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der religiösen und politischen Ueberzeugung, sowie der Vorstand⸗ schaften von rund 250 Vereinen und Verbänden mit über einer Million Mitgliedern.

Die Schlacht in der Champagne.

Der Kriegsberichterstatter der Berl. Morgenpost, Dr. Max Ostborn, meldet seinem Blatte aus dem Großen Haupt⸗ quartier unterm 29. September: Die Offensive der Fran⸗ zosen in der Champagne wurde gestern mittag und nachmittag mit neuen Angriffen von außerordentlicher Wucht fortgesetzt. Besonders richtete sich der Vorstoß der anstürmenden In⸗ fanteriemassen wieder gegen den Abschnitt Saint Hilaire— Souain—Perthes und Mesnil. Aber auch diesmal wurde ihr wuchtiger Anprall durch die nicht genug zu rühmende Tapferkeit unserer Champagnetruppen auf der ganzen Linie abgewiesen. Trotz der Riesenzahl der eingesetzten Kräfte und der schwersten Verluste hatte der Feind an keiner einzigen Stelle Erfolg. Ein Verwundeter erzählte mir, daß heute früh in der Dämmerung unsere Kompagnie glaubte, die Franzosen hätten neue Verschanzungen aufgeworfen, bis wir allmählich erkannten, daß hier Haufen übereinander getürm— ter Leichen des Feindes vor uns lagen. Namentlich zeichneten sich gestern nachmittag wieder sächsische Regimenter durch heldenmütige Standhaftigkeit aus. Was unsere Truppen in diesen schweren Kämpfen bei Tag und Nacht, bei ununter⸗ brochenem furchtbaren Artilleriefeuer an Ausdauer und Heldenmut leisten, kann kein Wort der Bewunderung und des Dankes ausdrücken. Eine der größten Schlachten des ganzen Krieges ist hier entbrannt.

Griechenland annektiert den Nordepirus.

T. U. Athen, 30. Sept. Ein königliches Dekret, das die Vor⸗ nahme von Wahlen auf den Inseln Imbros, Lemnos und Castellorizo anordnet, erregt großes A ufsehen, weil man der Ansicht ist, daß die Regierung hiermit den ersten Schritt zur Annexion der genannten Inseln, der auch in kürzester Frist die Annexion des Nordepirus folgen wird, tut. Da der Londoner Vertrag diese Inseln und den Nordepirus Griechenland abge⸗ sprochen hat, weigert sich die Regierung Venizelos, die formelle Annexion dieser Gebiete anzuordnen.

Zum Untergang des„Benedetto Brin“.

T. U. Lugano, 30. Sept. Bei der Explosion des„Bene— detto Brin“ wurden noch drei weitere im Kriegshafen von Brindisi liegende Schiffe der Kriegsflotte schwer be⸗ schädigt. Einzelheiten hierüber fehlen, da die Zensur alles unterdrückt. Der Eindruck der Nachricht von der Explosion in Italien war ungeheuer. Die öffentliche Mei— nung vermutet, daß ein feindliches Unterseeboot in den Kriegshafen eindraug und den„Benedetto Brin“ torpedierte. Die Marineverwaltung tut natürlich ihr Möglichstes, um dieses zu bestreiten und die Katastrophe auf andere Weise zu erklären. Die römischen Blätter behaupten, es handle sich um ein Attentat ausländischer Agenten. In Brindisi sind bereits zahlreiche Leichen geborgen, die alle furchtbar ver⸗ stümmelt sind. Auch in Fachkreisen hält man es für nicht ausgeschlossen, daß die Katastrophe durch ein österreichi⸗ sches Unterseeboot verschuldet worden ist, das durch das Fjord, das den Hafen mit dem Meere verbindet, in den Hafen eindrang und das über keine Schutznetze ver⸗ fügende Panzerschiff torpedierte.

Heftige Angriffe gegen Sembat, Guesde und Thomas.

T. U. Zürich, 30. Sept. Schweizer sozialistische Zeitungen be⸗ richten von tiefgehenden Unstimmigkeiten in der französischen rabikal⸗sozialistischen Partei. Die heftigsten Vorwürfe wegen des duldsamen Verhaltens der Regierung gegenüber den Lieserungs⸗ mißbräuchen hat sie auch gegen Sembat, Guesde und Thomas ge—

richtet und diese Mitglieder der Regierung wären vorgestern zu— rückgetreten, wenn nicht knapp vor der Abstimmung über den Staatshaushalt Ribot sie beschworen hätte, in diesem kritischen Augenblick auf ihren Posten zu verbleiben.

Kriegsusdizen. ö Als russische Truppen vom 270. Infanterie-Regiment am 13. September 1914 zu Schillgallen im Kreis Tilsit von

deutschen Truppen angegriffen und schwer bedrängt wurden, haben

mit Stricken gebunden, zwei davon durch und zwei durch Bajonettsti gelang es, mit den f J Urheber dieser schändlichen Roheit, Oberst Wol kom vom russischen Infanterie-Regime fangenschaf seines Gewissens sein mord verübt.

ungen für das Militär— aus Auch sind eine große Anzahl regimenter, beim ersten Hieb

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Bajonettstiche getötet dem fünften Gefangenen Der 270. in deutsche Kriegsge⸗ Entlastung Selb st⸗

che verwundet; Verwundeten den Russen zu entkommen. nt, ist t geraten und hat, nachdem er zur Verbrechen eingestanden hatte,

zum Ruhm der eder liefer⸗ gefügt habe.

Dem Avanti wird berichtet, daß Florenz Karton ⸗Militärstiefelsohlen nun noch den der L gepreßten Filz— t ha Pickel, Aexte und Beile für Pionier⸗ in Stücke zersprungen, da sie aus minderwertigem Gußeisen bestanden. Aus Catanzaro wird ge⸗ meldet, daß dort Partei und Gewerkschaft gemeinsam einen un erhörten Schwindel in den Militärbäckereien aufdeckten, in denen täglich einige Säcke feingemahlener Sand unter das Mehl gemischt wurde. Seit längerer Zeit hatten sich die Soldaten schon über schweres, unverdauliches Brot beklagt. Keine Unter⸗ suchung führte zum Ziel, bis es den Genossen gelang, einiger Sand⸗ säcke, über deren Bestimmung eine beiliegende Gebrauchsanweisung keinen Zweifel ließ, habhaft zu werden.

Endlich sind in einigen größeren Städten Italiens die Volksschulen wieder eröffnet worden, nachdem die Parteiblätter sich seit Kriegsbeginn andauernd tief darüber be⸗

Zwecke benützt und

klagten, daß die Gebäude alle für militärische e i chen Städten wird

ihrer Bestimmung entzogen werden. In man auch jetzt noch von der Räumung abgesehen. Der Labour Leader berichtet:„Eine Pariser Frau im Alter

von 60 Jahren, die Mutter eines Militärarztes, saß mit einer Freundin im Luxemburg⸗Garten und unterhielt sich mit ihr; sie

meinte, Kohle und Zucker würden im kommenden Winter. in Paris teuer sein, wahrscheinlich teuerer als in Deutsch⸗ land; ferner, daß der französische Sieg an der Marne gar nicht so groß gewesen sei, wie manche Leute behaupteten. Ein Vorbei⸗ gehender zeigte die Frau an. Sie wurde vor das Kriegsgericht ge⸗ stellt und zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt.— Ein Mann wurde zu einer Geldstrafe von 100 Franken veruxteilt, weil er sagte, die russische Dampfwalze rolle rückwärts.— Ein Tischlermeister erhielt ein Jahr Gefängnis, weil er in seiner Werkstätte geäußert hatte, daß die französische Armee unter Napoleon I. sowie in den letzten Jahrzehnten in den Kolonien sich viele Grausam⸗ keiten habe zuschulden kommen lassen.“

Wir berichteten neulich über den Erlaß der fran zösischen Behörden, daß die mobilisierten Arbeiter in den Waffen- und Ge⸗ schoßfabriken kein Recht auf Unfallentschädigung haben. Die sozialistische Fraktion hat sich am 17. September mit dieser Frage beschäftigt und den Beschluß gefaßt, beim Kriegs- minifter vorstellig zu werden, und ihn zu ersuchen, den genannten Erlaß zurückziehen zu lassen.

Parteinachrichten.

Zur Bildung einer internationalen sozialistischen Kommission in Bern,

durch die internationale sozialistische Konferenz, die kürzlich in staltfaud, schreiben die Genossen van Kol und VBliegen im He Volk unter der Ueberschrift„Ein Widerspruch, der eine Bestätigung ist“ folgendes: 4

Die Genossin Roland Holst schreibt die Teilnahme an der Sozialistischen Konferenz, die ein sogenann⸗ tes internationales Bureau gründete. Danach waren anwesend die sozialistischen Parteien von Italien, Rußland, Polen, Ru⸗ mänien, und Bulgarien und die sozialistische Jugendbewegung von Schweden und Norwegen. Mit anderen Worten: Nicht anwesend waren die sozialdemokratischen Parteien von Frankreich, Deutsch⸗ land, Oesterreich, England, Vereinigte Staaten, der drei skandi⸗ napischen Länder, Niederlande, Belgien, Spanien usw. und selbst die Schweiß nicht, obgleich die Konferenz in diesem Lande stattsand.

Von den teilnehmenden Parteien ist soviel sicher, daß die Russen und die Polen mit ihren Ländern nicht in Verbindung stehen konnten. Aus Niederland scheint selbst die S. L. P. nicht vertreten gewesen zu sein.

Besser kann wohl nicht ins richtige Licht gerückt werden, daß diese Konferenz lediglich eine zufällige Zusammenkunft einer Gruppe von Menschen gewesen ist, die keine Autorität hatten, gegenüber dem Internationalen Sozialistischen Burcau ein inter⸗ sationales Sekretariat zu gründen.

Hierbei ist noch zu bemerken, daß alle, die im Bericht al teilnehmende Parteien genannt sind, die Uebersiedlung des inte nationalen Bureaus nach dem Haag gutgeheißen haben.

Bern

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im N. Rott. Ct. über

8 —

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Arbeiterbewegung.

Die Gewerkschaften am Schluß des ersten Kriegsjahres. In anerkennenswerter Weise hat sich die Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands während des Krieges wiederholt bemüht, durch Erhebungen bei den ihr angeschlossenen Verbänden

den Einstuß des Krieges auf dle Gewerkschaften tat len. Die letzte dieser Erhebungen wurde am 31. nommen. 1 1 8

Die der Generalkommission angeschlossenen e 291 am Schluß des 2. Quartals 1914, allo furd vor Aus 15 12 N Krieges, 2 510 585 Mitglieder. Dagegen betrug der 13 ieder⸗ Men am 31. Juli d. J. 1 180 049. Auch während des rieges büßten die Gewerkschasten ihre Werbekraft nicht 1 wa durch die Tatsache belegt wird, daß die Statistit 24 4 1 eingetretene Mitglieder verzeichnet. Bei einigen Trace ist dieser Zuwachs an neuen Mitgliedern sogar recht 2 ich. So verzeichnet der Metallarbeiterverband allein de 8. e nahmen, der Bauarbeiterverband 23 44, und 4 weitere Verbände

ae 1020 000 nene ben ie Zahl der Eingezogenen har aäß der S stöndig gesteigert Bis zum 31. Juli waren 1061404= 42,7 Prozent zum Heeresdienst eingezogen sehr Prozentsatz der Eingezogenen ist in den einzelnen Verbänden 91 verschieden. Er steigt von e bei den Tabakarbeitern bis auf 73,2 Prozent bei den Bäckern. 5

0 Von 1 Berichterstattung über den Grad der Arbeits⸗ losigkeit wurden 1139 095 Mitglieder erfaßt. Davon waren am 31. Juli, dem Erhebungstage, 30 006 2, Prozent arbeitslos. Außerdem arbeiteten noch 4437) Mitglieder bei verkürzter Arbeits⸗ zeit und verkürztem Lohne. Durch, die Anfang September v. J. vorgenommene Erhebung wurde festgestellt, daß von je 100 Mit⸗ gliedern 21,2 arbeitslos waren. Die Gegenüberstellung der Prozent⸗ zahlen an den beiden, über 10 Monate auseinanderliegenden, Er⸗ hebungstagen spiegeln die bei Ausbruch des Krieges herbeigeführte

sch da il vor

ch naturgemäß während

plötzliche Unterbrechung des friedlichen Erwerbslebens und die später eingetretene Festigung der Wirtschaftslage wieder, Ist auch

eitsmarkt zurzeit den Umständen nach ine Berufe recht erhebliche Arbeits⸗ ie Lage bei den Hutmachern. 44,7 Prozent arbeits⸗

die Gesamtlage auf dem Arb günstig, so weisen doch einze 8 bn 5 auf. Recht ee 7 d aan Von den Mitgliedern dieses Verbandes waren 41, Pr r los. Dieser 1 hohe Stand der Arbeitslosigkeit ist hier auf die weiblichen Mitglieder zurückzuführen, die zu 62,5 Prozent ar⸗ beitslos waren. 5 Verbände hatten 1015, 7 Verbände 5500 17 Verbände 1—3 und 11 Verbände weniger als 1 Prozent arbei lose Mitglieder. 9026 Mitglieder erhielten Arbeitslosenuntere stützung. 8 5„ Die Unterstützung der Arbeitslosen seit Begun 0 des Krieges hat die Jentralverbände übermäßig stark belastet. 1 zum 34. Juli wurden dafür 22 578 506 Mark verausgabt. Trotzdem wurden auch noch die Familien der eingezogenen NMit⸗ glieder bedacht. Zur Unterstützung derselben wurden 10 423 584

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Mark aufgewendet. Insgesamt verausgabten die Zentralverbände 10 für Unterstützungen aller Art seit Beginn des Krieges

bis 31. Juli d. J. 36 724 181 Mark. 5 it über den Rahmen der den Ge⸗ werkschaften in Friedensze Das Correspondenzblatt hebt starken finanziellen Bela männlichen Mitglieder zum Gewerkschaften diese kaum alle der

wachsenden Ansorderungen völlig gerecht zu werden vermögen. Die aus dem Felde zurücklehrenden Mitglieder hätten aber d

auf Hilseleistung, wenn sie ö iben oder der

von den Strapazen des Fesödiens en. Diese Hi

5 1 e erlassen bleiben. Hier sei

darf den Gewerkschaften nicht allein üd 5„0 ge d ausreichende Mittel für

es Jflicht des Reiches, einzugreisen un 5 3 die Hilfsbedürftigen zur Verfügung zu stellen. Es muß anerkann J werden, daß auf Anforderung der Gewerkschaftsvertreter die Reichsregierung weitere 200 Millionen Mark dem Hilfsfonds für die durch den Krieg in ihrer Lebenshafstung Beeinträchtigten und für die Familien der Kriegsteilnehmer überwiesen hat. Hflicht der Reichsregierung sei es, zur gegebenen Zeit die zur Hilfeleistung erforderlichen Mittel bereitzustellen. Im Zeichen des Vurgfriedens. In einem Artikel der Deutschen Arbeitgeber⸗ vom 5 September, der sich mit dem Thema:„Sozialdemokratie. Arbeiter⸗ politik und Arbeitsnachweis“ beschäftigt, findet sich folgende an⸗ mutige Stelle: 11 Mit Entschiedenheit a

ber muß es die Arbeitgeberschaft abweisen, in allen diefen Fragen je mit Gew erkschaftsver⸗ tretern, denn das sind ganz im Gegensatz zu den Arbeitern die eigentlichen Repräsentanten der Sozialdemokratie, und sie leben meist uur von der Agitation und dem Gelbe, das sie den Arbeitern aus den Taschen ziehen, gemeinschaftlich zu tagen. selbst, wenn manche Regierungsbehörden die Hinzuziehung solcher Leute aus Unkcuntuss des Milieus und der vitalen Interessen von Industrie, Handel und Gewerbe einleiten sollten. 1 Wenn das Arbeitgeberorgan schon heute, während des Krieges, in einer Zeit. wo Millionen von gewerkschaftlich organi⸗ sierten Arbeitern und Sozialdemokraten im Felde stehen, wo Hun⸗ derttausende ihr Blut verspritzen, etwas Dexartige zu schreiben sich nicht scheut, wie mag dann erst die Tonart wert wenn der„Burgfriede“ nicht mehr existiert!

sie fünf friedliche Einwohner des Ortes aufgegriffen, 1.— 0: rr

er

Pulver und Gold.

Roman aus dem Kriege 18701871. Von Levin Schücking.

Wir waren in halblautem Gespräch zwischen zwei langen, etwa vier Fuß hohen Taxushecken hinabgeschritten, die in ein Gehölz führten, durch das sich eine Allee unter dunklen, ihre Aeste zusammenstreckenden Wipfeln vor uns dahinzog. Glau— doth blieb plötzlich stehen— wie lauschend.

„Was haben Sie?“ fragte ich.

„Pst,“ flüsterte er zurück,„ich hörte ein Knacken, wie wenn man ein Gewehr spannt.“

„Ah... in welcher Richtung?“

Er trat rasch seitwärts, war im Augenblick neben der Hecke rechts und beugte sich mit dem Oberkörper hinüber.

„He da!... Schauen Sie einmal her, Bernold!“ rief er dabei aus.

Ich war bereits neben ihm; ein Mann, der da nieder— geduckt gesessen haben mußte, erhob sich just von Glauxoth am Kragen gefaßt. Es war ein Mann in einer Bluse, ein

Knecht, wie es schien; er war unbewaffnet. Eine kurze Tabakspfeife, die er in der Hand hielt, war die einzige

Waffe, die er führte. „Was seid Ihr? Was treibt Ihr hier? Weshalb ver— kriecht Ihr Euch hier?“ rief ich ihn auf französisch an. Er stammelte Worte zurück, die ich nicht verstand; aber ich glaubte ihn zu erkennen währenddessen. Es war derselbe mürrisch aussehende Mensch, der uns mit so verbissener und widerwilliger Miene heute das Gittertor geöffnet hatte. „Wo ist Eure Waffe? Ihr habt den Hahn einer Flinte gespannt!“ „Pardon, Monsieur, ich habe nicht daran gedacht, denn ich habe keine Flinte!“ rief er jetzt, seine Pfeife erhebend. „Ich habe nur das getan! setzte er, mit dem Daumen den Deckel aufmachend und dann wieder niederklappend, hinzu. „Es ist dasselbe Geräusch!“ sagte mein junger Kamerad.

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drossen fort;„ich dachte nur, daß das Feuer meiner Pfeife, die ich eben angezündet hatte, durch die Hecke schimmern könne, und darum schloß ich rasch den Deckel...“

„Aber weshalb haltet Ihr da Wache und duckt Euch bei unserem Kommen so ängstlich nieder?“

„Ich lauere auf Marder, die uns das Obst stehlen!“ sagte er.„Ich bin nicht ängstlich vor den Herron,“ fügte er mür⸗ risch hinzu,„ich hatte mich gesetzt, weil ich müde war. Wenn ich nicht wollte, daß Sie mich wahrnehmen sollten, so war's natürlich. Ich hatte kein Verlangen nach dem Verhör, das Sie jetzt eben mit mir anstellen— hier in unserem eigenen Garten!“

Ich verdolmetschte diese Antworten meinem Kameraden Glauroth, der in seinen Klassen so viel Französisch gelernt, um es zu verstehen, wenn er es in einem Buche deutlich ge— druckt vor sich hatte, nicht aber, wenn es ein lebendiger Mund vor ihm sprach. Er war wie ich der Ansicht, daß der Mensch schwerlich um der Marder willen da verborgen war; an einem Tage, wie der heutige für die Schloßbewohner gewesen, dach— ten sie wohl nicht daran, daß ein paar Aprikosen oder Birnen von ihren Spalieren verschwinden könnten.

„Ihr habt auf Franktireurs gewartet,“ sagte ich,„und wolltet ihnen den Weg ins Schloß zeigen, um uns überfallen zu können!“

Er sah mich mit einem feindlichen, höchst tückischen Blick unter den buschigen Brauen her an und sagte:„Sie irren, Monsieur— die Franktireurs sind verdammtes Gesindel, mit denen wir nichts zu schaffen haben. Wenn sie gekommen wären, wahrhaftig,“ er wandte seinen Koof rasch ab, dem Eingang der Allee zu, und fuhr mit einer Stimme, die plötz⸗ lich dreimal lauter war als bisher— aber wieder zu mir ge— wandt:„Wahrhaftig, macht, daß ihr fortkommt, würde ich ihnen zugerufen haben, die Preußen sind hier!“

„Und weshalb schreist du so laut, Spitzbube?“ rief Glan⸗ roth, ihn an der Jacke erfassend, aus.

Ich hatte das Gesicht nach derselben Richtung gewendet, wohin der Mensch soeben geblickt, nach dem Eingange der

glaubte eine dunkle Gestalt wahrzunehmen, die sich dort aus dem Schattendunkel heraufbewegte— und im nächsten Augen ⸗ blick zurückfliehend in demselben verschwunden war. 1 „Nehmen wir den Menschen zwischen uns; er soll uns folgen und uns durch die Allee zum Flusse führen,“ sagte Glauroth. a Ich war einverstanden. g „Also vorwärts,“ rief ich unserem Gefangenen zu,„geht mit uns bis zum Flusse hinab!“ 1 „Ich werde mich hüten,“ versetzte er mürrisch;„ich.. ich habe nichts im Gehölz zu tun und will schlafen gehen!“ „Ihr geht mit uns, wie wir's Euch befohlen...“ ö „Und wenn ich nicht will?“ 1 „Es ist offenbar, daß er seinen Wachtposten hier nicht verlassen will!“ rief mein Kamerad.„Es wäre gut, wenn wirr 0 1 „Still!“ sagte ich, mich wendend, weil ich Schritte der. nahm— ich sah dieselbe Gestalt, welche vorhin ins Dunkel

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zurückgetreten war, herankommen; es waren leichte Schritte, 1 die auf dem Kiesboden knirschten, begleitet von dem Rauschen von Seide, und das Nahen einer Dame ankündigten— in der Tat, eine junge Dame trat rasch aus der Schattenregion in das helle Mondlicht. 1 1 Wir beide starrten sie überrascht an, diese schlanke el“ gante Gestalt mit, wie es schien, feinen und edlen Zügen— ö deutlich erkennen konnten wir nur das schöne Oval des 40 N

sichts, um das sie ein schwarzes Spitzentuch geknüpft krug auch ihr Kleid war schwarz, der Mondschein rieselte hell an den Falten desselben nieder. 7 Sie hatte beim Herankommen den rechten Arm ein weng erhoben, wie eine Bewegung der Beschwichtigung m 175 und in langsamem, französisch akzentuiertem Deutsch sagte sie: „Lassen Sie den Mann, lassen Sie ihn... es ist unset Gärtner... was verlangen Sie von ihm?“ Die Worte waren mit einer gewissen Betonung Entrüstung ausgesprochen. 13

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