steigerte sich das Feuer unserer schweren Artillerie zu ganzen Salven von Explosionen. Wie im Mai und Juli bei der Lorettohöhe und bei Souchez warf Joffre ohne jede Rücksicht auf Verluste Regimenter um Regimenter ins Feuer. Am 6. und 7. Oktober begann eine neue Reihe von Angriffen. Sie wurden durch ein Trommelfeuer vorbereitet, das zeit⸗ weise die Heftigkeit der Septembertage übertraf. Man berechnet die Zahl der seit dem 20. September geschleuderten Granaten auf mehrere Millionen. Die Verluste auf beiden Seiten sind bei der Heftigkeit der Kämpfe schwer, indessen it die Zuversicht unserer Truppen unerschüttert. Bulgar en ist bereit.
T. U. Kopenhagen, 11. Okt. National Tidende meldet aus Petersburg, daß die kriegerischen Vorbereitungen Bul⸗ gariens in allen Gebieten beendet sind. Zum Chef der ersten Armee wurde General Bojadzica, zum Chef der zweiten
Armee Todorof ernannt. Beide Generale sind erbitterte Russenfeinde. Das bulgarische Rote Kreuz unter dem
Protektorat der Königin ist ebenfalls vollständig ausgerüstet. Alle Hospitäler sind zur Aufnahme von Verwundeten bereit. Eine strenge militärische Zensur ist auch für inländische Korre— spondenzen eingeführt.
Bevorstehende russische Truppenlandung an der bulgarischen Küste.
Bukarest, 11. Okt. Der Universul meldet: Von der bessarabischen Front wurde ein Teil der russischen Truppen nach Odessa dirigiert, von dort gehen sie mit Schiffen nach der bulgarischen Küste ab. Aus dem Innern Rußlands weffen ebenfalls Truppen in Odessa ein.
Der Eindruck der Erstürmung Belgrads.
Wien, 11. Okt. Hiesige diplomatische Kreise bewerten die Er⸗ stürmung Belgrads außerordentlich hoch. Nach den vorliegenden Meldungen ist das Ereignis in Bukarest und in Athen mit respekt⸗ vollem Ernst aufgenommen worden. Man sagt, daß von heute ab an der Neutralität Griechenlands und Rumäniens nicht mehr zu zweifeln sei. Telegramme aus Sofia berichten, daß dort das Er⸗ eignis nachts bekannt wurde und stürmische Kundgebungen für die Mittelmächte auslöste. Die dortigen Kreise verfolgten mit fieber⸗ hafter Spannung die zweitägigen Straßenkämpfe in Belgrad und als die Nachricht von dem Fall der Festung eintraf, hafen sich auch die bisher abseits Stehenden den Kundgebungen an.
Die montenegrinischen Stellungen auf dem Lowtschen.
T. U. Kopenhagen, 11. Okt. Central News melden aus Rom, daß die Montenegriner einen österreichisch-ungarischen Angriff auf den Lowtschen, der die Cattaro-Bucht beherrscht, erwarten. Die Montenegriner hätten hier 12 Zoll-Kanonen eingebaut und sich auf eine verzweifelte Verteidigung ein— gerichtet.
Wie sie sich in Salonik einrichten.
T. U. Saloniki, 11. Okt. 30 englische Mechaniker, die mit dem General Hamilton ankamen, haben im Hafen von Saloniki eine Station für drahtlose Tele⸗ graphie errichtet, was großes Aufsehen erregt. Der General wird nächstens nach Nisch reisen.
Die„Deutsche Tageszeitung“ verboten. Berlin, 11. Okt. Das Erscheinen der Deutschen Tageszeitung ist laut Mitteilung des Blattes abermals bis auf weiteres verboten
worden. Kriegsnstizen.
In Königsberg i. Pr. waren seit dem 3. August 1914 die politischen Vereine geschlossen. Vereinsversamm⸗ lungen durften nicht stattfinden. Jetzt macht der Gouverneur be⸗ kannt, daß diese Bestimmung vom 10. Oktober ab außer Kraft tritt. Die Genehmigung öffentlicher Versammlungen und Vorträge über militärische Angelegenheiten und über Kriegsziele wird nur aus⸗ nahmsweise erteilt. Versammlungen politischer Vereine sind nur als geschlossene Mitgliederversammlungen gestattet. Die Aus⸗ forderung hierzu geschieht nicht öffentlich, sondern ergeht an die einzelnen Mitglieder des Vereins persön⸗ lich. Der Zutritt steht nur den Mitgliedern des Vereins gegen Vorzeigen der Mitgliedskarte zu. Fremde und Gäste dürfen nicht eingeführt werden. ueber die Versammlungen darf
in der Presse nicht berichtet werden. Die Ver⸗
anstaltung einer solchen Versammlung ist durch den Vorstand des Vereins mindestens 24 Stunden vorher der Ortspolizeibehörde mit Angabe von Zeit und Ort schriftlich zu melden. Die Anwesenheit in der Versammlung und ihre Ueberwachung ist den Vertretern der Polizeibehörde gestattet. Ihren Anordnungen ist unbedingt Folge zu leisten. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. 3 a
Bei der Beratung eines Gesuches von 3000 Kriegerfrauen um Erhöhung der Kriegsunter st ü tzung stellte der Bürger⸗ meister der Stadt Plauen i. V. fest, daß die Höchstbe steuer⸗ ten für die Kriegshilfe im allgemeinen sehr wenig oder gar nichts gegeben hätten! 5 Die deutschen Gewerkschaften haben in dem Jahre seit Beginn des Krieges bis 31. Juli 1915 insgesamt 21578 506 Mark für Arbeitslofe und 10 421 584 Mark für die Unterstützung der Familien eingezogener Mitglieder ausgegeben. Von den
2510585 Mitgliedern wurden 1061404= 42,7 Proz. zum Heeresdienst einberufen. 5 5 8 8 Die öffentlichen Arbeitsnachweise in Deutsch⸗
land vermittelten im ersten Kriegsjahr 2 100 000 Arbeitsstellen. Der sozialistische Landtagsabgeordnete Westmeyer ist, wie der Sozialdemokrat mitteilt, am 4. Oktober in Karlsruhe ver⸗ haftet worden. Ueber den Grund der Verhaftung liegen keine Mitteilungen vor.
Vierzehn der von den Russen als Geiseln aus dem Kreise Petrikow fortgeführten Personen sind aus der Ge⸗ fangenschaft entflohen und in ihre Heimat zurückgekehrt. 5 Der Nieuwe Rotterdamsche Courant bringt eine Statistik über die Vermehrung der Waffen- und Munitionsaus⸗ fuhr aus Amerika in den Kriegsjahren. Diese Ausfuhr be⸗ trug im Jahre 1913/14: 12 341156 Dollar, im Jahre 1914/15: 67 802 270 Doll., hat sich mithin um 400 Prozent vermehrt. Die Ausfuhr von Patronen stieg von 3 Mill. auf 71 Millionen, von Pulver von 4% Million auf 5 Millionen, von Explosionsstoffen von 1 auf 17 Millionen, Feuerwaffen von 3 auf 9 Millionen, Kriegs- artikel aus Messing von 4 auf 18 Millionen. Nicht mit inbegriffen ist alles indirekte Kriegsmaterial wie Automobile usw. und der Export nach Kanada.
Parteinachrichten. Karl Ibsen gestorben.
Aus Newyork wird dem Vorwärts geschrieben:
Wieder ist einer der alten Kämpfer dahin, die in der schweren Zeit des Sozialistengesetzes tren zur Partei des Proletariats stan⸗ den. Den Jüngeren ist der Name Karl Ibsens wenig bekaunt, aber in den achtziger Jahren wurde sein Name in Deutschland sehr häufig genannt. War der Verstorbene doch eines der ersten Opfer bes Polizeirats Rumpf. Ibsen wurde ein Jahr nach dem Erlaß des Sozialistengesetzes beschuldigt, einen Meineid geschworen zu haben, um einen Genossen zu retten, den man angeklagt hatte, Bebels Buch„Die Frau“ verbreitet zu haben. Auf die nichtigsten Indizien hin wurde er für schuldig befunden und zu einer dreijäh⸗ rigen Zuchthausstrafe verurteilt. Karl Ibsen büßte die harte Strafe ab, konnte sich nach seiner Freisetzung der Verfolgung durch die Behörden nicht entziehen und wanderte deshalb nach den Ver⸗ einigten Staaten aus. 2
Hier hat er seine parteipolitische und gewerkschastliche Tätig⸗
keit, die er in Frankfurt a. M. begonnen, mit unverändertem Mut und Schaffensdrang fortgasetzt. Brauer hat ihm viel zu danken. In Newyork redigierte er die Brauer⸗Zeitung und die Bäcker⸗Zeitung; später leitete er die da- mals in Pittsburg und Cleveland bestehenden Arbeiterzeitungen, um dann in die Redaktion der Newyorker Volkszeitung einzutreten, die dem Verstorbenen einen warmen Nachruf widmet. Doch die Wunden, die ihm die Justiz geschlagen, vernarbten nie. Die schweren Leiden, die ex ertragen, erzeugten eine Gemütskrankheit, die ihn in den letzten Jahren zur Arbeit unfähig machten. In dieser be⸗ dauernswerten Verfassung machte der wackere Kämpfer am 23. September in Newer nem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende. Keir Hardies Leichenbegängnis.
Am Mittwoch wurde Keir Hardies Leiche im Krematorium von Glasgow eingeäschert. Die Teilnahme der Bevölkerung war außer⸗ ordentlich groß, viele Tausende standen den Straßen entlang, durch die sich der Leichenzug bewegte. Außer einer Vertretung des Ge⸗ meinderats von Merthyr Tydall, des Wahlkreises Keir Hardies, des Gemeinderats von Glasgow und vielen Mitgliedern der Unter⸗ hausfraktion der Arbeiterpartei wohnten zahlreiche Delegierte der Unabhängigen Arbeiterpartei, der Gewerkschaften und anderer proletarischer Vereinigungen der Feierlichkeit bei. Nach der reli⸗ giösen Feier sprach das Unterhausmitglied Genosse Jowett, ein alter Freund des Verstorbenen, über das Leben und Wirken des Vorkämpfers der selbständigen Arbeiterpolitik in England.
Im Anschluß an die Beisetzung fand in Glasgow eine von der Unabhängigen Arbeiterpartei zum Andenken an Keir Hardie ver⸗ anstaltete große Volksversammlung statt. Eine andere wurde am Sonntag in London abgehalten. Hauptredner war Genosse Suowden.
Der Labour Leader hat einen großen Teil seiner letzten Num⸗
Namentlich die Gewerkschaft der
mer Keir Hardte gewidmet. Wir finden darin u. a. Genossen und Genossin Bruce Glasier. f f Die englischen Arbeiterführer auf der französischen Agita Der Verwaltungsrat der sozialistischen Partei Frankrei im Einverständnis mit der britischen Arbeiterpartei beschl Agitationstour in Frankreich zu unternehmen, um das Publikum mit den Anstrengungen bekannt zu machen, die di
länder machen, um Waffen und Munition herzustellen. Es wu bereits drei Versammlungen abgehalten: in Paris, Brest Rennes; die nächsten Versammlungen werden in Lyon, Vi 5 und Montlucon stattfinden. Als Redner treten auf: der ö der Arbeiterfraktion John Hodge, Unterstaatssekretär G. H. Rob f Adolf Smith und der französische Sozialist Gaston Levy.. 7 2 0 Arbeiterbewegung. 1 Vom Burgfrieden der Scharfmacher. 5 0 Zu den Fragen der Arbeitsvermittlung läßt sich die Deu 1 Arbeitgeberzeftung unter dem 5. September d. J. von„geschätz 00 Seste“ folgendes schreiben:„Mit Entschiedenheit aber muß e 0 Arbeitgeberschaft abweisen, in allen diesen Frage je mit G f schaftsvertretern, denn das sind im Gegensatze zu den Arbeitern 70 eigentlichen Repräfentanten der Sozialdemokratie, und sie 5 meist nur von der Agitation und dem Gelde, das sie den Arbe fil aus der Tasche ziehen, gemeinschaftlich zu tagen, selbst wenn m in Regierungsbehörden die Hinzuziehung solcher Leute aus Unke nis des Milieus und der vitalen Interessen von Industrie, Ha und Gewerbe einleiten sollten.“ Daß viele Arbeitgeber neben 0 von ihren Vätern ererbten, also auch nicht aus eigener Kraft fi worben und verdienten Vermögen, in der Hauptsache nur von d Di leben, was sie den Arbeitern aller Art an Lohn für deren Arb 0 leistungen vorenthalten oder den Käufern ihrer Produkte übe wirklichen Wert der betreffenden Produkte hinaus aus der Tasche erz gezogen haben, das sehen diese Herren selbstverständlich nicht e Ir Daß ferner alle Gewerkschaftsbeamte und Parteifunktionäre für die 1 Arbeiterschaft in erster Linie eine Notwendigkeit geworden nur weil durch das arbeiterfeindliche Verhalten vieler Unte fl die Arbeiter meist nicht in der Lage sind, ihre diesbezüglichen Kit teressen selbst wahrzunehmen, die Funktionäre der organisier nt Arbeiterschaft also nur Früchte arbeiterfeindlicher Bestrebun, det sind, und infolgedessen die Arbeiterschaft durch das gegensä 0 Verhalten vieler Unternehmer erst gezwungen wurde und wi i ihre Lohnforderungen auch die Ausgaben für Abwehr arbeiter den
licher Bestrebungen mit einzurechnen, dürfte die„geschätzte Seit der Deutschen Arbeitgeberzeitung in der Eile ebenfalls nicht übe
legt haben. Aber es ist trotzdem so. Und der Herr wird sich dahe 64 wenn er noch nicht alle Logik zum alten Eisen geworfen hat und uit etwas gewissenhafter über die Ursachen nachdenkt, die für die fol stellung und Bezahlung von Gewerkschaftsbeamten für die Arbeite 15 schaft maßgebend geworden sind, sagen müssen, daß eigentlich g 0
Unternehmer oder die kapitalistische Wirtschaftsordnung als 10 zeuger dieser„Repräsentanten der Sozialdemokratie“ in ersc die Linie in Frage kommen. Und das wird so lange gelten, als arb Unternehmer und Kapitalisten gibt, die die Arbeitskräfte f etz Mitmenschen in solch unsozialer Weise für sich in Anspruch nehm 10
daß ein orgonisierter Widerstand dagegen im Interesse kültn Fortschritts liegt.
Industrie und Volkswirtschaft. 10 Kriegsgewinne. N
Die Zündwarenfabrik Stahl& Nölke in Kassel 0 1914/15 bei einem Aktienkapital von 1 Million Mark einen I
gewinn von 820 073 Mk. gegen 483 775 Mk. 1913/14. Der
gewinn beträgt 388 220 Mk.(201 966), woraus 12(10) P f Dividende verteilt werden. l 8 Die Aktiengesellschaft Z. Banning in Hamm i. W. konnte N Reingewinn steigern von 83 161 Mk. im Jahre 1913,14 auf 2 e Mark im Jahre 1914/15, woraus 14(4) Prozent Dividende v 2
teilt werden.* Bei der Aktiengesellschaft Lauchhammer ergab der 0
schluß für 1914/15 bei 1892 902 Mk.(1 585 134) Abschreibun einen Reingewinn von 2301786(1487862) Mk. An Dividen wurden 10(6) Prozent bezahlt und 697 028(438 947) Mk. auf ne Rechnung vorgetragen. 5 1
Die Eschweiler⸗Rattinger Maschinenbau⸗Ak be tiengesellschaft hat in dem letzten Geschäftsjahre, trotzd 77 nach dem Bericht die Betriebe im August und September v. 5 fast ganz ruhten und die Arbeiterzahl von 548 auf 303 herunt 1
ging, einen Reingewinn von 429994 Mk. gegen 322 425 Mk. Vorjahre erzielt. Die Abschreibungen betragen 173 889(13570 Mark, die Gewinnanteile und Belohnungen an Aufsichtsrat, bn und Beamte 48 528(33 451) Mk. Die Dividende beträgt 7(5 brozent. g 1 Auch die Dillinger Aiken haben, trotzdem f Werke im Aufmarschgebiet liegen, den Krieg gut überste 1 Zur Verteilung gelangt eine Dividende von 18(19) Pro
Pulver und Gold.
Roman aus dem Kriege 18701871. 14 Von Levin Schücking.
„Frauen nicht immer mit dem Geschick, womit ich Sie in so kundiger, fester Hand die Zügel lenken sehe!“ warf ich ein.
„Doch könnte es jede. und man kann es!“
Man muß es nur lernen wollen,
„Unsere Straße ist sehr glatt und eben, eine vortreffliche
Vizinalstraße,“ sagte ich lächelnd,„vielleicht kommt noch eine schmale Brücke, ein Ausweichen, eine schwierige Stelle, wo ich die Genugtuung habe, Ihnen helfen zu müssen.“ a„Es wäre sehr töricht, wenn ich Ihre Hilfe erbäte, ehe ich weiß, ob Sie denn auch fahren können.“ „Das ist wahr, ich muß nach einer Gelegenheit suchen,
— 2 Ihnen zu beweisen, und ich wünschte nichts mehr als „Da ist Colomier aux Bois!“ sagte jetzt der Geistliche,
auf eine Burgruine in der Nähe deutend. Wir hatten längst eine Wendung gemacht und waren
in ein höchst romantisches Seitental, das ein dem Oignon zu— strömendes Gewässer bildete, eingefahren. Schroffe Felsen und pittoreske Klippenbildungen engten rechts und links die Talsohle ein. Das Gewässer rauschte nahe unter uns in einem tief durch das Gestein gewühlten Bette— oft schoß es schäu— mend in heftigen Stromschnellen dahin; zuweilen zog sich unser dem Ufergestein abgewonnener Weg in steilen Er— hebungen empor; dann hatten wir das tobende Gewäsfser in einer abgrundtiefen Schlucht unter uns und erhielten pracht— volle Ueberblicke über das romantische kleine Flußtal. Die Burgruine mit dem Belfried, die im Süden vor uns, wo das Tal vollständig abgeschlossen schien, von einem höheren Rücken herüberblickte, hatte ich längst ins Auge gefaßt; Fräulein Blanche hatte bis jetzt nicht daran gedacht, mich auf dies unser
liebenswürdig, wie sie es gestern gewesen; es war etwas Ge— reiztes in ihrem Wesen; sie warf wie Vorwürfe die Worte hin, die sie mir antwortete, mit dem schmollenden Aufwerfen der Lippen, durch das uns Frauen ihre Ungnade an den Tag legen. Was hatte sie? Reute sie die große Freundlichkett, die in dieser unserer Fahrt für mich lag? Sie selbst hatte sie doch vorgeschlagen.
Mich, ich muß es gestehen, beunruhigte es. Ich war von Fräulein Blanche nach jener ersten abendlichen Unterhaltung schon bezaubert— aber auf dieser Fahrt verliebte ich mich in sie. Es sah so edel, so stolz und vornehm aus, dies Profil des vorwärts gerichteten, in die Ferne blickenden Kopfes, das ich neben mir hatte. Ihr dunkles Auge hatte einen so seelen— vollen Blick; es sprach so fesselnd von der rätselvollen Gemüts— tiefe, die der Deutsche in den Augen sucht, in die er sich ver— liebt; es hatte so gar nichts von dem Wechsel von trügerischem Sanftmutsschlummer und leidenschaftlichem Feuer der Süd— länderinnen; in all ihrem einfachen natürlichem Wesen sprach sich eine solche Klarheit eines starken, sich selbstbewußten und tüchtigen Charakters aus; und ich, ich war vollständig von dieser schönen und fesselnden Erscheinung befangen... ich hätte so im leichten Gefährt neben ihr immer weiter rollen mögen in diese schöne, sonnige Gotteswelt hinein, ohne Ziel, ohne Ende— in ihren Händen die Zügel unseres Fahr⸗
* kamen an einen kleinen Weiler; die Bergwände traten an dieser Stelle unseres Weges zurück; der offene Raum war dazu benutzt, eine Mühle zu erbauen, in deren Räder sich ein dünnes, über blankgewaschenes Gestein nieder⸗ rauschendes Gewässer stürzte; umher standen kleine, auf Wohlhabenheit deutende Häuser mit Blumengärtchen nach der Straße hin. Die Reihe dieser Häuser zog sich, zwischen Berg⸗ wand und Chaussee liegend, unseren Weg entlang. Als unser Wagen an diesen Wohnungen vorüberrollte, stürzten aus mehreren derselben die Einwohner heraus; auf ihren Schwellen stehend, starrten sie die preußischen Uniformen an,
ziel aufmerksam zu machen. Sie war überhaupt nicht so
stießen auch Rufe aus, die ich nicht verstand. Ein paar
Burschen, die uns entgegenkamen, blieben inmitten des Wege stehen, als ob sie Lust hätten, unser Gefährt aufzuhalten. E war nicht unmöglich, daß sie auf den Gedanken geriet Fräulein Kühn werde eben von diesen Deutschen entfüh
war das der Fall, so wurden sie bald beschwichtigt, denn des“
Fräulein rief ihnen einige Worte entgegen, worauf fi N
grüßend die Mütze zogen und beiseite traten, um uns d 1
mit sehr zornigen und haßerfüllten Blicken nachzuscha⸗ N 0 U
„Diese Fahrt mit uns wird Sie um Ihre Popu im Lande bringen, Fräulein Kühn,“ sagte ich.„Und unglücklicherweise unsere Truppen bei weiterem Vorrüe dieses Tal hinaufziehen würden, wird man Sie beschuld
uns den Weg gewiesen zu haben... fürchten Sie das n
„Nein,“ sagte sie kurz,„meine Landsleute kennen 0 Der Geistliche mischte sich ins Gespräch, und Fräuf 1 Blanche verhielt sich schweigsam, bis wir Colomier erreich li
hatten. Dies war wirklich ein Punkt von großer Schönh Es war ein rundum fast ganz abgeschlossener Bergkessel, Grund smaragdgrüne Wiesenmatten bildeten. Im H
grunde lag ein Gehöft, dicht an eine Felswand geschobe 11 Rechts davon schoß der Fluß aus einer schmalen Felse f
hervor, tosend und schäumend; von dem Gehöft führte ein hochgeschwungene Brücke über ihn fort auf eine Waldwi die von dunklen Tannen umstanden war, und von Hintergrunde hob sich ein hübscher geräumiger Pavillon 1 seinem hohen, spitzen Schieferdach ab. Ein kleiner, auf Fluß hinaus sich erstreckender Altan mit einer vor umramkten Veranda vollendete das hübsche Archit das dies schmucke kleine Gebäude bildete.* Die ringsumher malerisch gelagerten Felsmasse bis zur halben Höhe von einer reichen Vegetation und verhüllt; sie waren gekrönt von den mächtiger Mauern des alten Schlossos von Colomier, auf dem der geistliche Vetter, der in der Geschichte bewand als in der Geographie. hatte es behauptet— Herzöge von Hochburgund zeitweise ihren Sitz
5 Eortsetzung folgt.),


