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Hessen und Nach bargebiete.
Gießen und Umgebung.
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— Neue Brotmarken. Morgen gelangen die Vrotmarken für die nächsten zwei Wochen an den bekannten Ausgabe— stellen in den Stunden von 8—12 Uhr vormittags und von 2—6 Uhr nachmittags zur Ausgabe, worauf wir unsere Leser aufmerksam machen. g
— Nicht so eilig mit dem Einkaufen der Winterkartoffeln! Eine von seiten der Regierung ergangene Erklärung warn a vor zu frühzeitigem Kartoffeleinkauf. Es heißt darin, daß infolge lebhafter Nachfrage zu einer Zeit, wo die Ernte noch kaum begonnen habe, eine Preissteigerung eingetreten sei, die bei den sehr günstigen Ernteaussichten nicht begründet ist. Die Bewegung auf dem Kartoffelmarkte wird regierungs— seitig mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Re— gierung verschließt sich nicht der Ueberzeugung, daß der ärmeren Bevölkerung bei der leider unvermeidlichen Steige— rung der Preise für die meisten Lebensmittel die Kartoffeln zu vertretbaren Preisen zur Verfügung gestellt werden müssen. Die hierzu erforderlichen Organisationen sind in Vorbereitung. Nötigenfalls wird die Regierung eine Sicherung des für die ärmere Bevölkerung in den Städten und Industriebezirken erforderlichen Bedarfs durch Zwangsmaßnahmen herbeiführen. Im gegenwärtigen Augenblicke läßt sich weder der im freihändigen Ankauf, noch der zu deckende Bedarf an Eßkartoffeln, noch die Wirkung der hervorragenden Ernte auf die Preisbildung genügend übersehen. Es kann deshalb nur dringend davor 9585 warnt werden, durch übereilte Eindeckung einer durch die Verhältnisse nicht begründeten Preistreiberei Vor— schub zu leisten.— Diese Warnung trifft auch für unsere Gegend zu, wie wir bereits vor einiger Zeit ausführten und sollte allgemeine Beachtung finden. Gegenwärtig geben die Landwirte noch keine Kartoffeln heraus, sie warten stets erst, bis sich der Preis gebildet hat. Voreiliger Einkauf wirkt preistreibend!
— Städtische Nahrungsmittelversorgung. Von seiten
des Kommunalverbandes sind der Stadt 15000 Mark zur Verfügung gestellt worden, welche Summe die Stadt für An— schaffung von Kartoffeln und Milch für Kinder zu verwenden heabsichtigt. — Die Generalversammlung des Konsumvereins Gießen findet, wie bereits bekannt gegeben, nächsten Sonntag, nach⸗ mittags 3 Uhr, im Saale des Gewerkschaftshauses statt. Wir werden ersucht, nochmals darauf hinzuweisen und die Mit— glieder zu zahlreichem Besuche aufzufordern. Die Tages— ordnung ist aus dem Inserat ersichtlich. Zutritt haben nur Mitglieder und deren Frauen..
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Landsturmmann Max Speier aus Gießen, Inf.-Reg. 49. — Reservist Ernst Ganz aus Gießen, Inf.⸗Reg. 224.
Beschlagnahme von Spinnstoffen und Garnen. Am 28. Sep⸗ tember ist durch die Militärbefehlshaber eine Bekanntmachung be— treffend Bestandserhebung von tierischen und pflanzlichen Spinn⸗ stoffen(Wolle, Baumwolle, Flachs, Ramie, Hanf, Jute, Seide) und daraus hergestellten Web⸗ und Strickgarnen veröffentlicht worden. Die Bekanntmachung führt eine monatliche Meldepflicht für die ge— nannten Spinnstoffe und Garne ein und setzt die Bestimmungen der früheren Bekanntmachungen W. I. 1./0. 15. K. R. A. betreffend Bestandserhebung unversponnener Schafwolle, V.. I. 62 1./7. 15. 1 betreffend Bestandserhebung von Bastfaser-Rohstoffen usw. und W. II. 384/, 15. K. R. A. betreffend Bestandserhebung für Baumwolle usw. insoweit außer Kraft, als sie regelmäßig wiederkehrende Bestandserhebungen angeordnet haben. Zu der Bekanntmachung gehören 4 Arten von Meldescheinen und Meldescheine 1 für Wolle und Garne vorwiegend aus Wolle, Meldescheine 2 für Baumwolle und Garne vorwiegend aus Baum⸗ wolle, Meldescheine 3 flir Bastfaser und Garne vorwiegend aus Bastfasern und Meldescheine 4 für Seidenabfälle und Bourette-⸗ 5 Diese Meldescheine sind bei den örtlich zuständigen amt⸗ ichen Vertretungen des Handels(Handelskammern usw.) eut⸗ weder mittels Postkarte(nicht mit Brief) anzufordern oder im Bureau der betreffenden Handelskammer abzuholen. Abfindung verwundeter und kranker Mannschaften. Eine an⸗ scheinend offiziöse Notiz besagt:„Den aus dem Felde zurückge⸗ kehrten verwundeten und kranken Mannschaften, ebenso wie den kranken Mannschaften immobiler Formationen wird vielfach auf besonderen Antrag die Erlaubnis erteilt, sich zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit zu Erntearbeiten usw. in Privatpflege bei Ange⸗ hörigen usw. zu begeben. Diese Leute werden hinsichtlich ihrer Gebührnisse ebenso behandelt, wie die zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit beurlaubten Mannschaften. Sie haben daher für die ganze in Betracht kommende Zeit Anspruch auf die Löhnung ihres Dienstgrades nach den Sätzen mobiler oder immobiler Formg⸗ tionen, sowie auf die Gewährung der Geldabfindung zur Selbst⸗ beköstigung. Für Angehörige mobiler Formationen beträgt diese ohne Unterschied des Dienstgrades 1.20 Mk. für den Kopf und Tag. Angehörige immobfler Formationen erhalten das Beköstigungs⸗ geld des Truppenteils, dem sie zur Verpflegung zugeteilt sind.“ Der Bundesrat scheint zu dem Beschluß des Reichstags, den Ver⸗ bflegungssatz für die Dauer des Krieges ganz allgemein auf 4,20 Mk. pro Kopf und Tag sestzusetzen, noch keine Stellung ge— nommen zu haben. 0
— Geheimnisse der Feldpost⸗Tuben. Das Bochumer„Städtische Nahrungsmittel⸗Untersuchungs, Amt“ wendet sich gegen die uner⸗ hörte Uebervorteilung des Publikums beim Einkauf von Tuben, die für Feldpostsendungen bestimmt sind. Der Leiter des Amtes weist darauf hin, daß in letzter Zeit auf dem Nahrungsmittelmarkte aufallend viele Neuheiten auftauchen, Nahrungs⸗ und Genuß⸗ mittel in Dosen, Düten, Tuben und Beuteln. Das habe den großen Nachteil, daß dem Käufer die Möglichkeit fehle, die Güte und Menge des Inhalts zu prüfen. Das Untersuchungsamt hat festge⸗ stellt, daß in den allermeisten Fällen der Inhalt der Packungen der
enge nach nicht dem hohen Preis entspricht. So enthielt 3. B. eine Dose„bürgerliche Nahrung mit Pfefferpothast“ die 1,35 Mark kostet, 335 Gramm Kartoffelbrei mit 2 Fleischstückchen zu 27 Gramm. Der Wert des ganzen Inhalts beträgt etwa 15 Pfg. Tür„Naturbutter in Tuben“ wird 4 Mk. das Pfund gezahlt. Eine Dose Fleischwurst mit Kartoffelsalat hat bei einem Einkaufspreis von 4,15 Mk. einen wirklichen Wert von höchstens 30 Pfg.„Kar⸗ koffelmehl“ läßt sich die neue Tuben⸗Industrie mit einem geringen Zusatz von Kochsalz als„Butterstreckpulber Heureka“ mit 4 Mk. das Pfund bezahlen. Sogenannte„feinste Himbeermarmelade“, in Wirklichkeit eine Mischung von ausgepreßten Himbeerkernen, aus⸗ gelaugtem Apfelmark und„Stärkesirup“, gefärbt und mit kllnst⸗ lichem„Himbeeräther“ parflimiert, bringt 4,20 Mk. das Pfund. „Sardellenbutter“, in der von Butter keine Spur zu finden ist die aber zu einem Drittel aus Heringen besteht, wird nach dem Ver⸗ hältnis des Tubenpreises mit 5 Mk. bezahlt. Das Untersuchungs⸗ amt hebt hervor daß mit dem Paragraußen des, Gesetze iu mur meisten Fällen nicht eingeschritten werden lann. Es kann also nur
den] Einspruch erheben.
eine öffen tliche Warnung helsen, um das Publikum vor solchen unerhörten Uebervortellungen zu schützen.
„ e Zu dem Gedenktag der Stadt Gießen hatte auch der frühere Oberbürgermeister von Gießen und spätere Finanzminister Gena uth ein Glückwunsch-Telegramm an Oberbürgermeister Keller gerichtet, das zu erwähnen in unserem gestrigen Verichte versehentlich unterblieben war.
— Eine zartfühlende Dame. Die Wiener Arbeiter-Zeitung (vom 24. September) schreibt: Zufällig kommt uns das September⸗ heft von Velhagen und Klasings Monatsheften in die Hand, in der eine Frau Emmi Lewald„Gedanken“ aufzeichnet, die ihr„in schlaflosen Nächten“ kommen. Zum Exempel dieser:„Dreitausend tote Engländer vor der Front!“ Keine Sy mp honie klänge mir jeczt schöner! Wie das angenehm durch die Nerven rinnt, tröstlich, hoffnungserweckend:„Dreitausend tote Engländer vor der Front“— bis in die Träume klingt es nach und surrt wie eine s ch me ichelnde Melodie ums Haupt...“— Daß eine rau derartiges niederschreiben und eine„vornehme“ Zeitschrift es drucken kann, ist ein höchst betrübendes Zeichen. Doch muß man eine solche Roheit als Einzelerscheinung betrachten und sich zum Troste sagen, daß doch noch nicht die ganze Menschheit verrückt ge— worden ist.
Kreis Friedberg⸗Büdingen.
Butzbach, 29. Sept. Der falsche Leutnant. Gestern nachmittag trieb sich in den hiesigen Straßen ein junger Mann in bayerischer Offiziersuniform, angetan mit Sporen und Feldbinde, auf der Brust das Eiserne Kreuz und die Tapferkeitsmedaille, herum, Er ließ sich vom hiesigen Militär und den Verwundeten fleißig grüßen. Später löste er sich zu dem Nachmittagszug eine Fahrkarte nach Frankfurt a. M. Dem Stationsbeamten Oberbahn⸗ assistent Kais kam der schlottexige Leutnant jedoch verdächtig vor und er gab deshalb eine Depesche an die Bahnhofspolizei Frankfurt d. M. auf. Der Herr Leutnant wurde dort verhaftet und es stellte sich heraus, daß in seiner Uniform ein früherer Schreinergeselle des Schreinermeisters Diehl in Butzbach steckte, der schon längst von der
Polizei gesucht wird. Kreis Wetzlar.
n. Tod im Bergwerk. Am Dienstag vormittag kam der Berg⸗ mann Wilhelm Schmidt aus Waldgirmes in der Grube dadurch ums Leben, daß er mit seiner Grubenlampe ein Kabel der elektri⸗ schen Leitung berührte und durch den Starkstrom sofort getötet wurde. Der Verunglückte ist verheiratet und Vater zweier Kinder, er war noch nicht dreißig Jahre alt.
Westerwald und Unterlahn.
* Tödlicher Unfall bei der Arbeit. Auf den„Geisweider Eisen— werken bei Siegen wollte der Werkflihrer Otto Schmidt ein Hindernis für einen Bahntransport beseitigen. Er wurde dabei so
heftig gegen einen Lampenmast gedrfckt, daß er bald darauf verstarb.
Von Nah und Fern.
Eile Schlagwetter-Explosion ereignete sich Mittwoch friih auf
der Zeche Holland. Sie war vermutlich durch einen Sprenaschuß verursacht und entstand an einer Stelle, wo 42 Bergleute arbesiecten
Davon sind zweitot, 25 verletzt, davon 6 schwer.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer. ö 5 5 Darmstadt, 29. September. 5 Die Zweite Kammer trat heute zu einer Sitzung zusammem, die im wesentlichen zu dem Zweck einberusen worden war, den Fraktionen Gelegenheit zu voraufgegangenen Einzelberatungen zu
neten.
geben. Das Haus war aut besucht. In seiner Eröffnungsansprache flihrte Präsident Köhler It. a. aus: So innig der Wunsch nach Frieden bei uns allen am
Schlusse der vorigen Tagung war, er hat sich bis jetzt nicht erfüllt; lonnte sich nicht erfüllen. Seitdem hat das deutsche Heer gegen Rußland gewaltige Schläge geführt. Gott sei Dank ist auch der ge⸗ waltige Anprall gegen unsere Westsront an unserer tapferen Wehr zerschellt; Gott gebe es, daß es so bleibe! Was die Tätigkeit in der Heimat anlangt, so ist die Meinung noch mehr verstärkt, daß die Kraft zum Durchhalten noch mehr gewachsen ist. Ein Wirtschafts⸗ jahr während des ungeheueren Krieges haben wir glänzend über⸗ standen. Kleingläubige mögen hinblicken auf das stolze Ergebnis der letzten Kriegsanleihe(Bravo!) In diesem Sinne und diesem Geiste wollen wir weiter schaffen. Unsere Devise seit weiter: Einig und stark!(Bravo!) Wir haben wieder einen Verlust aus unserer Mitte zu beklagen: Heinrich Busold, der seit 191 für den Wahlkreis Vilbel dem Hause angehörte. Wie sehr ihn seine Mitbürger geschätzt haben, zeigt uns, daß er seit 1907 dem Gemeinderat in Friedberg, seit 1909 dem Kreistag und auch kurze Zeit dem Reichstage angehörte. Wir alle erinnern uns noch gern der lebhaften und eifrigen Art, wle er an unseren Verhandlungen teilnahm. Und wir glaubten nicht, daß er sobald aus unserer Mitte abberufen werden würde. Bei seinem Tode habe ich der Frau namens der Kammer ein Trauertelegramm gesandt; der Kollege Damm vom Präsidium vertrat die Kammer bei Busolds Beerdigung. Ich danke Ihnen, daß Sie sich von Ihren Sitzen er⸗ hoben haben. Besonders begrüße ich noch die im Feloͤgrau des Kriegers erschienenen Mitglieder.
Erster Punkt der Tagesordnung war ein Antrag betr.
Erweiterung des Finanzgusschusses durch je ein Mitglied der fünf Fraktionen zur Vorberatung aller Vorlagen, Anträge, usw., soweit sie sich auf die Volksernährung und wirtschaftliche Fragen aus Anlaß des Krieges beziehen. Auf Vorschlag Dr. Osanns wer⸗ den durch Zuruf gewählt: Dr. Fulda, Heerdt, v. Helmolt, Lang, Hebel, sowie als Stellvertreter Raab, Korell, Breidenbach, Stöpler, Singer.
Die Regierungsvorlage über die Wahlgesetznovelle(Ver⸗ längerung der Wahlperiode) wurde auf Antrag Korell⸗Angenrod von der Tagesordnung abgesetzt.(Der Bauernbund ist sich in der Frage noch nicht definitiv schlüssig.)
Zum Antrag Dorsch(Bbd.) betr. das Darmstädter Hoftheater (die Regierung zu ersuchen, dahin wirken zu wollen, daß während der Dauer des Krieges auf der Bühne des Großherzoglichen Hof⸗ theaters keine französischen, englischen oder russischen Stücke, resp. keine Stücke mit französischer, englischer oder russischer Tendenz auf⸗ geführt werden) hat der Ausschuß beantragt, den Autrag für er⸗ ledigt zu erklären, da zur Bemängelung des Spielplans des Hof⸗ theaters im Sinne des Antrags Dorsch keine Veranlassung vorliegt.
Abg. Dorsch(Bbd.) erklärt den Antrag aus allgemeinen Ge- sichtspunkten gestellt zu haben. Heute abend gäbe das Hoftheater z. B. Shakespeares„Sommernachtstraum“. Er wolle nichts dagegen sagen; werde sich das Stück mal ansehen.(Große Heiterkeit.) Er möchte aber fragen, ob man in Paris, London oder Petersburg Schiller oder Goethe spielt. Er betrachte das Theater als eine Stätte, wo das nationale Rückgrat des Volkes gestärkt werden sollte. Das aber geschieht nicht, wenn man sich die frechen Stücke der Franzosen oder die hochnäsigen Stücke der Engländer ansieht. Was haben wir denn mit unseren Halbgöttern erreicht, die wir uns von den Ausländern geholt hatten? Shaw, Maeterlink, d'Annunzio! Sie haben Gold und Lorbeeren bei uns geerntet und uns, als der Krieg ausbrach, Barbaren geschimpft. Wir sollten doch die Senti⸗ mentalität verlernen. Daß seine Kollegen sie noch nicht verlernt haben, bedauere er.(Große Heiterkeit.) In einer Berliner Oper wurde die englische() Oper Fra Diavolo sogar englisch gesungen. Wenn die Feldgrauen aus dem Kriege kommen, werden sie schon ihre Meinung dazu sagen. 8 f 8
Abg. Adelung(Soz., in jeldgrauer Uniform) freut sich, daß Dorsch sich mal Shakespeares„Sommernachtstraum“ ansehen will. Hätte er das früher schon getan, wäre wohl sein Autrag hier nicht gestellt worden. Gegen die Tendenz des Antrags Dorsch müsse er Wir wollen uns hüten, die Albernheiten des
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ahmen! Kunst und Wissenschaft kennen keine Landesgrenzen. E stgerode ein Stiick der Größe Deutschlands, daß wir die Kunst ge⸗ würdigt haben, einerlei, woher sie kam, wenn es nur wahrhafte Kunst war. Wenn ein Träger solcher Kunst uns nachher beschimpft. Grund, daß wir die Kunst an sich verwersen sollten. Ist es ausländische Ten⸗ denz, wenn Schiller die Jungfrau von Orleans oder den Wilhelm
doner oder Petersburger Pöbels herabzusteigen. a den Antrag Man kann Musik nach
ren einen nur bescheidenen Rahmen B, russische Tendenz eines Werkes
Zimmermann“, elue der schö sters, nicht mehr spielen?.
Abg. Wünzer(Natl.): Wenn er sich den Spielplan der deut⸗ schen Bühnen ansehe, so müsse er schon fsagen, daß in dem Antrage Dorsch ein berechtigter Gedanke steckt. Ganz unsympathisch sei ihm aber der Antrag Dorsch darin, daß man sich von Staatswegen mit dem Spielplan der Bühne befassen soll. Wir haben dafür eine Presse und die öffentliche Meinung, die sich gerade in dieser Zeit gut be⸗ währt haben, uns vor Geschmacklosigkeiten zu bewahren. In dieser 1 1 gehe der Antrag zu weit, seine Freunde werden ihn da her ablehnen. N
Abg. Dor sch(Bbd.): Sein Autrag sage doch ausdrücklich: „während der Dauer des Krieges“; das werde von den Vorrednern gar nicht beachtet. Die Internationalität ist doch in die Brüche gez gangen.
Abg. Ulrich(Soz.): Nach diesen Ausführungen müssen wir, den Antrag erst recht ablehnen. Denn das wäre doch ein merkwür⸗ diges Verlangen, daß wir jetzt während des Krieges alle Zivilisations abweisen sollten. Was Einzelne über den Internationalismus an Albernheiten geleistet haben, das müssen wir uns hüten, nachzu⸗ ahmen. Der Internationalismus ist nötig für die Wissenschaft, für die Kunst, für unsere Wirtschaft, auch für unsere Politik und in reli⸗ giösen Dingen. Der Interngtionalismus des Proletariats wird sich nicht dadurch irre machen lassen, daß Einzelne vergessen haben, was sie selbst früher gepredigt haben. So sehr wir alle ergriffen sind von dem Geschehen dieses großen Krieges, so sei er doch der Meinung, daß wir nach dem Kriege erst recht den Internationalis⸗ mus wieder erreichen müssen. Wir haben nicht nötig, solche Klei⸗ nigkeiten wie die vorliegende zu betreiben. Das Bedürfnis des in⸗ ternationalen Zusammenschlusses wird sich nach den erlebten großen Dingen erst recht zeigen. Wir können uns nicht aus kleinlichen Gründen gegen etwas wehren, was unvermeidlich in der Entwick⸗ lung liegt, die uns dieser Krieg bringen wird.
Abg. Korell(Fortschr.): Seine Beobachtung sei die, daß die deutschen Bühnen sich nicht so auf der Höhe dieser Zeit gezeigt haben. Der Gedanke des Antrags rsch sei also wohl anzuerkennen; aber die Form des Antrages müssen wir ablehnen. Der berethtigte In⸗ zrnationalismus ist nur dann gesund, wenn sich das deutsche Volk abkehrt von Verhimmlungen des Internationalismus.
Nach weiteren Ausführungen des Abg. Wünzer(Natl.) über die Oper„Fra Diavolo“ wurde der Antrag Dorsch abgelehnt. Es folgte ein weiterer Antrag des genannten Abgeordneten betr. Schaffung eines Gesetzes über die Einschränkung
fremsprachiger Geschäftsbezeichnungen und Hausinschriften.
Abg. Dorsch(Bbd.) begründete unter großer Unaufmerksam⸗ keit und Unruhe im Hause seinen Antrag. uffallend war, daß er
wörter wäre also wohl erklärlich.
Minister des Innern v. Hombergk: Einigkeit bestehe wohl darin, daß die Fremdwörtersucht zu bekämpfen ist. Verschiedene Meinung bestehe nur über den Weg. Wir alauben, daß das deutsche Volk nach dem Kriege aus sich selbst heraus die Kraft finden wird, durch das verstärkte vaterländische Empfinden. Auf dem richtigen Weg sind wir schon. Freilich werde im Ausschußbericht z. B. das Wort„lokal“ gebraucht, das man ganz gut durch„örtlich“ hätte er⸗ setzen können.(Heiterkeit) Bei der Bekämpfung der Fremdwörter solle man sich von Uebertreibungen fernhalten, das führt nur zu Verhunzungen unserer Sprache. Man sollte auch nicht das Maß der Vaterlandsliebe bemessen nach der Zahl der Fremdwörter, die jemand gebraucht.(Zustimmung.) Aus rechtlichen, wie allgemeinen Gründen bitte er den zweiten Teil des Ausschußantrages(Fremd⸗ wörterverbot auf dem Wege der Polizeiverordnungen) gleichfalls abzulehnen. 15-
Abg. Molthan(tr.) beautragt die Rlickverweisung det, Sache an den Ausschuß unter Hinweis auf die vom Regierungstisch gemachten rechtlichen Einwände. 8
Nach weiteren Ausführungen des Abg. Korell Cortschr.) und des Ministers v. Hombergk zog Abg. Uebel(Ztr.) als Aerichterstatter des Ausschusses den zweiten Teil des Ausschußan⸗ trages zurück. 5 a
Abg. Raab(Soz.): Er habe schon im Ausschuß die Auffassung vertreten, daß der Antrag Dorsch überfllülssig sei. Die Regierung gebraucht in den einzelnen Ressorts auch noch reichlich überflüssige Fremdwörter, sodaß viele Leute aus Briefen der Behörden darum nicht klug werden können, weil diese mit Fremdwörtern geradezu
gespickt sind. Der Antrag Dorsch wollte den gesetzlichen Weg; der Antrag des Ausschusses den Weg der Poligeiverordnungen. Auch
mit dem letzteren konnte er sich nicht einverstanden erklären. Mam könne natürlich im Ausschußantrag nicht etwas verlangen, dem die Regierung gar nicht stattgeben darf.
Nachdem hievauf noch Abg. Dorsch(Bbd.), Abg. Molthan (Ztr.), Minister v. Hombergk gesprochen und Abg. Ulrich (Soz.) an den Ausführungen des Abg. Dorsch über die neue In⸗ schrift am Reichstagsgebäude gezeigt hatte, zu welchen Lächerlich⸗ leiten man kommen kann, wenn man den Wünschen und Ausführun⸗ gen von Dorsch folgt, wurde der Antrag Dorsch abgelehnt. 85
Die Verhandlungen wurden dann abgebrochen. Die nächste Sitzung soll in der übernächsten Woche stattfinden; den Tag wird der Präsident noch bekanntgeben. 10
Tagesbericht des Großen Hnptturfttz.
Furchtbare Kämpfe im Westen. Fortschritte bei Hindenburg und Linsingen. W. B. Großes Hauptquartier, 30. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Der Feind setzte seine Durchbruchsversuche in der Champagne fort.
Südlich der Straße Men in Ypern wurde eine von zwei englischen Kompagnien besetzte Stellung in die Luft gesprengt. Südlich Loos schritt unser Gegenangriff lang⸗ sam vor.
Südöstlich von Souchez gelang es den Franzosen, an, zwei kleineren Stellungen in unsere Linien einzudringen. Es, wird dort noch gekämpft.
Ein französischer Teilangriff südlich Arras wurde leicht abgewiesen. 8
Zwischen Reims und Argonnen waren die Kämpft erbittert. N
Südlich von Marie A⸗Py brach eine feindliche Bri⸗ gade durch die vorderste Stellung durch und stieß auf unser Reserve, die im Gegenangriff dem Feinde 800 Mann ab⸗
gestern nur)
„gebildeten“ Pöbels von Paris, London und Petersburg machzue nahm und den Rest vernichteten“
kein Fremdwort richtig ausspricht; sein Aerger über die Fremd⸗


