Ausgabe 
25.9.1915
 
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Bilanzen von Lederfabriken

Kriege günstige Aussichten.

dann mit nachhaltigem Erfolge tätig werden können, wenn

sie von allen Schichten der Bevölkerung bei ihrer Arbeit nach⸗ drücklichst unterstützt werden. Die Organisationen benötigen vor allem für die so wichtige Aufgabe der Berufsberatung freiwilliger Mitarbeiter aus den verschiedensten Erwerbs ständen. Ferner gilt es, die so schwierige Frage der Arbeits bermittelung für die Kriegsbeschädigten zu lösen, was nur

dann erreicht werden kann, wenn die Arbeitgeber möglichstes

Entgegenkommen zeigen und so weit irgend angängig Kriegs beschädigte in ihren Betrieben wieder einstellen. Es ergeht darum an die ganze Bevölkerung die herzliche Bitte, nach Möglichkeit dabei mitzuwirken, daß unseren Kriegsbeschädig⸗ ten die Rückkehr ins Erwerbsleben erleichtert wird, und daß sie wieder schaffende und Werte erzeugende Glieder der Volks- gemeinschaft werden.

Das goldene Zeitalter der Lederindusttie. Der Schuh⸗ markt bespricht in seiner Wochenübersicht die glänzende Lage der Lederindustrie, die auch an der Börse ihren frohen Aus druck findet. Die Aktien der Lederfabriken gehören zu den meistbegehrten Papieren, die während der Kriegszeit start im Kurse gestiegen sind. Die bis jetzt veröffentlichten und die weiter in Aussicht stehenden Dipidendenerklärungen solcher Unternehmungen haben die Phantasie der Börsenkreise angeregt und ver anlassen sie von Woche zu Woche zu weiteren Käufen. Der Satz, daß der Krieg vielfach zum Umlernen zwingt, darf auch auf das Verhältnis von Börse und Bankwelt gegenüber den Unternehmungen unseres Faches Anwendung finden. Wäh⸗ rend früher die Lederindustrie in diesen Kreisen eine weniger günstige Beurteilung fand, ist heute gerade das Gegenteil der Fall. Die Lederfabrikation wie auch der Lederhandel haben sich finanziell stark gekräftigt und einen großen Teil der ihnen früher eingeräumten Kredite abtragen können, Sowohl die Banken wie die Börse wissen, daß der größte Teil der Unternehmungen unseres Faches heute über reich liche Geldmittel verfügt, und sie haben daher ihr Urteil gegen

früher geändert; die Lederindustrie gehört heute zu den jenigen Gewerbszweigen, mit welchen der Bankier gerne

arbeitet. Diese Wandlung ist im Interesse unseres Faches recht erfreulich, und sie eröffnet auch für die Zeiten nach dem Der Lederindustrie, die sich ja selbst innerlich stark gekräftigt hat, werden nach dem Kriege große Kapitaljen zur Verfügung stehen, und es werden ihr gerne Kredite gewährt werden, wenn sie solche zur Aus

führung ihrer geschäftlichen Unternehmungen benötigt. Da nach dem Kriege mit einem außerordentlich starken Leder

bedarf zu rechnen ist, so find die Aussichten für unsere In⸗ dustrie, die sich jetzt während der Kriegszeit schon als außer ordentlich leistungsfähig erwiesen hat, auch für die Friedens zeit recht günstig und sie berechtigen zu den schönsten Hoff nungen. Das Unternehmerblatt bemerkt hierzu das Schuhmacher-Fachblatt zutreffend ist entzückt von der

oldernte der Lederkapitalisten, an die auch der ärmsts Teufel in Gestalt der hohen Schuhpreise seinen drückenden Tribut entrichten muß. Bedeuten doch die 8 Mark für Sohlen und Flecken für einen schlechtentlohnten Proletarser

den ganzen sauer verdienten Wochenlohn oder einen erheb-

lichen Teil davon. Auf der Börse handeln die Kapftalisten und Spekulanten darum, stecken mühelos große Kursge winne, hohe Dividenden und Tantiemen in ihre weiten und tiefen Taschen. Mühelos!

Kampf um Butter und Butterpreise. Aus Fulda wird berichtet, daß dort von der Polizeiverwaltung der Marktpreis für Butter auf 1,50 Mk. festgesetzt wurde, weil die Händler 1,902,00 Mk. forderten. Daraufhin kam keine Butter mehr auf den Markt, aber die Händler kamen doch und verkauften auf dem Bahnhofsplatze. Vom Publikum werden sie bei ihrer Ankunft fast überrannt und erhalten jeden geforderten Preis. Die Käufer überbieten sich sogar, um nur Butter zu bekommen. Viele müssen wieder abziehen, ohne Butter erhalten zu können. Wenn die Käufer sich so töricht verhalten, ist es natürlich, daß der Preis nicht her untergeht. Bef dem allgemenen Mangel an Fetten benutzen natürlich Bauern und Händler die Konjunktur; obwohl Futter genügend vorhanden ist und die Butter sehr wohl billiger gegeben werden könnte. Nach der heutigen Sachlage brauchte der Preis nicht höher als 1,30 1,0 Mk. zu sein, wobei die Produzenten einen recht ansehnlichen Verdienst hätten.

Einer der größten Konsumvereine in Deutschland ist der von Leipzig-Plagwitz, dessen Bericht über das letzte Geschäftsjahr dieser Tage erschienen ist. Danach stieg die Mitgliederzahl auf 65 000, trotzdem ging der Umsatz um fast 200 000 Mk. zurück. Dies erklärt sich daraus, daß die vielen Tausend Männer zum Heeresdienst eingezogen wur den und daher als Konsumenten ausfielen. Immerhin wurde der riesige Umsatz von 25 358819 Mk. erzielt. Der Rein gewinn beträgt rund 2,2 Millionen Mark und es gelangen 2,1 Millionen als Rückvergütung zur Verteilung an die Mit glieder, außerdem werden den Reserven erhebliche Beträge zugewiesen. Interessant ist noch, daß die Metzgerei des Ver eins einen Umsatz von mehr als Miflionen Mark zu ver zeichnen hatte, fast ½ Million Mark mehr als im Vorjahre. Trotzdem war gerade hierbei der Reingewinn geringer als im Vorjahre, weil die Einkaufspreise für Vieh so hohe waren, daß die Verkaufspreise für Fleischwaren nicht in dem Maße folgen konnten. Die Mitglieder konnten daher ihren Fleischbedarf zu günstigeren Bedingungen einkaufen, als ihnen dies bei den Metzgern möglich war. Für die zum Heeresdienst eingezogenen Angestellten des Vereins wurden an Löhnen und Unterstützungen beinahe 60000 Mark auf⸗ gewendet.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Leutnant Wilhelm Bode aus Gießen, 20. Reserve-Jäger⸗ Bataillon. Landsturmrekrut Friedr. Weißenborn, Inf.⸗Regt. 61, Landsturmmann Adolf Schmidt, Inf. Regt. 222, Ersatz⸗Rosorvist Georg Buchenau, Inf. Regt. Nr. 254, sämtlich aus Storndorf, K. Alsfeld.

Eine Massenanklage wegen Viehseuchevergehens Sußde gestern vor der Gießener Strafkammer verhandelt. Nicht weniger

waren angeklagt, mit dem Vieh

als elf Landleute aus Nieder-Ohmen, darunter zwei Frauen, auf den Acker gefahren zu sein, Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Die Angeklagten erkläxen insgesamt, daß sie in der fraglichen Zeit unbedingt die notwendigen Arbeiten auf dem Acker vornehmen mußten. Die Sache lag auch so, daß sie die Erlaubnis dazu vom Kreisamt ohne weiteres erhalten haben würden, wenn sie darum nachgesucht hätten. Das Gericht läßt daher Milde walten und jeden Angeklagten mit 1 Mark Strafe davon kommen. 5. 5 N 5

Wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports hatten sich gestern zwei Bahnbeamte aus Friedberg Kleiß und Weil vor der Strafkammer Gießen zu verantworten. Es handelt sich dabei um einen Zug-Zusammenstoß, der sich in der Nacht vom 9. zum 10. Nopember vorigen Jahres im Friedberger Bahnhofe ereignete, In dieser Nacht verkehrte zum ersten Male seit Kriegsausbruch ein Postzug wieder, der in den Friedberger Bahnhof gegen 2 Uhr nachts von Fraukfurt her einfahren sollte. Kurz vorher hatte man aber einen Leerzug in das Hauptgleis einfahren lassen, das auch der Postzug benutzen mußte. Dieser fuhr daher auf den Leerpark auf, wodurch mehrere Wagen zertrümmert wurden und ein Material⸗ schaden von 1800 Mark entstand. Kleiß und Weil sind Fahrdienst⸗ leiter, ersterem untersteht das Stellwerk J an der Ausfahrt nach Frankfurt, während Weil das Stellwerk III an der Ausfahrt nach Gießen zu überwachen hat. Beiden wurde bekannt gegeben, 1 der Postzug wieder verkehren werde. In der langen bis gegen Abend bauernden Verhandlung konnte nicht genau festgestellt werden, wer eigentlich der Verantwortliche dafür war. Es blieb schließlich an, Kleiß hängen, der den Leerzug hatte hereinsahren lassen, an den Postzug abernicht mehr gedacht hatte. Der Staatsanwalt hielt beide ssir schuldig und beantragte gegen Kleiß 100 Mark, gegen Weil 50 Mark Geldstrafe. Die Verteidiger Justizrat Grünewald und Windecker(Friedberg) plädierten für Freisprechung. Das Urteil lautete guf 50 Mark Geldstrafe für Kleiß, während Weil freige⸗ sprochen wurde. Kl. habe sahrlässig gehandelt, wird im Urteil aus⸗ gesprochen; es hätten aber allerlei Umstände mitgespielt, die sein Vergehen in milderem Lichte erscheinen lassen. Das Gericht spricht die Erwartung aus, daß dem bisher unbestraften Beamten keine Nachteile weiter in dienstlicher Beziehung anläßlich dieses Vorkomm⸗ nisses entstehen.

Vadische Banknoten in Hessen. Der Ssidd. Kons. Korx, wird aus 0. geschrieben:Wenn der Bauer aus dem südlichen Starkenburg im bengchbarten Baden Rinder oder landwirtschaft⸗ liche Produkte losgeworden ist, muß er wohl oder fübel badische Banknoten als Zahlung annehmen, obgleich sie in Hessen von seder öffentlichen Kasse zurückgewiesen werden. Mitunter gelingt es, sie einem Kaufmann aufzuschwatzen, obwohl diese natürlich zugeknöpft sind. Denn bares Geld lacht, auch wenn es amtlich als nicht ganz koscher gilt. Was so nicht anzubringen jist, das trägt der Land⸗ mann, wenn die Steuer fällig ist, zum Rechner und läßt sich herausgeben. Der ist davon noch weniger erbqut, denn er wird bei der Gelegenheit noch ein gutes Teil des Kleingeldes los, dessen er zur Auszahlung von Löhnen und Krankenunterstützungeen so dringend bedarf. Trotzdem ist er nicht so zugeknöpft wie die Herren an Post und Sparkasse. Er nimmt das Geld und schwatzt es anderen Leuten auf. Das sind in diesem Falle der Pfarrer und der Lehrer, deren Gehälter er auszahlt. So setzt die badische Banknote ihre Reise durch das Hesseyland fort, bis sie zu einem Herr komint, der sie jn der Nähe überhaupt nicht mehr unter bringt. Bei diesem bleibt sie liegen, bis er einmal in eine Stadt kommt, wo eine Bank ist. Dauerk dies zu lange, so wird sie durch die Post an die Bank geschickt. Der Einschreibebrief kostet 35, die Postanweisung, welche die klingende Minze bringt, 25 Pfg., beide einschließlich Bestellgeld also 60 Pfg. Anstatt soo Mk. hat man also nur noch 99,40 Mk. Und doch ist so ein Verlust von einigen Pfennigen, wenn er nicht allzuhäufig kommt, ziemlich unbedeutend im Vergleich zu den zahllosen Scherereien. Ließe sich das im eini gen Deutschland nicht beseftigen?

Gegen Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche werden in letzter Zeit wieder häufsg Mittel wie Gehörpatronen und Ohrbrillen als neue unnd äußerst wertvolle Erfindungen angepriesen. In Wirklichkeit sind sie weder neu noch unersetzlich. Diese außerordesitlich über- teuerten Gummipfropfen usw. können durch viel billigere Dinge,. B. Wattepfropfen, ersetzt werden. Anderseits können sie niemals die ihnen zugeschribenen großartigen Wirkungen haben. Die Ein führung dieser Patronen kany sogar zu schweren Gefahren für das Ohr, selbst zur Lebensgefahr führen, wenn beispielsweise alte Ohr⸗ eiterungen dadurch wieder entflannant werden. Dies gilt für die verschiedensten Mittel, wie die Sommerschen Ohrbrillen, die Schfiller⸗ schen Apparate, für Siegers Gehörpatronen. Die wenigen Fälle, in denen ein solcher Apparat einmal hilft, sind zum Teil durch

obwohl im Orte die dies deshalb untersagt war.

Suggestion zum Teil auf die oben beschriebene einfache Art zu er⸗ zielen. Man muß daher vor dem unüberlegten Ankauf der ange⸗ prie Man ziehe bei Ohrerkrankungen zu⸗

esenen Appgrate warnen. nächst einen Arzt zu Rate. Aufklärung über bestjimmte in der Oeffentlichkejt angebotene Mittel gegen Ohrleiden erteilen jeder- mann kostenlos die Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindel fiypmen in Lübeck, sowie die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung des Kurpfuschertums in Dresden-Hellerau.

Durch Pulverdampf und Kugelregen benennt ein gewisser Armd Waschke qus Liegnitz bei Breslau ein Buch, das 800 Seiten stark und mit Bildern versehen sein soll und das er gegen Vorein sendung von 75 Pfg. zusenden werde. Arno Waschke ist allem An schein nach ein Betrüger, der von Stadt zu Stadt zieht, seine Lock anzeige in den Zeitungen veröffentlicht und die Vorauszahlungen einsterkt, ohne das in Aussicht gestellte Buch zu liefern. Sollte der Aufenthalt des Waschke bekannt werden, so wolle man dies unver gliglich der Zentralstelle zur Bekämpfung der Schwindelfirmen in Lübeck mitteilen. Dort wollen auch von Waschle Geschädigte ihre Veschwerden vorbringen.

Der Krieg ein unverschuldetes Unglück. Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat an den Bundesrat eine interessante Ein gabe gerichtet. Rach dem Handelsgesetzbuch hat der zum Militär dienst einberufene kaufmännische Angestellte Auspruch auf die Fort⸗ zahlung des Gehalts für 6 Wochen. Auf diese Bestimmung stlsstzten sich eine Reihe von Klagen, die vor die deutschen Kaufmann gebracht wurden. Die Rechtsprechung darsüber schwankt. 9 die einen Gerichte den klagenden Angestellten das Gehalt zusprechen werden diese Klagen von anderen Gerichten verworfen, weil in de Kriegsdienstleistung kein unverschuldetes Unglück, sondern die Er fiillung einer vaterländischen Ehrenpflicht zu erblicken sei. Zunächst geht gus der Eingabe hervor, daß eine Anzahl Kaufmannsg ˖ doch wohl einen Gegensatz zwischen der Erfüllung einer vaterländi schen Pflicht und einem Unglück nicht anzuerkennen vermögen. Diese Meinung hat in der Tat viel ffir sich. Es ist natürlich gar keine Rede davon, daß man sich der Erfsillung der Wehrpflicht, zumal im Kriege, entziehen wollte oder könnte; das hindert aber nicht, daß der Krieg als solcher, unbekümmert darum, wie der Einzelne über seine Entstehung denken mag, als ein Unglück empfunden wird, das uns betroffen hat. Diese Empfindung geht auch aus zahllosen Kund gebungen der höchsten Stellen im Staate hervor, wenn natürlich auch immer gusgesprochen wurde, daß nun, wo wir in einen Krieg hineingezogen wurden, glles getan werden müsse, um einen Einbruch feindlicher Heere in unser Land zu verhindern und Sicherung gegen solche Gefahr zu schafsen. So gewinnt die rein juristische Frage, ob der Krieg ein unverschuldetes Unglück sei, eine ganz andere und höhere Bedeutung. Daß das deutsche Volk den Krieg nicht gewollt hat, ist fonnenklar und ist vom Kaiser und Kanzler oftmals ausge⸗ sprochen worden.

- Anlagenmusik. Sonntag, dein 26. Sept., vorm. 11˙½ Uhr in der Süd⸗Anlage ausgeführt von der Kapelle des Landsturm⸗Infanterie⸗ Ersatz⸗Batgillous Gießen. Spielfolge: 1. Altniederländisches Dank⸗ gebet von A. Valerius. 2. Ouverture z. Op.Die beiden Blinden von E. H. Méhul. 3. rtett a. d. Op. Lucia di Lammermoor von Donizetti. 4. Scheiden und Meiden, Walzer von O. Fetras 5. Vor 100 Jahren, Hist. tr. Marsch⸗Pofpeurri von Th. Kruse. 6. Düppel⸗

D

den 26. Sept. von 3 Uhr nachmittags an und die N.

Schangen⸗Sturm-Marsch aun G. Piefte.

Kreis Friedberg ü ingen Bad⸗Nauheim, 25. Sept. Bis zum 23. 8 tember

20 144 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis zum 1915 262 775 abgegeben. 170

Arbeiterbewegung. 25 Jahre Leipziger Gewerkschaftskartel.

Das Leipziger Gewerkschaftskartell blickt auf ein 1 1 0 stehen zurifck. Es wurde am 8. September 1800 gain dem Kartell angeschlossenen Gew ften 3 185 Migt Gründung rund 8000, im Jahre 1914 aber 25 Während der 25jährigen Tätigkeit des Kartells 11 820% Leipziger Gewerkschaften, zum Teil durch das 2 8 050 geben: Zur Unterstützung arbeitsloser 72100880 1 ff zur Unterstützung kranker Mitglieder 5 400 000 Mark, 7 Lohn⸗ bewegungen 3 800 000 Mark, für sozigle Einrichtungen 11 Wahlen 64 000 Mark, für Bildungszwecke 33 000 Mark und zur Un. erhaltung des Arbeitersekretariats 139 000 Mark..

Unterstützungserweiterungen im Bauarbeiterverband. 1

Eine Konferenz des Verbaudsbeirats und ⸗Ausschussos mit dem Verbandsvorstand, die vom 16. 18. September in H en tagte, hat die Wiederinkraftsetzung der statuta rischen Arbei losen⸗ und Krankenunterstützungen vam 1. November d. J. ah beschlossen. Mit diesem Tage wird die am 173

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August 1914 eingeführte Notstands⸗ unterstützung aufgehoben. Die R iseunterstützung wird noch nicht wieder eingeführt. Entgegen der en fra ieren. Bestim⸗ mung, wonach die Unterstützungs berechtigung für die eee Mitglieder erst dann wieder begissut, wenn vom letzten Tage der voraufgegangenen Unterstützungsperjode an gerechnet ein Warte⸗ jahr von 52 Wochen verstrschen und das Milg jed w shrend. dieser

Zeit erwerbsjähig gewesen ist und mindestens 44 Vo beiträge 2 zahlt hat, soll für alle Mitglieder ein neues Unterstützungsjahr* ginnen, sofern sie vom Tage ihrer letzless ee Unterstützung ober seit dem 17. Auguft v. J. mindestens 44 Beiträge geleistet

haben. Als Vollbeiträge werden auch die non der Notstandsunter⸗ stützung in Abzug gebrachten verminderten Beiträge angesehen.

Um auch den nachwekslich erwerbsunfähigen Kranken, die während der Außerkraftsetzung des Statuts Unterstützung, nicht er⸗ halten haben und deshalb beitr rei waren, mit dem 1. November den statutarischen Unterstützungsanspruch zu siche rn, werden i die während ihrer Krankheit verabfolgten Freimarken als Voll marken angerechnet. 5 5

Die an beschloß alsdann noch, zu Weihngchten den Famflien der Kriegsteilnehmer nochmals eine Unterstützung 25 kommen zu lassen. Bisher ist diese Unterstützung während des Krieges dreimal zur Auszahlung gekommen. Sie hat dem Ver- bande bereits 336 000 Mark gekostet. Für die in Aussicht ge 1 vierte Auszahlung werden anderthalb Millionen Mark veransch 1

Der Verband der Buch- und Steindruckerei⸗Hilfsarbejter nach einem Kriegsjahre. b 8 g

Wie viele andere Verbände, so mußte auch der aa een, 8 verband bei Kriegsausbruch das Statut zum Teil aufheben. 1 galt auch hier, die Rot der durch den Krieg arbeitslos Gewordessen zu lindern. In Anbetracht der vorhandenen Mittel wurde 7 nächst beschloffen, die Arbeitslosen 10 Wochen lang zu untersts Nach Ablauf dieser Zeit wurde die Unterstützung auf weitere 5 Wochen ausgezahlt. Dann wurde die Unterstützungsdauer auf 20 Wochen erhöht, und moch ehe diese Zeit perstrichen war ei der Verbaudsporstand eine Verfügung erlassen, wonach lle Aus steuerten auf weitere 5 Wochen noch eine Extraunterstützung er⸗ hielten. 5 1 Vom 1. August 1914 bis dahin 1915 wurde an arbeitslose Mitt

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glieder die ungeheure Summe von 211.716 Mk. ausgezahlt. iese außerordentliche Hilselesstung war jedoch nur möglich, indem die 9 Arbeit befindlichen Mitglieder noch einen Extrabeitrag von 50 wöchentlich zahlten, wodurch 52 168 Mk. eingenommen wurden.

10. April konnte die Krankenunterstistzung wieder eingeführt wer⸗ den. Der Vorstand ist überzeugt, daß der Verband auch die 0 gende Kriegszeit glücklich überstehen wird und bej debe ne den aus dem Kriege heimkehrenden Mitgliedern wieder helfe zur Seite stehen kann.

Eine Gauvorsteherkonferenz des Transportarbejterverbandes nahm nachstehende Erklärung an:

Die ann 19. und 20. September 1915 in Berlin tagende; fereng von Vertretern der Gau- und Ortsvorstände des Deutschei Transportarbeiterverbandes hält die von der Mehrheit der soßzial⸗ demokralischen Reichstagsfraktion im Verlaufe des Krieges 1 genommene Stellung für die auch im Interesse der deutschen Gewenk

schaften allein richtige. l

Die Konferenz schließt sich den von der Generalkommission Gewerkschaften und der Konferenz von Vertretern der Ver 0 vorstände gegen das organisationssch de Treiben ein Sonderbündler gerichteten Erklärung vo udig an. blickt in diesen Versüchem unverafftwortlicher Quertreiber, splitterung und Uneinigkeit in die Organisatfon zu tragen, große Gefahr für das erfolgreiche Wirken der Arbeiterschaft politischem und wirtschaftlichem Gebiete. 5 1

Die Konferenz macht es deshalb gallen Verbandsfunktion zur unbedingten Pflicht, jedem Versuche, derartige organisatjonz⸗ zerstörende Bestrebungen in unseren Verband hineinzutragen, ß aller Entschiedenheit entgegenzutreten.

Vermischtes.

Eine Dynamit⸗Explosion in der Newyorker Untergrundbahn, Reuter meldet aus Newyork: Nach einem Polizejberi infolge einer Dynamjit⸗Explosion beim Bohren des Tunneks eine neue Untergrundbahn sieben Menschen umgekommen und m als 50 schwer verwundet worden. Eine Trambahn, die gerade der Explosionsstelle fuhr, und zwei Personen fielen in das die Erploston entstandene Loch. Unter den Toten befinden sich fl Arbeiter, die bei dem Tunnelbohren beschäftigt waren. Die F

qäste in der Trambahn, 78 Personen, fiberfiel eine Panik. Anzahl Frauen schlug mit den bloßen Händen die Fensterschei ein, um aus den Wagen zu entkommen. Im Aaßeibe 1 Unglück geschah, waren die Straßen voller Menschen. Es wa ick, daß die Fußsteigplatten in der Nähe des Lochs

st wäre die Zahl der Opfer noch größer geworden.

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0 dhiel N Die. wehr ließ sich an Seilen durch das Loch in den Tunnel hies 17 brachte die Verwundeten herauf. Die Unternehmer des Tun baues widersprechen der Ansicht, daß eine zu große Ladung Dy

gebraucht worden sej. Sie behaupten, daß ein großer Felsblt gegen die Eisenstreben, auf denen die Straßendecke ruhte, gef; dagen wurde, wodurch die Steine weggeschoben wurden. Mehr al Arbeiter waren jn dem Tunnel beschäftigt, die meisten jedoch war

in gesichertem Obdach, als die Explosion vor sich ging. 1

Vereinskalender.

i Sonntag, 26. September. , Waßzenboen⸗Steinberg. Wahl verein. Nachmittags 4 Mitgliederversammlung bei Wirt Ludw. Pfaff zur Ludwigs!

Von den Apotheken in Siessen ist am Sonn

hindurch geöffnet die Hirsch-Apotheke.

D.Kaminka, Giehen e Marktplatz ll. übe,

Ukrmacher und Goldarbeiter.

66 Jahre alt. geb. Reiber 9 Ruppert

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