Ausgabe 
12.10.1915
 
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und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung.

Die Kriegstagung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge.

Der Krieg mit seinen furchtbaren Wirkungen hat rauh in das Familienleben eingegriffen. Mehr denn je ist darum der Ruf nach größerer Fürsorge für die Jugend, für die kleinen Kinder und Säuglinge begründet. Zwingen doch die Folgen des Krieges manche Mutter, dem Erwerbsleben nach⸗ zugehen, wodurch sie sich nur wenig um die Versorgung und Erziehung ihrer Kinder kümmerß kann. Pflicht des Staates und der Gemeinde ist es, die Jugendfürsorge zu pflegen und geeignete Einrichtungen dafür zu schaffen. Beide haben bis her auf diesem Gebiete sehr wenig getan, es in der Haupt⸗ sache der privaten Fürsorge überlassen. Das zeigte erneut die Tagung für Jugendfürsorge, die von der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge veranstaltet, am Donnerstag und Freitag in Frankfurt abgehalten worden ist.

Die Tagung war von zahlreichen Vertretern staatlicher und städtischer Behörden besucht. Auch sozialdemokratische Kinderschutzkommissionen waren eingeladen und vertreten. Die Tagung begann mit Vorträgen über die Aufgaben der Jugendfürsorge nach dem Kriege vom Standpunkt der Volks⸗ erziehung. Der erste Redner. Stadtrat Dr. Ziehen⸗ Frankfurt a. M., gab einen Ueberblick über die etwa 100 jährige Entwicklungsgeschichte in der Kleinkinderfürsorge. Er verwies auf die Verdienste der evangelischen und katholischen Kirche auf diesem Gebiete, hob Fröbels Bedeutung hervor und zeigte dann, wie das letzte Stadium in der Entwicklung der Jugendfürsorge von der Sozialdemokratie ausgeht, deren Eintreten neue Gesichtspunkte eröffnet habe. Die Sozial⸗ demokratie verlange die Kinderfürsorge von dem Gesichts⸗ punkt der Erfüllung einer unerläßlichen Pflicht der Gesellschaft. Ihre Forderung war ein Notschrei der wirklich Bedrängten. Die Mitarbeit dieser Partei könne und solle nicht ä entbehrt werden. Die Mitwirkung der sozialdemo kratischen Kinderschutzkommissionen habe gezeigt, wieviel man von diesen Leuten lernen könne. Auch für die Zukunft müsse die Losung sein: auf gemeinsamen Boden zusammenzu arbeiten; man schaffe diesen Boden, indem man eine Volks. erziehungswissenschaft in kulturpolitischem Sinne ausbaue. Nötig sei eine praktische Stätte gegenseitiger Verständigung

für diese Frage, ein Parlament der Kleinkinderfürsorge, in dem es nur darauf ankomme, sich gegenseitig zu verstehen, die Arbeit zu fördern. Der Redner forderte hierzu die Errichtung eines Reichsamts für Volkserziehung.

Der zweite Redner, Pastor Schultze⸗Berlin, betonte, Jugendfürsorge und Jugendpflege müsse mehr miteinander

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zn! verbunden sein, auch gehöre Jugendfürsorge und Familien N flüürsorge zusammen, da der Einfluß auf die Jugend nach der bel Schulentlassung verloren gehe. Er klagte über die Verwahr 1 losung der Großstadtjugend und schlug für die Knaben von de 214 Jahren Jungenklubs vor.

0 Am zweiten Verhandlungstage sprach Fräulein Dr. 1[Duensing⸗Berlin überDie Not der kleinen Kinder in und nach dem Kriege. Die Kleinkinderfürsorge sei bisher

sehr vernachlässigt worden. Es werde oft vergessen, daß das kleine Kind schon Erziehung verlangt, daß sein Geist wiß⸗ begierig ist, sein Charakter sich entwickeln müsse. Für das körperliche Werden sei das Säuglingsalter, für Wesensart und Auffassung aber das Kleinkinderalter entscheidend. Es sei erschreckend zu hören, daß von 15000 Krüppeln in Deutsch⸗ land nur ein Fünftel von Geburt an Krüppel seien. Not⸗ wendig sei es, Maßnahmen zu ergreifen zur Pflege und zum Schutze der Kinder zwischen dem Säuglings- und dem schul⸗

pyflichtigen Alter. ö

n Das Thema:Wie sollen und können Tagesheime dem dun Erziehungsnotstaud von Kleinkindern abhelfen? behandelte Fräulein Droescher⸗ Berlin. Sie verlangte die Schaffung von Tagesheimen, die durch familienhafte Erziehung und

Berücksichtigung der einzelnen Individuen in körperlicher, geistiger und sittlicher Beziehung den Kindern das geben, was ihnen durch mangelnde Elternsorge fehlt. Freilich werde die Errichtung solcher Heime nur bei tatkräftiger und ein⸗ sichtsvoller Beteiligung der Städte möglich sein. Die Familienheime müßten so beschaffen sein, daß der große Haushalt Mittelpunkt für die Kinder werde, wie der kleine es für die Familie ist. Bei der Durchführung dieser Aufgabe komme es darauf an, daß Persönlichkeiten mit mütterlichem Sinn die Kleinkinderfürsorge leiten und ausführen, die für diese Arbeit genügend vorgebildet sind. 8 In der Aussprache über die beiden Vorträge wies Stadt⸗ schulrat Dr. Sickinger Mannheim darauf hin, daß man die Kinderfürsorge nicht behandeln könne, ohne gleichzeitig die Wohnungs- und Bodenreformfrage zu erörtern. Reichs⸗ tagsabgeordneter Genosse Dr. Quarck⸗Frankfurt a. M. be⸗ grüßte die Forderung an die Städte, die in den Vorträgen erklungen sei, mehr als bisher die Kinderfürsorge zu pflegen. Einmal müsse doch die Zeit kommen, wo die Vereins⸗Kinder⸗ fürsorge überwunden sei. Nicht im Aeußeren dürfe das deut sche Wollen und Können hängen bleiben. Bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen für die Mütter ließen manche üble Er⸗ scheinung verschwinden. Quarck empfahl den Anschluß der Kleinkinderanstalten an die Volksschulen. g f Die Bedeutung der Mütterberatungsstellen für die Klein⸗ kinder erörterte Professor Langstein⸗ Charlottenburg. Unter den Fürsorgestellen der Säuglingsberatung seien die Mütterberatungsstellen unstreitig die wirkungsvollsten. Die Säuglingsfürsorge könne aber nur halbe Arbeit leisten wenn sie ihre Tätigkeit mit dem ersten Geburtstag des. breche. Die Säuglingsfürsorgestellen müßten zu Kleinkinder fürsorgestellen ausgebaut werden. 7 0 61 Die Frage, inwieweit in der Kleinkinderfürsorge Pier Liebestätigkeit, städtische und staatliche Behörden an der 15 haltung der Familie mitwirken und die Ersatergiehung nen ssen könn behandelten drei Referenten. Die beiden bastor Alberts ⸗Kalberstadt und Mons.

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Dr. Werthmann, exörlerten die Frage vom rein reli giösen Standpunkt aus. Der evangelische Redner klagte über religiöse Gleichgültigkeit, die Verachtung der höchsten Autorität. Glaubend, in Liebe müsse man arbeiten. Dr. Werthmann stellte als erstes Ziel, daß die sittliche und soziale Bedeutung der Familie für Gegenwart und Zukunft allüber⸗ all wieder in das hellste Licht gesetzt werden müsse. Hierbei müßten mitwirken: die Kirche, die Müttervereine, Frauen bund, Arbeiterverein und Veranstaltungen der Pfarr gemeinde. Das zweite Ziel sei die Unterstützung der elter lichen Erziehungstätigkeit durch besondere caritative An⸗ stalten und Vereine, Kinderbewahrungsanstalten, Kinder gärten, Kinderhorte.

Bürgermeister Luppe-⸗Frankfurt a. M. untersuchte, was Staat und Gemeinde in der Kleinkinderfürsorge tun können. Man müsse bauen an dem vorhandenen: Kleinkinder⸗ bewahrungsanstalten, Kleinkindergärten. Dabei solle man aber den einen Gedanken berücksichtigen: diese Aufgaben dürften nicht dem Zufall überlassen, sondern müßten als soziale Pflicht anerkannt werden. Bei den bis⸗ herigen Beratungen habe der eine gesagt, man müsse die Kinder, der andere. man müsse die Eltern erziehen; beides sei aber notwendig. Die Aufgabe der Jugendfürsorge sei so wichtig, daß sie nicht nach dem Krieg aus finanziellen Gründen zurückgehen, sondern noch vorwärtsschreiten miüsse. Die Säuglingsberatungsstellen sollten zu Kleinkinder⸗ beratungsstellen ausgebaut werden, und die Krankenver sicherung müsse so ausgedehnt werden, damit sie die Haus⸗ pflege in vollem Maße übernehme. Die Gemeinden hätten die Aufgabe, Kleinkinderbewahranstalten, Tagesheime zu er richten. Aufgabe des Staates sei es, die Gemeinden zu unterstützen, Mittel zur Verfügung zu stellen, die Aufsicht auszuüben.

Nach einer kurzen Aussprache faßte Dr. Polligkeit⸗

Frankfurt a. M. die Ergebnisse der Tagung zusammen. Die Notwendigkeit der Neuorientierung in der

Jugendfürsorge sei allgemein anerkannt worden. Man brauche weitere Sozialpolitik zur Förderung kultureller Werte, der Erziehung der Familie. Wenn gesagt werde, alles für das Volk, so müsse es heißen: alles durch das Volk. In gemeinsamer Arbeit müßten alle Kräfte zu⸗ sammengefaßt werden.

Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Dr. Köhne Berlin, schlug zum Schlusse vor, um eine engere Verbindung der in der Kinderfürsorge Tätigen zu erzielen, einen deutschen Ausschuß für Kleinkinderfürsorge mit dem Sitz in Berlin zu schaffen, Der Kongreß stimmte diesem Vorschlag zu und wählte einen solchen Ausschuß, der das Recht, weitere Personen hinzuzuziehen, hat. Vorsitzender des Ausschusses ist Dr. Polligkeit-Frankfurt a. M., als Vertreterin der Arbeiterschaft gehört ihm Gertrud Hanna⸗ Berlin an.

Die Reichskartoffelstelle. Der Bundesrat hat in seiner (Sitzung vom Samstag eine Bekanntmachung über die Kar toffelversorgung erlassen. Die wesentliche Neuerung besteht in der Begründung einerReichskartoffelstelle, bei der die Kommunalverbände ihren Kartoffelbedarf anmelden, soweit der Bedarf nicht anderweitig gedeckt ist. Den Gemeinden werden also neue und nicht leichte Aufgaben auferlegt. Denn sie müssen sich einen Ueberblick verschaffen über den Kartoffel markt ihres Bezirks und müssen auf ihre Verantwortung hin die Fehlmenge feststellen, und bei der Reichsstelle anmelden. Der amtliche Auszug aus der Bundesratsverordnung lautet: Es wird eineReichskartoffelstelle mit einer behördlichen Verwertungsabteilung und einer kaufmännisch geleiteten Ge schäftsabteilung errichtet. Die Geschäftsabteilung ist eine G. mn. b. H. Insoweit die zur Ernährung der Bevölkerung eines Kommunalverbandes für Herbst und Winter erforder lichen Kartoffeln nicht anderweit beschafft werden können, meldet der Kommunalverband den Fehlbetrag bei der Reichs kartoffelstelle an. Diese deckt den angemeldeten Betrag zu bestimmten Grundpreisen freihändig. Soweit dies nicht mög⸗ lich ist, werden die angeforderten Mengen auf die Pro duktionskreise zur Lieferung umgelegt. Zum Zwecke der Sicherstellung dieser Mengen haben alle Kartoffelerzeuger mit mehr als 10 Hektar Kartoffel-Anbaufläche 10 v. H. ihrer gesamten Kartoffelernte bis zum 29. Februar 1916 zur Ver⸗ fügung des Kommunalverbandes zu halten. Diese Kartoffeln müssen Speisekartoffeln oder Kartoffeln sein, die als Speise⸗ kartoffeln verlesen werden können. Hinsichtlich dieser Mengen ist die Enteignungsbefugnis gegeben. Der Enteignungs⸗ preis wird unter Berücksichtigung der Güte und der Verwert⸗ barkeit der Kartoffeln bestimmt. Er darf jedoch den Grund preis nicht übersteigen, der nach Bezirken festgesetzt ist und sich zwischen 55 und 61 Mark für die Tonne loko Eisenbahn⸗ versandstation bewegt; für unsere Gegend gelten 61 Mark, das sind also 3,05 Mark für den Zentner. Die Preise gelten für Lieferung ohne Sack und für die Barzahlung bei Empfang. Bei Enteignungen nach dem 31. Dezember 1915 kann neben dem Enteignungspreis eine Verwahrungsgebühr gewährt werden. Die Reichskartoffelstelle gibt Bezugsscheine an die Bedarfskommunalverbände aus, auf Grund deren diese ihren Bedarf aus den festgelegten Kartoffelmengen durch Erwerb decken können. 5

Ganze Arbeit machen! Im gestrigen Gieß. Anz. wendet sich ein Einsender gegen das Oktroi. Er meint, es müsse wohl jeder Fremde den Kopf schütteln, wenn er am Selterstor⸗HäuschenStädtische Oktroi-Erhebestelle lese und sich wundern, daß in Gießen noch eine so mittelalter⸗ liche Steuer bestehe. Ist aber kein Ersatz für die Steuer da, so sagt der Einsender solle man wenigstens das Fremdwort beseitigen! Du lieber Himmel, was ist denn damit getan? Wenn der Pfannkuchen teurer und schlechter ist, als vorher die Omelette, so bin ich um nichts ge bessert und ich pfeise auf die Verdeutschung! Also muß man schon ganze Arbeit machen und die Steuer überhaupt beseitigen. Die Sozialdemokraten in der Stadtverordneten Versammlung haben ihre Aufhebung schon oft beantragt, sie

blieben aber bei der Abstimmung immer allein, nicht mal ein Freisinniger war dafür zu baben. Immer bat man sich mit

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Inf.⸗Reg. 349. Wehrmann Wilhelm Haus aus Hohen 7

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der Frage nach dem Ersatz für den Einnahmeausfall ein) schüchtern lassen. Wo konnt denn jetzt der Ersatz her für die 20 30 fach höheren Ausgaben, welche die Stadt infolge des Krieges machen muß?

Patriotischer Ueberschwang. Von einer neuen Ge⸗ pflogenheit, die einzuführen versucht wird, schreibt uns ein Leser: Am Sonntag abend befand ich mich in einem Lokal, in welchem eine Musikkapelle konzertierte. Man spielte unter anderem auch dasHeil Dir im Siegerkranz, wobei sich Männlein und Weiblein vom Platze erhoben und mitsangen. Natürlich machten fast alle die Geschichte mit und n Blicke trafen denjenigen, der sitzen blieb. Im empfand dies als eine Belästigung; denn wenn ich ein Glas Bier im Wirts⸗ haus trinke, will ich keine Demonstration mitmachen, welcher Art sie immer sei. Man kann dem Mann nicht unrecht geben; übrigens äfft man damit eine Sitte der vielgehaßten Engländer nach! i

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Leutnant der Reserve Dr. Theodor Ranft, Oberlehrer aus Gießen. Freiwilliger Ludwig Lu aus Allendorf a. Lahn, solms, Inf.⸗Reg. 81. 5

Militärische Versorgungsausprüche und Unterzeichnung dei Stammrolle. Das preußische Kriegsministerium hat in einem Er⸗ lasse darauf hingewiesen, daß in keinem Falle zulässig ist, eine Verzichtleistung auf gesetzlich zustehende Militär⸗ versorgungsgebührnisse zu fordern. Vielmehr sei es selbstverständlich Pflicht der Truppenteile und Behörden, für die Zubilligung etwa zustehender Versorgungsgebührnisse auf das Weitgehendste besorgt zu sein. Die in Ziffer 35,2 der Pen⸗ sionierungsvorschrift vom 16. 3. 1912 vorgesehene Unterzeichnung der Stammrolle oder des Auszuges aus ihr hat lediglich den Zweck, die Richtigkeit aller vorgeschriebenen Eintragungen, insbesondere von Dienstbeschädigungen, Verwundungen und sonstigen Krank⸗ heiten von den zu Entlassenden bestätigen zu lassen. Sie bat keinerlei Einfluß auf etwaige Versorgungs⸗ ansprüche, für die nur die nachteiligen Folgen solcher Ge sundheitsstörungen in Frage kommen. Vor allem möchten wir aber raten: alles genau durchlesen, bevor man es unter⸗ schreibt! a

Eine Bluttat. Gestern abend gerieten in einer hiesig Wirtschaft zwei Männer in Streik, in dessen Verlauf der eine 5

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anderen niederstach, sodaß der Tod sofort eintrat. Wie man hört, soll Eifersucht die Ursache der Tat sein. Der Täter, der auf Urlau

zurückkam, soll durch andere Leute erfahren haben, seine Frau habe sich inzwischen mit einem anderen abgegeben. 5

Beinahe wieber ein Unglück. Gestern nachmittag stießen auf der Bahnhosstraße, wo diese von der Löwengasse und Mühlstraße gekreuzt wird, zwei Radfahrer zusammen. Beide fielen vom Rade und gerade auf das Gleis der Straßenbahn. Im gleichen Augen⸗ blicke kam auch ein Straßenbahnwagen vom Bahnhof her und hätte die Radfahrer überfahren, wenn der Führer nicht sofort gebremst hätte. So wurde durch dessen Aufmerksamteit ein schweres Un⸗ glück verhütet. Beim Fahren in der Stadt muß eben größte Vor⸗ sicht geübt werden! Wie wir hören, ist der Führer des Wagens, durch den am Sonntag das Kind überfahren wurde, infolge des Schreckens schwer erkrankt. Von mehreren Seiten wird uns be⸗ stätigt, daß den Mann, der bereits in vorgerückten Jahren steht l als ein vorsichtiger, ruhiger Fahrer bekannt ist, keine Schuld trifft.

Stadttheater. Von heute Dienstag ab werden an dey Tageskasse des Stadttheaters jeweils von 101 Uhr die Abonne⸗ ments ausgegeben. An der gleichen Stelle werden von jetzt ab auch die weiteren Abonnementsenmeldungen entgegengenommen. Die Proben haben bereits den Beweis erbracht, daß die Er⸗ üffnungsvorstellung am Freitag in Ludwig UhlandsHerzog Erust von Schwaben eine interessante Aufführung bringen wird. Da die Uhlanoͤsche Dichtung außerordentlich selten aufge⸗ führt wird, werden der hiesigen Erstaufführung vermutlich ver⸗ schiedene Intendanten und Direktoren benachbarter Sädte bei- wohnen.

Die Tinte wird teurer. Die Vereinigung deutscher Tinte⸗ fabrikanten beschloß eine sosortige Preiserhöhung um zehn Prozent.

Göchstpreise im Kreise Friedberg. Der Lebensmittel⸗ Prüfungsausschuß des Kreises Friedberg hat neue Preise sestgesetzt,

jedene Lebensmittel gegen die bisherigen Pveise eine nennenswerte Herabsetzung bedeuten. Der Verkaufspreis ssür den Doppelzentner Wetterauer Speisekartoffeln beträgt 67 Mark. Im Einzelverkauf darf der Preis für das Pfund Kartoffeln 5 Pfg. nicht übersteigen(was im Verhältnis zum Zent⸗ nerpreis viel zu teuer ist), nur Mäuschenkartoffeln dürfen bis 8 Pfg. das Pfund abgegeben werden. Land butter kostet 1.701.75 Mk. das Pfund, Wetterauer Süßrahmbutter 2.20 Mark. Der Molkerei⸗ verkaufspreis beträgt vom 14. Oktober ab 2.10 Mk. für das Pfund Süßrahmbutter, auch für den Versand nach auswärts. Ferner setzte der Ausschuß flir Ob st Höchstpreise fest. Wirtschaftsäpfel kosteten im Zentner 57 Mk., pfundweise 69 Pfg., Tafeläpfel der Zentner 812 Mk., pundweise 1020 Pfg., Wirtschaftsbirnen der Zentner 68, Mk., das Pfund 810 Pfg. Für Spalierobst edler Sorten, kön⸗ nen höhere Preise gefordert werden. Das Kreisamt verbietet ferner unter Androhung der gesetzlich höchsten Strafen Preisverab⸗ redungen von Verkäusern und Interessenten zur Erzielung höherer Lebensmittelpreise als vorgeschrieben sind. Die Vorschrift gilt be⸗ sonders auch für die Molkereien. Auch wer Lebensmittelvorräte dem Verkehr entzieht, um sie später oder anderwärts für höhere Preise zu verkaufen, kommt durch das Kreisamt zur Anzeige.

Westerwald und Unterlahn.

* Ein großes Feuer brach im der Nacht zum Freitag in Katzen⸗ ellenbogen, in der Möbelfabrik von Faust aus. In den großen 0 Holzvorräten fand das Feuer reichliche Nahrung und sprang mit un⸗ glaublicher Schnelligkeit auf das Wohnhaus und die Werkstätte über. In dem Moment, als man das Feuer bemerkte, stand auch das ganze Anwesen schon in hellen Flammen. Aus dem Hause und der Schrei⸗ nerei konnte nicht das geringste mehr gevettet werden, ein Lehrling, der im Dachgeschoß schlief, konnte nur das nackte Leben retten. Trotz sofortigen energischen Eingreisens der Feuerwehr konnte nicht ver⸗ hindert werden, daß das Feuer auch auf das benachbarte Auwesem des Gastwirtes Hofmann übersprang. Stall und Scheune davon sind niedergebrannt, wobei auch zwei Schweite vier Ziegen und zwölf Hühner verbrannten.

Von Nah und Fern.

* Eine zärtliche Gattin. Ueber das kaum glaubliche Vers halten einer Kriegerfrau wird aus Biskupitz(Oberschlesien) fol⸗ gendes berichtet: Ein im Betriebe des Borsigwerkes beschäftigter Arbeiter, der eingezogen war, hatte das Unglück, infolge eines Kopfschusses die Sehkraft beider Augen zu verlieren. Als er nach seiner Genesung in Begleitung eines Unteroffiziers der Familie zugeführt wurde, ist ihm ein unerwarteter Empfang bereftet wor⸗ den. Die Frau lehnte in barschem Tone die Auf⸗ nahme des verunglückten Kriegers ab, obwohl ihr eine auskömmliche Unterstützung zugesichert war. Sie wies ihren, Ehemann und Vater von zwei Kindern aus der Wohnung hinaus mit dem Bemerken, daß sie mit ihm nicht mehr leben werde. Der Unglückliche ist bis auf weiteres noch im Reservelazarett der Donnersmarckhütte untergebracht. Der Frau ist die Kriegsunter⸗ stützung entzogen worden. Man kann ja immerhin nicht wissen, ob andere Gründe die Frau zu ihrem Verhalten veranlaßt haben.

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