Fehlgeshlagene englich⸗franzöfsche Offenste.

Französische Verluste: mindestens 130 000, a englische 60 000 Mann.

Seit einiger Zeit ist der Obersten Heeresleitung folgen⸗ der Befehl des französischen Generals Jo ffre bekannt:

Großes Hauptquartier der Westarmee.

14. September 1915.

Geheim!

An die Kommandierenden Generäle!

Der Geist der Truppen und ihr Opfermut bilden die wichtigste Bedingung der Angriffe. Der französische Soldat schlägt sich um so tapferer, je besser er die Wichtigkeit der Angriffshandlungen begreift, an denen er beteiligt ist, und je mehr er Vertrauen hat zu den von den Führern getroffenen Maßnahmen. Es ist deshalb notwendig, daß die Offiziere aller Grade von heute an ihre Untergebenen über die gün⸗ stigen Bedingungen aufklären, unter denen der nächste Angriff der französischen Streitkräfte vor sich geht. Folgende Punkte müssen allen bekannt sein:

1) Auf dem französischen Kriegsschauplatz zum An⸗ griff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit, um die Deutschen aus Frankreich zu verjagen. Wir werden sowohl unsere seit 12 Monaten unterjochten Volksgenossen be⸗ freien, als auch dem Feind den wertvollen Besitz unseres be⸗ setzten Gebietes entreißen. Außerdem wird ein glänzender Sieg über die Deutschen die ne utralen Völker be⸗ stimmen, sich zu unseren Gunsten zu entscheiden und den Feind zwingen, sein Vorgehen gegen die russische Armee zu ver⸗ langsamen, um unserem Angriff entgegenzutreten.

2) Alles ist geschehen, daß dieser Angriff mit er⸗ heblichen Kräften und gewaltigen materiel⸗ len Mitteln unternommen werden kann. Der ohne Unterbrechung gesteigerte Wert der Verteidigungsein⸗ richtungen in erster Linie, die immer größere Verwendung von Territorialtruppen an der Front, die Vermehrung der nach Frankreich gesandten englischen Streitkräfte haben dem Oberbefehlshaber erlaubt, eine große Zahl von Divisionen aus der Front herauszuziehen und für den Angriff bereit zu halten, der in Stärke der mehrerer Armeen gleichkommt. Diese Streitkräfte ebenso wie die in der Front gehaltenen verfügen über neue und vollständige Kriegsmittel. Die Zahl

der Maschinengewehre ist mehr als verdoppelt. Die Feld⸗ kanonen, die nach Maßgabe ihrer Abnutzung durch neue Ka⸗ nonen ersetzt worden sind, verfügen über einen bedeutenden Munitionsvorrat. Die Kraftwagenkolonnen sind vermehrt worden, sowohl zur Verpflegung, als zur Truppenverschieb⸗ ung. Die schwere Art illerie, das wichtigste Angriffs⸗ mittel, war Gegenstand erheblicher Anstrengungen. Eine be⸗ trächtliche Menge Batterien schweren Kalibers ist mit Rück⸗ sicht auf die nächsten Angriffshandlungen vereinigt und vor⸗ bereitet worden. Der für jedes Geschütz vorgesehene Muni

dürftige Reserven hinter der dünnen Linie ihrer Graben⸗ stellung. 3

aus mehreren großen gleichzeitigen Angriffen bestehen, die auf einer sehr großen Front vor sich gehen sollen. lischen Truppen werden daran teilnehmen und auch die belgischen Truppen werden sich an den Angriffshandlungen beteiligen. der Feind erschüttert sein wird, werden die Truppen an den bis dahin untätig gehaltenen Teilen der Front ihrerseits an⸗

4) Der Angriff soll ein allgemeiner sein; er wird

Die eng⸗ mit bedeutenden Kräften

Sobald

greifen, um die Unordnung zu vervollständigen und ihn zu Auflösung zu bringen. Es wird sich für alle Truppen, die an⸗ greifen, nicht nur darum handeln, die ersten feindlichen Grä⸗ ben wegzunehmen, sondern ohne Ruhe Tag und Nacht durch⸗ zustoßen über die zweite und dritte Linie bis ins freie Ge⸗ lände. Die ganze Kavallerie wird an diesen Angriffen teilnehmen, um den Erfolg mit weitem Ab⸗ di stand vor der Infanterie auszunutzen. Die Gleichzeitigkeit 3 der Angriffe, ihre Wucht und Ausdehnung, werden den Feind hindern, seine Infanterie- und Artilleriereserven auf einem Punkte zu versammeln, wie er es im Norden von Arras tun konnte. Diese Umstände sichern den Erfolg.

Die Bekanntgabe dieser Mitteilung an die wird nicht verfehlen, den Geist der Truppen zu der Höhe der Opfer zu erheben, die von ihnen gefordert werden. Es ist da⸗ her unbedingt nötig, daß die Mitteilung mit Klugheit und Ueberzeugung geschieht.

Truppen

(gez.) J. Joffre. g

Hierzu gab ein französischer Regimentskom⸗ mandeur folgenden Zusatz: Diesen Befehl bringt der Oberst zur Kenntnis der Bataillonskommandeure und Kompagnieführer und bittet Sie, während des Dienstes in den Gräben und im Lager jede Gelegenheit zu benutzen, um den Leuten begreiflich zu* machen, daß die von ihnen geforderte Anstrengung der⸗ 8 artige Folgen haben kann, daß der Krieg binnen kurzem mit einem Schlage zu Ende ist. Alle müssen bei dem beob⸗ sichtigten Angriff diejenige Kraft, Energie und Tapferkeit einsetzen, die nötig sind, um ein so großes Ergebnis zu er⸗ reichen. Wir müssen die deutschen Linien durchbrechen und dazu vorwärts gehen, trotz allem. Der Befehl des Generals Joffre wird in interessanter Weise durch nachstehende Aeußerung der Kommandeure der englischen Gardedivision ergänzt, die am 25. September in deutsche Hände fiel: 5

Divisionsbefehl der Gardedivision: Am Vorabend der größten Schlacht aller Zeiten wünscht der Kommandeur der Gardedivision seinen Truppen viel Glück. Er hat den anfeuernden Worten des Kommandieren⸗ den Generals von heute Morgen nichts hinzuzufügen, es möchte sich aber jedermann zwei Dinge vor Augen halten: 1) daß von dem Ausgang dieser Schlacht das Schicksal kom⸗ mender englischer Divisionen abhängt, 2) daß von der Garde

Vorbewegung eingetretene St der Absicht der verbündeten

Heeresleitungen. Feststellungen.

Frankreich zu vertreiben, deutschen Truppen auf der et a an einer Stelle in 23 Kilometer, an einer anderen, und an dieser nicht durch die soldatischen Leistungen Angreifers, sondern durch die einem Gasaugriff, in 12 Kilome N Linie ihres Verteidigungssystems in die zweite, die nicht die 1 letzte ist, gedrückt wurde. 3 Nach vorsichtigster Berechnung betragen die fran zösi⸗ schen Verluste an fangenen (130 000),

zu erreichen, mag dahingestellt bleiben. solche örtlichen Erfolge, erkämpft durch den Einsatz sechs⸗ b siebenfacher zahleumäßiger durch vielmonatige Arbeit halben Welt einschließlich Amerikas, Sieg genannt werden. 0 daß der Angriff uns gezwungen hätte, irgendetwas zu tun, was nicht in unserem Plane lag, im besonderen unser Vorgehen a egen die russische Armee nach ihm zu richten. Abge. 15 schen davon, daß eine zum Abtransport bestimmte Division N beim Einsetzen der Offensive auf dem westlichen Kriegsschau⸗ platz angehalten und dafür eine im Abtransport hierher be findliche andere Division nach dem Bestimmungsort der ersten gelenkt wurde, hat der Angriff die Oberste Heeresleitung nicht

feierten am Volkswille in Hannover, die Schwäbische Tag 5 und die Arbeiterzeitung in Dortmund. Alle diese Blätter sind ge gründet worden, als am 30. September 1890 das Sozialistengeset gefallen war. 2

tionsersatz übertrifft den bisher jemals festgestellten größten Verbrauch.

3) Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für einen allgemeinen] mehr hinzuzufügen braucht.

Angriff besonders gün st ig. Einerseits haben die Kit⸗ chener⸗Armeen ihre Landung in Frankreich beendet, andererseits haben die Deutschen noch im letzten Monat vor unserer Front Kräfte weggezogen, um sie an der russi⸗ schen Front zu verwenden. Die Deutschen haben nur sehr

division Großes erwartet wird.

schmählich man die Oeffentlichkeit täuscht,

wenn ihr nach dem Fehlschlagen der am 25. September unter⸗

nommenen Angriffe immer wieder versichert wird, der in der 8P

Als Gardist von über 30 Jahren weiß er, daß er nichts (gez.) Lord Cavan.

* Aus diesen beiden Dokumenten geht zunächst hervor, wie

illstand lag von vornh euglischen und französisch Aber die Befehle gestatten auch noch ande Zweck des Angriffs war, die Deutschen au das Ergebnis dagegen, daß die wa 840 Kilometer langen Front

gelungene Ueberraschung mit

Toten, Verwundeten und Ge⸗ 3 hundertdreißigtausend 1 sechzigtansend(60 000) ein Fünftel dieser

mindestens die englischen e deutschen noch nicht

ahl. 5 Ob die Gegner hiernach noch Aussicht haben, ihr Endziel Jedenfalls können

Ueberlegenheit und vorbereitet der Kriegsmaterialfabriken der

2

Noch weniger ist davon zu reden,

3

eranlaßt, auch nur einen einzigen Mann anders u verwenden, wie es seit langer Zeit bestimmt war.

Andererseits ist der Angriff weder ohne Ruhe bei Tag und Nacht fortgeführt worden, noch gelangte er bisher an irgend einer Stelle über unsere zweite Linie hinaus, noch hat er un verhindert, unsere Reserven genau so sicher und wirksam z 6 verschieben, wie wir es bei der Mai⸗Offensive nördlich Arras tun konnten. 990

Oberste baer

r es

Parteinachrichten. Ihr fünfundzwanzigjähriges Pressejubiläum

1. Oktober eine Anzahl von Parteiblättern, so d wacht in Siuttgar

5

Gegen die Opposition.

Aus dem Parteivorstand wird uns geschrieben: f Unter der vorstehenden Spitzmarke beben die Parteiblätter in Bremen und Leipzig dieser Tage eine Notiz veröffentlicht, in der auf das Vorgehen bestimmter Behörden im Bezirk des 7. Ar⸗ meekorps gegen Mitglieder der Parteiopposition(gegen di Unterzeichner der Eingabe vom 9. Juni an Parteivorstand u 0 Fraktion) hingewiesen und zum Schluß gesagt wird: 5 Parteivorstand und Generalkommission stehen nunmehr nicht

mehr allein in ihrem Kampfe gegen dieParteizerrütter. Niemand wird dem P. V. umuten, diese journalistische Leistung näher zu charakterisieren; es genügt, sie niedriger zu hängen.

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Pulver und Gold.

Roman aus dem Kriege 18701871. 7 Von Levin Schücking.

gründlichen Quelle schmeckte es allerdings! Jedenfalls war es amüsant, die Dinge einmal so vollständig auf den Kopf gestellt zu sehen!

Amüsant? Mich hat es tief verstimmt; innerlich em⸗ pört und zugleich traurig gemacht.

Ah solcher Unsinn, solche durch und durch lächerliche Auffassungen? rief Glauroth.

Ich finde nichts Lächerliches daran. Ein Unrecht, das man durchaus keine Hoffnung hat, gesühnt zu sehen, ein Irr⸗ tum, den es keine Möglichkeit gibt zu widerlegen, versetzt mich immer in ein Gefühl von schmerzlicher Ohnmacht, das ich nicht verwinden kann. Und dann: kommt es auf die ur sprünglichen Tatsachen und die Wahrheit eigentlich an? In welchem Sinne, aus welchen Gründen, mit welchem Rechte Ludwig der Vierzehnte seine unheilvollen Kriege wider uns führte, das sind abgetane, zweihunert Jahre weit hinter uns liegende Dinge. Ob seine Motive gut oder abscheulich waren, was verschlägt es der Welt von heute? Die heute geltende Auffassung, die Deutung der alten Tatsachen, ist das Wich⸗ tige, das Praktische dabei; wenn die Franzosen so denken wie das Fräulein, so müssen sie in uns den Erbfeind sehen, wie wir nach unserer Auslegung der Tatsachen in ihnen den Erb- feind sehen; und wie sollen dann je zwei edle Nationen Europas wieder zu wahrhaftem Frieden kommen?

Ich sehe, die Aeußerungen dieses Fräuleins Kühn

ferei zum Flusse hinab noch gemacht werden, oder wollen wir, was ich meinerseits vorzöge, uns der Wonne hingeben, uns wieder einmal in einem guten, warmen Bette ausstrecken zu können? Ich glaube, sagte ich,wir dürfen das ohne Gefahr. Wenn das Fräulein sich einer einsamen Streiferei durch das Gehölz hingeben konnte, so muß sie Gründe haben, einen Ueberfall von unseren Feinden für nicht denkbar zu halten. Ich ging mit ihm in den Nebenbau, um noch einmal nachzusehen, wie Pferde und Leute dort untergebracht seien, und kehrte dann zum Herrenhause zurück, wo mich in meinem Quartier mein Bursche erwartete. Ich hieß ihn seine Waffen zur Hand zu halten und sich im übrigen ruhig des gesunden Schlummers zu erfreuen. Mir kam der Schlummer für eine ganze Weile nicht. Ich hörte immer noch das eigentümlich wohlklingende Organ des Fräuleins an meinem Ohre vibrieren, und ich konnte die seltsame Gereiztheit nicht überwinden, in welche mich das, was sie gesprochen, versetzt hatte. Ich dachte an das, was ihr von klein auf von Leuten wie diesem Geistlichen, der doch wohl großen Teil an ihrer Erziehung gehabt, und von klöster⸗ lichen Lehrerinnen eingeflößt sei, um ihre Ansichten zu be⸗ stimmen. Welche Meinungen die Priesterschaft von uns hatte und verbreitete und wie sie wider uns hetzte, wußten wir ja! Aber das nahm mir, wenn ich so sagen soll, den Stachel nicht, den das junge Mädchen mit seiner hochmütigen Weise mir ins Herz gedrückt. Es war vielleicht nur eine miserable jugendliche Eitelkeit, die es nicht überwinden konnte, von einem so hübschen, unter so romantischen Ver- hältnissen uns begegnenden Mädchen malträtiert worden zu sein.

Die Nacht verging ziemlich ruhig. Nachdem ich am an⸗ deren Tage meinen Dienstobliegenheiten genügt, die Rück⸗ kehr einer kleinen Streifpatrouille abgewartet, die Glauroth als Gefreiter mit zwei Mann ausgeführt, und vernommen hatte, daß der Oignonfluß außer der Brücke abwärts keine Fähre oder praktikable Furt zu besitzen scheine, daß nach den eingezogenen Erkundigungen die Franktireurs von gestern sich den Fluß hinab nach der Richtung von Montzabon ge⸗ flüchtet als für den Tag also für michdes Dienstes immer gleichgestellte Uhr abgelaufen, nahm ich mir ein Herz, stieg aus meinem unteren Stockwerk in das Hauptgeschoß von

das mir begegnete, bei der Herrschaft melden. Das Mädchen sah den Ulanen, der die verwegene Idee hatte, seiner Herr schaft einen Besuch machen zu wollen, mit verwunderten Blicken an und antwortete:Mais Monsieur, Madame K in ne recoit pas(Aber mein Herr, Frau Kühn empfängt nicht) sie ist leidend wenn Sie etwas Geschäftliches haben, so ist der Herr Abbee... J Bringen Sie immerhin meine Karte hinein, wenn nicht zu Madame Kühn, dann zu Fräulein Kühn! Das Mädchen ging und kam nach einer Weile 3 um mich in einen sehr eleganten, sonnigen, auf den Garten hinausgehenden Salon zu führen; im Hintergrunde war ein Portiere von braunem Samt niedergelassen; ich nahm an der Bewegung der Falten wahr, daß es soeben geschehen sein mußte wahrscheinlich barg sie in einem Kabinette dahinter die leidende Madame, im Salon saß Fräulein Kühn it einemDos⸗à-Dos, hinter ihr in demselben Möbel der Abbee, meine Karte in der Hand, die er ihr zu erklären schien tant bien que mal(wie es eben geht), wie die fran zösische Redensart heißt. 55 l Er erhob sich, um mich zu bewillkommnen; das Fräulein wies auf einen in ihrer Nähe stehenden Sessel. Ich muß gestehen, daß ich ein wenig verwirrt war. Ich hatte zu tun, mich in die Erscheinung der jungen Dame zu finden, welche mir gestern im Mondschein einen ganz f deren Eindruck gemacht hatte und doch war es die schlanke Gestalt mit den schön abfallenden Schulterlinien u dem edlen Oval des Kopfes, die gestern vom Mondlicht 50 einem eigentümlichen Zauber umflossen vor mich ge teten. Es war dasselbe sonor vibrierende Organ, das in me Ohre wiedergeklungen; und als sie die Arbeit, über w sie gebückt saß, von sich schob und den Oberkörper zurückwo sah ich, daß sie auch ganz so groß war, wie sie mir gestern er schienen. Nur ihre Züge die mir gestern bleich, ernst, strenge vorgekommen, waren anders. Sie hatte freilich nicht viel Farbe, aber eine ganz gesunde wie von einem leichten bräun⸗ lichen Ton überhauchte Frische; sie hatten nicht viel vom französischen Typus, sie waren einfach und edel geschn aber ein Ausdruck von Schelmerei, der aus ihren großen, braunen Augen leuchten und um den scharfgeschnittenen Mund zucken konnte, hatte nicht gar zu Strenges.

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napmte sie ja wohl der Geistliche? haben Ihnen fürchter⸗ lich viel zu denken gegeben! Kommen Sie soll die Strei-

Chateau Giron hinauf und ließ mich von einem Mädchen.

(Fortsetzung folgt.]

des englischen

ter Breite auf der vordersten

nicht einglänzenden 1