Ausgabe 
25.9.1915
 
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Hedssen und Nachbargebiete. Gießen und umgebung.

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0 Mein und Dein.

* Zwei Worte beherrschen die ganze Welt:

1 AufMein undDein ist alles gestellt.

N WärMein undDein erst meilenweit,

a 1 1 Dann hätten wir Frieden und Ruh' allezeit.

E 1 Ganz frei wär' jeglich Hab' und Gut,

We ö Käm' Mann und Weib insgleich zugut.

10 9 Gemeinsam wär' allen Weizen und Wein

10 Wohl über der See und an dem Rhein.

Y Kein Mord wär' mehr in keinem Land,

Wär'Mein undDein daraus verbannt. 1 1 Der Herrgott gab doch allen zum Heil ö Jedwedem sein flüchtig' Erdenteil N Zu Erb' und Eigen gemeinschaftlich, N Damit er nähre und labe sich S Und Leib und Füße auch kleide daneben N Und führ' ein schlicht, geruhsam Leben. Nun aber rast die Gier also, Daß keiner im tiefsten Herzen froh, Es sei denn, die weite Welt wär' sein Und alles nur ihm und ihm allein. William Morris, nach einem flämischen Gedicht des 14. Jahrhunderts.

Hauswirtschaft und Volkswirtschaft.

N Der Krieg hat so manches deutlich werden lassen, was wir im gewöhnlichen Leben nicht erkannt haben. Zu diesen Dingen gehört auch so meint Emmy Freundlich in der Konsumgen. Rundschau die Anerkennung, wie wichtig die Führung des privaten Haushalts für die Volkswirtschaft ist. Im allgemeinen hat man nicht mehr viel für die Hauswirt⸗ schaft übrig. Sie ist in der Skala der verschiedenen Arbeiten das Aschenbrödel, das man nicht gerne schätzt und nur ver inißt, wenn es seine treuen Dienste nicht voll und ganz er füllt. Eine alte Frau pflegte zu sagen:Hausarbeit lerz

man nur schätzen, wenn sie nicht getan wird. Diese Miff⸗ achtung der Hauswirtschaft ist im Zeitalter der Großbetriebe, der Riesenfabriken und weitverzweigten Organisctionen vohl zu verstehen, denn heute kann der Kleinbetrieb seine FJunktion immer nur im Schatten der Riesen ausüben, er Ekeann nicht mehr das leisten, was die Großen zu vollbringen jimstande sind, und sein Wert sinkt. Die Hauswirtschaft ist aber ein solcher Kleinbetrieb, den wir heute noch sehr not wendig brauchen, denn die hauswirtschaftlichen Großbetriebe fehlen gänzlich, so daß wir ohne diese Kleinbetriebe gar nicht eben könnten. Die wichtigsten Funktionen sind ihm über kassen, die Gesundheit, dieser wichtigste Reichtum und das Budget der Familie liegt in den Händen der Hausfrauen, und man kann kaum verstehen, wie man die einzige Organi ation des Wirtschaftslebens, die sich mit diesen Dingen be

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faßt, so vollständig unterschätzen kann. Daß es geschieht, ann nur begriffen werden, wenn wir die geschichtliche Ent⸗ eu vicklung des Haushalts verfolgen. J bott Der Haushalt war fast bis in das Mittelalter nicht nur

vie Heimstätte der Familie, sondern auch die Werkstätte der wichtigsten Erzeugnisse zum Unterhalt vieler Menschen. Die Arbeit War schon in den ersten Anfängen zwischen den männ⸗ ichen und weiblichen Hausgenossen geteilt. Der Frau ge⸗ 1 börte alles an Arbeit, was mit der Nahrung zusammenhing. Sie mußte das häusliche Behagen schaffen, die Verbesse ungen im Hausgerät erfinden, und viele wichtige Indu ktrien haben von dieser weiblichen Teilarbeit ihren Ausgang stenommen. Dem Manne gehörte die Viehzucht und die Fagd. Er mußte Waffen herstellen, die Tiere zähmen und den Pflug führen. War das Feld geebnet, dann konnte es die Frau bestellen. So war das Heim auch die Fabrik, und jede Familie Sar Produzent und Konsument für den eigenen Bedarf. Daran hat sich viele Jahrhunderte lang nichts geändert. Erst düt der beginnenden Arbeitsteilung kommt eine Scheidung in die verschiedenen Bedürfnisse. Die Hausarbeit aber bleibt bas ungeteilte Reich der Frauen. Sie versorgt noch immer 9 bie Familie mit den wichtigsten Nahrungsmitteln, sie kennt bur diese eine Arbeit, aber die gehört ihr als unbestrittenes deich. Je mehr aber die Entwicklung fortschreitet, um so nehr ändert sich auch die Führung des Haushalts. Es heiden für viele Haushaltungen die wichtigsten Aufgaben 0 don ehedem aus. der Kreis der Pflichten der Hausfrauen 0 bird kleiner, und die Funktion der Hauswirtschaft wird eine endere. Die Frau wird ein Glied in dem Handel, der ent feht. Es werden nicht mehr die Waren getauscht, wie iim kesten Anfang, wo einfach der Tischler mit dem Schuster die en tauschte, sondern alle, die verkaufen wollen, müssen cuf den Markt gehen und ihre Läden öffnen und für Geld die Waren verhandeln, damit sie andere Waren dafür kaufen 0 binnen. Die Hausfrau verkehrt nun zwischen den einzelnen Produzenten als Vermittler. Sie verkehrt noch mit jedem 0 Froduzenten direkt, und ihr größter Stolz ist es, wenn sie die Waren gut erhandeln kann. Das Feilschen und Preise. rücken galt für die Hausfrau des Mittelalters als die höchste Tugend. g Die Entwicklung steht nicht still. Die Erfindungen, die die Produktion erleichtern, vermehren die Menge der erzeug: m Waren. Zwischen die Hausfrauen und die Produgenten zfitt der Großhandel und der Zwischenhandel, die au diesem Wauschgeschäfte viel verdienen wollen. Die Hausfrauen kbegenden von ehemals können keine Wirkung mehr tun. Sie knnen an dem Preise nichts mehr ändern, sie müssen zahlen, us man verlangt. Die Hauswirtschaft erhält dadurch eine andere Bedeutung für die Gesellschaft. Sie ist nicht mehr 17 Verkstätte, sie produziert nichts mehr die Heimarbeiter nd die letzten Heimproduzenten, die gewiß mehr und mah en werden, sie ist nur noch Lan zum ent. Di

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Beilage zur Oberhessischen Volkszeitung Nr. 225

Gießen, Samstag, den 25. September 1915.

Jamilie verbraucht die hergestellten Waren, sie erhält sie durch die Vermittlung der Hausfrauen. Die Hausfrauen haben nun immer noch eine sehr wichtige, aber sie haben eine voll ständig andere Funktion im gesellschaftlichen Leben erhalten. Sie regeln den Verbrauch. Das ist durchaus keine neben⸗ sächliche Funktion. Es zeigt sich num im Krioge, wie wichtig diese Funktion ist. Der Staat muß an die verteilenden, den Konsum regelnden Frauen herantreten, damit sie mithelfen, seine Widerstandskraft zu vermehren.

Weil aber der Haushalt jede Funktion als Produzent verloren hat, ist seine Stellung als Konsument um so wich tiger geßßorden. Im Gegensatz zum Kleinbetrieb im gewerb⸗ lichen Leben ist dieser Kleinbetrieb in keiner Weise an den hohen Preisen interessiert. Er verkauft nicht, er kauft nur, und das gibt ihm die Grundlage seiner Stellung in der Volkswirtschaft.

Die Hausfrauen repräsentieren heute die Konsumenten in der reinsten Form. Sie müssen deshalb auch erkennen, daß sie als Konsumenten die wichtigste Funktion ihres Da⸗ seins erfüllen, und daß sie zu allen Fragen des wirtschaftlichen Kampfes von diesem Standpunkt aus Stellung nehmen müssen.

Welche Funktionen hat nun die Hausfrau als Konsu⸗ ment? Sie soll ihre Familie mit guten und möglichst billi⸗ gen Waren versehen, damit das Einkommen der Familie in der besten Weise genützt werden kann. Das ist nun dis schwierige Problem. Wie soll sie das können? Als einzelne Frau kann sie es natürlich niemals. Der einzelne scheidet dabei vollständig aus. Er kann immer nur wirken als Glied einer Gemeinschaft, niemals als Person. Seine Bedeutung liegt nur im Zusammenschluß, in der Organisation.

Die Frauen müssen deshalb in Gemeinschaft diesem Ziele zustreben. Sie können das Ziel nur erreichen, wenn sie diese Gemeinschaft schaffen. Der einzige Weg, der heute den Preis senken kann, ist die Ausschaltung des Handels und die Eigenproduktion, das heißt, die Wiedervereinigung von Kon sumenten und Produzenten, die Abkürzung des Weges, den die Ware von dem Erzeuger zu dem Käufer zurücklegen muß, und die Ueberführung des privaten Profits in kollektives Eigentum. Dieser Weg kann nach den Erfahrungen aller Nationen nur der gemeinsame Einkauf und Ver⸗ kauf auf Rechnung der Konsumenten sein. Der Konsum verein schaltet als einzelner Verein den Zwischenhandel aus und konzentriert viele kleine Betriebe zu einem großen-Geschäft, er schaltet in der Form der Großein⸗ kaufsgesellschaften den Profit der Großhändler aus und führt endlich durch seine Eigenproduktion zur Vereinigung von Produzenten und Konsumenten. Gelingt es ihm noch, seine Rohprodukte zu erzeugen, dann ist in der Form einer großen, weltumspannenden Organisation der kleine Haushalt der ersten Zeiten wiedergekehrt, Produktion und Verbrauch arbei ten wieder gemeinsam.

Der Haushalt ist nur das letzte Glied dieser Kette, und auch er kann und wird immer mehr zu einem Teile dieser Organisation werden. Der Baseler Konsumverein hat über die Kriegsdauer eine Volksküche eröffnet, wo man billiges Essen bekommen konnte, billiger, als der kleine Haushalt es herstellen kann. Darin liegt eine sehr wichtige Neuorgani⸗ sation eines genossenschaftlichen und hauswirtschaftlichen Be⸗ triebs, die uns zeigt, daß wir langsam den Haushalt aus seiner privaten Isoliertheit herausheben werden, um aus ihm wieder eine große öffentliche Organisation werden zu lassen.

Das ist in den gröbsten Linien die Entwicklung, die Hauswirtschaft und Volkswirtschaft nehmen werden, und diese Entwicklung kann und muß von den Hausfrauen klar erkannt, und ihren Wegen muß gefolgt wevden. Heute hat die Hausfrau keinen Einfluß auf den Warenmarkt, sie ist lediglich das Objekt, an dem sich aller Wahnsinn der privaten Wirtschaftsorganisation austoben kann, dem sie wehrlos aus geliefert ist. Sie muß aber den ersten Schritt aus dieser Isoliertheit wagen, sie muß den Weg zur Organisation finden und sich ein Wirkungsrecht und einen Wirkungskreis innerhalb der Organisation erstreiten, dann wird sie nicht von dieser notwendigen Entwicklung willenlos getrieben, sondern sie selbst kann wieder die wichtige Stollung erobern, die sie als Hausfrau besessen hat, wenn sie nur mit der nöti gen Energie und Zielklarheit diesen neuen Zielen zustrebt.

Je bedeutungsloser die private Hauswirtschaft für die Volkswirtschaft wird, um so wertvoller wird die Hausfrau für die Volkswirtschaft, denn ohne sie wird man niemals alle Probleme lösen können, die auf dem Wege zu einer neuen Wirtschaftsordnung schlummern.

Der Krieg hat mit der Deutlichkeit, die sein Anschau⸗ ungsunterricht in so vielen Dingen gezeigt hat, auch diese tiefen Zusammenhänge klar werden lassen; an den Frauen ist es nun, zu erkennen und der Erkenntnis zu folgen.

Sommers Ende und Herbstaufang.

Wenngleich in der jüngsten Zeit einige wärmere und sonnige Tage uns noch einmal einen verspäteten Sommer vorgetäuscht

haben, so zeigt doch schon der Kalender, daß die warme Jahreszeit an ihrem Ende angelangt ist. Am morgigen Freitag, dem 24. Sep⸗ tember, wird der Sommer auch kalendarisch sein Ende erreicht haben; an diesem Tage um Uhr morgens überschreitet die Sonne mit ihrem Mittelpunkt wieder den Aequator, und der Herbst beginnt. Die Witterung, die, von den schon erwähnten einzelnen warmen Tagen abgesehen, ja schon seit geraumer Zeit berbstlich anmutet, hat echt sommerlichen Charakter im Grunde ge nommen auch schon lange nicht mehr gehabt.

Die eigentliche warme Jahreszeit fiel in diesem Sommer in den Frühling und Vorsommer, und wie so oft, wenn frühzeitig große Hitze eintritt, zeigte auch diesmal der Hochsommer nur wenig von seinem wahren Gesicht. Er brachte uns nach der vorange gangenen Dürxe reichlichen Ueberschuß an Regen, und wenn er auch micht so ausgesprochen kühl und unfreundlich war wie etwa in den beiden Jahren 1942 und 1913, so stand er doch dem vorjährigen Hochsommer an Wärme und Beständiakeit ganz erbeblich nach. Am

schönsten war unstre ee.

er uns doch einen außerordentlichen Reichtum an Sonnenschein und eine fast ununterbrochene Beständigkeit des Wetters beschert! Wohl kamen zu Beginn des Monats im Verlauf eines kurzen Rück⸗ schlags im mittlern Norddeutschlaund nochmals zahlreiche Nacht⸗ fröste vor; doch sehr bald trat, wie schon in der zweiten Maihälfte, wieder große Hitze ein, und die Tage vom 9. und 10. Juni waren bei weitem die wärmsten des ganzen Sommers. 2

Eine dann einsetzende Abkühlung führte am 15. und 18. des Monats in Nordwest- und Mitteldeutschland nochmals zu leichten Nachtfrösten, da während dieser Witterungsperiode mäßig warme Tage mit außerordentlich kühlen Nächten abwechselten. In der letzten Monatswoche wurde es aber von neuem hochsommerlich, und es wurden wiederum vielfach 30 Grad Wärme überschritten. In den meisten Landesteilen war der Gesamtmonat um etwa 17% bis 2 Grad zu warm. Noch auffälliger war der Mangel an Regen. In ganz Deutschland fiel durchschnittlich nur etwa die Hälfte der für den Juni normalen Niederschlagsmenge. Seit mehr als 25 Jahren war jedenfalls der Juni nicht mehr so trocken wie diesmal.

Der Juli brachte im Laufe der ersten Monatswoche zwar noch⸗ mals große Hitze mit Temperaturen bis zu 32 Grad Celsius: dann nahm aber die Abkühlung mehr und mehr zu, und besonders um die Monatsmitte war es ungemein rauh; vielfach wurden nicht einmal mittags 15 Grad Wärme erreicht. Eine größere Er⸗ wärmung trat nur noch einmal zwischen dem 22. und 24. ein. Dem⸗ entsprechend war der Monat fast überall zu kalt, in West⸗ und Süddeutschland um volle 2 Grad. Die durchschnittliche Regen⸗ menge überstieg den normalen Wert nicht unerheblich.

Der August zeichnete sich wie der Juli durch andauernde Ver⸗ änderlichkeit und sehr reichliche Niederschläge aus, die nach ver⸗ einzelten heiteren und wärmeren Tagen immer wieder von neuem einsetzten und oftmals an einzelnen Orten ganz bedeutende Regen⸗ mengen ergaben. Namentlich im letzten Monatsdrittel war es zeitweilig schon ganz außerordentlich kühl und herbstlich. Erst in den letzten Monatstagen kam es nochmals zu einer vorübergehen⸗ den Hitzeausbildung. Der September war wie der August und der Juli sehr veränderlich: zu einer hochsommerlichen Erwärmung kam es sast überhaupt nicht mehr. Es bleibt abzuwarten, ob uns im Laufe des Herbstes noch einmal beständigeres Wetter beschieden sein wird, wie es sich nach veränderlichen Sommern häufig im ersten Teile des Herbstes noch einmal einzustellen pflegt.

Die Kriegsbeschädigtenfürsorge im Großh. Hessen. Uns wird geschrieben: Durch eine Bekanntmachung des Großh. Ministeriums des Innern vom 9. August 1915 hat die Kriegsbeschädigtenfürsorge für das Großherzogtum Hessen eine neue Organisation erhalten, für die sich weitere Kreise interessieren dürften. Bisher lag die Durchführung der Kriegsbeschädigtenfürsorge in den Händen eines Landesaus⸗ schusses, der auf Grund freier Vereinbarung zusammenge⸗ treten war und sich aus Vertretern der Großh. Staatsregie⸗ rung, der Militärverwaltung, der verschiedenen Berufsstände, verschiedener sozialer Vereinigungen usw. zusammensetzte. Daneben waren in den größeren Städten des Landes Orts⸗ ausschüsse für die Kriegsbeschädigtenfürsorge gegründet wor⸗ den, die den Landeausschuß in der Durchführung der Kriegs⸗ beschädigtenfürsorge unterstützten. Durch die obengenannte Bekanntmachung hat nun die Organifation eine straffere Zu⸗ sammenfassung und eine bessere Gliederung erhalten. Der Landesausschuß, der bisher aus 17 Mitgliedern bestand, wurde auf 4 Mitglieder beschränkt. Von diesen Mitgliedern wird je eines vom Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz, von der Landesversicherungsanstalt für das Großh. Hessen, vom Ministerium des Innern, vom Sanitätsamte des 18. Armeekorps ernannt. Zur Zeit sind als Mitglieder be⸗ stellt: Oberkonsistorialpräsident P. Nebel, Geh. Regierungs⸗ rat Dr. Dietz, Ministerialrat Hölzinger und Generalarzt Dr. Lindemann. Zum Vorsitzenden des Landes⸗ ausschusses wurde Geh. Regierungsrat Dr. Dietz ernannt. Dem Landesausschuß steht zur Be⸗ ratung ein Beirat zur Seite, in den Vertreter des Kultus, der Organisationen des Handels, der Industrie, der Land⸗ wirtschaft, des Handwerks, der Post- und Eisenbahnverwal⸗ tung, der sozialen Fürsorge, der verschiedenen Arbeiterorgani⸗ sationen, der Presse usw. abgeordnet werden. Der Landes⸗ ausschuß soll sich nicht mit der Fürsorge im Einzelfall be⸗ schäftigen, sondern ihm liegt die Durchführung der Fürsorge im ganzen ob. Für die Bearbeitung der einzelnen Fürsorge⸗ fälle wird gemäß§ 8 der eingangs erwähnten Bekannt⸗ machung in jedem Kreis oder für mehrere Kreise zusammen ein Kreisausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge ge⸗ bildet, dem der Kreisrat, Vertreter des Roten Kreuzes, der christlichen Konfessionen und des israelitischen Kultus, der

Arbeitgeber und der Arbeiterverbände sowie der öffentlichen

Arbeitsnachweise angehören sollen. Nach Bedarf können auch für einzelne Orte Ortsausschüsse errichtet oder Vertrauens⸗ männer bestellt werden. Der neugebildete Landesausschuß hat in seiner ersten Sitzung, die am letzten Freitag statt⸗ fand, die Landes versicherungsanstalt Großh. Hessen zur Geschäftsstelle bestellt und beschlossen, daß wegen der Organisation der Kreisausschüsse alsbald mit den Kreisräten des Landes in Verbindung getreten werden solle. Ferner wurden für die Tätigkeit des Landesausschusses und der örtlichen Ausschüsse Richtlinien aufgestellt, die demnächst im Druck erscheinen. Der Landesausschuß hat sich der neu⸗ gegründeten Zentralstelle für die Kriegsbeschädigtenfürsorge in Berlin angeschlossen und wird auch in den engeren Reichs⸗ arbeitsausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge durch Geh. Regierungsrat Dr. Dietz vortreten sein. Gleichzeitig gehört der hessische Landesausschuß dem Ausschuß für die Kriegsbeschädigtenfürsorge in Frankfurt a. M. an, der sich über den Bezirk der Provinz Hessen-Nassau, des Großherzog tums Hessen und des Fürstentums Waldeck das Gebiet des Mitteldeuntschen Arbeitsnachweisverbandes erstreckt. Der hessische Landesausschuß ist aber eine selbständige Lan⸗ desorganisation, die die wirtschaftliche Fürsorge für die Kriegsbeschädigten im Großherzogtum Hessen unmittelbar durchführt. Es darf sonach erwartet werden, daß die Kriegs- beschädigtenfürsorge im Großherzogtum Hessen in Kürze vollständig organisiert und in der Lage sein wird, ihre ebenso wichtige wie dringende Aufgabe im ganzen Lande planmäßig in Angriff zu nehmen. Betont muß aber werden, daß die

einzelnen Organisationen der Kriegsbeschädigtenfürsorge nur

itig der erste Sommermonat, der Juni. Hatte