Ausgabe 
14.10.1915
 
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kommen. Wenn er sie guthetßt, wird sie dem britischen Bot schafter zur Uebermittelung an die britische Regierung über⸗ geben werden. Wilson wünscht von England ein bündiges Versprechen zu erhalten, ehe der Kongreß im Dezember zu⸗ sammentritt, da etliche 20 Mitglieder des Repräsentanten⸗ hauses und Senatoren der Südstaaten eine Bewegung ins Leben zu rufen beabsichtigen, daß solange ein Ausfuhrverbot von Waffen wenigskens den Alliierten gegenüber erlassen werde, bis der amerikanische Handel mit neutralen Häfen nicht behindert wird.

2 Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. Darmstadt, den 12. Oktober 1915.

Am Regjerungstische die drei Minister und mehrere Kom⸗ missare.

Zum ersten Gegenstand der Tagesordnung. Regierungsvorlage betr. den Entwurf eines Gesetzes, Die Wahlen zum 37. Landtag betr., führt Staatsminister Dr. von Ewald aus, die Annahme, daß die Wahlen im Spätjahr, dieses Jahres würden erfolgen können, habe sich leider nicht erfüllt. Es wird darum vorgeschlagen, die Wahlen um ein weiteres Jahr zu verschieben. Den dritten Absatz des Artikels 1 im Gesetzentwurf läßt die Regierung aber fallen, weil er etwas besagt, was bereits Rechtens ist. Denn nach dem Gefetz vom 18. 7. v. J. ist durch Artikel 64 des Gesetzes betr. die Landstände, die Mandatsdauer aller Abgeordneten geregelt. Der Artikel 2 des Entwurfs regelt die Sicherung des Wahlrechtes derjenigen, die auch nach dem Kriege nicht alsbald in der Lage sind, ihren Steuerverpflichtungen pünktlich nachzukommen. Der Artikel 3 regelt den Begriff Kriegsteilnehmer und dehnt diesen besonders auf die Angehörige auch immobiler Truppenteile aus. Redner bittet, die Ausschußanträge anzunehmen. 0

Präsident Köhler teilt mit, der Ausschuß habe den Antrag dahin abgeändert, daß der dritte Absatz des Artikels 1 gestrichen wird. Die Vorlage wird dann dem Ausschußantrage entsprechend in dieser Fassung angenommen.

Ohne Debatte werden angenommen nach den Anträgen des Ausschusses der Gesetzentwurf die Uebernahme von Wechselver⸗ pflichtungen für die Gemeinden und Gemeindeverbände durch den Staat betr. sowie die Regierungsvorlage, die Veräußerung von fis⸗ lalischen Grundstücken betr. Daun folgen längere Besprechungen über die Anträge des erweiterten Ausschusses über

Maßnahmen zur Volksernährung usw. im Kriege.

Abg. Dr. Osann(Natl.) stellt zunächst fest, daß der Ausschuß berfassungsmäßig berufen war, eine Tätigkeit zu entfalten. Im Gegensatz zu einzelnen Pressestimmen ist der Ausschuß mit der Re⸗ gierung der Meinung, daß seine Tätigkeit sich durchaus im Rahmen der Verfassung bewegte, f

Es muß dem widersprochen werden, daß der Regierung die Initiative zusteht und der Kammer die Kontrolle. Auch die Kammer hat ein Initiativrecht und kann es durch Antrag⸗ stellung ausüben, wie es im erweiterten Finanzausschuß geschehen ist. Der Redner wendet sich dann Einzelheiten zu. Erhöhung der Brotrationen, Brotkarten durch das ganze Land, wie in Bayern, Ausdehnung des Kreises der Selbstversorger auf kleine landwirt⸗ schaftliche Betriebe, waren Gegenstand des Verlangens. In letzterem Falle wurde ein Entgegenkommen durchgesetzt. Die Preisbildung wurde verschiedentlich bemängelt. Die Beschlüsse über die Kartoffel⸗ versorgung sind durch Bundesvatsverordnung überholt. Fleisch⸗ produktion und Fleischpreis hängen im wesentlichen von den Futter⸗ mitteln ab. Das gelte auch für Milch und Butter. Zwei Lebens⸗ mittel bedürfen besonderer Erwägung, das sind Milch und Fett. Be⸗ züglich der ersten sind die Preise durch eine Verfügung des General⸗ kommandos geregelt. Es bleibe zu hoffen, daß auch der erforderliche Bedarf von der Landwirtschaft zur Verfügung gestellt wird. Der Mangel an Fett sei hin und wieder schon zur Kalamität geworden. Da muß unbedingt Abhilfe geschaffen werden. Auch für Petroleum muß gesorgt werden. Der Wucher mit Bedarfsartikeln muß auf das Schärfste verurteilt, aber auch mit den schwersten Strafen belegt werden.

Minister des Innern von Hombergk zu Vach: Die Be⸗ ratung der Kriegsfragen im erweiterten Ausschusse hat auch der Regierung willkommene Gelegenheit zur Aussprache gegeben und ihr einen tieferen Einblick in die Wünsche der Bevölkerung ge⸗ stattet, denen nach Möglichkeit entgegen zu kommen, sie bestrebt war. Die von der Regierung erlassenen Maßnahmen tragen im wesentlichen nur den Charakter von Ausführungsbestimmungen zu den Bestimmungen des Reiches. Es verblieb nur die Durchführung der Organisation. Bei den Verhandlungen hat sich erfreulicher Weise gezeigt, daß alle Parteien einig sind in dem Wunsche, gegen- über den großen Aufgaben der Zeit ihre Sonderwünsche zurückzu⸗ stellen. Es gelang in fast allen Fällen, den Weg einer gangbaren Mittellinie zu finden. Wir können getrost der Zukunft entgegen sehen. Der Kampf gegen die Lebensmittelteuerung wird von der E

Regierung mit allen Mitteln fortgesetzt. Alle Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern sind verpflichtet, Prefsprüfungssteln au errichten. Für das Reich ist eine solche in Berlin errichtet worden. Es steht zu hoffen, daß die neuen Einrichtungen als wirksame Waffe zur Bekämpfung der übermäßigen Teuerung sich erweisen werden. Auch in der Frage der Beschaffung von Futtermitteln sind erfreuliche Fortschritte zu verzeichnen. Das die beispiellose Organt⸗ sation, um die uns unsere Feinde so beneiden, überall durchgeführt werden konnte, ist zunächst der Bevölkerung selbst zu danken. Dann aber auch der Tätigkeit sämtlicher Behörden der inneren Verwal⸗ tung, endlich auch den ehrenamtlichen Ausschüssen und Stellen. Ihnen allen den Dank der Regierung zum Ausdruck zu bringen, ist mir Herzensbedürfnis.(Beifall.) 5 8

Abg. von Helmoldt(Bbd.): Leider seien die ersten Maß⸗ nahmen der Regierung in bezug auf die Lebensmittelversorgung usw. viel zu spät gekommen. Vielfach waren schon viel zu hohe Preise eingesetzt. Die Neuregelung der Getreideversorgung sei von erfreulicher Wirkung gewesen. Die Ernte des Wintergetreides

verspricht sehr gut zu werden, die des Sommergetreides war schlecht. Eine Erhöhung der Brotration sei erwünscht und auch möglich. Die Spannung zwischen Mehl- und Getreidepreisen ist

im wesentlichen darin begründet, daß die Zusammensetzung des Brotes in den verschiedenen Teilen des Landes sehr verschieden ist. Die Preise für Kartoffeln sind teils zu hoch, teils zu niedrig fest⸗ gesetzt worden. Oft trägt auch die Heeresverwaltung Schuld, die viel zu hohe Preise anlegt. Eine Beschlagnahme der Kartoffeln dürfte nicht zu empfehlen sein. Wenn Höchstpreise festgesetzt wer⸗ den, müßte das über einen größeren Kreis erfolgen. An Futter⸗ mitteln herrscht großer Mangel, Die Futtermittelverteilungsstelle hat zu Unbilligkeiten geführt. Einen Höchstpreis für Milch festzu⸗ setzen, wäre falsch. Der würde zu weiterer Einschränkung der Produktion führen. 5 Abg. Molthan(Zentr.): Es ist bedauerlich, daß die Regie rung keine Neigung zeigt, die Brotration zu erhöhen. Die Brot⸗ karten sollten für das ganze Land Geltung erhalten. Für Butter sollte ein Höchstpreis sestgesetzt werden. In Aschaffenburg kostet die Butter nur 1,70 Mk., weil Bayern Höchstpreise festgesetzt hat. Die Schwierigkeiten in der Lage der Hausbesitzer seien unver⸗ kennbar. Doch ist nicht zu verkennen, daß eine Herabsetzung oder Erlaß der Grundsteuer für viele Gemeinden bedenkliche Ausfälle bringen würde.

Abg. Henrich(Fortschr. Vpt.): Zu verstehen sei der Unmut, der die landwirtschaftlichen Kreise manchmal erfaßt, wenn in der Ausführung der erlassenen Maßnahmen gar zu sehr nach dem Buch⸗ staben verfahren wird. Das ist nicht immer zweckmäßig. Beson⸗ ders hat das mit der Festsetzung der vorhandenen Getreidemengen gehapert, die nicht überall gleichmäßig gehandhabt wurde. Viel⸗ sach herrscht noch immer auf der einen Seite Not, auf der anderen Ueberfluß. Das Unerfreuliche ist aber das wahrhaft verbreche rische Treiben einzelner, sich an den zum Leben notwendigen Dingen zu bereichern. Demgegenüber ist es als stilles Heldentum zu betrachten, daß die Gesamtheit auch das ohne Murren erträgt. Man sollte sich aber wohl hüten, hier eine allzugroße Spannung eintreten zu lassen. In einer eigentümlichen Lage befindet sich der Handel, der vielfach ausgeschaltet wird und sich schwer in seiner Existenz bedroht sieht. Dabei ist es ohne Bedeutung, daß es zweifellos auch hier Elemente gibt, die sich in ungerechter Weise bereichern und Wucherpreise künstlich hervorrufen. Sehr zu be⸗ klagen ist der Mangel an Fett, der schon zu einer großen Kalami⸗ tät geführt hat. Wenn hier eine Katastrophe vermieden werden soll, muß unbedingt etwas geschehen. Zum Schutze der Schwachen, besonders der Angehörigen der Kriegsteilnehmer, ist erfreulich viel geschehen, aber es bleibt noch manches zu tun. Am schlimmsten sind die Privatangestellten daran, die zum Heere eingezogen sind. Besser sind die Beamten daran, bis auf die Klassen, deren Ein⸗ kommen die Existenzgrenze war. Hier muß noch viel geschehen, um die Not zu lindern.

Abg. Ulrich(Soz.): Im allgemeinen erkenne ich ebenfalls an, daß unsere Verwaltungsbehörden angesichts der schwierigen Verhältnisse getan haben, was ihnen zu tun möglich war. Es gibt aber doch noch eine ganze Anzahl Dinge, von denen zu wünschen wäre, daß sie anders seien. Vollkommen einig gehen wir mit den Maßnahmen, die zur Stärkung derjenigen ergriffen werden, die unter diesem Kriege am meisten zu leiden haben. Das sind die ge⸗ ringen Einkommen, in erster Linie die Arbeiter. Es sind nur wenige Arbeiterkategorien, und unter diesen nur wenige Einzel⸗ personen, die an dem Kriege etwas verdienen. Wo das geschehen ist, waren es nur Ausnahmen, die jetzt schon wieder verschwunden sind. Wenn für alle Arbeiter überall so gesorgt würde, wie die Herren meinen, dann wäre ja unsere Kriegsfürsorge überflüssig. Das amtliche Material der Lohnstatistik beweist schon, daß dem nicht so ist. Man darf die Löhne der Arbeiter nicht so ein⸗ schätzen, wie früher. Der Wert des Geldes ist seit 1912 um 20 bis 45 Prozent vermindert worden. Angesichts dieser Tatsachen ist es wohl zu begreifen, daß die Arbeiter schon jetzt eine Erhöhung ihrer Löhne anstreben, und wenn einzelne Unternehmer dem folgen, so ist das sehr erfreulich, aber es reicht nicht aus, um durchgreifend

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zu helfen. Die Landwirtsch aft ant keineswegs dem Vorwurfe der Ausschlachtung der Notlage. Im

die Haltung der Landwirtschast wohl anzuerkennen, abe zelnen hat das Gebaren der Landwirtschaft zu schwere geführt. Wir haben mehrfach fürchten müssen, daß es Märkten zu Krawallen kommt. Kurz nach Ausbruch des stiegen die Kartoffeln bis auf 16 Pfg. fürs Kilo und die hielten sie künstlich zurück. Wir haben in Offenbach Ka feln gekauft und sie zu 8 Pfg. abgegeben. Die Höndler ha wieder heraufgetrieben. In einem Falle, da es 1 5 nicht m war, rechtzeitig auf dem Markte zu erscheinen, in Stunde bis auf 16 Pfg. Wir haben zahlreiche Zriese aus den Schützengräben bekommen, in denen die Krieger sich bitter beklagten, daß ihre Frauen keine Kartoffeln bekommen. Aehnlich ist es mit Fleischpreisen. Auf der anderen Seite hat der g ein wahres Goldfieber 2 hervorgerufen. Berichte der einzelnen Aktiengesellschaften spiegeln das wieder Einkommen einzelner Personen sind ins Ungemessene gestiegen. Oz begegnete man den Nachrichten, daß der eine oder andere g Summen für die Kriegsfürsorge gezeichnet, was an und für sit natürlich sehr dankenswert ist, aber wenn man einmal nachpy

sah man bald, daß das den Spendern sehr leicht gefallen war, sie hatten viele Hunderttausende durch Kriegslieferungen verd Bi

zu 100 Prozent sind die Einnahmen gestiegen und ganz horrend

Ab cht, die noch viel höher sind, als d

Dividenden. Es sollte unbedingt im Bundesrat darauf hingewir werden, daß die ungeheuren Kriegsgewinne entsp

wenn diese 8 Ich stehe auf de Standpunkt, daß kein deutscher Staatsbürger sich an diesem bereichern dürfte, daß alles, was erzielt wird, wieder dem

890 nu ich recht tten lassen

keine Unterstützung nötig. in diesen Gemeinden nachsehen zu wollen. geworden, daß das nicht stimmt. Anderseits kommt es auch 8 in einzelnen Gemeinden Bedürftigkeit künstlich konstrusert wird das muß ebenfalls vermieden werden. Ich stelle ausdrücklich daß die Regierung sich in außerordentlich dankenswerter Wei

müht hat, allen gegebenen Anregungen nachzukommen. Un überzeugt, daß, wenn der gute Wille da ist, auch noch ein weiteren Besserung gefunden werden wird. 2

Auch dahin sollte im Bundesrat gewirkt werden, daß die sammlungs- und Redefreiheit bald wieder he wird. Es braucht und soll nicht über militä ische Dinge gespt werden, aber es gibt sehr viele Fragen wirtschaftlicher Art zu örtern, was man nicht unterbinden sollte. Schon jetzt sollte m lichste Freiheit erstrebt werden, wenn einmal die Frage der Kri ziele erörtert werden muß. Daß die Meinungen au ande sehen wir ja jetzt schon. Auf die Dauer läßt sich das Verbot Erörterung der Kriegs ziele doch nicht aufrecht er Man muß unbedingt hier mehr Freiheit geben.

Bei der Petroleum verteilung haben sich Mißstäs zeigt, die Verteilung war nicht gleichmäßig. Vielleicht läßt eine Petroleumkarte einführen, gleich der Brotkaxte. Die der Hausbesitzer ist vielsach sehr schwierig. Ich halte für richtig, daß der Hausbesitzer durch den Ausfall an Mieten. schädigt wird, während der Hypothekengläubiger unter allen ständen gesichert ist. Vielfach werden die letzteren die lachen Erben sein, wenn zum Schutze der Hausbesitzer nicht etwas g Dieser Krieg ruiniert sicher eine Menge mittlerer Existenzen. Festsetzung der Grundpreise für Kartoffeln war zu hoch, Land haben erklärt, daß sie bei einer Mark weniger auch noch ei Geschäft gemacht hätten. Es wird notwendig werden, Kleinhandelspreis festzusetzen. Auch der Preis des Mehles Brotes ist noch viel zu hoch. Ebenso die Fleischpreise. Der von 22 Pfg. für Milch ist so hoch, daß man den Produzenten wohl zumuten kann, damit zufrieden zu sein. Wir müssen allen Umständen verhindern, daß die Kindersterblichkeit oder nach dem Kriege zunimmt infolge mangelnder Ernähr stillenden Mütter. Es ist notwendig, zu zeigen, daß wir entsch sind, nicht nur nach außen zu siegen, sondern auch nach inn (Bravo!) N

Darauf wird die Sitzung auf Mittwoch 9 Uhr vertagt,

Schluß 2 Uhr. 5

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Pulver und Gold.

Roman aus dem Kriege 1870-1871. 16 Von Levin Schücking.

Ich muß gestehen, ich hatte nie in meinem Leben eine Stunde, in welcher ich das Herz so erfüllt fühlte von der Poesie vomantischer Schwärmerei, von so süßer Traumseligkeit, von solchem Glückvertrauen.

Ach, weshalb mußte so bald Friedrich in der Tür er scheinen und mir Blicke voll stummer Mahnung zuwerfen? Aber freilich, er hatte recht; es war sicherlich sehr spät; ich sah nach der Uhr, sie zeigte zehn und ein Viertel! Das war freilich mehr, als ich erwartete.

Der Abbs füllte mein Glas und reichte auch Friedrich eins, als ich an den Aufbruch gemahnt; dann sah er nach seiner Uhr und sagte:

Es wird halb elf werden, bevor die Pferde eingespannt sind und wir abfahren können. Wir haben bis nach Hause zwei Stunden zu fahren; wir würden also erst um halb ein Uhr ankommen. Was denken Sie dazu, Blanche?

Wenn es so spät ist, können wir nicht mehr heimfahren, persetzte sie.Wir dürfen nicht mitten in der Nacht ankommen und die Mutter stören... sie hatte gestern eine so üble Nacht, wir dürfen ihr den stärkenden Schlaf der jetzigen nicht rauben!

Sie haben recht, Cousine, fiel der Abbs eifrig ein,wir sind ja hier ganz wohl aufgehoben. Wozu noch heimkehren?

Aber ich darf nicht über Nacht meinen Posten verlassen, warf ich ein wenig erschrocken über diesen Entschluß ein.

Ihr Posten ist in vollständiger Sicherheit, mein Herr, antwortete der Abbé;ich gebe Ihnen mein Wort darauf, daß zu Hause nichts geschehen wird. Deshalb unterwerfen Sie sich ruhig der Entscheidung unserer Dame. Wir haben wohleingerichtete kleine Schlafzimmer hier, genug für eine größere Gesellschaft, als wir drei bilden; sehen Sie hier das Ihre!

ganz hübsches Schlafkabinett, mit einem Bett in einer Mauer⸗ vertiefung, worein er mich blicken ließ.

Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich schon viel zu sehr im Banne meiner Zauberin lag, um lebhaften Protest zu erheben. Wer hätte auch eine solche Stunde abkürzen mögen, ehe es nötig; wer das Motiv, daß die leidende Mutter so spät nicht gestört werden dürfe, bekämpfen können? Ich ließ mich bereden, ich leerte das neugefüllte Glas; ich nahm, da Fräulein Blanche zuredete, auch die Zigarre, die der Abbe mir bot. Wir begannen von neuem zu plaudern; aber sehr bald schon erhob sich Fräulein Blanche, um uns gute Nacht zu wünschen und sich in das Mansardenstockwerk nach oben zurückzuziehen, wo ihre Gemächer lagen; der Abbs hatte für sich ein ähnliches Kabinett wie das meinige, und diesem gegenüber zur Seite des Salons liegend.

Blanche warf, als sie an mir vorüberging und mir mit einer Verbeugung gute Nacht wünschte, einen ganz eigentüm⸗ lichen Blick auf mich.

Seltsam es lag etwas von Mißvergnügen, Unzu⸗ friedenheit, fast möchte ich sagen Verachtung in diesem Blick und den dabei unmerklich aufgeworfenen Lippen... was hatte ich verbrochen?

Der Zauber der Stunde war verschwunden, als sie ge gangen; ich war still, ich ließ den Abbé reden, und als er mich aufforderte, ebenfalls die Ruhe zu suchen, beeilte ich mich, ihm zu gehorchen. Friedrich, der sich in der Nähe der Tür aufgehalten, war sofort zur Hand, mir beim Auskleidens be⸗ hilflich zu sein, und wir waren bald in meinem Schlafkabinett allein.

Die haben's gleich darauf angelegt, uns hier zu halten, sagte Friedrich.

Glaubst du? Und woran siehst du das?

Sehen Sie's nicht.. das Bett ist ja aufgemacht, die Spreite abgenommen; das muß die Pächtersfrau, schon ehe wir kamen, getan haben.

Ich setzte mich und blickte das aufgemachte Bett mit der fortgenommenenSpreite, wie Friedrich das nannte, sehr tiefsinnig fragend an.

Was denkst du, Friedrich? se..

Er stand auf und öffnete eine Seitentür; es war ein

Daß man uns aus unserer Wohnung chase t

und daß dort jetzt etwas geschieht, was wir, weng wären, vielleicht nicht geschehen ließen. 5 Glauroth wird die Zimmer nicht verlassen! Ob auch über Nacht nicht? Wer weiß! Meine Dienstpflicht verlangt, daß ich nicht über von meinem Posten fort bin; also mag das Bett aufge sein, wann und wozu es will, es ist sicher, daß ich nicht schlafen werde; wir müssen marschieren, Friedrich, und de sogleich. 1 Wir werden heimkehren? rief Friedrich aus. Hast du daran gezweifelt? 1 Herr Vizewachtmeister, es ist ein sehr langer Spaz gang durch die Nacht! 5 Freilich; aber die Nacht ist ziemlich hell und der gut. Also komm! a Ohne Abschied?

5Sollen wir sie stören und erschrecken und am End zwingen, aus Höflichkeit auch heimzukehren, was sie ungern tun? Geh hinüber, sag den Leuten auf dem hofe, wir seien gezwungen, zu gehen; bring mir bei die Gelegenheit meinen Mantel, der im Wagen liegt, und fol mir damit. Ich gehe vorauf. f

Ich nahm Mütze und Handschuhe und verließ möglie geräuschlos den Pavillon. Friedrich eilte davon un hal mich sehr bald, nachdem er meinen Auftrag ausgeführt, wier eingeholt. ö Wir schritten rüstig vorwärts. Es war kein Monde schein, der Himmel auch nicht wolkenfrei, doch sternenh genug, daß wir unseren Weg und die nächste Umgebung den lich erkannten. Die Kühle der Nacht erleichterte das Gehn so wanderten wir in einem wahren Attackenschritt voran, d Säbel in den Scheiden um des leichteren Gehens willen schultert, mit den Sporen auf dem Chausseepflaster, das in das Felsental von Colomier sich erstreckte, klirrend. Bergfluß rauschte rechts neben uns, unter uns; von links! verdunkelten die Felswände unseren Weg; ein leiser 8 wind, der das Tal durchstrich, flüsterte in den Baum Stauden und dem Gestrüpp auf den Bergwänden obe

(Fortsetzung folgt.]