Ausgabe 
15.10.1915
 
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Organ für die Interessen des werktätigen Volkes Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.

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Nr. 242

Gießen, Freitag, den 15. Oktober 1915

10. Jahrgang

Des Krieges Höhepunkt.

5 Von Richard Gädke. Noch nie vielleicht im bisherigen Verlauf des Krieges ist der mere Zusammenhang der Ereignisse auf all den verschiedenen kriegsschauplätzen derart in die Erscheinung getreten, wie gegen

ifirtig. Eine Ausnahme macht vielleicht allein Italien, das litisch wie militärisch eine Zeit der Ratlosigkeit durchzumachen beint. Der falschen Politik ist wie in den meisten Fällen eine

glückliche Führung des Krieges gefolgt, und nun scheint bei den ihrenden Männern über die Ziele, die dem Heere zu stecken niren, ein arger Gegensatz zwischen dem wünschenswerten und dem glichen zu bestehen. Kein Zweifel, daß die Sonnino und Sa⸗ ndra Ende April dieses Jahres, als sie ihren Pakt mit dem ibund schlossen, sich den Verlauf des Sommerfeldzuges ganz ders gedacht haben, als er nun gewesen ist. Während Oester⸗ tich⸗Ungarn von Rumäniens und Serbiens Heeren überschwemmt id mit ihrer Hilfe die Karpathenstellungen von Westen und itten gleichzeitig aufgerollt werden sollten, sodaß Italiens Heeren verhältnismäßig leichter Spaziergang durch Dalmatien, Süd⸗ 5 10. Kärnten und Krain anvertraut werden konnte, ist nun die Hiegslage sehr verschieden von diesen überschwänglichen Hoff⸗ ungen; mit Sorgen sieht man die Zeit nahen, wo der stolze Ruf Siegessempre avanti Savoia! sich in ein klägliches:rück⸗ Mrts, rückwärts, Don Rodrigo verwandeln wird. Keine Frage, daß der Einbruch der verbündeten Heere in erbien die Lage auf dem Balkan so gestaltet hat, wie sie den iteressen des Vierperbandes nicht entspricht. Das bezieht sich ächst freilich auf die politischen Verhältnisse. Wir müssen uns en, die bisher erreichten militärischen Erfolge zu über⸗ ritzen. Das ist nur ein Anfang. Daß uns die serbischen Streitkräfte den Uebergang über Save 5 Donau nicht würden verwehren können, war von vornherein, zunehmen. Das ist eine Frage der überlegenen Artillerie und Tchnik. Immerhin haben die Serben in dem zweitägigen sraßenkampf in Belgrad Zeichen ungebrochenen Mutes abgelegt. mr werden dem Hauptwiderstand erst im Innern des Landes be⸗ bmen. Belgrad ist schon einmal in der Hand der Oesterreicher scvesen, deren Heere aber beim weiteren Eindringen zu ausge⸗ bunpt waren, um noch Erfolge zu erreichen. Allerdings waren sie nals hauptsächlich durch das unwegsame Grenzland östlich der una von Bosnien aus und mit Teilen durch die sumpfige hitschwa an den Save⸗ÜUfern eingebrochen. Die Save-Donau⸗ ut von Schabatz bis Gradiste hat eine Länge von 150 Kilometern: gehen aber außerdem österreichisch-ungarische Streitkräfte von . Drina vor und es sind andererseits Artilleriekämpfe bei Or⸗ bia, an der rumänischen Grenze(da, wo die Bahn Bukarest Imesvar-Budapest die Grenze überschreitet) gemeldet worden. Frlangsamend aber wird die Natur des Landes auf das Vor⸗ ngen unserer Heere wirken. Es ist nicht geradezu unwirtlich, tet in Friedenszeiten sogar ziemlich auskömmliche Hilfsmittel; er wir wissen, inwieweit der 15 Monate währende Krieg sie be⸗ les erschöpft hat. Das Gebirge, von dem des Land erfüllt ist, m im Norden nur als Mittelgebirge angesprochen werden; aber tlist vielfach mit ausgedehnten Waldungen bedeckt und zeigt moffe Formen. Der größte Feind für ein großes Heer ist die einge Wegsamkeit des Landes und die spärliche Zahl und eestungsfähigkeit der Bahnen. Bis Kruschevatz(150 Kilometer illich von Belgrad) führen noch zwei Linien, von da bis Nisch um man nur auf eine rechnen. Allerdings zieht von hier eine mere längs der bulgarischen Grenze zur Donau: sie kann benutzt den, sobald der Donauweg von Orsowa an frei(lund zugleich e russischen Sendungen verschlossen) wird. Weiter im Süden n; Südwesten des Landes steigen die Erhebungen dann zun! ae an und werden immer rauher: die Unterkünfte sind cht. Unsere Verkehrstruppen und Pioniere werden wieder reiches Feld der Tätigkeit vorfinden. 5 8 Die starken Angriffe der Franzosen im Westen und der Issen im Osten sind zunächst von dem Bestreben hervorge⸗ en, sich gegenseitig zu helfen. Ein solches Zusammenwirken ge⸗ ant ihnen zum ersten Male. Man soll nicht sagen, daß es ohne aun Erfolg gewesen ist. Das würde zunächst der tatsächlichen 0 ze der Dinge nicht entsprechen, wie sie aus den amtlichen Be⸗ deten des Großen Hauptquartiers hervorgeht, und auch aus den lichten Joffres, soweit sie unwidersprochen geblieben sind und ät unglaubwürdig erscheinen. Auf dem westlichen Kriegsschau⸗ sae ist den Franzosen die Besetzung von Soucheg, den Engländern 5 ei Fortnahme von Loos geglückt. Sie behaupten, auch einen Teil

Hohenzollernwerkes etwa halbwegs nach Hulloch, in ihrem seitz zu haben. Diese Eroberungen haben sie bisher behauptet,

eeter vorzudringen glückte ihnen nicht. Im Gegenteil scheint es, 0 seien ihre Angriffe hier nicht nur matter geworden, sondern bläufig wenigstens ganz eingeschlafen. Das würde die Nach beten über ihre sehr großen Verluste glaubwürdig erscheinen ssen. Ueberhaupt wird man seststellen müssen, daß die Eng⸗ nder im Angriff bisher keine sehr große Zähigkeit bewiesen bien. Man wird vielmehr wie noch immer in ihrer Kriegs shichte, auch diesmal die Erscheinung beobachten, daß sie ihre nen Truppen zu schonen beflissen sind wenigstens die nativ⸗ 1 Mit kanadischem und indischem Blute sind sie frei⸗ ziger.

Größere Zähigkeit beweisen die Frauzosen in age. Dem ersten glücklichen Angriff vom 25. servordere beutsche Linie in einiger Ausdehnung kKeacht hat, haben sie seitdem weitere starle Vorstöße pte Stellung folgen lassen, sogar unter Heranziehung nen shiskonen. Nicht fiberall ölteben sie hierbei erfolglos, imOsten e Schlachtfeldes haben sie das Dorf Tahure und den. Nauen ls und links davon genommen und sind darsiber hinaus gegen

eißöhe 00 vorgedrungen. Hier haben sie hem deutschen 1155 riff allerdings wieder mehrere hundert let N e 15 eu. Ihr Gewinn beträgt der Tiefe nach Mee

der Cham⸗ September, der in ihre Hände gegen die neue;

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gegen 5

Sieg errungen und jener ist letzten Endes geschlagen worden.

von einem Durchbruch der deutschen Stellung kann natürlich keine Rede sein. Aber die Schlacht geht, wie es scheint, weiter. General Joffre versucht seine Ziele sprungweise, von Etappe zu Etappe, zu erreichen, wobei sein Menschenverbrauch ein großer ist. Wir wer⸗ den vielleicht noch längere Zeit hindurch größere Angriffe erleben, wie die feindliche Presse ankündigt solange bis die schon einge⸗ setzten und noch heranzuschaffenden starken Streitkräfte Schlacke geworden sind. 5

Schon in meinem letzten Bericht wies ich darauf hin, daß die Verhältnisse, die sich auf dem östlichen Kriegsschauplatze heraus⸗ gebildet haben, aus den allgemeinen Verhältnissen zu erklären sind und nicht daraus, daß Führung und Truppe des russtschen Heeres auf einmal eine Tüchtigkeit erlangt hätten, die ihnen vordem fehlte. Inzwischen ist der Donau-Uebergang der verbündeten Streitkräfte

eingetreten. Auf dem nordöstlichen Kriegsschauplatze haben die Gegenangriffe der Generale Rußki und Ewert keine Erfolge er⸗

zielt, wie wortreich auch die Berichte des russischen Hauptquartiers geworden sind. Daß sie hie und da deutsche Angriffe zurückge⸗ wiesen, das Vordringen deutscher Truppen aufgehalten, an ein⸗ zelnen Stellen auch selbst Raum gewonnen haben mögen, ändert die Kriegslage im allgemeinen nicht. Sie kennzeichnet sich durch einen gewissen Charakter der Ruhe und des Gleichgewichts.

In Wolhynien und Ostgalizien hingegen haben die Russen sehr entschlossen, mit zeitweise unzweiselhaft sehr überlege⸗ äften und mit der entschiedenen Absicht eines großen Sieges angegriffen. Sie haben eine zeitlang sowohl westlich des Sereth wie im Norden am Styr-Abschnitte Fortschritte gemacht, sind so⸗ gar auf das westliche Ufer des Styr vorgedrungen. Durch das Ein⸗ greifen der XI. Armee, v. Linsingen, sind alle ihre Angriffe gegen rechten Flügel und Mitte des verbündeten Heeres zurückgewiesen wörden. In Wolhynien steht der Kampf noch. Doch scheinen die Russen überall auf das Ostufer des Stur zurückgeworfen worden zu sein. Es ist ja klar, daß die Heeresführung des Feindes aus poli⸗ tischen Gründen dieser Südostfront besondere Aufmerksamkeit zu⸗ wendet; aber die verbündete Heerführung ist sich natürlich ihrer Wichtigkeit ebenso bewußt.

Es ist das Vorteilhafte in unserer allgemeinen Lage, daß wir letzten Endes doch überall die Vorhand an uns gerissen haben. Die unvergleichliche Gunst unserer zentralen Lage, unter⸗ stützt durch ein treffliches Bahnnetz, kommt uns hierbei gewiß zu⸗ statten. Die Strategie der inneren Linie feiert in den gewal⸗ tigen Verhältnissen diesos Krieges ihre Triumphe. Aber si ekann es nur, weil wir im Osten wie im Westen auf Feindesboden stehen, und uns darum ohne jeden Schaden zeitweise dort in der Verteidi⸗ gung halten können. Es ist ja an den Gegnern, uns wieder hinaus⸗ zuwerfen wenn sie können, unsere Heere dort zu schlagen. Daher sind wir imstande, den eigenen Angriff immer dort zu führen, wo wir es aus militärischen Gründen für vorteilhaft halten. Und die einzige Bedingung ist, daß wir an irgend einer Stelle die zum An⸗ griff erforderlichen Kräfte verfügbar machen können. Das ist jetzt gegen Serbien geschehen. Wenn wir dort einen durchgreifenden Erfolg erzielen, und in der Champagne uns gegen Joffres hart⸗ näckige Augriffe zu behaupten vermögen, daun haben wir 1 0 In diesem großen Ringen kann man nur die Gewichte in unserer Wag⸗ schale vermehren, bis endlich die des Gegners hoffnungslos in die Höhe schnellt. Wir müssen uns davauf gefaßt machen, daß darüber noch geraume Zeit vergehen wird dies ist kein Krieg der raschen Entscheidungen. Dazu ist er viel zu ernst und schwer und folgenreich.

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Die Hilse für Serbien.

Aus Lyon wird gemeldet, daß die kürzlich formierte franz ö sische Ostarmee aufgelöst, zum größeren Teil nach Salonik und zum kleineren Teil nach dem nördlichen Kriegsschauplatz befördert worden sei. 5

Nach einer Meldung aus Cetinje sind dortselbst mehrere italienische Generalstabsoffiziere eingetroffen. Es fand eine Veratung unter dem Vorsitz des Königs Nikita statt. Angeblich wird ein Durchmarsch italienischer Truppen durch montenegrinisches Gebiet vorbereitet.

Nach einer Meldung des Corriere della Sera wäre es von großer Bedeutung, wenn die Russen in Bulgarien einrücken würden. 150 000 Mann Eutentetruppen könnten nicht genügen. Ebenso reiche die einzige Eisenbahnstraße Salonik-Uesküb nicht für einen Transport größerer Massen aus. Man kann also Serbien unmöglich reiten und müßte es, so schmerzlich das Opfer auch sei, seinem Schicksal überlassen. 6

Nach einer Athener Meldung trefsen die Truppen der Verbün⸗ deten Vorbereitungen, um den Hafen von Salonik zu sperren, da Angriffe durch die deutschen Unterseeboote gefürchtet werben, die in den letzten Wochen eine erhöhte Tätig⸗ leit entfalten und durch österreichisch⸗ungarische Tauchboote Zu⸗ wachs erhalten sollen.

Englische Hilferufe.

Globe in London veröffentlicht einen Leitartikel, in dem es mit allem Nachdruck ausführt, daß England sein Heer an den Dar⸗ danellen zurückziehen und alles tun sollte, um die Serben mit großer Truppenmacht zu unterstützen. Jede andere Politik sei Selbstmordpolitik. Wenn es den Deutschen möglich ge⸗ macht werde, ihr Heer mit dem türkischen Heer in Verbindung zu bringen, dann könnten sie ihren Angriff gegen das Rückgrat des britischen Reiches(den Suezkanal) richten. Wenn ihnen dies ge⸗ linge, dann würde das die Dauer des Krieges um Jahre ver⸗ längern und die australischen Besitzungen Englands be drohen.

Der Nieuwe Rotterdaansche Couvaut meldet aus London: Die englischen Blätter geben heute morgen ihrer Genugtuung Ausdruck über die Mitteilung Vivianis, daß die Verbündeten Serbien kräf⸗ tige Hilfe leisten werden.

Der Seekrieg. Ein schwedischer Protest gegen England. Stockholm, 13. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Svenska Telegrambyran teilt mit: Die schwedische Regierung hat ihren Gesandten in London beauftragt, gegen die Ver⸗ letzung der Neutralität Schwedens durch ein englisches Unter⸗ seeboot in der Ostsee Einspruch zu erheben. 0

Die schwedische Presse führt ohne Unterschied ihrer Partei eine außergewöhnlich scharfe Sprache anläßlich der englischen Kränkung von Schwedens Neutralität durch

Beschießung des DampfersGermania und die beleidigende gründliche Untersuchung an Bord dieses Dampfers. Siockholm, 13. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Aftonbladet

bringt einen Bericht des Kapitäns derGermania, welcher er⸗ zählte, daß das englische Unterseeboot den Dampfer noch innerhalb der Grenze des schwedischen Hoheitsgebietes verfolgt habe. Die Be⸗ satzung des Unterseebootes ging dann an Bord des Dampfers, richtete im Innern des Schiffes Zerstörungen an und versuchte auch das Schiff mit der Ladung zu sprengen. Das Ergebnis der amtlichen Untersuchung liege noch nicht vor, aber wenn diese Uebergriffe sich bestätigen, so läge, wie das Blatt hervorhebt, ein besonders schwerer Fall von Verletzung der schwedischen Hoheitsrechte vor.

Eine neue Form englischer Deutschenhetze.

Englische Blätter haben eine neue Art der Deutschen hetze herausgefunden; sie haben nämlich entdeckt, daß zahl⸗ reiche englische Gesellschaften, vor allem Versicherungen, in neutralen Ländern deutsche Agenten haben. Jetzt sollen diese Gesellschaften gezwungen werden, ihre Vertreter zu entlassen und an deren Stelle Engländer zu setzen. So bedauerlich diese Handlungsweise für die davon Betroffenen für den Augenblick sein mag, so bedeutet sie letzten Endes doch nur eine Schädigung der Engländer, denn es liegt auf der Hand, daß die Londoner Häuser nicht aus Deutschenliebe derartige Vertreter gewählt haben, sondern darum, weil sich die Be⸗ treffenden besonders gut geeignet haben. Wenn sie also jetzt die Auslandsdeutschen ihres Broterwerbs berauben, so zwingen sie diese, sich nach Konkurrenzvertretungen aus anderen Ländern umzusehen. Den Schaden davon wird also letzten Endes England selbst haben.

Deutsche Sozkaldemokraten in Sibirien.

Seitdem in der Schlacht bei Tarnowska⸗Lublin vom 7. bis 9. September 1914 Teile von Breslauer und anderen schlesischen Landwehrregimentern in russische Gefangenschaft gerieten, weilen mehrere Hunderte schlesischer Parteigenossen in den Gefangenen⸗ lagern Ostsibiriens von Irkutsk bis Wladiwostok. Eine Anzahl der schwer Heimgesuchten hat schon Karten an die Volkswacht, das Gewerkschaftshaus, an die Arbeiterturner und die Arbeitersänger gesandt, mit anderen dagegen war noch keine Verständigung mög⸗ lich. Die letzten Karten, die etwas offener in ihrem Inhalt sind, lassen darauf schließen, daß viele unserer Genossen unter furcht⸗ baren Zuständen leiden. Einige sind, so wird mitgeteilt, schon an Unterernährung, Skorbut. Flecktyphus und Ungeziefer zugrunde gegangen. Die Gefangenen in Nikolsk⸗Ussurist 3. B. erhalten jetzt nur noch Wasser und Brot, statt Tee heißes Wasser, als Lagerstatt nur Bretter ohne Decken oder Stroh. Das nicht durchgebackene Brot wird wegen des großen Hungers mii Wasser hinuntergespült, die Kleidung ist den meisten schon vom Leibe gefallen und Ersatz gibt es nicht. Viele laufen barfuß, alle fürchten sich vor dem neuen Winter mit seiner Kälte. Schon im letzten Winter haben sie in der Nacht Laufschritt uz um sich zu erwärmen und damals war ihre Kleidung noch einigermaßen in Ordnung. Einige Karten deuten an, daß sich die Bewachungs⸗ mannschaften sogar Knutenhiebe gegen unsere gequälten Genossen erlauben. Pakete aus der Heimat, mit Wäsche und dergleichen wie auch Geld wird den Gefangenen oft nach Monaten, ja nach einem Vierteljahr ausgehändigt, wenn vieles verdorben ist.

Eine Inspizierung der sibirischen Gefangenenlager durch neu⸗ trale Delegierte, vielleicht aus Amerika, wäre dringend nötig. Sie könnten den Gefangenen, unter denen sich auch viele Oesterreicher befinden, vielleicht Erleichterung bringen.

Die Anerkennung der Regierung Carranzas.

Der Frankfurter Zeitung wird aus Newyork, 13. Oktober, telegraphiert: Nachdem Carranza Garantien dafür abgegeben hat, daß ungehinderte Ausübung religiöser Gottesverehrung stattfinden dürfe, nachdem er ferner eine Amnestie versprochen und zugesagt hat, daß eine Landreform-Konferenz der größten amerikanischen Staaten unter der Führung der Vereinigten Staaten stattfinden solle, hat die Regierung der Union be schlossen, seine Regierung als tatsächlich bestehende Re⸗ gierung in Mexiko anzuerkennen. Alle ameri⸗ kanischen Staaten werden wahrscheinlich davon absehen, seinen Feinden Waffen und Munition zu liefern. Villa erklärt demgegenüber, daß die Anerkennung Carranzas noch vie! Blutvergießen verursachen werde.

Paris, 13. Okt. Aus Washington meldet die Agence Havas: Präsident Wilson erklärte, or billige die Vorlage betr. die An⸗ erkennung der Regierung Carranzas in Mexiko.