und Nachbargebiete.
Gießen und Umgebung.
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Kriegsnot.
Große Teuerung und bescheideneres Einkommen als zur Frie— denszeit, beides, ja, beides vereint finden wir heute bei unzählt 90 Mitmenschen, beides vereint bei vielen, vielen, die in ihrem Leben bisher nie an solche Zeit gedacht. Tausende jener satten Pharisäer fühlen jetzt, was Hungern heißt, Tausende jener kurzsichtigen Zu⸗ friedenen, daß es auch eine andere Welt auf Erden gibt, eine Welt der Not, und ihnen allen beginnt es jetzt vielleicht zu dämmern daß in dieser Welt von heute das Schlechte eine Naturnotwendig— keit ist. Wie haben sie stets verächtlich den angeschaut, der sich 1 05 zufrieden mit dem Heute, nach einem besseren Morgen sehnte, noch verächtlicher den, den die Not des Lebens vom heutigen Wege der Ordnung abtrieb, und nun stehen sie diesen Verächtlichen selbst so nahe. Die Kriegsnot zeigt auch ihnen jetzt, welch ein bedeutungs⸗ voller Faktor im Menschenleben die matexielle Not ist J
Da sind wieder andere, die haben noch zu leben. Sie brauchen nicht zu hungern oder wenigstens nicht unterernährt zu sein. Aber ihr Geist muß hungern, ihr Gefühl lechzen. Sie können wohl essen aber geistig nicht mehr teilnehmen an den Segnungen der Kultur. Die Pflege der Wissenschaften, der Genuß der Kunst sind ihnen ver⸗ schlossen, auf so manche Annehmlichkeiten des Lebens müssen sie verzichten. Ob auch sie nun anders denken als bisher? Oder ob sie annehmen, daß geistiges Bedürfnis und Sinn für Kultur nur bei dem Geldsack zu finden sind?
Mögen auch viele von jenen Phaxisäern noch so sein wie sie waren, einer großen Zahl von Mitmeuschen offenbart die jetzige Kriegsnot ohne Zweifel ein neues edleres Land, das Land jenseits von Gut und Böse. Sie werden nicht mehr verständnislos den Hungernden verdammen und den Darbenden, wenn er für bessere Tage kämpft, sie werden nicht mehr verächtlich den Mitmenschen von sich stoßen, dem das heutige Leben nicht erlaubte, gut zu sein Gar vielen wird die jetzige Zeit den dunklen Schleier des Vor- urteils von ihren Augen reißen und sie von einer höheren Warte ins gemeinsame Menschenland schauen lassen. Und vielleicht wird dieses Band gemeinsamen Leidens, das sie jetzt mit ihren darben— den Brüdern verbindet, gar manchen von ihnen auch weiterhin im Leben an ihre Mitwelt fesseln. Denn sie werden sehen, daß sie alle auch wenn sie gerade nicht zu darben brauchen, das gleiche Los er⸗ tragen, das gleiche Abhängigkeitsverhältnis von unserer heutigen Oroͤnung. Und so wird die allgemeine Kriegsnot ohne Zweifel zu einer weiteren Erkenntnis und zu einer Vertiefung in die Zu⸗ sammenhänge des Lebens beitragen. Da gilt es, diese neuen Fühlenden und Staunenden an uns zu ketten und sie zu neuen Kämpfern für unsere bessere Welt zu machen.
— Gegen die Lebensmittelteuerung. Der Gießener Ausschuß für Konsumenteninteressen hat in seiner letzten Sitzung, an der auch Vertreter anderer Organisationen teil— nahmen, folgende Resolution beschlossen, in der bestimmte Maßnahmen zur Linderung der Lebensmittelteuerung ver— langt werden. Diese Resolution wurde an das Ministerium und an das Kreisamt gesandt und gebeten, Maßnahmen im Sinne derselben zu treffen. Sie lautet:
Die gemeinschaftlich tagenden Vorstände des Kriegs— ausschusses für Konsumenteninteressen, als Vertreter von 20 großen wirtschaftlichen Vereinen, der Stadt Gießen, des Hausfrauenvereins⸗Gießen und des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins Ortsgruppe Gießen, sind der Ueberzeugung, daß die gegenwärtigen Verhältnisse auf dem Lebensmittel— markt eine ernste Gefahr für die Ernährung und den inneren Frieden des deutschen Volkes und damit für seine Kraft und seinen Willen zum Durchhalten bedeutet. Nach eingehender Aussprache sind sie zu der wohl begründeten Ansicht gekom— men, daß die bisherigen Verordnungen und Maßnahmen des Bundesrats und der unterstellten Behörden nicht aus— reichen, um die bereits bestehende, fast unerträgliche Lebens- mittelteuerung zu mäßigen bezw. einer noch drohenden Steigerung derselben vorzubeugen. Die Anwesenden glauben, daß erträgliche Verhältnisse erst dann eintreten, wenn es gelingt, den Bundesrat zu veranlassen, daß er unverzüglich Anordnungen nachstehenden Inhalt trifft:
1. Herabsetzung der jetzigen ungerechtfertigt hohen Preise für die notwendigsten Lebensmittel auf angemessene Höhe durch Festsetzung von Höchstpreisen für ganz Deutsch⸗ land nach größeren, bestimmt abgegrenzten Bezirken bei gleichzeitigem Ausfuhrverbot aus den Bezirken.
2. Sofortige Beschlagnahme aller Fette und Oele.
3. Sofortige Beschlagnahme aller Kartoffelvor⸗ täte bei Händlern und Erzeugern, die mehr als 3 Hektar mit Kartoffeln bepflanzt haben. 2
J. Festsetzung von Gefängnisstrafen für Verheimlichung don vorhandenen Vorräten. 1
5. Ausgabe von Verbrauchsmarken, wie sie für Brot und Mehl mit vollem Erfolg schon seit Jahresfrist im Gebrauch sind.
— Ein bedeutender Gelehrter, der unserer Partei nahe steht, der berühmte Philosoph Hermann Cohen, seit 18731912 Professor der Philosophie an der Universität in
Marburg, feiert heute sein 50jähriges D oktor⸗ Jubiläum. Als Vertreter und Begründer des modernen wissenschaftlichen Idealismus bekennt sich Cohen zum
Sozialismus und in allen seinen Schriften, die ethische und ästhetische Probleme behandeln, hebt er die Bedeutung des Arbeiterproblems hervor:„für den sittlichen Geist einer Nation besteht das entscheidende Kriterium in seinem Verhalten zur Arbeiterpartei“. In seiner vor kurzem erschienenen kleineren Schrift„De utschtu mund Judentum“(Verlag Töpelmann in Gießen. Preis 1 Mk.), die wir unseren Lesern auf das wärmste empfehlen können, bezeichnet Cohen den Kapitalismus als die Gru ud. ursachee kriegerischer Konflikte. DerMilitarismus ist nu eine Frucht des allherrschenden und allbezwingenden Kapitalis. mus mit seinen Expansionsbestrebungen. Cohen und seine wissenschaftlichen Freunde und zahlreiche aus aller Fee Länder stammenden Schüler sind in der philosophischen Literatur unter den Namen der„Marburger: Schule bekannt. Der Jubilar gilt als Begründer und Führer dieser den reinen Idealismus und Humanität lehrenden Schule. 1 — Kartoffelversorgung. Noch immer müssen sue⸗ i Sanleffln Pre delt Ion, die nach Lage 5 2 ise bezeichnet werden, können. Es wer
cu ür das Malter gefordert! Diese Prad
ücthaltung der Kartoffeln gehalten; es wir
N
uns mitgeteilt— was ja auch ganz erklärlich ist— daß auf den Dörfern mit vorwiegendem Kartoffelbau riesige Mengen in Kellern und Mieten lagerten. In Reichelsheim in der Wetterau werden die Vorräte auf 150 Waggons oder noch mehr geschätzt. Es ist unbegreiflich, daß die Regierung nicht eingreift und eine solche Ausbeutung des Volkes in dieser Zeit zuläßt. *
Sofortige Enteignung der Kartoffeln forderte die K lner Stadtverordnetenversammlung von der Regierung. Ein Stadtverordneter, Oekonomierat und Gutsbesitzer, ver— sicherte, daß weiteste Kreise der Landwirtschaft des Westens selbst Höchstpreise und nötigenfalls Enteignung wünschen. Oberhürgermeister Wallrat erklärte, er habe den Eindruck, e großer agrarischer Einfluß in der Regierung geltend mache.
1 Dorsicht, blaue Bohnen! Morgen, am Donnerstag, sowie am Freitag hält das hiesige Ersatzbataillon Scharf⸗ schjeßen im Gelände zwischen Annerod, Steinbach, Albach, Oppenrod und der Ganseburg ab. Von 9 bis 3 Uhr ist das gefährdete Gelände gesperrt und ebenso der Verbindungs— weg Annerod-Steinbach durch den„Fernewald“ für den Verkehr.
8 Unermüdliche Zerstörungswut zeigen mehrere Roh— linge, die sich darin gefallen, die am Wege nach dem Philo- sophenwald bei der Wieseckbrücke aufgestellte Ruhebank in die Wieseck zu werfen. Wohl schon ein Dutzenmal ist das geschehen; gestern lag die Bank wieder im Wasser, von Unter⸗ sekundanern der Oberrealschule, die einen Ausflug unter⸗ nosanien hatten, wurde sie mit vieler Mühe wieder heraus⸗ gebracht und an ihren Platz gestellt. Für viele ältere oder kränkliche Spaziergänger sollte die Bank einen Ruheplatz bieten, was diese auch sehr zu schätzen wußten; umso verwerf⸗ licher find die immer wiederholten Bubenstreiche. Merk— würdig, daß die Burschen nicht mal erwischt werden; ein ge— höriger Denkzettel wäre für sie sehr am Platze. Es müssen ihrer mehrere sein, einer ist nicht imstande, die schwere Bank fortzubewegen,.
Gefallene aus Oberhessen Philipp Werner aus Wißmar. Ersatzreservist Karl Schäfer aus Schwabenrod, Inf.⸗Reg. 81. Kar! Schmidt aus Schwabenrod, Fuß⸗Art.⸗Reg. 3.— Wehr⸗ mann Heinrich Naumann aus Niedergirmes, Inf-Reg. 81. Unteroffizier Heinrich Schatz aus Blasbach, Inf.⸗Reg. 116.
— Die erste Ledigensteuer hat jetzt die sächsische Stadt Oschatz
eingeführt. Die dortige Stadtverwaltung hatte erst beschlossen, daß nur dem mäunlichen Hagestolz für sein Alleinsein auf des Lebens Flur ein besonderer Obolus für den Stadtsäckel abverlangt werden sollte, nunmehr wurde der erste Entwurf auch auf das Fräulein, das vergeblich auf den Freier gewartet hat, ausgedehnt. Also hat der Kreisausschuß in Leipzig beschlossen. Nach mancherlei Wenn und Aber zwar, die sich auf die gewiß vorhandenen Härten einer solchen Steuer bezogen und die es schließlich auch bewirkten, daß die Steuer nur auf Widerruf genehmigt wurde. Die einzigen, die auch fürderhin steuerfrei bleiben, sind die katholischen Geistlichen. Die Übrigen aber, Männlein und Weiblein, soweit der goldene Reif am Ringfinger sie nicht drückt, müssen sich einen Zuschlag zur Gemeindeeinkommensteuer gefallen lassen, der bei einem Einkommen von 1800 bis 2400 Mark 5 Prozent, von 2400 bis 4000 Mark 10 Prozent, von 4000 bis 6300 Mark 15 Prozent und bei einem Einkommen von über 10000 Mark 25 Prozent beträgt. So will es der Rat der Stadt Oschatz, die neue Steuerquellen braucht. Auf daß nun aber nicht allzuviel Stadtväter im Deutschen Reiche ebenfalls nach dieser steuerlichen Wünschelrute greifen, teilte der Oberbürgermeister von Leipzig mit, daß nach seiner wohl über⸗ legten Ansicht die Einführung einer Umverheiratetensteuer in größeren Städten unmöglich sei.
— Wucher im Kleinhandel. Folgender Fall wird uns mitge⸗ teilt: In einem Laden in der Bahnhofstraße wollte ein Kind für seine Eltern einen Liter Salatöl kaufen. Der Ladengehilfe brachte das Gewünschte, wofür er 3 Mark forderte. Als der Besitzer des Geschäfts hinzukam, nahm er die Flasche dem Kinde wieder weg mit der Bemerkung gegen den Gehilfen:„Wie oft habe ich gesagt, nur für Kundschaft 3 Mk. für andere vier Mark!“—
Weitere Verteuerung der Zündhölzer in Sicht. Aus Inter⸗ essentenkreisen geht Berliner Blättern die Mitteilung zu, daß der Verein deutscher Zündholzfabrikanten die Schaffung eines Syndi⸗ kats anstrebt. Der Verein sei bereits eingetragen worden, um die Uebernahme der der Industrie zur Verfügung gestellten Roh⸗ materialien einheitlich zu ermöglichen und auch gleichzeitig die Verteilung entsprechend durchzuführen. Es komme dies hauptsäch⸗ lich für die Uebernahme des von der Militärbehörde zur Ver⸗ fügung gestellten Aspenholzes aus dem besetzten Litauen und Kur⸗
7 7 und Nachbargebieten.
land in Frage. Der Notiz wird hinzugefügt:„Die Frage einer Festsetzung von Höchstpreisen für Zündhölzer erscheint insofern
überholt, als bereits eine Anzahl Oberkommandos den gegen⸗ wärtigen Preis von 40 Pfg. für das Paket als Höchstpreis einge⸗ setzt haben und im allgemeinen eine weitere Exhöhung der Preise seitens der Zündholzindustrie bestimmt nicht mehr zu erwarten ist.“ — Also 40 Pfg. soll der Normalpreis werden! Wenn alle schröpfen, können die Zündholzfabrikanten nicht untätig sein.
Verkäufliche Fleisch⸗ und Fettmarken? In der, Frankf. Ztg. macht eine Frau folgenden Vorschlag:„Brotmarken sind eingeführt, aber das trifft sozusagen nur die minder Bemittelten. Warum führt man nicht auch Fleisch- und Fettmarken ein und setzt Höchst⸗ preise fest? Ich denke mir die Sache so: Bis alle statistischen Er⸗ hebungen gemacht sind, bewilligt man auf den Kopf der Bevölker- ung das notwendigste und möglichste Quantum. Da nun die armen Leute zum weitaus größten Teil überhaupt kein Fleisch kaufen können, verhilft man ihnen zu einer kleinen Ration, indem die Marken zu einem bestimmten Preis veräußerlich sind, so daß also derjenige, der mit seinem Quantum nicht auskommen kann oder will, durch Ankauf der Marken von armen Leuten diesen das Geld zu einer bescheidenen Ration bezahlt. Auch Wirte hätten auf diese Weise die Möglichkeit, ihren Fleischbedarf zu decken, und die Leute mit großem Geldbeutel könnten nicht mehr gewissenlos durch uneingeschränkten Verbrauch diese Preise immer mehr in die Höhe treiben.“
„Warum soll denn das gerade nicht teurer werden?“ Eine Frau kommt in die Apotheke— so berichtet die Breslauer Volkswacht— und verlangt ein Glas Mineralsalz. Als sie im Dezember 1914 solches Salz kaufte, zahlte sie dafür 1,30 Mark. Sie legt auch jetzt 1,30 Mark hin und denkt, dafür das Salz zu bekommen.„Nein, liebe Frau,, sagt der Apotheker,„das kostet jetzt zwei Mark“. „Was, zwei Mark?“ erwidert die Frau,„das ist wohl nicht möglich. Muß denn auch dieses Salz im Kriege teurer werden?“ Gelassen meint der Apotheker:„Warum soll denn das gerade nicht teurer werden!“— Das ist so die rechte Händlermoral im Kriege! Jeder, der etwas zu verkaufen hat, schlägt einsach auf, denn warum soll gerade seine Ware nicht teurer werden. Das Volk kann's ja be⸗
zahlen!
Bleiweißverbot. Der Bundes vat hat auf Grund des§ 3 des Gesetzes Über die Ermächtigung des Bundesrats zu wirtschaftlichen Maßnahmen verboten, die Außenseiten von Häusern, sowie Mauern
oder Zäune mit Farben angustreichen, zu deren Herstellung Bleiweiß
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und Leinöl verwendet ist. Der Reichskanzler kaun Ausualanen zulassen. Zuwiderhandlungen gegen das Verbot sind mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder mit Gefängnis bedroht. Die Verordnung tritt am 25. Oktober in Kraft. Hoffentlich wird die Verwendung von Bleiweißfarben bei Bauten aus gesundheitlichem Interesse auch nach dem Kriege allgemein verboten werden.
ruhigung und um Schmerzvollen zu finden, das j
wenden.— Zwei bedeutende Werke zweier Gewaltigen im Reiche der Töne, Voethoven und Chopin, beherrschtam das reichhaltige Pro⸗ gramm des Abends. Die Ausführung lag in den Händen eines noch jungen, aber boch schon ganz Großen: Wilhelm Backhaus. Und so⸗ mit erübrigt sich sast über das„Wie“ der Ausführung zu schreiben. — Eine klare, ruhige Sommernacht, der silberne Mond spiegelt sich in den Wellen des Sees und ein Lied klingt über den Wassern. Das ist die Stimmung des crsten Teiles der Beethoven'schen sogenannten „Mondschein“⸗Sonate. Ein herrlicher Traum! Die Wellen steigen und fallen, die Ruhe ist fort... Malt uns in Tönen der letzte Satz der Sonate.— Einen Kampf auf Leben und Tod schildert uns Chopin in seiner großen Sonate, deren Mittelsatz einen gewaltigen und packenden Trauermarsch darstellt. Tragisch mutet uns dieses Tonwerk an, tragisch, wie der Kampf auf den Feldern... Und nur hie und da wird die düstere Stimmung unterbrochen durch weh⸗ mütiges Klagen, durch sehnsüchtiges Erinnern.. Da konnte Backhaus seine große Künstlerseele und sein vollendetes Können zeigen. Aber der Große bleibt auch im Kleinen groß. Und so zauberte Backhaus auch in den kleineren Werken von Chopin, Men⸗ delssohn, Brahms u. a. uns wunderbare Tonbilder vor.— Dank sei dem großen Künstler, der uns vergessen läßt all' die alltäglichen Sorgen des Lebens und Schrecken der Zeit und unsere Seele sättigt mit soviel Schönem! Das Schöne ist zugleich das Gute. Und so bedeutet die Kunst ein Mittel zum kulturellen Aufstieg des Menschen⸗ geschlechts.— Der Gießener Konzertverein ist dafür bekannt, daß seine Veranstaltungen stets das Beste bieten; es sei deshalb auf die noch folgenden hier besonders hingewiesen.
— Altenbuseck. Der Volksverein hält nächsten Sonntag. nachmittags 3 Uhr, eine Mitgliederversammlung ab, auf welche die Genossen auch an dieser Stelle aufmerksam gemacht werden. Es wird erwartet, daß alle Mitglieder sich dazu einfinden.
Kreis Weglar.
r. Wißmar. Unser Arbeitergesangverein„Eintracht“ hat wie⸗
der einen Verlust erlitten, der Genosse Philipp Werner ist dem
Kriege zum Opfer gefallen. In der Blüte seiner Jahre mußte er sein Leben lassen: wir werden ihm ein gutes Andenken bewahren.
Von Nah und Fern.
Im Bergwerk erstickt. Aus Beuthen(Oberschlesien) wird be⸗ richtet: Auf der Karsten-Zentrumgrube der schlesischen Aktiengesell⸗ schaft für Bergban und Zinkhüttenbetrieb wurden sechs Leute durch Stickgase getötet. Sie hatten an untertägigen Maschinen Repara⸗ turen vorzunehmen. Unbefugterweise und in Unkenntnis der Ge⸗ fahr öffneten sie, um zur Arbeitsstelle zu gelangen, eine am Tage zuvor zur Absperrung gegen Brandgase geschlossene abgedichtete Dammtür.
Telegramme.
Augesberigt des Großen Hauptsnurffer
Im Illurtabschnitt wieder vorwärts.
Weitere Fortschritte bei Linsingen und in Serbien. W. B. Großes Hauptquartier, 26. Okt., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz
Nördlich von Souch ez wurden feindliche Handgranaten. angriffe abgewiesen.
In den Kämpfen vom 24. Oktober sind an der vorsprin⸗ genden Ecke nördlich von Le Mesuil, in der Cham⸗ pagne, etwa zweihundertfünfzig Meter unserer Stellung vorübergehend in Feindeshand gekommen. Gestern wurden die Franzosen wieder daraus vertrieben. Füuf Offiziere und über einhundertfünfzig Mann blieben gefangen in unserer Hand. Nordöstlich von Le Mesnil hält der Feind noch einen kleinen deutschen Graben besetzt. 5
Auf der Combreshöhe hatten unsere Sprengungen guten Erfolg. Französische Sprengungen im Priester⸗ Walde blieben ergebnislos.-
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Der Illuxt-Abschnitt, nördlich von Il luxt ist wieder überschritten. Das bereits vorgestern vorübergehend genommene Gehöft Kasi⸗Mirschki ist fest in unserer Hand.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Russische Augriffe östlich Baronowitschi und gegen unsere Kanalstellung südlich des Wygonowskoje⸗Sees sind abgeschlagen.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Oestlich von Kukli(westlich von Czartorysk) wurde in der Nacht zum 25. Oktober die feindliche Stellung gestürmt. Ein allgemeiner russischer Gegenangriff blieb erfolglos. Gestern wurden weitere Fortschritte gemacht. Der Feind ließ vier Offiziere, eintausendvierhundertfünfzig Mann und zehy Maschinengewehre in unserer Hand.
Balkankriegsschauplatz.
Oestlich von Visegrad ist die Höhenlinie Suha— gopa Panos erreicht. Der Angriff der Armeen der Gene— rale von Köveß und von Gallwitz schreitet gut fort. Südlich von Palanka sind die Nordhöhen des Ra ca⸗Tales in unserem Besitz. Weiter östlich sind Markovac, Vk. Laole, Kucevo genommen. In den letzten drei Tagen sind neun hundertsechszig Serben gefangen genommen.
Von der Armee des Generals Bojadjeff liegen keine neuen Meldungen vor. Oberste!
Heeres leitung. 0 558.


