Ausgabe 
1.11.1915
 
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die Zahl der Toten nur mit 56 an. Ein Passagier erklärte, an einer Stelle seien vier Bomben niedergefallen und hätten die Straßen weithin aufgerissen. Eine Bombe habe eine Gasleitung in der Nähe der Strand Street getroffen und einen mehrstündigen gefähr⸗ lichen Brand verurfacht.

Die umerikanische Note an England.

Die amerikanische Note an England, die sieben Monate erwogen und vorbereitet wurde, ist, wie schon kurz gemeldet, nunmehr auf dem Wege nach England. Ueberbringer ist der Sekretär der amerikanischen Botschaft in Berlin, Kirk, der über London wieder auf seinen Berliner Posten zurückkehrt. Kirk, der die Ueberfahrt auf derFinnland macht, wird die Note am Montag den Gesandten in London übergeben. Sie enthält mehr als 10 000 Worte und viel Statistik; es schien darum wünschenswert, die Note nicht drahtlich, sondern durch einen Boten zu übermitteln, um Fehler bei der Uebertragung zu vermeiden.

Die Sozialdemokratie zum bayerischen Ausnahmegesetz.

Auf die Erklärung, die am Mittwoch im Ausschusse des bayerischen Landtages zur Beratung des Gemeindebeamten⸗ gesetzes der Staatsminister v. Soden zum Artikel 12 dieses Gesetzes gab, haben unsere Genossen am Donnerstag folgendes geantwortet:

Die Staatsregierung stellt sich mit ihrer zu Artikel 12 des Gemeindebeamtengesetzes abgegebenen Erklärung auf den Stand⸗ punkt, daß ein berufsmäßiger Gemeindebeamter durch eine Be⸗ tätigung als Sozialdemokrat sich nicht der Achtung unwürdig mache, die sein Amt erfordert und daß er deshalb disziplinär nicht zu ahnden sei. Wir erkennen an, daß damit die Staats⸗ regierung ihre Absicht bekundet hat, eine gegen eine bestimmte Partei gerichtete Tendenz aus dem Artikel 12 auszumerzen. Da indessen für die Rechtsprechung nur der Gesetzestext und nicht Re⸗ gierungserklärungen zu Gesetzentwürfen maßgebend sind, ersuchen wir die Staatsregierung, die selbstverständliche Folgerung aus ihrer Deklaration zu ziehen und dem Abs. 1 des Art. 12 des G.⸗B.⸗G. den folgenden Satz anzufügen:

Diese Achtung verletzt der Gemeindebeamte nicht durch Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte und Betätigung seiner politischen, religiösen und wissenschaftlichen Ueberzeugung.

Griechenland gegen die Entente?

Verschiedene Berliner Morgenblätter lassen sich aus Budapest melden, die griechische Regierung habe gegen die Entente endgültig Stellung genommen. Der Generalstabs Chef Dusmanis habe im Ministerrat ausgeführt, Serbien könne man nicht retten. Wenn die Entente mit mehreren 100 000 Mann Serbien zu Hilfe eile, so drohe die Gefahr, daß die kriegerischen Operationen schon in nächster Zeit auf griechisches Territorium verlegt würden. Es sei die Pflicht Griechenlands, die Integrität und die Sicherheit des Landes zu wahren. Der Ministerpräsident habe sodann die Ge⸗ sandten der Ententemächte aufgefordert, binnen 24 Stunden mit der Abtransportjierung der gelandeten Truppen zu beginnen. Nach Ablauf dieser Frist würde die griechische Regierung nicht mehr die Verantwortung über die weitere Entwicklung der Dinge übernehmen können.

Zurückziehung der Ententetruppen?

Laut Berliner Lokalanzeiger melden Budapester Blätter aus Athen, die Zurückziehung der in Saloniki gelandeten Truppen habe begonnen. Zuerst seien drei Bataillone französischer Infanterie auf dem französischen KreuzerTrevilier eingeschifst, sodann fünf Bataillone englische Kolonjaltruppen und Australier. General Hamilton habe dem Korpskommandanten Prinz Nikolaus offiziell mitgeteilt, daß der alliierte englisch⸗französische Generalstab be⸗ schlossen habe, die auf griechischem Gebiet gelandeten verbündeten Truppen zurückzuzieten. Der Berliner Lokalanzeiger bemerkt dazu: Wenn sich die Zurückziehung bestätigt, woran zu zweifeln kein Anlaß vorliegt, so ist darin ohne Zweifel ein Erfolg der besonnenen und energischen Politik König Kon⸗ tantins zu erblicken, die in den großen Fortschritien der über raschend schnell vordringenden bulgarischen Heere eine starke Stütze fand. 2

Eine Seeschlacht im Schwarzen Meer?

Die Vossische Zeitung läßt sich aus Bukarest vom 23. d. M. melden: Aus Bazartschik in der rumänischen Dobrudscha

Pulver und Gold.

Roman aus dem Kriege 18701871. 31 Von Levin Schücking.

Es war zum Rasendwerden gerade dieser Gedanke war mir entsetzlich. Ich konnte ihn nicht ertragen, ich mußte etwas tun, um ihn Blanche zu nehmen. Ich wälzte einen Plan nach dem anderen in meinem Kopfe, um dahin zu ge langen; ehe ich mich für etwas entschlossen, wurde ich gestört; der Abbé kam mit einem freundlichen kleinen Herrn, den er als den Hausarzt vorstellte. Ich mußte mich ihm zur Unter suchung und zum neuen Verbinden meiner Wunde über lassen; auch er fand sie nicht bedenklich, aber er befahl mir, mich zur Ruhe zu begeben; er bestand darauf, daß ich wenig stens zwei Tage den Arm so wenig wie irgend möglich bewege. Mir war diese Vorschrift ganz willkommen; ich konnte mich darauf berufen, wenn ich auf die Anzeige des Offiziers hin vielleicht doch schon früher von meinem Posten hier in Chateau Giron abberufen werden sollte, und war sehr ent schlossen, es zu tun, falls mein Kommandeur sich anderer Meinung zeigen würde als der Premierleutnant, der mir fürs erste zu bleiben erlaubt hatte.

Nach dem Arzte kam Friedrich, nach ihm Glauroth mit dienstlichen Meldungen; dieser ließ sich dann nicht nehmen, mir die Unterhaltung zu machen ich ward ihn auch, als ich mich zu Bette gelegt, nicht los... er hatte den Faublas ausgelesen und seine Zigarre rauchend erging er sich in Be merkungen und in allerlei Kreuz- und Querräsonieren dar über.Ich werde mich mehr auf die französische Literatur verlegen, sagte er;es wachsen, scheint es, ungeheuer schmack hafte Früchte in diesem Garten... ein wenig faul, aber desto schmackhafter, wie die Mispeln. Wie diese Kriegsfahrt in Frankreich hinein überhaupt bildend auf den Menschen wirkt, ist ganz merkwürdig!

Ich hoffe, versetzte ich,Sie bilden Ihren Geschmack nicht hier zu einer Liebhaberei für Mispelngenuß aus!

Wer weiß, sagte Glauroth;die deutschen Eicheln

kommt soeben die Nachricht, daß ein türkisches Geschwader. bestehend aus derGöben, Breslau undHamidie, gestern

1 if. 22 3 91** die russische Flotte angegriffen hat, die aus drei Panzer⸗ kreuzern und mehreren Kreuzern und Torpedobooten bestand. Es entwickelte sich eine erbitterte Schlacht, deren Ergebnis bis jetzt unbekannt ist.

Japan schließt kei en Separatfrieden.

Amsterdam, 30. Okt. Reuter teilt amtlich mit: Der japanische Botschafter in London unterzeichnete am 19. Okto⸗ ber einen Vertrag, nach dem Japan sich der Verpflichtung Frankreichs, Englands und Rußlands angeschlossen hat, keinen Separatfrieden abzuschließen. 5 g

Das neue französische Kabinet.

Paris, 30. Okt.(W. B. Nichtamtlich.) Die Agence Havas mel⸗ det amtlich: Das Ministerium ist wie folgt zusammengesetzt: Vorsitz und Auswärtiges Briand, Staatsminister ohne Portefeuille Frey⸗ eine, Bourgeois, Combes, Guesde und Denys Cochin, Justiz und Vizepräsidentschaft Viviani, Krieg General Gallieni, Marins Kontre⸗ admiral Lacaze, Inneres Maly, Finanzen Ribot, Ackerbau Meéline, öffentliche Arbeiten Sembat, Handel Clementel, Kolonien Doumer⸗ gue, Unterricht und Erfindungen, welche die Landesverteidigung be⸗ treffen, Painlavé. Der neue Arbeitsminister wird im Laufe des Abends ernannt, ebenso die Unterstaatssekretäre. Der bisherige Votschafter in Berlin, Jules Cambon, wurde zum Generalsekretär des Ministeriums des Aeußern ernannt.

Die sozialistischen Kriegsliteraten.

Es ist keine übertriebene Behauptung, daß die Humanité und die Guerre Sociale, die beiden angeblich von Sozialisten redigier⸗ ten Blätter, zu der kriegssüchtigsten Presse Frankreichs gehören. Während bürgerliche Blätter die Frage der fran⸗ zösischen Beteiligung am Balkankriege mit ruhiger Ueber⸗ legung behandeln, erhitzen sich die großen Staatmäunner und Strategen der Humauité und der Guerre Sociale über Dinge und Ereignisse, die mit der Befreiung Frankreichs nur in ganz losem Zusammenhange stehen. Seit zehn Tagen leitartikelt Hervé über die Notwendigkeit der Entsendung von einer halben Million Franzosen und Engländer nach Serbien via Griechenland,das durch unsere Seeherrschaft uns zugänglich ist. Und in der Humanité vom 22. Oktober leitartikelt der sozialistische Abgeordnete Pierre Rena udel über den Mangel an Willens⸗ kraft in Regierungskreisen, rasch zu handeln und weitere Opfer an Gut und Blut auf dem Balkan zu bringen. Er beklagt die Willens⸗ schwäche der Regierung, des Parlaments und des ganzen Staats⸗ dienstes: es sehle an der Energie, die die ganze Aktion der natio⸗ nalen Verteidigung beleben sollte. Man fürchte überhaupt, die Frage zu stellen, ob die Nation den Willen zum energischen Kampfe habe oder ihn wirken sehe. Hieraus ergebe sich das Unbehagen, das sich seit Monaten offenbare und dessen wachsende Verschärfung das Parlament empfinde.Es sehlt der Wille, der unbiegsa und unerbittliche Wille, der die Unfähigen hinwegfegt, der die Schuldigen straft, der die Schwachen beseitigt, der die Erhebung der Sonderinteressen über die Gemeininteressen nicht duldet, der den kleinlichen parlamentarischen Manövern Trotz bietet, der auf klaren Wegen direkt aufs Ziel losgeht im Namen der heiligen Interessen der Nation, die für ihre Freiheit kämpft.

Die kanadischen Truppen.

Die Times melden aus Toronto, daß Kanada im Dezember 200 000 und im nächsten Frühjahr 250 000 Mann im Dienst oder ausgebildet haben wird.

General Hughes erklärte, daß die Ausbildung und Aus vüstung einer so großen Zahl von Truppen in diesem Zeitraum eine mili⸗ tärische Unmöglichkeit ist. 5

N Der Mörder Jaurés.

Genf, 30. Okt. Der Prozeß gegen den Mörder Jaures, der in der zweiten, Hälfte des November stabtfinden sollte, wurde wieder verschoben, da der Angeklagte Raoul Villain gegen den Beschluß der Untersuchungskammer Berufung eingelegt hat.

Kriegsusd zen.

25 Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt dem Titel:Ein falsches Gerücht: Das von einzelnen holländischen Zeitungen mitgeteilte Gerücht, daß neuerdings einige ͤͤreißig Belgier wegen Kriegsverrats und Spionage in Lüttich zum Tode verurteilt worden seien, beruht auf freier Erfindung. In Lüttich sind in letzter Zeit weder Todes⸗ ürteile wegen Begünstigung des Eintritts von Belgiern in feind⸗ liche Armeen ergangen, noch ist dort überhaupt ein Verfahren in einer derartigen Strafsache anhängig.

Aus Amsterdam wird der Agence Havas gemeldet: Nach einer Blättermeldung wohnte der deutsche Kaiser auf dem Friedhofe von St. Quentin der Einweihung eines Denk⸗ mals bei, das zur Erinnerung an die in den Spitälern an ihren Wunden gestorbenen französischen und deutschen Soldaten errichtet worden ist.*

unter

2

*

le Auswechslung verwundeter

deckten Schlitten übers Eis statt. In einem Petersburger

kammer gestohlen ist.

Männer für untauglich zu erklären. redend hierbei um reichePatrioten, konnten es sich leisten, die Summe von

zösischen Armeeärzten bevor.

Mieter geführt. In London fanden,

ungswucher zu lenken. ow t gegen die Forderungen der Hauseigentümer.

Regierung hat bereits eine Kommission

nisse zu regeln.

Annahme der Gesetzesvorlage über das

Das

Merkwürdige Zahlen.

ländischen Gewerkschaftsbund ausgezahlten

von 47000 Mark aus dem Auslande.

bleibt gegenüber Deutschland, wo die

Nachfolgendem hervor. Es kamen aus: 255 Frankreich 5 Dänemark.

Schweden. Norwegen.

Deutschland Oesterreich Rumänien

* *

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schein.

selben Gattung füllen ließen. Wer einmal

reiches Material zusammentragen können.

Die im Zentralverband der Bäcker gehilfen hatten von den Bäckerinnungen eine

von durchweg 15 Proz. In der Bäckerei

zahl, gewährt. mehr.

der Lage sei.

rusfischer Kriegsgefangener wird 7 wieder aufgenommen und während des Monats Nove ber setzt. Dann soll die Auswechslung bis Anfang Februar Zwischen Tornea und Haparanda findet die Ueberführung i

t. Pfandhaus wurde dieser Tage la Rjetsch ein Brillantkollier sür 60 000 Rubel versetzt, d indessen einen Wert von 300 000 Rubel hat, weshalb man maßt, daß es aus irgend einem Museum oder i Man vermutet, 8 0 das der Sammlung der Prinzessin Louise von Sachsen Brilaant hat 484 Karat und ist der lechstgrößte der Welt. Großes Aufsehen erregen in Paris die Verhaftunge von Armeeärzten, die beschuldigt werden, Beste chung; gelder erhalten zu haben, um militärpflichtige und waffenfä Es handelt sich denn 1000 Franken Franken für ein Untauglichkeitsattest zu zahlen. Londoner Blätter berichten, stehen weitere Verhaftungen von fre

Die Erhöhung der Wohnungsmieten in britannien hat zu einer starken Protestbewegung d öffentliche lungen statt, um die Aufmerksamkeit der Behörden auf den Wohn⸗ In Glasgow streiken jetzt Von Glasgow gref die Bewegung nach allen Städten Schottlands. beschlossen, sich den Exmittierungen gewaltsam zu widersetzen. ernannt, die untersuchen, und im Unterhause erklärte der Minister des Inner daß gesetzliche Maßnahmen nötig sein dürften,

Aus Wellington(Neuseeland) wird berichtet: Infolge

Verbot der Beschäf⸗ tigung deutscher Lehrer wurde der deutsche Professor am Victoria-College in Wellington nach 14jährigem Dienst entlassen Brofessoren-Kollegium sprach sich gegen die Entlassung aus und erhob Einspruch gegen das Gesetz, aber die Regierung, unter⸗ stützt durch das Publikum, erzwang die Entlassung. Der Professor erhielt das Gehalt für die nächsten 12 Monate. ö

Arbeiterbewegung.

Unter dieser Ueberschrift lesen wir in dem holländischen Partel⸗ blattFriesch Volksblad(Nr. 27, 1915): Von den durch den hol⸗ 0 Unterstützungen fir die streikenden und ausgesperrten Tabakarbeiter kam ein Betrag 0 Dabei ist typisch, wenn man den Beiträgen aus den einzelnen Ländern nachgeht, wie Frankreich, das Land der syndikalistischen Gewerkschaftsbewegung, sehr moderne 0 bewegung den meisten Einfluß hat. Das geht deutlich genug

3363.23% 2243.40%¼ 3361.34% 30 000. 4 8 472.87

Wo bleibt da die Solidarität, deren Monopal angeblich die Freien Syndilkalisten) zu besitzen vorgeben. sischen Genossen kommt sie nicht gerade sehr glänzend zum Vor

Das holländische Blatt hätte noch hinzufügen können, daß sich noch einige Spalten mit derartigenmerkwürdigen Zahlen der⸗

Praxis der Internationale beschreibt, wird darüber

10 Prozent gefordert. Diese Erhöhung wurde zwar abgelehnt, nach einigem Hin und Her hat aber die Bäckerinnung jetzt beschlossen, eine Zulage von 2 Mk. in der Woche zu gewähren. Die Wands⸗ beker Bäckerinnung hat die zehnprozentige Zulage gewährt. In den Zuckerwarenfabriken erreichte der Verband a

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einer Schatz⸗ Kollier u gehört. Ein

selb solche Le bis 200 Sie Pariser

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Groß Volksversamm 10 000 Mie Die Mieter haben Die Lage z

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dieTheorie und

sehr lehr⸗

Teuerungszulage für Bäckergehilfen in Hamburg. 1 organisierten

Bäcker⸗ Lohnerhöhung von

eine Lohnzulag

Vorwärts werden

monatliche Teuerungszulagen von 5 bis 11 Mk., je nach der Kinder ü Die Brotfabrikanten zahlen 2 Mk. in i Die Verwaltung des KonsumvereinsProduktion die Zulage ab, da sie nicht nur den Bäckern, sondern allen Ange⸗ stellten gezahlt werden müßte, wozu die Verwaltung jetzt nicht in e i. Der Lohn sei ohne Teuerungszulage höher, als in anderen Betrieben mit Teuerungszulage. 1

der Woche lehnte

immer noch

mögen viel nahrhafter und gesünder sein, aber Sie müssen einräumen, daß man sie unverdaulich finden kann!

Sagen Sie, Glauroth, unterbrach ich ihn,um von etwas anderem zu reden, Ihr Vater ist Kaufmann, nicht wahr? f

So ist es, er ist Kaufmann und arbeitet hauptsächlich für die Pflege des deutschen Gemüts mit wollenen Nacht⸗ mützen, Unterjacken, Kamisölern; ermacht in allem, was der Mensch sich dicht und warm ans Herz legt... weshalb fragen Sie? Wollen Sie die Firma als großmächtiger Gönner mit den für den kommenden Winter willkommenen flanellenen Wohltaten beschenken?

Nein, nicht deshalb, sondern weil ich voraussetzte, daß Ihnen alsdann vielleicht der Name irgend eines großen und soliden Bankgeschäfts in der Schweiz, in Basel oder Bern be kannt sei!

In Basel oder Bern? sagte Glauroth nachdenklich. Warten Sie... wer ist in Basel? Ach, dort ist ja das alte Haus Gebrüder M.. und in Bern...

Genug, rief ich aus,Gebrüder M... der Name ist bekannt und genügt mir vollkommen!

Wollen Sie Geldgeschäfte machen?

Ich antwortete nicht, sondern sprach von anderen Dingen und sandte Glauroth endlich unter dem Vorgeben fort, daß ich nun ruhen wolle.

Ich ruhte auch; ich schlief gesund und lange in dieser

Nacht, wie ein körperlich und seelisch ermüdeter Mensch schläft, wenn ein fester und starker Entschluß seiner Seele

wenigstens Ruhe gegeben hat. Ich erwachte am anderen Morgen erfrischt und gekräftigt. Ich konnte mich erheben und, nachdem Friedrich für meine Wunde gesorgt und den Arm hübsch in eine Schlinge gelegt, ausgehen, um nach meinen Zwölf Paladinen aus dem arianischen Ulanenstamm und ihren Rossen zu schauen. Nachdem ich mit Glauroth den Dienst für den Tag besprochen, kehrte ich in mein Zimmer zurück und schrieb zwei Briefe. Den ersten an Fräulein Kühn. Daß er erst nach drei, vier wieder zerrissenen Ent

würfen zustande kam, brauche ich nicht zu erwähnen. In den

f

überreichen.

von mir annehmen würde..

mir zu kommen. Sie sehen mich gekräftigt

aufbegeben?

Oben führte er mich durch

und ihre Anrede erwartete. auf einem kleinen Arbeitstisch.

(Fortsetzung folgt.)

Brief schloß ich ein Dokument ein, welches mir weniger Mühe machte zu stilisieren, denn es war sehr kurz gefaßt. 1 Nachdem ich den Brief versiegelt, rief ich Friedrich herbel und sandte ihn ab, meine Depesche Fräulein Kühn selber zu Das Herz klopfte mir, während er seinen Auf- trag ausrichtete; ich fragte mich ängstlich, ob sie einen Brief n Friedrich kam zurück, mein erster Blick nach seinen Händen zeigte mir, daß sie leer war daß Blanche mein Schreiben angenommen. a Ich schrieb den zweiten längeren Brief an meinen Ge⸗ schäftsmann und Verwalter daheim. Ich wollte den Arzt, der heute noch einmal zu kommen versprochen, bitten, das Schr ben mitzunehmen und in Noroy der Post zu übergeben. Ich war eben damit zustande gekommen, als der Abbe eintrat und mir mitteilte, daß Fräulein Blanche mich zu sprechen wünsche; daß, wenn ich noch zu schwach sei, zu ihr hinaufzusteigen, sie sich gern herunterbegeben wolle, um zu

Sie 5 N und halb genesen, unter brach ich ihn,darf ich mich sogleich zu Fräulein Blanche hin⸗

Der Abbs machte mir eine Verbeugung er war in all seinem Wesen und seiner Haltung förmlicher und gemessener als die Tage zuvor und schritt vorauf. Ich folgte ihm in einer nicht leicht zu beschreibenden Gemütsverfassung. 1 5 den mit bekannten Salon in das Kabinett, in welchem ich bei meinem ersten Besu Madame Kühn hinter den herabgelassenen Portieren vermut hatte. Es war ein sehr hübsches Boudir, in welches ich ein. trat, und mir gegenüber Blanche am Fenster sitzen sah, bleich mit Augen, die Spuren des Weinens trugen. Doch w. die Tränen in diesem Augenblick verwischt, sie sah mich 1 einem sehr trockenen und harten Blick an, als ich vor ihr Meine Schreiberei lag v

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