Ausgabe 
16.10.1915
 
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mich sehen! rief Friedrich erschrocken aus.

Rumäniens Schicksalsstunde. Der Berliner Lokalanzeiger veröffentlicht einen an⸗ scheinend offiziös beeinflußten Artikel, der sich mit der Haltung Rumäniens befaßt. Nach einem Hinweis auf die

Absichten Rußlands, durch die rumänische Dobrudscha nach

Serbien zu ziehen, führt der Artikel aus: Das Beispiel Griechenlands nachahmen und unter völker⸗ rechtlichem Protest den Durchmarsch gewähren zu lassen, würde

n Zentralmächten nicht gleichgültig sein können. Es wird also wählen müssen und zwar rasch und

ohne Zögern. Ob für Rumänien nach einer oder der an⸗ deren Richtung schon durch bindende Verträge die Eventualität des russischen Einmarsches vorgesehen ist, ist uns unbekannt. Wohin aber die rumänischen Interessen weisen, das liegt so klar zutage, daß ein Zögern eigentlich nicht einen Augenblick denkbar erscheint. Auf Bulgarien konzentriert sich zurzeit das ganze Schwergewicht des russischen Zornes. Bulgarien, das es gewagt hat, die unheilvolle Seifenblase des Panslawismus zum Platzen zu bringen, muß vernichtet werden, vom Erdboden verschwinden, zwischen Serbien und Rußland geteilt werden. Dieser eine Ge danke drängt heute in Rußland alle anderen in den Hintergrund. Um aber Bulgarien zu besiegen und besitzen zu können, muß auch das Zwischenland russisch werden, sei es mit Gilte oder mit Ge⸗ walt. Der Sieg Rußlands bedeutet, so wie heute die Dinge liegen, mehr als je zuvor die Vernichtung der rumäni⸗ schen Selbständigkeit. Wahrscheinlich ist das den rumän⸗ nischen Staatslenkern klar genug, sollte das aber nicht der Fall sein, sollten sie wirklich anstatt um jeden Preis die rumänische Unabhängigkeit zu wahren, dem russischen Phantom zuliebe ihre aufstrebende Industrie und ihre blühenden Fluren den Schrecken des Krieges preisgeben wollen, so würde das rumänische Volk zu denen gehören, die die Vorsehung mit Blindheit geschlagen und dem Untergang geweiht hat.

Griechenland gegen Italien.

In Budapest eingetroffene Meldungen aus Athen besagen: Die griechische Regierung verlangte wiederholt von der italieni schen Regierung die Abbeförderung der italienischen Truppen von 25 Dodekanesos und die Einstellung der Besetzung der zwölf

nseln.

Die griechische Regierung erklärte, sich nicht darein fügen zu können, daß griechisches Gebiet unter dem äußeren Schein der Freundschaft verstimmelt werde. Sie würde mit Bedauern zur Kenntnis nehmen, wenn in ihrem Bestreben, die Unverletzbarkeit des Landes zu wahren, sie zur Anwendung von Mitteln greifen müßte, die sonst unter Staaten, die mit einander in freundschaft lichem Verhältnisse stehen, nicht üblich seien.

Der Seekrieg.

T. U. Athen, 14. Okt. Auf funkentelegraphischem Not signal des englischen DampfersAjax von 7040 Register tonnen, in Richtung westlich Kreta, lief ein griechischer Kreuzer am 10. Oktober zur Hilfeleistung aus, der aber den Dampfer nicht mehr vorfand. Es ist anzunehmen, daß der Dampfer gesunken ist.

T. U. Amsterdam, 14. Okt. Die Morningpost meldet, daß der schwedische DampferNorbotten, 8011 Tonnen, mit einer Ladung Eisen von Narvik nach Philadelphia unterwegs, mit der gesamten Besatzung vun 42 Mann an der kanadischen Küste gesunken ist. 5

Die innere Lage Rußlands.

Petersburg, 14. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die rechts⸗ stehende Presse ist sehr gereizt darüber, daß ihr die liberale Presse vorwirft, ste drängte zu einem Sonderfrieden. Njetsch stellt diesen Aeußerungen die folgenden Ausführungen der Zeitung Semsch tschina entgegen: Wenn anan nach den Wünschen des liberalen Blocks das Kabinett verändern wollte, wären alle Opfer umsonst

ebracht. Es wäre dann nicht der Mühe wert, den Krieg überhaupt ortzusetzen. Rjetsch meint, die Reaktionären hätten damit ganz offen gesagt: Entweder Erhaltung des bisherigen Ministeriums oder Einstellung des zwecklosen Kampfes. Rjetsch bezeichnet dies als einen Staatsverrat. Die ganze liberale Presse befürchtet, daß in reaktionären Kreisen tatsächlich verräterische Pläne eines Sonderfriedens erörtert werden.

Die furchtbare Kette.

Eine furchtbare Kette, die Frankreich am Halse hänge, nennt das Berner Tagblatt das Londoner Ab kommen, das die Franzosen hindere, mit Deutschland Frieden zu machen, nachdem sie die Unmöglichkeit einsähen, Deutschland zu besiegen. England, das auf seiner Insel noch kein Bedürfnis nach Frieden habe, hätte es nun in der Hand,

den Todeskampf Frankreichs nach Belieben in die Länge zu ziehen. Wie das Blatt hört, wäre die Geschichte des Abschlusses dieses Vertrages folgende: Nach dem ersten Vorstürmen Deutschlands erkannte der damalige Kriegs- minister Messimy, daß Frankreich einer Niederlage entgegen⸗ gehe, und war deshalb dafür, rasch Frieden zu machen. Er hatte schon halb und halb den Präsidenten für seine Idee ge⸗ wonnen. Da war es Delcassé, der rasch mit England und Rußland jenen bösen Vertrag abschloß. Während im Mini⸗ sterium darüber hin und her verhandelt wurde, ließ Delcassé den Vertrag durch die Presse verbreiten, und die Regierung war gebunden. Nun drückt er als schwere Kette Frankreich zu Boden, dessen Regierung Männer enthält, die sehr wohl einsehen, daß es im Interesse ihres Landes läge, sich mit Deutschland zu verständigen. Anmeldung des in Deutschland befindlichen feindlichen Vermögens.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Verordnung des Bundesrats über die Anmeldung des in Deutschland befindlichen Vermögens der Angehörigen feindlicher Staaten. Zweck der Ver⸗ ordnung ist, eine Uebersicht über die Höhe dieser Vermögens⸗ bestände zu gewinnen, zu denen auch die Forderungen gehören, die Angehörige feindlicher Staaten an deutsche Staatsbürger haben. Vermutlich besteht die Absicht, aus diesen Summen u. a. die ein⸗ wandfrei festgestellten Forderungen zu begleichen, die Deutsche an feindliche Ausländer haben, die wegen der Zahlungsverbote nicht erledigt werden konnten.

Die Situation Serbiens.

Ein Vertreter des Pariser Journal meldet aus Nisch: Der Zustand an der serbischen Front wird von Tag zu Tag kritischer. Die Deutschen führen nicht allein riesige Massen Artillerie mit sich, sondern sie erhalten Verstärkungen auf Verstärkungen. In Kreisen der Regierung wird erklärt, daß die Oesterreicher und Deutschen über die Leichen von 500 000 Mann gehen müßten. Aber wenn die Verstärkungen der Entente zur rechten Zeit kämen, so sei das serbische Ober⸗ kommando des Sieges sicher. Serbien habe die Zusicherung der griechischen Regierung erhalten, daß diese alles tun werde, um die Ausschiff und Zusendung der Truppen nach Serbien

zu fördern.(2) Die Mazedonier für Bulgarien.

Die Zahl der Mazedonier, die sich freiwillig zum Eintritt in das bulgarische Heer gemeldet haben, beläuft sich, so heißt es, auf 90000 Mann. Man hatte im günstigsten Falle mit 30 000 gerechnet.

Befestigung der bulgarischen Schwar:⸗Meerhäfen.

T. U. Stockholm, 15. Okt. Die Birchemija Wjedomosti erfährt aus zuverlässiger Quelle aus Sewastopol, daß die bulgarischen 5 Meer-Häfen Warna und Burgas eifrig und eilig be⸗ festigt werden. Die Einfahrt in den Hafen sei allen Schiffen ver boten, den Einwohnern strengstens untersagt, abends Licht zu

machen. Der türkische Tagesbericht.

Konstantinopel, 14. Okt.(W. T. B.) Das Hauptquartier berichtet: Ein Teil unserer Flotte hat vor einigen Tagen vor Sebastopol die russischen DampferCadia undAhestron versenkt; ersterer hatte eine Zuckerladung an Bord, der letztere Butter. An der Dardanellenfront bei Anaforta beschädigte unser Feuer am 13. Oktober ein feindliches Flugzeug, das öst⸗ lich Tuzlagöl niederstürzte und schließlich von unserer Artillerie vernichtet wurde. Bei Ari Burnu eröffnete der Feind ein zeitweise aussetzendes und wirkungsloses Feuer gegen alle unsere Stellungen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zwang unsere Artillerie ein feindliches Torpedoboot, das unseren linken Flügel von der Höhe von Kerevisdere zu beschießen versuchte, aus der Meerenge zu fliehen. An den anderen Fronten hat sich nichts verändert. 0

Englische Repressalien.

Wie der Hamburger Korrespondent meldet, soll England das mit der früheren griechischen Regierung getroffene Ab⸗ kommen auf freie Tabak⸗ und Rosinenver⸗ schiffung nunmehr plötzlich für ungültig erklärt

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haben. Diese Meldung wird in griechischen Han als ein bezeichnendes Symptom für die Verschä f englisch⸗griechischen Beziehungen angesehen.

Die englische Regierung hat nach versch

iedenen Mo blättern bereits alle Vorbereitungen zur Internierung in England lebenden Bulgaren getroffen. 3

Die allgemeine Wehrpflicht in England. T. U. Christiania, 15. Okt. In der vorgestrigen Kammer sitzung verlangten Lloyd George, Churchill, Bonar Law 1 Carson, wie Daily News bestätigt, die sofortige Annahme der allgemeinen Wehrpflicht. Falls die übrigen Kabinettsmit⸗ glieder den Kabinettsvorschlag nicht unbedingt unterstützen würden, drohen Lloyd George und die drei anderen Minist mit dem Rücktritt, wenn auch nicht sofort. In den Kabinet sitzungen würden die Minister die Forderung wiederholen. Die Cholera in Deutschland? Berlin, 15. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die von er lischen Zeitungen gebrachte Meldung, daß in Liel eine ernstl Choleracpidemie ausgebrochen sei und daß die Fälle schwerer seien, ist eine starke Uebertreibung. Von einer Choleraepidemi in Kiel kann gar keine Rede sein. Tatsächlich sind nur drei v einzelte Fälle vorgekommen, die auf Einschleppung von dem öst⸗ lichen Kriegsschauplatz zurückzuführen sind, in einer und derselben Familie unter der Zivilbevölkerung. Für strenge Isolierung betreffenden Familie ist Sorge getragen. N Zur Torpedlerung des Lübecker ampfersJulea⸗ T. U. Lübeck, 15. Okt. Der Lübecker ErzdampferJuleg, 3 Tonnen groß, der von einem englischen Unterseeboot torpediert versenkt sein' sollte, ist tatsächlich unbeschädigt bei dem Gjed Feuerschiff auf Strand getrieben worden. Auf Anruf des e lischen Unterseebootes hatte die Maunschaft den Dampfer verlag Das abgefeuerte Torpedo ging an dem Dampfer vorbei. enalische Unterseebsot entfernte sich sofort nach dem Abseuern

Schusses. Bergungsdampser bemühen sich bisher vergebens, Julea abzubringen. Die Besatzung ging wieder an Bord Dampfers.

Nriegsuslizen. 3

Die Slabtverordneten in Brezzau wählten den Valkswach, Redakteur, Stadtverordneten Neukirch, dessen beide Söhne als Kricgsfreiwillige gefallen sind, einstimmig bei 7 wei Stimmzetten zum ersten sozialistischen unbesold Stadtrat Breslaus.

Noch der Breslauer Zig. wurde von Breslau, Oppela, Thorn, Graudenz. Danzi liche Handelsstelle ündet co Zel der Einfuhr deutscher Erzeugnisse dein bese ten Gebiet und umgekehrt, sowie zur leichteren Eintreibung Außenständen daselbst. Beabsichtigt ist die Einrichtung von turen in den sechs größten Städten Russisch⸗Polons.

Gegen den Zeichner Adolf Aden a und sechs Genus Aultlage wegen Verbreitung des FluablattesDer Ha ch im eigenen Land erhoben worden. Die Aullage lautet auf A u reigzung zu Gewalttätigkeiten. Die sünf mäun Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft, die b weiblichen Angeklagten wurden auf srejem Fuß belassen, we Kinder zun stillen haben. Das Versahren gegen den E nossen Pieck, der zum Militär eingezogen ist, wurde cingestellt.

Die württembergischen Gemeindewahlen, normalerweise im Dezember vorzunehmen wären, werden in d meisten Gemeinden des Landes in Rücksicht auf den Krieg wie vorigen, so auch in diesem Jahr verschoben werden. ministerieller Erlaß erteilt den Gemeinden die Ermächligung Verschiebung.. 7 5

Es wird ein Gesetz in Konstantinopel vorbereitet,

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durch die Wegnahme von beweglichen und unbeweglitz Gütern der feindlichen Staats angehörigen

Schaffung eines Betrages ermöglichen soll aus dem Bewohne Türkei zu entschädigen sind, für Verluste bei den

völlerrechtswidrigen Veschießungen durch die feindlichen Fh ö Jef Kenpferg. Self

die beste Lilienmilch- Jef

von Bergmann* Co., Radebeul, für zarte weiße Haut und

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Pulver und Gold.

Roman aus dem Kriege 18701871. 18 Von Levin Schücking.

Ah... Sie sind doch nicht verwundet? Lassen Sie

Ich lauschte, bevor ich stehen blieb; es war nicht das mindeste Geräusch mehr zu hören... nur ganz in der Ferne das Bellen des Hundes noch und unter uns das Rauschen des Flüßchens. Wir konnten ruhig innehalten und uns die Zeit gönnen, meinen Arm zu untersuchen. 5

Die Entfernung meiner Kleider bereitete mir einen doppelt heftigen Schmerz. Friedrich führte Zündhölzchen in der Westentasche; als er ein paar entzündet, nachdem ich das Hemd von der Schulter niedergezogen und langsam vom Oberarm gelöst hatte, entdeckten wir eine Streifschußwunde, die nach allem, was ich fühlte, durchaus nicht tief gehen konnte, aber recht häßlich aussah und schmerzte. Friedrich stürzte fort, um in seiner Mütze Wasser zu holen und mir damit den Oberarm zu waschen; dann diente mein Taschen⸗ tuch zum Verband; ich zog die Kleider darüber, Friedrich ließ sich nicht nehmen, aus seinem Taschentuch mir eine Binde zu machen, in welcher ich den linken Arm tragen mußte; den rechten schob er unter den seinen, damit ich mich darauf stützen und von ihm führen lasse... und nun schritten wir aufs neue in die dunkle Nacht hinein.

Friedrich war ein anstelliger und gewandter Mensch, der aber wie eine Million anderer so ziemlich roh und unbeküm⸗ mert in den Tag hineinlebte. Und doch war er plötzlich wie ein Bruder für mich; doch entwickelte er eine Teilnahme, einen Eifer zu helfen, eine Sorge, die mich mit einem Go fühle der Rührung erfüllte. Wie viel Güte, Brüderlichkeit,

aufopfernder Hilfseifer und warme Teilnahme schlummert für uns in den Herzen von Tausenden, nein, von fast allen, von der großen Mehrzahl der Menschen, und ist hier immer und fortwährend vorhanden, wenn dies auch nur sich verrät und erwacht in dem Augenblicke, wo es sich ihnen aufdrängt,

wie sehr wir ihrer bedürfen! Und weil der Krieg tausende solcher Augenblicke schafft, ist er, der roh macht und ver wildert, auch wieder ein großes Apostolat des Gemüts, eine Propaganda der Brüderlichkeit und Menschenliebe, wie es keine nachhaltigere, eindringlichere auf Erden gibt. Ich habe in der Tat nirgendwo mehr Fähigkeit gefunden, weicheren Gemütseindrücken nachzugeben, als unter alten Soldaten!

Wir erreichten das Ende unseres Felsentales und ge langten in das weitere Tal des Oignon. Das kalte Wasser hatte meine Schmerzen gelindert, ich suchte meine Müdigkeit zu vergessen und so gelangten wir weiter; sehr mühsam frei⸗ lich und, je mehr wir uns Chateau Giron nahten, desto weniger rasch; aber wir nahten ihm und wir erreichten es auch glücklich; erleichtert atmete ich auf, als wir, am Anfang der Allee angekommen, ein mattes Licht durch die Fenster meiner Zimmer schimmern sahen.

Glauroth ist auf seinem Posten geblieben! rief ich aus. Gottlob! ich hätte es ihm kaum zugetraut!

Wir erhielten gleich darauf einen weiteren Beweis von Glauroths Diensteifer und Umsicht. Er hatte eine Streif patrouille von zwei Mann nach uns ausgeschickt, die beim Zu rückkommen in der Allee vor dem Schlosse auf uns stieß. Als ich dann mein Zimmer betrat, fand ich Glauroth nichtsdesto weniger in meinem Bette tief in den Armen des Morpheus vorausgesetzt, daß sein entsetzliches Schnarchen nicht den Gott längst veranlaßt, sein Amt irgendeiner unglücklichen Unter⸗ gottheit zu übergeben. Auf dem Nachttisch brannte eine flackernde Lampe; der Chevalier von Faublas lag, von der Decke niedergelitten, auf dem Teppich. Glauroth fuhr, als wir ihn schüttelten, mit dem Gurgeln einer Wasserorgel in die Höhe und behauptete, keinen Augenblick geschlafen zu haben. Ich drückte ihm meine völlige Gläubigkeit in Be⸗ ziehung auf diesen Punkt aus und bat ihn nur, mir sein Lager zu überlassen. Zehn Minuten nachher lag ich mit einem Gefühle tiefer Dankbarkeit für meinen Schöpfer, mich auf den Kissen ausstreckend, hatte Glauroth kurz die Situation erklärt und sandte ihn von dannen, alle Hilfeleistungen ab lehnend. Was mir nottat, was meine Natur gebieterisch er⸗

heischte, war nichts als Ruhe, ungestörte Ruhe, das Heilmittel Schlaf!

Ich fand ihn sehr bald, trotz der Schmerzen, die ich n immer fühlte, diesen heilkräftigen Schlaf, einen Schlaf, so fest und tief, daß der Tag sehr weit vorgerückt sein als ich am andern Morgen erwachte. Es war wohl kaun Morgen mehr, sondern fast Mittag. Es wurde mir schwer, mich zu besinnen, was geschehen, wo ich sei, und ob es ein Traumbild oder wirklich Fräulein Blanche sei, was mir gegen über auf einem Sofa saß, über ein Buch gebückt, und jetzt, wo ich erwachte, sich erhebend, einem Klingelzuge in der Ecke zuschreitend und, nachdem sie diesen gezogen, auf mein Bett zukommend, um sich in den Sessel am Fußende niederzu lassen. 3

Sie sind es? sagte ich verwirrt zu ihr aufschauend.

Wie fühlen Sie sich, fragte sie erregt.Gottlob, daß Sie erwacht sind daß man Sie verbinden kann, ich wollte nicht zugeben, daß man Ihren Schlaf unterbreche, und num, wurde mir doch angst bei diesem langen Schlaf...

Ehe ich meine Gedanken so weit sammeln konnte, um zu antworten wußt ich denn selbst schon, wie ich mich fühlte? trat der Abbs ein, gleich nach ihm Friedrich. Verstatten Sie mir, daß ich Ihre Wunde untersuche,

sagte der Abbe;ich bin ein Stück von einem Arzt, von einem

Wundarzt wenigstens ich hoffe, das Nötige tun zu 1 bis der Hausarzt kommt, der wohl vor morgen, wo er ohne- hin Madame Kühn besucht, nicht anlangen wird er iu 15 1 aus Noroy herüber machen und ist so schwer zu en!* Dabei und während Fräulein Blanche verschwand, machte sich der Abbe, wie mir schien mit ziemlich geschickten Händen, an die Entblößung meiner Wunde von ihrem Notberbande! Friedrich schleppte Wasser und das Verbandzeug, welches 3

im Zimmer bereit lag, herbei ich unterwarf mich schweig der Behandlung. f

(Fortsetzung folgt.) f 5 3

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