Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Nr. 254
Gießen, Freitag, den 29. Oktober 1915
10. Jahrgang
„ e t des Kri Der Fortgang des Krieges. Von Richard Gädke. Nach einer Pause von drei Monaten haben die Italiener ihre griffe gegen die österreichische Südwestfront im goßen Stile erneuert. Vielleicht nicht ganz freiwillig, sondern iter dem Drucke, den die Vorstellungen der Verbündeten auf ihre Feresleitung ausgeübt haben. Offenbar will diese sich an dem lkanabenteuer ebensowenig beteiligen wie an dem aussichtslosen griff auf die Dardanellen. Es mag dahingestellt bleiben, ob hirfür militärische und nicht auch politische Gründe mitwirken. Henfalls scheint der Verlauf aller drei Isonzoschlachten zu be⸗ äsen, daß schon die militärischen Gründe ausschlagend sein nten, denn er stellt sich als ein großer fortgesetzter Mißerfolg de. Im Lager der Oesterreicher sieht man diesen verzweifelten Eirmen mit einer Art geringschätzigen Mitleide zu und hält sie einen furchtbaren Massenmord. Man mag darin wohl recht ven, wenn man den großen Unterschied in der kriegerischen ichtigkeit zwischen Angreifer und Verteidiger berücksichtigt. Da⸗ zen aber kommt in Betracht, daß der erste Angriff der Italiener, am 29. Juni begann und am 5. Juli endete, mit nur 4 Armee⸗ ps, das heißt: mit offenbar zu schwachen Kräften geführt wurde. wurde der Verteidiger auf alle schwachen Punkte seiner Front merksam und gewann Gelegenheit wie Zeit, seine Verteidigungs— magen mehr und mehr auszubauen. Der zweite große Angriff setzte dann 13 Tage später mit er⸗ lichen Verstärkungen, im ganzen mit 17 Divisionen, ein und de an Ort und Stelle nach schwerer Feuervorbereitung mit er Erbitterung Tage lang fortgesetzt. Er brach überall zu⸗ men; zu einem gleichzeitigen Ansturm auch gegen die Tiroler ue Kärntner Front hatte der italieische Führer nicht den Ent⸗ Au gefunden oder nicht die zahlenmäßige Kraft zusammenge⸗ sucht. Seine Verluste in diesem schweren Ringen wurden auf 000 Mann geschätzt.
Dann erlahmte die italienische Heerführung und zersplitterte e in einem Gebirgskriege kleiner und kleinster Unternehmungen. Des Ganze zur Beruhigung des italienischen Volkes, dem man jsen Tag von den tapferen Angriffen der Truppen bald hier, bald kgrund von täglich gemachten Fortschritten berichtete. Wenn man br jetzt das Ergebnis dieser lebhaften Fortschritte überschaut, so sett man sofort, haß nach den eigenen Meldungen Cadornas die Aggeschobensten Teile noch immer nur an die Grenze beider Länder Kommen sind: nur bei Monfalcone, im Küstenlande, wo die Juerreicher gleich im Beginn des Krieges freiwillig auf ihre Hizenstellungen zurückgingen, haben die Italiener in den 5 Kriegs⸗ unaten 20 Kilometer Raum gewonnen. Wenn die„Fortschritte“ spweiter gehen, wird der zehnjährige Trojanische Krieg ein kurzes Abesidyll gegen den Feldzug der Italiener sein, und selbst die
Lig jugendliche Helena wird alt und gran werden, ehe sie vor die dire Wiens gelangen.
Diesmal haben sie nun dem Angriff u Re gebildes und Meisters Joffre eine sehr lange Beschießung durch were und schwerste Geschütze vorausgehen lassen, ehe sie am
Oktober ihre Infanterie zum Sturm losließen. Sie haben sich m zugleich bemüht, dem Angriffe eine breitere Grundlage zu ken, indem sie nicht nur an der Isonzofront, sondern auch gegen Aötirol, von Westen, Süden und Osten vorstießen. Man kann hien billig zugestehen, daß ihnen hier an einzelnen Stellen kleine folge geblüht haben, so in der Giudicaria und besonders im krro⸗Tale, westlich des Gardasees, im oberen Cordevole(östlich hien) und gegen Schluderbach. Aber auch diese Fortschritte haben auf die Fortnahme einiger österreichischer Vorstellungen be⸗
zünkt, während die Hauptstellungen noch kaum bestürmt worden e, Man braucht nur darauf hinzuweisen, daß die Italiener noch ut einmal in den Bereich der Forts von Riva, am Nordrande „Gardasees, gelangt sind. Die Festung Trient nun gar, im kozipfel Südtirols, 40 Kilometer von der Süd⸗, 20 Kilometer
1 der Oftgrenze, liegt noch im tiefsten Frieden. 5
A der Isongofront hatten sie in den ersten 4 Tagen der Fnllacht auch nicht den leisesten Gewinn zu verzeichnen. Wo sie in (elne österreichische Gräben eindrangen, wurden sie sofort oder
bmpt in der nächsten Nacht wieder hinausgeworsen. Ihre Ver⸗ lie aber müssen auch diesmal sehr groß sein. e
Um gerecht zu bleiben, müssen wir zugestehen, daß der Angriff
modern ausgebaute Feldͤstellungen gegenüber der entsetzlichen bekung des Maschinengewehrs, der Handgranate und des schweren
echtes zu den schwierigsten Aufgaben gehört, die einen hervor⸗ henden Truppe überhaupt zugemutet werden können. Die fran⸗
Ilsch⸗englischen Angriffe in Artois, in der Champagne, zwischen bas und Mosel, aber auch die deutschen Angriffe an der Mer⸗ unt haben es bewiesen. Man wird nach den bisherigen Erfab⸗ zungen ziemlich allgemein annehmen dürfen, daß ein Angriff, der ber Wucht und leberraschung des ersten Tages nicht durchstößt
ins freie Feld, an den folgenden Tagen so gut wie dae; 7 15 zsichten mehr hat. Geglückt ist der Sturm auf planmäßig be⸗ sigte Feldstellungen bisher überhaupt nur den deutschen ruten; rn man darunter den völligen Sieg und nicht ni, die en me einer größeren oder geringeren Zahl von Schützengraben
N derer Linie versteht. 5 Angriff
Wenn die gtaliener gehofft haben, durch ihren dritten fen ge⸗ sterreichische Kräfte zu binden, die sich sonst gegen, Serbien ge⸗ lendt hätten, so liegt auch darin eine große Selbsttäuschung 6 siariff der beiden verbündeten Mächte gegen Serbien ge ee planmäßig vorbereitet worden, daß die Gesautheit der Kräfte, saman flür den Erfolg nötig hielt sofort an der Donau und Save⸗ bie versammelt wurden. Man rechnet also augenscheinlich
nicht darauf, vom Südwesten oder Westen oder 9 81 1 f tere Verstärkungen heranholen zu müssen. Nach den neuesten echrichten der Hauptquartiere nd es ja nicht nur die ier kirveß und Gallwitz, die nach Serbien eingedrungen sind, aher 11 hat eine weitere Gruppe die Donau bei i 19 7
(kitten: und vom Mesten her ist über die Drina eis
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leutlche und
nach dem Rezept ihres
Sarkotis südlich der Matschwa eingebrochen und hat Valjewo be⸗ setzt. Eine dritte Abteilung hat sich an der oberen Drina des Brückenkopfes von Visigrad(noch auf bosnischem Gebiete) be⸗ mächtigt und bedroht bereits die Verbindung des serbischen Heeres mit Montenegro.
Inzwischen hat die zweite bulgarische Armee sich in Neu⸗Serbien ausgebreitet, am 23. Oktober Uesküb nach hartem zweitägigen Kampfe genommen und somit die wichtige Bahnlinie Uesküb.—Nisch in breiter Front nach Norden hin überschritten. Eine dritte Armee sichert die zweite Armee gegen Süden hin, gegen die um Saloniki sich versammelnden englisch-französischen Streitkräfte. Sie ist bei Krivolae, an der Bahnlinie Uesküb, 65 Kilometer von der griechischen Grenze, 110 Kilometer von Saloniki entfernt, auf fran⸗ zösische Truppen gestoßen. Diese wollen sich„behauptet“ haben, sind also zum Angriff nicht stark genug gewesen.
Für die Beurteilung der Gesamtlage auf diesem so wichtig ge⸗ wordenen Kriegsschauplatz wäre es nötig zu wissen, wieweit die Truppenlandungen der Gegner in Saloniki bereits gediehen sind und ob sie wirklich auf griechischen Einspruch hin ins Stocken ge⸗ raten sind. Die sichtbare Verwirrung, in die die Leitung des Vier⸗ verbandes geraten ist, gestattet aber auch militärische Schlüsse, die für unsere Sache günstig sind. Offenbar ist, daß sie die Darda⸗ nellen-Expedition noch nicht endgiltig aufgegeben haben, weil sie die Rückwirkung auf die mohammedanische Welt fürchten. Andererseits aber haben sie mindestens zwei französische und eine englische Di⸗ vision von dort nach Saloniki überführt— eine halbe Maßregel, die ihre Nachteile in sich trägt. Es folgt daraus ferner, daß die Ver⸗ stärkungen nach Saloniki von weiter her, zumal aus Frankreich selbst kommen müssen. Das allein wird die Versammlung der Expeditionsarmee verlangsamen und besonders die Sicherstellung ihrer vielfältigen Bedürfnisse. Auf Griechenland ist in dieser Be⸗ ziehung selbst in dem günstigen Falle nicht zu rechnen, daß dieses sich doch noch gezwungen fähe, auf die Seite des Vierverbandes zu treten.
Sonach hat sich die Lage der serbischen Armee trotz ihrer tapferen Verteidigung in der letzten Woche wiederum verschlechtert. Soweit man aus dem Gange der Ereignisse schließen darf, leistet sie den stärksten Widerstand nach Osten hin, gegen die über den Timok vordringende erste bulgarische Armee des Generals Boja⸗ diew. Darum ist dieser in dem äußerst wegarmen Hochgebirge auch nur sehr langsam vorwärts gekommen: immerhin ist die Zentralfestung des Landes, Nisch, von Nordosten und Osten her be⸗ reits bedroht, während das 50 Kilometer südöstlich gelegene Pirot eingeschlossen sein soll.
Auch im Norden wehren sich die Serben mit verzweifelter Euergie gegen die überlegenen Kräfte Mackensens. Am 6., 7., 8. Oktober fand der Uebergang über Donau und Save statt; am 24. Oktober hatten die verbündeten Heere die Linie Valjewo— Arandjelovae—Petrovac—Melnica, durchschnittlich 40 Kilometer südlich der Donau, erreicht, das sind auf den Tag etwa 2½ Kilo⸗ meter Raumgewinn. Man muß hierbei immer die traurigen Wegeverhältnisse und die Hemmungen berücksichtigen, die der ge⸗ birgige Charakter des Landes jedem Angreifer bereitet. An Lebens⸗
mitteln hingegen scheint es noch nicht zu fehlen.
In jedem Falle sehen wir das serbische Heer auf drei Seiten von feindlichen Streitkräften umgeben, die ihm in ihrer Gesamtheit weit überlegen sind. Der ihm zur Verfügung stehende innere Raum beträgt von Norden nach Süden zurzeit noch etwa 220 Kilometer, vom Osten nach Westen— er verringert sich jeden Tag — 160 Kilometer. Der Rückzug gegen Uesküb ist, ohne gewalt⸗ samen Durchbruch i m Kampfe, nicht mehr frei; es kann, wenn ihm nicht noch im letzten Augenblick eine wenig wahrscheinliche Hilfe von außen kommt, im besten Fall noch gegen die monte⸗ negrinische Grenze weichen. Dort aber, in dem unwirtlichen Lande, das kaum den eigenen Bewohnern den notwendigen Unterhalt bietet, erwartet es ein Feind, der schlimmer ist als die verbündeten Streitkräfte: der Hunger! 0
Man sieht nicht recht, wie es seinem Schicksal noch entgehen könnte, auch wenn es sich nur langsam vollziehen sollte.
Im Westen wie im Osten, Stellungskrieg! Es ist wunderlich, wie die Feinde und„wohlwollende“ Neutrale von einem Scheitern der Offensive gegen Rußland sprechen können. Daß wir so vielen Gegnern gegenüber nicht auf allen Gebieten zugleich angriffsweise verfahren können, ist doch auch für den Laien leicht einzusehen. Die beutsche Kriegskunst hat sich ringsum Ellenbogenfreiheit geschaffen, die feindlichen Streitkräfte zurisckgeworfen und schickt sich nun an, auf einer Grenze, wo die Verhältnisse besonders günstig geworden zu sein scheinen, einen endgiltigen Erfolg zu suchen. Das andere wird sich dann später finden. Von einem Scheitern unserer Pläne könnte man vernünftigerweise nur dann reden, wenn es unsere Ab⸗ sicht gewesen wäre, nach Petersburg oder Moskau zu gehen, und wir diesen Plan infolge des überlegenen russischen Widerstandes hätten aufgeben müssen. Davon kann keine Rede sein; die Heere des Zaren sind ganz unschuldig daran, daß wir auch nach Osten hin uns zeitweise auf die Festhaltung des bereits Gewonnenen beschränken. Das ist unser eigener, freier Wille!
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Noch fünf Tage aushalten, dann.
Lyoner Blätter melden aus Nisch vom 26. ds.: Die serbische Armee ist in Anbetracht der erdrückenden Ueberzahl der feindlichen Truppen zur Defensive gezwungen. Sie benutzt indessen alle Vorteile, die das Gelände oder sonstige Umstände bieten, zu heftigen Gegenangriffen, um das Vor⸗ dringen der Feinde aufzuhalten. Die Verbündeten ersuchten das serbische Hauptquartier, höch⸗ stens noch fünf Tage Widerstand zu leisten, dann würden sie wirksame Hälfe bringen.
Eine weitere Meldung vom glezen Tage hält die Lage in Serbien für fehr eenst, Sie könnte nur durch
ulgaren vereint!
schnelles Vorrücken der Verbündeten gebessert wer den. Serbien könne den zwischen Vranja und Krivolak be⸗ findlichen auf 10 Infanteriedivisionen mit 300 Geschützen geschätzten bulgarischen Streitkräften nur geringe, aus Soldaten der dritten Kategorie zusammengesetzte Kräfte ent⸗
gegenstellen. Englischer Pessimismus.
T. U. Rotterdam, 27. Okt. Viel bemerkt wird, daß Lord Lans⸗ down im Oberhaus nicht mehr von einer möglichen Rettung Ser⸗ biens, sondern nur noch von einem Entsatz Serbiens durch die Ententetruppen sprach, woraus man schließt, daß die Entente jetzt auf alle Hoffnungen für Serbien verzichtet hat und das Land teil⸗ weise seinem Schicksal überlassen muß. Die ganze Tonart der Er⸗ klärung Lansdownes war recht pessimistisch. So bestätigt er, daß von Saloniki nur eine kleine Truppenmacht vorgerückt sei, weil mehr Truppen nicht so schnell dahin geführt werden könnten. Aber mitt⸗ lerweile werde eine große Truppenmacht für den„Dienst in Süd⸗ ost⸗Europa“— Lansdown vermied es von Serbien zu sprechen— zusammengebracht und Transportschiffe in Bereitschaft gestellt wer⸗ den, um Truppen zu überführen. Lord Lansdown erklärte weiter, es tue ihm leid, das sagen zu mitssen, aber der serbische Feldzug werde einen derartigen Verlauf nehmen, daß die serbische Armee die doppelten Angriffe durch die Oesterreichischer und Deutschen vom Norden und die Bulgaren vom Osten und Süden nicht lange wider⸗
stehen könne. Portugal soll helfen?
T. U. Lugano, 27. Okt. Londoner Depeschen zufolge er suchte die englische Regierung Portugal um Ueber lassung portugiesischer Truppen, um die in Gibraltar stehenden englischen Truppen anderweitig ver⸗ wenden zu können.
König Peter will nach Italien flüchten?
T. U. Budapest, 27. Okt. Pesti Hirlap veröffentlicht Draht⸗ ungen aus Sofia, worin es heißt, daß aus Serbien eingenlaufenen Nachrichten zufolge man damit rechne, daß König Peter sich über Pristina nach Italien flüchten werde.— Rußland soll dem alten Herrn auch ein Asyl angeboten haben, doch kann er es nicht mehr erreichen, da Serbien von Rußland ganz abgeschnitten ist. Uebrigens wollte Peter doch nicht fliehen, sondern im Falle einer serbischen Niederlage mit seinen Soldaten sterben. Man hat sich's wohl anders überlegt. e
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Die Haltung Griechenlands. Eine Erklärung König Konstantins.
T. U. London, 27. Okt. König Konstantin von Griechen land hat dem Korrespondenten der Associated Preß in Athen folgende Erklärung zugehen lassen: Griechenland zieht nur das Schwert aus der Scheide, es bedroht niemanden, könne jedoch nicht dulden, daß die Ereignisse eine Bedrohung der Unantastbarkeit des Landes und der Freiheit des griechischen Volkes bringe. Es ist meine Pflicht, das ganze Land vor der Gefahr eines Unterganges zu bewahren, in den es durch eine Hineinziehung in den europäischen Krieg gestoßen würde. Solange es mir möglich ist, werde ich Griechenland um jeden Preis vor einem solchen Schicksal zu bewahren suchen.
Neue Ränke von Veniselos.
Sicheren Nachrichten der Frankft. Ztg. aus Athen zufolge ent⸗ faltet Veniselos gegenwärtig eine lebhafte Agitation, um die De⸗ mobilisierung in Griechenland herbeizuführen. Zur Befürwortung seines Vorgehens führt Veniselos an, daß die Aufrechterhaltung der Mobilisation dem Lande kostspielige und unerträgliche Opfer auferlege und eine große Gefahr für das Hineingezogenwerden
Griechenlands in den Kriegswirbel bedeute. Falls diese macchia⸗
vellistische Agitation von Veniselos den Sturz des Kabinetts herbei⸗ führen sollte, ist der König sest entschlossen, zur Auflösung der Kammer zu schreiten.
Italien macht das Balkanabenteuer nicht mit! Eine ossene Absage an die Bundesgenossen.
Rom, 27. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Tribung schreibt, Italien könne aus militärischen Gründen sich augen— blicklich nicht an der Balkan expedition beteili⸗ gen, wenn es auch politisch an der Expedition teilnehme. Durch diese Haltung verstoße Italien nicht gegen seine Ver— tragspflichten. Italien habe zwar die Pflicht, mit allen seinen materiellen und moralischen Kräften am Kriege teilzunehmen, aber über den Gebrauch dieser Kräfte habe die italienische Regierung zu entscheiden.
In einem anderen Artikel unterstreicht die Tribung diese Auffassung der italienischen Vertragspflicht durch folgende Sätze:„Der öffentlichen Meinung in den alliierten Ländern kann man nicht verübeln, daß sie gern sähe, wenn Italien mit dem Schwert die diplo⸗ matischen Fehler anderer wieder gut machen würde. Aber das Recht auf die Erfüllung Seases Wunsches hat diese öffentliche Meinung nicht. Wenn Italien der


