Ausgabe 
18.10.1915
 
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und Nachbargebiete.

Gießen und umgebung.

Hessen Stadtverordnetenversammlung. Zur Sitzung am Freitag waren ein ganzes Bäckerdutzend Stadtverordnete 0905 schienen; viel hätte nicht gefehlt und die Sitzung wäre sogar mach den neuen, dem Kriegszustande Rechnung tragenden Be⸗ stimmungen beschlußunfähig gewesen. Es lagen nur wenige

Gegenstände auf der Tagesordnung, so daß die öffentliche Sitzung nicht lange Zeit in Anspruch nahm. Diskussion gab s nur bei zwei Gegenständen.

Anwesend: Oberbürgermeister Keller, Beig. Emmelius: Stadtv. Dr. Ebel, Eichenauer, Faber, Helfrich, Huhn, Löber' Orbig, Petri, Plank, Professor Sommer, Vetters, Dr. Wimmenauer, Winn. Der Oberbürgermeister macht Mitteilung von einer Stiftung des Stadtv. Prof. Sommer ür Errichtung zweier Stege über die Lahn oberhalb und interhalb der Wehre und spricht dem Spender dafür herz lichsten Dank aus. In einer Rede, die Prof. Sommer im vorigen Jahre hielt, hat er auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Lahn mehr in Verbindung mit der Stadt zu bringen

md seine Stiftung soll die Erreichung dieses Zieles anbahnen. Franz Schmidt beabsichtigt ein Verkaufshäuschen auf dem Brundstück Seltersweg 83 zu errichten; die Genehmigung bvpird versagt, weil das Aussehen der Straße leiden würde. inem Gesuch des Bäckermeisters K. Sommer, eine Kaffee⸗ bvirtschaft Bismarckstraße 26 zu eröffnen, wird ebenfalls nicht dattgegeben, weil das dazu bestimmte Lokal zu klein ist.

. Kampen ersucht um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb für Janzleiberg 5. Das Gesuch wird befürwortet. Für die erstellung des Hauses Wolkengasse 11 werden noch 350 Mk. sachbewilligt. Für die Versicherung der Hans Bock-Ge⸗ näldesammlung gegen Feuer und Diebstahl werden 948 Mk. ür die Jahre 19151920 bewilligt. Dem Ausschuß für nilitärische Ausbildung der Jugend beantragt der Finanz⸗ zusschuß einen Zuschuß von 500 Mk. zu bewilligen zur An⸗ schaffung von Uebungskleidung. Vetters wendet sich egen Bewilligung dieser Summe. Diese Dinge arteten in Sport und Spielerei aus, mit Recht hätten sich auch beachtens verte Stimmen aus militärischen Kreisen abfällig darüber geäußert. Jetzt wolle man Uniformen anschaffen, nicht lange verde es dauern, werden Pickelhauben für die Jungen ver⸗ angt werden, schließlich Flinten, Bagagewagen usw. Er ürchte, daß diese Dinge nachteilig auf die Erziehung der Jugend einwirken werde. Jetzt, wo die Stadt riesige Aus⸗ zjaben habe, solle man das Geld nicht so unnütz ausgeben. Zlank hält die Ausgabe auch nicht für nötig. Bisher sei s ohne Uniform gegangen, es werde auch noch weiter ohne olche gehen. Petri ist für Bewilligung. Dr. Ebel tritt ür Bewilligung ein, weil soziale Momente dafür sprächen. Dem ärmeren Jungen müsse die Möglichkeit gegeben werden, m gleichen Kleide als die anderen zu erscheinen. In der Schweiz sei die Uniformierung viel eiter durchgeführt.

Winn hält die Zeit für Bewilligung des Zuschusses nicht ür geeignet. Der Oberbürgermeister erklärt, daß

s sich nicht um Uniformierung handele. Der Zuschuß wird gegen 3 Stimmen bewilligt.

Den 1 Uhr⸗Ladenschluß am Sonntag in Gießen inzuführen, wird von mehreren Organisationen beantragt. Andere hessische Städte haben früheren Ladenschluß als Hießen. Die Handelskammer hat sich gegen den 1 Uhr⸗Schluß ausgesprochen; mehrereVersammlungen vonGeschäftsinhabern rklärten sich für den Schluß um 2 Uhr. Die Ausschüsse haben n der Mehrheit für die Beibehaltung des 3 Uhr-Schlusses gestimmt. Dr. Ebel tritt für den Schluß um 2 Uhr ein, benso Huhn, Plank und Vetters. Löber und Zetri sind für den bisherigen Schluß. Gegen drei Stim⸗ nen wird beschlossen, den 2 Uhr⸗Schluß einzuführen. Be⸗ glich der Weiterversicherung der als Hilfskräfte ingestellten städtischen Arbeiter bei der Ortskranken⸗ zaasse wird nach Vorschlag des Ausschusses beschlossen, die enigen weiter zu versichern, welche seit einem Jahre im Dienste der Stadt stehen und wenn sie außerhalb wohnen, seit Rriegsbeginn. 0

Am Schluß der Tagesordnung regt Vetters an, doch er Schaffung einer gut wirkenden Schutzvorrichtung an den Straßenbahnwagen Interesse zuzuwenden und ittet den Oberbürgermeister unter Hinweis auf die beiden ädlichen Unfälle in einer Woche, diese Frage mit dem Direk⸗ or des Elektrizitätswerkes zu erörtern. Der Oberbürger⸗ eister meint, dieses Problem beschäftige technische Kreise hon lange, es lasse sich aber schwer etwas brauchbares finden. s müßten aber auch die Eltern gemahnt werden, die Kinder or den Gefahren der Straße zu warnen und besser zu beauf⸗ chtigen. Prof. Sommer will später mal eingehender ber die Frage sprechen. 5

Dr. Ebel macht Mitteilung darüber, welche An rengungen der Lebensmittel⸗Ausschuß gemacht hat, um Milch und Butter für die Einwohnerschaft der Stadt herein⸗ zubekommen. Darauf schließt die öffentliche Sitzung.

Witwen und Waisen von Kriegsteilnehmern haben Anspruch auf Hinterbliebenen⸗Fürsorge nach der Reichs⸗Ver⸗ sscherungs⸗Ordnung, sofern der Verstorbene zurzeit seines Fodes die Wartezeit für die Invalidenrente(200 resp. 500 Beitragswochen) erfüllt und die Anwartschaft aufrecht er⸗ alten hat. Der Anspruch verfällt, wenn er nicht innerhalb ines Jahres nach dem Tode des Versicherten angebracht ist; r ist bei den Versicherungsämtern geltend zu machen, in deren Bezirk der Verstorbene zuletzt gewohnt hat ode bee 1 schäftigt war. Nicht allgemein bekannt ist es, daß nach l 1265 der Reichs⸗Versicherungs⸗Ordnung die gesetzlichen beistungen auch dann gewährt werden, wenn der Versicherte Lerschollen ist. Er gilt im Sinne des genannten Gesetzes als berschollen, wenn während eines Jahres keine glaubhaften Nachrichten von ihm eingegangen sind, und die Umstände inen Tod wahrscheinlich machen. Es leuchtet ohne bene ein, daß dieser Fall in der gegenwärtigen Kriegszeit sehr ufig vorkommen wird, und daß diese gesetzlichen Ber Fimmungen von großer Wichtigkeit für die Angehörigen der

gegen Invalidität versicherten Krieger sind. Die Bezirks⸗ ausschüsse zur Ermittlung Vermißter sind bereit, im Interesse der Angehörigen Bescheinigungen auszustellen, daß die von ihnen angestellten sorgfältigen Ermittlungen ohne Erfolg ge blieben sind, und die Angehörigen, welche die Hilfe der Be zirksausschüsse in Anspruch genommen haben, können sich dieser Bescheinigungen zum Nachweis für die Verschollenheit der Kriegsteilnehmer bei Stellung ihrer Anträge an die Ver sicherungsämter bedienen. Da nach 8 1253 der Reichs-Ver⸗ sicherungs⸗Ordnung länger als auf ein Jahr rückwärts vom Eingang des Antrages gerechnet, keine Rente gezahlt wird, so empfiehlt es sich, nicht ein volles Jahr nach Empfang der letzten Nachricht von dem Kriegsteilnehmer zu warten, son dern die Ansprüche bei dem Versicherungsamt möglichst schon nach Ablauf von 910 Monaten seit Eingang der letzten Nachricht geltend zu machen.

Aufgefundene Leiche. Am Samstag früh wurde im Anneröder Walde eine nur mit Hemd und Unterhose beklei⸗ dete männliche Leiche aufgefunden. Wie wir hören, soll es sich um einen entwichenen Pflegling der Irrenanstalt han⸗ deln, der vermutlich Selbstmord verübt hat. Näheres muß die Untersuchung ergeben. Ferner wurde im Damen Toiletteraum des Bahnhofes die Leiche eines mehrere Tage alten Kindes gefunden. Wie die kleine Leiche dorthin ge kommen ist, konnte noch nicht ermittelt werden.

Kein Brot. In Kleinlinden war dieser Tage empfindlicher Brotmangel eingetreten, weil von den noch vorhandenen zwei Bäckern der eine einberufen wurde und deshalb seinen Betrieb schloß. Mit der dadurch eingetretenen Kalamität hatte sich der Gemeinderat zu beschäftigen und dieser beschloß, vom Gießener Konsum verein Brot zu beziehen, was nach Verständigung mit dem Konsumverein ermöglicht wurde. f

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Unteroffizier Sans Höpfner aus Gießen, Res.-Inf. Regt. Nr. 81. Gefreiter Willi Horn aus Gießen, Inf.-Regt. 116.

Wehrmann August Wagner aus Gießen. Musketier Otto Wacker aus Wieseck, Inf.-Regt. 254. Musketier

Ernst Heilmann aus Gießen, Inf.⸗Regt. 88. Wehr⸗ mann Edmund Helbing aus Heuchelheim, Inf-Regt. 14. Musketier Ludwig Häuser aus Watzenborn-Steinberg, Inf.⸗Regt. 118. Reservist Karl Bellof aus Rödgen, Inf.⸗Regt. 118. Wehrmann Ludwig Jung aus Staufen⸗ berg, Inf.⸗Regt. 253. Reservist Ludwig Schäfer aus Reiskirchen, Inf.⸗Regt. 87. Musketier Karl Luckhardt aus Salzböden, Inf.⸗Regt. 17. Wehrmann Wilh. Allen⸗ dörfer aus Lützellinden. Musketier Heinrich Schaub aus Wetzlar, Inf-Regt. 88. Wehrmann Friedrich Becker aus Wetzlar, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116. Landsturmmann Ludwig Weimer aus Naunheim, Inf.-Regt. 40 Grena⸗ dier Fritz Kottmann aus Wetzlar, 2. Garde-Regt. z. F. Reservist Reinhard Zimmer aus Wetzlar, Wehrmann Heinrich Hagner aus Oberbiel, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116. Musketier Anton Dörr aus Niederlemp, Inf.⸗Regt. 223. Musketier Wilhelm Kunz aus Werdorf, Inf.-Regt. 21.

Zuckerprofite. Nichts vermag die Zuckerpolitik der Re⸗ gierung besser zu beleuchten als folgende Talsache: Die Aktiengesell⸗ schaft Zuckerfabrik Schroda steigert ihre Dividende von 24 auf 40 Prozent. Der Reingewinn der Gesellschaft stieg von 306 800 auf 509 000 Mk. Bekanntlich gibt es für Zucker nicht Höchst⸗, sondern Mindestpreise. Noch vor kurzem hat die Regierung den Preis für Rohzucker für 1915/16 wieder erhöht. Die Gewinne, die von den Zuckerfabriken im Jahre 1914/15 gemacht wurden, waren der Regierung offenbar noch zu niedrig. Jetzt können die Aktionäre dank der Fürsorge der Regierung für das nächste Jahr noch eine höhere Dividende erwarten!

Die Verwaltung der Zuckerfabrik ist natürlich über das Er⸗ gebnis höchst erfreut; sie schreibt sogar in ihrem Bericht:

Den Dank, den wir unserem Vaterlande für den Schutz, den es uns gewährt, schulden, wollen wir zum Ausdrucke bringen und werden der Generalversammlung einen dementsprechenden Antrag einreichen.

Auf diesenDank kann man wirklich neugierig sein. Es ist e daß die Gesellschaft vorläufig noch so schamhaft darüber schweigt. N

Ein Wirts⸗Zubiläum. Heute begeht Herr Gastwirt Max Jaskowsky sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Am 18. Oktober 1890 übernahm er die WirtschaftZu den 12 Aposteln und später dasHotel Einhorn. Als tüchtiger und strebsamer Gastwirt hat er sich in den Kreisen seiner Gäste stets Anerkennung und Wert⸗ schätzung zu verschaffen gewußt. Lebhafte Tätigkeit hat er im Gießener Gastwirteverein entwickelt, dessen Vorstand er seit mehr als 20 Jahren angehört, seit 1906 als Vorsitzender. Unsern Glück⸗ wunsch zum heutigen Tage!

Unser Stadttheater eröffnete Freitag abend die Spielzeit mit dem Drama UhlandsHerzog Ernst von Schwaben. Das Haus wies eine verhältnismäßig gute Besetzung auf, verhältnismäßig in Rücksicht auf das Stück, das keineswegs geeignet ist, große Zugkraft auszuüben. Es spielt ingrauer Vorzeit im 11. Jahrhundert und hat fürstliche Erbschaftsstreitigkeiten und daraus entstehende Fehden zum Gegenstande. Im Vordergrunde steht Herzog Ernst, der sich, weil er sich benachteiligt glaubt, gegen seinen Stiefvater, den Kaiser Konrad II. empört und deshalb von diesem in Reichsacht erklärt wird. Als Geächteter nimmt er aufs Neue, unterstützt von seinem Freunde Werner von Kiburg, den Kampf für sein Recht auf, unterliegt aber mit diesen in einer entscheidenden Schlacht. Uhland hat seinen Helden in prächtigen Versen verherrlicht, doch die Hörer werden nicht gepackt, das Drama erzielt keine Bühsenwirkung. Direktor Steingoetter leitete die Aufführung und hat sich mit der Einstudierung zweifellos große Mühe gegeben, auch die Mitwirken⸗ den boten gute Leistungen. Hervorzuheben ist Ferd. Steinhofer in der Titelrolle, ferner Walter Dworkowski, der den Kaiser mit Würde und Hoheit auszustatten wußte. Als neue Mitglieder des Stadttheaters wirkten mit: Ernst Theiling als Werner, Arthur Eugens als Bischof Warmann; beide führten sich sehr gut ein. Die treue Hingabe an den geächteten Freund brachte Herr Theiling wirkungsvoll zum Ausdruck. Anna Rubens, ebenfalls eine neue Kraft, gab die Kaiserin Gisela, die die Aechtung ihres Sohnes nicht abwenden kaun und dessen Untergang mit ansehen muß. Die Darstellerin wurde ihrer Aufgabe vollkommen gerecht.

Am gestrigen Sonntage wurde ein neuer SchwankHerr⸗ schaftlicher Diener gesucht gegeben, der von dem zum großen Teil aus Feldgrauen bestehenden Publikum mit heiterem Beifall aufgenommen wurde. Auch auf der Bühne spielte das Feldgraue mit; in die Familie des im Felde befindlichen Oberst⸗ leutnant Falkenthal schleicht sich Fritz Stauffen als Diener ein, der auf die Schwester der Frau Oberstleutnant, Ilse, ein Auge ge⸗ worfen hat. Der Pseudodiener wird auch einberufen und zufällig Bursche bei v. Falkenthal, mit dem er auf Urlaub kommt. Bei dem Wiedererscheinen des früheren Dieners in dem Hause, in dem er als solcher sehr schlecht debütierte, gibts allerhand heitere Szenen, schließlich erobert er aber die Ilse, die dabet möglichst wenig Schwierigkeiten macht. Ferdinand Steinhofer fand sich mit

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der Rolle des Stauffen, die ja eigentlich nicht in sein Fach ein⸗ schlägt, recht gut ab. Seine Partnerin, Else Burghoff, spielte trefflich die frische, übermütige Ilse; R. Goll als alter Baron, Anton Eugens alsrichtiger, aber stotternder Diener, Else Jüngling als berlinerisches Dienstmädchen exxegten lebhafte Heiterkeit, was ja der alleinige Zweck des neuen Produkts zweier Lustspielfabrikanten sein soll.

Gegen die Lohndrückerei bei Militärarbeiten hat das Bellei⸗ dungsamt des 6. Armeekorps in Breslau energische Vorkehrun⸗ gen getroffen. Es verpflichtet alle Unternehmer in einem scharfen Vertrag, den es der Volkswacht zur Veröffentlichung übergab, den Heimarbeitern in jedem Falle 75 Prozent, den Werkstattarbeitern 65 Prozent der vom Bekleidungsamt gezahlten Preise zu gewähren und das Garn zum eigenen Einkaufspreise abzugeben. Die Unter⸗ nehmer und Geschäftsinhaber dürfen keinen Angestellten des Be⸗ kleidungsamtes(nebst Angehörigen) Geschenke oder Vorteile zu⸗ wenden oder siefreihalten. Was aber besonders wichtig ist, das ist die Bestimmung, daß auch durch Weitergabe der Arbeiten an Zwischenmeister, Unterarbeitgeber usw. der Prozentsatz des Lohnes nicht sinken darf. Die Nichtbeachtung der Vertragsbedingungen hat die sofortige Entziehung der Arbeit zur Folge und da mam den Be⸗ dingungen eine gewisse rückwirkende Kraft gegeben hat, konnten viele Heimarbeiter ihren Lohndrückern noch nachträglich mit Hilfe des Gewerbegerichts einen Teil des durch unsittliche Manipulationen eingeheimsten Profits wieder abnehmen. Gerade in der jetzigen schweren Zeit haben die Bestimmungen große Zustimmung in den Arbeiterschichten gefunden. l

Von Nah und Fern.

Ein verurteilter Steuerdrückeberger. Die Mannheimer Strafkammer sprach in dem Prozeß wegen Steuerhinterziehung gegen die Firma J. Siegle& Co, Schuhfabrik in Kornwestheim bei Stuttgart, in dem vor acht Tagen die Hauptverhandlung stattfand, jetzt das Urteil. Der Teilhaber der Firma, Max Levi, wurde wegen Vergehens gegen die Steuergesetzgebung in 1m Fällen zu einer Gesamtgeldstrafe von 99 860.20 Mk. und zur Zahlung des Wertersatzes in Höhe von 58 203.60 Mk., im Nichtvermögensfalle zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt.

Hochwasser im Osten.

In den Flußgebieten der Oder und Elbe herrscht in den letzten Tagen Hochwasser. Oberhalb Breslaus hat sich ein großer See ge⸗ bildet. Im Eulengebirge ist der Verkehr überall unterbunden. Häuser und Fabriken sind eingestürzt. Dammbrüche konnten nur mit größter Mühe verhindert werden. Der Schaden an Feld⸗ früchten ist bedeutend. Die Neiße gleicht einem See. Die Elbe hat ihre Ufer im nördlichen Sachsen und der Magdebur Gegend auf weite Strecken hin überflutet. Eine Merkwürdigkeit: dort Hochwasser, während es in unserer Gegend seit Wochen nur wenig geregnet hat. ö 0

Telegramme. 8 Tagesberichtedeß Großen Sauptzuartiers.

Deutsche Erfolge in der Champagne und den Vogesen. Alle russischen Anstürme vergeblich. Fortschreitender Durchbruch durch Serbien. W. B. Großes Hauptquartier, 16. Okt., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz,

Ein feindlicher Angriff gegen die Stellungen nordöstlich von Vermelles wurde abgeschlagen. f

In der Champagne blieben bei der Säuberung des Franzoseunestes östlich Auberive nach erfolglosem feind⸗ lichen Gegenangriff im ganzen 11 Offiziere, 600 Mann, 3 Maschinengewehre und 1 Minenwerfer in den Händen der Sachsen. Kleinere Teilangriffe gegen unsere Stellung nord⸗ westlich von Souain und nördlich von Le Mesnil, wo⸗ bei der Feind ausgiebig Gebrauch von Gasgranaten machte, scheiterten. f

Ein Versuch der Franzosen, die ihm am 8. Oktober ent⸗ rissenen Stellungen südlich von Laintrey zurückzunehmen, deren Wiedereroberung sie am 10. Oktober 4 Uhr nachmittags schon amtlich meldeten, mißglückte gänzlich. Mit erheblichen Verlusten, darunter 3 Offiziere, 40 Mann an Gefaugenen, wurden sie abgewiesen.

Ein Angriff zur Verbesserung unserer Stellungen auf dem Hartmannsweiler Kopf hatte vollen Erfolg. Neben großen blutigen Verlusten büßte der Feind 5 Offiziere, 226 Mann als Gefangene ein und verlor 1 Revolverkanone, 6 Maschinengewehre und 3 Minenwerfer. Feindliche Augriffe am Schratzmännle wurden vereitelt.

Oestlicher Kriegsschauplatz. ö Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg..

Ein russischer Vorstoß westlich von Dünaburg scheiterte. Nordöstlich von Wesselowo wurden zwei An⸗ griffe durch unser Artilleriefeuer im Keime erstickt. Am Nachmittag und in der Nacht in dieser Gegend erneut unter⸗ nommene Angriffe wurden abgeschlagen. Wir nahmen hier⸗ bei 1 Offizier, 444 Mann gefangen und erbeuteten 1 Ma⸗ schinengewehr.

Auch nordöstlich und nördlich von Smorgon griffen die Russen mehrfach an. Sie wurden überall zurückgeworfen. Heeresgruppen Prinz Leopold von Bayern

und von Linsingen.

Nichts Neues.

Balkankriegsschauplatz.

Die Armeen der Heeresgruppe Mackensen sind terem Fortschreiten. Südlich von Semendria Vranowo⸗Berg, östlich von Pozarevac, Smoljinac erstürmt. 9

Bulgarische Truppen erzwangen nach Kampf an vielen Stellen zwischen Negotin und Strumica den Ueber⸗ gang über die Grenzkämme. Die Ostforts von Zajecar sind genommen. Oberste Heeresleitung.

in wei⸗ ist der der Ort

* Der Uebergang über den unteren Timok erzwungen.

Ein Geheimbefehl Joffres zur letzten Offensive. W. B. Großes Hauptquartier, 17. Okt., vorm.(Amtlich.)] Westlicher Kriegsschauplatz,. Feindliche Handgranatenangriffe in Gegend von Ver⸗

melles und Roclincourt waren erfolglos.