Ausgabe 
29.9.1915
 
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Nr. 228

Gießen, Mittwoch, den 29. September 1915

10. Jahrgang

James Keir Hardie.

Wenn wieder ein internationaler Arbeiter- und kongreß zusammentritt wer weiß, wann dann wird es eine neue Internationale sein. Neuaufgebaut und neu in ihren führenden Männern. Von den bekanntesten Köpfen werden die

und nun auch

Sogialisten⸗

Keir Hardie.

Treu, klug und beredt war der schottische Keir Hardie, der aus ärmlichen proletarischen bedeutendsten Führer der bewegung Großbritanniens emporwuchs. Sein größtes Verdienst ist die Gründung der Unabhängigen Arbeiterpartei im Jahre 1893, wodurch die britischen Gewerkschaften den Anstoß erhielten, sich vom effiziellen Liberalismus loszulösen und eine eigene Arbeiter⸗ partei(Labour Party) zu gründen. Er wurde in Schottland im Jahre 1856 geboren. Mit dem achten Lebe re begann er als Kohlenjunge seine proletarische Laufbahn. Eine Volksschule konnte er unter diesen Umständen nicht besuchen. Seine Mutter lehrte ihn lesen und schreiben und weckte in ihm das Streben nach Selbst⸗ unterricht und Fortbildung. 5

Bergmann James schen Verhältnissen zu sozialistischen Arbeiter-

Im Alter von 24 Jahren organisierte er die Bergleute von 0, Lanarkshire; einer der jungen Leute, die er damals für das Ge⸗ woerkschaftswesen newann, war Andreas Fisher, gegen⸗ wärtig Ministerpräsident der australischen Arbeiterregierung. Im Jahre 1882 gründete er das Arbeiterblatt Cumnock News, und sechs Jahre später kandidserte er als Sozialist im Wahlkreise Mid⸗ fluß hat. Mag Griechenland nun selbst Gewehr bei Fuß stehen Lanark. Diese Kandidatur im Jahre 1888 legte den Grundstein bleiben oder sich insoweit zur Entente schlagen, daß es anglo⸗ zur Unabhängigen Arbeiterpartei. Inzwischen war er auf den französischen Truppen den Durchzug nach Serbien gestattet, die Fritischen Gewerkschaftskongressen eifrig und konsequent tätig, den Verhältnisse werden dadurch nicht wesentlich beeinflußt werden. Einfluß der im Banne der liberalen Partei stehenden Arbeiter-] Das Schwerge wicht der Entwicklung auf dem Balkan liegt ührer zu untergraben. Sein Kampf galt besonders Henry nun einmal bei Bulgarien und Rumänien und es liegt Zrogadhurst, dem Sekretär des Parlamentarischen Komitees] vor allen Dingen an den Erfolgen bes Kampfes der Zentral⸗ end Unterstaatssekretär im Ministersum Glaßstone im Jahre 1886. mächte gegen Serbien, wie die Dinge weiter laufen. In dieser

Aber auch die Sozialdemokratische Föderation und deren kührer Hundman, Bax, Quelch usw. wurden von ihm bekämpft, da iese von der eigentlichen Arbeiterbewegung nichts verstanden und sch mit ihr in heftiger Fehde befanden. Die Mißerfolge der alten ßewerkschaften sowohl wie der Sozialdemokratischen Föderation abest Hardie viel zu denken und veranlaßten ihn, eine sozialistische Fartei zu gründen, die den Zweck haben sollte, den sozialistischen sedanken in die Gewerkschaften zu tragen, ihnen hierdurch einen zeuen Geist zu geben und somit dem Sozialismus die Arbeiter- kassen zuzuführen. Für diesen Gedanken wirkte er vor allem in schottland. während in England der neue Unionismus sich nach

Im Jahre 1892 wurde Hardie als Arbeiterkandidat in West

sam(London⸗Ost) aufgestellt und mit großer Mehrheit gewählt. Unterhause trat er als Sozialist auf und wirkte vor allem für erbeitslosenfürsorge. Ein Jahr später fand eine Konferenz in

erbeiterpartei) gegründet wurde. Die Propaganda, die sie sofort ternahm, brachte zahlreiche lokale Gewerkschaftsführer in Be⸗ ührung mit der sozialistischen Gedankenwelt. Die Allianz zwischen ber Arbeiterklasse und dem Sozialismus begann sich Bahn zu kechen und fand ihren Ausdruck in der im Jahre 1900 gegründeten aubeiterpartei(Labour Party), die jetzt 1,5 Millionen Mitglieder hlt und im wesentlichen eine sozialpolitische Gewerk⸗ shaftspartei ist. b Vom Jahre 1894 bis 1904 gab Hardie den Labour Leader raus, der stets international war und auch während des gegen⸗ lärtig tobenden europäischen Krieges seinen Internationalismus ncht verleugnet hat. Hardie war einer der wenigen britischen Inzifisten und würde auch in einen Generalstreik eingewilligt haben, indem Krieg vorzubeugen. Er war frei von allem Chauvinismus; ler Antimilitarist war er nicht. Nachdem der Krieg ausge⸗ sochen war, sprach und schrieb er für die erfolgreiche Durch- schrung der Landesverteidigung. Im Unterhause, dem er seit dem Jahre 1901 ununterbrochen gehörte, wurde er mit Achtung behandelt. Nach den Wahlen um Januar 1900, die eine starke Arbeiterfraktion ins Parlament lachten, war er von den bürgerlichen Parteien geradezu als eine Mährliche Persönlichkeit betrachtet und gefürchtet. Seine Stimme t doch stets den Interessen der Arbeiterklasse und des Men dentums. 5

Die sozialistische Organisation, die er schuf, und der Geist, den ihr einhauchte, sind das schönste Monument, das er sich gesetzt

e Hardies Name wird aus der Geschichte des britischen So⸗ illismus nicht verschwinden, und auch in der zweiten Inter⸗ ckionale wird sein Name oft genannt werden.

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Die Lage auf dem Balkan. Die Verhältnisse auf dem Balkan haben sich durch die bu 15 sche Mobilmachung natfrlich außerordentlich zugespitzt.

gefolgt, Rumä⸗ r den Waffen und ch zurückhält, so ist wie die übrigen auch die und man ein klares

iechenland ist mit d dien hat schon lange

wird, wie auf dem Balkan und daß auch nirgendwo bestochen und gelogen wird. Immerhin lassen

soviel jetzt, je ür die Vor⸗ ftigen Entwicklung einen Wegweiser bilden

sonst sich

länger je mehr, einige bestimmte Linien finden, die f aussetzungen der kün

gleich⸗ Aber hier liegen Seite hin en

ö der deutschen Waffen gegen Serbien sehr wohl verlassen und braucht auch vor den neuen

Maßnahmen des Vierverbandes, die gegen Saloniki geplant zu sein scheinen, keine übertriebene Sorge zu haben. Man darf aber schließlich nicht vergessen, daß die ganze

Balkanlage in letzter Linie nicht auf dem Balkan entschieden

sondern auf der westlichen und östlichen Front des europäische Kriegsschauplatzes. In dieser Hinsicht waren die deutsch⸗öster⸗

reichischen Siege im Osten die glänzendste Propaganda für den Anschluß an die Zentralmächte und sie haben das stärkste Motiv flir die Ablehnung der Bestrebungen der Entente gebildet.

Der Vierverband hat, nicht zuletzt aus politischen Gründen, in Hinsicht auf die Entwicklung der Balkanlage, die große Offensive im Westen angesetzt. Er wiegt sich in der Hoffnung, durch Siege auf der Westfront Bulgarien noch in letzter Minute umzustimmen und damit die ganze Balkanlage zu seinen Gunsten umzugestalten. Das Scheitern der Ententeoffensive im Westen, das sicher zu erwarten ist, wird eine neue Bekräftigung für die Entwick⸗ lung der Balkanlage im Sinne des bulgarischen Vorgehens be⸗ deuten und man kann daher auch in dieser Hinsicht der Zukunft ge

trost entgegensehen.

Der Seekrieg.

Versenkte Schiffe.

Wie erst jetzt bekannt wird, ist am 9. September der englische DampferCormubia mit 1898 Tonnen Wasser⸗ verdrängung im Mittelmeer versenkt worden. Die Besatzung konnte nach 28stündigem Rudern aufgenommen werden. Sie wurde nach einem spanischen Hafen gebracht. Das Londoner Handelsamt teilt mit, daß der Fisch⸗ dampferAshwol, der am 22. Juli Grimsby verließ, mit der Besatzung von neun Mann als verloren betrachtet werden muß. Eine verantwortliche Regierungs⸗Kommission

in England.

London, 27. Sept.(W. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuter⸗ schen Bureaus. Wie Daily Chronicle schreibt, hat Asquith eine be⸗ sondere Kommission ernannt, der die Erledigung von Kriegsange⸗ legenheiten, vor allem die Verantwortung für d de Kyi eg s⸗ leistungen übertragen wird. Seit einiger Zeit bestand schon eine Dardanellen-Kommission. Wie verlautet, werden die Funk⸗ tionen dieser Kommission von einer neuen übernommen, die eine Art Exekutive des Kabinetts darstellen wird. Die neue einflußreiche Kommission wird bestehen aus dem Premierminister, Kitchener, Lloyd George, Balfour, Grey, Lansdowne, Bonar Law und Chur⸗ chill. Diese Mitglieder des Kabinetts werden zukünftig im befon⸗ deren Sinne für die Kriegführung, soweit sie von der Regierung daheim beeinflußt werden kann, verantwortlich sein.

Eine Falschmeldung. Aus Kopenhagen erfährt Daily Telegraph 5 0 Schiffer aus Holtug wollen gesehen haben, daß ein deutscher

Sochs

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des Reuterschen Bureaus.

Volk, welche Unkosten Holland aus dem Kriege erwachsen

sind. Für die fünf Monate des Jahres 1914 belaufen sich die direkten Ausgaben über 99 Millionen Gulden, die

Mindereinnahmen infolge der Kriegskrise auf über 7 Mil⸗ lionen, sodaß ein Gesamtbetrag an Kriegsunkosten von 106 919 700 Gulden für das Kriegsjahr 1914 herauskommt. Auf das Jahr 1915 berechnet Het Volk die holländischen Kriegsunkosten auf rund 300 Millionen Gulden, wovon ca. 250 Millionen auf die Militärausgaben entfallen. Friedenskongreß in Bern.

In der Zeit vom 14. bis 18. Dezember wird in Bern ein inter⸗ nationaler Friedenskongreß tagen. Den Verhandlungen liegt fol⸗ gendes Mindestprogramm zugrunde, das im April vom Nederland⸗ schen Anti⸗Orlog⸗Raad beschlossen wurde:

1. Es soll weder eine Annexion noch eine Gebietsübertragung stattfinden gegen die In ssen und Wünsche der Bevölkerung, deren

Zustimmung, wo es mög

3. Das auf die friedliche Organisation der Staatengesellschaft bezsügliche Werk der Haager Friedenskonferenzen soll ausgebaut werden.

Die Friedeuskonferenz soll mit einer dauernden Organsfsation Zusgestattet werden und periodische Sitzungen halten.

Die Staaten sollen vereinbaren, alle ihre Streitigkeiten einem friedlichen Verfahren zu unterwerfen. Zu diesem Zwecke sollen

geben dem im Haag vorhandenen Schiedshof a) ein wirklich stän⸗ diger Internationaler Gerichtshof und b) ein gleichfalls ständiger

Internationaler Untersuchungs⸗ und Vermittlungsrat errichtet werden. Die Staaten sollen sich verpflichten, eine vereinbarte diplomatische, wirtschaftliche oder militärische Aktion für den Fall durchzuführen, daß ein Staat militärische Maßnahmen ergreift, statt den Streitfall dem richterlichen Spruch zu unterbreiten oder das Gutachten des Untersuchungs⸗ und Vermittlungsrats einzuholen.

4. Die Staaten sollen eine Verminderung der Rüstungen ver⸗ einbaren. Um die Herabsetzung der Bewaffnung zur See zu erleich⸗ tern, soll das Beute recht abgeschafft und die Freiheit der Meere ge⸗ sichert werden.

5. Die auswärtige Politik soll einer wirksamen Kontrolle der Parlamente unterstellt werden. Geheime Verträge sollen nichtig sein.

Zu deu einzelnen Punkten des Mindestyrogramms haben Re⸗ ferate übernommen: Schücking⸗Marburg, Quidde⸗München, Reds⸗ lob⸗Rastock, Bernsteiu⸗Berlin, Wehberg⸗Düsseldorf, Koht⸗Norwegen, Dickinson⸗England, Beaufort⸗Heemskerk de Meester, Dr. Asser, van Embden, Krabbe für Holland, Nippold, Mercier, Sauser⸗Hall, Huber, Bovel, Scherrer⸗Füllemann und Dr. Studer für die Schweiz. Die Berichterstatter der andern Länder sind noch nicht bestimmt.

Englische Studenten begrüßen ihre österreichischen Genossen. Die Freie Vereinigung sozialistischer Studenten in Wien

erhielt von den sozialistischen Studenten Amerikas folgenden Brief: Werte Genossen! Die in Barrow House abgehaltene

Jahresversammlung der University Socialist Federation of Great Britain(Verband der sozialistischen Studenten Großbritanniens) ersucht uns, den österreichischen Studenten ihre Grüße zu übermitteln.

Wir, die Intercollegiate Socialist Society of America (Organisation der sozialistischen Studenten Amerikas) schließen uns den herzlichen Grüßen der englischen sozia⸗ listischen Studenten an und hoffen, daß in nicht zu ferner Zeit es uns allen möglich sein wird, gemeinsam einen Kongreß abzuhalten zur Förderung unseres gemeinsamen Zieles, eine bessere Zukunft herbeizuführen.

Mit sozialistischem Brudergruß Harry W. Laidler, Sektretär. Die Freie Vereinigung sozialistischer Studenten hat hier⸗ auf die amerikanischen Genossen gebeten, den englischen Ge⸗ nossen den herzlichsten Dank und brüderliche Grüße der sozialistischen Studenten Oesterreichs zu übersenden.

Die Entente⸗Anleihe in Amerika. Newyork, 27. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung Die Mitglieder der englisch⸗

Kreuzer bei Falsterbö plötzlich verschwand. Gleichzeitig sahen sie eine riesige Wassersäule und die Leute vernahmen eine starke Explosion. Man vermutet, daß das Schiff torpediert wurde. Die Nachricht beruht, wie von zuständiger Stelle versichert wird, auf Erfindung. Es ist kein deutsches Schiff beschädigt oder versenkt worden.

Die Kriegskosten der Neutralen.

In einem Leitartikel, überschriebenKriegskosten der

französischen Finanzkom mission Einigung über die Einzelheiten der Anleihe. fahren heute nach Chicago, Westens zu beraten.

der bei Freiburg zwei feindliche Flugze holte, gehört der bayerischen Feldfliegerabteilung an;

rzielten eine Sie um mit den Bankleuten des

Unterofsizier Boehme. Der im Heeresbericht erwähnte Flieger Unterofsizier Boehme, uge herunter⸗

er führte

sein Flugzeug allein und bediente zugleich die Waffe. Wie die Freie burger Zeitung berichtet, erhielt Boehme das Eiserne Kreuz erster

Neutralen, berechnet unser holländisches Parteiblatt Het

Klals

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