Ausgabe 
30.10.1915
 
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Beilage zur Ob

gessen und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

Zu Zweien.

Wir grüßen noch einmal die trauten Wände, Tasten voll Wehmut über die Bände

45 Im Bücherborde.

Jetzt gilt es nicht Worte, 5

Befreiende, suchende Worie zu sagen,

Nur schwer zu tragen.

1 Kopf hoch, Genosse! Wir müssen den Dingen ö Die große Treue entgegenbringen.

11 Wir haben ja nichts, als die eine Welt

Und unsern Glauben, daß einmal fällt,

Was zwischen Sehnsucht und Sonne steht: Wenn's auch durch Bluten und Sterben geht!

Artur Zickler.

Der deutsche Arbeitsmarkt.

Ueber die Lage des deutschen Arbeitsmarktes im Sep Amber 1915 berichtet das vom Kaiserlichen Statistischen Amte hrausgegebene Reichs⸗Arbeitsblatt in seinem Oktoberheft ne folgt:

Die Widerstandskraft, welche von der deutschen Volks- urntschaft bisher gegenüber den ungünstigen Einflüssen des Hieges bewiesen worden ist, hat auch im September nicht nchgelassen. Mit welcher Geschicklichkeit und Schnelligkeit siy unser Wirtschaftsleben neuen Lagen anpaßt, welche durch de im militärischen Interesse notwendigen Eingriffe ge affen werden, hat wiederum die Produktionseinschränkung ih der Textilindustrie bewiesen. Nach vierzehnmonatiger auuer des Krieges ist die Lage unserer Industrie im großen ud ganzen immer noch so günstig, daß der Plan unserer finde, unsere wirtschaftliche Kraft durch diesen Krieg zu krnichten, als endgültig gescheitert gelten kann.

Am günstigsten ist nach wie vor die Lage im Bergbau, aich die Eisen⸗ und Metall⸗ sowie die Maschinenindustrie sind berwiegend rege beschäftigt. Die Berichte über die übrigen dustrien geben kein einheitliches Bild; in jedem Gewerbs beige stehen Betriebe, die stark, ja teilweise bis an die (renzen ihrer Leistungsfähigkeit in Anspruch genommen id, neben solchen, die nicht voll beschäftigt sind. Als Bei⸗ ele gut beschäftigter Gewerbe seien genannt die Gerbstoff brikation, die Betriebe, welche Geschoßkörbe herstellen, die gqgarrenfabriken, die Berliner Konfektion, die Fabrikation um optischen Gläsern und Konservengläsern und die frtonnagenfabriken. Nicht befriedigend ist die Lage im eyinnstoffgewerbe mit Ausnahme einiger Zweige, wie der sͤlesischen Leinenindustrie, im Baugewerbe und im Bau stffgewerbe. Aus dem Verkehrswesen ist eine wesentliche kesserung der Rheinschiffahrt zu berichten.

Die Berichte der Arbeitsnachweisverbände lassen er⸗ ünneß, daß sich der Arbeitsmarkt für die männlichen Arbeit⸗ henden nach wie vor sehr günstig entwickelt, während für de Frauen die Lage weniger befriedigend i Eine Besserung des ganzen Arbeitsmarktes wird für echlesien, die niedersächsischen Gebiete und das Rheinland, delle Besserung des Arbeitsmarktes für Männer für Pommern, KLssen⸗Nassau, Bayern und Württemberg berichtet. Wenig gändert hat sich die Lage in Berlin und Brandenburg, der Povinz Sachsen, Hamburg, Westfalen und Baden; günstig hutet der Bericht aus Schleswig⸗Holstein. Für die Frauen i der Arbeitsmarkt in Hamburg und in der Provinz Sachsen biser geworden, in Schlesien, Bayern und Baden hat er sich örrschlechtert, in Pommern ist er für kaufmännisches Personal, * Rheinland für Textilarbeiterinnen ungünstiger geworden. us Schleswig⸗Holstein wird für die Frauen unveränderte ge gemeldet. Die Berichte der Arbeitsnachweisverbände In Berlin und Brandenburg, die Provinz Sachsen, die tedersächsischen Gebiete, Westfalen, Rheinland und Baden ithalten diesmal bereits Angaben über die anderweitige Unterbringung derjenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, die ch die Produktionseinschränkung in der Textilindustrie geworden sind. Es wird hervorgehoben, daß es bei den innern, namentlich soweit sie zum Verlassen ihres bis- igen Wohnortes bereit waren, leicht war, sie in anderen dustrien unterzubringen; größere Schwierigkeiten, machte de Unterbringung der Frauen oder derjenigen Arbeiter, die inter allen Umständen an ihrem bisherigen Wohnorte bleiben bollten. Ueber die Beschäftigung von Kriegs beg ch ä dgten liegen aus Schlesien, Westfalen, dem Rheinland und

Freut

baden Nachrichten vor; sie lauten überwiegend günstig Wir könnten also über die nächste wirtschaftliche Zukunft

Deutschlands recht beruhigt sein, wenn nicht der Kriegswucher t Lebens⸗ und Bedarfsmitteln am Marke unseres Wirt⸗ gaftslebens fräße und dieser wirklichste aller inneren Feinde ies bald bis an den Rand des Abgrundes drängen würde.

Kriegswaisen.

Der preußische Minister des Innern hat. 5 r zung an die Verwaltungsbehörden erlassen, die soc lebt 15 Uterbringung der Waisen beschäftigt, eine Frage, p Ver⸗ 9 kriege einen besonders aktuellen Charakter hat. In 1 thalt gung weist der Minister auf die Tatsache hin, daß der s 116 50 er Waisenkinder in Familien sich in hohem Maße n auf gktterscheide von dem Aufenthalt in Anstalten, und darum brin ung 5. dieser Erfahrungen nach Möglichkeit zur ee ee er Kriegswaisen in Familienpflege geraten.

Der Unterschi i stalts- und schied zwischen Anstalts⸗ und aben heute

soeben eine Ver⸗

Familienerziehung ist ein so

ißt verwunderlich. Nur wenige Menscher! lubes warmes Herz, daß been, vielen 1 5 iner Anstalt sind, Sonne geben können. Ahr, diebe, die die

Eutwicklung eines Kindes iger ut 1 Kindes notwendiger als Menschen den be⸗ reiche Kindesseele zu bilden sucht und damit denn, e d

Gießen, Samstag, den 30. Osttober 1915

Aae enAuf diesem Gebiete bietet die Zentrale für Jugend⸗ 0 urge in Dresden viel Gutes. Seit Jahren ist sie mit der unentgeltlichen Unterbringung von Kindern in Familien beschästigt, aber leider bleibt die so große Zahl der unehelichen Kinder 0 e Herkunft fast ganz unbegehrt und ganz besonders die kleinen unehelichen unter 2 Jahren. Da tritt das alte Vorurteii unserer bürgerlichen Welt wieder deutlich zutage und um so mehr ist es da Aufgabe des aufgeklärten Proletariats, hier helsend ein zugreisen. 5

Auch gar manche proletaxische Familie muß jetzt um den Ver⸗ lust eines Sohnes, vielleicht des einzigen trauern. Da bietet solch 8385 unentgeltliche Aufnahme eines jener ärmsten der armen Kin- i unehelichen Gelegenheit, die Lücke zu füllen und 597 Herzenswunden vernarben zu lassen. Das würde in so höherem Maße geschehen, je mehr sich auch die Städte jener Verlassenen an⸗ nehmen, je mehr sie zu ihrer Vermittelung beitragen würden. So handelt es sich bei diesen Kindern um große Zahlen, also gilt es ein großes Stück Volksentwicklung, ein großes Stück Zukunft.

Lebensmittelpolitik und Kinderkrankheiten.

Ueber die Einwirkung der sozialen Lage auf Krankheits

und Sterblichkeitsverhältnisse der Bevölkerung ist in Frie⸗ denszeiten viel geredet und geschrieben worden. Wir be sitzen wertvolle Aufzeichnungen und Untersuchungen aner⸗

kannter Forscher auf diesem Gebiete, und es war uns längst geläufig, daß mangelhafte Wohnungsverhältnisse, große Wohndichtigkeit, Alkoholmißbrauch, Kinderarbeit, Frauen⸗ arbeit in gesundheitsschädlichen Gewerben, Unterernährung und manches andere den größten Anteil an der Verbreitung vieler Krankheiten, besonders in den ärmeren Schichten der Bevölkerung haben.

Es war natürlich, daß während des Krieges das meine Interesse sich zunächst mit den direkt durch den Krieg hervorgerufenen Krankheitsfällen beschäftigte: den Ver- wundungen und den in den Schützengräben etwa erworbenen Krankheiten. Dabei hat man die Untersuchung der Ursachen von Erkrankungen der nicht im Heeresdienst Stehenden, der Frauen und Kinder, etwas vernachlässigt. Die Oeffentlichkeit scheint ihre Bedeutung weniger hoch einzuschätzen. Und doch ist es nötig, daß wir uns auch mit ihnen beschäftigen, umso⸗

allge

mehr, als die Erhaltung der Gesundheit von Frauen und Kindern zu den wichtigsten Aufgaben des Staates gehören

muß. Sie bilden den Grundstein für den Aufbau der kom⸗ menden Generationen.

Wir haben bereits hin und wieder auf die bedenkliche Erscheinung des Krieges hingewiesen, daß der Krieg eine un geheure Belastung der Frauenarbeitskraft, verbunden mit einer mangelhafteren Ernährung mit sich gebracht habe, und wir haben davor gewarnt, diese Tatsache leicht zu nehmen, da sie wahrscheinlich ernste Folgen nach sich ziehen werde, die man erst nach einiger Zeit werde feststellen können. Wir be⸗ fürchteten Unterleibserkrankung und Schwächung der Frauen, was einen unheilvollen Einfluß auf die Gebärfähigkeit haben muß, und wir erinnerten daran, daß unterern ährte Kinder leicht zu Krankheiten geneigt und weniger widerstandsfähig sind als kräftige Kin⸗ der. Nun sehen wir eine Ausbreitung der Diphtherie, die größer ist, als in den vergangenen Jahren, wenn auch die Krankheitsziffern nicht an die des Jahres 1911 heran⸗ reichen. Das Jahr 1911 war sehr heiß und wie man nach dem Statistischen Jahrbuch für das deutsche Reich feststellen kann, stiegen die Großhandelspreise einer Reihe wichtiger Nahrungsmittel beträchtlich.

Ueber die Preise im Kriegsjahr 1915 brauchen wir nicht zu reden. Sie sind so hoch, daß es fast unbegreiflich erscheint, wie Familien mit niedrigem Einkommen noch Mahlzeiten herstellen können, die sättigen. Die Kost, die in den Fa⸗ milien der unteren Schichten heute gereicht wird, ist fettarm, sie besteht meist aus Brot mit Marmelade, Kartoffeln und ohne oder doch nur mit einem minimalen Zusatz von Fett gekochtem Gemüse. Ist es ein Wunder, wenn die Kinder in den Arbeitervierteln elend aussehen und wenn ihr Körper die Widerstandsfähigkeit gegenüber Epidemien stark verliert?

Wir lesen in einem Aufsatz des Charlottenburger Stadt- rats Dr. med. Gottstein überAufgaben der Gemeinde und der privaten Fürsorge in Band IV des Samimelwerkes Krankheit und soziale Lage, daßden regen Bestrebungen der Gemeinden... die durch Maßnahmen der Gesetzgebung geförderte Teuerung der wichtigsten Lebensmittel entgegen wirke, und etwas später heißt es:So muß jede erhe b⸗ liche Verteuerung der Nahrungsmittel zu einer Verschlechterung der Volksgesundheit führen, deren Abwendung gerade die Maßnahmen der sozialen Therapie dienen sollen. Es ist überhaupt recht angebracht, die in diesem Werk von namhaften Aerzten zu⸗ sammengetragenen Berechnungen noch einmal durchzusehen. Wir erfahren da z. B., daß Bertillon bei der Masern- und Keuchhustensterblichkeit in den verschiedenen wohlhabenden Stadtdistrikten von Paris ein de zunehmenden Armut fast genau paralleles Verhalten sah; die Todesfälle an Diphtherie waren ferner in den armen Quartieren viel zahlreicher als in den übrigen, und Gleiches ergab sich auch für das in Paris im allgemeinen sehr seltene Scharlachfieber. Kaiser, der seine Untersuchungen auf Diphtherie und Scharlach beschränkt hat und nicht von der Einkommenhöhe ausging, sondern eine Rangordnung des Berliner Stadtbezirks nach ihrer Wohl habenheit aufstellte, fand, daß auf 1000 unter 5 Jahre alte Kinder in den drei reichsten Bezirken im Durchschnitt 0,46 an Scharlach, 0,95 an Diphtherie, in den drei ärmsten 0,71 an harlach, 1,14 an Diphtherie verstarben.

Dr. med. Für st, Schularzt in Hamburg, hebt in einem anderen Aufsatz die Wichtigkeit einer guten Ernährung für den Gesundheitszustand und die Aufnahmefähigkeit der Schul- kinder hervor. Er verurteilt u. a., daß infolge der Mehrung der Molkereien und Käsereien auch aus dem ländlichen Haus

wdunmenden Charakter gi it ist mit Recht die ö f gibt. Und damit ist m . eziehuna für unsere Krieaswafsen so notwendig.

. 0 1

halt Misch und Milchprodukte immer mehr vom Tisch ver⸗

Es handelt sich nun aber darum, die Kinder auch den Familien

erhessischen Volkszeitung Nr. 255

sem Zusammenhang den Bericht

schwinden und zitiert in die eines Amtsarztes:

Mit Zunahme der Dampfmolkereien und Käsereien verschwindet bei den Kleinsöldnern auch der letzte Tropfen Milch ohne Rücksicht auf den Bedarf für die heranwachsende Jugend, die Säuglinge und die Armen, für welche die Mischmilch aus den Molkereien um 15 Pfg. pro Liter zu⸗ rückgekauft werden muß; außerdem erhalten die Säug⸗ linge Mehlbrei, die übrigen Kinder statt Milch Wasser⸗ suppen, sog. Kaffee oder Brei. Der Milchmangel verschlech⸗ tert die Säuglingsernährung, begünstigt im 2. bis 5. Jahre Rachitis, bei den Adoleszenten(Heranwachsenden) Zurück⸗ bleiben des Knochenwachstums, bei den Aelteren Nachlassen, der Widerstandskraft gegen Schädlichkeiten.

Außerdem wird auf den schädlichen Einfluß durchnäßter und kalter Füße infolge defekter Fußbekleidung hingewiesen. In einem Berliner Schularztbezirke habe sich damals heraus- gestellt, daß 12 Prozent der Kinder mit zerrissenen Schuhen in die Schule kamen. Aber übereinstimmend wird die große Gefahr mangelhafter Ernährung für die Kinder betont.

Selbstverständlich muß man in Kriegszeiten einen an⸗ deren Maßstab an die Ernährung legen als in Friedenszeiten. Das Fehlen der aus dem Ausland bezogenen Lebensmittel. macht eine Einschränkung notwendig. Zu fordern aber bleibt, daß die vorhandenen Waren nicht unnötig verteuert werden, und daß von der Sparsamkeitspolitik alle Bevölkerungs- schichten gleichmäßig betroffen werden. Sind nicht genügende Mengen von Milch, Fett, Butter und dergleichen vorhanden, gut, so setze man fest, wie groß der Anteil ist, der auf jeden entfällt und treffe Vorsorge, daß niemand mehr beziehen kann als das ihm zugeteilte Maß. Vor allem aber muß da⸗ neben der Preis so festgesetzt werden, daß arme Familien überhaupt die Möglichkeit besitzen, ihren Anteil zu erstehen. Uns scheint, daß das die erste Vorbedingung für die so nötige Neuorientierung in der Bevölkerungspolitik ist.

Der Butterwucher und seine Bekämpfung. Butter ist ein Nahrungsmittel, das wegen der hohen Preise schon seit langer Zeit für die weniger bemittelten Schichten des Volkes nur noch in sehr beschränktem Umfange in Betracht kam. Nur der Umstand, daß alle anderen Arten von Fetten und

Fett bildet nun einmal ein außerordentlich wichtiges Nahrungsmittel ebenso rar und ebenso teuer geworden

sind, hat das Interesse an der Butter trotz den zu mehr als unverschämter Höhe getriebenen Preisen in den letzten Wochen auch bei den gering- und unbemittelten Hausfrauen wieder reger werden lassen. Aber die Empörung, die der Butter⸗ wucher gerade unter den ärmeren Hausfrauen in diesen Tagen oft mit elementarer Wucht zum Ausbruch gebracht hat, ist auch noch durch einen anderen Grund bedingt: Im Butter⸗ wucher müssen wir mit Recht den krassesten, äußerlich am eindringlichsten sich bemerkbar machenden Typus des Kriegs- wuchers mit Nahrungsmitteln überhaupt erkennen. Molke⸗ reien und Händler arbeiten hier mit staunenswerter Innig⸗ keit Hand in Hand. Gewiß ist es richtig, daß unsere inländische Produktion schon in Friedenszeiten bei höheren Milcherträgen als den derzeitigen nur den kleineren Teil unseres Butter- bedarfs decken konnte, und daß deshalb die Einfuhr aus Dänemark und Holland wie in Friedenszeiten so auch jetzt im Kriege einen hohen Einfluß auf den Buttermarkt üben mußte. Aber eine Berechtigung, die Preise für inländische Butter auf die Spekulationshöhe der ausländischen zu bringen, wie das in den letzten Wochen mit so klarer Schärfe sich gezeigt hat, kann nun und nimmermehr anerkannt werden. Hier dürfen nur die eigenen Produktionskosten maßgebend sein. Die sind aber keineswegs so viel höhere ge⸗ worden, daß sie Preise von 3 Mark oder auch nur von 2,40 Mark für Tafelbutter und 2,10 Mark für Land- butter rechtfertigen. Wir wissen, daß oberhessische Molkereien, die nicht wissen, was für geschwollene Preise sie im allge⸗ meinen Butterhandel fordern sollen, einem Teil ihrer Kund⸗ schaft immer noch Butter für 1,60 Mark liefern können, sicher doch nicht zu ihrem eigenen Nachteil. Und wir wissen weiter, daß die Produzenten einiger Gegenden ausdrücklich erklärt haben, daß sie den Butterwucher nicht mitmachen können und ihre Butter für 1,60 Mark liefern wollen, sicher doch auch nicht unter eigenem Schaden. Und wir erfahren ferner, daß in Hanau dem Butterhändler Joh. Gg. Pflug der Geschäfts⸗ betrieb auf Grund des Unzuverlässigkeitsparagraphen unter⸗ sagt worden ist, weil er in der Zeit vom 1. bis 18. Oktober das Pfund Molkereibutter für 1,90 Mark ohne Frachtver⸗ gütung bezogen und dieselbe vom 1. bis 11. Oktober im Klein⸗ handel bis 2,40 Mark das Pfund und nach dem 11. Oktober bis 3 Mark das Pfund verkauft hat. Alles Beweise, daß Produzenten wie Händler die inländische Butter wesentlich billiger liefern könnten, und daß auch die für Gießen geltenden Höchstpreise noch zu hohe sind. Das wird auch vom Schaumburg⸗Lippischen Staatsministerium in einer aintlichen Veröffentlichung bestätigt, nach der man dortan sich in der Lage gewesen wäre, den Butterpreis nur um ein Kleines gegenüber dem Friedenspreise zu erhöhen. Aber das Auf⸗ käuferunwesen im Lande habe das verhindert. Hier wird auch die Tatsache bestätigt, daß die Höchstprelse in der Regel den zur Zeit ihrer Festsetzung geltenden Preisen sich anpassen und deshalb, weil sie meistens erst sehr spät festgesetzt werden, nachdem die freie Preisbildung schon sehr weit fortgeschritten ist, den Produzenten und Händlern immer noch unberechtigt hohe Gewinne sichern. Das läßt sich auch aus der Tatsache erkennen, daß in einer Anzahl westfälischer Gemeinden in den letzten Tagen amtliche Höchstpreissestsetzungen vorgenommen worden sind, die einen Unterschied sowohl bei bester wie bei Landbutter von 60 Pfg. aufweisen. Einige Landratsämter halten 190 bis 2,20 Mark als Höchstpreis für Molkereibutter für völlig ausreichend. Arbeiten so bei der Verteuerung