Ausgabe 
2.11.1915
 
Einzelbild herunterladen

der

r die Juteressen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Die Oberbessische Volkszeitun int

a erscheint jeden Werktag Abend i

Gießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Wfa, 1 60 Pfg. einschl. Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mt

Redaktion und Expedition Gießen, Bahnhofstraßße 23, Ecke Löwengasse. Telephon 2008.

Juserate kosten die 6 mal gespalt. Kolonelzeile oder deren Raum 15 Pfg. Bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen wolle man bis abends 7 Uhr für die folgende Nummer in der Expedition aufgeben.

Nr. 257

Gießen, Dienstag, den 2. November 1915

10. Jahrgang

. Der Kampf um China.

Eine Meldung, die aus Washington kommt, beleuchtet grell s ganze Hin und Her um die Wiedereinführung der Monarchie * China. wovon seit Wochen und Monaten in den Zeitungen die ede ist. Es soll nämlich Herr Wil son, durch den Willen der ation Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika, an errn Mu anschikkai, den Diktator der sogenannten Republik ina, ein Telegramm gerichtet haben, worin er darauf hinweist luß die Vereinigten Staaten, die als erste und höchft bereitwillig de republikanische Staatsform in China anerkannt haben, nicht zünschen könneu, daß China wieder Monarchie werde und der ein⸗ che Bürger Manschikkaf Kaiser im Reiche der Mitte, womit er seitherige Präsident wohl auch zumSohn des Himmels bancieren würde. 1 An diesem bisher nicht dementierten Wilso terd zunächst bei oberflächlicher Betrachtung nur

ein ganz unzweideutiger Eingriff Nordamerikas in die inneren kigelegenheten Chinas ist. Das ist besonders hübsch in einem genblick, wo der Botschafter Oesterreich-Ungarns nach Wien F rückkehrt ausgeladen von den Herren Wilson und Lansing zig darum, weil er seinen Landslenten überm großen Teich Urzustellen versucht. daß sie gegen die Straspesetze ihres Geburts⸗ liides fehlen, wenn sie Waffen, Munition und Kriegsmaterjal für sene Feinde herstellen. Diese Apostrophierung der amerikanischen Lesterreicher und Ungarn durch den Vertreter ihrer Regierung war Im Herren inn Weißen Hause zu Washington se eine unerträg⸗ lte Eir mischung in innere United⸗States⸗Verhältnisse aber in Chinesen vorschreiben, welche Staatsform sie haben sollen: das eben was anderes, damit verficht man doch nur die erhabene Inokratische republikanische Ueberzeugung. Indessen sehen wir ülher zu! Es ist kaum eine Woche her, seitdem uns aus Peking berichte terd, Herr Muaonschikkai habe Fapan für dieAnerkennung mer Kaiserkrone so erhebliche Vorteile in China geboten, daß; pan sich hierdurch vollkommen gesättigt fühlen würde und end⸗ altig auf seine so oft angekündigte und ebenso oft ausgebliebene krkere Beteiligung am europäischen Kriege verzichte. Was hier pans Anerkennung genannt wird, dürfte wohl in Wirklichkeit ans Hilfe bedeuten: Hilfe gegen die sehr entschiedenen Reyn⸗ aner Siidchinas, gegen Losreißungstendenzen dort und viel licht auch in anderen Provinzen des immer noch auch ohne die zübständige Mongolei riesigen Reiches. Hilse gewiß auch bei inneren Einrichtung des kommenden chinesischen Kaiserreiches. zun Mlanschikkai, fiber dessen Bedeutung wohl auch im fernen wopa kaum jemand im Zweifel sein wird, dürfte längast erkannt en daß nur ein Resorm⸗Kaisertum in China Aussichten auf lage Dauer hat, eine Monarchie, die sich wohltuend von der Miß⸗ wrtschaft der verflossenen Mandschu⸗Dynastie und ihrer Mandarine MWerscheidet, die die Naturreichtümer des Landes in moderner Vise erschließt, den Kuli-Millionen den Himmel des Fabrik- meiterdaseins erschließt und durch die Hebung der Konsumkraft uch den Massen der Landwirte zwischen Turkestan und der Uendschurei aufhilft. 580 5 Bei dieser unausbleiblichen Eingliederung Chinas in das Allker⸗ und Staatenleben von heute, mit dem Ziel der Versorgung e lichen innerchinesischen und weiterhin auch des g müssen ungeheure Profite für dasjenige Land. ne Kapitalisten und seine Finanzkraft abfallen, das zuerst auf n Plan erscheint und sich dauernd zu behaupten versteht. Darum Jahren der stille Kampf der europäischen Großstaaten 0 Fatz an der Sonne und darum jetzt, wo der Europa- 0 lugt, auf den fernen Osten zu verzichten, ihm ihre Kräfte Anziehen zwingt: der Kampf Japans und Nordamerikas. It Nordamerika auch in wirtschaftlicher Kraft ungeheuer über een, so ist es dafür fern und feindlich(die Chinesen wissen wohl, is ihre Landsleute in der Unjon gelten); Japan aber ist nahe, gat überflüssige Menschen, für die es Land und Arbeit braucht, ies ihm in Nordamerika mit gutem Grund versagt wird. Die igen Japans Zu⸗ llen die Japaner,

utelegramm auffallen, daß

zu

sind ostasiatisches Land. schen Chinesen werden Japaus! een herausexerzieren! 8 *. 2 1 jnesische Kaiserfr in So betrachtet, erscheint die ganze chinesische Kaiserfrage i dum andern Licht. Der Machthunger und vielleicht 115 11 amiliensorgen eines Günstlings der Geschichte begegnen starten n Bedürfnis des japanischen Imperialismus nach einer 0 0 1 5 won ihm regierten Regierung, während dem ie ich als technisch-organisatorisch vordringenden. Ee auitalismus eine möglichst in autonome Teilrepubli 9 199951 ehublik weniger Widerstand entgegenzusetzen 170 1 01 14917 den Kaiser Muanschikkai ebensowenig aus 1 1115 Präsi⸗ Güte des monarchischen Prinzips, wie Nordameri Es eht dort ten Puanschikkai aus Vorliebe für die Republik. geht außen im Ssten um Höheres; ums Geschäft. 4. 19 0

Ausgezeichnete Stimmung der Serben.

2 75 ist 1e

Havas meldet; Wie aus Nisch mitgeteilt 11 15 1

feimmung der ferbischen Armoanter Ord. eichnet. Jeder Rückzug vollzieht sich in g!

leltkrieg.

neuerdings, daß es zur Entsendung von Hilfe noch nicht zu spät sei, und daß die Serben mit den von den Ver bündeten bis jetzt erhaltenen Verstärkungen die Deutschen und Oesterreicher mehrere Wochen lang in Schach halten könnten.

Fortdauer der Truppenlandungen.

T. U. Sofia, 31. Okt. Die Truppenlandungen in Salo niki dauern weiter an. Die Zahl der bisher ausgeschifften Truppen soll bereits die Höhe von 70 000 erreicht haben. Da die Eisenbahn oberhalb Gevgeli abgeschnitten ist, müssen die Truppen zu Fuß nach Serbien marschieren.

8 D

Havas meldet aus Salonik: Auf eine aus London einge troffene Weisung hin sind die englischen Truppen nach der Front abger ei st und haben ihre Vereinigung mit den serbischen Truppen ausgeffihrt

Nach einer Meldung der Bukarester Minerva erklärte der russische Konsul in Turn-Severin, Slilokosits, daß Rußland mit allen Mitteln die Landung von Truppen in Burgas und Warna versuchen werde.

Wiederaufnahme der Schiffahrt auf der Donau.

T. U. Bukarest, 31. Okt. Die deutschen, österreichischen und ungarischen Schiffahrts-Gesellschaften beschlossen, die Schiffahrt auf der unteren Donan zu eröffnen. Die im Kanal Mitzin seit Kriegs⸗ ausbruch befindlichen Schiffe warten weitere Anweisungen ab. Oesterreichisch-ungarische Dampfer begannen mit der Säuberung der Donau. Man glaubt, daß diese Arbeit ungefähr 10. Tage in Anspruch nehmen wird..

Italienische Balkausorgen.

Der militärische Mitarbeiter Corriere della Sera schreibt, daß die Nachrichten vom serbischen Kriegs- schauplatz nicht schlechter lauten könnten. Besonders be denklich erscheine das Vordringen der Bulgaren zur oberen Morava, da darnach nur noch ein langwieriger Weg zwischen dem serbischen Heere in Altserbien und den Ententetruppen in Mazedonien offenbleibe, während der gleichzeitige kon zentrische Vormarsch der Deutschen, Oesterreicher und Bul⸗ garen auf den anderen Fronten die Serben mit einem Ring einschließe, der nur gegen Südwesten, nach Novibazar, noch offen sei. Eine Hoffnung auf Rettung be stehe nur dann, wenn die Serben bis zum Eintreffen des Ententekorps aushielten. Doch habe Sarrail ganz richtig beschlossen, den eigentlichen Kampf erst aufzunehmen, wenn das ganze Expeditionskorvs versammelt sei, was wegen der Schwierigkeiten einer Landung auf beschränkten Anlagen in Salonik und wegen der geringen Leistung der Wardarbahn geraume Zeit erfordere. Hoffentlich hielten die Serben bis dahin aus, da sonst die Aufgabe der Entente ins Riesenhafte! wachsen und wahrscheinlich ihre Kräfte übersteigen würde.

Mattino deutet in einem Leitartikel an, daß die eng⸗ lische Aufforderung an Italien zur Hilfeleistung am Suezkanal von einem Angebot begleitet sein müsse. Italien wolle seine Aetiopischen Träume verwirklichen. Wenn Italien aus seinem nationalen Krieg in einen, Weltkrieg ein⸗ treten solle, müsse es dafür entsprechend entschädigt werden.

Aus dem enalischen Parlament.

London, 31. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses vom 30. Oktober antwortete Bal⸗ four t auf eine Frage, daß die Verteidigung von Lon⸗

des

don durch Geschütze und Flugseuge Gegenstand großer Be mühungen sei und beständig verbessert werde. Auf eine weitere Frage führte Balfour aus, die Regierung beabsichtige London ebensogut gegen Luftschiffe zu verteidigen, wie Paris verteidigt werde; er glaube aber nicht, daß die Luftschiffe Paris leichter erreichen könnten als London. Healy fragte, ob die Mitglieder des Kabinetts dieselbe Gefahr liefen wie jedermann und daher ebenso bedacht seien, sich zu schützen. (Heiterkeit.) Balfour sagte weiter, Admiral Scott sei für die artilleristische Verteidigung Londons die Admiralität und das Kriegsamt für den maritimen und militärischen Flugzeugdienst. Die Admiralität sei für die ersten Nachrichten über das Herannahen der Zeppeline auf Beobachtungen an der Küste oder auf See angewiesen. Bal four berief sich auf die vor einiger Zeit von Sir John Simon vorgebrachten Gründe gegen eine vorherige Warnung des Publikums. Auf eine Frage Outhwaite lehnte John Simon es ab, das Publikum vorher zu warnen. Outhwaite fragte, ob es Simon nicht bekannt sei, daß sich gestern Abge ordnete aus dem Unterhause in wilder Flucht entfernt hätten, weil sie von einem Zeppelinangriff hörten.(Zwischenrufe.) Der Sprecher sagte, Outhwaite dürfe nicht von wilder Flucht sprechen. Outhwafte bat wegen des

; 7% eind if icht an eng. Die Armee ist intakt. Der Feind dee e erste serbische Verteidiaungslinie aelanof. M

verantwortlich,

Ausdrucks um Entschuldigung. Lloyd George sagte,

Asquith werde eine große Zahl der an ihn gerichteten Fragen in seiner Rede am Dienstag beantworten; es werde sich daran eine Debatte anschließen, wie das Haus sie zu wünschen scheine.

Abbruch der wirtschaftlichen Verhandlungen

zwischen Schweden und Englang.

Die seit Juli fortdauernden Verhandlungen zwischen Schweden und Großbritannien wegen Vereinbarungen über gewisse Fragen ökonomischer Natur sind, wie die Kölnische Zeitung erfährt, ergebnislos verlaufen und werden nicht weiter fortgesetzt.

Die Kriegsgefangenen in Italien.

Wien, 30. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ pressequartier wird gemeldet: Bezeichnend für die Behandlung unserer Kriegsgefangenen in Italien ist ein in Wien eingelangtes Schreiben eines gefangenen österreichisch-ungarischen Offiziers, das folgende Stelle enthält:Uns geht es hier nicht gut. In Stein leine österreichische Strafanstalt) lebt man sicher viel besser als hier. Wir befinden uns auf einem 2000 Meter hohen Berg. Es ist kalt. Wir frieren sehr und bekommen kein Holz, um Feuer zu machen. Das Essen und Wohnen ist sehr schlecht und die ganze Be⸗ handlung ist nicht die von Offizieren.

Die Zenfur in Frankreich.

Aus Paris wird gemeldet, daß die erste Maßregel des neuen Ministeriums die Aufhebung der politischen Preßzensur sein werde. 5

Das Journal, dem der Zensor die den anderen Blättern gestattete Veröffentlichung der neuen Ministerliste verboten hatte, sagte bereits eine offene Rebellion gegen die Zensur an und erklärte in einer redaktionellen Note, daß es künftig in politischen Dingen sein eigener Zensor sein werde.

Spionage in Belgien und Nordfrankreich.

(W. T. B. Amtlich.) In Belgien und Nordfrankreich sind in den letzten Tagen wieder zwei neue große Spionage⸗ unternehmungen aufgedeckt worden. In Belgien handelt es sich um eine weitverzweigte Organisation, der insgesamt 21 Festgenommene angehörten. Nachdem sie sich monatelang auf die Vermittelung von Spionagenachrichten über Holland nach Frankreich beschränkt hatten, gingen sie im September auch dazu über, Sprengattentate auf Cisenbahnbauten, Brücken und andere Kunstbauten vorzubereiten. Nebenbei be⸗ trieben sie die Beförderung von Wehrpflichtigen aus Belgien nach Frankreich. Unter der Zahl der Festgenommenen be- finden sich wiederum vier Frauen, die mit in erster Linie die gegen die Sicherheit des deutschen Heeres gerichteten Verbrechen begangen haben. Die in Nordfrankreich aufgedeckte Spionageorgani⸗ sation wurde von der Frau eines in der französischen Armee dienenden Offiziers geleitet, die in Paris persönlich von der Militärbehörde für ihre Aufgaben unterrichtet und nach Nord⸗ frankreich entsandt wurde. Unter ihren festgenommenen Helfern befinden sich zwei weitere weibliche Personen. In welchem Maße die Spionage organisiert ist. geht aus dem Umstande hervor, daß die Festgenommenen vom französischen Nachrichtendienst unter hohen Nummern in seinen Listen geführt wurden. Auch die in dieser Sache Verhafteten sind bereits überführt, daß sie in zahl⸗ reichen Fällen durch die Beförderung militärischer Nachrichten nach Frankreich sich eines Verbrechens der Spionage schuldig gemacht haben.

In einer dritten Spionageangelegenheit in Belgien ist am 26. Oktober das Urteil gefällt worden, das gegen neun der Ange⸗ klagten auf Todesstrafe lautete. Dieses Urteil ist gestern vollstreckt worden. Unter zehn weiteren zu Zuchthausstrafen verurteilten Schuldigen befinden sich wiederum drei weibliche Personen.

Die Antwort der Konserva ven.

Auf die Beschlüsse des sozialdemoleatischen VParteivorstandes und des Parteiausschusses zur Lebensmittelteuerung antwortet die Kreuzztg. mit folgender Drohung: 5

Es ist das alte Schema: Nicht innere Gründe, sondern die Spekulation ist schuld an der Teuerung, die durch undurchführbare Maßnahmen(Beschlagnahme der Viehbestände!) beseitigt werden. soll. Werden solche Auffassungen von der Presse vertreten, so kann das allerdings nur aufpeitschend wirken. Und dieser vergiftenden Agitation wird man schließlich doch ein Ende zu machen gezwungen sein, wenn die nationalen Interessen nicht schwer geschädigt werden sollen.

Das konservative Rezept lautet also: Nicht Beseitigung des Natstandes, sondern gewaltsame Unterdrückung des Kampfes gegen die Teuerung. g Die Gleichberechtigung der Sozialdemokratie

in Bahern.

Das bayerische Ministerium hatte im Landtagsausschuß für das Gemeindebeamtengesetz die Erklärung abgegeben, daß künftighin Sozialdemokraten als Gemeindebeamten bestätigt werden würden, d. h. daß die Regierung einige Sätze in der Begründung zu den Bestätigungsparagraphen des Gemeinde- beamtengesetzes, auf welches sich die Nichtbestätigung von Sozialdemokraten stützen sollte, zurückziehe.

In der Freitagsitzung des Ausschusses für das Gemeinde⸗ beamtengesetz gab nun der Vorsitzende der Zentrumspartei eine Erklärung ab, die im direkten Widerspruch zu den Zu⸗