Ausgabe 
16.10.1915
 
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misse des Volkes total umgewälzt wurde.

9 ae en, nach dem Urteil von

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Organ für die Interessen des werktätig 5

en Volkes

der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

Die Oberbessische Volksseitung erscheint jeden Werktag Abend in hießen. Der Abonnementspreis beträgt wöchentlich 15 Pfg., monallich 0 Pfg. einschl. Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährl. 1. 80 Mk.

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Nr. 243

Gießen, Samstag, den 16. Oktober 1915

10. Jahrgang

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die komplizierte Maschine.

Von Dr. Paul Lensch.

19 Am kommenden

Am k 5 Montag wird die neugeschaffene Preis⸗ hiifungsstelle im Reichsamt des Innern zu Berlin ihre erste

tzung abhalten. Reichlich spät; denn schon vor 14 Tagen waren d Mitglieder dieser Kommission bestimmt, und man hätte er⸗ wrten dürfen, daß in der jetzigen Zeit, wo in der Lebensmittel- jn ge jeder verlorene Tag eine ernste Gefahr bedeutet, die Be ung dieser Kommission etwas mehr beschleunigt worden wäre.

Immerhin ist sie nun da, und mit ihr ist etwas erreicht, wo⸗ nen sich der Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, noch

der Reichstagssitzung vom 21. August dieses Jahres mit aller rgie wehrte. In der erweiterten Budget⸗Kommission war da 118 eine Art Nahrungsmittelamt verlangt worden, dem auch tglieder des Reichste angehören sollten, um dem Parlament en stärkeren Einfluß auf die Regierungsmaßregeln in der ensmittelfrage zu geben, Wünsche und Beschwerden schueller der gierung zur Kenntnis zu bringen und deren Maßregeln besser Furtrollieren zu können. Hiergegen wandte sich Dr. Delbrück in er Linie aus praktischen Gesichtspunkten.Die Maschine des ütschen Reiches, führte er damals im Plennnist mehr . kompliziert. Wenn nun noch eine Kommission eingesetzt würde, ii bei der Vorberatung oder Durchführung dieser Maßregeln mit⸗ wirken hätte, so würde das Ergebnis sein, daß nach meiner ätzung bei jeder einzelnen Verordnung ein weiterer Zeitver von 14 Tagen bis 3 Wochen entstehen würde. Wenn von den Irwürfen, die im- Laufe des Krieges gegen die Regierung und Aäne Geschäftsführung erhoben worden sind, einer objektiv richtig il dann ist es der, daß wir mit solchen Maßregeln zu spät ge⸗ 2 men find spätkommen liegt aber nicht an mangeln

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Dieses Zuspätk Entschlußfähigkeit, sondern an der Kompliziertheit des staats⸗

. So damals Dr. Delbrück, der also ganz mig zugab, daß in der neben den militärischen Ereignissen schlecht⸗ Ii entscheienden Frage der Sicherstellung unserer Volksernäh⸗ gung die Regierung oft nicht ctwa bloß spät, oder sehr spät, son⸗ zem zu spät eingegriffen habe. Daß hierfür in der Tat Gründe liegen müssen die nicht in der Schuld der Regierungsvertreter gen Herr Delbrück erblickt sie in der Schuld der staats ten Schwerfälligkeit unserer Reichsverfassung; daß außerdem e Charakter der privatkapitalistischen Gesellschaftsordnung in eher Linie hierfür verantwortlich ist, übersieht er geht schon an hervor, daß bis auf den heutigen Tag an demzu spät nmen der Regierung fast nichts geändert ist. Wir stehen vor en zweiten Kriegswinter und die Frage der Lebensmittelver⸗ Jung unseres Volkes ist ernster denn je. An sich ist das nicht verwunderlich. Die Absperrung des zeutschen Volkes dauert jetzt fünfviertel Jahre, und wenn auch der entliche Kerngedanke des englischen Planes, uns direkt aus⸗ An gern zu wollen endgültig gescheitert ist, so ist eben dieser Plan . dadurch zum Scheitern gebracht worden, daß die Ernährungs⸗

Die Brotmarke ist ja erheblich

eptlichen Organismus.

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Mfür das äußere Symbol geworden. Daß sie ganz shechter geworden ist, kann niemand leugnen. Nach Calwers Flechnungen ist der wöchentliche Nahrung⸗mittelaufwand in uche auf 34,37 Mark im Juli 1915 gegenüber 25,05 Mark im irchschnitt der Monate Januar bis Juli 1914, also um etwa 36 Anazent gestiegen, in Berlin um 59 Prozest, in Hamburg um 62 zent, in Dresden sogar um 67 Prozent gestiegen. Der bekannte m- und Sozlalstatistfker Tyska berechnet dit Steigerung, der otten für denselben Lebensunterhalt, der vor dem Kriege 67 Mk. enspruchte, auf 43 Mark. Das heißt: ein solcher Lebensunter⸗ A: würde jetzt 110 Mark beanspruchen. Das ist eine Steigerung 67 Prozent. Daß eine solche Teuerung die furchtbarsten Wir⸗ amen auf alle Klassen der Vevölkerung, die sich von ihrer Arbeit gähren müssen, ausüben muß, bedarf weiter keines Wortes. Jwpei sind die Calwerschen Berechnungen für den Juli angestellt h wischen sind die Teuerungsverhältnisse bekanntlich noch viel mmer geworden. Was mit Recht in weiten Kreisen unseres Vo lagt wird, h ist, daß man anscheinend die Lehren des ersten Kriegssahres wenig in Regierungskreisen zur Richtschnur nimmt. Mit Hilfe i Brotkartensystems ist der Verbrauch von Getreide zur mensch⸗ den Ernährung ganz außerordentlich verringert worden. Wir hen also in diesem Jahre einen beträchtlichen Ueberschuß an dutgetreide. Dasselbe gilt auch für die Kartoffeln. Hier ist die ( te nach allen vorliegenden Schätzungen sogar überreichlich aus zullen. Von einer diesen günstigen Verhältnissen. entsprochenden klisbildung für den Verbraucher ist jedoch bei beiden Artikeln uh wie vor keine Rede. Für Futterzwecke könnten unter diesen Sachkennern, rund 10 Prozent der Schweine der jetzige Zukunft tatkräftig be⸗ hatte man bekanntlich bgeschlachtet, weil die

Volkes beklagt wird,

eigegeben werden, damit durch Aufzucht findliche Mangel an Futter für die pft 0 könnte. Im vorigen 9 7 0 n großen Teil des Schweinebestandes a 0 koliche Bevölkerung 15 die Händlerkreise es verstanden hatten, auh Verheimlichung ihrer Kartoffelvorräte allgemein den 1 5 link zu erwecken, als ob wir einen furchtbaren. Mangel au ear ell hätten. Man hielt die Kartoffeln zurück, um die, Hücssge⸗ bößhstpreise zu ergattern, und erst als die Höchstprelse n 1 15 ezener Einfuhrstockung außer Kraft gesetzt, wurden kamen 80 artoffeln in überraschender Fülle auf den Markt. 95 7 5 1 dige? Die Kactoffeln, die die Bevölkerung im Wigun e ver⸗ Jig hatte, sind zum großen Teil im Frühiahr und Somme 1 0 ul. Und das eingeschlachtete Schweinefleisch. Was it gan daß worden? Teflweise verdorben, teilweise im Preile gelte deisch gur Massenernährung nicht in Frage kommt.: e 1 Fett noch in großen Massen vorhanden sein müssen, ist nicht ssthaft zu bestreiten. Die Inserate in gewissen Zeitungen iechen dafür eine deutliche Sprache.

daß unter

stimmung bei der Regelung der Lebensmittelversorgung zu be⸗ merken war. Man möge sich in den Kreisen der Regierung darüber klar sein,

daß unsere Feinde gerade auf dem Gebiet der Volksernährung ihre

echt⸗

zrieg an

ahmenswertes Muster die Haltung mancher kommandierenden Generäle vorgehalten wird, denen es in ihren Korpsbezirken ge⸗ lungen sei, für mauche Bedarfsartikel erschwingliche Preise durch⸗ zusetzen. Hierbei wird freilich übersehen, daß Maßregeln, die nur das Wohl einer Provinz oder eines Bezirks im Auge haben, leichter durchzusetzen sind, als Maßregeln, die für das ganze Reich berechnet sind. Solche militärischen, kurz entschlossenen Eingriffe können für den betroffenen Bezirk oft ganz gut wirken, aber oft nur dadurch, daß die Mißstände in den benachbarten Bezirken durch sie noch vergrößert werden. Was not tut und unaufschiebbar ist, das sind nicht zersplitterte, sondern allgemein gültige, wirksame und durchgreifende Maßregeln für das ganze Reich. Zu wünschen väre freilich, daß sich die Reichsleitung dabei ein wenig von der Riicksichtslosigkeit gegen die Interessen der niederträchtigen Lebens⸗ mittelwucherer aneignen möge, die in so mancher militärischer Be⸗

Hoffnungen hegen. ihre eins daß

Auf militärischem Gebiete haben sie vielfach 0 gen Erwartungen schon längst begraben. Aber sie hoffen, bie Versorgung unseres Volkes mit Lebeusmitte so große ierigkeiten hervorrufen wird, daß wir aus d Grunde uns unterwerfen müssen. Sie lauschen nur auf dieStimmung, und ihre Spione und Agenten haben in erster Linie die Aufgabe,

festzustellen, ob in weiten Kreisen unseres Volkes Mißstimmung

herrscht. Solche Mißstimmung nicht aufkommen zu lassen, ihr jebe Berechtigung, koste es, was es wolle, zu entziehen, das ist

genau so wichtig, wie die Herstellung von Munition und Verbands⸗ zeug für die Truppen. Nicht alle Schwierigkeiten können über⸗ munden werden, aber ein großer Teil der Beschwerden, die heute erhoben werden, wäre bei größerer Entschlußkraft der Reichs⸗ leitung zu beseitigen. Man handle, solange es noch Zeit ist. * 5 6 Deleasse.

Was wir Burgfrieden nennen, das heißt in Frankreich: union sacrée. Aber schon die vielen Angriffe des von dem alten Clemenccau herausgegebenen Blattes, das infolge der Zensurver⸗ bote den Titel vomfreien Menschen in dengefesselten Menschen wandelte und in der Guerre sociale Hervés auf die Regierung, die ults der offiz Telegraph getreulich übermittelte, haben bewiesen, daß der französische Burgfrieden nicht auf den kräftigsten Beinen steht. Nun hat es auch schon eine stürmische Kammersitzung gegeben, die an den Rücktritt des Ministers des Aeußern, des berühmten Herrn Delcassé auknüpfte. In dieser Sitzung hat ein Bonapartist, Herr Pugliest Conti, Krach gemacht, indem er den streitenden Re⸗ publikanern das Vorbild einer starken autoritären Regierung, worunter die französische Reaktion einen Kaiser pdex König versteht, vor Augen hielt. Es kam sogar soweit, daß die Sitzung unterbrochen und der Saal geräumt wurde, aber der bonapartistische Redner blieb auf der Tribüne, versuchte nach Wiedereröffnung der Sitzung weiter zu reden und trat erst ab, als die Kammer die Anwendung der Zensur, s heißt, die Ausschließung des Deputierten auf eine An⸗ zahl von ungen beschloß, die bei Weigerung durch die militärische Wache der Kammer vollzogen wird.

Dieser Sturm beweist schon, daß der Rücktritt Del⸗ casses ein Zeichen tiefgreifender Meinungsverschiedenheiten in Frankreich ist und daß auch dieses Ereignis selbst als höchst bedeut⸗ sam betrachtet wird. Auch unsere deutsche Presse beschäftigt sich sehr angelegentlich damit. Während die einen in Delcassé einen der Haupturheber des Weltkrieges und das fortwirkende Werkzeug König Eduards VII. von England und seiner antideutschen Politik sehen, wird von anderer Seite hervorgehoben, daß Delcassé wegen seines Widerstandes gegen die Entsendung frauzösischer Truppen nach dem Balkau, nach Saloniki und Serbien, gestürzt ist.

Es ist sehr begreiflich, wenn das französische Volk, dessen Staatsgebiet ein so großer Teil vom Feinde besetzt ist und trotz aller opferreichen Stürme gegen die feindliche Front besetzt bleibt, jede Verminderung der französischen Heeresmacht zugunsten eines anderen und noch so fernliegenden Landes fürchtet und bekämpft. Was lann Serbien dem Franzosen sein! Was kümmert ihn der Balkan! Gerade für Frankreich, das notgedrungen mehr und mehr ltpolitischen Plänen innerlich entsagt hat, sind diese weiten Zu⸗ nenhänge, wie sie sich uns in Deutschland jetzt im Kriege immer aufdrängen, undurchsichtig. Seit Monaten hat man dem französischen Volke immer wieder von dem baldigen Sieg, von dem großen Triumph, mindestens von der Befreiung seines Territori⸗ ums gesprochen. Und nun sollen französische Truppen den Serben helfen, wo sie selbst nicht imstande sind, das eigene Land vom Feinde zu räumen. Zum Sprachrohr dieser Gefühle scheint sich in der Tat Delcasse gemacht zu haben, und so wäre sein Sturz eine Niederlage der lokal⸗französischen Interessen gegen die weltpolitisch⸗englischen.

Wenn in einem Teil der Presse Delcassé als der eigentliche Kriegshetzer und Kriegsmacher hingestellt wird, so heißt das viel⸗ leicht doch, einem einzelnen Manne eine zu große Wirkung zuschrei⸗ ben. Gewiß, Herr Delcasss ist schon 1889 als junger Abgeordneter für das Bündnis mit Rußland eingetreten, er hat in seinen vielen Ministerschaften stets die Stärkung der französischen Wehrmacht gegen Deutschland verlangt und öfter durchgesetzt. Dabei darf nicht unerwähnt bleiben, daß die nationalistische Politik Deleasses un⸗ ausgesetzt und mit größter Schärfe von den französischen So⸗ zialisten bekämpft wurde und daß dieser Kampf einen wesent⸗ lichen Teil des Lebenswerkes unseres unvergeßlichen Jaures darstellt. Andererseits aber soll man nicht vergessen, daß Delcassé als Radikaler nicht mit den zum Kriege treibenden Reaktionären, den Bonapartisten und Royalisten in einen Topf geworfen werden kann. Die Wahrheit über seinen Sturz werden wir baum früher erfahren, als die Wahrheit über die Ursachen und das innere Ge⸗ triebe des Weltkriegs wer weiß, ob jemand von uns die Ent⸗ hüllung dieser Wahrheit erlebt. So kann uns jetzt der Sturz Del⸗

We

Die Entente⸗Truppen in Salonik. Budapest, 14. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Berichk⸗ erstatter des Pester Lloyd meldet aus Salonik: Die Aufnahme, die die Landung der englischen und französischen Truppen bei den griechischen Regierungsbehörden in Salonik gefunden hat, dürfte den Erwartungen des Generals Hamilton kaum entsprochen hahen. Die griechische Regierung hat in Salonik Verfügungen getroffen, die in unverhüllter und unverkennbarer Weise den Zweck haben, zu verhindern, daß die Alliterten Salonik im wahren Sinne des Wortes

befetzen, wie es mit Lemnos und Tenedos der Fall war. Die gricchische Regierung hat angeordnet, daß die Landungstruppen

mit der Stadt nicht näher in Berührung kommen dürfen. Nach der Ausschiffung werden sie in das in der Nähe des Bahnhofs gelegene Hafengebiet gebracht, das gewissermaßen ein Stück territorialen serbischen Bodens ist und dort bis zum Abtransport nach Serbien beisammen gehalten. Um die Engländer und Franzosen in ihrer Bewegungsfreiheit zu beschränken, hat die griechische Regierung unter anderem auch das bisher unter der Verwaltung eines fran⸗ zösischen Direktors stehende Gebäude der Hafengesellschaft für sich in Anspruch genommen. Die Alliierten hatten sich in dem Gebäude

bereits häuslich eingerichtet und waren im Begriff, dort eine n für drahtlose Telegraphie unterzubringen. Ohne die

hische Regierung um Exlaubnis bitten, ergriffen 30 frau⸗ zösisch Militärtelegraphisten von dem Gebäude Besitz. Die griechische Militärverwaltung forderte die Telegraphisten auf, frei⸗ willig abzuziehen und als sie sich weigerten, wurden sie mit Gewalt aus dem Gebäude entfernt. Bekanntlich wurden die Bahnlinien in Neu⸗Griechenland von der griechischen Regierung in eigene Ver⸗ waltung übernommen. In der Tat befinden sich die Linien Salo⸗ nikMonastir, SalonikGewgheli und SalonikOktschilax seit dem 3. Oktober in staatlicher Verwaltung. Die Stadt Salonik selbst hat eine Besatzung von über 35000 Mann bekommen, damit nur⸗ ja alle verfügbaren Räumlichkeiten mit griechischen Truppen belegt werden und die fremden Laudungstruppen in der Stadt selbst keinerlei Unterlunftsmöglichkeit finden.

Englische Drohungen an Griechenland.

London, 14. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die Morning Post dringt darauf, daß Griechenland seinen Anteil an den Balkankämpfen auf sich nehme. Man müsse Griechenland zu verstehen geben, daß es in einer solchen Krise keine Neutrali⸗ tät geben könne, wenn sie auch noch so wohlwollend sei. Für Griechenland gebe es nur zwei Dinge: entweder die Be⸗ stimmungen des Vertrages mit Serbien zu erfüllen oder mit der Entente zu brechen. Was Bulgarien betreffe, so sei, da Bulgarien Serbien angegriffen habe, kein Augenblick zu früh gewesen, daß dem bulgarischen Gesandten in London die Pässe ausgehändigt wurden.

Die Times schreibt: Veniselos habe die Lage mit einem

Es sei noch nicht zu spär

flir Griechenland, zu wählen. Das Blatt hofft, daß die Mehr⸗ heit der Kammer und des Volkes das griechische Kabinett dazu zwingen werde, Hellas vor einem Schaden, der nicht wieder gut zu machen wäre, zu bewahren.

8 Die deutschen U-Boote im Mittelmeer. Athen, 14. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) In den letzten Tagen wurden im Mittelmeer folgende Schiffe durch deutsche Unterseeboote versenkt: 1. Ein englischer Trausportdampfer mit indischen Truppen 40 Seemeilen östlich von Kreta, 2. ein englischer Dampfer mit 6500 Tonnen nach Lemnos bestimmt* Kohlen, bei Kap Matapan und 3. der englische Dampf Apollo aus Malta nach Port Said mit Kohlen und Kriegs⸗ material an Bord 100 Seemeilen von Kreta.

Was wird Rum ien tun?

Die Absicht Rußlands, Bulgarien durch rumänisches Gebiet in die Flanke zu fallen, dürfte kaum ein bloßes Gerücht sein. Ruß⸗ lands wochenlanges Stürmen gegen unsere galizisch-wolhynische Front bleibt ergebnislos, eine Landung an der bulgarischen Schwarzmeerküste, an der nach zensierten Meldungen deutsche U-Boote wachen, könnte bös ausgehen, so bleibt dem Zaren nur der Weg durch die Dobrudscha, will er Serbien zu helfen versuchen.

Nach den gerade in den letzten Tagen häufig wiederholten Bukarester Neutralitätsversicherungen müßte man erwarten, daf Rumänien, deren Volksgenossen in dem ehemals rumänischen Bessarabien echt russisch behandelt werden, sich jeder Verletzung seiner Neutralität kräftig widersetzen werde. Russischen Dank haf es ja 1878 kennen gelernt, als ihm zum Lohn für die ausschlag⸗ gebende Hilfe gegen die heldenhaft kämpfenden Türken Bessarabiey abgenommen wurde.

Was Rumänien tun wird, weiß heute kein gewöhnlicher Sterb licher, und wir wagen nicht zu behaupten, daß es die Diplomaten wissen. Kürzlich aber lasen wir in einem bürgerlichen Berliner Blatt, daß die rumänischen Sozialdemokraten alles tun, um gegen die Hineinziehung Rumäniens in den Krieg zu prote⸗ stieren, der seine Unabhängigkeit bedrohen würde. Sie haben dies in einer Bubarester Protestversammlung erklärt und sie haben die Arbeiter im ganzen Lande aufgefordert, örtliche Antikriegskomiteer zu gründen.

Wird auch Rumänien in den Strudel hineingerissen die So, zialisten können mit Recht die Verantwortung dafür ablehnen Wir sind auch sicher, daß ihre Gegnerschast gegen den Krieg nich,

*

staatsmännischen Blicke beurteilt.

Es klingt sast wie eine Jronie, ist aber Tatsach, dene nach⸗

nigen Umständen der bürgerlichen Verwaltung als

casses nur als eine Episode in der Tragödie Frankreichs erscheinen.

das Gewährenlassen eines russischen Durchmarsches bedeuten soll