Ausgabe 
19.10.1915
 
Einzelbild herunterladen

*

und Nachbargebiete.

Gießen und Umgebung.

a Hessen 6 Der Wert des Menschen.

Dem Leben vernichtenden Kriege muß, wenn die Ver⸗ luste auch nur zu einem Teil ausgeglichen werden sollen, in allen Ländern eine ausgedehnte und tiefgreifende Bewegung für den Bevölkerungsschutz folgen, wenn nicht eine große Menschenarmut in Europa eintreten soll. Es erscheint sinn⸗ los, von der Behütung des Lebens zu reden, während Tau sende und Abertausende draußen auf dem Schlachtfelde ver bluten oder als Krüppel in die Heimat zurückkehren. Jeder der weiter schaut, als nur bis heute oder morgen, muß ein. mal fragen: wie wird Europa nach dem Kriege aussehen wieviel ist von seiner männlichen Bevölkerung übrig ge blieben, wie steht es mit der Kraft seiner Frauen? Und wenn man sich auch jetzt im allgemeinen kein klares Bild von dem Umfang der Verluste machen und sich nicht vorstellen kann, welche Wirkungen der Tod so vieler blühenden Jünglinge und Männer im Alltagsleben nach dem Kriege haben wird, so fühlt doch jeder, wie furchtbar die Blutopfer sind, die jeder Nation auferlegt werden und wie schwerer Anstrengungen es bedarf, um wenigstens bis zu einem Teil diese Verluste auszugleichen. Der Wert der Frau und des Kindes steigt, man muß sich bemühen, die Frau kräftig und leistungsfähig zu erhalten, damit diejenigen, die noch zur Ehe gelangen, Mütter gesunder Kinder werden. 5

Der Gedanke an die kommenden Generationen be schäftigt heute schon viele, Aerzte, Sozialpolitiker, Fürsorge⸗ organisationen. Ueberall spürt man die Bemühungen, an der Erstarkung der Frauen und dem Schutz der Kinder zu arbeiten, wenn auch meist die Zusammenhänge zwischen der verfehlten Lebensmittelpolitik während des Krieges und der Entkräftung zahlreicher Frauen und Kinder nicht genügend beachtet werden. Sogar in dem Jahresbericht der Berlin Wilmersdorfer Ortskrankenkasse wird ein großer Teil der Frau als Erzeugerin neuen Lebens gewidmet und werden die Gefahren, die ihr drohen, untersucht. 12 von 72 Seiten be⸗ handeln die Ansteckungsgefahr durch im Felde an Syphilis erkrankten Männern, die Schaffung von Entbindungs anstalten und die Möglichkeit der Erleichterung der Geburten auch für unbemittelte Frauen durch die in Freiburg erprobte Methode des Dämmerschlafes. Ausführlich werden diese drei Fragen besprochen und sicher sind sie von großer Wichtigkeit für die Frauen und für die Zukunft des ganzen Volkes. Aber was nützen alle Erleichterungen, denn die Mütter denken müssen, daß sie vielleicht einst den Sohn in seinem schönsten Alter wieder hingeben müssen, damit er draußen im fremden Lande falle! Für sie gibt es einen Trost und einen lichten Ausblick in die Zukunft, den, daß sie alle berufen sind, daran mitzuarbeiten, daß nie wieder ein Krieg in Europa möglich wird, daß wir nie wieder eine so ungeheure Menschenver geudung zu erleben brauchen, wie im Kriege.

DerWaffenstillstand des Lederspekulanten.

Eine Villa in vornehmer Lage zu kaufen gesucht. Ich traf ihn in der Kaiserstraße. Da ich ihn über ein Jahr nicht mehr gesehen hatte, fiel mir natürlich seine Veränderung so⸗ fort auf. Seine Hose war immer etwas zu kurz gewesen, die Kra wektte rutschte in der Regel hinten am Kragen empor und der Hut verriet, daß er manchen Sturm erlebt hatte. Ich war daher über⸗ rascht, als ich ihn jetzt vor mir sah, im nagelneuen, tadellos sitzen⸗ den Anzug. An der goldenen Uhrkette baumelte ein Anhängsel, das die Gestalt eines Eisernen Kreuzes hatte, am Rock trug er eine kleine Schleife mit den Farben des Reiches und des Landes. 1 Er winkte mir herablassend zu.Na, wie geht's, wie steht's? rief er mir zu und seine Lippen umspielte ein zufriedenes Lächeln. Ich brauchte ihn nicht nach seinem Befinden zu fragen, man sah es ihm an, daß es ihm sehr gut ging. Vertraulich steckte er seinen Arm unter den meinigen.Kommen Sie ein paar Schritte mit, ich muß da vorne eine Annonce aufgeben. Er zog mich mit, denn ex hatte offenbar das Bedürfnis, mir von seinem Glück zu erzählen. Tia, der Krieg!! Ich habe mächtig viel arbeiten müssen, aber es hat gefleckt. Bis zum August vorigen Jahres gingen die Geschäfte schlecht, na, Sie wissen ja selber. Es ist mir tatsächlich nicht zum besten ergangen. Die meisten steckten nicht in besseren Schuhen wie ich: wie soll man da beim Handel was verdienen. wenn keiner Geld hat. Da kam der Krieg, und ich warf mich auf das Leder. Na, ich will von meinen Geschäftsgeheimnissen nichts reden, Sie interessteren sich doch nicht dafür, dazu sind Sie viel zu ideal veranlagt. Aber es hat gefleckt, es hat gefleckt. Ich habe viel gearbeitet. Sie dürfen es mir glauben. Ich war in Berlin und dann hier, immer hin und her. Aber man wußte. doch, wofür man sich plagte. Doch da sind wir ja bei der Expedition. 0 Er zog aus dem Umschlag nochmals seine Offerte und über⸗ las es. Ich konnte lesen:Villa in vornehmer Lage, zu kaufen ge 1 Er klebte den Umschlag zu und warf die Offerte in den Briefkasten der Expedition.. 0 Wissen Sie, fuhr der Redselige fort,ich suche nach einem kleinen bequemen Heim, um mich ein wenig auszuruhen. Die Ge⸗ schäfte haben mich etwas nervös gemacht. Aber jetzt will ich raus aus dem Schwindel, ist will nichts mehr wissen von Arbeit. Vor⸗ erst habe ich sozusagen einen Waffenstillstand geschlossen. Gang kann ich den Betrieb von heute auf morgen nicht einstellen, mee nneue Aufträge nehme ich nicht mehr an. Ich will meine? 110 (haben. Auch das Geschimpfe in den Zeitungen bekommt man. 55 1 Es ist ja wahr, ich mußte die Preise etwas hoch stellen, 1 0 ist der Krieg! Und hätte ich's nicht genommen, so hätte 0 92 ein anderer eingesteckt. In Geldsachen, wissen Ste, 15 11 75 Moral auf, und man hat doch auch ein Risiko, nicht? 10 91 Sie mich denn so komisch an? Ach richtig, Sie kleiner 520 9555 i fällt's mir brühwarm ein. Ich habe Sie vor einem Ja 8 0 15 ist's schon länger, um zehn Mark angepumpt., Kommen Sie mit, sich lade Sie ein. Sie wollen nicht? Na gut. 8 5 langte seine Brieftasche heraus und übergab Zehnmarknote. 1 Nichts für ungut, aber ich war ja so starb elch ia 9915 in Berlin, bald hier, ich habe Sie eben nicht mehr gesehen. 5

0

mir eine

suchen Sie mich, wenn ich meine Villa eingerichtet habe. Auf Wiedersehen. inauf. Dabei Er grüßte und tänzelte die Frankfurterstraße hinauf d

ein patriotisches

schwang er vergnügt pfiff

in Stöckchen und Liedchen. daß

Städtische Lebensmittelversorgung. Te, grbfon die Teuerung, die fast stündlich wächst, um so dringlicher wird 5 Pflicht der Gemeinden, alles an die Linderung dieses Rel t fübels zu setzen, das den Volkskörper fast noch kränker mach aals die von der männermordenden Schlacht verursachte Ver-

michtung der wertvollsten Menschenkräfte. Wer in seiner

eigenen Gemeinde nun auf dem Gebiete der Lebensmittel⸗ versorgung möglichst Großes erzielen will, muß immer wieder nach den Beispielen anderer Städte sehen. Das wollen wir auch heute, wie schon des öfteren, wieder tun. So ist in München eine Lebensmittelversorgung München G. m. b. H. gegründet worden. Gesellschafter des Unternehmens sind die Stadtgemeinde, die Handelskammer, der Handelsverein, Ver treter von Großhändlern, Getreidehändlern, Konsumvereinen usw. Man darf hoffen, daß von einer solchen Vereinigung, in der alle Interessenten vertreten sind, Ersprießliches ge leistet werden kann. Sehr vernünftig scheint die Stadt Augs burg als Landwirtin gewirtschaft zu haben. Sie hatte alle städtischen landwirtschaftlichen Grundstücke mit Kartoffeln bestellt, und nun ergibt sich aus der reichen Ernte, daß der Zentner die Stadt auf 1,85 Mark zu stehen kommt. Die Stadt wird dadurch gewiß preisregulierend wirken, da der Marktpreis schon mehr als 4 Mark beträgt. Ferner hat der Magistrat der Stadt Augsburg vor einiger Zeit städtische Milchverkaufsstellen eingerichtet, in denen beste Milch zu 22 Pfg. das Liter abgegeben wird. Dadurch wurden ver schiedene Milchhändler gezwungen, mit dem Preis ebenfalls herabzugehen. Die Milchhändler versuchten nun, die Lieferanten scharf zu machen, daß sie für die städtischen Ver kaufsstellen Milch nicht mehr liefern. Als dieser Versuch mißlang, stellten die Milchhändler an den Magistrat den Antrag, die städtischen Verkaufsstellen aufzuheben und einen höheren Milchpreis als gerechtfertigt zu erklären, anderen falls sie die bisher nach der Stadt Augsburg gebrachte Milch nach München oder Stuttgart abwandern lassen würden. Der Magistrat hat nun einstimmig beschlossen, dem Antrage der Milchhändler nicht nur nicht stattzugeben, sondern vielmehr die Zahl der städtischen Milchverkaufsstellen zu erweitern, außerdem aber die Errichtung einer städtischen Milchzentrale in die Wege zu leiten und mit den hierzu nötigen Vorarbeiten sofort zu beginnen. In einzelnen Gemeinden ist auch in der Butterfrage etwas geschehen. Der Rat der Stadt Chemnitz hat beschlossen, mit aller Schärfe die Preistreiber zur Verantwortung zu ziehen und bei der Regierung dahin vorstellig zu werden, daß sie sich für die Festsetzung von Höchstpreisen beim Bundesrat verwende. Auch der Gouver neur der Festung Köln hat Schritte eingeleitet, um die Wucherer unschädlich zu machen. Es wird dort in Fällen, in denen eine unangemessene Preissteigerung festgestellt worden ist, das Strafverfahren eingleitet werden. Außerdem wird mit Schlioßung der Geschäfte gedroht.

Städtischer Wildbret-Verkauf. Wie wir vor kurzem mitteilten, wird die Stadt einen Verkauf von Wildfleisch errichten, der Metzgermeister Fr. Schreiner, Seltersweg, über tragen worden ist. Das Wild wird in den Kühlräumen des städtischen Schlachthofes aufbewahrt. Schlachthof-Direktor Modde übernimmt die tierärztliche Untersuchung des Fleisches. Eine Anzahl Jäger haben die Lieferung des von ihnen er⸗ legten Wildes an die Stadt zugesagt. Die Verkaufspreise werden sich voraussichtlich in folgender Höhe bewegen: Reh fleisch das Pfund: Ragout(Bauchlappen usw.) 40 Pfg.; Vorderblatt(Bug) 8090 Pfg.; Keule und Ziemer 1/10 bis 1,30 Mk. Hasen das Stück je nach Größe bis zu 4 Mk. Der Verkauf beginnt Ende dieser Woche. Man darf erwar ten, daß das Wildfleisch viele Abnehmer findet.

Kartoffellieferung aus Polen. Der Verwaltungschef beim Generalgouvernement Warschau hat bekanntgemacht, daß sämtliche Kartoffeln und Kartoffelfabrikate in den Gouverne⸗ ments Kalisch und Plock, den Kreisen Wloclawec, Nieszawa, Gostynin, des Gouvernements Warschau, sowie den Kreisen Czenstochau, Bendzin, Lask, Lodz und Brzeziny des Gouverne ments Petrikau beschlagnahmt sind. Für die Ankäufe der Zivilverwaltung wird der Kartoffelpreis frei Waggon nächster Bahnstation auf 1,28 Mark für den Zentner festgesetzt. Bei einer Entfernung von über 6 Kilometer zwischen Hof und Station wird eine Anfuhrvergütung von 1 Pfennig für den Zentner und Kilometer gewährt. Der Preis von 1,25 Mark gilt zugleich als Höchstpreis. Für ausgesuchte Eßkartoffeln kann der Kreischef bis 2 Mark bewilligen. Mit Genehmigung des Kreischefs(Polizeipräsidenten) können ausgesuchte Eß⸗ kartoffeln zu höchstens 2 Mark nach Deutschland geliefert werden, letzteres nur durch die Hand der Zivilverwaltung.

n. Ein Kind ertrunken. Am Sonntag fiel das zwei Jahre alte Söhnchen des Feldwebels Stritzke von der Unter⸗ offizierschule in eine mit Wasser gefüllte große Tonne und ertrank, ehe Hilfe zur Stelle war.

Die Kindesleiche im Bahnhofe. Wir werden um Auf nahme des Folgenden ersucht: Am 16. Oktober wurde im Damen-Abort der 3. Klasse des hiesigen Bahnhofes eine männliche Kindesleiche gefunden, die in braunem Pack papier verpackt war, auf dem geschrieben stand:Es wird ge⸗ beten, in der Klinik abzugeben. Außerdem war die Leiche in zwei Teile von Frauenhemden, wovon der eine aus grobem Bauernleinen, der andere aus feinem Shirtingstoff bestand, sowie in ein weißes und gelbgeripptes Packpapier einge schlagen. Nach ärztlichem Befund hat das Kind gelebt und ist wahrscheinlich durch Einflößung größerer Mengen Spiri tus getötet worden. Etwaige Mitteilungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Freiwilliger Hans Hansel aus Gießen, Inf. Regt. 116. Musketier Georg Mattern aus Leihgestern, Inf. Regt. Nr. 116. Wehrmann Adolf Hillgärtner aus Allerts- hausen, L. Inf.-Regt. 118. Matrose Emil Fey aus Lollar, 1. Matrosen-⸗Art.-Regt. Musketier Friedrich Gladen aus Ehringshausen, ee 1185 1 0 5

1 ung der Kartoffeln durch die Bauern. Der Fr. e 5 00 geschrieben, das auch für Gießen vollständig zutrifft: Es scheint schon jetzt festzustehen, daß die Kartoffelverordnung des Bundesrats ihren Z3we d nicht erreicht. Obwohl auch die hiesige Gegend eine Rekord⸗ Kartoffelernte gehabt hat, kann die städtische Bevölkerung, die hier meistens von Produzenten dixekt kauft, keine Kartoffeln zu ange- messenen Preisen erhalten. Auf dem letzten Wochenmarkt war nur ein Wagen mit Kartoffeln erschienen. Die Bauern lehnen es ab, zu dem festgesetzten Höchstpreis zu ver⸗

Städter schon andere Preise zahlen müßten. Vor der Beschlag⸗ nahme glauben sie sicher zu sein, da diese nach der Bundesrats⸗ verordnung erst bei einer Kartoffelanbaufläche von mehr als 10 Hektar zulässig ist. Solche landwirtschaftlichen Betriebe gibt es aber in hiesiger Gegend, wo dex Kleinbetrieb wie auch im ganzen Westen vorherrscht, nur ausnahmsweise. Soweit sich Bauern zum Verkauf bereit erklären, halten sie sich nicht an dem Höchstpreis. Dieser schreibt nur die Anfuhr bis zum nächsten Güterbahnhof vor; da aber die meisten Transporte weiter sind, so berechnet man derartige Ansuhrkosten, daß dadurch der ganze Höchst⸗ preis illusorisch wird. Auch treiben auswärtige Händler die Preise in die Höhe, da sie mehr als den Höchstpreis zahlen. Geht es so weiter, so wird man hier mit der ungeheuerlichen Tatsache rechnen miissen, daß die hiesige Gegend fast im Kartoffelsegen er⸗ stückt, die konsumierende Bevölkerung aber solche zu angemessenen Preisen nicht erhalten kann und man schließlich zum Bezuge aus dem Osten schreiten muß, während hier unterdessen wieder Tausende von Zentnern ver faulen. Das ist, wie gesagt, vollständig richtig und die Regierungen haben alle Veranlassung, ganz energisch einzuschreiten, sonst treiben wir Zuständen entgegen, bei denen die 1 verhungert, die Nahrungsmittel aber in Massen ver⸗ erben.

Verwahrlosung der Jugend. Daß die Jugenderziehung durch den Krieg erheblich leidet, ist bekannt und sehr begreiflich. Die. Wirkungen machen sich jetzt schom geltend; die Straffälle der Zugend⸗ lichen mehren sich, öfter als sonst werden Kinder und Jugendliche in Zwangserziehung geschickt. Unserer Stadtvertretung lagen in der letzten Sitzung eine ganze Anzahl Anträge auf Verhängung der Zwangserziehung vor. In vielen Familien fehlt es au dem nötigen Respekt, wenn der Vater nicht da ist, da viele Mitter zu nachsichtig, sind. Wo eine richtige und vernünftige Erziehung herrschte, wird es allerdings nichts ausmachen, ob der Vater zu Hause ist oder nicht. Vor Kurzem veröffentlichte der Vorsitzende des Berliner Jugendgerichts, Amtsgerichtsrat Köhne, die Statistik für 1914. Danach hatten sich nicht weniger als 1040 Jugendliche, darunter 203 weibliche, vor dem Jugendgericht zu verantworten, und mur 96 konnten freigesprochen werden. Unter den Angeklagten be⸗ sanden sich 75 Knaben und 11 Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren. Der unheilvolle Einfluß der mangelnden elterlichen Auf⸗ sicht erhellt aus der Tatsache, daß sich unter den jugendlichen Sün⸗ dern 132 Halbwaisen, 23 Ganzwaisen und 53 Kinder befinden, deren Eltern getrennt leben. 141 Beschuldigte waren sogar schon vor⸗ bestraft, darunter 23 jugendliche Sünder zweimal und 3 drei⸗ und mehrmal. Als Art der Vergehen lommt meistens Diebstahl und Unterschlagung in Betracht.

Die Vergütungen für die im Monat September in Blüirger⸗ quartieren untergebrachten Mannschaften der Landsturm-Infanterie⸗ Ersatzbataillone Gießen werden bezahlt an die Empfangsberechtigten, deren Namen beginnen mit: AF Donnerstag, den 21. Oktober 1915, GK Freitag, den 22. Oktober 1915, I.-R Samstag, den 23. Oktober 1915, S2 Montag, den 25. Oktober 1915, jedesmal von 812 Uhr vormittags und 25 Uhr nachmittags. Die Zahlstelle ist im Stadthaus, Zimmer Nr. 4. Es wird dringend ersucht, die Be⸗ träge an den genannten Tagen abzuholen.

Stadttheater. Die erste Dienstag⸗Abonnementsvorstellung bringt inComtesse Gucker! eines der liebenswürdigsten älteren Lustspicle von Schi und Koppel⸗Ellseld. Sie gibt

wiederum drei der neuen Mitglieder Gelegenheit, sich in größeren Rollen zu zeigen: Frl. Rubens alsComtesse Guckerl, Herrp Hell⸗ muth als General Suwatschoff und Herrn Eugens als Leopold Mittersteig. Der schöne Exfolg der ersten Vorstellungen hat be⸗ wirkt, daß noch nachträglich Abonnementsanmeldungen einlaufen. Das Stadttheater muß unter den gegenwärtigen Umständen auf weitgehende Unterstützung von seiten der Bürgerschaft rechnen und die Entnahme von Abonnements bedeutet in erster Linie eine solche

Unterstützung. Es sei deshalb nochmals betont, daß neuen Abon⸗ nenten für erledigte Vorstellungen kostenlos Gutscheine geliefert werden.

Arbeiterbewegung.

Der Tabakarbeiterverband im Jahre 1914. 1

Wie manche andere Gewerkschaft, hatte auch der Deutsche Tabak arbeiterverband im vorigen Jahre einen Rückgang der Mitglieder- zahl. Ende 1913 wurden 31713(davon 15 499 weibliche) Mitglieder gezählt, 1914 waren es nur 23 615(davon 11139 weibliche), so daß ein Verlust von 8098(davon 4310 weibliche) Mitgliedern einge- treten ist. Die Jahresbilanz zeigt eine Gesamteinnahme von 627 924 Mk., eine Gesamtausgabe von 648 555 Mk. Dabei ist zu bemerken, daß im Berichtsjahre noch ein Schuldposten von rund 100 000 Mk.(vom großen westfälischen Kampf herrührend) getilgt worden ist. An Lohnbewegungen konnte, zumal die dafür günstige Periode für die Tabakindustrie erst im Spätsommer mit der Hebung des Geschäfts beginnt, nicht viel geleistet werden. Immerhin wur⸗ den noch 90 Lohnbewegungen in 184 Betrieben mit 9179 Be⸗ schäftigten verzeichnet. Erfolreich waren 82 Bewegungen in 137 Betrieben mit 8724 Beschäftigten, erfolglos 8 Bewegungen in 47 Betrieben mit 455 Beschäftigten; doch ist zu berücksichtigen, daß 6 Bewegungen in 20 Betrieben mit 436 Beschäftigten infolge des Krieges abgebrochen werden mußten, und daher erfolglos blieben. Die Tarifverträge haben eine kleine Abnahme erfahren. Es be- standen am Schlusse des Jahres 1914 260 Tarifverträge mit 879 Betrieben, in denen 5759 Personen beschäftigt waren; 1913 waren es 269 Tarifverträge mit 931 Betrieben und 6175 beschäftigten Personen.

Tahesbericht des Großen Hatha

Vergebliche Offensive der Engländer und Franzosen. Fortischritte bei Riga und Dünaburg. W. B. Großes Hauptquartier, 18. Okt., vorm.(Amtlich.] Westlicher Kriegsschauplatz,

Das in die feindliche Stellung weit vorspringende Wers nordöstlich Vermelles wurde von den Engländern wieder⸗ holt mit starken Kräften angegriffen. Alle Angriffe schlugen unter sehr schweren Verlusten für den Gegner fehl. Das Werk blieb fest in unserem Besitz.

Angriffsversuche der Franzosen bei Tahure wurden durch Feuer nieder gehalten.

Ein neuer feindlicher Vorstoß zur Wiedereroberung der verlorenen Stellung südlich von Leintrey blieb erfolglos, kostete die Franzosen aber neben starken blutigen Verlustew 3 Offiziere, 17 Unteroffiziere und 73 Jäger an Gefangenen

Am Schratzmännle konnte der Feind im Angriff trotz

Einsatzes einer erheblichen Menge von Munition keinen Fuß breit Bodens wieder gewinnen. Deutsche Fluggeschwader griffen gestern die

Festung Belfort an, vertrieben die feindlichen Flieger und belegten die Festung mit 80 Bomben, wodurch Brände her⸗ vorgerufen wurden. Oestlicher Kriegsschauplatz J Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Angriff südlich von Riga machte gute Fort⸗

kaufen; sie erklären, die Kartoffeln bei soniedrigen Preisen lieber verflitteru, oder bis zum Frühlahr warten au wollen. wo die.

schritte, zwei Offiziere, 280 Mann blieben als Gefangene in unferer Hand., n