Ausgabe 
24.9.1915
 
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Hessen

weises Hanau die Ma infolge der Eigenherstellung der

Tapezierer für

und Nachbargebiete. Gießen und Umgebung.

0 Der hessische Arbeitsmarkt im August. 12

onatsbericht des Mitteldoutschen Arbeits nachweisver⸗

bands entnehmen wir; In der Metallindu strie hatte nach dem Bericht des Städt Arbeitsamtes Frankfurt a. M. die Maschinenbranche wenig Nach⸗ nach Arbeitskräften, dagegen konnten Bau- und Konstruktlons⸗ schlosser nicht genügend beschafft werden. Bei den Schmieden blieben 50 Prozent der offenen Stellen unbesetzt. In Cassel sehlte es in den Maschinen⸗ und Eisenbahnwagen⸗Fabriken an Schmieden und tüch⸗ digen Drehern, trotzdem eine große Anzahl Kriegsgefangener be⸗ schäftigt wurden. In Wiesbaden mangelte es nach wie vor an Ar⸗ beitskräften. In Oberlahnstein war anhaltend lebhafte Nachfrage mach Schmieden, Schlossern, Formern und Drehern, in Oberursel nach Eisendrehern und Werkzeugschlossern für Fab rikbetriebe. In der Edelmetall⸗Industrie hat sich nach dem Bericht des Arbeitsnach⸗ Lage wenig geändert. An Wagnern herrschte

gel.

Für Sattler hat nach dem Bericht des Städt. Arbeitsqantes Militärverwaltung die Arbeits⸗ gelogenheit bedeutend nachgelassen. Bei den Tapezierern war die Arbeitsgelegenheit zufriedenstellend. Es wurden hauptsächlich Matratzen und Kundschaftsarbeit verlangt. Dagegen war für Polstever auf Möbel keine Arbeitsgelegenheit vorhanden. 5 In der Industrie der Holz⸗ und Schnitzstoffe war für Schreiner auf bessere Möbel wenig Arbeitsgelegenheit vorhan⸗ den. Bauschreiner und Schreiner für Kundschaftsarbeiten konnten jedoch verhältnismäßig leicht untergebracht werden. Nach Anschlä⸗ gern war wenig Nachfrage vorhanden. Während sonst im August zahlreiche Aufträge von auswärts einliefen, lagen im Berichtsmonat solche fast gar nicht vor. Der Deutsche Holzarbeiter-Verband in Frankfurt a. M. berichtet, daß die Lage gegen den Vormonat un⸗ derändert war; immer noch gab es eine große Anzahl von arbeits⸗ losen Bauanschlägern, von denen ein Teil in andere Berufe über⸗ gegangen ist.

Jüngere gelernte Fleischer fanden nach dem Bericht der Fleischer⸗Innung in Frankfurt a. M. stets Arbeit; alle Bewerber konnten untergebracht werden. Für Bäcker waren weniger offene Stellen gemeldet als im Vormonat. Nach dem Bericht des Deutschen Tabakarbeiter⸗Verbandes in Frankfurt a. M. war in der Zigar⸗ renbranche der Geschäftsgang im Berichtsmonat gut. In der Zigarettenbranche war nach demselben Bericht die Geschäfts⸗ lage nicht so günstig.

Nach dem Bericht der Schneider⸗Innung in Frankfurt a. M.

Fahrburschen

1

ging die Zivilschn eiderei im Berichtsmonat sehr schlecht. In der Uniformschneiderei ist allgemein ein Stillstand einge⸗ treten. Die Damenkonfektion ging ebenfalls schlecht. In Wiesbaden konnten bei den Schneidern und Schuhmachern nicht alle offenen Stellen besetzt werden. In der Beschäftigung der Schuh⸗ fabriken in Offenbach a. M. trat gegen den Vormonat eine Verschlechterung ein; es mußte teilweise mit verkürzter Arbeitszeit gearbeitet werden.

Die Bautätigkeit lag danieder; infolge der vielen Ein⸗ berufungen finden jedoch die zurückgebliebenen Bauhandwerker noch immer leicht Beschäftigung.

Im graphischen Gewerbe war nach dem Bevicht des Deutschen Buchdruckerverbandes in Frankfurt a. M. der Geschäfts⸗ gang noch immer still. Das Schriftgießereigewerbe zeigte kleine An⸗ fänge zur Besserung.

Im Gastwirtsgewerbe war die Lage gegen den Vor⸗ monat unverändert.. 5

An Erdarbeitern herrschte nach dem Bericht des Städt. Arbeitsamtes Frankfurt a. M. großer Mangel, nur die Hälfte der angemeldeten offenen Stellen konnte besetzt werden. An geeigneten mangelte es ebenfalls. Die Nachfrage nach Fabrikarbeitern konnte befriedigt werden. Vielfach klagen die Arbeitsämter über die Zunahme arbeitsscheuer Elemente, die unter allerhand nichtigen Vorwänden angebotene Arbeit auch zu guten Lohnbedingungen ablehnen. Die gleichen Beobachtungen wur⸗ den auch in den Obdachlosen⸗Asylen gemacht.

Für ältere Packer und Auslaufer waren die Verhältnisse angünstig; wenn auch wohl Arbeit vorhanden war. so scheiterten die Vermittlungen doch meistens an den Lohnverhältnissen. Für jugendliche Arbeiter hat sich nach dem Bericht des Städt. Arbeftsamtes Frankfurt a. M. die Lage etwas gebessert.

Auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt war die Nachfrage nach Knechten sehr lebhaft, die größtenteils befriedigt werden konnte. Die Nachfrage nach Schweizern ist infolge der Ver⸗ ringerung des Viehbestandes zurückgegangen. Die Nachfrage nach Taglöhnern für die Dreschmaschine konnte befriedigt werden.

Auf dem weiblichen Arbeitsmarkt meldeten sich nach dem Bericht der weiblichen Abteilung des Städt. Arbeitsamtes Frank⸗ furt a. M. mehr Dienstboten als im Vormonat, darunter jedoch sehr viele, die noch nicht im Haushalt tätig und daher schwer unter⸗ zubringen waren. Für die Wasch⸗ und Putzfrauen war mehr Ar⸗ beitsgelegenheit vorhanden als im Vormonat. In der Gastwirts⸗ abteilung war es immer noch sehr still. In der gewerblichen Ab⸗ teilung hat sich das Bild ungünstig verändert. Die Nachfrage von arbeitslosen Frauen und Mädchen hat sich gegen den Vormonat ver⸗ ringert, gleichzeitig bleiben jedoch die Aufträge für Heimarbeit aus, so daß die Arbeitslosigkeit stieg. In den meisten Fällen handelte es sich um Frauen, die früher keine Erwerbsarbeit geleistet haben.

Die Zweite Kammer des Landtags ist auf nächsten Mittwoch, 29. September, zu einer Sitzung einberufen.

Die Zeichnung zur Reichsanleihe in Gießen hat das Ergebnis gehabt, daß 25,4 Millionen Mark bei den verschie⸗ denen Bankhäusern gezeichnet wurden. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf die beiden großen Banken, Mittel deutsche und Darmstädter Bank, nämlich 21½ Millionen. Ferner wurden gezeichnet bei Bankhaus Grünewald 1 Mil⸗ lion, Gewerbebank 650 000, Sparkasse 500 000 Mark usw.

Die Kartoffelpreise sind trotz der überaus reichen Ernte noch immer nicht heruntergegangen. Für den Zent⸗ ner werden noch immer ganz kühn 4 Mk. und sogar noch mehr verlangt. Allerdings sind die Spätkartoffeln noch nicht auf den Markt gekommen; die Ernte ist noch nicht beendet und man darf wohl erwarten, daß die Preise nachdem erheb. lich fallen. Nach sachverständigen Schätzungen beträgt die Ernte 50 Millionen Tonnen, während die Bevölkerung Deutschlands höchstens 16 Millionen Tonnen Speisekartoffeln braucht. Das ist nur ein Drittel. Für industrielle Zwecke wird das zweite Dritte verwendet und das dritte für Saat⸗ gut und Viehfutter verwendet. Der Berliner Markthallen. Direktor Spiecker hält 2.50 Mk. für den Zentner für einen guten Preis, der als Höchstpreis gelten könnte, wenn ein solcher festgesetzt würde. 1

Kriegsverletzte und Kleinhandel. Die Frage, we für die durch den Krieg an ihrer Gesundheit geschädigten Volks- genossen in dauernd wirksamer Weise gesorgt werden kann und soll, gewinnt immer größere Bedeutung, je mehr dis Zahl der Kriegsverletzten anwächst. Es kommt hierbei sehr wesentlich darauf an, daß die Kriegsbeschädigten worunter neben den Verlezten auch die Kriegswitwen zu verstehen

sind nicht nur mit einer Rente abgefunden werden sollen, sondern daß ihnen auch Gelegenheit gegeben werden muß, ihre Eristenz auf dem Ertrag eigener Arbeit aufzubauen. Am besten ist es deshalb, daß auch sie fernerhin in dem vor dem Kriege geübten Berufe tätig sind oder daß sie einen Be⸗ ruf ergreifen, in dem sie ihre ihnen gebliebene Arbeitskraft aum wirksamsten ausnutzen können. Falls ihnen diese Mög⸗ lichkeit, auch unter Mithilfe entsprechender Organisationen, gegeben werden könnte, wäre dies die beste Lösung der Frage. Da dies aber in zahlreichen Fällen nicht möglich sein wird, erscheint es notwendig, daß die betreffenden Personen auch nach anderen Berufen Ausschau halten. Hierbei wird der Händlerberuf wohl der bevorzugteste Beruf sein, da ja auch schon vor dem Kriege zahlreiche Personen, die in ihrem bisherigen Beruf unmöglich geworden waren, dort Unter⸗ schlupf gesucht und gefunden haben. Der Händlerberuf übt seit langem auf zahlreiche Leute eine große Anziehungskraft

aus, weil die allgemeine Auffassung dahin geht, daß zu seiner Ausübung die wenigsten Vorkenntnisse erforderlich

seien und daß er am meisten einbringe. Auch die damit ver⸗ bundene verhältnismäßige Unabhängigkeit trägt eine ge⸗ wisse Anziehungskraft in sich. Da ist es denn se hr wahr⸗ sche i nlich, daß die Kriegsbeschädigten in Massen in den Kleinhändlerberuf hineinströmen werden. Der bekannte Volkswirtschafter, Professor Dr. Wygodzinski (Bonn), behandelt in einem Artikel der Sozialen Praxis (Nr. 43 vom 27. Juli) dies Thema und gelangt zu dem Er⸗ gebnis, daß man mit allen Mitteln unsere Invaliden und Kriegswitwen davor behüten müsse, im Kleinhandel eine neue Existenz zu suchen. Er weist mit Recht darauf hin, daß das Fehlen einer gründlichen Berufsvorbildung eine der Ursachen mit sei, weshalb so viele kleinhändlerische Existenzen Schiffbruch leiden, wozu dann noch das Fehlen eines ge⸗ nügenden Betriebskapitals und die daraus entspringende Borgwirtschaft kommt. Ein anderer Grund für die nicht wegzuleugnende Notloge der Kleinhändler besteht darin, daß der Kleinhändlerberuf überfüllt ist, weil sich in ihm nicht nur verkrachte Existenzen zusammenfinden, sondern auch Leagite, die früher produktiv tätig, aber abhängig waren und nun eine scheinbar unabhängige Stellung suchen. Der in dem modernen Menschen steckende Freiheitsdrang treibt viele in den Händlerberuf hinein, die erst zu spät erkennen, daß die erwartete Freiheit nur ein Truggebilde ist. Wenn sich auch hier und da ein paar Leute emporarbeiten und dann als Lockvögel wirken, so bleibt die große Mehrzahl doch nach vor eingeengt und abhängig vom kaufenden Publikum und den Lieferanten.

Gefallene aus Oberhessen und Nachbargebieten. Ers.⸗Res. Wilhelm Friedrich Bill aus Naunheim. Land⸗ wehrmann Heinrich Lang aus Maar, Kr. Lauterbach. Musketier Wilhelm Textor aus Kirchgöns.

Zulassung eiserner Gewichte. Amtlich wird bekanntgegeben: Durch die Beschlagnahme von Messing, Kupfer und Nickel ist ein empfindlicher Mangel an Präzisionsgewichten und kleinen Ge⸗ wichten, die bisher nur aus diesen Metallen hergestellt werden durften, im Handel hervorgerufen worden. Dem Mangel ist jetzt wie die kaiserliche Normal⸗Eichungskommission mitteilt durch Zulassung von eisenern Gewichten abgeholfen worden.

8 Mit Beseitigung der Nachtarbeit im Bäckereigewerbe b tigte sich dieser Tage eine große Versammlung der Berliner Ba gesellen. Das Referat hatte der Vorsitzende des Bäckerverbandes All ma un aus Hamburg, der auf die längst festgestellten, durch die Nachtarbeit verursachten gesundheitlichen und kulturellen Schädigun⸗ gen verwies. Dann schilderte der Redner die Kämpfe, welche der Verband seit Jahren für die Beseitigung der Nacht⸗ und Sonntags⸗ arbeit führt. Der Erfolg dieser Kämpfe war, daß bis zum Beginn des Krieges 283 Tarifverträ

de

zoche haben. In der Beseitigung der Nach Verband keinen Erfolg. Nun hat der Krieg die Bundesratsverordnung gebracht, welche die Nachtarbeit verbietet. Die Meister fürchteten, das Gewerbe würde dadurch schwer geschädigt werden. Doch diese Befürchtung ist nicht eingetroffen. Es hat sich im Gegenteil gezeigt, daß die Meister, be⸗ sonders auch die kleinen, manchen geschäftlichen Vorteil durchdie Tagesarbeit haben. Infolgedessen ist die Zahl der Meister, welche für Beibehaltung der Tagarbeit sind, immer größer geworden, und ihre überwiegende Mehrheit hat sich gegen Wieder⸗ einführung der Nachtarbeit erklärt. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren hat in Gemeinschaft mit den christlichen und Hirsch⸗ Dunckerschen Organisationen eine Petition an den Bundesrat ge⸗ richtet. Sie sordert ein Verbot der Nachtarbeit für die Zeit von 10 Uhr abends bis 6 Uhr morgens und eine tägliche Arbeitszeit von 10 Stunden für Gesellen und 9 Stunden für Lehrlinge. Die Sonntags⸗ arbeit soll gänzlich verboten werden. Es wird auch, im Gegensatz zur Regierungsvorlage, gefordert werden, daß die Bestimmungen

im ganzen Reich, einheitliche sein sollen und keine Handhabe geboten

wird, welche jeder Gemeinde oder jedem Polizeibezirk die Möglich⸗

keit gibt, abweichende Bestimmungen zu treffen.

Die Versammlung spendete den Ausführungen Allmanns leb⸗ haften Beifall. Vorher war ein Schreiben des Obermeisters vom Germanig-Innungsverband verlesen worden, in welchem der Obermeister erklärte, daß die Junungen nicht die Beibehaltung der Nachtarbeit verlangten, sondern sich in der Frage neutral verhielten. Der Vorsitzende der Versammlung, Schneider, bemerkte dazu, daß die Haltung desGevmania-Verbandes sehr zweifelhaft sei.

Die Preise für Seefische sind in der letzten Woche etwas zurückgegangen, doch sind sie immer noch bedeutend höher als früher. Man hat die höheren Preise mit den gegenwärtigen Schwierigkeiten des Fischfangs begründet: doch wird berichtet, daß die Fischerei außerordentlich günstige Ergebnisse erzielte. Seit Wochen dauern mach diesen Berichten die gewaltigen Fänge von Makvelen und Sprotten an den Küsten von Schleswig⸗Holstein an. Diese Arten Fische gelangen zwar nur als Räuchorware zu uns; doch soll auch der Sckollfisch⸗Fang überaus reichlich ausfallen. Danach zu urteilen, dürften die Preise schon mäßiger sein, der arme Konsument wird aber von allen Seiten unerhört gerupft.

Das Schwurgericht der Provinz Oberhessen, das am 27. Sep⸗ tember zusammentreten sollte, fällt auch diesmal wieder aus, Es liegt nur ein Fall vor; der wegen Brandstiftung Angeklagte befindet sich auf freiem Fuße, die Sache ist also nicht dringend und dem Staate wird dadurch eine ganz erhebliche Summe erspart.

Leihgestern. Der Ziegeleihesitzer Chr. Faber von hier hat an den Land kag eine Vorstellung gerichtet, in der er sich darüber be⸗

schwert, daß er bei dem Feldbereinigungsverfahren benachteiligt worden sei. Seine Beschwerden haben bereits das zuständige

Schiedsgericht beschäftigt: er verlangt, daß seine. Angelegenheit an, ein anderes zurückverwiesen werde. Der vierte Ausschuß der Kam⸗ mer beantragt, der Vorstellung Fabers keine Folge zu geben. Kreis Metlar.

Die Nachmusterung der dauernd Untauglichen findet im Kreise wie folgt statt:

Samstag, den 25. September 1915, Bürgermeisterei Aßlar

vormittags Uhr,

äge von 17000 Bäckergesellen bestanden, von deen 11000 auf Grund der Tarife einen Ruhetag in jeder tarbeit hatte der Sie kann nur durch Gesetz beseitigt werden.

8 17 Montag den 2. Septenven 1919, our gaugs 8% Uhr,

a) Büürgermeisterei A tz ba ch, b) Blürgermeisterei Launsbach. 5

Dienstag, den 28. September 1915, vormittags Uhr, Bürgermeisterei Braunfels(Stadt und Land).

Mittwoch, ben 29. September 1915, vormittags 8% Uhr,

Bürgermeisterei Gre ifenstein. Donnerstag, den 30. September 1915, Bürgermeisterei Re chten bach, 5 aus der Bürgermeisterei Ho hensolms die Art Ahrdt, Alten⸗ kirchen, Vellersdorf. Vermoll, Blasbach und Groß-Altenstädten. Freitag, den 1. Ottober 1915, vormittags Uhr, ) Bürgermeisterei Schöffengrund,. 5 aus der Bürgermeisterei Ho hensolms die

Hohensolms, Mudersbach und Oberlemp.

Samstag, den 2. Oktober 1915, vormittags 8s Uhr, aus der Stadt Wes lar, die in den Jahren 1876-1884 Geborenen. Montag, den 4. Oktober 1915, vormittags Uhr, aus der Stadt Weh lar, die in den Jahren 18851895 Geborenen.

62

J

vormittags Uhr,

Orte Erda,

Von Nah und Fern.

Typhus⸗Erkrankungen sind in der letzten Woche in Jena zahlreich vorgekommen, insgesamt etwa 150, die sich auf das ganze Stadtgebiet verteilen. Man glaubt, daß die Infektion durch irgend ein Nahrungsmittel, das in größerem Umfange genossen wurde, herbeigeführt ist.

Eine schwere Explosion

ereignete sich am Montag in der Hanauer Pulverfabrik. Sie erfolgte in einem Schmelz⸗ haus und richtete Materialschaden an, der jedoch nicht sehr erheb⸗ lich sein soll. Leider ist der Verlust von sechs Men schen⸗ leben zu beklagen und eine Anzahl Arbeiter ist durch Glassplitter größtenteils leicht verletzt.

Zu der Kesselexplofion in Kempten bei Bingen, von der wir gestern berichteten, wird weiter mitgeteilt, daß das Schulmädchen Diekescheid an den erlittenen Brandwunden im Hospital in Bingen gestorben ist. Die explodierte schwere Lokomobile wurde durch den furchtbaren Druck hochgehoben und schlug dann über eine drei Meter hohe Mauer, die fast zerstört wurde, auf ein Nachbarhaus, Ueber zwölf Kinder wurden verletzt, davon sieben schwer mehrere lebensgefährlich.

S. Bensheim, 23. Sept. Zu der Ehetragödie, gestern früh hier abgespielt hat, erfahren wir, daß zwischen dem auscheinend nervenkranken Ehemann Reichenbach und der zwar lebenslustigen, aber guten Ruf genießenden Ehefrau, aus gifer⸗ suchtsgründen seit einigen Tagen Zwistigkeiten herrschten, die so⸗ weit gingen, daß ein in Berlin wohnender Bruder telegraphisch angerufen wurde, damit er vermittelnd eintrete. Er war aber verhindert, zu kommen. Die Frau flüchtete, nachdem sie mehrere Schüsse erhalten hatte, aus dem im ersten Stock gelegenen Wohn⸗ zimmer in die zu ebener Erde gelegenen Räume, wo sie noch um Hilfe rufen konnte; man fand sie dort sterbend in einem Sessel lie⸗ gend. Inzwischen hatte sich der Ehemann selbst einen tödlichen Schuß beigebracht, er wurde schwer verletzt auf dem Boden liegend gefunden. Er starb dann, ohne bas Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Die Leute lebten seit zwei Jahren, seit sie von Böhmen in das Bensheimer Villenviertel zugezogen waren, sehr friedlich, und hatten noch vor wenigen Tagen die Absicht geäußert, zur Erholung des nervenkranken Mannes auf einige Wochen in das Neckarthal Der Mann lebte als Rentner, Kinder sind nicht vor⸗

die sich

zu reisen. handen.

Kein Kriegsbrot mehr in Oesterreich. Die Tage des Kriegsbrotes sind in der vergangenen Woche in ganz Oesterreich⸗ Ungarn zu Ende gegangen. Infolge der überaus günstigen Ernte in Oesterreich-Ungarn ist den Bäckern wieder gestattet worden, nur Weizen⸗ und Roggen mehl für die Brotherstellung zu ver⸗ wenden.

Telegramme. Tageöbericht des Großen Hauptgvartierz.

Artillerie- und Luftkämpfe im Westen. Die Russen verfolgung hinter Wilna. W. B. Großes Hauptquartier, 23. Sept., vorm.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Begünstigt durch die klare Witterung herrschte chuf der ganzen Front sehr rage Tätigkeit der beiderseitigen Artillerien und der Flieger. a

Ein anscheinend gegen die Friedhofstellung von Souchez beabsichtigter Angriff kam in uuserem Feuer nicht zur Durchführung.

Ein feindliches Flugzeug stürzte in unserem Feuer nörd⸗ lich von St. Mene hould brennend ab. Ein anderes mußte nach Luftkampf südöstlich von Von ziers landen. Die Insassen sind gefangen genommen. Ueber Pont 9 Mousson schoß ein deutscher Flieger im Kampf mit zweit Franzosen den einen ab; das Flugzeug stürzte brennend zwischen der deutschen und französischen Linie nieder.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Südöstlich von Lennewaden ist der Kampf noch nicht abgeschlossen. Bei unseren, Gegenangriffen wurden gestern 150 Gefangene gemacht. Auch westlich von Düna⸗ burg gelang es, in die russische vorgeschobene Stellung eiu⸗ zudringen. 17 Offiziere, 2105 Mann, 4 Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Gegenaongriffe gegen die von uns südwestlich von Dünaburg genommenen Linien wurden abgewiesen. 0

Der Widerstand der Russen von nörlich Oschmiana bis östlich von Subotniki(an der Gawia) ist gebrochen. Unsere Truppen folgen dem weichenden Gegner, der über 1000 Gefangene zurückließ.

Der rechte Flügel kämpft nördlich von Nosio Grodek. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Westlich von Walowka wurde die russische Stellung genommen. Dabei wurden 3 Offiziere, 380 Mam gefangen geuommen und 2 Maschinengewehre erbeutet.

Weiter südlich ist die Lage unverändert. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.

Nordöstlich und östlich von Logisch in wird weiter gekämpft.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Oberste Heeresleitung. 0

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