London und wird wahrscheinlich
sagen der Regierung und zu der Darlegung des der Zen⸗ trumspartei angehörenden Referenten für den Gesetzentwurf stand, der sich der Regierung angeschlossen hatte. Anscheinend eingeschüchtert durch diesen Vorstoß des Abg. Held, des Vor- sitzenden der Zentrumsfraktion, schränkte nun der Minister des Innern, Frhr. v. Soden, die Regierungserklärung wesentlich ein. Durch diese Erklärung wird die zugesagte Gleichberechtigung der Sozialdemokratie wieder aufgehoben. Sozialdemokraten und Liberale wandten sich scharf gegen die Regierung; die Weiterberatung wurde ausgesetzt, um den Fraktionen Gelegenheit zu geben, zu der neuen Situation Stellung zu nehmen. 5
Nach Münchener Meldungen der Berliner Blätter soll der Vorgang so ernst sein, daß eine Krise im Ministerium wie im Abgeordnetenhause befürchtet wird.
Die katholische Internationale.
Der Erzbischof Andrien von Bordeaux hat an den Bischof Chavon von Nigza ein Glückwunschschreiben zu dessen Schrift „Frankreich und Deutschland vor der katholischen Lehre über den Krieg“ gerichtet. In dieser Schrift heißt es:
„Deutschland will uns veranlassen, zu verzichten auf die Ver⸗ ehrung des wahren Gottes und uns zwingen, anzubeten und zu dienen seinem„alten Gotte“, der kein anderer als es selbst ist. Man muß Deutschland auf Leben und Tod bekämpfen mit dem Kriegsruf:„Gott will es!“ Denn das ist ein Kreuzzug, weil wir in der Verteidigung unseres Vaterlandes unseren Glauben ver⸗ teidigen.“
Dazu bemerkt der Badische Beobachter, Hauptorgan der badi⸗ schen Zentrumspartei(Nummer 498):
„Wodurch unterscheidet sich die eigenartige Kreuzzugspredigt des Herrn Kardinal von Bordeaux noch von dem mohammedani⸗ schen Glaubenssatz, daß der beste Kampf(mit der Waffe) der Kampf gegen die Ungläubigen sei, wobei allerdings der Moham— medaner das vor dem Kardinal voraus hat, daß die Feinde gegen die er kämpfen soll, wirklich Nichtmohammedaner sind, während der französische Kardinal zu einer einem nicht selbst hysterischen Menschen albernen Fiktion seine Zuflucht nimmt. Französische Kirchenfürsten, wie der Kardinal von Bordeaux, welche ihren
0 5 5 Er blieb die Antwort schuldig⸗
T. U. Amsterdam, 1. Nov. Im Unterhause hatte, wie ge⸗ meldet, Bryce die Regierung interpelliert über die Gerüchte wegen bevorstehenden Friedensverhandlun⸗ gen, worauf Lloyd Georges au sweichend geantwortet hatte. Jetzt gibt der Sitzungsbericht des Unterhauses ganz am Schlusse an, daß Bryce fragte, ob die englische Regierung zum Beginn der Friedensverhandlungen erm utigen würde, worauf der Minister die Antwort gänzlich schuldig blieb.
Er ist„unwohl“.
T. U. Stockholm, 1. Nov. Djen sagt, daß in politischen Kreisen versichert wird, Sasonow werde nicht zu der Pariser Konferenz der diplomatischen Leiter der Ententemächte abreisen. Sasonow fühle sich nicht ganz wohl.
England im Orient.
Die Blätter melden aus Bagdad: Englische Soldaten, die von den Türken gefangen genommen sind, erzählen, daß überall in Indien Unruhen ausgebrochen und daß in den letzten Tagen an der afghanischen Grenze bewaffnete Konflikte vorgekommen seien. Infolge dieser Ausstände halten die Engländer die Truppen in Indien zurück und senden den in Mesopotamien kämpfenden Truppen keine Verstärkungen mehr. Die mesopotamischen Stämme beunruhigen fort⸗ während die englischen Truppen, deren Schwäche sie erkannt haben. Um die Enpsendung von Verstärkungen vorzutäuschen, bringen die Engländer während der Nacht einen Teil der Truppen auf Schiffe und setzen sie am nächsten Tage an einem anderen Punkte ans Land. Es verlautet, daß die Engländer im letzten Kampfe am Tigris über 2000 Mann verloren haben. f
Ein deutscher Großindustrieller in Mailand verhaftet.
katholischen Geist verleugnen und nur noch fanatische er ee
bezw. Deutschhasser sind, die verächtliche Landesverräter, wie Wetterle, auf ihren Kanzeln sprechen lassen, sind Kirchenverwüster statt Kirchenfürsten, sind ein Kreuz für die katholische Kirche und für den Vater der katholischen Christenheit, sind ein schlechtes Beispiel für die Katholiken der ganzen Welt und ein tief zu be⸗ klagendes Aergernis für alle Gläubigen.
Die erbische Armee vor dem Zufammenbruch?
Budapest, 1. Nov. Der Kriegsberichterstatter der Pesti Hirlap meldet: Die serbische Armee ist nicht in der Lage, sich in die Berge zurückzuziehen, da es keine Wege gibt und die Munitionsversorgung unmöglich ist. Wenn Serbien den Kampf noch aufnehmen will, erfolgt die Entscheidung im Moravatale oder vor Kragujevac. Ser— bische Divisionen haben Verluste bis zur Hälfte ihres Be— standes erlitten.
Die Aufstandsbewegung in Serbisch⸗Mazedonien. 18 T. U. Konstantinopel,. Nov. Die Aufstandsbewegung in Serbisch⸗Mazedonien hat, nach Salonikier Privatdepeschen, einen gefährlichen Umfang angenommen. In vielen Städten waren die serbischen Behörden zur Flucht gezwungen und die mazedonischen Banden sind unbestrittene Herren des Landes.
Beschießung von Nisch.
Berlin, 1. Nov. Der Berichterstatter Aram meldet dem Berliner Lokalanzeiger aus Sofia unterm 29. Oktober: Die bulgarische Artillerie beschießt, von Knjazevac und Pirot vor— gehend, die Außenforts von Nisch von Osten und Nordosten her. Aus den Kämpfen um Pirot, das die Festung Nisch schützen sollte, wird noch bekannt, daß die Serben reichlich mit amerikanischer Munition versehen waren.
Joffres Besprechungen i London.
Kristiania, 31. Okt. Es wird angenommen, daß der Be⸗ such Joffres in London in Verbindung mit den Bemühungen steht, eine größere Einheitlichkeit in der Führung der militärischen Oeperationen der Alliierten zu schaffen. Joffre bleibt auch heute in d w die englischen Truppen bei London besichtigen. Dailh News meint, daß der Besuch Joffres mit der Vorbereitung einer neuen großen Offensive auf der West⸗ front in Verbindung steht.
Pulver und Gold. Roman aus dem Kriege 1870-1871. Von Levin Schücking.
Ich hätte ihr mit einem Gefühl tiefer Rührung, das mich bei ihrem Anblick überkam, die Hand entgegenstrecken mögen; ihr Blick scheuchte dies Gefühl zurück und ich nahm den Sessel ein, auf den sie deutete.
Der Abbé war draußen zurückgeblieben.
„Ich habe Sie zu sprechen gewünscht,“ sagte sie mit jener Verschleiertheit, die sich über ihr so glockenhelles und sonores Organ zuweilen legen konnte,„weil ich eine Frage an Sie richten muß... Versprechen Sie mir vorher auf Ihre Ehre, die volle Wahrheit zu sagen!“
„Ich verspreche es Ihnen,“ versetzte ich sehr beklommen. „Welche Frage ist es?“
„Eine sehr indiskrete
Sind Sie sehr reich?“
„Ich reich?“
„Weshalb macht diese Frage
„Weil sie mich in eine große Verlegenheit bringt.“
„In einige Verlegenheit... ja, das begreife ich,“ ant— wortete Blanche mit einem harten, fast zornigen Tone. müssen gestehen, daß Sie es sind, sehr, sehr reich— und dann auch gestehen, daß Ihr Schritt furchtbar taktlos und ver— letzend für mich ist... Sie senden mir da eine Anweisung von hundertfünfundneuizigtausend Franken auf ein Basler Bankhaus— Sie, mir! Und Sie glauben, ich würde solch ein Geschenk von Ihnen annehmen?“
„Ich dachte,“ fiel ich betroffen ein,„ich hätte Ihnen in meinem Briefe gesagt, daß ich nicht gemeint habe, Ihnen ein Geschenk zu machen! Es ist mir eine solche Kühnheit nicht eingefallen. Der Abbs hat mir gesagt, daß Sie diese Summe und damit Ihr ganzes Vermögen an den Staat hingeben müßten und würden; da ich aber der Unglückliche bin, der Sie in diese Notwendigkeit gebracht, so habe ich nicht gezögert, Ihnen diese Summe Pieder zu ersetzen. Sie sind bei der
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und doch auch sehr natürliche!
Sie so bestürzt?“
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Der bisher in Mailand ansässige deutsche Großindustrielle Röchling wurde bei einer Besprechung, die er in der neutralen Zone bei Chiasso mit seinem Mailänder Prokuristen hatte, von stalienischen Polizisten festgenommen. Die Verhaftung erfolgte im Hause der Zollwache, wo Röchling wegen des Regenwetters Zuflucht gesucht hatte.
Zwei Zeppeline über Riga.
T. U. Stockholm, 1. Nov. Birschewije Wjedomosti be⸗ richtet, daß zwei Zeppeline zum ersten Mal Riga am 23. Oktober heimgesucht haben. Einer warf 40 große Bomben herab, die große Sprengkraft entwickelten. Der Schaden ist sehr groß, doch gestattet die Zensur nicht, Einzelheiten darüber zu veröffentlichen.
Hriegsnosizen.
Die Bemühungen von Mitgliedern des preu ßischen Ab⸗ geordnetenhauses um eine Einberufung des Landtages in November haben, wie der Deutsche Kurier mitteilen kann, beim Reichskanzler keinen Erfolg gehabt. Der Landtag wird erst nach Neujahr einberufen werden. Nach der preußischen Verfassung wäre der 15. Januar der letzte Termin gewesen.
Nach welschen Blättern will der belgische Minister Vander⸗
darin eine unerwünschte Einmischung und protestiert dagegen, daß Minister kriegführender Länder in der Schweiz Vorträge halten und Propaganda machen.
Das Petit Journal behauptet, in Deutschland seien die Zwei⸗ undfünfzigfährigen zu den Waffen gerufen worden; dies habe zu schweren Ausschreitungen der Bevölkerung geführt!
Partei⸗Nachrichten. Die unverzügliche Einberufung des Reichstags
hat der Vorstand der sozialdemokratischen Fraktion beim
Reichskanzler beantragt, weil die Lebens m A elfrag e
und der Belagerungszustand eine schleunige Er⸗ örterung erheischen.
25 Jahre.
Auch die Volkswacht in Breslau blickt in diesen Tagen auf ein
25jähriges Bestehen zurück. Am 1. November 1890 loste sie als
täglich erscheinendes Blatt
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— e. ftr—
leiden! Vielleicht habe ich taktlos gehandelt. Es ist möglich. Ich kann es in meiner jetzigen Gemütsverfassung nicht klar beurteilen. Ich war in Verzweiflung über das, was mir der Abbs gesagt hatte, und ich wußte nicht, was anderes tun!“ „Ich werde Ihre Anweisung wenigstens nicht annehmen!“
„Das betrübt mich mehr, als ich Ihnen sagen kann. Würden Sie sie annehmen, so würde ich denken, Sie verziehen mir, was ich hier tun mußte, Sie hätten keinen Argwohn irgendeiner Art mehr gegen mich; Sie würden mich beruhigen, und ich würde Ihnen ewig dankbar sein, daß Sie, wenn viel⸗ leicht auch mit Widerstreben, etwas getan, um mir meine Ruhe wiederzugeben... tun Sie es, Fräulein Blanche, wenn es Ihnen auch schwer wird; haben Sie so viel Güte für mich, der sich sehr unglücklich fühlt, jetzt so von Chateau Giron scheiden zu müssen, und noch zehnmal mehr unglücklich sein würde, wenn Sie das zurückweisen, womit er sich bei Ihnen wenigstens ein versöhntes Andenken erkaufen möchte!“
„Unglücklich?“ sagte sie mit verächtlich aufgeworfener Lippe,„wenn man ein junger Mann und solch ein Millionär ist wie Sie, so hat das Unglück nicht lange Bestand. Nehmen Sie Ihre Anweisung zurück!“
„Sie sind in der Tat sehr hart,“ versetzte ich mit zucken⸗ der Lippe.„Besinnen Sie sich, Blanche, ob es Ihnen nicht möglich ist, von mir wieder zu nehmen, was ich Ihnen ge— nommen habe...“
„Nein,“ sagte sie mit derselben Schärfe.„Gesetzt auch, Sie machten sich Vorwürfe, oder besser, es beunruhigte Sie, daß sie ein Unheil über mich bringen mußten— so würden Sie doch gar zu verschwenderisch handeln, mit solch einem Geschenk eine kleine Unruhe von Ihrem Gewissen abschütteln zu wollen. Um eine Sache, die ihn ein wenig peinigt, von sich abzuschütteln, gibt kein verständiger Mann so viel Geld aus. Selbst für einen Millionär sind zweihunderttausend Franken eine große Summe, Und ich will zu solcher leichtsinni⸗ gen Verschwendung nicht helfen!“
Sie sprach das mit einer außerordentlichen Bitterkeit
„Hören Sie mich an, Blanche.“ versetzte ich.„Sie be⸗
velde in Pruntrut(Westschweiz! einen Vortrag zu⸗ gunsten Belgiens halten. Das Berner Tagblatt erblickt
die bereits bestehenden Schlesischen
ganzen Sache doch unschuldig und Sie dürfen nicht darunter
Nachrichten ab, die wöchentlich erschienen. Mit ki denen sich noch 5000 Leser einer Wochenausgabe z Ihr Verbreitungsgebiet
stimme in Frankfurt a. O. etwas eingeeengt. Von den Schlesien bestehenden Parteiblättern sind die Görlitzer zeitung und die Schlesische Bergwacht aus der Volkswacht gegangen. 5600 und 11000 Leser konnten sie di am Beginn mit ins Leben geben. Aber so viel Leser sie a neugegründete Blätter abgab, wuchs doch die eigene Lef immer noch rascher. Die Volkswacht steht damit heute in der Ri unserer Parteiblätter an zehnter Stelle. Als Kopfblatt gibt noch die Liegnitzer Volkszeitung heraus. a Die Feier des 25jährigen Bestehens ihres Organs hatte die Breslauer Genossen anders gedacht. Die Errichtun eigenen Druckerei war geplant, und an diesem Tage sollte öffnet werden. Das Grundstück war erworben, alle Pläne als plötzlich der Krieg hereinbrach. Run mußte die Ausfü des Plans bis zum Frieden verschoben werden. in unserer Partei stets als besonders Boden und in ihrem Jubiläums⸗Artikel weist die Volkswacht d auch darauf hin, daß in den 25 Jahren rund sechzehn Jahre
eschadet. 15 Das Ende eines Preßprozesses. 8
n Bayreuth hatte vor Beginn des Krieges der Vorsitzent des diberalen Mahrkreisvereing, Reallehrer Dr. Hiendlmay verantwortlichen Redakteur des dortigen Parteiblattes, die d kische Volkstribüne, Gen. Hacke, wegen Beleidigung vertagt, Prozeß wurde veriagt, weil der Beklagte sowohl wie der Kl zum Kriegsdienste einberufen wurden. Inzwischen sind zwei n tige Zeugen des Beklagten und auch der⸗ Kläger im Felde gefa Das Verfahren wurde daher jetzt eingestellt und die Kosten h. die Erben des Privatklägers zu tragen.
Arbeiterbewegung.
Der Sattler und Porteseuiller-Verband. 5 Wohl keine zweite Gewerkschaftsorganisation., hat während der Kriegszeit ein so großes Auf und Ab der Mitgliederbewegung verzeichnen, wie der Sattlerverband. Die durch den Krieg b starke Beschäftigung dieser Industrie ist die Ursache dafür. Schlusse des dritten Quartals in diesem Jahre zählte der Verban 11426 männliche und 1692 weibliche Mit lieder, gegenüber 10 50 bezw. 908 am gleichen Tage des Vorjahres.
Seit Beginn d Krieges sind dem Verbande 9211 männliche und 2300 weibliche Mi glieder beigetreten. Infolge des jetzt. verringerten Bedarfs a Lederausrüstungsstücken wurden die meisten neuerxichteten Bet von denen mehrere weit über 1000 Personen beschäftigten, geschlossen. Die hierdurch hervorgerufene Arbeits losigkeit fast ausschließlich nur Berufsfremde, die jetzt in anderen Ge Unterkunft suchen oder bereits gefunden haben. Die gelernten e ler sind noch vollbeschäftigt und arbeiten vielfach noch mit U stunden. Mit der Arbeitsaufgabe in der Ausrüstungsindustrie h die neugewonmenen berufsfremden Mitglieder auch das Inte für den Sattler- und Portefeuillerverband verloren. Da raus klären sich auch die Massenausschlüsse wegen restierender 8 6888 männliche und 1608 weibliche gingen auf diese Weise dem bande wieder verloren. 5
Bis zum 30. September wurden 3521 Verheiratete und, Ledige zum Heeresdienst eingezogen, von denen 189 bereits als fallen gemeldet sind. N 8
Die Lederwaren⸗, Reiseartikel⸗, Auto⸗ und Treibriemenbr zur Verfügung stehenden Arbeits
glieder 423 arbeiteten verkürzt. Zeit 3. August 1914 bis 30. September 1915 wurden 258 542 Mark Unterstützungen ausgegeben, davon 121 310 am Arbeitslose N 113 591 Mark an die Familien der Kriegsteilnehmer. 5 Trotzdem Streiks während des Krieges nicht geführt wurden, konnte doch manche Lohnerhöhung durchgesetzt werden. Abge⸗ sehen von den Kriegszuschlägen in der Lederausrüstungsindusttie wurden mit den Vereinigungen der Lederwarenfabrikanten in Ossen bach und Nürnberg Teuerungszulagen vereinbart, wohingegen di Berliner Industriellen, wohl eine Notlage anerkannten, aber von schristlichen Vereinbarungen nichts wissen wollten; nur von Fall zu Fall wollten sie sich die Entscheidung vorbehalten. Allgemein wird auch hier eine Teuerungszulage gewährt. 5 Der Reichstarif für die Lederausrüstungsindustrie hat sich bewährt. Unternehmer, die da glaubten, sich an die tariflichen Be⸗ stimmungen nicht halten zu brauchen, wurden durch Schlichtungskom⸗ missionsentscheidungen verurteilt, zu wenig gezahlte Löhne machzu zahlen. In einigen Fällen belief sich die Nachzahlungssumme au mehrere tausend Mark. 1 8
dürfen des Vermögens. Eine junge Dame, in Verhältnissen aufgewachsen, wie Sie, bedarf des Vermögens, für sie ist es eine Lebensbedingung! Für mich ist es ganz etwas anderes Wenn Sie diese Summe von mir annehmen, so bleibt m noch völlig genug, um ein oder auch zwei Jahre lang bequem, ja glänzend leben zu können; mehr bedarf ich nicht, denn ich habe für niemand zu sorgen und in einem oder zwei 00 habe ich eine Anstellung im Justizdienste, und der Saal sorgt für mich!“ 1 Sie sah wie betroffen auf und mich an. 5 „Sind Sie denn kein Millionär?“ fragte sie hastig. „Nein. Ich bin ein jüngerer Sohn; mein älterer Bruder hat von meinem Vater ein einträgliches Gut ererbt; ich vo meiner Mutter beinahe sechsundfünfzigtausend Taler. Anweisung dort beträgt ungefähr zweiundfünfzigtausen Taler— Sie sehen, daß genug für mich übrig bleibt, z Jahre zu leben!“ Sie sah mich mit einem Blick unverhohlener Bestürzunt an, dann erblaßte sie noch tiefer und nahm langsam die Ay weisung von ihrem Tische und begann diese eben so langsan in kleine Stücke zu zerreißen. Ihre Hände zitterten daben die Muskeln ihres Gesichts zuckten— es war ein eigentüm liches Spiel in ihren Mienen, dessen Bedeutung mir voll ständig entging.. 5 „Blanche!“ sagte ich mit flehender Stimme, und von einer plötzlichen Rührung übermannt, über deren Grund un mir in diesem Augenblicke schwer hätte Rechenschaft gebe können. Ich stand auf, um ihre Hand zu ergreifen.. Mit Heftigkeit entriß sie mir ihre Rechte und drüg, beide Hände vor das Gesicht. Ich sah, daß sie weinte, daß Tränen zwischen ihren Fingern hindurchquollen; sie Schluchzen aus und wandte sich, um fortzueilen. 5 0 Ich hielt sie fest, indem ich meinen Arm um ihre legte und sie dann an mich ziehen wollte. Aber sie mir mit äußerster Heftigkeit.„Nein, nein, gehen Sie mir nichts, nichts!“— rief sie aus.„o gehen Sie!“ d 1
[Fortsetzung folat.]
S.
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e—. D 2
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