Alle französischen Angriffe zwischen Straße So mme py —Souain und Eisenbahn Challerange—Semin⸗ gol wurden gestern teilweise in erbittertem Nahkampfe unter schweren feindlichen Verlusten abgeschlagen. Heute früh brach ein starker feindlicher Angriff an der Front nord⸗ westlich Massiges zusammen. Nördlich Massiges ging eine dem flankierenden Feuer sehr ausgesetzte Höhe (191) verloren.
Auf den übrigen Fronten fanden Artillerie- und Minen⸗ kämpfe in wechselnder Stärke statt.
Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
Südlich von Dünaburg ist der Feind in die Seen⸗ enge östlich von Wesselowo zurückgedrängt.
Die Kavalleriekämpfe zwischen Dryswjaty⸗See und der Gegend von Postawy waren für unsere Divisionen erfolgreich.
Oestlich von Smorgon ist die feindliche Stellung im Sturm durchbrochen. Es wurden 1000 Gefangene, darunter Offiziere, gemacht und 6 Geschütze, 4 Maschinengewhre rbeutet.
Südlich von Smorgon dauert der Kampf an. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Feindliche Teilangriffe gegen viele Abschnitte der Front wurden blutig abgewiesen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v. Linsingen.
Die Russen wurden am oberen Kor min in östlicher Richtung zurückgeworfen. Es wurden etwa 800 Gefangene gemacht.
Zwei russische Flugzeuge wurden abgeschossen.
Oberste Heeresleitung.
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Zähe Kämpfe in Wolhynien. Vergebliche Angriffe der Italiener.
(W. B. Wien, 30. Sept. Amtlich wird verlautbart: 30. Sep⸗
lember 1915.
N Russischer Kriegsschauplatz.
5 Die Lage in Ostgalizien, au der Ikwa und an der Puli⸗
lowka ist unverändert. Im Sumpflande des Korminbaches er⸗
stürmten österreichisch⸗ungarische und deutsche Truppen mehrere
Stützpunkte, wobei vier russische Offiziere und 1000 Mann in Ge⸗
faugenschaft fielen. Zwei feindliche Flieger wurden herabge⸗
schossen. Die k. und k. Streitkräfte in Litauen wiesen russische
Angriffe ab. Die Kämpfe führten stellenweise zum Handgemenge.
Der Gegner erlitt große Ver luste.
Italienischer Kriegsschauplatz. ö An der Tiroler Westfront wurde in der vergangenen Nacht im Adamellogebiete gekämpft. Ein Angriffsversuch des Feindes auf den Paß westlich der Cima Presena wurde durch unsere Artillerie abgewiesen; auch bei der Mandronhütte mußten die Italiener nach mehrstündigem Gefecht zurückgehen. Auf der
Hochfläche von Vielgereuth griffen sie gleichfalls nachts unsere
Stellungen zweimal vergebens an. Ebenso scheiterten an der
Kärntner Front nächtliche Angriffe auf unsere befestigten
Linien westlich des Bombasch⸗Grabens(bei Pontafel). Die Kämpfe
bei und nördlich von Tolmein dauern fort. Vor dem Mrzli
Vreh wich der Feind in seine alten Stellungen zurück. Gegen Dolje
griff er wiederholt an, wurde aber stets abgewiesen. Heute früh
begann das italienische Artilleriefeuer gegen den Raum von Tol⸗ mein, das schon gestern sehr lebhaft war, von neuem. 5 Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. von Höfer, Feldmarschalleutnant. 8
Die Niesenschlacht in der Champagne. Die feindliche Offensive im Westen ist durchaus noch micht, wie es zunächst den Anschein hatte, gebrochen. Be⸗ sonders in der Champagne ist sie wieder mit gewaltigem Un⸗ gestüm erwacht. Es ist grauenhaft auszudenken, daß immer und immer von neuem wieder Tausende von kostbaren Menschenleben hingeopfert werden, ohne die geringste Aus⸗ sicht auf wirklichen Erfolg. Denn auch die vorurteilslosen Fachleute auf Feindesseite sind sich darüber klar, daß Teil⸗ erfolge, selbst wenn sie da und dort bis in unsere Reserven und bis zur dritten Stellung führen, die Aussicht auf einen endgültigen Durchbruch nicht im geringsten fördern. Der ist einfach unmöglich. Die deutsche Mauer im Westen ist un⸗ Zurchbrechbar.
Hangen und Bangen in Paris.
Die sranzösischen Tagesberichte, die zunächst über die Ergeb⸗ gisse der Offensive sehr sachlich berichtet haben, fangen wieder an— wie deutscherseits, wo die amtlichen Stellen diese Berichte ohne Scheu durchgelassen werden, festgestellt wird— in etwas gar zu Handgreiflicher Weise zu übertreiben und von deutschen Verlusten zu melden, die alles Wahrscheinliche weit hinter sich lassen. Man hat es offenbar notwendig, die Stimmung der Franzosen anzu⸗ stacheln, und die Pariser Presse muß kräftig mithelsen. Das Hangen und Bangen, in dem die Bevölkerung Frankreichs sich eben befindet, geht deutlich aus der folgenden Meldung hervor, die Wolffs Bureau unterm 30. September aus Paris bringt: Die freudige Erwartung, welche durch die seit Monaten angekündigte französisch⸗englische Offensive erweckt wurde, dauert an; die Presse erklärt den glücklichen Anfang des allgemeinen Angriffes für viel⸗ versprechend, doch solle man den Jubel zurückhalten, bis die er⸗ hofften Erfolge Wirklichkeit geworden sind. Die großen Hoff- nungen der Franzosen spiegeln sich in einem Artikel Hervés in der Guerre Sociale wider, der es für entschuldbar erklärt, wenn man
in Anbetracht dessen, was auf dem Stiele srehe nervos ser. Wenn die Offensive gelinge, seien Frankreich und Belgien vom Feinde gesäubert, Bulgarien abgekühlt und Rumänien und Griechenland zum Eingreifen bereit. Mißlinge sie, so seien die besetzten Gebiete von Frankreich und Belgien noch auf Monate hinaus in deutscher Gewalt und Griechenland und Rumänien würden den Anschluß nicht finden, einzugreifen. Die bisherigen Ergebnisse der Offensive waren zwar großartig, aber man dürfe keine Luftschlösser bauen. Auch die bestbegonnene Offensive könne schließlich noch scheitern. Er wolle aber nicht entmutigen. Der Zweck seiner Aus führung sei nur, vor übertriebenen Hoffnungen zu warnen, um bitteren Ent⸗ täuschungen vorzubeugen, falls der bisherige Erfolg sich nicht ent⸗ sprechend den Wünschen des französischen Volkes entwickeln sollte. Gute Aussichten im Osten.
Trotzdem die Russen an allen Stellen der gewaltigen Ostfront überaus zähen Widerstand leisten, können sie unseren Vormarsch höchstens da und dort verzögern. Und wenn ihnen das an einzelnen Stellen einmal gelingt, so be⸗ eilt sich der Generalstab, solches Gelingen sofort in glänzende russische Siege umzudichten und von der Vernichtung ganzer deutscher Armeekorps zu fabeln. Andererseits hält man es aber doch für nötig, in Preßnotizen das Ausland auf eine weitere Zurücknahme der Front vorzubereiten, und daß es in Wirklichkeit auch so kommen wird, dafür ist hinreichender Beweis die Räumung von Minsk, jenes Punktes, den man als das Zentrum der bisherigen russischen Rück⸗ zugsbewegungen bezeichnen kann. Hierüber wird dem Ber⸗ liner Tageblatt über Stockholm gemeldet: Der Heilige Synod hat befohlen, daß die geistlichen Mittel⸗ und Hochschulen von Witebsk und Minsk nach Riagesan und Jaroslaw verlegt wer⸗ den. Auch alle Kirchengeräte und andere Wertsachen müssen dorthin überführt werden. Ferner hat der Synod beschlossen, die geistlichen Schulen in Kiew nach Kasan zu verlegen. Die Ackerbauschule von Schitomir wurde nach Nowotscherkewsk überführt. Der Oberprokurator des Synods hat befohlen, alles in den Kirchen und Klöstern eingegangene Gold der Reichsbank zu übermitteln. Bekanntlich hat der Eisenbahn⸗ minister ebenfalls befohlen, daß alle Reisende, die ihre Fahr⸗ karten mit Gold lösen, vor allen anderen Reisenden an den Schaltern den Vorrang erhalten sollen.
294405 Onadratkilometer russischen Bodens im Besitz der Verbündeten.
T. U. Wien, 30. Sept. Wie verlautet, haben die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen im Osten 294 405 Quadratkilo⸗ meter russischen Boden, also weit mehr als die Hälfte des Deutschen Reiches, im Besitz.
Eine russische Kabinettskrise bereitet sich offenbar wieder vor. Hierüber liegen folgende Meldungen vor:
Mailand, 30. Sept. Der Londoner Berichterstatter des Corriere della Sera drahtet zur Abreise des russischen Kabi— netts ins Hauptquartier, daß diese in London als Vorspiel zur Neubildung des Kabinetts ausgelegt werde. Die Krisis sei seit einiger Zeit vorausgesehen worden.
Amsterdam, 30. Sept. Ein hiesiges Blatt meldet aus London: Ein außergewöhnlicher Ministerrat unter dem Vor⸗ sitz des Zaren, zu dem alle Minister nach der Front reisten, hätte anfangs nächster Woche in Zarskoje Selo zusammen⸗ treten sollen. Wichtige Ereignisse an der Front hätten aber die Abreise des Zaren verhindert.
W. B. Petersburg, 30. Sept. Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Im Zelt des Zaren fand unter dem Vorsitz des Zaren ein Ministerrat statt.
An den Dardanellen keine Veränderung.
W. B. Konstantinopel, 30. Sept. Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront ist die Lage unverändert. Am 27. September brachten unsere Küstenbatterien ein feind⸗ liches Torpedoboot in der Gegend des Kereviedere zum Sinken und beschossen wirksam die feindlichen Stellungen an der Küste von Sedd⸗ül⸗Bahr. In der Nacht vom 27. zum 28. September überraschten unsere nach verschiedenen Richtungen ausgesandten Erkundungsabteilungen eine feind⸗ liche Abteilung in einem Hinterhalt, machten sie zum Teil nieder und nahmen den anderen Teil gefangen. Sie schlugen andere Erkundungskolonnen, die sie angetroffen hatten, in die Flucht und erbeuteten eine Anzahl Gewehre und Munition. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr erwiderte am 28. September unsere Artillerie kräftig das Feuer verschiedener feindlicher Batterien, die einen Augenblick unsere Stellungen beschossen hatten und brachten sie zum Schweigen. Von den anderen Stellen ist nichts zu melden.
Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters, Gießen. Verlag von Krumm& Cie., Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt, G. m. b. H., Offenbach a. M. Bekanntmachung.
Die Auszahlung der Familienunterstützung für 1.—45. Oktober an die Angehörigen der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt:
a. Reichs⸗ und Kreisunterstützung an diejenigen, deren Namen beginnen mit K Freitag, den 1. Oktober I 2 Samstag, den 2. Oktober. b. Städtische Unterstützung(Mietszuschuß) an diefenjgen, deren Namen beginnen AK Montag, den 4. Oktober I—4 Dienstag, den 5. Oktober. c. An Vermieter, die Mietbeträge abholen Mittwoch, den 6. Oktober. Die Auszahlungen finden statt von 8—1 Uhr vorn Stadthaus Zimmer Nr. 16. Gießen, den 27. Oktober 1915. Der Oberbürgermeister: Keller.
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Bekanntmachung. Betrifft: Die Vergebung der Kultur- u. Wegebauarbeiten für 19 , den 2. Stlober 23 Js., vormittags 10% Uhr, werden im Stadthaus, Gartenstraße 2, die in den Waldungen der Staßt“ Gießen erforderlichen 5 4 1 Kultur⸗ und Wegebauarbeiten öffentlich wenigstnehmend versteigert. N ie Großherzoglichen Bürgermeistereien der uw meinden werden ersucht, dies alsbald ortüblich belann; lassen.. Gießen, den 24. September 1915. Der Oberbürgermeister: V. Grünewald.
Geländeverpachtung der Stadt Gießen.
Mittwoch, den 6. Oktober 1915 findet die anderweite Ver⸗ pachtung leihfällig werdender Grundstscke der Stadt, des Stadt⸗ erweiterungsfonds und der Armenkasse statt und zwar: 83.
a) vormittags 9 Uhr beginnend mit Zusammenkunft an der Wirt⸗ schaft im Philosophenwald 5
33 Triebviertel bei den Torflöchern auf 6 Jahre 10 Grundstsücke gegenüber der Provinzial⸗Siechenanstalt auf
2 Jahre„ 12 Grundstücke am alten Feldweg, im Heegstrauch und am Schiffenbergerweg, 1
b) nachmittags 2½ Uhr mit Zusammenkunft am Erdkauterweg
bei Zimmermeister Schubecker 5 3 eine größere Zahl Grundstücke am Saudkauterweg und Grüninger Pfad, am Ohleberg, in den Rödern, am Leih⸗ 0 gesternerweg, im Schlagenzahl, auf dem Beltersberg und bei f der Margaretenhütte auf die Dauer von 6 Jahren. Gießen, den 30. September 1915.
Der Oberbürgermeister.
J. V.: Grünewald. 4
Verstorbene. Georg Graf in Gießen, 40 Jahre alt.— Karl
Ruhl in Alten⸗Buseck, 63 Jahre alt. 1 Konsumverein Giessen u. Umg.
Sonntag, den 3. Oktober 1915, nachmittags 3 Ubr 9
General⸗Versammlung
im Saale des Gewerkschaftsbauses, Schanzenftr. ö Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Beschlußfassung über die Verteilung der Erübrigung. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Ergängungs⸗ wahl des Aufsichtsrates und Wahl der Stellvertreter.
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