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und Nachbargebi Hessen 5 1 uch bargebiete.
Auch während der Kriegszeit, wo die Gedanken von den furchtbaren, aller Vernunft und aller Kultur hohnsprechenden Exeignissen in Anspruch ge⸗ nommen werden, die sich täglich abspielen, dürfen unsere Parteigenossen ihre Sache nicht aus dem Auge verlieren. Die Grundsätze der Freiheit und Menschlichkeit, für die wir jederzeit gekämpft haben, können durch den Waffenlärm und das Massen⸗Menschenmorden nicht erschüttert werden. Für sunsere großen Ziele müssen wir weiter mit allen uns zu Gebote stehenden Kräften eintreten und immer neue An— hänger für unsere Sache werben. In erster Linie müssen wir zu diesem Zwecke für Veybreitung unserer Presse sorgen. Obwohl Tausende unserer Leser ins Feld gezogen sind, gibt es noch sehr viele zur arbeitenden Klasse Gehörige, welche als Leser der Oberhessischen Volks⸗ zeitung gewonnen und unsexer Bewegung zugeführt wer— den können. Unsere Freunde allerorts ersuchen wir, in diesem Sinne tätig zu sein. Mit Eintritt des Winterhalb⸗ jahres pflegt das Lesebedürfnis zu steigen; benutze jeder diese Zeit, unserem Parteiblatte, dem einzigen Arbeiterblatte in
Oberhessen und den Nachbargebieten, in seinen Bekannten⸗
kreisen weitere Verbreitung zu verschaffen!
— Aufnahme der Kartoffelernte. Eine Bekanntmachung des Kreisamts Gießen fordert alle selbständigen Landwirte oder Leiter von landwirtschaftlichen Betrieben auf, den Er⸗ trag ihrer Kartoffelernte sogleich zu ermitteln und inner— halb einer Woche nach Beendigung der Ernte der Bürger⸗ meisterei anzuzeigen. Abzüge für Schwund und Verderb dürfen nicht vorgenommen werden. Dagegen ist möglichst genau festzustellen, welcher Teil der Ernte auf kranke oder verdächtige Knollen entfällt. Wer die Auskunft, zu der auf Grund der angezogenen gesetzlichen Vorschrift verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder wissentlich un⸗
richtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Ge⸗
fängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft. Auch können Vorräte, die ver⸗ schwiegen sind, für den Staat verfallen erklärt werden.
— Eine Ausstellung von Kindergärtnerinnen⸗Arbeiten hatte in den letzten Tagen das unter Leitung von Frl. Möĩser stehende Gießener Fröbel⸗Seminar veranstaltet. Es handelte sich um Arbeiten, welche die Kindergärtnerinnen selbst angefertigt haben und die sie in ihrem künftigen Be⸗ rufe den ihrer Erziehung anvertrauten Kindern lernen sollen. Da sieht man allerliebste Sächelchen zum praktischen Ge— brauche, sowie auch zum Spielen hergestellt. Die gewöhnlichen weiblichen Handarbeiten, Nähen, Sticken usw. waren in ganz hervorragenden Proben vertreten, weiter wurden aber auch Zeichnungen, Silhouetten(Schattenrisse), Modellierun⸗
den, Flechtarbeiten in großer Anzahl und vorzüglicher Aus⸗
führung gezeigt. Bewundernswert ist bei den meisten der zu Spielzwecken angefertigten Arbeiten, mit wie einfachen Mitteln diese hergestellt werden, zum Beispiel sah man die verschiedenartigsten Gegenstände, welche in sehr geschmack⸗ voller Weise aus— Streichholzschachteln zurechtgezaubert waren! Aus Papier, Holz usw. waren ganze Landschaften und Bauwerke naturgetreu nachgebildet, unter anderem ein Bleichplatz, Kinderspielplatz, Schwimmbad, Theater mit einer Szene aus Dornröschen, Laden eines Putzgeschäfts und noch anderes. Alles, was zu diesen Dingen gehörte, Figuren ustv., haben die Schülerinnen des Seminars bis ins kleinste selbst gemacht. Allen Arbeiten sah man an, daß sie den Zweck ver⸗ folgen, zur Anregung und Belehrung der Kinder zu dienen und dazu sehr geeignet sind.
— Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Grenadier Hermann Neu aus Stockhausen bei Wetzlar, Inf.⸗Reg. 261.
— Die Musterung der„dauernd Untauglichen“ ging mit heute zu Ende. Es werden von diesen noch viele Soldat geworden sein, die es sich nie hätten träumen lassen.— Die vor einiger Zeit Aus⸗ gemusterten des Jahrganges 96 werden jetzt eingezogen.
— Die Gewerkschaften im Kriege. Nach einer von dem Kor⸗ tespondenzblatt der Generalkommission veröffentlichten Tabelle wurden von den über 2½ Millionen Mitgliedern der freien Ge⸗ werkschaften nicht wensger als 1061 404 zum Kriegsdienst einge⸗ zogen, wobei diejenigen, welche aus irgend einem Grunde wieder zurückgekehrten, nicht mitgerechnet sind, An die Fa⸗ milien der Kriegsteilnehmer wurden von den Gewerkschaften ins⸗ gesamt— von Kriegsbeginn bis 31. Juli 1915— nicht weniger als 10 421 584 Mk. Unterstützung bezahlt. Die Ausgaben ür Unterstützungen aller Art, die von den Gewerkschaften in der Zeit vom 3. August 1914 bis 31. Zuli 1915 geleistet wurden, betragen über 36,7 Millionen Mark!— Vom Holzarbeiter⸗Ver⸗ band allein sind bisher 88 000 Mitglieder zum Heeresdienst ein⸗ gezogen, von denen bereits viertausend gefallen sind.
Kreis Alsfeld⸗Laulerbach.
g. Tod infolge Verbrühung. Vor etlichen Tagen ereignete sich in Ruppertenrod ein schwerer Unfall, durch den die Be⸗ sitzerin der Brückenmühle, die Witwe Marie Finkernagel, ihr Leben einbüßte. Die Frau war auf einen Stuhl gestiegen, um einen Topf auf den Schrank zu stellen. Beim Heruntersteigen trat sie unglücklicherweise in einen in der Nähe stehenden Kessel kochen⸗ den Wassers, wodurch Fuß und Bein derart verhrüht wurden, daß die an den erlittenen Brandwunden am andern Tage starb.
Kreis Wetzlar. 1 u. Ein städtischer Wohnungsnachweis ist in Wetzlar errichket worden. Alle leere en 0 9. freiwerdenden Wohnungen, möbliert oder unmöbliert(einzelne möblierte Zimmer sind ausge schlossen), sind unter Angabe des Mietpreises und der Anzahl der Räume dem Bürgermeisteramt bekannt zu geben. Näheres ist auf Zimmer 23 zu erfahren. 9 n. Gegen Kartoffel⸗Preistr ei von seiten der Landwirte wendet sich der e ukürchen in einer amtlichen Bekanntmachung. Es heißt darin: 5 8 „Es ist bemerkt worden, daß vielerorts mit dem Aus nehmen der Kartoffeln zu früh begonnen wird. Die frühe Erute scheint Hauptsächlich vorgenommen zu werden, um möglichse bald mit aus⸗ wärtigen Händlern Verkaufsabschlüsse über große Menn ag hohen Preisen säligen zu können. Ich mache die mepolearieg dringend darauf aufmerksam, daß das vorzeitige Aus nehmen den
ist, besonders in der jetzigen Kriegszeit, sich von derartigem ver⸗ werflichen Tun sern zu halten.“
Schließlich werden die Polizeibehörden angewiesen, darüber au wachen, daß nur ausgereifte Früchte zum Verkaufe kommen, und serner wird an die„patexländische Gesinnung“ der Kreiseingesesse⸗ nen appelliert, daß sie durch ihre eigene Haltung weitere Maß⸗ nahmen unnötig machen.— Es ist gewiß zu begrüßen, daß der Landrat gegen die Preistreiberef mit dem wichtigsten Nahrungs⸗ mittel energisch vorgeht. Von der vaterländischen Gesinnung wird man wohl nicht viel erwarten dürfen, die Landwirte sind jeden⸗ falls mit der Laterne zu suchen, die aus vaterländischer Gesinnung die Kartoffeln auch nur um 5 Pfg. den Zentner billiger verkaufen. 5 Daß es jetzt zu früh mit der Ernte sein und die Kartoffeln noch nicht ausgereift sein sollten, ist wohl nicht ganz zutrefesnd; dagegen 1 5 sicherlich versucht, frühzeitig Abschlüsse zu hohen Preisen zu machen.
Tagesbericht des Großen Hauptguartiers.
Die französisch⸗englische Offensive erlahmt. Vorwärts bei Hindenburg. W. B. Großes Hauptquartier, 27. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
An der Küste herrschte Ruhe. Nur einzelne Schüsse wurden von weit abliegenden Schiffen wirkungslos auf die Umgegend von Mittelkeerke abgegeben.
Im Ppernabschnitt hat der Feind seine Angriffe nicht wiederholt.
Südwestlich von Lille ist die große feindliche Offen⸗ sive durch Gegenangriffe zum Stillstand gebracht. Heftige feimdliche Einzelangriffe brachen nördlich und südlich von Loos unter stärkster Einbuße für die Engländer zusammen.
Auch in der Gegend von Souchez und beiderseßts Arras wurden alle Angriffe blutig abgeschlageu. Die Ge⸗ fangenenzahl erhöhte sich auf 25 Offiziere, über 2600 Mann, die Beute der Maschinengewehre auf 14.
Die französische Offensive zwischen Reims Argonnen machte keinerleß weitere Fortschriftte. liche Angriffe des Feindes, die besonders an der Straße Somme Py—Suippes sowie Beau ⸗Sejour⸗ Ferme—Massiges und östlich der Aisne heftige waren, scheiterten unter schwersten Verlusten für ihn. Die Gefange⸗ nenzahl erhöhte sich hier auf über 40 Offiziere, 3900 Mann.
Drei feindliche Flugzeuge, darunter ein französisches Groß⸗Kampfflugzeug, wurden gestern im Luftkampf nord⸗ östlich Npern, südwestlich Lille und in der Cham⸗ pagne, zwei weitere feindliche Flugzeuge durch Anutillerie⸗ und Gewehrfeuer südwestlich Lille und in der Cham⸗ pagne zum Absturz gebracht.
Feindliche Flieger bewarfen mit Bomben Peronne, wo 2 Frauen und 2 Kinder getötet weitere Einwohner schwer verwundet wurden.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
v. Hindenburg.
Im Rigaischen Meerbusen wurden russische Kriegsschiffe, darunter ein Linfenschiff, durch deutsche Flieger angegriffen. Auf dem Linienschiff und einem Torpedoboots⸗ zerstörer wurden Treffer beobachtet. Die russische Flotte dampfte schleunigst in nördlicher Richtung ab.
Auf der Südwestfront von Dünaburg wurde dem Feinde gestern eine weitere Stellung eutrissen. Es sind 9 Offiziere und über 1300 Mann zu Gefangenen gemacht und 2 Maschinengewehra erbeutet.
Westlich von Wilajka wird unser Angriff fortgesetzt.
Südlich von Smorgon wurden starke feindliche Gegenangriffe abgewiesen.
Zwischen Krewo—Wischnewo machten unsere Trup⸗ pen Fortschritte.
Der rechte Flügel und die Heeresgruppe Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern haben die Westufer des Niemen von Schtscherssy bis Serwetsch und der Schtschaua vom Feinde gesäubert.
Oestlich von Baranowitsch hält der Feind noch kleine Brückenköpfe. Der Kampf auf der ganzen Front ist im Gange.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
v. Mackensen. Die Lage ist uverändert. Oberste Heevesleitung.
*
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht Die russische Gegenoffensive in Wolhynien gebrochen.
Abgewiesene italtenische Angrisfe.
Wien, 27. Sept.(W. T. B. Nichtamtlich.) Amtlich wird ver⸗ lautbart: 27. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Aehnlich wie in Ostgalizjen und an der Ikwa ist nun auch im wolhynischen Festungsgebiet die russische Gegenoffensive gebrochen. Der Feind räumte gestern seine Stellungen nordwestlich von Dubno und im Styr⸗Abschnitt bei Luck und weicht in östlicher Richtung zurück. Der Brückenkopf östlich von Luck ist wieder in unserer Hand. An unserer Front füdlich von Dubno gab es stellenweise Geschsitzfeuer und Ge⸗ plänkel.
und den Sämt⸗
die Stadt und 10
des
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert. Versuche des Feindes, an unsere Stellung auf dem Monte Piano heranzukommen, wurden ab⸗ gewiesen. Am Nordrande der Hochfläche von Doberdo brach ein Angriff einer Bersaglieri⸗Abteilung an unseren Hindernissen zu⸗ sammen. 5 105
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. . von Höfer, Feldmarschalleutnant. *
Die gescheiterte englisch⸗französische Offensive.
Die große englisch-französische Offensive im Westen kann schon jetzt als verfehlt bezeichnet werden. Wie dem Berl. Lok.⸗Anz. von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, sind an allen Punkten, die den heftigen Angriffen des Gegners aus⸗
Kartoffeln eine schwere Schädigung der Volkswirtschaft beden 10 Schädigung
tet und daß es vaterländische Pflicht eines jeden benin Landwirte
gesetzt waren/ rechtzeitig die nötigen ⸗Reserxen aue
1
wesen. Die Möglichkeit eines feindlichen Durchbruches be⸗ steht nicht mehr. Franzosen wie Engländer haben groß Verluste erlitten, besonders die Engländer bei Loos. Wenn in französischen Meldungen die Zahl der deutschen Ge fangenen auf 20 000 beziffert wird, so ist das selhstoerständ⸗ lich übertrieben. Wie hoch sie in Wirklichkeit ist, läßt sich noch nicht sagen. 5
Die Heftigkeit der Nahkämpfe in der Champagne, namentlich in dem der Straße von Souain benachbarten Ge⸗ lände, forderte beiderseits gleich schwere Opfer während westlich der Argonnen die Zahl der Toten und Ver⸗ wundeten auf französischer Seite doppelt so groß war wie auf deutscher.
Ein furchtbarer Kampf. f
Der Frankf. Ztg. wird zu den furchtbaren Kämpfen im Westen geschrieben:.
Die Nachrichten, die innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden zu uns gelangt sind, lassen keinen Zweifel darüber, daß auf dem westlichen Kriegsschauplatz ein Sturm losge⸗ brochen ist, der an Wucht alles überbietet, was in diesem Kriege bisher geschehen ist. Die Kämpfe im Westen sind an sich schon stets mit kaum zu überbietender Energie und Intensität geführt worden und waren nach der ganzen Natu der Kampfbedingungen wohl meistens, wenn vielleicht auch nicht blutiger, so doch erbitterter als die Schlachten auf den anderen Kriegsschauplätzen, aber was sich nun ereignet, hat eine Größe erreicht, die man sich nur schwer vorstellen kann. Ist es wirklich möglich, einer fast drei Tage und drei Nächte andauernden Beschießung mit Artillerie aller Kaliber Stand zu halten? Ist es möglich, dann noch einem Sturm tapferer Angreifer zu widerstehen? Es ist kaum zu erfassen. Und doch ist es geschehen! f
Die ersten Stürme liegen hinter uns. Das Schwderste ist vielleicht schon überstanden. Die Schlacht wird weiter toben, aber der überraschende Durchbruch ist nicht gelungen. An keiner Stelle. Die gewaltige, dreitägige Kanonade hat den Erfolg, den sie suchte, nicht errungen. Millionen von Ge⸗ schossen haben die Mauer zwar verletzt, aber nicht entscheidend durchbrochen. Der Feind ist an mehreren Stellen in unsere Positionen eingebrochen und hat zwei Divisionen aus ihren Gräben zurückgedrängt, aber durch ist er nirgends. Das ist unser großer, ganz überaus wichtiger Erfolg! Wir können in Ruhe den Fortgang erwarten, unsere Reserven werden alle Lücken zeitig verstopfen. Was ist der Unterschied zwischen Gorlice—Tarnow und der Schlacht im Westen? Dort brachen die Deutschen, so wie sie es wollten, zur bestimmten Stunde und am vorbestimmten Ort durch die russischen Linien, in ununterbrochenem Sturmlauf, hier aber im Westen blieben Engländer und Franzosen hängen, sobald sie aus der Zone, die durch die Sprengkraft ihrer Grnaten verwüstet war, heraustraten. Das ist der entscheidende Unterschied: die Granaten können sie uns nachmachen, aber nicht die Menschen. Und diese Gewißheit gibt uns das feste Vertrauen, daß unsere Truppen aus diesen schweren Probe, in der sie jetzt stehen, siegreich hervorgehen werden; guf ein paar Kilometer Landes und ein paar Stellungen soll es uns nicht ankommen. Die können wir uns wieder holen!
Die französische Darstellung.
Paris, 26. Sept. Die amtlichen Berichte vom Sonntag lauten:
Nachmittags 3 Uhr: Im Artois haben wir im Laufe der nächsten Nacht die gestern eroberten Stellungen, umfaffend das Schloß zu Carleul, den Friedhof von Souchez und die letzten Gräben, die der Feind noch im Osten der befestigten Stellung, ge⸗ nannt Labyrinth, besetzt hielt, behauptet. In der Champagne dauern die hartnäckigen Kämpfe an der ganzen Front sort. Unsere Truppen drangen auf einer Front von 25 Kilometern und in einer Tiefe von 1 bis 4 Kilometer in die deutsche Linie ein. Wir haben im Laufe der Nacht alle errungenen Stellungen behauptet. Die bis jetzt gezählten Gefangenen übersteigen an Zahl 12 000. Auf dem Reste nichts zu melden, ausgenommen eine Ueberraschungs⸗ aktiom unserer Artillerie auf die deutschen Werke in der Gegend von Launois und in Ban⸗de⸗Sapt.
Abends 11 Uhr: Unsere Angriffe im Norden von Arras haben neue Fortschritte gebracht. Wir haben die ganze Ortschaft Souchez mit Gewalt besetzt und sind nach Osten in der Richtung auf Givenchy vorgerückt. Weiter südlich haben wir den Norden der Ortschaft Thelus erreicht. Wir haben im Verlauf des Kampfes etwa 1000 Gefangene gemacht. In der Champagne haben unsere Truppen fortgefetzt an Terrain gewonnen. Nachdem wir fast auf der ganzem Front zwischen Auberive und Ville⸗sur⸗Tourbe ein mächtiges Werk von Gräben, Verbindungsgräben und Feldbefestigungen, die vom Feind seit Monaten hergerichtet und vervollkommnet worden waren, überschritten haben, sind wir gegen Norden vorgerückt und haben die deutschen Truppen gezwungen, sich auf die Gräben zweiter Linie zurückzuziehen, 3 bis 4 Kilometer hinter den anderen. Der Kampf dauert an der ganzen Front an. Wir haben Epine de Vedegramge (halbwegs Hilaire⸗Souplet. D. Red.) erreicht und die Hütte an der Straße Souain⸗Sommepy fberschritten, sowie die Baracke an der Straße Souain⸗Tahure. Weiter östlich halten wir die „Häuser von Champagne“ besetzt. Der Feind hat in unserem Feuer und im Handgemenge sehr beträchtliche Verluste erlittew und im den von ihm verlassenen Gräben ein beträchtliches Kriegs⸗ material zurückgelassen, das noch micht gesichtet ist. Bis jetzt meldet mam die Erbeutung von 20 Feldgeschützen. Die Zahl der Gefange⸗ nen wächst immer mehr und überschreitet zur Stunde 16 000 Mann Nichtverwundete, darunter mindestens 200 Offiziere. Im ganzem und auf der ganzen Front haben die verbündeten Truppen iw 2 Tagen über 20 000 unverwundete Gefangene gemacht. g
Ein neutrales Urteil.
Der militärische Mitarbeiter des Berner Bund erblickt im Beginn der englüsch-französischen General⸗ offensive den Eintritt des europäischen Krieges in eine Entscheidungsphase. Er warnt vor einer vorschnellen Einschätzung des Enderfolges oder Endmißerfolges der riesigen Operationen, die mit langen Fristen rechneten und erst in der Entwicklung begriffen seien.„Bis jetzt,“ schreibt er,„ist der Kampf moch nicht zu überblicken. Wie immer unter solchen taktischen Verhältnissen ist der Angreifer in die zerschossenen ersten Gräben des Veteidigers eingedrungen. hat enorme Blutopfer bringen müssen, ohne das Endergob— nis sichergestellt zu haben. Dieser Durchbruchsversuch ist, sowohl was strategische Auswahl der Angriffspunkte als auch die Vorbereitungen und die Zahl der eingesetzten Truppen betrifft, der größte, der bisher erfolgt ist, größer selbst als der vom Dunajec, da er in weitreichender Kong bination an zwei 200 Kilometer voneinander entfernten
Stellen angeordnet worden züt. Gebomateedie enatischrkron⸗
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