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Anterseits, sobald sich
Organ für die der Provinz Oberhe
Interessen des werktätigen Volles ssen und der Nachbargebiete.
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Nr. 235
Gießen, Donnerstag, den 7. Oktober 1915
10. Jahrgang
Wird Bulgarien osschlagen 4 0 schlagen? 1 0 Von Heinrich Cun ow. Dom Balkan dringt ein buntes Gewirr der widerspruchvollslen saochrichten, Ankündigungen und Verheißungen herüber und findet dem politischen Hin⸗ und Hergerede der bürgerlichen Presse über e, Komplizsertheit des Valkanproblems einen noch bunteren derhall. Obgleich dem, der einigermaßen die politischen Partei⸗ erhältnisse, die nationalen und wirtschafklichen Gegensätze auf dem sankan kennt, das dortige diplomatische Kdiegsschachspiel und die an dessen Teilnehmern in die Blätter lancierten, sich gegenseitig lidersprechenden Meldungen keineswegs unerwartet kommen jo i recht wohl begreiflich, daß mancher, der mit einem plötzlichen Hsschlagen und vielleicht gar mit großen schnellen Siegen der Bul⸗ Kren gerechnet hat, heute mißmutig fragt:„Ist denn überhaupt ch mit einem Eingreifen Bulgariens in den Völkerkrieg zu uchnen? Vielleicht war doch alles nur Zeitungsgerede.“- Es ist richtig, die ganze Lage auf dem Balkan hat etwas Ver⸗ orrenes, Unübersichtliches. Langsam und zögernd entwickeln sich e einzelnen Vorgänge, viel zu langsam für den, der meint, die eilnahme Bulgariens am Kriege werde wesentlich dazu beitragen. eis Ende des blutigen Riesenkampfes zu beschleunigen und der Welt dlich den langersehnten Frieden zu bringen. Sicherlich hat solche Jeinung eine gewisse Berechtigung; die Durchbrechung des Bul⸗ rien von Ungarn trennenden serbischen Gebietes und der Marsch gdutscher und österreichischer Truppen nach Konstantinopel würden England und Frankreich einen gewaltigen Druck ausüben; aber N die eine schnelle Bereitschaft Bulgariens erhoffen, vergessen eng daß Bulgarien in den Jahren 1912/13 gewaltige Kämpfe gegen . Türkei, dann gegen die anderen vereinigten VBalkanstaaten aus⸗ Mochten hat, die im Verhältnis zu seiner Bevölkerungsgröße 3 Vlutopfer und ebenso enorme Geldopfer gefordert haben. Ei Volk, das fast ein Jahr lang in einem heißen Kampf gestanden, iceheure Opfer gebracht und doch nur einen sehr bescheidenen Teil eier Wünsche durchgesetzt hat, ist naturgemäß wenig geneigt, sich eon nach zwei Jahren wieder in einen Krieg zu stürzen, mag imerhin der Haß gegen seine Bezwinger und das Verlangen, ver— en gegangene Gebiete zurückzugewinnen, in hellen Flammen oleru. Wenigstens müssen gewisse Garantien des folges gegeben sein. Dazu kommt, daß, wenn auch Agarien alsbald nach dem Bukarester Friedensschluß(am August 1913) mit der Neuorganisation seiner Heeresmacht be⸗ enen hat, doch noch manches im Werden steckt, besonders was das A illeriewesen anbelangt. Ferner möchte die bulgarische Regierung gerne, wenn ihre Zappen gegen Serben ziehen, sich den Rücken frei halten, das heißt e gegen einen Einfall der rumänischen Armee sichern. Vekannt⸗ Ii stellte Rumänien, obgleich es gar nicht am Kampf gegen die Aiglei teilgenommen hatte, plötzlich im Frühjahr 1913 an Bul⸗ gain die Forderung, es müsse, damit das Gleichgewicht unter den kanmächten gewahrt bleibe, ebenfalls einen Anteil an der Beute laen. Um den Ausbruch eines Krieges zwischen Rumänien und A garien zu vermeiden, legten sich jedoch die Großmächte ins tel und auf Betreiben Rußlands fand sich Bulgarien bereit, die Agarische Festung Silistria an der Donau mit einem weiteren kreis an Rumänien abzutreten: ein Vorschlag, der dann auch e Zustimmung Rumäniens sand und am 24. Mai 1913 vom uänischen Senat, am 31. von der rumänischen Kammer ange⸗— zumen wurde. Trotz dieses Abkommens forderte Rumänken n zwei Monate später, als Bulgarien in Konflikt mit Serbien 0 Griechenland geraten war und in der Klemme saß, eine weitere netung, nämlich des an die südliche Dobrudscha stoßenden Ge⸗ s nördlich der Linie von Tuturkai an der Donau bis Baltschit Schwarzen Meer. Und als Bulgarien auf diese Erpres sun g eingehen wollte, schlug sich Rumänien kurzweg auf die Seite iens und Griechenlands und ließ seine Truppen in Bulgarien larschieren. Im Bukarester Frieden erhielt denn auch Rumänien verlangte von einer fast rein bulgarischen Bevölkerung be⸗ ite Gebiet. 8 Es ist selbstverständlich, daß nach solchen Erfahrungen sich Bul⸗ an scheut, gegen Serbien zu ziehen, wenn es nicht gegen Aänjens Hinterlist einigermaßen gedeckt ist. Die bulgarische Re⸗ Hung versuchte daher zunächst mit der rumänischen vorher zu zien gewissen Einvernehmen zu gelangen. Das ist jedoch, wie sich . zeigte, ein schwierlges Beginnen: denn in keinem Lande euipas, auch nicht in Rußland, herrscht ein derartiges Kliquen⸗ ke, und in keinem wird die Regierungspolitik so sehr vom dpunkt einer grundsatzlosen Schacherei! betrieben, wie in känuien. Ob sich Rumänen daher zu Zusicherungen versteht, und weit es diese einhält hängt denn auch viel weniger davon ab. e Garantien Bulgarien für die Respektierung der rumänischen lezen und Interessen bietet, als von der Gestaltung der Kriegs⸗ bein Rußland und Ostgalizien. Wenn das rumänische Mini⸗ lum Bratianu sieht, daß nicht mehr mit einem Sieg Rußlands tahnen ist, wird es mit derselben Gewissenlosigkeit den Auschluß ie Zentralmächte suchen und Truppen zur„Befreiung der lünischen Länder“ in Bessarabien einrücken lassen, wie es sich . 0 die Aussichten Rußlands in Wolhynien und aglisch⸗fronzösische Dardanellenaktion günstiger gestalten, nicht teringsten scheuen wird, sich offen auf die Seite des Vierver⸗ üabes zu schlagen. Der Aufmarsch einer Anzahl deutscher und ieichischer Armeekorps an der Nordgrenze Serbiens und Ru⸗ ens würde bas Bratlanusche Kabinett sofort zu der Entdeckung enlassen, daß die nationalen Interessen Rumänien unbedingt Ide Seite der Zentralmächte verweisen. Heute fe doch wer⸗ Ilidiese Armeekorps teilweise noch in Rußland deim Westen festgehalten. 1 5 ie inneren politischen Gründe, die ae bisher e Hinauszögern der Kampf-
das Nados⸗
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sätze zwischen den verschiebenen politischen Partejen abgeschwächt. Die letzten Wochen, vornehmlich seit der Mobilmachung, haben einen großen Umschwung in den Parteistellungen Bulgariens her⸗ vorgerufen. Der größte Teil der Bauernparteiler ist jetzt allem Auschein nach, obgleich gerade Rußland unter den orthodoxen Bauern ein hohes Ansehen genießt, für den Krieg gegen die„ver⸗ räterischen“ Serben, und selbst die Malinowsche demokratische wie die nationalliberale(stambulowistische) Parteigruppe haben sich den Radoslawowschen Liberalen beträchtlich genähert. Bis auf wenige noch an alten russophilen Traditionen festhaltende ältere Generäle ist das ganze Offizierkorps für den Krieg gegen Serbien.
Das sind in der Hauptsache die Gründe, die es bisher der bul
garischen Regierung ratfant erscheinen ließen, den Beginn des Krieges gegen Serbien noch hinauszuschieben— aber diese Verzögerung besagt keineswegs, daß Bulgarien iiberhaupt nicht zu m Kampf bereit ist. Es wird
osschlagen. Man weiß in den Regierungskreisen Sofias Nachteil umkehren zu können. Die Haltung, die die bulgarische Re⸗ gierung in den letzten Wochen zum Vierverband und gegen Serbien eingenommen hat, würde ihm doch nicht verziehen werden. Zudem was hätte Bulgarien davon, wenn es vielleicht ein Stiick von donien erhielte, Rußland aber in den Besitz des Dardanellen gelangte, Serbien ein größeres K Adria gewönne und Rumänien sich im Norden Es würde zu einem Balkanstaat vierten Ranges, dem durch die Neu⸗ gruppierung fast alle wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten ab⸗ geschnitten würden. Heute noch ein fast reiner Agrarstaat, ist Bul⸗ garien in erster Linie auf die Ausfuhr seiner Agrarprodukte ange⸗ wiesen. Nach Südrußland, Rumänien, Serbien usw. kaun es sie aber nicht ausführen, da diese Länder selbst eine überschüssige land⸗ wirtschaftliche Produktion haben. So verw eist es sein wirt⸗ schaftliches Lebensinteresse auf den Ab satz im Mittelmeer und nach Mitteleuropa. In dieser Hin⸗ sicht aber stände ihm die Festsetzung Rußlands an den Dardanellen und die Entstehung eines an das Adriatische Meer grenzenden mächtigen Serbiens überall hemmend im Wege. Eingeengt und ein⸗ gekeilt, müßte es wirtschaftlich ersticken. Will Bulgarien sich nicht selbst seine Zukunft verbauen, muß es demnach suchen, einerseits im Norden eine Grenze zu gewinnen, die es direkt mit den Zentral⸗ mächten verbindet, und andererseits den Handelsweg von Westasien über Konstantinopel nach Mitteleuropa durch ein eigenes Gebiet zu leiten.
Alles das weiß man in Sofia nur zu gut. Deshalb haben bis⸗ her alle Versuche des Vierverbandes, Bulgarien in sein Netz zu ziehen, völlig versagt, und deshalb wird es sich auch unzweifel⸗ haft auf die Seite Deutschlands und Oesterreichs schlagen, sobald deren Vorbereitungen für den Zug nach Kon⸗ stantinopel beendet sind— vorausgesetzt, daß nicht eine Landung von Vierverbandstruppen an der griechischen Nordostküste es schon friiher zum Losschlagen nötigt.
„ Maze⸗ und der
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Joffres Fehler. a diale, die bis in die jüngste Zeit auch im französischen Offizierkorps Zugang hatte, bringt interessante Be⸗
trachtungen über einige Vorgänge bei der Offensive Joffres in der Champagne. Sie schreibt:„Wir begreifen heute besser die deut⸗ sche Behauptung bezüglich der französischen Kavalleriemassen, die gegen die zweite deutsche Linie lanciert wurden, wenn wir in dem amtlichen, von der Agence Havas verbreiteten Spezialbericht lesen, daß diese zweite Linie„wunderbar versteckt“ war. Also war weder der photographische Aufklärungsdienst mittelst Aero⸗ planen, noch das Geständnis deutscher Kriegsgefangener der letzten Zeit imstande gewesen, dem französischen Oberkommando die Existenz eines zweiten deutschen Befestigungssustems, ähnlich dem ersten und J Kilometer entfernt zu enthüllen! Als die fünf ausein⸗ ander folgenden Linien des ersten Panzers durchgestoßen waren, glaubte man, daß das alles sei und daß man jetzt nur mit blankem Säbel zu verfolgen brauche. Welche andere Erklärung sollte man bieser unfaßbaren Kavalleriegttacke geben? Glaubt man etwa, daß es möglich ist, im Galopp Drahtverhaue. Wolfsgruben und Panzerkuppeln zu nehmen? Wenn ein derartiger Fehler wirklich geschah, ist er dem Angreifer teuer zu stehen gekommen. Aber das ist eine Sache, über oͤie man geraume Zeit hindurch nichts Sicheres erfahren wird.“ Die lugische Folge aus dem, was die Guerre Mondiale schreibt, ist aber nicht nur die irrtümliche Verwen⸗ dung der Kavallerie, sondern die Unterschätzung der Stärke der Ver⸗ teidigungs 0 Entweder wäre ein
tellung der Deutschen überhaupt. viel größerer Kraftaufwand erforderlich gewesen, oder aber General Jyffre mußte von allem Anfang an mit einem langwierigen Etappenkrieg rechnen, der dem Gegner immer neue Verteidigungs⸗ möglichkeiten liefert.
Wenn England es tut!
Das Wiener Fremdenblatt weist auf die wesentlichen Unter⸗ schiede zwischen der Haltung Deutschlands vor Ueberschreiten der belgischen Grenze und der Haltung Englands und Frankreichs gegen Griechenland hin. Deutschland habe bekanntlich zweimal, vor Ueberschreiten der Grenze und sogar noch nach der Eroberung Lüttichs, in Belgien angefragt, ob es geneigt wäre, dem Durchzug der deutschen Truppen kein Hindernis in den Weg zu legen. Eng⸗ land und Frankreich aber, die über die Verletzung der Neutralität Belgiens so sehr entrüstet gewesen, ja sie zum Vorwande der Kriegs- erklärung gemacht hätten, hätten jetzt in Salonik Truppen gelandet, ohne die griechische Regierung, wie aus dem Einspruch des Ministerpräsidenten Veniselos hervorgehe, zu befragen. Die Welt erkenne nun laugsam, welchen Wert die Phrasen der Verbands— mächte über den Schutz der kleinen Staaten in Wirklichkeit besäßen. Das Blatt verweist weiter darauf, daß die Begründung, die die Alliierten der Landung geben, im Gegensatz zu den Grfinden Deutsch⸗
recht wohl, daß man schon viel zu weit gegangen ist, um noch ohne
den hätte, um nach Serbien zu gelangen. begründet, daß England und Frankreich freudig diesen Vorwand benutzt hätten, um sich aus der Dardanellensache herauszuziehen.
Eine Erklärung Nadoslawows.
Die Vermutung erscheine
T. U. Sofia, 5. Okt. Ministerprästdent Radoslawow erklärte Vertretern regierungsfreundlicher Parteien: Wir stehen vor einem Kriege und müssen unsere nationalen In⸗ teressen verteidigen. Wir müssen unseren Gegnern das, was sie uns vor zwei Jahren genommen haben, mit bewaffneter Hand wieder entreißen und uns für jede Beleidigung Genugtuung verschaffen.
Die Stimmung in Sosia.
T. U. Lugano, 5. Okt. Der Korrespondent des Corriere: della Sera in fia telegraphiert über Bukarest, Sofia sei don einem wahren deutschfreundlichen Rausch erfaßt. Die stärksten Gegner der Opposition von Ghenadiew bis zu Stam⸗ bulowiski seien allesamt umgefallen, und auf den Straßen veranstalteten Studenten Umzüge mit bulgarischen und öster⸗
reichischen Fahnen.
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Sozialdemolralen bel Nadoslawow.
5 Nach Ankündigung der Mobilisation in Bulgarien entsandte die Sobranfefraktion der sozialdemokratischen„Weitherzigen“ Partei eine Abordnung an den Ministerpräsidenten. Welche Auf⸗ klärung der Ministerpräsident den Abgeordneten erteilt hat, ist nicht ersichtlich, da die betreffende Stelle im Bericht von der Zenfur ge⸗ strichen wurde. Aus dem Bericht geht nur hervor, daß die Er⸗ klärungen des Ministerpräsidenten die Befürchtungen der Abgeord⸗ neten nicht zu zerstreuen vermochten. Dann wandte sich die Ab⸗ orönung den Fragen der Lebeusmittelteuerung und der Linderung der Not zu. Der Ministerpräsident versprach, hier Abhilfe zu schaffen, lehnte aber für den Augenblick die Einberufung der Kam⸗ mer ab, mit dem Bemerken, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß die Sobranje zu einer regulären Session einberufen wird. Auch die Fragen des Kriegszustandes und der Zensur wurden besprochen.
Die Parlamentsfraktion der„Engen“ veröffentlicht eine Er⸗ klärung, von der indessen nur der erste und der letzte Absatz ge⸗ blieben sind, drei ganze Spalten sind von der Druckerschwärze nicht berührt. Der Inhalt dieser Erklärung ist somit nicht zu erraten.
Differenzen zwischen England und anderen
Ententestaaten.
T. U. Konstantinopel, 5. Okt. Aus den hier vorliegenden vielfach widersprechenden Meldungen aus Sofia erhellt soviel mit Bestimmtheit, daß die Vertreter des Vierverbandes unter Aufwendung großer Geldmittel fortgesetzt aber erfolglos auf die Beeinflussung der bulgarischen Oeffentlichkeit hinarbeiten. Es bestätigt sich auch, daß über einen von England angeregten neuen Schritt der Entente bei Bulgarien Differenzen zwischen England und den anderen Vierverbandsmächten bestehen. England soll vorgeschlagen haben, daß Bulgarien schon jetzt einen Teil Mazedoniens besetzen dürfe, wenn es sich zur Neu⸗ tralität verpflichtet. Anscheinend ist auch dieser Plan aus⸗ sichtslos, denn bisher arbeitet man in Bulgarien an der Truppenzusammenziehung eisrigst weiter. Man bereitet die Ausweisung der Untertanen der Ententestaaten aus Fofia vor.
Die Haltung Rumäniens.
T. U. Konstautinopel, 5. Okt. Das offiziöse Blatt Hilal gibt einen Drahtbericht aus Saloniki wieder, wonach die rumänische Regierung auf mehrfache Anfrage, wie sich Rumänien im Falle eines bulgarischen Angriffes auf Serbien oder Griechenland verhalten würde, erklärte, daß sie sich lediglich auf den Schutz ihrer nationalen Interessen beschränken und an ihrer Neutralität fest⸗ halten werde. Nur wenn die Russen Bessarabien räumen sollten und die Zentralmächte sich entschließen würden, in dieses Gebiet einzumarschieren, würde Rumänien als Gegen⸗ leistung seiner Neutralität Bessarabien verlangen.
Die Kriegslieferanten in Italien.
Dem Giornale d'Italia wird aus Palermo geschrieben:
Daß die Militärlieferanten unerhörte Preise vom Staate ver langen und erhalten, ist nachgerade stadtbekannt. Schweigen wäre Verbrechen. Schon die erste Requisttion der Pferde, Esel, Auto⸗ mobile vollzog sich zu Phantasiepreisen. Dann fiel der Goldregen auf die Lieferanten von Lebensmitteln und Webwaren. Hierbei wurde z. B. für ein Kilogramm Teigware 0,85 statt 0,68, für Woll⸗ decken 7 Lire statt 2,50 gezahlt. Der Staat kauft hier in Palermo die Ware zu Schwindelpreisen. Unter den sich bereichernden Zwischenunternehmern besteht ein dichtes Netz von Intexesseuten und Syndikaten, während die ehrlichen Kaufleute beiseite ge— schoben werden. Die Regierung ist unglaublicherweise blind in die ihr von Spekulanten gestellten Fallen gelaufen und sollte jetzt ohne Verzug dadurch Abhilfe schaffen, daß sie telegraphisch die Er⸗ laubnis zu weiteren Ankäufen widerruft, die bisher abgeschlossenen Abkommen für nichtig erklärt und eine Untersuchung einleitet. Ein unnachsichtliches Eingreifen wäre— das bedenke die Regierung— für die hohe Moral des sizilianischen Volkes eine Wohltat. Wenn das leicht erregbare Volk seine Sühne auf deu Schlachtfeldern
lands gegen Belgien nicht stichhaltig sei, meil den englisch—
jowunden. Der gemeinsame Haß gegen Serbien und der heiße uch, Mazedonien Bulgarien Aahekedern, haben die Gegen⸗
französischen Heeren auch noch ein anderer Weg ofsengestan—
heldenhaft sterbeu und dann die Zwischenunternehmer sich auf Kosten des Staatsschatzes bereichern sieht, daun fühlt dieses
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