Die amerikanische Protestnote au England
Ueber den Inhalt der amerikanischen Note an England teilt Reuter noch folgende Einzelheiten mit: 2
Englands Behauptung, es bestehe die Gefahr, daß einige für militärische Zwecke brauchbare Artikel über neutrale Länder den Feind erreichen könnten, kann nicht den gesetzlichen Maßstab für evtl. Maßregeln darstellen, da die Kriegführenden dadurch zu viel Ge⸗ legenheiten zum Mißbrauch hätten. Denn sie könnten durch Anwen⸗ dung jenes Maßstabes das Recht der Neutralen auf hoher See völlig vernichten. schränkungen nicht abfinden. Sie verlangen das Recht, alle Waren, die von neutralen Stagten verlangt werden, dorthin zu verkaufen;
Die Vereinigten Staaten müssen also pro⸗ testieren gegen die Beschlagnahme von Schissen auf bloße Verdbäch⸗ tigung hin. Die Note wirft ferner die Frage auf, ob die Blockade wirklich effektiv ist und weist auf die bekannte Tatfache hin, daß die
deutschen Häfen für den Verkehr mit Skandinavien ofsen sind. Die
Note erklärt serner, daß keine Bestimmung des Völkerrechts sester steht als das Verbot der Blockierung neutraler Häfen in Kri 5 ferner daß die Priseugerichte den amerikanischen Kaufleuten zu⸗ gefügten Nachteil nicht genügend eutschädigen. Die Regierung der Vereinigten Staaten muß mit dem größten Ernst bei der enplischer Regierung weiter darauf dringen, daß die Beziehungen zwis a beiden nicht beherrscht werden dürsen durch Zwectmäßigkeitsvorschrif⸗ ten, sondern durch die seststehenden Regeln des internationalen Ver⸗ kehre. Die Vereinigten Staaten nehmen ohne Zögern die Aufgabe für sich in Anspruch, als Verfechter der Unverletzbarkeit der Rechte der Neutralen gegen ein ungesetzliches Vorgehen der Kriegführenden auszutreten, das eine Folge der durch den großen Kampf hervor⸗ gerufenen Verbitterung ist. 5
Zur Eröffnung der italienischen Kammer.
T. U. Lugano, 8. Noy. Offiziell verlautet, daß die am 1. Dezember zusammentretende Kammer höchstens zwanzig Sitzungen arbeiten werde. Nach einer Mitteilung Salandras und Umwandlung zahlreicher Dekrete in Gesetze wird die Regierung die Vertrauensfrage stellen und Verlängerung der Generalvollmacht verlangen. Inzwischen verschärft sich die Einschüchterungsprovaganda gegen das Parlament. In Rom fand gestern unter dem Vorsitz des alten Garibaldi eine Versammlung des Aktionskomitees, sowie der Republikaner, Reform⸗Sozialisten, Radikalen und nationalistischen Partei statt, in der unter den üblichen Ausfallen gegen Deutschland die Fortführung des(onungslosen Feldzuges gegen alle inneren Jeinde(ichlossen wurde. Das Volk werde niemals dulden, daß das Parlament den Willen der Nation verrate.
* 4 Die spanischen Sozialisten und der Krieg.
Gegenzwärtia tagt in Madrid der Kongreß der, spanischen Sozialisten. Soweit wir aus der Humanité ersehen, steht er sicht auf den Krieg gänzlich auf der Seite des Vierverbandes. Die über diesen Punkt angenommene Resolution erklärt, daß der Welt⸗ kapitalismus zwar für den Krieg die Verantwortung tragen müsse, aber auch der österreichisch⸗deutsche Imperialismus daran schuld sei, und wenn dieser den Sieg davontrüge, so würde der Sozialismus einen Rlickschlag erleiden. Was den Frieden angehe, so müsse man auf Umstände warten, die für die Sache der Arbeiter und der Mensch⸗ heit günstig seien, denn ein vorzeitiger und übereilter Friede wäre gegen die Interessen des Fortschritts und der Zivilisation.
Der Kongreß beschloß, diese Resolution den sozialistischen Par⸗ teien des Vierperbandes mitzuteilen. Die sozialistische Solidarität ist also auf das Ninean der diplomatischen gesunken: sie schließt die Parteien Deutschlands, Oesterreich⸗-Ungarns und Bulgariens aus,— ganz nach dem Muster der Londoner sozialistischen Konferenz vom Dezember 1914, auf der nux die Belgier, die Franzosen, die Eng⸗ länder und ein Teil der Russen vertreten waren.
Der Kongreß sandte eine Freundschaftsdepesche an die franzö⸗ sische Parte dem Andenken Jaures huldigend: eine Beileidsdepesche an die englische Unabhängige Arbeiterpartei aus Anlaß des Hin⸗ icheidens Keir Hardies. Ferner wurden Sympathiedepeschen an Liebknecht, Zetkin und Luxemburg, deren Verhalten man zujubelte, gesandt.
Genosse Iglesias hielt noch eine Rede zugunsten des Vierver⸗ bandes, die von den Delegierten und vom Publikum mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde.
Die Vereinigten Staaten können sich mit solchen Be⸗
Reichstags⸗Disposi ionen.
Es steht nunmehr fest, daß der Reichstag am 30. No⸗ vember seine Arbeiten wieder aufnimmt. Diese erste Sitzung dürfte eigentlich nur eine formelle Bedeutung haben, indem sie dazu dient, die Denkschrift der Regierung über die wirt⸗ schaftlichen Maßnahmen der Budgetkommission zu überweisen und die Lex Schiffer in dritter Lesung zu erledigen. Der Reichstag soll dann wieder vertagt werden, bis die Haus⸗ haltskommission die Denkschrift durchberaten hat. Di Plenarsitzungen werden dann die Zeit bis kurz vor Weih⸗ nachten in Anspruch nehmen. Dann ist wieder eine längere Vertagung beabsichtigt, bis der neue Etat dem Hause vor⸗ gelegt werden kann.
Ein Hirtenbrief gegen den Kriegswucher haben die drei Generalsuperintendenten der Provinz Sachsen so⸗ eben an ihre Gemeinden gerichtet. Es heißt darin:„Wenn jetzt die Not des, Volkes Erzeuger und Händler verführen kann, ihre Vor⸗ räte zurückzuhalten, die Preise für die Nahrungsmittel hinaufzu⸗ treiben, übermäßig hohe Gewinne einzustreichen, so zeugt ein solcher Wucher in dieser schweren Zeit von Gewissenlosigkeit und harter Selbstzucht, gegen welche das Volksbewußtsein mit Recht sich empört.... Unser Volk weiß seine Kriegslasten mit Geduld zu tragen. Den gegenwärtigen Preissteigerungen aber liegt offenbar vielfach die Absicht zu Grunde, planmäßig die Notlage des Volkes zu eigener Bereicherung auszubenten. Gewinne solcher Arbeit er- wecken nicht nur tiese Bitterkeit, sondern bringen auch dem Er⸗ werber erfahrungsgemäß keinen Segen. In der heiligen Schrift alten und neuen Testaments wird deshalb auf das eindringlichste vor der Aussaugung der Armut gewarnt und der Wucher als schweres Verbrechen gegen die göttliche und menschliche Ordnung gebrandmarkt...
Jedem, der es mit unserem Volk treu meint, muß es auf das tiefste betrüben, daß in Tagen, wo wir so Großes von Gott er⸗ fahren und noch vor so ungeheure Aufgaben gestellt sind, eine so niedrige Gesinnung um des schnöden Mammons willen, auftauchen kann. Die Bestrafung der Schuldigen und die Besserung des Uebels durch gesetzliche und polizeiliche Maßnahmen ist nicht unsere Sache. Aber wir ermahnen und bitten alle wahren Vater⸗ landsfreunde in Stadt und Land, an ihrem Teile mitzuhelfen, daß dem Unwesen gesteuert werde, ehe durch die bereits vorhandene Er— bitterung ein neuer Riß im Volke sich auftut— schlimmer als er vor dem Kriege gewesen ist...“
Auch eine Pfarrerkonferenz in Bielefeld be⸗ zeichnet die ungerechtfertigte Verteuerung der Lebensmittel als „das Ernsteste, das im moralischen und vaterländischen Sinne Be⸗ denklichste, was wir seit Ausbruch des Krieges erlebt haben.“
Vam serbischen Kriegsschauplatz.
T. II. Bubapest, 9. Nov. Von den Franzosen wurden gestern sieben Regimenter von Saloniki mit der Eisenbahn nach Gewgeli befördert, von wo sie teils gegen Krivolae, teils in dem Abschnitt Malandowo⸗Strumitza vorgeschoben werden. Zwei Regimenter sind von Saloniki nach Gewgelt aufgebrochen. Ein Teil der englischen Kavallerie ist ue rau abgegangen. Die eng⸗ lische Heeresleitung fordert, daß für den Abtransport täglich 20 Züge zur Verfügung stehen, derartigen Anforderungen kann die Bahn aber nicht entsprechen. Die Franzosen haben in Saloniki Flugzeuge montiert und unternehmen schon Probeflüge damit, an denen sich in kurzer Zeit Flüge nach Serbien anschließen söllen. Die Hauptaufgabe der Bulgaren gegen Serbien ist nunmehr beendet: es bleibt nur noch übrig, die Reste der serbischen Armee kampf⸗ unfähig zu machen und mehrere Städte, wie Pristina, Leskowae, die noch in den Händen der Serben sind, zu erobern.
Die Beute der Verbündeten in Serbien.,
Dem Berl. Tagebl. wird aus dem K. und K. Kriegs— pressequartier gemeldet: In den letzten Tagen machten die Armeen Köveß und Gallwitz einschließlich der dreitausend in Krusevac gefangenen Serben, 12000 Gefangene. Die Ge⸗ samtzahl der Gefangenen seit Beginn der Offensive erhöhte sich damit auf rund 40000 Mann. An Geschützen wurden, umgerechnet der 80 gesprengten Geschützrohre, 340 Geschütze erbeutet; nämlich 260 von der Heeresgruppe Mackensen und 80 von den Bulgaren, hinzu kommen noch über 100 000 Ge⸗ wehre, zahlreiche Maschinengewehre, fünfzehn Minenwerfer, Scheinwerfer, Schanzzeug, Bahnmaterial, Trainparks, Sanitätseinrichtungen, sowie Vorräte und Munition in großer Menge.
A
Bulgarisch⸗griechische Verhandlungen.
T. U. Sofia, 9. Nov. Verläßlichen Mitteilut' folge sind die bulgarische und die griechische Regierun Verhandlungen zwecks Regelung der gegenseitigen polit und wirtschaftlichen Beziehungen getreten. Die Regieru kamen zur Erkenntnis, daß zwischen den beiden Ländern feine direkten politischen Gegensätze herrschen und daß die Grund⸗ bedingungen für ein wirtschaftliches Bündnis vorhanden sind. Die Verhandlungen nehmen einen günstigen Verlauf,
Schreckensherrschaft der Italiener in Valon g.
T. U. Athen, 9. Nov. Nach Zlättermeldungen aus Valong haben die Italiener dort eine wahre Schreckensherrschaft eing führt. Zahlreiche Personen wurden zum Tode verurteilt, darunter gerd zwei Griechen. Diese Nachricht ruft hier sichtliche Unruhe hervor. 9
Einberufunge itatienischer Reierven.
Gasel, 9. Nov. Die Basler Nachrichten melden aus Rom,
daß in Kürze die Einberufung der dritten Kategorie alt
noch nicht eingezogenen Heeresfähigen, im 800 000 Mann, erfolgen wird. Ein fiunischer Dampfer versenkt.
T. u. Stockholm, 9. Nov. Der sinnische Dampfer„Birgit“ wurde durch ein deutsches Unterseeboot, sechs Meilen vom Feuer⸗ schiff„Vaestra Banken“ im Bottnischen Meerbusen versenkt. Der
ganzen etwa
Dampfer führte Maschinen an Bord. Der Besatzung wurde Ge— 1
legenheit gegeben, sich zu retten. Rußland und Japan. 5 4 Hamburg, 9. Nov. Die Hilfeleistungen Japans für Rußland erwecken unter der jopanischen Bevölkerung ständig J wachsende Erregung und Widerspruch. Nach Meldungen aus Tokio hat eine energische Agitation gegen Ne Ueberlassung japanischer Waffen und Kriegsmaterial an Rußland 9 n
setzt. Die Studierenden japanischer Universitäten
einen Aufruf erlassen, in dem Rußland als der ärgste Feind i
bezeichnet wird. Verbotene Versammlungen.
Japans
Tagen erschienenen neuen Verordnungen wurde hingewiesen, derer Wirkung erst einmal abgewartet werden solle.
Eine für Tags zuvor in Aussicht genommene Versammlung der 1 Crispiengruppe, welche den gleichen Zweck verfolgte, war ebenfalls verboten worden, wobei allerdings zu bemerken ist, daß 1
*
dieser Gruppe schon vor längerer Zeit behördlich angekündigt wurbe, es würden ihr Versammlungen während der Kriegszeit nicht ge⸗
stattet.
1 F
Die Stuttgarter Arbeiterschaft wird sich durch diese Verbote iy ihrem Kampf gegen den Lebensmittelwucher nicht beirren lassen. ö
Priegs notizen. b
Vom Regen in die Traufe kamen 45 Russen, die von den reichern in Galizien gefangen genommen, zum Straßenbau
0
E
italienischen Front verwendet wurden und dort zu den Italienern
üüberliefen. Die„befreiten“ russischen Verbündeten
wurden in
Mailand mit Sekt bewirtet, mit Zigaretten beschenkt, durch An⸗
sprachen der Behörden gefeiert und schließlich über die Grenze abge⸗
schoben, um in die französische Armee geschickt in werden. 3 Der Pariser Deputierte Galli hat in der Kammer den An.
trag eingebracht, nach dem die vor Abschluß des Frankfurter
Friedens in den Departements Mosel, Meurthe, Ober⸗ und Ni 11 rhein geborenen Elfaß⸗Lothringer, welche der raugö⸗ sischen Staatsbürgerschaft verlustig gingen, diese ohne
weiteres wiedergewinnen sollen, sofern im Einzelfall von
ihnen lein Einspruch erhoben wird.
Der Schiffbrüchige. Erzählung von W. W. Jacobs.
(Nachdruck verboten.)
„Ich will tun, was ich kann,“ sagte der Alte langsam, als seine Besucher Platz genommen hatten,„aber ich kann nur sagen, was ich sehe. Wenn ich nicht alles sehe oder es nicht deutlich erkennen kann, do läßt sich das nicht ändern.“
Herr Kröger blinzelte Herrn Strobel an und wurde von diesem verständnisinnig gekniffen; Frau Strobel flüsterte ihnen hitzig zu, sie sollten sich anständig betragen.
Die mystischen Vorbereitungen waren bald beendet. Eine kleine Rauchwolke, durch die die wilden roten Augen des Wahrsagers Herrn Kröger scharf anguckten, stieg vom Tische auf. Dann goß er verschiedene Flüssigkeiten in eine kleine Porzellanschale und blickte, die Hand hoch erhoben, um Schweigen zu gebieten, aufmerksam da hinein.
„Ich sehe Bilder,“ verkündete er mit tiefer Stimme. „Die Häfen einer großen Stadt; Hamburg. Ich sehe einen mißgestalteten Mann mit einem krummen linken Bein auf Deck eines Schiffes stehen.“
Herr Strobel, dessen Augen sich vor Erstaunen welt öffneten, stieß Herrn Kröger in die Rippen, aber Herr Kröger, dessen Figur sein wunder Punkt war, gab keine Antwort.
„Das Schiff verläßt den Hafen,“ fuhr Herr Liebermann fort, der noch immer in die Schale blickte.„Jetzt kann ich den Bug sehen, worauf der Name gemalt ist. Der— der— 9
„Guck noch mal hin, alter Junge,“ knurrte Herr Kröger leise.
„Der„Nordstern“,“ sagte der Wahrsager.„Der miß— gestaltete Mann steht noch immer auf dem Vorderteil des Schiffes; ich kenne seinen Namen nicht oder wer er ist. Er zieht das Bild einer schönen jungen Frau aus seiner Tasche und betrachtet es ernsthaft.“
Frau Kröger, die sich keinen Illusionen bezüglich ihres Aussehens hingab, setzte sich aufrecht, als wenn sie gestochen wäre, Herr Strobel, der schon wieder im Begriff war, Herrn Kröger in die Rippen zu stoßen, überlegte sich die Sache und nahm eine Miene reinster Unschuld an.
„Das Bild verschwindet,“ sagte Herr Liebermann.„Ahl
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Ich seh' schon, ich seh' schon. Ein Schiff im Sturm auf hoher See. Es ist der„Nordstern“; er ist im Sinken. Der miß⸗ gestaltete Mann vergießt Tränen und verliert den Kopf. Ich kann den Namen dieses Mannes nicht herausbekommen.“
Herr Kröger, der verschiedene Male auf dem Sprunge gestanden hatte, die Sache zu unterbrechen, räusperte sich und bemühte sich, unbeteiligt zu erscheinen.
„Das Schiff sinkt,“ fuhr der Sterndeuter mit schauriger Stimme fort.„Ah! Was ist das? Ein Stück von den Schiffstrümmern mit einem sich daran klammernden Affen? Nein, nein. Wieder der mißgestaltete Mann. O je!“
Seine Zuhörer saßen wie gebannt da. Nur das müh⸗ same und heftige Atmen des Herrn Kröger unterbrach die Stille.
„Er ist allein auf dem weiten Meere,“ fuhr der Seher fort.„Die Nacht senkt sich herab. Der Tag bricht an, und ein Kanoe, von einem schlanken und hübschen, aber dunkel⸗— häutigem Mädchen gerudert, näherte sich dem Schiffbrüchigen. Sie hilft ihm in das Kanoe, und sein Haupt sinkt auf ihren Schoß, wie sie mit kräftigen Ruderschlägen das Kanoe einem kleinen mit Palmen besetzten Eiland zulenkt.“
„Hier, hören Sie mal—“ begann der gequälte Herr Kröger.
„Sch! Sch!“ machte der stark interessierte Herr Strobel. „Können Sie nicht ruhig sein?“
„Das Bild verblaßt,“ fuhr der alte Mann fort.„Ich sehe ein neues: eine Eingedorenen-Hochzeit. Es ist das braune Mädchen und der Mann, den sie rettete. Ah! Die Hochzeit wird unterbrochen; ein junger Mann, ein Ein— geborener, stürzt sich auf die Gruppe. Er hat ein langes Messer in seiner Hand. Er springt auf den mißgestalteten Mann zu und verwundet ihn am Kopfe.“ g
Unwillkürlich fuhr Herrn Krögers Hand nach der ehren⸗ vollen Narbe und die Köpfe der anderen wandten sich, um einen Blick darguf zu wersen. Der Ausdruck in Frau Krögers Gesicht war schrecklich, aber dasjenige der Frau Rogenbuck trug den Ausdruck betrübten und stillen Triumphes einer Person, die die Männer kennt und sich über nichts mehr wundert, was sie tun.
Die Szene verschwindet,“ ließ sich die monotone Stimme wieder hören,„und eine neue gestaltet sich. Derselbe Mann
steht auf dem Verdeck eines kleinen Schiffes. Der Name am
Bug ist„Peer“— nein,„Paris“— nein, nein, nein, „Pearl“. Es verschwindet vom Ufer, wo die braune Maid mit flehentlich ausgestreckten Armen steht. Der mißgestaltete Mann lächelt und zieht das Bild des jungen und schönen Mädchens aus seiner Tasche.“
„Hören Sie mal,“ sagte der wütende Herr Kröger, ich glaube, wir haben jetzt genug von dem Unsinn gehabt. wenigstens— mehr als genug.“
„Das wundert mich gar nicht,“ sagte seine Frau, vor Wut zitternd.„Du kannst gehen, wenn Du willst. Ich werde noch hierbleiben und alles bis zum Schluß anhören.“ N
„Bleiben Sie ruhig sitzen,“ drängte der mächtig inter⸗ essierte Herr Strobel.„Er hat doch nicht gesagt, daß Sie das sind; es gibt doch wohl mehr als einen mißgestalteten Mann in der Welt?“
„Ich sehe einen englischen Ozeandampfer,“ sagte der Seher, der anscheinend während dieses Wortwechsels im Trance gewesen war.„Er fährt von Australien nach Deutsch⸗ land. Ich kann deutlich seinen Namen sehen: Towers“. Derselbe Mann ist da an Bord. Das Schiff kommt in Hamburg an. Die Szene schließt: eine neue bildet
sich. Der mißgestaltete Mann sitzt bei einer Frau mit einem
hübschen Gesicht— graphie.“
„Was die an ihm finden, kann ich nicht begreifen,“ murmelte Herr Strobel neidisch.„Er ist ein wahres Schreck⸗ bild, und ihn anzusehen—“
nicht derselben, wie auf der Photo⸗
erhobener Stimme fort.
0 ö
30
4
„Marston
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„Sie sitzen Hand in Hand da,“ fährt der Wahrsager mit „Sie lächelt ihn an und streichett
zährtlich seinen Kopf; er——“ 7
Ein lauter Klaps scholl durch das Zimmer und schreckie die ganze Gesellschaft auf: Frau Kröger, unfähig, länger an sich zu halten, war, ohne von dem guten Beispiel 9 profitieren, in das andere Extrem verfallen und ohrfeigte ihren Gatten mit größter Heftigkeit. 5 wntentbrannt auf die Füße, und in der nun entstehenden Verwirrung verschlttete der Wahrsager zum großen dauern Herrn Strobels den Inhalt der Zauderschale.
„Jetzt kann ich nichts mehr sehen,“ sagte er, schnell in 5 seinen Stuhl hinter dem Tisch sinkend, als Herr Kröger auf ihn eindrang. ö
(Schluß folgt.)
Herr Kröger sprang


