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Hessen und Nach bargebiete.
Gießen und Umgebung.
Neue schwere Kartosselnot im Westen
Trotz aller Verfügungen, Verwarnungen und g der Landwirtschaftskammern und der Bauernvereine die die Bauern veranlassen sollten, schnell mit größeren Kartofsel. vorräten auf dem Markte zu erscheinen, steht der Westen Deutschlands, vor allem die Großstädte, vor neuen 1 Kartoffelkalamitäten, und es beginnt wieder die Jagd 3 einigen Pfund des unentbehrlichen Nahrungsmittels Be⸗ sonders sind in Köln geradezu beängstigende Zustände ein— getreten. Schon in den frühen Morgenstunden sind an den
Mahnungen
städtischen Verkaufsstellen die Kartoffeln ausverkauft; die
Vorräte der städtischen Vorwaltung sind gering, noch geringer die in freiem Handel befindlichen Mengen, und man fragt sich, was etwa beim Eintritt einer Frostperiode werden soll Mehr und mehr stellt sich heraus, daß die Verordnung vom 9. Oktober mit ihrer Erwerterung vom 28. Oktober v spät kam.
Daneben werden der Kartoffelversorgung der Städte noch von anderer Seite Schwierigkeiten bereitet. Die Kölner Stadtverwaltung hatte mit einer Handelsgesellschaft von Kartoffelgroßhändlern eine Vereinbarung getroffen, wonach diese an jedermann Kartoffeln mit dem ziemlich geringen Verdienst von 30 Pfg. pro Zentner abgeben mußten. Das klappte zunächst; da aber verboten plötzlich die Landräte der Kreise Koblenz und Mayen, der Hauptbezugsgebiete, die Ausfuhr von Kartoffeln. Trotz Vermittlung der Regierung und einer„dringenden“ Beglaubigung des Kölner Ober⸗ bürgermeisteramts verharrt der Landrat von Mayen weiter auf seinem Standpunkt, weil er nur an Städteverwaltungen und nicht an Großhändler liefern will!
Aus der Seele des Soldaten.
In der Semaine Littéraire veröffentlicht Romain Rolland zwei Briefe, die ein als Unteroffizier im Felde stehender französischer Lehrer, ein alter Verehrer des Dichters, au ihn gerichtet hat. Diese Briefe eröffnen einen Blick in das Seelenleben und in die Stim⸗ mungen des französischen Soldaten. Es heißt in einem dieser Briefe: „Alles, was ich gesehen und gehört habe, seitdem ich hier bin, hat mich davon überzeugt, daß der Krieg nie genug gehaßt werden kann, sowie ferner, daß er von denen, die ihn führen, von Herzensgrund gehaßt wird. Er ist herzlich verhaßt. Der„Poilu“(der Soldat) hat nichts von einem Haudegen an sich; sein lebhafter Wunsch ist, aus dem Kriege heimzukehren und nie wieder damit zu beginnen. Ich versichere Ihnen, daß die Krieger von heute die sichersten Frie⸗ densfreunde der Zukunft sind. Diese Meuschen werden ihre Pflicht auch weiterhin tun: denn das ist notwendig für den Frieden, flür den siegreichen Frieden, der das Wesentliche ihrer Gedanken aus⸗ macht. Der Krieg verdient gehaßt zu werden; denn abgesehen von all seinen Schrecken, die man sich nicht vorstellen kann, hat er nicht einmal das so oft gerühmte Verdienst, in den Seelen die heroischen Tugenden zu wecken und sestzuhalten. Die Anfangskrise ist längst. dahin. Nach der Begeisterung eines Augenblicks, die alles Niedrige und Mittelmäßige zum Schweigen gebracht hatte, sind die Seelen fehr schnell wieder das geworden, was sie waren: die einen vornehm, die anderen gering, die Mehrzahl ohne Größe wie ohne Niedrigkeit, einfach und anspruchslos. Tausend Kilometer von ihren Feldern entfernt finde ich unsere Landleute wieder, wie sie auf dem Lande sind: wie sie die Verhältnisse mit satalistischem Verzicht hinnehmen, ihre Aufgabe willig und mit der gewohnten Geduld erfüllen, sich häufig beklagen und immer gehorchen, keineswegs heldische, aber tüchtige Menschen. Der Krieg hat nichts in ihnen geschaffen, er hat ihnen keine Eigenschaft beschert, die sie nicht schon besaßen.““ Was ie Lobgefänge zu Ehren der Soldaten betrisst, die die französischen eitungen anstimmen, so bemerkt der Briefschreiber, daß die Sol⸗
ten, die sich in diesen Auslassungen nicht wiedererkennen, nur darüber lachen, ebenso wie sie über die gefälschten Vilder lachen, die den Anspruch erheben, das innere Leben an der Front kennen zu lehren.„Sie lassen sich kein K für ein u machen, sie sehen den Krieg zu sehr in der Nähe, unn ihn malerisch, ideal, wohltätig zu finden. Daß der Krieg bei einigen eine reinigende Krisis hervor⸗ gebracht hat, glaube ich gern: baß er aber die Gesamtheit verändert, der Masse eine Richtung aufgedrückt habe, die einige gern bei ihr sehen möchten, das leugne ich. Der Wunsch, der bei allen zum Aus⸗ druck kommt, die der Krieg zusammengeführt hat, ist, daß er nicht wieder beginne, daß ihre Kinder seine Häßlichkeit nicht mehr kennen lernen möchten.“ 8
— Städtischer Kartoffelverkauf. Heute hat der Klein- verkauf von Kartoffeln durch die Stadt begonnen und wird bis auf weiteres jeden Dienstag und Freitag vormittag in der alten Gewerbeschule, Asterweg 25, erfolgen. Es werden bis zu 20 Pfund abgegeben, das Pfund für 4 Pfg.
— Städtischer Wildfleisch⸗ Verkauf. Am nächsten Donnerstag vormittag werden vom Metzgermeister Fr. Schreiner, Seltersweg, im Auftrage der Stadt eine An. zahl Rehe zerlegt verkauft und zwar zu folgenden Preisen: Keule und Rücken 1,20—1,30 Mk., Vorder blatt 8090 Pfg., Ragout mit Kopf 40 Pfg. ohne Kopf 50 Pfg. das Pfund.
— Die Schweinepreise sind am Samstag am Viehmarkte in Berlin ganz erheblich zurückgegangen. Durch⸗ schnittlich fielen sie um 40 Mark pro Zentner Lebendgewicht. Es waren an dem für die Preisbildung maßgebenden Vieh- markte 11 483 Schweine aufgetrieben, doch hielten sich die Käufer sehr zurück, sodaß erheblicher Ueberstand verblieb. Ohne Zweifel hat die Festsetzung der Höchstpreise die 15 die Konsumenten erfreuliche Wirkung hervorgebracht. Hoffent⸗ lich kommt der Rückgang baldigst in den Fleischpreisen zur Geltung. 3 5
„ Schwurgericht der Provinz Oberhessen tritt am Montag den 6. Dezember, vormittags 90 Uhr, 0 1 periode des vierten Quartals zahmen. Zum Vorsitzenden ist Landgerichtsrat Hirsch bestimmt. ö
— ese aus Oberhessen und eee Reservist Karl Haas aus Burkhardsfelden, 19 t. Inf. Reg. 10— Karl Scharmann aus Groß. Je a5 1 Reg. 253.— Wehrmann Heinrich Mathes aus Aßlar,
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erfordert 300 000 Mk. und hätte ohne weiteres wesentlich höher be⸗ messen werden können. An dle Rücklage gehen 248 000 Mk.(0), für Zwecke der Kriegsfürsorge werden 100 000 Mk.(30 000 Mk.) be⸗ stimmt, für Tantiemen 3111 Mk.(13 333 Ml.) und vorzutragen bleiben 62 398 Ml.(28 644 Mk.). In dem Geschäftsbericht begleitet die Verwaltung diese Abrechnung mit folgendem Klagekled:„Die Beschaffung von Rohleder hat die größten Schwierigkeiten gemacht, da die mit den Lieferanten zu niedrigen Preisen getätigten Abschllisse nicht eingehalten wurden und die Gesellschaft Leder zu den stark in die Höhe getriebenen Tagespreisen übernehmen mußte. Aus diesem Grunde ist auch der Verdienst auf die Stieselaufträge der Heeres⸗ verwaltung ganz minimal gewesen. Im neuen Geschäftsjahre ist das Unternehmen mit Aufträgen voll beschäftigt, doch ist durch die fortlaufenden Einberufungen die Zahl der Arbeiter stark reduziert, und auch die Beschaffung des Rohmaterials ist nach wie vor außer⸗ ordentlich. Hiernach bleibt die Frage offen, an welchen Artikeln die Gesellschaft die gewaltigen Gewinne erübrigen konnte. wolche die Steigerung der Ueberschüsse ermöglichten. Ist der Ver⸗ dienst an den Militärlieferungen tatsächlich„Hanz minimal“ gewesen und die betressende Feststellung in dem Bericht nicht etwa im Hin⸗ blick auf die kommende Besteuerung der Kriegsgewinne erfolgt, so wäre das gleichbedeutend mit dem Eingeständnis einer ungerecht⸗ fertigten Belastung des Publikums, dem in der gegenwärtigen schweren Zeit Preiszuschläge auferlegt wurden, die, wie die obige Abrechnung klar beweist, der Berechtigung durchaus entbehren. Eine Gewinnsteigerung wie im vorliegenden Falle dokumentiert eine häßliche Ausnutzung der Kriegszeit. Sie entspricht nicht dem Ver⸗ langen der Reichsregierung, den Bezug notwendiger Bedarssartikel der Bevölkerung nicht durch übermäßige Verkaufspreise zu er⸗ schweren.
Den Namen des Absenders nicht vergessen! Unerläßlich ist bei allen Feldpostsendungen die Angabe des Absenders. Es lagern bei den Postdienststellen noch immer größere Mengen von unbestellbar gewordenen Feldpostkarten, riesen und Liebesgaben, die mangels irgendwelcher Angabe über den Absender nicht zurückgegeben wer⸗ den können und deshalb unanbringlich bleiben. Wir können den Auflieferern von Feldpostsendungen in ihrem eigenen Interesse nur dringend empfehlen, auf allen Sendungen den Namen und die Wohnung des Absenders zu vermerken.
— Kabale und Liebe. Im Stadttheater gelangt morgen, Mitt⸗ woch, an Schillers Geburtstag, das genannte Werk des Dichters als Volksvorstellung zur Aufflihrung. Wir möchten darauf ganz be⸗ sonders hinweisen und zum BVesuche amregen. Wer in Arbeiter⸗ kreisen sich heute noch die Ausgabe ftir eine Theaterkarte— sie sind ja bei Volkspveisen sehr billig— erlauben bann, soll das Stiick an⸗ sehen, zumal unsere Klassiker jetzt sehr selten auf dem Spielplane erscheinen. Wie die meisten Schillerschen Dramen, übt„Kabale und Liebe“ einen gewaltigen Eindruck auf den Hörer aus, das Publikum wird hingerissen und begeistert. Es ist die Hoheit der Gesin⸗ numg, der das Werk durchglühende ehrliche und starke Idealismus, welcher uns packt und ergreift. Ein paar Worte darliber:„Kabale und Liebe“ wurde 1783 in Bauerbach, im Hause der Frau Henriette von Wolzogen, die kinderreich und selbst nicht sehr begütert, für Schiller Interesse gewann und ihm über die ärgste Not hinweghalf, vollendet. Allen dreien seiner Ingendwerke ist der Fehdehandschuh, den er der hestehenden Ordnung mit kühner Hand hinwarf, gemein⸗ sam. Die„Räuber“ sind ein Aufruf gegen alle Verhältnisse der be⸗ stehenden Ordnung: Gesellschaft, Wirtschaft und Recht. Im„Fiesko“ weht republikanischer Atem.„Kabale“ und Liebe“ aber zeigt der Welt das furchtbare Spiegelbild einer verkommenen Zeit, es ist ein kulturgeschichtliches Dokument ersten Ranges aus einer Zeit, die Schillers Vater noch erlebt, deren Folgen dem Karlsschüller und Re⸗ aimentsaedikus nicht erspart blieben, und die ihm beinahe auch ein langsames Sterben in den dunklen Verließen von Hohenasperg ver⸗ schafft hätte. Der revolutionäre Gegensatz der Stände und ihrer Moral trägt das Stlick; und solange es Stände und Klassen und damit auch eine unüberbrückbare Moral gegensätzlicher Klassen geben wird, ist Schiller hier seiner Wirkung gewiß. Auf der einen Seite im Drama der Hof mit einem verdorbenen Hosgesindel und einem ebenso schlechten Herzog an der Spitze, auf der anderen Seite das Bürgertum, das eben erst begann, sich wieder als„Stand“ zu fühlen und nicht mehr ein Spielball adliger Kreise sein wollte, aber noch nicht die Kraft besaß, sich von seinen Bedrückern zu be⸗ freien. Der Präsident von Walter, der sich durch Mord seine Stel⸗ lung erobert, trägt die Züge des heimtückischen Grafen Monmartin, Karl Eugens, des Herzogs von Württembergs Kanzler. Auch die Züge des Obersten Rieger, Schillers Pate, des Mannes, der ohne Schein von Recht mit brutaler Gewalt die Soldaten zusammentrieb und für Karl Eugen an Frankreich verschacherte, finden wir beim, Präsidenten wieder.(Ja, selbst Schillers Vater war An⸗ werber von Soldaten, die verhandelt und verkauft wurden, ge⸗ wesen). Auch die übrigen Personen, der Hofmarschall von Kalb, ein Geck und Asse allerschlimmster Sorte, die Lady Milford, des Herzogs Mätresse, die einzige anständige Person im Hofkreise, der Stadtmusikant Miller, ein Bürgersmann mit den Stärken und Schwächen eines solchen, seine Frau, devot, dumm und unge⸗ bildet, die sich freut, wenn das Holgesindel die Familie einer Gnade würdigt— alles Gestalten, die Schiller erlebt und gekannt hatte. Der Herzog erscheint nicht, aber wir hören von ihm sprechen und wissen, daß die Zeichnung auf Karl Eugen, den damaligen Herzog von Württemberg, paßt, dessen Hofhaltung an Pracht und Verschwendung mit dem 608 von Versailles wetteiferte und unter dessen Druck das Volk die härtesten Expresfungen erdulden mußte. Mit eisernem Griffel prägen sich dem Sinne Szenen ein, wie die Ueberbringung eines Kistchens mit Diamanten an die fülrstliche Mätresse, die der Herzog für 7000 verkaufte Landeskinder erzielt hatte.„Es traten wohl so etliche vorlaute Bursch' vor die Front heraus und fragten den Obersten, wie teuer der Fitrst das Joch Menschen verkaufe?— Aber unser gnädigster Landesherr ließ alle Regimenter auf dem Paradeplatze aufmarschieren und die Maulafsen niederschießen. Wir hörten die Büchsen knallen, sahen ihr Gehirn auf das Pflaster spritzen, und die ganze Armee schrie: Juchhe! nach Amerika!“— Auf diesem Hintergrunde heben sich die beiden Helden des Stückes ab: Ferdinand, der Sohn des Prüsidenten Walter, der die Luise Millerin, das Bürgermädchen, die Tochter des Stadtmusikanten, aller Konvention zum Trotz, liebt, und die beide eln Opfer der sich entspinnenden Ränke des Vaters von Ferdinand und eines enttäuschten Liebhabers, des Sekretärs Wurm, werden— beide Gestalten der Phantasie des Dichters.— Wir sind überzeugt, daß unsere Bühne das Meisterwerk Schillers in künstlerischer Vollen⸗ dung herausbringen und den Besuchern einen hohen Genuß bieten,
wird. Kreis Meklar.
n. Lebensmittel⸗Einkaufsgesellschaft der Städte. Wie vor einiger Zeit mitgeteilt wurde, haben eine Anzahl Städte an der Lahn, Dill und im Westerwald eine Lebensmittel-Einkaufsgesell⸗ schaft gebildet, um die Bevölkerung mit Lebensmitteln zu versorgen. Man hat zu diesem Zwecke eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung gebildet, deren Sitz sich in Limburg befindet und die über ein Stammkapital von 20000 Mark verfügt. Die Wetzlarer Stadtver⸗ ordneten⸗Versammlung genehmigte in ihrer Sitzung am Freitag den Beitritt zur Gesellschaft mit einer Kapital-Beteiligung von 3500 Mark. Birgermeister Dr. Kühn ist Mitglied des Aufsichtsvats.
n. Die Wetzlarer Märkte sind für nächstes Jahr von der Stadt⸗ verordneten⸗Versammlung auf 4 1 Tage festgesetzt worden: 17. Januar Viehmarkt, 28. Februar Kram⸗ und Viehmarkt, 14. März Viehmarkt, 28. März Kram⸗ und Viehmarkt, 25. April Viehmarkt, 9. Mai, 18. Juni, 25. Juli, 22. August, 26. September und 17. Ok⸗ tober jeweils Kram⸗ und Viehmarkt, 14. November Viehmarkt, 28. November Kram⸗ und Viehmarkt, 19. Dezember Kram⸗ und Vieh⸗ markt(Weihnachtsmarkt).
— Die Zahl der Kriegsopfer aus Wetzlar beträgt nach An⸗ 5 des Birgermeisters 140. Das sind jedenfalls nur die, deren
od sicher bekannt ist, es ist sehr wahrscheinssch, daß es der Ge⸗ fallenen jetzt schon mehr sind.
Von Nah und Fern.
Ein Straßenbahnwagen in eine Musktapelle gesahren. Am Samstag mittag marschlerte in Mainz das 21. Plonier⸗Bataillon durch die Rheinallee. Als die vorangehende Mustkkapelle mehreren dort stehenden Kohlenfuhrwerken ausweichen und, das Straßen- bahngleis betreten mußte, sauste von hinten ein Motorwagen mit Anhänger heran und fuhr direkt in die Kapelle hinein. Ein Schrei des Schreckens ertönte, die Leute flelen übereinander und wurden. eine Strecke mitgeschleift. Ein Unterofsiaser wurde bewußtlos in. ein Nachbarhaus getragen und von dort mittelst Tragbahre ins Feldberglazarett gebracht, ein anderer Unteroffizier wurde eben⸗ falls blutig verletzt, außerdem exlitten andere Hautabschürfungen. Den Musikern wurden die Helmspitzen abgefahren und eine Anzahl Instrumente schwer beschädigt. 0
„Bender Antonius.“ Der 64 Jahre alte Lalenbruber S N Alois Kempf, genannt Bruder Antonius, vom Kapellenberg ö Zeil, hatte sich vor der Straflammer des Landgerichts in Schwein⸗ furt wegen 14 Verbrechen wider die Sittlichkeit und widernatür⸗ licher Unzucht zu verantworten. Der Angeklagte wurde am 22. Juli verhaftet. Zu der Verhandlung, die unter Ausschluß der Oessent⸗ lichkeit stattfand, waren 30 Zeugen, darunter 18 Knaben unter 14 Hahren, geladen. Während der Nugellagte in der Vorunterfuchun, alles leugnete, legte er nach Zureden des Gerichtsvorsitzenden seines Verteidigers ein umfassendes Gestänbnis ab. Die Verhand⸗ lung ergab, daß sich der Angeklagte während seiner 12hährigen An⸗ wesenheit auf dem Staffelberg und seit 1018 auf dem Kapellenberg in schamloser Art an den Kindern verging. Der Angeklagte wurde schon früher schweinischer Handlungen verdächtigt, aber immer ver⸗ stand er es, gegen die Zeugen so vorzugehen, daß diese mit ihren Aussagen zursickhielten und ein Verfahren nicht eröffnet werden konnte. Gleichwohl setzte er das Verderben der Jugend fort. In früheren Zeiten war der Beschuldigte in Klöstern in Wlirzburg und Salzburg, wo er fortgejagt wurde, weil er sich damals schon verdächtig machte, daß er den Zöglingen und Ministranten zu nahe kam. Verwerflich ist seine Tat umsomehr, weil er sich meistens seine Firmpaten als Opfer auserwählte. Solche Paten waren öfter mehrere Wochen zum„Erholungsurlaub“ bei dem„f 4 Manne. Statt für ihr Wohl zu sorgen, hat er sie moralisch ruiniert. Nachdem Landgerichtsarzt Dr. Schulze den Angeklagten für voll⸗ ständig gesund und für seine Handlungen in vollem Sinne verant⸗ wortlich erklärte, beantragte der Stagtsanwalt eine Gesamtzucht⸗ hausstrafe von 9 Jahren und 10 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautete unter Ausschluß mildernder Umstände auf 4 Jahre 0 Mo⸗ nate Zuchthaus und die beantragte Nebenstrase.
Parteinachrichten. Carl Webdig gestorben.
Am Freitag früh starb in Cassel der Geschäftsführer des dortigen Konsumvereins, Carl Weddig, im Alter von erst 43 Jahren an einer Lungenent 7 5 Unser Casseler Partelblatt schreibt von ihm: Der Tod dieses Mannes reißt in schwerster Zeit eine äußerst fühlbare Lücke in die Reihen der Casseler Arbeiter⸗ schaft, insbesondere aber in den großen Kreis derer, die sich seit Jahren um das Banner des Casseler Konsum⸗ und Sparvereins scharten. Carl Wedͤdig war so recht eigentlich die Seele dieses blühenden gemeinnützigen Unternehmens. Als am 15, Dezember 4900 eine kleine Schar, ganz 27 Leute, zur Gründung des ereins schritt, war auch Weddig unter diesen Pionjeren der Casseler Ge⸗ nossenschaftsbewegung. Er wurde sofort zum Geschäftsführer des jungen Unternehmens ernannt. Von Haus aus nicht Kaufmann, sondern einfacher Drechsler, entwickelte Weddig bald über⸗ raschende kaufmännische Fähigkeiten und glänzendes organisatori⸗ sches Geschick. Unter seiner Leitung wuchs der Konsumverein aus kleinen Anfängen zu einem der größten kaufmännischen Unter⸗ nehmungen(mit großem eigenem Etablissement und vielen Filialen) der Stadt Cassel empor. Eine besonders glückliche Hand, deren Wirken den heute mehr als 8500 Mitgliedern stets zugute kam, leitete Weddig bei den großen Warenabschlüssen für seinen Verein, an dessen Wohlergehen er mit Herz und Seele hing.— Auch in der Partei- und Gewerkschaftsbewegung entfaltete der Ver⸗ storbene eine eifrige Tätigkeit, der sich auch überall großer persön⸗ licher Beliebtheit erfreute..
Tagesbericht des Guten Hnuttuntfen,
Erfolge im Luftkampf. g Erfolglose Angriffe der Russen. Gute Beute in Krusevac. W. B. Großes Hauptquartier, 8. Nov., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz,
In den Vogesen schlossen sich nordöstlich von Celles au die Besetzung eines feindlichen Minentrichters durch unsere Truppen lebhafte Nahkämpfe mit Handgranaten und Minen an. Am Hilsenfirst wurde dem Gegner ein vorgeschobenes Grabenstück entrissen.
Leutnant Immelmann schoß gestern westlich von Dou i das sechste feindliche Flugzeug ab, einen mit drei Maschinen⸗ gewehren ausgerüsteten Bristol⸗Doppeldecker.
Oestlicher Kriegsschaupla tz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. ü
Südlich und südwestlich von Riga, ferner westlich von Jakobstadt beiderseits der Eisenbahn Mitau—Jakobstadt und vor Dünaburg griffen die Russen nach starker Feuervorbe⸗ reitung mit erheblichen Kräften an. Ihre Angriffe sind, teil- weise unter schweren Verlusten für sie, abgeschlagen. 5
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Keine wesentlichen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Russische Angriffe nordwestlich von Czartorysk blieben erfolglos. Drei Offiziere, zweihunderteinundsiebzig Mann fielen gefangen in unsere Hand.
Balkan.
Oesterreichisch-ungarische Truppen haben Iwanjica und den Vijenac(896 Meter) sieben Kilometer nordöstlich davon erreicht.
Deutsche Truppen sind im Augriff auf die Höhen südlich, Kraljewo. Zwischen Kraljewo und Krusevac ist die westliche Morava an mehreren Stellen überschritten. Krusevac wurde bereits in der Nacht vom sechsten auf den siebenten November besetzt. Ueber dreitausend Serben sind unverwundet gefangen
enommen, über fünfzehnhundert Verwundete wurden in azaretten gefunden.
Die Beute besteht, soweit bisher feststeht, in zehn Ge⸗ schützen, viel Munition und Material, sowie erheblichen Ver⸗ pflegungsvorräten.
Im Tale der südlichen Praskovce durchschritten.
(Binacka-)Morava wurde Oberste Heeresleitung.


