uflcht könne bortgebildet werden, mehr verwirklicht wird“. Reichswehrgesetz
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Nr. 253
Gießen, Donnerstag, den 28. Oktober 1915
10. Jahrgang
* Die Gegensätze.
Von Reichstagsabgeordneten Heinrich Schulz. Im Kriege sind einige der Gegensätze, die in Friedenszeiten Den gesellschastlichen Körper ständig erschüttern und zugleich be⸗ eben, bis auf unerhebliche Reste zusammengeschrumpft, andere dieser Gegensätze hat der Krieg zu wildester Schroffheit gegenein—
under getürmt. Nach dem Kriege wird beides wieder auf den Friedensstand zurückgeführt werden. Es ist jedoch möglich und
wünschenswert, daß die Erfahrungen der Kriegszeit später nicht ganz in Vergessenheit geraten, sondern die künftige gesellschaftliche Entwicklung vorwärtstreiben. f Eingeebnet wie Schützengräben, Unterstände und anderes Men- chenwerk durch ein siebzigstündiges Trommelfeuer sind die gesell— chaftlichen Klassen⸗, Rang⸗ und Standesunterschiede burch das 0 Einerlei des seldgrauen Tuches. Eingeebnet— was nicht aus⸗ ichließt, daß nicht zahlreiche Spuren noch zu erkennen geben, was inst war; und nicht besagt, daß durch die Furchtbarkeit der urtilleristischen! ng nicht neue Höhen und Tiefen ins Ge— lände gerissen wären. Aber abgesehen von Einzelheiten, Zufällig⸗ eiten und Ausnahmen bedeutet der Heeresdienst heute die Ver— wirklichung ler demokratischen Grundforderung. Die allge— meine Wehrpflicht nannte Engel's schon 1865„die einzige demo— ratische Institution, welche in Preußen, wenn auch nur auf dem Gapier, besteht“, er sah in ihr einen„enormen Fortschritt gegen alle bisherigen militärischen Einrichtungen,„die allgemeine Wehr- nur dadurch in ihrem eigenen Geist und wohltätig „daß ihr Grundprinzip immer Sogar die jüngste Reform des 8, die Neumusterung der„D. U.“, hat der kluge Engels schon damals vorausgesehen:„Sobald ein ernsthafter Krieg zusbricht, wird die Vorstellung von der Diensttauglichkeit in Zreußen eine plötzliche Revolution erleben, und man wird dann, zu einem Schaden zu spät, erfahren, wieviel brauchbare Kräfte man ich hat entgehen lassen.“
Zur Zeit besteht die allgemeine Wehrpflicht nicht auf dem Japier, sondern ihr Grundprinzip ist durch die Tat immer mehr zerwirklicht worden, und auch die Neuregelung der Diensttauglich⸗ zeit ist noch nicht zu spät gekommen. Gegenwärtig wird jeder Jehrpflichtige und diensttaugliche Mann ausgebildet und je nach Zedarf des Krieges vor den Feind geschickt, ganz gleich, welche sürgerliche Stellung er einnimmt. In der Kaserne sitzt der pierzig⸗ ährige angegraute Universitätsprofessor, der Verfasser dickleibiger Lissenschaftlicher Werle, neben dem jungen, bartlosen Tischler⸗ gesellen, der noch nichts für die Unsterblichkeit getan hat, auf dem Schemel in der Zustruktionsstunde und läßt sich von einem Unter⸗ ffizier, im bürgerlichen Leben Magistratsdiener, über die Pflicht es Soldaten im Kriege unterrichten. Neben dem Müllkutscher geht draußen irgendwo auf einer grundlosen Landstraße in Ruß⸗ and der elegante Rechtsanwalt aus Berlin W., beide im Rock des lrmierungssoldaten, und schippt Sand. In den Schützengräben ber, unmittelbar vor dem Feind, verschwinden die äußerlichen menschlichen Gegensätze noch mehr als anderswo. Angesichts des Zodes verlernen die Menschen, einander nach dem Zufall der Zeburt und der Größe des Geldbeutels zu werten. Im Felde da st der Wann noch was wert.“ Auf das Wort„Mann, ist der achdruck zu legen, der Mann gilt, nicht sein Rock oder Stand. Dieses allgemeine Bild eines gewaltigen, demofratischen
Ungleichheiten und Bevorzugungen, durch vereinzelte
Sie liegen in
keien und Ungehörigkeiten. Zuystems und in der Unvollkommenheit
gründet.
nszeit hinübergenommen wirb, muß abgewartet wen en, onen von Männern, für die der Militarismus nur ezegener Begriff oder gar nur ein Schlagwort im gösen war, haben ihn jetzt unmittelbar in seiner dung und unverhüllt kennen gelern. Nach
holitische Folgerungen zu ziehen.
zormforderungen einzusetzen. Anders sieht das Bild aus bei denen. ock stecken, bei den Daheim gebliebenen. bie gesellschaftlichen Gegensätze nicht vorübergehend au auch nur gemildert worden, sondern sie stehen sich härten nermittelter erbitternder als je zuvor Demokratie, sondern der Plutokratie, im Sinne neizendsten aller Gegensätze gewaltsam verändert. Der leitende Gedanke der kapitalistischen Wirischen t das Streben nach Gewinn. Alle gesellschaftliche leschieht nicht um höherer sozigler Zwecke sondern Fnteresse des Profits der Einzelnen. Dar„ olge vurf, der den Einzelnen trifft. es ist ledialich cine te Zuystems. Aber es wäre auch falsch, diese Tatsächlichleit zu ichleiern. Viele Anfeindung hat die Sozialdemokratie kerade deshalb erfahren, weil sie die beschönigenden, zog und aussprach, was ist. Wer nicht wie die
willen,
rechtiakei 7 ittelbar am kechtigkeit der bestehenden Wirtschaftsordnung en, Schichten und
zigenen Leibe verspürte, rechnete sich zu den„besseren, Scchien verschloß seine Ohren gegen die scharfe gesellschaftlice Krit Sozialdemokratie. 1
t nic 11 hat am Wesen der kapitalistischen gatürlich nichts geändert, ist er doch nur le a zellschaft., Er mußte sogar 1 5 Willen die Nachte le Lechtigkeiten diefes Sustems noch schrofsen heraus genen hark dem er über Nacht Millionen und Milliarden 1
schnelle und massenhafte Anfertigung won e üichüttete. Dieser Segen kommt bei der Art und Weis
Druckes wird beeinträchtigt, nicht aber in seinen Grundlinien be⸗ ihrt durch Ausnahmen, wie sie trotz alledem möglich sind, durch Drückeberge— der Mangelhaftigkeit des der menschlichen Natur be⸗ Was von den Erfahrungen der Kriegszeit, des Kasernen⸗
und des Feldlebens, als wertvolles Gut mit in die künftige 912 5
noch ein ab⸗ Guten oder ernstesten Bedeu⸗ dem Kriege 75 975 wie⸗ er Staatsbürger 8 tufen, aus ihren Erfahrungen
bürger und als solche bedle Cogsaldemokratte wird bie Uflicht nicht verabsäumen, hier zugunsten ihrer militärischen Re⸗
die nicht im seldgrauen
Bei ihnen sind d ausgelöscht oder un gegenüber. Zu
Hause hat der Krieg das Gesicht der Gesellschast nicht im 979255 57
Wirtschaftsordnung Arbeit im Das ist kein Vor⸗ des ver⸗ bisher Schleier fort⸗ Arbeiter die Unge⸗
der
ah nee i Mittel dieser Ge⸗ ein e und Unge⸗ lassen, in⸗ für aus⸗
Produktion nur wenigen zugute, zum Teil Kindern des Glücks, zum Teil den Klugen und Geschickten, zum großen Teil aber leider den Skrupellosesten und Raffgierigsten. Auf der anderen Seite mußte der Krieg durch die Abschließung der Einfuhr eine Ver⸗ teuerung der Lebensmittel mit sich bringen, die nicht etwa durch Selbstlosigkeit der heimischen Produzenten ausge⸗ glichen wurde, sondern im Gegenteil durch nackte Gewinnsucht zahl⸗ reicher Produzenten und Spekulanten eine ungeheuerliche Ver⸗ schärfung erfuhr.
5 So bringt die gewaltige Feuersglut des Krieges gesellschaft⸗ liche Zustände vorübergehend auf einen Reifepunkt, der auch an⸗ deren Kreisen als nur den Arbeitern die Unerträglichkeit solcher Zustände schmerzhaft zum Bewußtsein bringt. Die Ar⸗ beiter leiden dauernd unter den Widersprüchen und Unge⸗ rechtigkeiten der herrschenden Wirtschaftsweise, die schwere Zeit der Not, in der wir leben, läßt aber auch große Schichten der Be⸗ völkerung, diese Widersprüche und Härten erleben, die sonst nichts oder wenig davon spüren und daher der sozialistischen Belehrung taube Ohren entgegensetzen. Die Regierungen sogar sahen sich zu Maßnahmen genötigt, die sie in Friedenszeiten als„sozialistisch“ weit von sich gewiesen hätten, die sich ihnen aber heute als di einzige Rettung der Gesellschaft aus den Gefahren der rein tri,
Bulgarischer Erfolg.
Die Bulgaren brachten den serbischen Truppen im Raume von Uesküb eine entscheidende Niederlage bei und warfen sie in nordwestlicher Richtung gegen den Paß von Katschanik zurück, wohin sie von den bulgarischen Truppen un⸗ gestüm verfolgt werden. a
Der versenkte„Marchetti“.
Athen, 26. Okt. Wie die Nea Himera erfährt, hatte der in der Nähe der Bucht Tsageszi am Eingang des Golfs von Salonik versenkte englische Transportdampfer„Marchetti“ 1500 Mann englische Truppen an Bord, ferner 20 Kranken⸗ pfleger und 12 Aerzte sowie viel Munition. 1
Pessimismus in Frankreich.
Zahlreiche aus Frankreich in die Heimat zurückgekehrte Bul⸗ garen geben interessante Schilderungen über die Zustände in Frankreich. Nach einem Bericht des Est aus Sofia herrsche seit der
katastrophalen Erfolglosigkeit der letzten französischen Offensive große Verwirrung und Bitternis über die enormen Verluste.
Ueberall werde vom Frieden gesprochen. Die Stimmung sei offen gegen Poincaré. Delcasses Ansehen sei gestiegen, seitdem er erklärt habe, daß französische Soldaten wie Söldner für fremde Interessen kämpfen müßten. Wenn England Soldaten für Aegypten benötige, dann hätte es rechtzeitig für Soldaten sorgen sollen. Allgemein herrsche die Ueberzeugung, daß Serbien bald aufhören werde zu ezistieren. Auf Rußland und Italien setze niemand mehr seine Hoffnung. In Salonik.
Bis jetzt sollen 150000 Franzosen mit 100 Geschützen in Salonik gelandet worden sein, von denen angeblich etwa 20000 Mann, zumeist in Fußmärschen, gegen Norden abge⸗ rückt sind. Die verbündeten Truppen sollen nichts weniger als Elitetruppen sein und in Salonik einen ungünstigen Eindruck hervorgerufen haben.
Die neue diplomatische Niederlage der Eutente.
Die Sofioter Zeitung Kambana beschäftigt sich mit der in Griechenland eingetretenen Wendung und konstatiert eine neue diplomatische Niederlage der En⸗ tente. Mit den Kräften, so schreibt das Blatt, die derzeit auf griechischem Gebiete ihr Unwesen treiben, kann Griechen⸗ land allein fertig werden, und wenn neue Truppen kämen, so habe Bulgarien genug Kraft, den Feind auch aus Griechen— land zu jagen. Griechenland könne darauf rechnen, nicht allein zu bleiben. Der englische Gesandte in Athen hat den schon einmal zurückgewiesenen Vorschlag wiederholt, das Haager Schiedsgericht entscheiden zu lassen, ob Griechen— land verpflichtet sei, den Durchzug der Ententetruppen zu gestatten. Ministerpräsident Zaimis erklärte diesen Vor⸗ schlag für nicht einmal zur Verhandlung geeignet.
Wie der Vilag aus Athen meldet, stehen dem Prinzen Nikolaus in Salonik genügend Truppen zur Ver⸗ fügung, falls die Entente der Aufforderung der griechi⸗ schen Regierung, ihre Truppen zu entfernen, nicht Folge leisten sollke, die angedrohte Entwaffnung der Ententetruppen und deren Unterbringung in Ge—
unserer
fangenenlagern mit Gewalt durchführen zu können.
merzen der
durch
tente.
Hoffnungslose Lage.
Von neutraler diplomatischer Seite erhält der Sofioter Berichterstatter der Wiener Reichspost folgende Infor⸗ mationen:„Die Balkanlage ist für die Vierver⸗ bandsmächte kussichtslos. Die neutralen Staaten lösen sich langsam, aber merklich von der Vierver⸗
bandspolitik. Die Beziehungen Ru m äniens und Griechenlands zum Vierverbande werden stet i g
kälter. Serbien wehrt sich verzweifelt und baut noch immer auf die Vierverbandshilfe. Es ist nicht ausge⸗ schlossen, daß dort alles über Nacht zusammen⸗ bricht, sobald man sich von dem Irrtum dieser Berechnung überzeugt.“
Italienischer Pessimismus.
Nach einer römischen Korrespondenz der Stampa tritt,
wie der Frankf. Ztg. telegraphiert wird, der Ministerrat am Mittwoch zusammen. Die Balkanlage wird besprochen, es werden aber keine Beschlüsse gefaßt werden, die nach der Aus, fassung der römischen Militärs doch verspätet kämen. T tiefer Pessimis mus herrscht in Rom über die Balkanlage, insbesondere über den Fall von Uesküb. Der Verlust dieses wichtigen Knotenpunktes macht nach der Auffassung italieni⸗ scher Militärs die Vereinigung der Serben mit den Franzosen und Engländern unmöglich und schneidet zudem alle serbischen Verbindungen mit dem Aegäischen Meere ab, sodaß nur die Wege durch Albanien zur Adria noch offenstehen. Danach verwirklicht sich der deutsche Generalstabsplan mit unheimlicher Genauigkeit, Auch der Marsch der Bulgaren auf Monastir wird nach der Stampa seinen Eindruck in den Balkanländern nicht ver⸗ fehlen. Von Griechenland und Rumänien er hofft die Entente nichts mehr. Der französische Optimismus über den Zug nach Salonik wird von den Italienern nicht geteilt. Vielleicht bespricht der Ministerrat auch den Plan, Serbien über Albanien und Montenegro zu Hilfe zu kommen, obwohl der Plan nutzlos erscheint, da die Ausführung geraume Zeit erforderte, während Serbien sofortige Hilfe braucht und die Entente für den Adriazug über keine Kräfte verfügt. Englische Angriffe auf die englische Regierung London, 26. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Presse fährt fort, die Regierung heftig anzugreifen. Die Times schreibt:„Die Regierung in der gegenwärtigen Zusammensetzung steht sicherlich sehr in Gefahr zu stürzen. Die Gefahr liegt allein in der eigenen Schwerfälligkeit und Unfähigkeit, den Krieg unter Umständen zu führen, die Schnelligkeit und Entschieden⸗ heit besonders erheischen. Eine unmittelbare Ursache der Be⸗ uUnruhigung ist natürlich die Balkanlage, die bereits den Rück⸗ tritt Carsons veranlaßt habe. Es schadet nichts, daß eine Krise über eine Frage entstanden ist, die in jeder Etappe die unheil⸗ volle Wirkung der schlecht zusammengesetzten Regierung ent⸗ hüllt. Beide Häuser des Parlaments werden jetzt mit dem ent⸗ schiedenen Wunsche zusammentreten, unsere ganze Geschäftsführung von der Dardanellenexpedition bis zu den konfusen, halbeutschlosse⸗ nen Operationen bei Salonik zu prüfen. Die Aussichten draußen sind trübe, und werden vielleicht noch trüber werden.“— Aehnlich schreibt die Morning Post:„Wir beklagen uns nicht nur über bloße Fehler der Regierung. Die Unfähigkeit, Deutschland zu blockieren, war kein Fehler, sondern sie kommt einem Verrate nahe; es war nicht nur ein Fehler, Bul⸗ garien Vorteile auf Kosten unserer Freunde zu versprechen und Griechenland einen Teil des britischen Reiches anzubieten; es ist nicht nur ein Fehler, keinen Entschluß fassen zu können, während kostbare Zeit verloren geht.“ Das Blatt fordert Asquith auf, ehe es zu spät sei, die Zahl der Mitglieder des Kabinetts auf etwa fünf zu vermindern und nicht die Parlamentsdebatten ins Ka⸗ binett zu verlegen.— Nur der Observer wendet sich gegen die Re⸗ gierungsstürzer und schreibt. Asquith biete als Premierminister trotz unleugbarer Mängel Vorteile, die kein anderer aufweisen könne. Sein Rücktritt und der einiger Kollegen ersten Ranges, würde Streitigkeiten entfesseln, die während des Krieges nie zur Ruhe kommen würden.
Kein Durchmarsch russischer Truppen dur Rumänien.
Aus Bukarest wird der Frankf. Ztg. telegraphiect; Die Meldungen, wonach Rußland in amtlicher Form an die rumänische Regierung die Forderung des Durchmarsches russischer Truppen durch rumänisches Gebiet gestellt habs. können wir auf Grund zuverlässiger Information für unvich tig erklären. Es ist bisher kein derartiger Schritt erfolgt. Vor einiger Zeit wurde nach dieser Richtung hin in nur un— verbindlicher Form ein russischer Fühler ausgestreckt. Da dieser Fühler von rumänischer Seite nicht das erwartete Ent— gegenkommen fand, unterblieb ein offizielles Verlangen.
Racovski über die rumänische Intervention.
Auch an die rumänischen Sozialisten war von seiten der svern⸗
zösischen Genossen die Aufforderung ergangen, sich für die Teil


