Ausgabe 
20.10.1915
 
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Hessen und Nach bargebiete. Gießen und Umgebung.

eee * 1 Das Deutsch des deutschen Kaufmannes. Der Berliner Polizeipräsident hat von den Vertretern der ver schiedensten Zweige des kaufmännischen Lebens, von Verbänden Vereinen und Innungen, Vorschläge für die besten Verdeutschungen der in ihrem Bereich vorkommenden Fremdwörter eingeholt und sie in ein Verzeichnis gebracht, das Dienstag einer Versammlung von Vertretern fast aller Zweige der kaufmännischen Welt, die. Polizeipräsidium unter dem Vorsitz des Oberregierungsrates Leh mann tagte, zur Begutachtung und weiteren Besprechung vorlag Soweit für die in dem Verzeichnis namhaft gemachten aan eine größere Anzahl von Verdeutschungsversuchen vorlagen, oder soweit die vorhandenen der Versammlung nicht genügend erschienen wurde beschlossen, die Vorschläge einem Sprachausschuß zu unter⸗ breiten. In der Erörterung wurden die einzelnen Wörter und die dazugehörigen Verdeutschungsvorschläge durchgenommen, und der geschickten Leitung gelang es, den größten Teil davon an den Sprach⸗ ausschuß für dessen künftige Beratungen abzuschieben. Das Ergeb⸗ nis wäre sonst wenig ermutigend gewesen, denn es zeigte sich, daß sich die meisten Zweige des Handels und der Industrie von ihren Fremdwörtern nicht trennen wollten, weil nach ihrer Meinung diese Wörter Begriffe bedeuteten, die entweder nur durch langatmige Um schreibungen oder überhaupt nicht zu ersetzen sein würden. Diese Behauptung wurde zum Beispiel für die Wörter Korsett, Bijouterie Medaille, Konfitüren, Biskuit aufgestellt, weil Mieder, Geschmeide, Denkmünze, Näschereien und Schaumkuchen nicht dasselbe seien. Ein Redner war sogar der Ansicht, daß der Ausdruck Näschereien oder Naschwaren für Konfitüren beleidigend sei, weil das Wort naschen die Nebenbedeutung des Stehlens in sich schließe! Aus diesem Grunde wurde auch das hübsche Wort Naschkästchen für Von⸗ bonniere abgelehnt und das Fremdwort für unentbehrlich erklärt Andere Verdeutschungsversuche erregten die laute Heiterkeit der Versammlung. So das neckischeSchnäpserei für Destillation und der sinnreiche Ersatz des Wortes Blumensalon durch die Ladenauf⸗ schriftBlumen für Freud und Leid. Dagegen schien dieVer deutschungGlatzenstück für Toupet undKneter für Maffeur keinerlei Bedenken zu erregen. Auch wurden gegen die Abschaffung manches völlig eingebürgerten Fremdwortes Bedenken laut. So wurde erklärt, daß die Tilgung des Wortes Hotel allein auf den Firmenschildern die Mitglieder des Vereines deutscher Hotelbesitzer etwa 100 000 Mark kosten würde, ferner daß zahlreiche an sich leicht zu entbehrende Fremdwörter darin einen Rückhalt finden, daß sie im Gesetz vorkommen und nur durch eine Aenderung des Gesetzes zu entfernen wären. So die Worte Saisonausverkauf, Kommissionär und andere. Ganz allgemein genommen hinterließ die Besprechung zunächst den Eindruck, daß hier ein Werk in Angriff genommen worden ist, an dem noch so gut wie alles unklar und verschwommen erscheint.

Kein Brot. Zu der Notiz in der Montagsnummer schreibt uns der Vorstand des Konsumvereins Gießen und Umgegend folgendes: Richtig ist, daß der Gemeinderat in Kleinlinden beschlossen hatte, das Brot für die Gemeinde von uns zu beziehen. Entgegenkommender Weise haben wir die Gemeinde auch einige Tage prompt bedient, das Brot wurde in unserer dortigen Verkaufsstelle ausgegeben. Nun stellte der Herr Beigeordnete Jung als Vertreter des eingezogenen Bürgermeisters an uns das Ersuchen, einen Teil des Brotes in unsere Verteilungsstelle zu liefern, das übrige Quantum aber an den Bäckermeister Stein, der ebenfalls im Felde steht, von der Gemeinde aber reklamiert wird, abzuliefern. Auch das ist einmal geschehen. Hierauf richtete der Eisenbahn Konsumverein, dessen Brotlieferung wir schon seit längerer Zeit übernommen haben, die Bitte an uns, an seine Ver⸗ teilungsstelle in Kleinlinden ebenfalls Brot zu liefern. Auch diesem Verlangen sind wir nachgekommen, indem wir einmal eine Anzahl Brote nach dort lieferten. Nun trat der Herr

Beigeordnete Jung auf und verlangte, daß die Lieferung an

den Eisenbahn-Konsumverein zu unterbleiben hätte, für das demselben gelieferte Brot bekämen Wir kein Mehl; wir hätten das Brot an die Frau Bäckermeister Stein zu liefern. Wenn er innerhalb 24 Stunden keine Antwort in diesem Sinne erhielt, wären die Beziehungen mit uns abgebrochen. Die Gemeinde hätte die Verpflichtung, solange der Bäckermeister Stein noch eingezogen sei, dessen Frau auf diese Weise zu unterstützen. Hierauf ging der Konsumverein nicht ein und erklärte dem Herrn Beigeordneten Jung, daß wir uns wegen des rückständigen Mehles an die vorgesetzte Behörde wenden würden. Telephonisch teilte uns der Herr Beigeordnete dann mit, daß wir das Mehl erhalten; im übrigen bedauere er, daß wir uns ein solches Geschäft entgehen ließen. Dies zur Aufklärung über die betr. Notiz. Wie hieraus zu ersehen, geschehen noch Zeichen und Wunder. Fr her hatte sich der Vorstand des Konsumvereins Gießen bei der Gemeindever tretung in Kleinlinden die erdenklichste Mühe gegeben, für seine dortigen Mitglieder liefern zu dürfen; es wurde glatt weg abgelehnt. Unsere Mitglieder in Kleinlinden waren ge⸗ zwungen, sich dort Brot zu kaufen, das tatsächlich manchmal nicht genießbar war; eben aus dem Ofen heraus, glühend heiß, wurde es verkauft. Und wie war manchmal die Quali- tät! Das machte alles nichts, wir durften nicht liefern und dabei blieb es. Jetzt, in der größten Not, war der Konsum⸗ verein wieder einmal der Retter in der Not. Allerdings sollte er jo nur den Lückenbüßer machen, denn der Bäcker⸗ meister Slein ist vom Herrn Pfarrer und den anderen maß- gebenden Herren reklamiert worden und dann bbäken die Vorhältnisse dieselben geworden, wie vordem. Schwer genug dürste es dem Herrn Beigeordneten Jung geworden sein, den Beschluß des Gemeinderates zur Ausführung zu bringen, da er bekanntlich selbst einen Spezereiladen unterhält, im übrigen aber als der heftigste Konsumvereinsgegner gilt. Hofsentlich sehen die übrigen Herren des Gemeinderates in Kleinlinden ein, daß es doch an der Zeit ist, einen gangbaren Weg zu finden, um die Einwohner mit einem einwandfreien, genießbaren und bekömmlichen Brot zu versehen; als solches wurde in den wenigen Tagen das Konsumvereinsbrot fast von der gesamten Einwohnerschaft Kleinlindens anerkannt.

Die Eierpreise sind fast jeden Markttag mee die Höhe geklettert und jetzt sind sie glücklich auf 20 und 2 Pfg. gekommen. Gering bemittelten Familien ist es bei derartigen Auterhörten Preisen natürlich gar nicht möglich, Ero ich, kaufen. Wie manche Familie hat aber kranke und 1 liche Kinder, für die sie unbedingt bessere Nahrung 7 sonders Eier nötig hätte. Kann sie keine beschaffen, so 1 die Entwicklung der Jugend, was sich in späteren Reifen fark bemerkbar machen wird, zebrigens fehlen in den meisten

Haushalten nicht mur die besseren Nahrungsmittel, sondern auch die geringeren. Viele haben nicht satt Kartoffeln und Brot!. Das Gießener Keisamt hat einen Waggon Eier beschafft, die demnächst an noch zu bestimmenden Stellen an Private nicht Händler, Konditoren usw. abgegeben werden sollen. Der Preis dürfte auf 35 Pfg. für zwei Stück sestgesetzt werden. Man muß sich wirklich oft wundern, wie Frauen auf dem Markte, die gar nicht so wohlhabend aussehen, jeden geforderten Preis bezahlen. Gestern zum Beispiel bot eine Frau einer Butterverkäuferin mehr, als dieso für ihre Butter verlangte! In solchen Fällen sollte der Name der betreffenden Person festgestellt und veröffent licht werden. Eine Frau, die in dieser Weise mit ihrem Gelde verfährt, kann es kaum auf ehrliche Weise erworben haben! Uebrigens könnte auch manchmal von der Polizei gegen die Preistreiberei schärfer eingeschritten werden. Kürzlich wurde zum Beispiel von der Gendarmerie in Eschl kam(Niederbayern) ein großes Quantum Eier beschlag nahmt, die mittels Fuhrwerks in das Amtsgericht Neu kirchen verbracht wurden und demnächst versteigert werden. Händler hatten die Eier zu derart hohen Preisen aufgekauft, daß diese den örtlichen Verhältnissen in keiner Weise mehr angemessen waren. Neben dem Verlust der Eier haben die Händler auch noch eine empfindliche Strafe zu gewärtigen. Würden die Behörden überall so gegen die Preistreiber, die meist gar nicht unschwer zu ermitteln sind, verfahren, dann könnte die Teuerung der Lebensmittel nicht eine solch

erschreckliche Höhe erreichen. 6 Krautwucher. Hinter die Kulissen des Nahrungsmittel-

wuchers läßt ein Brief; und Depeschenwechsel sehen, der von einer Leipziger Firma unserem dortigen Bruderblatte zur Verfügung gestellt wurde. Er zeigt, welche Gepflogenheiten gegenwärtig im Großhandel herrschen und wie die Preise in wenigen Stunden in die Höhne schnellen. Es handelt sich um den Einkauf von Weißkraut zur Herstellung von Sauer kohl. Unterm 18. September bot ein Großhändler in Süder deich in Holstein der Leipziger Firma fünf Waggon Weiß kraut zu 2,60 Mk. den Zentner für September und 2,75 Mk. sür Oktober an. 5 Am 28. September bot die gleiche Firma durch Depesche Weißkraut zum Preise von 3,20 Mk. an. Schon am 6. Oktober forderte die Firma 4,25 Mk. für den Zentner und auf ihrer Rechnung vom 8. Oktober bemerkt sie, daß Weißkraut nunmehr 5,50 Mk. koste. Daraus geht her vor, daß der Preis für den Zentner Weißkraut in der kurzen Zeit vom 18. September bis zum 8. Oktober um 2,90 Mk., also mehr als um 100 Prozent, gestiegen ist. In einem andern Falle forderte eine Firma in Flensburg am 29. Sep tember 3,50 Mk. für den Zentner Weißkraut. Auf einen etwas geringeren Preis ging der Großhändler nicht ein. In einem Briefe vom 7. Oktober forderte er sogar 4 Mk. Am 6. Oktober, abends 7 Uhr, sandte der Flensburger Groß händler eine Depesche ab, durch die er 50 Tonnen Weißkohl für 3,75 Mk. ab holsteinischer Station anbot. Dabei wurde heutige Drahtzusage verlangt. Weil die Depesche erst nach Geschäftsschluß in Leipzig eintraf, konnte die Leipziger Firma die Zusage erst am folgenden Tage machen. Darauf verweigerte die Flensburger Firma die Annahme des Auf trags. Dagegen bot sie am 11. Oktober 30 Tonnen Weißkohl sür 5 Mk. den Zentner an. Die Depesche ist 2 Uhr 48 Min. in Flensburg aufgegeben, die Antwort sollte bis 4 Uhr wieder dort sein. Da die Leipziger Firma erst ½4 Uhr in den Besitz des Angebots kam, war eine rechtzeitige Antwort unmöglich. Auch in diesem Falle stieg der Preis für den Zentner Weiß. kohl in dreizehn Tagen von 3.50 Mk. auf 5 Mark. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der normale Preis für Weißkraut von schleswig⸗holsteinischer oder mecklenburgischer Station ab un gefähr 75 bis 85 Pfennig für den Zentner beträgt. Der jetzt geforderte Preis ist also sechsmal so hoch. Wie hoch werden nach der Verarbeitung die Verbraucher das Sauerkraut be zahlen müssen?

Unfall an einem Transformator der Ueberlandaulage. In Clim bach gelang es am Samstag zwei kleinen Kindern im Alter von etwa 5 Jahren, in ein Transformatoren Häuschen hineinzukommen, wo sie durch den Starkstrom er hebliche Verbrennungen erlitten, die noch sehr nach teilige Folgen für sie haben können. ö

Gefallene aus Oberhessen und Nachbergebieten. Musketier Heinrich Loth aus Saasen, Inf. Regt. 254. Ersatzreservist Louis Gemmer aus Zell, Inf.-Regt. 176. Exsatzreservist Wilhelm Kalbfleisch aus Heidelbach, Inf. Regt. 81. Ersatzreseervist Heinrich Will aus Aßlar, Inf.⸗Regt. 116. Musketier Konrad Muskat aus Aßlar, Inf.-Regt. 88.

Ueber die Versorgung mit Petroleum wird geschrleben: Für die Verfsorgung mit Petrolcum steht infolge des Fehlens der amerf⸗ kanischen Zufuhr für die nächsten Monate nur etwa der fllufte Teil der in Friedenszeiten benötigten Mengen zur Verfügung. Durch Verordnung vom 8. Juli ds. Is. hat der Bundesrat die Reichs⸗ regierung ermächtigt, Grundsätze aufzustellen, nach denen die Ver⸗ teilung der im Handel befindlichen und in den Handel kommenden Petroleumbestände au die Verbraucher zu erfolgen hat. Diese Vor⸗ schrist war erforderlich, um trotz bestehender Lieferungsverpflichtun⸗ gen der Petroleumseinsuhr-Gesellschaften eine gleichmäßige und zweckentsprechnde Verteilung der Petroleumvorräte zu ermöglichen. Die Grundlage für diese Verteilung bilden die von den Landes⸗ zentralbehörden geschafften Bedarfsnachweisungen. Die Reichs⸗ regierung hat nun auf Grund der ihr erteilten Ermächtigung durch Rundschreiben den Bundes regierungen mitgeteilt, daß die Ein flihrung von Petroleu mkarten durch die Gemeinden als ein geeignetes Mittel zu einer zweckentsprechenden Verteilung der Petrolcumbestände im Sinne der Bundesratsverordnung anzusehen sei. Um diese Regelung durch Karten⸗-Ausgabe rechtlich sichern zu können, spird der Bundesrat demnächst durch eine neue Verordnung eine Ergänzung seiner Bekanntmachung vom 8. Juli in bezug auf die Strasvorschriften vornehmen.

Die Gleichstellung der unehelichen mit den ehelichen Kindern fordert das Archiv deutscher Berufsvormünder in einer Eingabe an den Reichstag. Gegen diese Forderung wendet sich die Kreuzzeitung in folgender Weise:Ohne in dieser Einzelfrage Stellung nehmen zu wollen, möchten wir uns doch grundsätzlich dagegen wenden, daß man nach und nach alle Rechtsnachteile der unehelichen Kinder mit der Begründung zu beseitigen sucht, sie dürften nicht den Fehltritt ihrer Mutter büßen. Diefe Betrachtungsweise ist eine einseitig individualistische und übersieht die Bedeutung eines geordneten Familienlebens für Staat und Gesellschaft. Es kann die in den Großstädten ohnehin erschreckend hohe Zahl der unehelichen Kinder nur vermehren, wenn lie mehr und mehr rechtlich und dadurch au

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in der moralischen Auffasfung der Bevofterung den ehellchen gleich; gestellt werden. Diese Vetrachtungswelse paßt wenig zu de christ⸗ lichen Worten, die in den Spalten der Kreuzzeitung sehr reichlich zu finden sind, meint dazu die Leipziger Vollsztg. Es braucht aber nur darauf hingewiesen zu werden, daß das Blatt sich sehr dagegen auflehnen würde, wenn man etwa in der Einreihung zum Heeres- dienst die unehelich geborenen Bürger zurlickweisen wollte. Wer bel der Erfüllung von Pflichten keinen Unterschied zwischen ehelichen und unehelichen Kindern machen will, der darf auch ulcht bei den ihnen zustehenden Rechten zweierlei Maß anlegen.

Wie Profitwut manchen dazu treibt, die Notlage seiner Mit- menschen zur eigenen Bereichexung auszunutzen, davon heute ein Beispiel, das aus Speyer berichtet wird. Eine Bauersfrau brachte dort letzte Woche 18 Pfund Kernbohnen auf den Markt, wo sie die Bohnen zu 35 Pfg. das Pfund verkaufen wollte, Es waren einige Frauen da, die' sich mit se 1 Pfund begnügt hätten. Da erschten auf der Bildfläche ein Spezereiwarenhändler und kaufte den ganzen Vorrat auf, so daß alle übrigen Liebhaber das Nachsehen hatten. Was tat nun dermenschenfreundliche Kaufmann mit den Bohnen? Er stellte sie in einem Gefäße in seinem Laden auf und zeigte auf einem Schildchen den Pfundpreis an und zwar mit 60 Pfg. Also um 25 Pfennig Profit au einem Pfund! Gllcklicherweise wurde die Sache ruchbar und so erfolgte Anzeige. Nicht immer ist die Polizei in der Lage, derartige Fälle aufzudecken und zu bean zeigen, da sie keine Keuntnis davon erhält. Es wäre Pflicht eines jeden, der Kenntnis von solcher Ausbeutung seinyer Mitmenschen erhält, Anzeige zu erstatten, um dem wucherischen Treiben einzelnen Einhalt zu gebieten.

Folgen der Teuerung. Aus Wörrstadt berichtet das

Offenbacher Abendblatt: Eine alleinstehende Frau glaubte bei der herrschenden riesigen Teuerung aller Lebensmittel ihren Unterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Durch ständiges Nachgrübeln über die Teuerungsverhältnisse erlitt sie eine Geistesstöxung. Sie stürzte sich in einem unbewachten Augenblick in die, Pfuhlgrube, wo sie erstickte. Bei dieser Teuerung kann man allerdings verrlick/ werden. Eine Preisprüsungsstelle ist jetzt in Gießen errichtet worden. Damit wird einer Vorschrift des Ministeritums Rechnung getragen, daß etwa die Lebensmittelpreise dadurch billiger werden, braucht niemand zu glauben.

Künstlerabend. Die Gießener Freilichth ühue ver⸗ anstaltet nächsten Sonntag abend in der Aula einen Künstlerabend, dessen Reinertrag zu Liebesgaben für dieVergessenen verwendet werden soll. Der Abend wird durch einen von Alfred Bock ver faßten und von Frl. Gretel Leist gesprochenen Prolog eingeleitet werden; es folgen dann Lieder von Anny Floöohn- Burckhard, die am Flügel von Frau Nebelung-Kuapp begleitet werden. Musikalische Darbietungen von dem Schülerorchester des Gym nasiums, das durch 20 Mitglieder der Kapelle des Ersatzbatafllons verstärkt wird, reihen sich an und den Schluß machen Rezitationen in Poesie und Prosa aus neuerer Zeit von Martha Schild. Der Abend beginnt um 8 Uhr.

Stadttheater. Gestern abend ging ein Lustspiel über unsere Bühne, das vor etwa 20 Jahren von Schönthan und Koppel-Ellfeld der Welt geschenkt wurde. Es sollte ein historisches Lustspiel sein und spielt deshalb vor etwa 100 Jahren in Karlsbad und dort in denbesten Kreisen der Kurgäste.Lomtesse Gu cer!, so betitelt es sich, ist sicher nicht das schlechteste unter der leichten Ware, welche die sehr produktiven Verfasser auf den Markt ge bracht haben. Ganz unterhaltsam. Ueber den Inhalt ist nicht viel zu sagen: nach etlichem Herüber und Hintber und kreuz und quer gibt es zwei glückliche Paare. Dabei hat die von Anna Rubens flott gespielte Gräfin Trachau, die man früher in Wien wegen ihrer schönen Augen Komtesse Guckerl nannte, Gelegenheit, ihren Geist und Witz zu zeigen und ihrem Anbeter ihre Schelmerei fühlen zu lassen. Diesen gab Ferd. Steinh ofer, der recht gut gefiel. Das andere Paar wurde von Else Bu rghoff und Arthuf Eugens dargestellt; letzterer hatte eine wenig dankbaxe Rolle; 2 Backfisch des Frl. Burghoff erntete aber verdienten Beifall. Ausgezeichnet war wieder Herr Goll mals alter Hofrat, dessen hochnäsige Ehe⸗ hälfte durch Else n glüng trefflich verkörpert wurde.

Augetberig des Großen Hauptnuurtien.

Günstige Kämpfe vor Dünaburg und am Styr

Glänzende Fortschritte auf allen serbischen Kampfplätzen. W. B. Großes Hauptquartier, 19. Okt., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Keine wesentlichen Exeignisse.

Oestlicher Kriegsschauplatz Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls v. Hindenburg. 0

Südlich von Rien stürmten unsere Truppen mehrere Stellungen und erreichten die Düsma östlich Bor ckso itz; 1 Offizier, 240 Mann wurden gefangen, 2 Maschinengewehre erbeutet.

Ein russischer Angriff nordwestlich Jakobstadt wurde abgewiesen.

In Gegend von Smolwy wurde durch eines unserer Kampfflugzeuge ein französischer Doppeldecker, der von einem russischen Stabskapitän geführt wurde und mit einem eng- lischen Maschinengewehr ausgerüstet war, abgeschossen.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls ö Prinzen Leopold von Bayern.

Nichts Neues.

Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.

Die gestern gemeldeten Kämpfe am Styr nahmen einen für uns günstigen Verlauf.

Balkankriegsschauplatz. 5

Bei der

Heeresgruppe des Geueralfeldmarschalls u. Mackensen wurde von der Armee des Generals v. Köweß durch österrei chisch-ungarische Truppen die Stadt Obrenovac genom: men.

Südlich von Belgrad erreichten deutsche und österr., ung. Verbände nach Kampf die Höhen östlich Vranja, südlich von Ripanj und südlich von Grocka an der Donau.

Die Armee des Generals v. Gallwitz erkämpfte mit dem rechten Flügel die Gegend westlich von Seo ne sowie die Orte Vodanj und Mala Krsnua. Das Höhengelände bei Lucica sowie südlich und östlich von Boge vac bis Misl⸗ jenonac wurden dem Feinde entrissen.

Die Armee des Generals Bojacjeff draug gegen Zajevac, Kujagevac, über Inowo und gegen den Kessel von Pirot weiter vor. Andere bulgarische Truppen haben Vranje im oberen Morawatale genommen und weiter südlich die Linie Egri-Palanka⸗ Stip bereits

ch Uüberschritten.

Oberste Heeres leitung.