Ausgabe 
28.10.1915
 
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chen.

eingetreten ist, so daß der geregelte Absatz zeitweise beeinträch

en und Nach bargebiete.

SGießen und Umgebung. Vom Heringswucher.

Der Hering als Volksnahrungsmittel, als das Fleisch der armen Leute, gehört der Vergangenheit an. Heute ist dieser Fisch zur Delikatesse geworden und nur noch selten auf dem Tische der ärmeren Familien zu finden. Dies ist auch kein Wunder, ist doch der Preis für die Heringe dicht in die Nähe der Preise für Rind- und Kalbfleisch gerückt. Ein Salzhering kostet jetzt 1822 Pfennige, ein geräucherter Hering sogar. 0 Pfennige und eine hiesige Heringshandlung hat einem kleinen Krämer, ihrem ständigen Kunden, dem sie im August die Tonne Heringe noch mit 59 Mark berechnet hat, jetzt mitge⸗ teilt, daß er Heringe, die er bereits im September zum Preise von 69,50 Mark bestellt und von der Handlung reserviert be kommen hatte, nur noch geliefert bekommen könne, wenn er für die Tonne 98 Mark zahle. Also eine Preiserhöhung von fast 40 Mark, oder um über 6 Pfennigen für einen Hering in etwas mehr als zwei Monaten! Bei solchen Preisen kann von einem Volksnahrungsmittel nicht mehr gesprochen wer den. Wie ungerechtfertigt die Preistreiberei bei den Herin⸗ gen ist, geht aus folgendem, was im Hannoverschen Volks willen zu lesen ist, hervor:

Durch die Erklärung eines großen Teils der Nordsee als Kriegsgebiet ist naturgemäß die Heringsfischerei, die be sonders in den holländischen Gewässern betrieben wird, stark beeinflußt worden. In letzter Zeit hat sich die Herings⸗ fischerei aber auch in den holländischen Gewässern stark ge⸗ hoben. Aus VBlaardingen werden so große Zufuhren von Heringen gemeldet, daß ein Mangel an Verpackungsmaterial

ligt wird.

In Vlaardingen kamen in letzter Zeit 123 361 Tonnen Heringe auf den Markt, gegen 110 884 Tonnen in derselben Zeit des Vorjahres. Rechnet man die Zuführen von den Nach barplätzen hinzu, so ergibt sich folgende Gesamtsumme: 277861 Tonnen in diesem und 205 834 Tonnen im Vorjahre.

Die Preise waren am 25. September diese: Neue hollän dische Vollheringe, im Süden gefangen, 46.20 bis 46.30 Gul⸗ den, im Norden gefangen, 45.80 bis 46.20 Gulden. Neue Matjesheringe kosteten 45.50 bis 45.60 Gulden.

In Katwiyk an der See kosteten neue Vollheringe 43.25 bis 44.85 Gulden. In Pmuiden zahlte man für Vollheringe 44 bis 46.50 Gulden(1 holl. Gulden= 1.601.70 Mk., je nach Kurs.)

Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß in diesem Herbst der Heringsfang in der Nordsee trotz dem Kriege eine nam⸗ hafte Steigerung gegen das Vorjahr erfahren hat. Auch von der Ostsee werden wieder außergewöhnlich reichliche Fänge gemeldet. a

Nach alledem müßten die Heringe ihren alten normalen Preis behalten, wenn nicht in dieser Kriegszeit jegliches Lebensmittel einer wüsten Spekulation unterläge, die dafür sorgt, daß kein Lebensmittel von der Verteuerung verschont bleibt.

Den Itzehoer Nachrichten wird aus Kiel geschrieben, die Fänge seien an der dortigen Küste zeitweise so erheblich, daß der Bedarf am Platze und in den nächsten Ortschaften bei weitem nicht ausreicht. Es komme vor, daß e in Hering kaum einen Pfennig koste, und daß gute Fische für ein Geringes als Dünger abgesetzt werden müssen. Es fehle eben die Organisation für den glatten Absatz..

Man müßte meinen, daß sich eine solche Organisation, die uns wenigstens ein billiges Volksnahrungsmittel verschaffen könnte, mit Leichtigkeit schaffen ließe. Allerdings darf nicht lange gezögert werden, wenn etwas damit erreicht werden soll.

Wir nehmen schaft deutscher Konsumvereine 5

müßte, den Mitgliedern der Konsumvereine Volksnahrungsmittel zu sichern.

an, daß sich hier für die Grbßeinkaufsgesell⸗ die beste Möglichkeit bieten ein billiges

Was heute in Hessen möglich ist. Vom Gouverneur der Festung Mainz wurde folgende Verfügung erlassen: Auf Grund des 8 4 des Gesetzes über den Belage⸗ rungszustand vom 4. Juni 1851 ordne ich hiermit an: Zur Wahrung des Burgfriedens wird die Aufführung N des Schönherrschen SittenstücksDer Weibsteufel im Befehlsbereich der Festung Mainz ver boten. Zuwider⸗ handlungen werden mit Geldstrafe bis zu 600 Mark oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft.. g Vor kurzem versuchten die Mucker in Salzburg in Oester⸗ peich, das Stück vom Spielplan des dortigen Theaters zu beseitigen und unternahmen zu diesem Zwecke einen Vorstoß im Gemeinderat. Sie blitzten damit aber gehörig ab. Der Theaterintendant und Vizebürgermeister erwiderte dem gegen das Stück polemisierenden Gemeinderat, daß or über dessen Ausführungen entsetzt sei. Das Drama enthalte nichts Un⸗ sittliches oder Religionsfeindliches, sonst hätte es sicher die Zensur nicht passiert. Schönherr sei ein viel zu ene Charakter, als daß er anstößige Stücke schreibe. Das 195 a ist auch bereits an vielen guten Theatern aufgeführt worden; es ist daher nicht verständlich, warum es in Mainz en wirken und den Burgfrieden stören soll. Zu was fler 110 Burgfrieden herhalten muß! Vielleicht sehen wir das 7 ück mal im Gießener Theater und können dann desto besser darüber urteilen. 15 5 Eine Preisprüfungsstelle ist für die Stadt G ieß 8 15 auf Grund der Bundesratsverordnung errichtet e 150 hat sich in ihrer gestrigen ersten Sitzung konstituiert 1 e Mitglieder, welche bezüglich der in ihrem Amts 1 Kenntnis gelangenden privaten und geschäftlichen N 1 0 heiten Verschwiegenheit beobachten müsson, wurden N hin vereidigt. Vorsitzender ist Prof. Dr. Lei 1 0 1 Prüfangsstelle besteht aus 10 Mitgliedern und uche r und beteiligte Sachverständige und Verbraucher

Jaskowsky, Professor Dr. Kleeberger, Rechtsanwalt Schenck Zu Schweinsberg, Landgerichtsdirektor Schmeckenbecher, Prof. Dr. Skalweit, Redakteur Vetters, Frau Oberstleutnant Nau- mann; der zweiten Gruppe gehören an: Guts⸗ und Brauerei besitzer Biehler, Kaufmann Fischer, Molkereibesitzer Grieb, Kaufmann Krumm, Kaufmann Leop. Mayer, Mühlenbesitzer 0 Kaufmann Aug. Noll, Metzgermeister Ernst Ludw. Sack. g

Gesallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Wehrmann Heinr. Insel aus Gießen, Landw. ⸗Inf.⸗Reg. 87. 0 Unteroffizier Andreas Lindner, Postschaffner aus Gießen, Inf. Reg. 254. Unteroffizier Wilhelm Haun aus Gießen, 14. bayr. Inf.⸗Reg. Adolf Nu nenthal aus Watzenborn. Wehrmann Wilhelm Schmidt aus Krofdorf, Landw.⸗Inf.⸗Reg. 116. Musketier Georg Zimmer aus Nieder-Bessingen, Inf⸗Reg. 349. Ersatz⸗

Reservist Joh. Michel aus Treis a. d. L., Inf.⸗Reg. 88. Landsturmmann Joh. Hch. Schrodt aus Merkenfritz. Reservist Conr. Jak. Hensel aus Hörnsheim, Inf.-Reg. 253. Musketier Johs. Vogel aus Homberg a. d. Ohm, Inf. Reg. 186.

Die Verordnung über die sleischlosen Tage ein Schlag ins Wasser. Zu dieser Ansicht kommen sogar Blätter vom Schlage der Täglichen Rundschau. Diese kommentsert die Verordnung wie folgt: Da sind die fleischlosew Tage. Zweifellos ein ausgezeich⸗ neter Gedanke. Soweit die Abgabe on Fleischwaren und Fleisch⸗ speisen durch Wirte in Betracht kommen, wird die in Aussicht ge⸗ stellte Verfligung ohne weiteres eine volle Wirlung üben können. Ganz ohne Wirkung aber wird die Verfügung blelben in bezug auf den Fleischverbrauch in den prspatem Haushaltungen. Wäre es nicht billig, und wäre es nicht eine Forderung der Gerechtigkeit, daß auch diese zu einer Verbrauchseinschränkung im Sinne der Verordnung über fleischlose Tage genötigt würden? Warum auf halbem Wege stehen bleiben? Die kleinen Leute, die ohnehin der fleischlosen Tage genug haben, werden durch die Einstellung des Fleischverkaufes an zwei Tagen der Woche in keiner Weise berührt. Ihretwegem könnte man den Fleischverkauf auch kan weiteren zwei Tagen verbieten. Wir Die andern aber, denen nich

macht zu haben.

Gegen Wucherpreise für Wild. Vor einiger Zeit, bevor die Jagd auf Hühner, Fasanen und Hasen anging, hat, wie die Tägliche Rundschau erfährt, das sächsische Ministerlum des Innern an die Verwaltungen der größeren Städte des Königreichs Sachsen eine Anweisung erlassen, in der es heißt: Es wird natürlich versucht werden, die Wildpreise mit den Preisen des zahmen Geflügels und Fleisches in Einklang zu bringen, d. h. wesentlich zu steigern. Zu einer solchen Maßnahme liegt aber schwerlich ein Rechtfertigungs⸗ grund vor, die Fagdpachten sind nicht teurer geworden, die Aus⸗ lagen der Jagdpächter auch nicht. Mit Rücksicht darauf betonte das sächsische Ministerium, daß den Versuchen, das Wild zu verteuern, mit den Bestimmungen über den Kriegswucher begegnet werden soll. Diese gukgemeinte Maßnahme hat offensichtlich beinen Erfolg gehabt, denn die Preise für Wild sind enorm gestiegen. Hier müßten, weil von einem Unterschied in denProduktionskosten gewiß nicht ge⸗ sprochen werden kann, niedrige Höchstpreise für das ganze Reich festgesetzt werden. Außerdem aber müßte ein genügend großer Ab⸗ schuß angeordnet und eventuell zwangsweise durchgeführt werden.

Neue Stiftung. Bankdirektor Heichelheim und Frau wen⸗ deten der Stadt in 5prozentiger Kriegsanleihe den. Betrag von 4000 Mark zu, die den Grundstock einerAlbert und Bella Heichel⸗ heim⸗Stiftung bilden und deren Zinsen in jedem Jahre ab⸗ wechselnd an eine südische und christliche bedürftige Witwe oder Mutter eines in diesem Kriege Gefallenen ausgezahlt werden soll.

Der hessische Jagoklub will die Wildpreise in die Höhe treiben. Weil alles teuer ist, sollen auch die Wildpreise nicht auf dem bisherigen Stande bleiben. So will es der hessische Jagdklub, dessen Vorsitzender Kommerzienrat Hickler in Darmstadt ist. Dleser wandte sich an den VerbandDeutscher Wild⸗ und Geflügelhändler in Berlin, man möge mit dem althergebrachten Brauch brechen und die Hasen nicht mehr stlückweise, wie seither, sondern aufs Gewicht kaufen und verkaufen. Als angemessener Verkaufspreis wurden 70 Pfennige für das Pfund vorgeschlagen. Kurz darauf wandte sich dieserJagd⸗Klub an die Händler in Darmstadt, Frankfurt, Mainz und Umgebung und brachte 80 Pfennige für das Pfund als Verkaufspreis in Vorschlag., In vecht wenig vo reundlicher Weise begründet derJagd⸗Klub sein Vorgehen. Er schreibt u. a. wörtlich:Der Preis für Hasenwildbret ist trotz des Krieges ein so unglaublich(i) billiger, daß jedenfalls jetzt der geeignete Zeit⸗ punkt für eine derartige Neuerung, wäre.

Also der Krieg mit seiner Fleischnot ist der geeignete Zeitpunkt, nach Anschauung desJagd⸗Klubs, für Hasen, die seither stlick⸗ weise je nach Größe 3.50 bis 4.50 Mk. kosteten, durch den Verkauf nach Gewicht bis zu 7.20 Mark in die Höhe zu trei⸗ ben. Um diesen Versuch von Preistreiberei im Keime zu ersticken, haben die Wild- und Geflügelhändler von Mainz ein Gesuch an die zuständigen Behörden gerichtet. Die Solidarität in der Be⸗ wucherung der Nation ist bewunderungswürdig. Die Mitglieder des Hessischen Jagd⸗Klubs sind wenigstens aber keine Engländer. Das ist ein Trost!

Zwischenhandel und Konsumenten. In Ungarn hat man statistisch sestgestellt, wie stark sich die Zahl der Warenvermittler vermehrt. Es ergab sich, daß sich das Vermittlextum in Budapest zwischen den Jahren 1890 und 1900 von 44,2 Prozent auf 337,5 Prozent, und in den Städten, der Provinz von 316 auf 966 Prozent vermehrte, wogegen sich die Einwohnerzahl in Budapest unter dieson Jahren nur um 44,8 Prozent und in der Proving um 16 bis 17, Prozent vergrößerte. Die unendlich große Vermehrung der Ver⸗ mittler liegt weder im Interesse der Konsumenten, noch in dem der Produzenten und des anständigen Handels. Sie ist die Ursache des großen Unterschieds zwischen dem Preise, den die Produzenten für ihre Ware bekommen, und dem Preise, den die Konsumenten flir, die Ware bezahlen. Den Gewinn, heimst das Vermittlertum ein. Wer⸗ den die überflüssigen Vermittler ausgeschaltet, so kann der Kon⸗ sument billiger kaufen und der Produzent teurer verkaufen.

Verdorbene Nahrungsmittel. Was jetzt den Konsumenten alles als Nahrungsmittel angeboten wird, zeigte eine Gerichtsver⸗ handlung in Frankfurt. Dort Tauste eine Frau in der Lederhalle von dem Metzgermeister Hermann, Leschhorn aus Obbornhofen (Oberhessen) zwei Dauerschinken. Als die Frau die Schinken nach acht Tagen zurückbrachte, konnte der eine, den sie abgekocht hatte, beinahe allein laufen. Auch der andere, rohe, war im Innern ver⸗ dorben. Nach dem Ergebnisse der Untersuchung auf dem Nahrungs⸗ mittelamt rührte die Verdorbenheit daher, daß die Schinben nur oberflächlich geräuchert waren, und sie müssen schon verdorben ge⸗ wesew sein, als sie von Leschhorn verkauft wurden, Er hätte sich vor dem Verkauf von ihrem Zustande im Innern durch Einstechen mit elner Nadel Überzeugen müssen. Daß er das unterlassen hat,

Kreis Alsfeld⸗Lauterbach.

d. Alsfeld. Wegen Wucher ist gegen einen hiesigen Kauf- mann ein Verfahren eingeleitet, weil ker für Weißrübensamen, von denen das Pfund 1 Mark kostete, 4 Mark sich hat zahlen lassen. Im Anschluß an diesen Fall ersucht das K relsamt, alle Fälle derartiger Bewucherung sofort den Sicherheitsbehörden mitzuteilen.

Kreis Marburg⸗Kirchhain. % Höchstpreise. Für den Kreis Marburg sind vom 30. Oktober ab Höchstpreise für Butter sestgesetzt worden wie folgt: flir Süßß⸗ rahmbutter 2,40 Mt., für alle andere Butter 1,00 Mk. pro Pfund; beim Verkauf durch die Hersteller an Wlederverkäufer: für Süß⸗ rahmbutter 2,10 Mk., für alle andere Butter 1,75 Mk. pro Pfund. Von der Preisprüfungsstelle des Kreises sind für Kauto feln 3,50 Mk. pro Zentner frei Keller alsangemessener Preis be⸗ zeichnet worden. Das sind immer noch zu hohe Preise, wenn auch, den schlimmsten Preistreibereien damit eine Schranke gezogen ist. Durch die Festsetzung dieser Höchstpreise wird dem Lebensmittels wucher der Mantel des Rechts umgehangen, und Landwirte und Händler antworten mit Zurückhaltung der Ware, um höhere Höchst⸗ preise zu erzielen. Das istVaterlandsliebe.

Westerwald und Unterlahn. Bulkterhöchstpreise. Für den Kreis Herborn ist,

der Höchst⸗

preis für allerbeste Landbutter auf 4,80 Mark und für allerbeste Tafel⸗(Moflorei⸗) Butter auf 2,40 Mark für das Pfund festgesetzt worden. Von Nah und Fern. Jufolge des Krieges wahnstunig geworden. Der erste

Staatsanwalt am Passauer Landgericht, Karl Bulheller, hat sich am 23. Oktober in seiner Wohnung in einem Anfall geistiger Umnachtung erschossen. Der Schmerz über, den Verlust seines einzigen Sohnes, welcher auf dem Schlachtfelde schwer verwundet wurde, und den er noch besuchen wollte, aber nicht mehr lebend antraf, hat den allgemein geachteten Mann in den Tod getrieben.

Ein merkwürbiger Fall von Scheiniod wird aus Könkgs⸗ berg i. Pr. gemeldet. Dort war ein 14jhriger Knabe, der nach einer anstrengenden Arbeit in erhitztem Zustande ein Glas kalten Waffers getrunken hatte, auf einem Stuhl eingeschlafen und leblos geworden. Ein Arzt stellte fest, daß der Tod insolge Herzschlags eingetreten sei. Als nun alles zur Beerdigung vorbereitet worden war, wurde die Mutter des Knaben in der zweiten Nacht aus dem Schlafe geweckt, und vor ihrem Bett stand ihr totgeglaubter Sohn, der etwas zu essen verlangte. Die Mutter lief mit einem Schreckens. schrei auf den Flur, mußte sich aber davon überzeugen lassen, daß ihr Sohn tatsächlich lebte. Jedenfalls ist der Knabe durch Ueber⸗ anstrengung und Ermüdung in eine so tiefe Bewußtlosigkeit ge sunlen, daß alle äußeren Lebenszeichen aufhörten und er sich 48 Stunden lang in einem todesähnlichen Schlaf befand. Granatexplosion in Paris. Bei der Explosion giner Pariser Munitibnsfabrik in der Rue Tolbiac sind, wie jetzt bekannt gegeben wird, 37 Personen getötet. Bisher wurden 16 tote Frauen und 9 Männer nomentlich sestgestellt. Die übrigen Leichem sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. In der Rue Tolbiace befand sich ein großes unbebautes Gelände, das auf der einen Seite von hohen Miethäusern, auf der anderen Seite von baufälligen niedrigen Baracken umgeben ist. Auf dem unbebauten Gelände ließ ein In⸗ dustrieller vor einiger Zeit eine Anzahl Schuppen errichten, wo etwa 100 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind. Mittwoch nachmit⸗ tag gegen 2 Uhr erfolgte plötzlich eine sehr heftige Explosion in einem an der Straße liegenden Schuppen. Sofort standen alle au⸗ deren Baulichleiten in Flammen. Es war wie ein ungeheures Strohseuer, das kaum einige Minuten dauerte. Als der Rauch sich verzogen hatte, stellte man fest, daß von den Baracken sozusagen nichts übrig geblieben war. Die Heftigkeit der Explosion war der⸗ artig, daß in hundert Metern Umkreis alle Fenster und Schaufenster zertrümmert wurden. Die Fensterläden aller umliegenden Häuser waren abgerissen und die alten baufälligen Baracken zumeist cin⸗ gestürzt. Unter den Trümmern lagen zahlreiche Opfer. Viele Ar⸗ beiter und Arbeiterinnen konnten, von der Plötzlichkeit der E ploslon übervascht, nicht vechtzeitig fliehen. Der Leiter wurde schwer⸗ verletzt. Die Untersuchung hat ergeben, daß ein Ungllckssall vor⸗ liegt. Nach einer Blättermeldung wurden in der Fabrik Granaten hergestellt, in ihr waren 200 Frauen und junge Leute beschäftigt.

Telegramme.

Tagesbericht des Gen Hauptguartiers.

Erfolgreicher Angriff vor Dünaburg. Die Verbindung mit den Bulgaren hergestellt.

W. B. Großes Hauptquartier, 27. Okt., vorm.(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

An der Straße Lille Arras entwickelte sich gestern abend nach einer französischen Sprengung ein unbedeutendes Gefecht, das für uns günstig verlief. N

Nordöstlich von Massiges drangen die Franzosen im Handgranatenkampf an einer schmalen Stelle in unsere vor, dersten Gräben ein, sie wurden nachts wieder vertrieben.

Im Luftkampfe schoß Leutnant Immelmann das fünfte feindliche Flugzeug ab, einen französischen Doppeldecker mit englischen Offizieren, die gefangen genommen sind. Zwei weitere feindliche Flugzeuge wurden hinter der feindlichen Linie zum Absturz gebracht; eins davon wurde von unserer Artillerie völlig zerstört, das andere liegt nördlich von Souchez. i

Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Südlich der Eisenbahn Abe li- Dünaburg drangen unsere Truppen in der Gegend von Tymschany in etwa 2 Kilometer Breite in die russische Stellung ein, machten sechs Offiziere, vierhundertfünfzig Mann zu Gefangenen und ee beuteten ein Maschinengewehr und zwei Minenwerfer. Die gewonnene Stellung wurde gegen mehrere russische Angriffe behauptet, nur der Kirchhof von Szaszali(1 Kilometer nordöstlich von Garbunowski) wurde nachts wieder geräumt.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Nichts Neues Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.

Westlich von Ezatorysk ist unser Angriff bis an die Linie KomarowKamienuchg⸗Höhe südöstlich Miedwieeze vorgetragen.

Balkan.

Oestlich von Visegrad wurde Dobrun genommen.

Die Armeen der Generale v. Kövest und v. Gallwitz haben den Gegner überall, wo er sich stellte, geworfen. Mit den

war eine Fahrlässigkeit, für die ihm das Schöffengericht eine Geld⸗

leinhändler. 8 Warenerzeuger, Groß- und Klein händ r A eren gehören, Oberbibliotbekor Dr. Ebel. Gastwirt

N N.

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strafe von 60 Mark auferlegte.

Hauptkräften wurde die allgemeine Linie Valje vo- Mo