anständiger Mensch sagt man, nach ihnen, da war aber unser Wirt beleidigt und meinte mi» Entrüstung, o, Sic können ruhig nehmen, es ist kein Gift darin. Ais Getränke bekamen wir ein scheussliches Bier, was nicht zu trinken war: unser Wirt bemerkte unsere Abneigung und holte einige Flasche» Rotwein: "ber o Schreck, der Inhalt der Bicr- »lascr wurde auf den Teller gegossen und dann Rotwein cinge- schenkt! Mit Reinlichkeit und Sauberkeit ist es überhaupt bei unseren Nachbarn schlecht bestellt.
Nach dem Essen gingen wir in das Hotel, wo wir noch einige gemütliche Stunden verleben wollten, jedoch wir hatten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Unsere Kameraden hatten schon gegessen, da machte uns einer der Herren Offiziere daraus aufmerksam, dast in Sedan uni 7: Uhr Polizeistunde
jei und dies das einzige Hotel sei, wo die Osfizicre essen könnten, wir also so freundlich sei» möchten, anderen Hcrrci, Platz zu machen. Gott sei Dank «rasen wir »och Bekannte, die uns noch ein verschwiegenes Stübchen zeigte», wo wir noch etwas sitzen konnten. Wie schon bemerkt, stand linser Bett in eiiicm Wandschrank. Wie wir »ach Hause kamcii, sahen wir uns unsere Schlasgelcgenheiten einmal etwas näher an. Auster der Tür nach unseretn Zimmer, hatte dieser Raum inehrerc Glastüren nach denl anderen Ziininer, dem Schlafrouni > iiiiferer Wirtsleute, die sich gerade über dem Kopscnde unseres Lettes befand und nicht zu schliestcn war. Wir überlegten kurz, nehmen unseren Selbstbinder, binden das eine Ende an den Türgriff und das andere Ende an die Bcttstollcn, dann schlicscn wir, den geladenen Revolver unter dem Kopfkissen.
lSchlutz folgt).
Ein Feldpostbrief.
Aus Echzell wird uns folgender Brief vom 22. Septbr. zur Verfügung gestellt:
Liebe Angehörige!
Ich will Euch einmal einen Brics aus dem Schützengraben schreiben. Wie cs mir geht, das habe ich und auch Ihr noch nicht erlebt. Ich, liebe Angehörige, bin das erste Mal am 8., 9. und 10. in das Gefecht bei . . . gekommen, da sind die Kugel rechts, links, vor und hinter uns eingeschlagen. Das schrecklichste sind die Granaten und Schrapnells. Da stehen einem die Haare zu Berge, aber immer vorwärts, iinmer heiter, Gott hilft weiter! Das Esse» war i» drei Taget, drei kleine Estlöf- sel Suppe, ein Stück Speck und vier Zwieback. Ich habe rohe Kartoffeln und Dickwurz gegessen, die schmecken sehr gut, denn es heißt hier bei uns: Hunger ist der beste Koch. Das hätte ich mir nicht so vorgestellt, ich hätte schon längst das gegessen, was ich zu Hause nicht wollte. Ich habe auch jetzt einen Voll- dart, gerade wie mein Vater einen Bart hatte. Am 15. sind wir ivieder in das Gefecht gekommen, da liege ich jetzt schon vom 15., 1t!., 17., 18., 19., 20., 2k. und 22. andauernd auf der Erde, da entstehen graue Haare. Aber, liebe Schwester, das alles will ich mit Geduld tragen, wenn ich nur wieder meine liebe Frau und Kind, die Mutter und meine Geschwister sehen kann. Liebe Angehörige! Ich halte inich an das Lied: „Wer nur den lieben Gott lässt walte» und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten, in aller Not und Traurigkeit." Und Ihr haltet Euch an den 2. Vers: „Was helfen uns die schweren Sorgen." Dan» ist noch der Psalm 71, der mich aufrichtet: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzet und.unter dem Schatten des Allmächtigen bleibet usw." Bis jetzt bin ich noch nicht krank oder verwundet gewesen. Liebe Schwester! Das Geld hat hier keinen Wert, man kann hier nichts bekommen. Ich habe gestern Abend seit 5 Woche» das erste Würstchen bekommen. Das Vieh läuft rin Feld umher. Das Fleisch, das wir bekommen, ist meistens noch hart. Manchmal ist es noch im Kessel, da geht es wieder Marsch-Marsch an die Gewehre! Die Rothosen kominen. Das Brot fehlt. Liebe Schwester! Ich würde eben gern einmal Zwetschenkuchen essen und Kaffee trinken, leider kann ich cs nicht haben, hebt Ihr mir, bitte, welchen auf. Hier sieht es böse aus, die Dörfer abgebrannt und zerstört. An inanchen Plätzen, wo noch Vieh im Stall ist, verhungert cs. Ueberall liegen Tote, meistens Franzosen, man tappt auf ihnen herutn. Ich liege 700 Meter vom Femd, da heisst es aufgepastt. Die Schtacht dauert schon seit k August und in 2—3 Tage» hoffen wir zum Ziel zu kommen. Es ist wahrscheinlich die Entscheidungsschlacht. Ich will jetzt schliestcn unter vielen Elüstcn und Küssen von eurem l-ebcir und reuen K Grauling.
August ir>14.
Tie Heide träumt im Sonnenbrand Bon längst vergangnen Zeiten.
Von kühnen Recken, die einst das Land Vom grausamen Drachen befreiten.
Nun ruhen sie stumm in kühler Gruft,
Die Wunden mit Erde bedecket,
Bis einst die Stunde der Rache rust.
Und die schlafenden Helden erwecket.
Daun wehe dem Feind, der die Heimat bedroht. Unsren Herd, unserer Frauen Ehre,
Wehe, wenn der Begeistryng Flamme loht,
Zu schützen unsere Altäre.
Dann tönet wilder Schlachtcngcsang Und Schwerter klirren und blitze»
Gezückt von dem heiligen ernsten Drang Das Vaterland zu schützen.
Und fallen die Helden von Wunden bedeckt In ernstem, blutigem Streit, *
Und liegen sic tot aus den Rasen gestreckt Wie in längst vergangner Zeit.
Dann schwöre Rache, deutsches Volk An dieser Helden Gruft!
Dann sei ein einig deutsches Volk,
Wenn erlist die Pflicht dich rust!
^anonier Eroth, Thür. Fassart. Rgt. 18 gebürtig aus Eck.zckl.


