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Hessen und Nachbargebiete. Sießen und Umgebung.

Statistit der Lebens mittelpreise.

Nach den von Richard Calwer herausgegebenen M. iche uege e ider Lehen zn spree miesen die Prei a mittelmarkt im Juli ds. Js. eine weitere Steigerung auf. Im Reichsdurchschnitt war jedoch die Erhöhung der Kleinhandelspreise für Lebensmittel etwas geringer als im Juni, in dem ebenfalls schon eine wesentliche Abschwächung der Aufwärtsbewegung eingetreten war. Die den diesbezüglichen Berechnungen zugrunde liegende drei⸗ sache Marinesoldatenration, die zur Ernährung einer vierköpfigen Arbeiterfamilie(zwei Erwachsene und zwei Kinder) als ausreichend angenommen wird, setzt sich wie fosgt zusammen: 0

Nindfleisch.... 2400 f Kartoffelnn. 99000 f Schweinefleisch,. 2250 f Brot 15700 f Hammelfleisch..... 2400 f Butter 1365 Neis. 450 6 Zucker 1020 8 e e eee e 18 f Erben 990 8 Kaffee 315g eee, 63 Backpflaumen. 600 g Essi g 0,331

Die Preise dieser Einheiten stellt das Caswersche statistische

Bureau jeden Monat nach ziemlich zuverlässigen und einhei Erhebungen der Kleinhandels⸗ oder Maxkthallenpreise in ewa 200 deutschen Städten(Groß⸗, Mittel⸗ und Kleinstädte) fest und ermit⸗ telt daraus u. a. den Reichsdurchschnitt. Auf diese Weise wurden für jeden einzelnen Monat in den letzten Jahren folgende Wochen⸗ summen als Kostenpreis einer dreifachen Marinesoldatenvation in Mark und Pfennigen ermittelt:

. ee dee 8s 131 eee 26,01 25,57 29,65 20,1% Februar. 24,83 25,86 25,29 31,49 4. 2678 000 Mär. 25,8 25,83 25,08 32,00 J. 30,6 0% Aptk 42% 89,6 24,96 34, 4. 33,7 0% Ma, 2952 25,43 24,70 36,49 15 40,9 0% 8 25,35 24,73 37,36 44,5% 6 258% August 206,66 25,83 26,41 5 September.. 26,63 25,78 26,14 5 Dogern 280,26 25,73 27,09 November.. 26,08 25,08 27,86 Dezember. 26,03 25,46 28,72 Jahresdurchschnitt 25,80 25,69 25,97 34,35 33,1%

Aus dieser Zusammenstellung geht hervor, daß dle Kaufkraft des Geldes auf dem Lebensmittelmarkt im Durchschnitt der ersten sieben Monate des laufenden Jahres um 33,1 Prozent geringer war als im Jahre 1912, dem ersten Jahre der gegenwärtigen Tarif⸗ periode in unserm Gewerbe. Im Juli ds. Is. belief sich diese Ver⸗ schlechterung des relativen Geld⸗ oder Lohnwertes sogar auf 45,8 Prozent. Gleichzeitig zeigt sich in diesen Ziffern auch der Grad der Macht, den die an einer Steigerung der Lebensmittelpreise inter⸗ essterten Kreise im Gegensatze zu allen Bestrebungen haben, die die willkürlichen Preissteigerungen der notwendigsten Lebensmittel als Begünstigung volks⸗ und staatsfeindlicher Interessen bekämpfen.

Doch Höchstpreise für Kartoffeln? Eine Besprechung, die am Donnerstag im Reichsamt des Innern stattfand, hat, wie

die Tägliche Rundschau zu berichten weiß, ein endgültiges

Ergebnis nicht gezeitigt. Wahrscheinlich ist, daß Höchstpreise für Kartoffeln sowohl für die Erzeuger als auch für die Groß händler festgesetzt, und daß den Städten gewisse Rechte auf Ankauf eingeräumt werden. Bevor diese entsprechenden Be⸗ stimmungen ergehen, soll noch mit den verschiedenen Inter⸗ essenten verhandelt werden. Am Freitag waren die Vertreter der Kartoffelgroßhändler zu einer Besprechung nach dem Reichsamt des Innern geladen, die unter dem Vorsitz des Geheimrats Richter stattfand. In der Tat sind die Kar⸗ toffelhöchstpreise mit Enteignungsrechten der Gemeinden unbedingt nötig. Kartoffeln gibt es in Hülle und Fülle. Im Lahngebiet werden z. B. auf den Morgen(25 Ar) 150 Zentner geerntet. Und doch fangen die Kartoffelerzeuger und Großhändler bereits wieder das Spiel vom vorigen Jahre Preisüberbietungen und Vergraben an. Hier muß eingegriffen werden, ehe es zu spät ist.

Generalversammlung des Konsumvereins Gießen. In der im gestrigen Blatte bereits kurz erwähnten Generalver sammlung des Konsumvereins gedachte der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Vetters, zunächst des im Frühjahr verstorbenen Vorstandsmitgliedes Niewisch, sowie der Mitglieder, die Opfer des Krieges geworden sind. Soweit bekannt geworden ist, sind gefallen: A. Wißner, K. B. Hormann, Paul Zeidler aus Wieseck, Dr. A. Klein, B. Christner aus Gießen und Sch. Euler aus Leihgestern. Die Versammlung ehrte das An denken der Gefallenen und Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Bericht

des Aufsichtsrats. Er führte aus, daß trotz der schwierigen Zeiten im letzten Geschäftsjahr die Genossenschaft eine günstige Entwicklung genommen habe. Sowohl habe die Zahl der Mitglieder erheblich zugenommen als auch der Um⸗ satz. Wie notwendig der Zusammenschluß der Konsumenten sei, habe das letzte Jahr gezeigt. Unerhörte, noch nie dage⸗ wesene Preise müssen für Lebensmittel und die Waren des täglichen Bedarfs im Haushalte bezahlt werden; gegen den Wucher sind sogar die Regierungen ohnmächtig. Natürlich hatte darunter auch der Konsumverein zu leiden; die Ge⸗ schäftsleitung hatte mit der Warenbeschaffung erhebliche Schwierigkeiten, es gelang ihr jedoch noch immer die er⸗ sorderlichen Waren herbeizuschaffen und die Preise nach Mög. lichkeit auf mäßiger Höhe zu halten. Die Revisionen der

Bücher und Kasse ergaben, daß alles sich in bester Ordnung

befand; die Geschäftsführung sei in keiner Weise zu be anstanden und dem Vorstand, sowie den Angestellten müsse Anerkennung für die geleistete Arbeit ausgesprochen werden. Daran ändere auch die Differenz nichts, die im Laufe des Geschäftsjahres zwischen Aufsichtsrat und Vorstand ausge brochen war. Auch der Verbandsrevisor, der den Gießener Verein dieses Jahr zu besuchen hatte, fand alles in Ordnung. Viel sei noch auf dem Gebiete der Konsumenten-Organi⸗ sation zu tun, besonders müsse Wert auf die Eigenproduktion Zelegt fberden. Geschäftsführer Keßler schilderte eingehend die Schwierigkeit der Warenbeschaffung. Nicht bloß unter der bbreissteigerung habe der Verein zu leiden gehabt, sondern es

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sei öfters überhaupt nicht möglich gewesen, Waren au

be⸗

schaffen. Die Folge sind Vorwürfe von den Mitgliedern, die den Sachverhalt nicht kennen. Redner führte dann die 1 0 lieigerung einer Reihe viel gebrauchter Waren und f ließ

mit der Versicherung, daß die Verwaltung jederzeit bemüht gewesen sei, die Genossenschaft vorwärts zu bringen. Kassierer Koppe erläuterte die Ziffern der Bilanz sehr eingehend und berichtete über die Produktion der Bäckerei. An Maschinen, Inventar usw. wurden erhebliche Abschreibungen vorge nommen, trotzdem konnte noch 8700 Mk. Gewinn eingestellt werden. Die Versammlung hatte zu den Berichten nichts zu bemerken. Ebenso wurde die von der Verwaltung vorge schlagene Verteilung der Erübrigung genehmigt. Eine längere Debatte entspann sich über den vom Mitglied Noll eingebrachten Antrag, die Zahl der Vorstandsmitglieder von 3 auf ö zu erhöhen. Vom Vorstand wurde dies als ein Zeichen des Mißtrauens aufgefaßt, während der Antragsteller und diejenigen, welche ihn unterstützten, dies entschieden be⸗ stritten. Schließlich wurde der Antrag mit großer Mehrheit angenommen. In den Vorstand wurden gewählt: Beckmann, Richner und Gg. Schmidt. Die Ergänzungswahl des Auf⸗ sichtsrats ergab die Wahl von Volz und Laudenbach, als Er⸗ satzleute wurden gewählt: Noll, Gg. Fischer und Böttger.

Hierauf schloß die Versammlung nach etwa vierstündiger

Dauer. N

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ers.⸗Res. Karl Walter aus Wetzlar, Inf.-Regt. Nr. 81. Landst-⸗Rekr. Karl Weimer aus Aßlar, Inf. Regt. 143.

Eis bedenklicher Vorschlag. Mehr als in früheren Zelten be⸗ schäftigt man sich gegenwärtig mit der Fürsorge für die Kriegs verletzten. Das hat seine Ursache eines Teiles in der enorm hohen Zahl von Kriegsverletzten, die nach diesem Krieg in Frage kommen, andererseits darin, daß die Wissenschaft heute so große Fortschritte gemacht hat, sodaß viele Verletzte durch Lieserung künstlicher Glieder in die Lage kommen, ihrem früheren Beruf wieder nachzugehen. Das Bestreben, für die Kriegsverletztem im weitgehendsten Maße zu sorgen, ist unter allen Umständen zu unter⸗ stützen. Bedenken muß aber ein Vorschlag auslösen, den Justizrat Dr. Waldschmidt in der Zeitschrift Recht und Wirtschaft macht. Er empfiehlt nämlich, die Fürsorge für die Kriegsverletzten den Berufs⸗ genossenschaften zu übertragen und diesen Organifationem die ent⸗ stehenden Kosten aus Mitteln des Reichs zu erstatten. Der Verfasser des Artikels ist der Meinung, daß die Berufsgenossenschaften hierzu deshalb besonders geeignet sind, weil ihnen auch die Fürsorge für die Unfallverletzten obliegt. Dabei wird übersehen, daß zwischen Unfallverletzten und Kriegsverletzten doch zunächst ein sehr großer Unterschied besteht. Außerdem haben die Berufsgenossenschaften leine Betriebswerkstätten, in denen Kriegsverletzte angelernt wer⸗ den könnten. Die Berufsgenossenschaften schichen heute einen großen Teil ihrer Verletzten in Heilanstalten, die sich in den Kreisen der Arbeiterschaft die wenig rühmende BezeichnungRentenquetsche errungen haben. Für die Berufsgenossenschaft kommt es darauf an, den Grad der Erwerbsfähigkeit möglichst herabgesetzt zu sehen, um eine geringere Rente bezahlen zu können. Dieser Gesichtspunkt darf aber nicht in den Vordergrund geschoben werden, wenn es sich um die Fürsorge für Kriegsverletzte handelt. Hier kommen doch wesent⸗ lich andere Gesichtspunkte mit in Frage, und gerade deshalb muß der Vorschlag, den Justizrat Dr. Waldschmidt macht, glatt abgelehnt werden. Nichts wäre geeigneter, die Kriegsverletzten mit Unruhe zu erfüllen, als wenn sie sich mit dem Gedanken vertraut machen sollten, daß ihr Wohl und Wehe in Zukunft zu einem erheblichen Teile in die Hände der Berufsgenossenschaften gelegt wird. Zu allem Ueber⸗ fluß dürften sich die Berufsgenossenschaften auch ganz entschieden dafür bedanken, die Aufgabe zu übernehmen, die ihnen hier zuge⸗ wiesen werden soll. Wenn Organisationen für solche Aufgaben, wie es die Fürsorge für Kriegsverletzte ist, als völlig ungeeignet be⸗ zeichnet werden müssen, dann sind das zweifellos die Berufsgenossen⸗ schaften, die es in ihrer langjährigen Tätigkeit noch immer nicht ver⸗ standen haben, sich das Vertrauen der verletzten Arbeiter zu er⸗ werben.

Viel Dumme gibt es noch immer, die sich von Wahr⸗ sagerinnen und Kartenlegerinnen aulügen und das Geld abnehmen lassen, so viel auch vor dem Schwindel gewarnt wird. Manchmal wird aber auch noch schlimmeres Unheil ange⸗ richtet, wie eine dieser Tage im Essen durchgeführte Strafkammer⸗ verhandlung zeigte. Zu den abergläubischen Frauenspersonen, die ihre Zukunft und ihr Schicksal gern in den Karten lesen möchten, gehörte auch die Ehefrau des Arbeiters Reuter in Kettwig bei Essen. Sie begab sich wiederholt zu der Angeklagten in die Wohnung und stets wiesen die Karten auf den Ehemann Reuter hin, der seit Aus⸗ bruch des Krieges im Felde steht. Treulosigkeit und Lieblosigkeit las die Angeklagte immer wieder aus den Karten. Der Mann trage sich mit dem Entschluß, sich scheiden zu lassen, nachdem er in Feindes⸗ land eine andere kennen gelernt habe, die er zu heiraten gedenke. Er halte die eheliche Treue nicht und gebe in der Front seinen Kameraden sämtliche Briefe zu lesen, die seine Frau ihm schicke. Dieses und ähnliches Gewäsch raunte die Angeklagte aus den Karten der bekümmerten Frau in die Ohren. Unter dem Eindruck der ver⸗ hängnisvollen Angaben wurde die tief unglückliche Frau langsam krank und siech, sodaß sie ihrem Berufe nicht mehr nachgehen konnte. Dazu kam, daß sie hernach in Schwermut verfiel. Als die Tuch⸗ fabrik, bei der die kranke Frau beschäftigt gewesen war, von dem Sachverhalt Kenntnis erhielt, erstattete sie Anzeige. Die Straf⸗ kammer verurteilte die gemeingefährliche Kartenlegerin zu 1 Woche Gefängnis, viel zu wenig für eine solche Schwindlerin.

Die Erhöhung der Löhnung für Verwundete und kranke Sol⸗ daten tritt nun endlich in Kraft. Die betreffende Kabinettsordre ist nunmehr ergangen; sie lautet nach der Mitteilung der letzten Num- mer des Armeeverordnungsblattes:§ 21 Absatz 1 der Kriegsbesol⸗ dungsvorschrift erhält folgende Fassung: Den in das Lazarett auf⸗ genommenen Mannschaften verbleibt die für das laufende Monats⸗ drittel bereits gezahlte Löhnung. Jeder Lazarettkranke, der sich am 1., 11. und 21. ds. Mts. in einem Militär⸗, Marine⸗ oder Vereins⸗ lazarett irgend einer Art in einer lazarettähnlichen Einrichtung, wie 3. B. Lazarett⸗(auch Hilfslazarett⸗) Zug oder Lazarettschiff, Ge⸗ nesungsheim, Kuranstalt usw. befindet, erhält ohne Rücksicht auf die Dauer seines weiteren Verbleibens daselbst die für immobile For⸗ mationen vorgesehene Kriegslöhnung für ein volles Monatsdrittel, und bei seiner Entlassung aus dem Lazarett usw. ist ihm, sofern er bis dahin noch nicht immobil geworden ist, für die Tage bis zum Schlusse des laufenden Monatsdrittels die für mobile Formationen vorgesehene Löhnung unter Anrechnung der für diese Tage bereits empfangenen Löhnung nach dem Satze für immobile Stellen zu, zahlen. Zahlung und Verrechnung erfolgt durch das Lazarett usw. Im Anhang der Kriegsbesoldungsvorschrift ändert sich: Anstelle der bisherigen Krankenlöhnungssätze(Anlage 2) ist zu setzen bei Zug⸗ führer 19 Mark, Zugführerstellvertreter 16,50 Mk., Sektionsführer 11,20 Mk., Krankenpflegerinnen 9,30 Mk., Kramkenpfleger usw. 5,80 Mark.

Der Nachlaß der Heeresangehörigen. Es wird darauf hinge⸗ wiesen, daß die Nachlaßsachen preußischer Heeresangehöriger nicht vom Zentral⸗Nachlaßbureau, sondern von der Zentralstelle für Nachlaßsachen im preußischen Kriegsministerium in Berlin be⸗ arbeitet werden. Alle Schriftstücke in Nachlaßangelegenheiten so⸗ wie die Nachlaßsendungen sind nur an diese Stelle zu richten.

Im Ruhestand. Der Professor der Forstwissenschaft an un⸗ Fee Universität, Geh. Forstrat Dr. Wimmenauer, ist in den stuhestand getreten. Seit Jahren gehört Prof. Wimmenquer der Gießener Stadtverordnetenversammlung an.

Bon Nah und Fern.

Ein kleiner Kriegsroman. Vor Jahren zog die Tochter des begüterten Oelonomen J. Bach in Mellrichstadt(Unter⸗

franken) ein unternehmungslustiges Mädchen, nach Frankresch und

Se

Heiratete dortselbst einen Franzosen. Als der Krieg ausbrach, mu dieser, wie viele andere, mitziehen und wurde gefangen genomme⸗ Als sein Schwiegervater dies erfuhr, verpflichtete er sich unter Eid und Verbürgung seines ganzen Vermögens, daß der Franzose nicht fliehen und nichts Feindliches gegen Deutschland unternehmen werde, wenn er ihm als Arbeitskraft für ständig zugewiesen werde Es wurde ihm genehmigt, und ohne landsturmmännische Bewachung kam der Mann zu seinem Schwiegervater, den er auf diesem un⸗ gewöhnlichen Wege zum ersten Male kennen lernte. Als seine Frau dies erfuhr, hatte sie nichts Eiligeres zu tun, als sich auf den

nach Deutschland zu machen. Aber als nunmehrige Französin ö sie nicht über die Greuze. Sie wartet nun in der Schweiz sehn⸗ flichtig, daß ihr Gesuch zum Betreten des Reichsgebiets und zum Aufenthalt in ihrer alten Heimat genehsrigt wird, und es steht zu erwarten, daß die deutschen Behörden ihr mitfühlendes Herz

hier zeigen und diejenigen in Deutschland wieder vepeinigen werden, bie der Krieg in Frankreich getrennt hat 255

Die Typhus⸗Epidemse in Jena. Bisher sind in Jeng 4 Typhusfälle vorgekommen, zwei Todesfälle kamen vorige Woche vor Wie unser dortiges Parteiblatt mitteilt, haben die Ermittlung nach der Kraukheitsursache bisher noch kein greifbares Ergebni gezeigt. Der anfangs im Vordergrunde stehende Verdacht auf eine Verbreitung durch Milch hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Auch di verschiedensten Wasseruntersuchungen haben nur günstige Ergebnisst gehabt. Nicht ganz von der Hand zu weisen ist der Verdacht, das über die Stadt hereingebrochene Unglück doch wohl mit Kriegsverhältnissen in Zusammenhang steht. Täglich gehen sendungen aus dem Felde an die Angehörigen ein. Der Inhalt dieser Sendungen meist wohl gebrauchte Wäsche und derglei entzieht sich jeder Kontrolle. Die Behörden haben alles zur Ver⸗ hinderung der Ausbreitung der Seuche getan.

Bayerische Gesindeordnung in der Kriegszeit. Aus Re⸗ gensburg berichtet die Münchener Post: Schwere Strafen wegen Dienstentlaufens. Die Dienstmagd se Lermer von Riekofen hat den Dienst bei der Bauersfrau Maria Stadler in Rogging ohne Grund verlassen und sich dadurch gegen die Verfügung des stellvertretenden Generalkommandos des 3. Ar moeekorps verfehlt. Sie wurde von der Strafkammer zu vier Wochen Gefängnis verurteilt. Die gleiche Strafe traf die Dienstmagd Walpurga Wiesmüller von Hohenschambach, die bei der Gürtlersfrau Rosing Ostermeier in Hohenschambach den Dient ohne Grund verlassen hat.

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Tahesbericht des Großen Huunthurtitz

Abgeschlagene Angriffe in West und Ost. f W. B. Großes Hauptquartier, 4. Okt., vorm.(Amtlich. Westlicher Kriegsschauplatz, 0

Gestern früh erschienen vor Seebrügge fünf Moniz tore und legten ein wirkungsloses Feuer auf die Küste. Drei belgische Bewohner fielen dem Feuer zum Opfer. Unsere Küstenbatterie traf einen Monitor, der schwer beschädigt ab⸗ geschleppt werden mußte. g

Gegen die englische Front nördlich von Loos, auf der nachts ein vergeblicher Ausfall gegen unsere Stellung westlich von Haisnes unternommen wurde, machten die Angriffs⸗ arbeiten weitere Fortschritte. 9

Südlich des Spuchez-Baches konnten sich die Fran⸗ zosen in einem kleinen Grabenstück an der Höhe nordwestlich Givenchy setzen. Südlich dieser Höhe wurden französischt Augrifse abgeschlagen. Das 40 Meter lange Grabenstück nord⸗ östlich von Neuville wurde von uns wiedergewonnen.

In der Champagne setzten gestern nachmittag die Franzosen in der Gegend nordwestlich von Massiges un nurdwestlich von Ville⸗sur⸗Tourbe vergeblich zum An⸗ griff an. Ihre Ansammlungen wurden unter konzentrisches Feuer genommen. Ein starker Nachtangriff gegen unsere Stellungen nordwestlich von Ville⸗sur⸗Tourbe brach im Artilleric- und Maschinengewehrfeuer unter schweren Ver⸗ lusten zusammen. 0

Der Bahnhof Chalons, der Hauptsammelork des Nackzuges für die französischen Angriffsgruppen in der Cham⸗ pagne, wurde heute nacht mit sichtbarem Erfolge von einem unserer Luftschiffe mit Bomben belegt.*

Oestlicher Kriegsschauplatz. 7 Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. 7

Die Russen schritten gestern nach ausgiebiger Artillerie⸗ vorbereitung auf der ganzen Front zwischen Po st a wy und Smorgon in dichten Massen zum Angriff, der unter un⸗ gewöhnlich blutigen Verlusten zusammenbrach. Nächtliche Teilunternehmungen blieben ebenso erfolglos. 5

Auch südwestlich von Lennewaden(an der Düna) wurde ein feindlicher Vorstoß abgewiesen. K

Bei den anderen Heeresgrupßpen ist die Lage unverändert. Oberste Heeresleitung.?

Der österreichisch ungarische Tagesbericht

Wien, 4. Oktober.(W. T. B.) Amtlich wird verlautbart,

4. Oktober 1915:= Russischer Kriegsschauplatz. 2

Der gestrige Tag verlief ohne besondere Ereignisse. Die Lag blieb unverändert. e

Italienischer Kriegsschauplatz.

An der Tiroler Front entfalteten die Italiener eine leb⸗ haftere Tätigkeit, die auf den Hochflächen von Vilgereuth und Lafraun zu größeren und andauernden Kämpfen führte. Im Tonale⸗Gebiet wurde ein nach heftigem Artilleriefeuer gestern abend angesetzter Angriff des Feindes auf die Albiolo⸗Spitze blutig abgewiesen. Auf der Hochfläche von Vilgerenth standen unsere Stellungen auf dem Plaut(nördlich des Marenia⸗ Berges) seit frühem Morgen unter dem Schnellfeuer schwerer und mittlerer Geschütze. Vormittags gingen von der bereitgestellten feindlichen Infanterie schwache Abteilungen zu einem vergeb⸗ lichen Angriff vor. Abends erneuerte der Gegner diesen An⸗ griff mit starken, hauptsächlich aus Bersaglieri- und Alpini⸗Truppen zusammengesetzten Kräften und kam nahe an unsere Hindernisse heran. In der Nacht gelang es ihm, einen feldmäßigen Stützpunkt zu nehmen. Unsere Truppen warfen ihn jedoch nach hartnäcki⸗ gem, bis in die Morgenstunden währenden Kampfe wieder hin⸗ aus. So blieben alle Stellungen in unserem Besitz. Auf der Hochfläche von Lafraun zwang schon unser Geschützfeuer die vor⸗ gehende Infanterie zu verlustreichem Rückzuge. Auch im Raume von Buchenstein wurde das Vorgehen schwächerer Abteilungen Rane An den übrigen Fronten keine wesentlichen Er; eignisse.*

Südöstlicher Kriegsschauplaßz. unteren Drina lebhafteres Geplänkel. Sonst keine

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. 8 von Höfer, Feldmarschalleutnant. 2

An der Ereignisse.