Organ für die Interessen des werktätigen Volkes J der Provinz Oberhessen und der Nachbargebiete.
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Nr. 240
Gießen, Mittwoch, den 13. Oktober 1915
10. Jahrgang
Die Kräfte zusunnenhalten!
Von Heinrich Schulz.
„Die beste Strategie ist immer re cht stark zu sein, zuerst erhaupt, und demnächst auf dem entscheidenden Punkl. aher gibt es außer der Anstrengung, welche die Kräfte schafft d die nicht immer vom Feldherrn ausgeht, keine höheres und kfacheres Gesetz für die Strategie als das: seine Kräfte zu⸗ umenhalten.“ So schreibt Clausewitz, der große Lehr—
ster der Theorie des Krieges. Die deutsche Heexesleitung hat mit der 5 endung dieses militärischen Grundsatzes ihre besten Erfolge er— t. Als der Krieg ausbrach, war Deutschland an sich zwar eine htunggebietende Militärmacht. Aber die vereinigten Gegner ren doch an Heeres- und Flottenstärke, an Menschenmassen und ldmitteln Deutschlands zahlenmäßig weit überlegen. Da kam es die Heeresführung darauf an, auf dem entscheidenden Punkt imer recht stark zu sein. Dieser entscheidende Punkt war in den Kriegswochen der Westen. Deutschland war hier stark und eb die verbündeten Westmächte über Belgien hinaus weit nach gankreich hinein. Dann zeigte sich, daß die russischen Kräfte srker und militärisch bösartiger waren, als man angenommen e. Sofort trug die Heeresführung diesem Umstande Rechnung. n Westen wurden starke Verteidigungsstellungen eingerichtet, die Fuptkräfte aber auf dem nunmehr entscheidenden Punkt, dem Iten, eingesetzt. In den langen und wechselvollen Kämpfen im Iten wandte auch der dortige Heerführer fortwährend das höchste id einfachste Gesetz der Strategie an: er hielt seine Kräfte zu⸗ bumen und war an den entscheidenden Punkten„immer recht „ In Kürze wird sich zeigen, ob die deutsche Heeresleitung
konsequenten
Ark uch bei dem neuesten Abschnitt des Weltkrieges, der sich auf dem kan abspielen wird, mit der Wucht einsetzt, die einem entscheiden⸗ r Punkt zukommt.. Allerdings nicht nur diesem strategischen Grundsatz allein sind großen militärischen Exrungenschaften zuzuschreiben. Gerade iidenburg weist stets mit der Bescheidenheit des großen Mannes auf ihn einstürmenden Lobredner und Danksager an die Adresse ier Soldaten. Er weiß die Anstrengungen und Kräfte zu wür⸗ hen, die wie Clausewitz schreibt,„nicht immer vom Feldherrn hen“. Er unterschätzt ebenso wenig wie Clausewitz die neben Talenten des Feldherrn tätigen„moralischen Hauptpotenzen“ Kriegführung: kriegerische Tugend des Heeres und Volksgeist Jullte schon Clausewitz zu seiner Zeit„nicht leugnen, daß wie die Schen jetzt stehen, dem Volksgeist und der Kriegsgewohnheit des deres ein größerer Spielraum bleibt“, so gilt das in verstärktem suße für unsere Zeit und die heutige Art der Kriegführung. Einen dritten wichtigen und günstigen Vorteil bietet den Zen⸗ lmächten der Besitz der inneren Linie. Sie sind zwar umringt mur Feinden, aber sie stehen ihnen äußerlich und innerlich geschlossen genüber. Sie können ohne Behinderung durch den Feind ihre Tuppenansammlungen und vverschiebungen und die Konzentration Kräfte auf den jeweilig entscheidenden Punkten vornehmen. Ganz anders steht es bei den verbündeten feindlichen Mächten. 1 sind räumlich weit von einander getrennt, und weit klaffen sie 0 ihren inneren Wünschen und Absichten auseinander. Ebenso inig einheitlich und gleichmäßig ist es'um die kriegerische Tugend e feindlichen Heere und um den Volksgeist in den verschiedenen Andern bestellt. Neben den leidenschaftlich für ihre Vaterland inpfenden und blutenden Franzosen stehen die anders gearteten ldnertruppen der Engländer. Die ganze Front ist durchsetzt von übigen Truppen, denen das europäische Kulturbewußtsein und die ere Erkenntnis der Bedeutung des großen Ringens abgeht. seser Mangel an Einheitlichkeit äußert sich in der mangelnden lklarheit der obersten Kriegführung und in der ungenügenden achtung oder Durchsetzung des wichtigsten strategischen Grund⸗ es, am entscheidenden Punkt stets recht stark zu sein. Der große Stratege des politischen Kampfes, Lassalle, hat der üschen Arbeiterbewegung einen gleichen Grundsatz mit in die e gelegt:„Alle Kunst praktischer Erfolge besteht darin, al e aft zu jeder Zeit auf einen Punkt— auf den wichtigsten inkt— zu konzentrieren und nicht nach rechts und nicht at) links zu sehen.“ 5 Nach diesem Grundsatz hat die deutsche Arbeiterbewegung in u halben Jahrhundert ihres Daseins ihre Kämpfe geführt. Ann ginn ihres Ringens um politische Gleichberechtigung und um die Ewirklichung der Forderungen des Sozialismus war sie zahlen zig in einer hoffnungslosen Minderheit. Aber sie war doch auch mals schon recht stark im Sinne der Clausewitzschen Regel, in⸗ u sie mit unerschütterlicher Zuversicht an die Nichtigkeit ihrer htisch⸗sozialen Anschauungen und an die hohe Bedeutung ihrer eshichklichen Aufgabe glaubte. Dadurch wurde sie zu einem festen letischen Krystallisationspunkt gegenüber der zersplitternden und lösenden Tendenzen der bürgerlichen Parteigruppierung. Dann dur hat sie von Anfang an die strategische Grundregel richtig au kalandt: ihre Kräfte zusammenzuhalten und sie jeweisig auß dem scheidenden Punkte richtig einzusetzen. Das ist in einer. demo⸗ ctischen Partei freilich nicht so leicht wie bei einem militärischen manismus. Es ist deshalb bei der Strategie des proletarischen sempfes oft zu lebhaften Streftigkeiten im eigenen Lager ge— nimen, und nicht immer hat der strategische Grundsatz der Kon⸗ tration der Kräfte sich restlos durchsetzen können. Aber in der Regel und in der Hauptsache ist das ursprüngliche Alctarische Empfinden der Massen doch stets stark genag geen i füber alle Mefnungsverschledenheiten hinweg die Kräste des weletarjats zusammen zu halten und in den Kämpfen um prak⸗ he Erfolge die Befolgung des Lassalleschen Grun atze a en⸗ bngen. Der großen liebermacht der feindlichen, Partsse, gelesie bir besaß die Sozialdemokratie den Vorteil der inneren Linie, sie Imte im Vertrauen auf die Festigkeit des eigenen inneren Zu dumenhalts ihre mannigfachen und verschiedenartigen Gegner e aß Nolwendiakelt angreifen und ihre Kampflraft je nach der Ge—
staltung des politischen Schlachtfeldes bald an bald wo anders einsetzen.
Allerdings wären das Wachstum und die großen Errungen⸗ schaften der Sozialdemokratie nicht möglich gewesen, wenn sie sich nicht auch zugleich auf die unerläßlichen moralischen Hauptpotenzen der politischen Kriegführung hätte stützen können: auf den Geist der kämpfenden Arbeiter. Von jeher ist ber größte Wert darauf gelegt worden, wiederum auch zuerst praktisch von Lassalle, daß in jedem einzelnen Mitkämpfer die Erkenntnis vorhanden oder zu er⸗ zeugen ist, worum die großen Kämpfe gehen, für swelche politischen, sozialen und kulturellen Ziele die Arbeiter eintreten und worin die besondere geschichtliche Aufgabe des Proletariats besteht. Bei dem mangelnden politischen Interesse des Bürgertums in früheren Zeiten war der Arbeiter bisher an politischem Instinkt und an politischen Kenntnissen dem Bürgerlichen weit voraus. Neuerdings ist freilich auch im Bürgertum das politische Interesse stark ge⸗ wachsen, sodaß die Arbeiter fürderhin ein Uebriges tun müssen, wenn sie den bisherigen Vorsprung wahren wollen.
1 Besonders durch den Krieg ißt das politische Interesse mehr als je zuvor angeregt worden. Vieles davon ist Strohfeuer, aber vieles läßt sich auch zum heiligen Feuer des politischen Kampfes entwickeln, wenn die richtigen Mittel angewandt werden. An⸗ dererseits ist durch den Krieg mancherlei überkommene politische Theorie und Praxis ins Wanken geraten. Gerade in der allzeit kritischen Sozialdemokratie wogt es an juneren Gegensätzen durch- einander. Das ist an sich kein Schade, sofern die Meinungsver⸗ schiedenheiten im Sinne der gegenseitigen Verständig⸗ ung geführt werden, solange die„innere Linie“ erhalten bleibt. Bedenklich werden sie nur, wenn sie zur gewollten oder unge⸗ wollten Zersplitterung führen. Was der politische Kampf nach dem Kriege bringt, kann man noch nicht wissen, wohl aber besteht darüber kein Zweifel, daß er lebhaft und leidenschaft⸗ lich eutbreunen wird. Das liegt in der Natur der Dinge, in der ungeheueren Aufwirbelung und Durcheinanderschüttelung aller persönlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie der Krieg mit sich gebracht hat. Umso notwendiger ist daher für die kämpfende Arbeiterklasse, daß sie schon jetzt und erst recht nach Beendigung des Krieges bei all ihren Handlungen und Entscheidungen das oberste Gesetz der Strategie beachte: die Kräfte zusammen⸗ halten!.
der einen Stelle,
2 Die Durchbruchsschlacht in der Champagie. Der Kriegsberichterstatter Genosse Dr. Adolf Köstaer schrei
dem großen Hauptquartier, 5. Oktober: Das bisherige Ergebnis der Schlacht in der Champagne läßt sich heute einigermaßen überblicken, und es ist nötig, den verlogenen Meldungen gewisser französischer Agenturen die genaue gegenüberzustellen. Diese Agenturen reden von einem„Eindrücken unserer ganzen Front“. Die Champagnefront zwischen Reims und den Argonnen ist zirka 50 Kilometer lang und macht einen kleinen Bruchteil unserer Westfront aus. Auf dieser Strecke griff Joffre in einer Breite 20 Kilometern an, und nur auf einer Divisions⸗ breite von zirka 7 Kilometern gelang es ihm, nach beispiellos langer und schwerer Artillerie-Vorbereitung unsere Front einzubeulen. Diese Beule ist 1—3 Kilometer tief. Ihre Basis liegt auf der Strecke zwischen Auberive und Massig Ihre Spitze richtet sich gegen Stadt und Eisenbahnstation Somme⸗Py, die fest in unserer Hand ist. Dieser Erfolg, den wir weder bestreiten, noch verklei⸗ zern wollen, ist von dem Gegner am ersten Tage, am Samstag, den Alle Versuche, die Beule seit⸗ zu erweitern, sind an den erbitterten deutschen Gegenan⸗ griffen gescheitert. Das ist die heutige Sachlage, wie sie auch durch den Besuch mehrerer neutraler Berichterstatter aus Amerika, Holland, Argentinien und Rumänien festgestellt ist.
Ueber den Gang der Schlacht selber erfahre ich noch folgendes: Die Franzosen griffen nach 70stündiger Kanonade in vier Linien an Zwischen der ersten und zweiten Linie befand sich ein Raum von? Metern, zwischen der zweiten und dritten ein erheblich größe zwischen der dritten und vierten wiederum einer von 30 Metern. Die Franzosen stürmten nicht, sondern rückten langsamen Schrittes vor. Der Angriff bewies großen Schneid und gute Vorbereitung. Mit großer Energie und Präzision wurden fort⸗ während Reserven von hinten in die Lücken geschoben. Haufen und Berge von Leichen türmten sich an manchen Stellen, wo unsere Ar⸗ tillerie einschlug. Die Franzosen waren gut ausgerüstet— alle in der neuen graublauen Uniform, alle mit Stahlhelmen bedeckt, die ihren Gestalten, als sie langsam an rückten, etwas Römisches verlieh. Ueber die eigenen und die Leichen des Gegners drang dieser Austurm unaufhaltsam vorwärts— für jede deutsche Granate, die traf, rück⸗ ten von hinten neue blaue Scharen an. Dieser Angriff zeigte, daß die Franzosen hier unerhörte Massen versammelt hatten, und daß ihr Wille zum Durchbruch definitiv war.
Die deutschen Truppen, die dieser endlosen Flut standhiel⸗ ten, leisteten Unmenschliches. Niemals zurück— lautete der Befehl. Wo der Kampf noch irgendwelche Aussicht hatte, wurde bis zum letzten Augenblick gefochten. Flucht gab es nicht. Unglaubliches leistete die Artillerie. Mit dem bedrohlichen Vorrücken des Gegners schoß sie immer näher, bis sie schließlich gerade hinein in die anrückenden blauen Massen feuerte.
So waren die Franzosen an manchen Stellen an 3 Kilometer vorgerückt. Durch was'm einzelnen der Stillstand dann erxeicht wurde, wird später geklärt werden. Tatsache ist, daß durch die grauenhaften Verluste gezwungen, die Franzosen an manchen Stellen Halt machten und sich eingruben. An anderen Stellen glaubten sie den Durchbruch erreicht zu haben und holten die hinten bereitgestellte Kavallerie zum abschließenden Durchstoß vor. Diese Reitermassen aber wurden in den offenen Tod geschickt. Unsere Artillerie nahm sie unter vernichtendes Kreuzfeuer. Vielleicht ward der Stillstand auch befohlen, weil der Durchstoß unserer ersten Linie auf zu kleiner Breite ersolgt war.
Vergleicht man die Joffresche Champagne⸗Offeusive mit seiner
aus
September, errungen worden.
großen Frühjahrs-Offensive bei Arras, so war die artilleristische Vorbereitung diesmal viel besser, Das System der langsam an⸗ riickenden Linien hat an Terrain mehr erobert als damals. Dafür stehen aber auch die Verluste in der Champagne turmhoch über denen an der Loretto-Höhe. Selbst der neutrale Militärkritiker des Bund schätzt die Verluste der Franzosen auf 150 000 Mann. In einem Punkte scheint Joffre aus der Arras⸗Offensive gelernt zu haben. Das tage-, wochen⸗ und monatelange Anrennen gegen dasselbe Frontstück scheint er nal nicht wiederholen zu wollen. Aus dex augenblicklichen igelangen Ruhe scheint vielmehr ge⸗ schlossen werden zu dürfen, daß er seine Kräfte zu einem neuen Generalstoß sammelt. Ob an derselben, ob an einer anderen Stelle, kann niemand heute sagen.
Wir betrauern den Verlust vieler tapferen Landsleute. Aber durch ihr Ausharren bis zuletzt haben sie den Durchbruch vereitelt, Denn darfiber ist kein Zweifel und die Lekt des Joffreschen Heeresbefehls muß es jedem, der klar sehen will, bestätigen: Der Durchbruchsversuch der Franzosen in der Champagne hat ihnen taktisch im Verhältnis zu dem eingesetzten Material mäßigen Erfolg, strategisch einen vollendeten Mißerfolg eingebracht.
Tviest.
Die Italiener, soweit sie den Krieg gegen f mitmachen, wundern und entrüsten sich über die Stimmung der Bevölkerung in jenen österreichischen Grenzstrichen, die der ita⸗ lienischen Armee aus strategischen Gründen überlassen wurden. Die Leute dort wollen nämlich garnichts von der„Erlösung“ wissen, die ihnen nicht nur die italienische Mißwirtschaft bringen, sondern den Südtiroler Weinbau durch die übermächtige Konkur⸗ renz des süditalienischen ruinjeren und den Südtirolern und Küstenländern auch noch den von ihnen so stark besuchten deutsch⸗ österreichischen Arbeitsmarkt vielleicht sperren würde. Für die „Erlösung“ von Triest trifft all das noch in höherem Maße zu. Triest ist der einzige große Seehafen Oesterreichs, er ist durch die neuen Alpenbahnen auch zu einem wichtigen Seehafen für Süd⸗ deutschland geworden und hat in dieser Hinsicht eine große Entwick⸗ lung vor sich. Triest ist außerdem nicht rein italienisch, sondern zu einem erheblichen Teil auch von Slaven bewohnt. Käme Triest zu Italien, so würde es einmal durch die Konkurrenz Venedigs und Genuas erdrückt, es würde aber auch furchtbar darunter leiden, daß auf lange hinaus wohl ein Zustand bestehen bleiben, wird, der die österreichische Industrie, die ihren Sitz öhnedies in der Hauptsache im Norden des Reiches, also nahe der deutschen Grenze hat, noch mehr davon abhalten würde, für ihre Produkte den Weg über Triest zu wählen: durch entsprechende Gestaltung der Tarise über Hamburg könnte dies sehr wohl herbeigeführt werden.
Nun gibt der französische Zeitungsgeneral Chorfiels den Italienern den Rat, da sie durch die Isonzo-Front ja sowieso nicht durchkommen, eine starke Truppenmacht in Montenegro oder Saloniki zu landen, denn der Weg nach Triest führe ü ber Konstantinopel! Der Zweck dieser Aufforderung ist natür⸗ lich nur, auch Italien zur Unterstützung der Vierverbandssache auf dem Balkan heranzuziehen. Aber gerade dafür hat man in Italien verdammt wenig Sympathien. Auf der Ostseite der Adria reicht das Slaventum bis an die Küste, und schon jetzt, noch mitten im Kriege, fehlt es nicht an serbisch-italienischen Reibungen wegen Albanien und wegen des einstweilen noch im unangefochtenen österreichischen Besitz befindlichen Dalmatien. Wie würde das erst werden, wenn Serbiens so schwer bedrohte Macht neu aufgerichtet würde. Davor werden sich die Italiener hüten, und auf die Er⸗ lösung Triests über Konstantinopel werden sie wohl Verzicht leisten müsssen.
rreich innerlio⸗
Belgische Illusionäre.
Die Indépendance Belge, das Zentralorgan der belgischey, Politiker und Literaten, schlägt in ihrer Nummer vom 4. Oktober dem Vierverbande vor, den Frieden auf folgende Weise einzurich⸗ ten:„Die Greuzen Deutschlands sind zu ändern: Frankreich erhält
s linke Rheinufer, Dänemark— Schleswig⸗Holstein, Rußland— Ostpreußen und Polen, die Balkanländer— ihre Teile von Oester⸗ reich⸗Ungarn; die kleinen deutschen Staaten sind zu befreien: Schlesten fällt an das geprellte und reumütige Oesterreich, das ebenso tschechisch, magyarisch und slawisch wie österreichisch ist; in Preußen ist die Republik einzuführen, um es mit inneren Partei⸗ kämpfen zu füllen und die Preußen aus einem kriegerischen und ge⸗ einigten Volke eine Sammlung von streitenden Paxteiungen zu machen, die das allgemeine Interesse dem Parteiinteresse opfern,— wenn das alles geschehen ist, wird der Friede über ein erneuertes Europa wirklich herrschen.“ Vevblendete Toren!
5 8 362 5 2 8
Zwei französische Parteibroschüren über den
Hrieg.
Verwaltungsausschuß der sozialistischen Parte Frankreichs verbreitet zwei Broschüren über den Krieg: eine ist von Professor Victor Basch verfaßt und trägt den Titel: „Der Krieg von 1914 und das Recht“, die andere ist vor Professor Hubert-Burgin und ist betitelt:„Worum ist Frank reich im Kriege?“ Wie die Humanité vom 27. September in einem Leitartikel mitteilt, führen die Broschüren den dokumentarischen Beweis, daß der schreckliche Krieg weder von Frankreich, noch von dessen Verbündeten entfesselt wor- den sei. Die Katastrophe sei mit Absicht und Ueberlegung hervorgerufen worden vom deutschen Imperialismus und Militarismus, der von Hochmut und Herrschsuchtswahnsinn berauscht sej. Die Franzosen hätten sich nur gegen einen Feind verteidigt, der, ohne Gewissensbisse und ohne Rechts- bewußtsein, sämtliche Verträge verletze. Den Franzosen sei der Krieg aufgezwungen worden, und wenn sie ihn nicht ge—
Der


