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nicht zweckmäßig gewesen, den Landtag zu einer besonderen Not⸗
der Frage
land, eine Preisbewegung bemerkbar, die Wucherpreise für
gezogen fühlte in diese tauige und blumendufterfüllte Mond—
als falsch erweisen. Dank gebühre der Landwirtschaft, dem Handel und dem Handwerk: dem gewerblichen Arbeiter müsse eine besonders dankbare Anerkennung gesagt werden. Auch das patriotische Ver⸗ halten der Arbeiterverbände werde der bayerlschen Regierung un⸗ vergeßlich bleiben.— Es sei verfassungsgemäß unnötig und auch
tagung außer der Zeit einzuberufen. Von den Aufgaben der Zu⸗ kunft wolle er heute nicht reden; die Probleme, die sie in ihrem Schoße trägt, selen noch zu wenig geklärt, ja, ihrer Lösung sehlte vielfach die 1atsächliche Unterlage. der Einmütigkeit auch über den Verhandlungen des Landtages walten und daß alles Trennende zurücktreten möge, sowie mit dem Versprechen der Bereitschaft der Regierung, ihren Teil hierzu bei⸗ zutragen, schloß der Ministerpräsident seine Ausführungen.
Aus ber Budgetrede des Finanzministers v. Bräuning sei mit⸗ geteilt, daß der voraussichtliche Fehlbetrag des Jahres 1014 sich auf etwa 16—17 Millionen Mark stellen werde.
Zentrum und Lebensmitteltenerung.
Dr. Julius Bachem beschäftigt sich im Tag erneut mit der Lebensmittelteuerung. Die Kartoffelfrage nehme zurzeit, besonders bei den breiten Volksmassen in Westdeutschland, den ersten Platz ein. Man sei keineswegs damit einverstanden, daß der Bundesrat beschlossen habe, für Kartoffeln vorläufig keine Höchstpreise festzusetzen. Den in Regierungskreisen herrschenden Optimismus könne man nicht teilen, denn jetzt schon mache sich, besonders in Westdeutsch—
die Kartoffeln befürchten ließe. Bei der diesjährigen großen Kartoffelernte müßten Preise von 5—6 Mark für den Zentner als Wucherpreise betrachtet werden, die nicht nur bei den Industriearbeitern, sondern eben so sehr bei den Handwerkern, Beamten und vor allem in den Kriegerfamilien eine wahre Erbitterung auslösen müßten, deren Anfänge man schon jet deutlich wahrnehmen könne. Diese Erbitterung kehre sich in erster Linie gegen die Agrarier; Bachem hält es nicht für berechtigt, obwohl er zugibt, daß einzelne Landwirte sich zu Beginn des Krieges an der Preistreiberei beteiligt hätten. Wichtiger erscheint ihm die Rückwirkung der Mißstimmung des Volkes auf das politische Leben:
„Man wird nicht nur die Regierung, sondern auch die politischen Parteien und deren Führer, von denen man eine wirksame Einwirkung auf die Re⸗ gierung erwartet, für die eingetretenen Mißstände verant⸗ wortlich machen und daraus politische Folgerungen ziehen.“
Aus Furcht vor diesem zu erwartenden Volksgericht haben die Provinzialausschüsse der Zentrumspartei in Rhein— land und Westfalen in den letzten Tagen beschlossen, bei der Reichsregierung auf durchgreifende Maßnahmen gegen eine Kartoffelteuerung zu dringen. Bachem macht noch darauf aufmerksam, daß diesen Provinzialausschüssen Mitglieder der verschiedensten Berufsstände angehören, daß auch hervor— ragende Vertreter der Landwirtschaft wie zahlreiche Mit⸗ glieder der Zentrumsfraktion des Reichstags und des preußi— schen Landtags darunter seien. Die Regierung möge das bei der Würdigung der gefaßten Beschlüsse wohl bedenken. An„die konservativen politischen Vertreter der Landwirt— schaft des Ostens“ aber richtet Bachem die Aufforderung, ja micht den Forderungen auf billigere Lebensmittel entgegen— zutreten und„sich nicht mit einer Verantwortlichkeit zu be⸗ lasten, welche voraussichtlich schon bald, jedenfalls in der weiteren innerpolitischen Entwicklung die konservative Partei schwer treffen und ihre Position bei der demnächstigen politi⸗ schen Neuorientierung aufs äußerste erschweren müßte.“
Bulgarische Vorsichtsmaßregeln.
Berlin, 1. Oktober. Die Pariser Nachrichten-Agentur Agence Fournier meldet aus Athen, daß die von bulgarischer Seite vorgenommenen Befestigungsarbeiten zum Schutze von Dedeagatsch und Umgegend jetzt beendet seien. Der Hafen werde durch eine dreifache Linie von Minen abge— sperrt. Die Batterien weittragender Geschütze auf den Höhen sollten die Stadt und längs der ganzen Küste aufge— stellt, das bulgarische Dedeagatsch und die Küste gegen die Landung feindlicher Truppen decken. Diese Befestigungen seien übrigens in Paris vorausgesehen worden. Deshalb
Mit dem Wunsche, daß der Geist
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spricht auch die französische Presse auf die Nachricht von der Entsendung eines englisch⸗französischen Expeditionskorps gegen Bulgarien nur von Saloniki als Landungspunkt
sich nicht im geringsten; sie wird nicht einmal erwähnt. Vertagung des englischen Parlaments.
London, 1. Okt. Die Regierung hat gestern den Beschluf gefaßt, die Parlamentssitzungen bis auf den 12. Oktober auszu⸗ setzen. Dieser Schritt stellt eine vollständige Ueberrumpelung der Mitglieder des Parlaments dar. Daly Telegraph meldet hierzu: Der Anlaß zu diesem Schritt der Regierung war die Notwendigkeit, zu verhindern, daß die Debatten wegen der Einführung der allge⸗ meinen Wehrpflicht sich wiederholten, namentlich angesichts der schwierigen Sitnation auf dem Balkan und um das Finanggesetz, die augenblicklich wichtigste Gesetzgebungsfrage in Ruhe fertig⸗ stellen zu können.
Bevorstehender Wechsel im italienischen Oberkommando.
Ueber einen Wechsel im italienischen Ober— Mlinchen⸗Augsburger Abend⸗Zta. von be⸗ sonderer Seite folgendes gemeldet: In informierten Kreisen, die dem italsenischen Botschafter in Petersburg Charlotti nahestehen, wird erklärt, daß in nächster Zeit mit der Uebernahme des italieni⸗ schen Oberbefehls durch den General Porro zu rechnen sei.
Kriegsnolizen.
Die Tätigkeit der deutschen U⸗Booteim Mitlel⸗ meer. Wie nach Konstantinopel berichtet wird, ist ein französischer Passagierdampfer aus Sydney bei Kap Malta torpediert worden. Ein aus Mudros in Athen angelangter Herr versichert, daß täglich englische und französische Schiffe im Mittelmeer versenkt würden, Die Zahl der Opfer der deutschen Unterseeboote sei enorm, doch werde darüber streugstes Stillschweigen beobachtet. 5 Italienische Truppen am Suezkanal? Die Köl⸗ nische Volksztg, meldet aus Athen: Graf Bos dari, der italieni⸗ sche Gefandte in Athen, stellt der griechischen Presse eine Mittefsung zu, wonach keine italienischen Truppen gegen die asiatische Türke! e eingesetzt seien. Das Mißtrauen eines Teiles der griechi⸗ schen Presse sei also nicht gerechtfertigt. Embros erblickt aber in dleser Mitteilung lediglich die Bestätigung dafür, daß italieni⸗ sche Truppen am Suezkanal dem Vierverband helfen sollen. 5
Deritalienische Weberstreik. Wie der Secolo mit⸗ teilt, nimmt an dem Streik die gesamte Arbeiterschaft ber Webereien von Legnano, Callarate, Busto Arsizio, sowie mehrere Nachbargemeinden teil. Ungefähr 50 Fabriken sind geschlossen. Die Lage ist ziemlich schwierig. Die Arbeiter fordern eine Erhöhung des Lohnes um 10 Prozent, was die Bisanz der bedeutend⸗ sten Webereien bis zu 100 000 Lire mehr belasten würde. Wie der Corriere della Sera meldet, wurde der Genueser Großverband der Steinkohlenhändler bei der Regierung wegen herrschenden Wagen⸗ mangels vorstellig, da durch die gegenwärtige Lage die Löschungs⸗ arbeiten im Hafen von Genua schwer beeinträchtigt werden.
München. 1. Okt. kommando wird der
Ein senglischer Bericht aus Mesopotamien. Der Befehlshaber der englischen Truppen in Mesopotamien berichtet
drahtlich, daß die tsirkischen Stellungen bei Kutalamara erobert,
viele Gefangene gemacht und Kanonen erbeutet worden sejen. Der Feind lief, von den Engländern verfolgt, nach Bagdad. Der Erzbischof von Bamberg gegen die zu⸗
nehmende Unsittlichkeit. Der Erzbischof von Bamberg, Exzellenz von Hauck, hat in einer Rede mit ungehemmter Schärfe gegen die zunehmende Unsittlichkeit. gegen die moderne Literatur und Kunst, die Putzsucht und den Lebensmittelwucher Stellung ge⸗ nommen.— Also keine große Zeit voll sittlichen Ernstes?
Arbeiterbewegung.
Arbeitsregelung im Buchbindergewerbe.
Eine gemeinsame Sitzung der Vorstände des Verbandes Deuk⸗ scher Buchbindereibesitzer und des Deutschen Buchbinderverbandes fand am 16. September in Leipzig statt. Sie befaßte sich in der Hauptsache mit folgenden Fragen: Unter welchen Umständen können beim Fehlen männlicher Arbeiter auch Arbeiterinnen mit Gehilfen⸗ arbeiten beschäftigt werden? Antrag auf Gewährung von Teue⸗ e Arbeitsbeschaffung und Entlohnung für Kriegs⸗ inpalide.
Die erste Frage häugt mit dem sogenannten Dreistädtetarif für Berlin, Leipzig und Stuttgart zusammen, wonach, mit einigen ge⸗ ringen Ausnahmen für Leipzig, Arbeiterinnen nicht mit Gehilfen⸗ arbeiten beschäftigt werden dürfen, um die Untergrabung des Akkorbtarifes und die weitere Verdrängung der männlichen Ar⸗ beiter aus dem Berufe zu verhüten. Da in Berlin infolge des Krieges Mangel an männlichen Arbeitskräften zu verzeichnen war, so verlangten die Unternehmer Freigabe der betreffenden Arbeiten
auch für Arbeiterinnen, womit sich die Gehilfen einverstanden er⸗
dieser Truppen. Um die griechische Neutralität kümmert sie!
klärten, wenn sich über di lasse. Man einigte sich daß Arbeiterinnen mit
Teuerungszulogen betonten Lage des Gewerbes, die es den den Wünschen der Ar
Mitgliedern des Buchbindereibesitzer⸗Verbandes zn em a jenen Wünschen en, weil ihnen die Weichen au sich. infolge der allgemeinen Verteuerung der gesamten Lebenshaltung, nicht abgesprochen werden könnte. f
In 1 Unterbringung und Entlohnung der Kriegs invaliden einigten sich beide Panteien auf ein Halldinhandg mofür allerdings die Einzelheiten noch bestimmt werden misßte die sich durch die Praxis ergeben würden. l
Vereinigung der Gärtnerverbände. 0
Für die Angestellten und Gehilfen in den Gärtnereien be⸗ stehen in Deutschland drei Organisationen, nämlich der freigewerke schaftliche Allgemeine Deutsche Gärtnerverein, der Deutschnationale Gärtnerverband und der Verband deutscher Privatgärtner. Re⸗ dakteur Albrecht vom Allgemeinen Deutschen Gärtnerverein hat kürzlich im Vereinsorgan angeregt, ein Bündnis dieser drei Ver⸗ einigungen, die sich vor dem Kriege oftmals feindlich, immer aber als Konkurrenten gegensiberstanden, herbeizuführen. Albrecht wies auf den erfolgten Zusammenschluß der Unternehmer⸗ organisationen hin und ist der festen Ueberzeugung, daß trotz all Gegensätzlichkeie der drei Arbeitnehmerverbände ein breiter Bod vorhanden sel für eine auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Gemeinschaftsarbeit. Es gelte jetzt diejenigen Punkte hervorzu⸗ heben, über welche unter den Organisationen Meinungsverschieden⸗ heiten nicht bestehen. Die Berufsverbände sollen zur erde und unerschöpflichen Quelle der Volkswohlfahrt werden, 1 starkes Bündnis der bisher getrennten Gärtnerorganisatsonen mürde dazu beitragen, die Berufsangehörigen diesem Ziele näher zu bringen. Der Wunsch nach einem solchen Zusammenarbeiten set in allen Organisationen vorhanden, von einer Seite aber milsse der Anfang gemacht, der Weg zur Verständigung angebahnt wer⸗ den. Man wird nun abwarten müssen, wie sich die beiden anderen Verbände zu dem von der freigemzerkschaftlichen Organisation ge⸗ machten Annäherungsvorschlag u stellen werden. Ant Ae. fe d Arbeitnehmer wäre es zu begrüßen, wenn der. 7 schlag aus Ziel führen würde.
Parteinachrichten Grabdentmal für den Genossen Noll we Unter stafler Teilyahme der nossen wurd in Augsburg guf dein dorligen protestantischen Friedhof ei dem vor drei Jahren auf einer Bergtoux tödlich verum i e bayerischen Landtagsabgeordneten Haus Rollwagen gewidmetes nd von den Parteigenossen gestiftetes Grabdenkmal der Fa milie des Verstorbenen übergeben. Die Ehrengabe ist ein künstlerisch hervo ragendes, in edlen, schlichten Formen gehaltenes Werk. 0 Aus der Schutzhaft entlassen. Genosse Peter Winnen in Düsseldorf befindet sich seit San tag wieder in Freiheit. Die Verhaftung, die bekauntlich, erfo⸗ war, weil Winnen an Zusammenküuften russischer(freier) Arbe teilgenommen hatte, ließ sich nach erfolgter Zeug mvernehmung inehr aufrechterhalten. Die endgültigen polizeilichen Feststell ergaben, daß sich Genosse Winnen keinerlei Unkorrektheit 4 Schulden kommen lassen. Darauf wurde die Aufhebung der S haft verfügt. Die Haft währte zehn Tage. 0 Kundgebung rumänischer Sozialisten für Aufrechterhaltung der Neutralität. Am Sonntag fand in Bukarest eine große sozialistischs sammlung statt. Es wurde folgender Beschluß gefaßt: a 0 Die versammelten Arbeiter und Bürger legen Verwahrum einiger Zei
heutigen Umständen eine ehrliche und endgültige Neut
machen mülsse.
Pulver und Gold.
Roman aus dem Kriege 18701871. Von Levin Schücking.
„Verzeihung, Mademoiselle,“ sagte ich, mich verbeugend, „wir fanden ihn in einer Weise, die uns Verdacht einflößen mußte, wenigstens verbarg er sich vor uns und weigerte sich, uns zu führen.“
„Beides war sehr natürlich,“ fiel sie mit einer mich eigentümlich berührenden metallhellen und doch weichen Stimme ein, die ein wenig wie von innerer Aufregung vibrierte,„ich hatte ihm befohlen, dort zu bleiben— ich wollte, während ich im Garten spazieren ging, ihn zu meinem Schutze da wissen.“
„Dann,“ versetzte ich,„müssen wir abermals um Ver⸗ zeihung wegen dieser Störung bitten; wir konnten das nicht ahnen— es tut uns in der Tat leid, Sie hier in Ihren Gartenanlagen— denn ich darf voraussetzen, daß ich mit der Herrin dieser schönen Besitzung rede— belästigt zu haben—“
„O, Sie verzeihen uns das gewiß,“ fiel hier der unaus— stehliche Glauroth mit seiner Suada ein,„Sie selbst haben sich ja von dieser schönen Mondscheinnacht herauslocken lassen — wir dürfen deshalb hoffen, daß Sie Nachsicht mit der deut⸗ schen Sentimentalität haben, die sich unwiderstehlich hinaus⸗
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scheinnacht, einen Feenreigen, nicht aber der..
Ich fühlte, daß er im Begriff stand, ein taktloses Kompli⸗ ment vorzubringen und darum unterbrach ich ihn rasch „Und als ein Zeichen Ihrer Verzeihung würden wir es be— trachten, Fräulein, wenn Sie uns gestatten, Sie durch den Garten zu Ihrem Schlosse heimzubegleiten.“
Es war jedenfalls ein wenig zuzdringlich, auch antwor⸗ tete die junge Dame nicht darauf; doch wandte sie sich zum Gehen und darin lag denn freilich eine Art Erlaubnis, sie zu
begleiten.
in welcher wir wohl erwarten konnten,
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bei,„während Sie uns den Krieg und alle seine Schrecken bringen— jetzt, wo der Krieg gar keinen Zweck mehr hat. Ist das deutsches Gemüt?“
Sie sprach das Wort mit einer äußerst bitteren, spötti⸗ schen Betonung, die mich sehr lebhaft erwidern ließ:„Gewiß, Fräulein; nie war ein Krieg mehr eine Gemütssache, als just der, den wir mit Frankreich führen. Ist die brausende Be⸗ geisterung, mit der sich ganz Deutschland in diesen Krieg ge— stürzt hat, nicht eine Sache des Gemüts? Ist das stürmische Verlangen jedes deutschen Mannes, die alten geraubten Reichslande mit dem tüchtigen deutschen Bruderstamme, dem reinen deutschen Blute darin, wieder zu erobern, sie zu ihrem Mutterlande zurückzuführen, nicht Sache des Gemüts?“
„Und ist es nicht äußerst gemütlich,“ unterbrach mich Glauroth,„in dieser mondbeglänzten Zaubernacht, in dieser uns fremden Welt, an der Seite einer schönen jungen Dame durch abendliche Gärten zu wandeln?
In dem abendlichen Garten Wandelt des Alkalden Tochter..
Sie wandte sich mit einer ausdrucksvollen, für ihn nicht sehr schmeichelhaften Kopfbewegung von ihm ab und sagte, zu mir gewendet:„Sie wollen erobern, das ist's! Ein zivili⸗ siertes Volk will nie erobern. Aus Deutschland sind immer
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die Eroberer gekommen— die Hunnen, die Goten, die Franken—“ „Die Ulanen!“ fiel der ehemalige Primaner lächelnd
ein,„das unzivilisierteste Volk von ihnen allen!“
„Und Frankreich,“ fuhr sie, ohne auf ihn zu hören, fort, „hat immer die traurige Aufgabe gehabt, sich dieser erobe⸗ rungssüchtigen Nation zu erwehren, und sein bestes Herzblut dabei vergossen. Es ist kein Jahrhundert in unserer Ge⸗ schichte, in welchem wir Frieden gehabt und nicht zu schweren Kriegen gegen Deutschland gezwungen gewesen wären. Welche Zeit wäre für die Welt die Ludwigs des Vierzehnten gewesen, wenn er sich nicht durch die Kriege mit Deutschland in seiner besten Kraft, in seinen hochfliegendsten Plänen gelähmt ge⸗ sehen! Doch ich kann nicht voraussetzen, daß sie die Geschichle
„Sie reden von deutscher Sentimentalität,“ sagte sie da ⸗
Frankreichs kennen, um 8
„Ihnen folgen zu können, Fräulein? In diese Ansch ung freilich nicht; die Idee, den armen Ludwig den zehnten bedauern zu sollen, weil er genötigt war, dem
verheeren, die herrlichen Rheinlande zu verwüsten, un Schlösser und Dome niederzubrennen, uns die alte Reichs stadt Straßburg fortzunehmen— in diese Idee kann Ihnen nicht folgen. Bedauern Sie auch den armen Kard Richelieu, daß er in Deutschland den unseligen dreißig rigen Bürgerkrieg schüren und hetzen mußte?“ a „O sicherlich— er tat es mit schwerem Herzen; daß kein Freund der Protestanten, hat er bei La Rochelle geze er hat sie da schwer genug getroffen; wie schmerzlich und ha mußte es für ihn, den Mann der Kirche, sein, durch die litik, durch die ewige Drohung, welche Deutschland für unk enthielt, gezwungen zu sein, die Ketzer dort zu unterstützen! Ja, mein Herr, ich bedauere den Kardinal Richelieu, der gro genug war, seine Sympathien zu verleugnen und eine Schund gegen sein religiöses Gewissen auf sich zu nehmen, um seinel Vaterlandes willen!“ g Mein Begleiter brach hier in ein leiches Lachen „Es scheint,“ sagte er,„die Geschichte wird in Frankreich nach ganz eigentümlichen Heften gelesen.“ 1 „Möglich,“ fiel ich ein,„daß man die Geschichte iberell wie ein Adpokatenplaidoyer für die eigene Sache vorkr ..„Die Weltgeschichte ist das Weltgericht“ soll vielleicht heißen: sie ist das große Tribunal, vor dem die Advokaten der Völker, die Geschichtsschreiber, ihre Vorträge für rk Safe balten. Der eigentliche Richter ist dann— die eit!“ 9 „Wir sind am Hause angekommen,“ unterbrach die zunge Dame unsere gelehrte Unterhaltung.„Ich danke Ihnen, meine Herren!“ Sie machte eine kurze Verbeugung ging rasch über die Terrasse davon, um in einer, wie es schi nur angelehnt stehenden Seitentür zu ebener Erde zu ere
schwinden. f (Fortsetzung folgt.)


