Ausgabe 
12.11.1915
 
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die Offiziere vom Dienst der

d gen uve ssonoere Ereignisse wahrend des Krieges, so uber den Verlust des Geschwaders des Admirals Eradock, die verfehlte englische Expedition nach Antwerpen, über den Verlust der drei KreuzerHogue.Cressy,Abukir⸗ über die Dardanellen⸗Ex⸗ 9 5 Auszerdemm bedauerte es Lord Loreburn, daß Lord

Kitchener gerade in dem lchigen Augenblick das Kriegsamt ver⸗ lassen habe, und er hoffe, daß die Abwesenheit des Lord Kitchener nur sehr kurz sein werde. Dann malte Lord Loreburn einige düstere Bilder der allgemeinen Lage. Er sagte: Vor 51 Monaten hat mir eine außerordentlich gut informierte Persönlichkeit, dexen Urteil den größten Wert hat, gesagt, baß be⸗ reits au allen Schlachtfeldern äusammengenoemen 15 Millionen Mann entweder getötet oder für ihr ganzes Leben unfähig gemacht worden seien. Viele tausende von Millionen von Kriegsschulden sind angehäuft worden und bevor das Ende kommt, wird der Kon⸗ tinent wenig mehr als 1 15 Wildnis mit einer Bevölkerung von alten Männern, Frauen und Kindern sein. Unter solchen Um⸗ ständen muß jemand schon eine merkwürdige Konstitution haben, wenn er nicht jede Gelegenheit ergreift, um die furchtbarste Katastrophe zu verhindern, die jemals das menschliche Geschlecht betroffen hat.

In einer bemerkenswerten Rede setzte Lord Courtney of Penwith dann auseinander, Asquith habe zwar gesagt, daß die Deutschen im Westen keinen Schritt vorwärts gemacht hätten, sie hätten aber auch keinen Schritt zurück gemacht. Eine Enttäusch⸗ ung sei ebenso die Dardanellen⸗ Expedition gewesen. Dieser Krieg richte die Zivilisation Europas zu Grunde, nachdem während der letzten 50 Jahre alle Anstrengungen gemacht worden sind, die Lebensbedingungen der Völker heraufzusetzen. Nun sei der Krieg an einemtoten Punkt angekommen. Es sei außer allem Zweifel, daß England niemals unter die Abhängig⸗ leit eines anderen Landes kommen dürse. Aber die Leidenschaft für nationale Unabhängigkeit, die jeden Opfers würdig sei, müsse sich versöhnen mit der Möglichkeit internationaler Freund schaft. Irgend etwas müsse getan werden, um aus der Sackgasse herauszukommen. Er wolle nicht sagen wie und er fordere keine weiteren Erklärungen

Nach einem Wolfsschen Telegramm lautet der Schluß der Red de Lord Courtneys ausführlich: Es ist uicht überraschend, daß man zu fragen beginnt, ob kein Ausweg aus dieser Lage möglich ist. Wenn die einzige Alternative die wäre, daß wir unter Fremöherr⸗ scha ft gerieten, so dürften wir in unseren Anstregungen nicht nach⸗ laffen; wir müssen frei sein oder untergehen. Ich glaube feboch, daß es eine andere Möglichkeit gibt. Die Leidenschast für nationale Unabhängigkeit ist ruhmvoll, aber sie muß mit der Möglichkeit internationaler Freundschaßt versöhnt werden, wenn die Zivilisation bestehen bleiben soll. Der Gipfel der Tragödie ist, daß genau dasselbe, was wir sagen und glauben, in Deutschland mit derselben ehrlichen Ueberzeugung gesagt und geglaubt wird. Dies führt ebenfalls zu dem Schlusse, daß es einen Ausweg aus der Sackgasse gibt. Ich fordere die Regierung nicht auf, jetzt den Ausweg zu zeigen, ich will nicht selbst die Bedingungen der Ver⸗ söhnung auszustellen versuchen, ich will aber einige Punkte erörtern, die flir die Möglichkeit eines künftigen Ausgleichs wesentlich wären. Die unentbehrliche Grundlage des Ausgleichs ist die Befreiung Belgiens und Nordfrankreichs; soust müssen wir weiter⸗ kämpfen. In Deutschland. ist der Gehaule weit verbreitet, baß Eng⸗ land eine Kriegsentschädigun 90 zahlen müsse. Ich glaube aber, daß in England niemand sei, der jemals zustim men würde, daß England eine Kriegsentschädigung auferlegt wird. Endlich ist die Frage der Freiheit der Meere ein geeigneter egen für Friedensverhandlungen.

Die Alliance Jsrastite Univerfelle.

Die Freie Organisgtion der Alliance Israslite Universelle hat 8 Tagung vom 7. November einstimmig folgenden Beschluß gefaßt:

Die heute versammelten Mitglieder des ee mitees und der Freien Organisatlon der Alliance Israslife Univenuselle haben

mit Eutrüstung festgestellt, daß der Sekretär der Alliance Israslite

Universelle unter Mißbrauch ihres Namens den Aufruf verbreitet hat, den das Zentral⸗-Konsistorium der Israeliten Frankreichs an die Juden der neutralen Länder versandt hat, und der von den schwersten Angriffen gegen unser Vaterland erfüllt ist. Wir erheben den um Widerspruch dagegen, daß der Sekretär der A. J. U. en 1 ihrer Satzung und unter völliger Verkennung ihrer Aufgabe als reine Wohltätigkeitsorganisation die ihr als solcher obliegende Neutralität verletzt hat.

Wir werden die maßgebenden Stellen zur Rechenschaft Ziehen und erwarten, daß das Zentralkomitee das Verfahren seines Sekre⸗ tärs mißbilligen und uns volle. gewähren wird. So⸗

lange das nicht geschehen ist, und unsere Beziehungen zur Alliance Israslite Universelle gelöst. Portugal.

Der Lissaboner Korrespondent des Temps berichtet, die Beteiligung Portugals am Krieg sei nur noch Gegenstand rein platonischer Erörterungen. Gegenwärtig bleibe die Rolle des Landes im Einverständnis mit England auf eine äußerst wohlwollende Neutralität gegenüber den Verbündeten beschränkt. Der englisch⸗ portugiesische Vertrag gelangt in der Weise zur Ausführung, daß Portugal alle Dienste ausführt, um die es von England angegangen wird. Die finanzielle Lage des Landes sei sehr schwierig infolge des durch die Kriegsausgaben für dis Kolonien verursachten großen Defizits, der Verringerung der wirtschaftlichen Tätigkeit und des ungünstigen Wechselkurses. Der Fin anzminister unterhandelt mit der Bank von Portugal wegen einer Anleihe.

Eine englische Expedition nach Ostafrika.

London, 10. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Times meldet: Es ist jetzt sicher, daß eine starke, gut ausgerüstete, mit Artillerie versehene Expedition nach Ostafrika gehen wird. Wahr⸗ scheinlich wird General Smuts mit Oberst Brats als Generalstabs⸗ chef den Befehl übernehmen.

Nach einer Times⸗Meldung haben die Bürgermeister der wich⸗ tigsten Städte der Union am 9. November eine Versammlung in Pretoria abgehalten, um in Südafrika einen Rekrutierungsfeldzug

zu veranstalten. Gottes Segen bei Kruyn.

Die am Dienstag stattgehabte Generalversammlung der Friedr. Krupp A.⸗G., Essen, hatte über den Betrag von zufammen 95 850 958 Mark Gewinn Beschluß zu fassen. Dieser Gewiun rührt daher, daß die Ablieferungen für deutsche Rechnung im abgelaufenen Geschäfts⸗ jahre fäst den 2afachen Betrag des eutsprechenden Gesamtunmsatzes (In⸗ und Auslaud) im Vorfahre erreicht haben. Von dam Rein⸗ gewinn fallen 5 Prozent= 4323 281 Mark(i. V. 1 695 211 Mark) der gesetzlichen 1 zu. Die Sonderrücklage wird um 3 Mil⸗ lionen Mark(i. V Mill. Mark) verstärkt und für besondere Ab⸗ schreibiugen und Erneuerungen werden weitere 5 Millionen Mark (i. V. 0) bereitgestellt Ferner werden zur Bestreitung der Kriegs⸗ beihilsen im laufenden Jahre 5 Mill. Mark und ua, Bau größerer Krbeiterwohnungen für kinderreiche Familien 5 Mill. Mark zur Verfügung gestellt, sowie an außerordentlichen Zuwendungen für Zwecke der Pensiouskassen und der Invalidenstiftung je 3 Mill. Mark, gusam men also 6 Mill. Mark, bewilligt; endlich werden für elwaige aus dem Kriege sich ergebeude Anforderungen und Schäden 10 Mill. Mark zurückgestellt.(Im Vorjahre wurden der Arbeiter⸗ Pensionskasse 1 Mill, Mark und dem Arbefterurlaubsfonds 2 Mill. Mark überwiesen, ferner für 15 sbeihilfen und dergleichen 3 Mill. Mark 77 Verfügung gestaellt.) Nach Abzug dieser Beträge, der Be⸗ es Aufsichtsrats und bei E stellung eines der vorjähri Höhe 8205 gleichkommenden Vo s auf neue Rechnung von ru 10 Mill. Mark verbleibt ein Gewinnbetrag von 47, Mill. Mark, der nach den bisherigen geschäftlichen Gepflogenheiten die Verteilung einer D ividende in Höhe von 24 Prozent gestatten würde. Da aber de Familie die Absicht hat, in diesem Kriegsjahre keine höhere

Dividende als vor dem Kriege zu begiehen und den die vorjährige Dividende übersteigenden Vetrag der Kriegsfürsorge für die All⸗ gemeinheit zuzuführen, so ist die Dividende anf 12 Prozent wie im Vorjahre festgesetzt worden. Aus dem überschießenden Betrag vor 23,7 Mill. Mark wird im Anschluß au dieNationalstiffung f die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen eine der Allgemein⸗ heit dienende Krupp⸗ Stiftung errichtet werden, die insbeson⸗ dere zugunsten von kinderreichen Familien gefallener oder schwer⸗ beschädigter Krieger dienen und mit einem Kapftal von 20 Mill. Mark ausgestattet werden, während der Resthetrag mit 3,7 Mill. Mark sonstigen Zwecken der Allgemeinen Kriogsfürsorge nalnentlich der Förderung der deutschen Ost marek, zugewendet werden soll.

Die Uuschließung der Serben.

Der Sonderberichterstattor des Berliner Lokalanzeigers, Kirchlehner, meldet aus dem K. K. Kriegspressequartier: Es wird bekannt gegeben, daß die Verbündeten die serbische Hauptfront erreicht und sie zum Kampfe gezwungen haben. Noch ist indessen nicht 125 ob nicht doch beträchtliche Teile

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G e F 5 7 N N 4 3 0 5 1 A 5 8 1

kräftiger

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des serbischen Heel gegen Süden abzuströ während die von dem Gegner erreichten Heere 0 folge schwieriger Rückzugsverhältnisse nur lang konnten, zum Kampfe genötigt sind. Der rechte Armee Köveß hat den Roten Berg südwestlich Jvanj schritten und steht einen ganzen Tagemarsch von der des Sandschaks. Oesterreichische Truppen des 3

Köveß kämpfen im Raume südlich von Kaona mit abziehen den feindlichen Truppen. Nachdem durch das Mitwirk f der Bulgaren auf dem östlichen Flügel der größte T 0 Armee Gallwitz überschüssig wurde, konzentrieren a0 0 Kolonnen dieser Armee mehe gegen Südwesten, was au.

Verlauf des Bahnnetzes besser übereinstimmt.

Auf tach Montenegro.

2 U Zofia, 11. Nov. General Sarrail hat dem serbische sandten in Saloniki beauftragt, dem serbischen Hauptquar beimzustellen, den allgemeinen Rückzug nach Montenegro angut. da offenbar sonst keine Hoffnung mehr besteht. Die euglisch⸗ sischen Truppen selbst würden aber den griechischen Bode verlassen(gemeint ist, sich nicht wieder einschiffen), solange no Hoffnung besteht, die Operationen der Serben, wenn auch Urittelbar zu beeinflussen. 5

Sebensmittelknappheit in Saloniki.

T. U. Konstantinopel, 11. Nov.(Meldung der T. U.). Blatt Ikdam meldet aus Saloniki, die Ententetruppen kaufen Lebens mittel auf, sodaß die Lebensmittelpreise enorm gestiegen, Brot ist schon seit vier Tagen nicht mehr zu bekommen. Die B kerung protestiert bei der griechischen Regierung gegen die N und ersucht um sofortige Hilfeleistung.

Italienische Niederlagen in Tripolis.

Konstantinopel, 11. Nov.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die fil Blätter erfahren aus sicherer Quelle: Die arabischen Stämme a in Libyen haben 0 sowie die Ortschaft Dschafra Hu

Raddan und im Syrtegebiet die Ortschaften Zaletein, Urfele, Misrata und Turgha Tarhuna zurückerobert. Die Itali erlitten große Verkuste an Leuten und Materjal und li eine Anzahl Gefangene, Geschütze und Munition in Händen der muselmanischen Krieger. Diese nahmen Syrtegebiet 12 Kanonen und 3 Maschinengewehre und in Misrata 3 Kanonen ab. Die von Tripolis nach Tarhung entsandten italienischen Verstärkungen erlitten eine guy U Niederlage und mußten unter Zurücklassung einer A von toten und gefangenen Offizieren und Soldaten Tripolis zurückgehen.

Ein englischer Zerstörer gestrandet. 1 e

li, London, 11. Nop. Die englische Admiralität 1 e be der ShLouis ift 11 östlichen Mittelmeer und gen 0 nur noch ein Wrack. Die Offiziere und Besatzung sind gere 5

Kriegsustizen. a

Die durch ihre Streuge bekannte Zenfur im Bezirk des 8 meekorps, hat ihre Aufmerksamkeit jetzt auch dem Gebiete der Kunst zugewendet. In Hagen wurde am vorigen So 0 Stück Schönherrs:Der Weibsteufel aufgeführt. der Klerikalen darüber kannte keine Grenzen, und schließl 1 man die Zeusur zur Hilse, die in der Ta Biede holung 0 Stückes verbot. Beim Vorsitzenden desVereins zur Bekämpf der öffentlichen Unsittlichkeit in Hagen ist nämlich folgendes ben des Generalkommandos eingelaufen:

Die Aufführung des StückesDer Weibsteufel am E den 7. d. M. im Stadtheater zu Hagen hat sich nicht mehr ve lassen, wenn mau nicht unnütze Härten hervorrufen wollte. hat der Herr kommandierende General die weitere Aufführung Bezirk des ganzen Korpsbereichs verboten.

Das stellvertretende Generalkommando Stuttgart hat ebenso die in Stuttgart geplante große Versammlung Versammlungen in Eßlingen, Göppingen und u die zu den Ernährungsfragen Stellung nehmen sollten, ver⸗

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Tschi⸗ hu- fang! der Chinese. e.

Eine Goschichte

aus dem Seemannsleben von J. B6 Hannover.

(Nachdruck verboten.)

Wer Tjchi⸗hu⸗fang war?

In den Annalen der Geschichte werden wir ihn vergeblich suchen. Er war kein großer, von der Natur mit besonderen Fähigkeiten gusgestatteter Sohn des Reichs der Mitte. Nein, das war Tschi⸗hu⸗fang nicht! Und doch war er wieder ein Großer; groß im Ertragen und Entbehren. Dazu ein Spiegelbild der Langmut, wie man es unter seinen Rasse⸗ genossen selten findet. Und diesen Eigenschaften blieb er treu, bis ihn ein tragisches Geschick von der Karikatur dieses Daseins befreite.

Tschi⸗hu⸗fang war nicht mehr oder weniger als der dienst bare Geist der Küche auf S. S.Forerick der englischen Handelsflotte. Jedoch übte er seine Kunst nur im Dienste einiger Landsleute, die an Bord Heizerdienste verrichteten. Mangelndes Talent sowie ein allzu geringes Verständnis für die Fragen der Hygiene bildeten den unüberwindlichen Damm, der sich ihm entgegenstemmte, um Einblicke in die Geheimnisse und Erfolge der enropäischen Küche gewinnen zu können.

Tschi⸗hu⸗fang behauptete in seinem oft undefinierbaren Englisch, sechzig Jahre alt zu sein; eine Angabe, die von den meisten der Matrosen an Bord nach dem üblichen Seemanns latein gewertet wurde. Zwar konnten die tiefen Furchen in des Chinesen Gesicht sowie das lückenhafte Gehege seiner Zähne seine Behauptung einigermaßen belegen; aber trotz dem blieb den Matrosen ersteros als Kuriosum bestehen.

Es war an einem Sonntagmorgen. Eine leichte Brise strich von Osten her über den Ozean und milderte mit ihrer morgentlichen Kühle die Ausstrahlung der am fernen Horizont sich übergroß und tiefrot abhebenden Sonne merk lich. Die Lust war diesig; weshalb die Bullaugen der Foreln, das sind die kleinen, runden Fenster der Mannschaftslogis, voterst geschlossen blieben. Auf der Kommandobrücke lagen Navigation ob. Sonst schien das Schiff wie ausgestorben. Der rollende, oft fauchende Ton der rastlos fortstrebenden Maschinen drang in regel⸗ mäßigen Abständen dumpf und schwer zur Back herüber, vor welcher, mutterseelenallein, in seiner typischen Art, mit unter

geschlagenen Beinen, Tschi⸗hu⸗fang saß, und gedankenvoll

rgartz,

nu

ins Weite starrte. Der große, 1 Kopf des Alten, der lange, graugelbe und vernarbte Hals, überhaupt das ganze vernachlässigte Aeußere hatten ihm schon oft den Spott seiner Kameraden eingetragen. Ob dieser Umstand nun sein altes Chinesenherz in Tränen auflöste, oder das Heim weh nach den Korallengestaden seines Vaterlandes ihm im Busen nagte, weiß ich nicht. Kurz, aus Tschi⸗hu⸗fangs kleinen, ausdruckslosen Augen war unbemerkt eine Träne herabgerollt und hatte seine nackte, unschöne Brust benetzt. Er erschrak heftig über diese, vielleicht seine Chinesenehre berührende Tatsache, und mechanisch griff er nach seinem langen Zopf, um damit die sichtbare Quelle seines Leides zu trocknen. Dann eilte er ins Logis; trat aber, mit einem riesigen Topf beladen, bald wieder in die Erscheinung. Die hastigen Bewegungen, mit denen der Koch alles ausführte, brachten es mit sich, daß ihm plötzlich der Zopf in der Tür⸗ spalte hängen blieb. Kurz entschlossen, vielleicht aber mit innerem Gram, entledigte er sich durch einen derben Schnitt dieses Hinder inisses Tschi⸗hu⸗fang kreuzte die Beine zum löblichen Tun. Durch seine langen, mausgrauen Finger ließ er zerdrückte Reisklumpen in den Topf rieseln und fügte ihnen eine gelblichgrüne Flüssigkeit, Curri, zu. Dieser kannibalischen Herstellungswesse der Mahlzeiten verlieh er noch dadurch Reiz, daß er sich über dem Ganzen die Hände auch noch mit Seewasser wusch, wodurch dem Efsen natürlich eine allzu drastische Pikanterie verliehen wurde. Wehmütig streiften des Alten Blicke oft nach seinem verlorenen Kleinod hin, welches, vom frischen Morgenwinde aufgelöst, nun lustig hin und her flatterte. Der Gedanke an die Folgen seiner Träumereien aber, denen er sich in unverantwortungsvoller Weise hatte hingegeben und ihm die rechtzeitige Fertig⸗ stellung der Küche für seine pon Wache kommenden Kameraden vereitelt hatte, ließ feinen Gram schnell vergessen.

Von der Back glaßte der Ausguck eben die elfte Mittags- stunde. Erschrocken fuhr der Schlitzäugige auf und sah um sich. Ob es ihm wohl gelingen würde, die hungrigen Mäuler der Chinesen zur rechten Zeit befriedigen zu können?

Wenn nicht, was war zu tun, ihrer frenetischen Wut zu entgehen? Tschi⸗hu⸗fang eilte ins Logis, das Versäumte nachzuholen. Aber zu spät. Sie nahen schon, die kleinen, den und rußgeschwärzten Gesellen. Eilends stürmen sie der nahen Foxel zu. Der Raum füllt sich zusehends; denn er, ist eng und dunkel dazu. Schon dringen kurze grelle Laute der Unzufriedenen an sein Ohr. Wahrlich, das Schwert

Das Chaos der 1 verdichtet sich 5 zum Lärm, bald verflachend, sich bald ungestüm steigernd. Wie das laute Hin und Her einer Schulhofjugend hört es sich an. Von ange · strengtem Dienst ermüdet, wälzen sich die Matrosen nebenan ruhelos in ihren Kojen. Man ist in der Annahme, es handle sich um einen vorübergehenden Ausbruch der Leidenschaft, wie man ihn vom Kartenspiel der Bezopften her gewohnt 0 war. Doch plötzlich dringt stärker und immer vernehmlicher 0 der klagende, wimmernde Laut eines Opfers aus dem Stimmengewirr an das Ohr des Steuermannes dort oben f b f ö ö 0 ö

auf der Brücke. Der schrille Ton der Signalpfeife durch⸗ schneidet jetzt die Luft und auf Order des Kapitäns dringt die alarmierte Logis der

Heizer ein. g

Aber was sich dieser da bot?

Mit daumendicken Tauresten geknebelt, gesenkten Hautes g lag Tschi⸗hu⸗fang auf einem glühenden() Ofen. Dicker Schweiß perlte von seinem gramdurchfurchten Gesicht, een in kleine Dunstwölkchen vergehend. Das in heißer G wehr aufgelöste Kopfhaar hing kraus und verworren den stark geaderten Schläfen und stumpf stierten die glasigen Augen auf einen Fleck. Ein Bild elendester Marte Zum Ueberfluß hatten noch einige der Uebeltäter die großen 5 Brandwunden des Opfers mit ätzendemCurri beworfen, Beim Eintritt der Matrosen in den Raum stob die Gesellschaft fluchtartig auseinander. Der eine suchte. der andere dort ein sicheres Versteck. Wioder andere gla 1 9 durch flehentliches Bitten das eintretende Gericht al f zu können. Doch vergebens. Allen an der Marter des Kochs Beteiligten wurde noch am selben Abend der une Jungfernkranz gewunden und später wurden alle der irdischen Justiz übergeben. Tschi⸗hu⸗fang war sofort rei gemacht, behutsam bettete man ihn in weiche Decken, der Arzneikasten trat in Funktion, kurz, die ganze übrige 1 satzung des Schiffes war bestrebt, die großen Schmerzen Opfers lindern zu helfen.

Wie da aus seinen matten, brechenden Augen n von Dankbarkeit flossen, wie er immer und immer die Kände feiner Pfleger ergriff und sie mit Küssen bed mußte einen jeden mit Bewunderung zugleich und N a erfülle. 8

Tschi⸗hu⸗fang, der Alte, der Träumer, gab noch in selben Nacht seinen Geist auf. Der weite, weite birgt jetzt seine Leiden. 1

Matrosenmannschaft in das

eines Damokles hing drohend über Tschi⸗hu⸗fangs Haupt!

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